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Full text of "Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften."

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HARVARD UNIVERSITY. 




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MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY 



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DER 



HAISEIfclilCIIiaX 



AKADEMIE 



DER 



WISSENSCHAFTEN 



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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



ERSTER BAND. 




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WIEN. 



AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI 






1850. 

















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ie Denkschriften der kaiserliehen Akademie der Wissenschaften erscheinen nach Ver- 



schiedenheit der beiden Gassen, von welchen sie ausgehen, in zwei gesonderten Reihen 
von Bänden. Jeder Band zerfällt in zwei Abtheilungen, deren erste den Abhandlungen der 



Mitglieder der Akademie gewidmet ist, die andere aber jene Original- Arbeiten von Nicht- 
Mitgliedern enthält, welche der Akademie vorgelegt und von derselben der Aufnahme 



würdig befunden worden sind 



Die Verspätung der Herausgabe der dem Publicum nunmehr vorliegenden Bände, 
womit beide Reihen ihren Anfang nehmen, findet in den Zeitverhältnissen , welche kurz 
nach der Eröffnung der Akademie eintraten, hinreichende Erklärung und Entschuldigung. 

Der Entwicklungsgang äev Akademie erhellet aus den monatlichen Sitzunorsberich- 



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ten ; diese werden durch zeitweise Zusammenstellungen der Ereignisse den Stoff' zu einer 
künftigen Geschichte der Akademie vorbereiten und auch die Nachweisung der Verwen- 
düng der Geldmittel enthalten. 

Eine Veränderung in der Akademie, welche bereits auf den Inhalt der Denkschriften 
Einfluss nahm, verdient hier besonders hervorgehoben zu werden. Sie besteht in der mit 
Allerhöchstem Cabinetschreiben vom 3. Juni 1848 genehmigten Erweiterung der Thätig- 
keit der Akademie durch Aufnahme der theoretischen Medicin unter die Fächer der 
mathematisch -naturwissenschaftlichen, dann der Philosophie und der Staatswissen- 
schaften unter die Fächer der andern Gasse, die dem zu Folge ihre frühere Benennung 







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„historisch-philologische Classe" in die der „philosophisch-historischen" umgeändert hat. 
Im Einklänge damit wurde die Anzahl der wirklichen Mitglieder jeder Classe um Sechs 

* 

vermehrt. Schon vor dem wurde der Akademie gestattet , die früher festgesetzte An- 



zahl von 72 correspondirenden Mitgliedern auf 120 zu erhöhen. 

lieber jede Abhandlung der Denkschriften findet sich in den Sitzungsberichten eine 



kurze, in der Regel von dem Verfasser 



herrührende Anzeige , welche das Neue oder 



Wichtige der Leistung hervorhebt. Diese Berichte enthalten auch eine namhafte Anzahl 
anderer Aufsätze, sowohl von Mitgliedern der Akademie, als auch von Nicht-Mitgliedern : 



nebst den so eben genannten Druckschriften hat die Akademie noch mehrere besondere 

- 

Werke theils selbst herausgegeben , theils deren Herausgabe unterstützt , worüber das 
nachstehende Verzeichniss Auskunft gibt. 



Im Mai 1850. 






















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Druckschriften 



der 



kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. #) 



Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften; Jahrgang 1848. 8°' 5 Hefte 



Sit/iiinffsberiehte der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe 



99 



18*9. 8°- 2 Bände 



99 



„ philosophisch-historischen Classe „ 1849. 8 0, 2 



?? 



Erster Berieht über die zur Dampfschiff-Fahrt geeigneten Steinkohlen Englands. Von Sir Henry 
de la Beche und Dr. Lyon Plaifair. Auf Veranlassung der k. Akademie der Wissenschaften in 
Wien, aus den »Memoirs of the geological surcey of Great Britam" Vol. 11. P. II. übersetzt und 

von ihr herausgegeben. Wien 1849; 8 0, 

Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer 
Geschichte aufgestellten Commission der kais. Akademie der Wissenschaften ; 8°' Jahrg. 1848, 5 Hefte. 
Jahrg. 1849, 2 Bände. 

M^ontes verum aiistriacarum. Oesterreichische Geschichtsquellen. Herausgegeben von der historischen 



Commission der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Zweite Abtheilung : Diplomataria et 
acta. I. Band. Diplomatarhim miscellum seculi XIII. (Urkunden zur Geschichte von Oesterreich, 

Tirol, Aus den Jahren 1246 — 1300. Aus den Originalien 



Steiermark, Kärnten, Kram, Görz. Istrien 



des k. k. Haus-, Hof- und Staats-Archives herausgegeben von J. Chmel.) Wien 1849; 8° 







Auf Kosten der Akademie herausgegebene Werke: 

Arneth, Joseph. Die antiken Cameen des k. k. Münz- und Antiken -Cabinetes in Wien. Mit 25 Kupfer- 
tafeln. Wien 1849; Fol. 

Diemer, joseph. deutsche Gedichte des xi. und xn. Jahrhunderts, aufgefunden im regulierten 

CHORHERRENSTIFTE ZU VORAU IN DER STEIERMARK UND ZUM ERSTEN MALE MIT EINER EINLEITUNG UND 
ANMERKUNGEN HERAUSGEGEBEN. MIT VIER NACHBILDUNGEN DER HANDSCHRIFT. WIEN 1849; 8 0, 



j*. 



) In Commission bei Wilhelm Braumüller Buchhändler des k. k. Hofes und der kais. Akademie der Wissenschaften. 








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Die sing, Car. Maar. Systema Helminthum. Volumen I. Vind. 1850; 8*' 

Meiller, Andreas von. Regesten zur Geschichte der Markgrafen und Herzoge Oesterreichs aus dem 
Hause Babenberg. Aus Urkunden und Saalbüchern gesammelt und erläutert. Wien 1850; 4 0, 

Unger, F. Genera et species plantarum fossilium. Vind. 1850; 8°* 



Unter der Presse: 

Arneth, Joseph. Die antiken Gold- und Silbermonumente des k. k. Münz- und Antiken-Cabinetes. 
Prokesch -Osten. Geschichte des griechischen Befreiungskrieges. 









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Mit Unterstützung der Akademie herausgegebene Werke: 

Diemer, joseph, die kalserciironik nach der ältesten Handschrift des Stiftes vorau AUFGEFUNDEN 

MIT EINER EINLEITUNG, ANMERKUNGEN UND DEN LESEARTEN DER ZUNÄCHST STEHENDEN HSS. HERAUS- 
GEGEBEN. THEIL I. — URTEXT. WIEN 1849; 8° 

■ 

Bergmann, Joseph. Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates 
vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert. In treuen Abbildungen mit lithographirten histo- 
rischen Notizen. Wien 1848—1849, bei Tendier; 4° 







Unter der Presse : 



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Unger, F. Landschaftliche Darstellungen vorweltlicher Perioden 



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Mitglieder 



der 



kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



(Mai 1850.) 



Inländische Ehrenmitglieder der Gesammt-Akademie. 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Erzherzog Franz Carl. 



55 



Ludwig. 



Graf fnzaghi, Carl. 



55 



Kolowrat- Liebstein sky, Anton 



Freiherr Kübeck von Kuban, Carl Friedrich. 
Fürst Mette mich, Clemens. 

Graf Mün ch-Bellinghausen , Joachim Eduard 
Freiherr Pillersdorff, Franz. 



Mitglieder der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe. 

Im lnlande. 
Wirkliche Mitglieder. 

Ernennung vom 14. Mai 1847. 



Baumgartner, Andreas Wien. 

Bordoni, Anton Pavia. 



Carlini, Franz 



Mailand 
Wien. 



Ettingshausen, Andreas von .... 

Hai ding er, Wilhelm Wien. 

Hyrtl, Joseph Wien. 

Kreil, Carl Prag. 

Parts ch, Paul Wien. 



Prechtl, Johann Ritter von Wien. 

Redten b acher, Joseph Wien. 

Santini, Johann Padua 



Schrötter, Anton 



Wien. 



Stampfer, Simon Wien. 

Unger, Franz Wien. 

Zippe, Franz Prag. 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Burg, Adam Wi 

Doppler, Christian Wi 



len. 



len. 



Kollar, Vincenz 



Fenzl, Eduard Wien. 



Wien 

Koller , Marian Wien 

Reuss, August Emanuel Prag. 



Ernennung vom 26. Juni 1848. 

Fitzinger, Leopold Wien 



Ernennung vom 17. Juli 1848. 



Boue, Ami Wien. 

Diesing, Carl Wien. 

Heckel, Jacob Wien. 



Prag. 



Rochleder, Friedrich 

Rokitansky, Carl Wien 

Skoda, Joseph . . Wien 



VII 






VIII 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 



Brücke, Ernst Wien. 



| Petzval, Joseph Wien 



Corrcspondircn.de Mitglieder 

Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Belli, Joseph .... 

Hauer, Franz Ritter von 

Haus Iah, Franz Edler von 

H e s s 1 e r , Ferdinand 

Kunzek, August 

Littrow, Carl Ludwig Edler von 

Panizza, Bartholomäus Ritter von 



Pavia. 
Wien. 
Wien. 
Wien. 
Wien. 
Wien. 
Pavia. 



Petrina, Franz 
Presl, Carl Borziwog . 
Redten h acher, Ludwig 
Russegge r, Joseph 
Schott, Heinrich 



Stein heil, Carl August 



Prag. 
Prag. 
Wien. 
Wieliezka. 



Schönbrunn 



Wien. 















• 









Ernennung vom 26. Juni 1848. 



Balling, Carl Prag. 

Frey er, Heinrich Laibach. 

Fuchs, Wilhelm Ofen. 



Purkinje, Johann . 



Prag. 



Gintl, Wilhelm 



Wien. 



ISruschauer, Franz Gratz. 

Löwe, Alexander Wien. 

Moth, Franz Wien. 



Reichenbach, Carl Wien 

Reissek, Siegfried Wien 

Salomon, Joseph Wien 

Wert hei m, Theodor Wien 

Wert heim, Wilhelm Paris 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 



Barrande, Joachim Prag. 

Weisse, Maximilian ..... Krakau. 
Ivner, Rudolph Wien. 



Wedl, Carl 



Wien 



F r i t s c h , Carl Prag. 



Im Auslande. 
Ehrenmitglieder 

Ernennung vom 1, Februar 1848. 



Brown, Robert London. 



Buch, Leopold von . 
Faraday, Michael . 
Gauss, Carl Friedricl 



ii 



Berlin. 

London. 

Göttinnen. 



Humboldt, Friedrich Heinrich Ale- 
xander Freiherr von . 
Lieb ig, Juslus Freiherr von . 



Berlin. 
Giessen 



Müller, Johann Berlin. 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 



Herschel, Sir John London 



Corresfioiidirende Mitglieder. 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Marburg. 
Paris. 



B u n s e n , R 

Dumas , Jean Bapt 

Elie de Beaumont, Leonce . . Paris. 

Fncke, Johann Franz Berlin. 

Jacobi, Carl Gustav Jacob . . . Berlin. 



Marti us, Carl Friedrich Philipp von 



München. 



Meli oni, Macedonio Neapel. 

Meyer, Hermann von Frankfurt a. M. 



Mit scherlich, Eilard 

P o g g e n d o rf, Johann Christian 

u e t e 1 e t, Lambert Adolphe Jacque 

Böse, Heinrich 

T s c h u d i , Jacob von 

W eb er , Ernst 



Weber, Wilhelm 
Wo hier, Friedrich 



Berlin. 
Berlin. 

Brüssel 

Berlin. 

Wien. 



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Göttingen 
Göttinnen. 


















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IX 



Ernennung vom 26. Juni 1848. 



Agassis* , Louis 

Bischoff, Theodor Ludwig Wilh. . 
Dove, Heinrich Wilhelm .... 
Edwards, Henri-Milne .... 
Ehrenberg, Christian Gottfried 
Fuchs, Johann Nep München. 



Neufchatel. 

Giessen. 

Berlin. 

Paris. 

Berlin. 



Gm elin , Leopold 

G r u n e r t , Johann August 

Mädler, Johann Heinrich 



Mo hl, Hugo . . 
Owen, Richard Esq 
S c h 1 e i d e n , J. J. 



Heidelberg 

Greifswald 

Dorpat. 

Tübingen. 

London. 

Jena. 



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um. 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 



Fuss, Paul Heinrich 



St. Petersburg 



Mitglieder der philosophisch-historischen Glasse. 



Im Inlande. 



Wirkliche Mitglieder 



Ernennung vom 14. Mai 1847. 



Arn eth, Joseph Wien. 

Au er, Alois Wien. 

Chmel, Joseph Wien. 

Cittadella-Vigodarzere, Andrea 



Conte 



Venedig. 



Grillparzer, Franz Wien. 

Harn mer-Purgst all, Joseph Frei- 
herr von Wien. 



Hügel, Carl Freiherr von 
Jäger, Albert . . . . 



Florenz. 
Innsbruck. 
Kemeny, Joseph Graf Klausenburg 



L a b u s , Johann Mailand. 

Litta, Pompeo Conte Mailand. 

Münc h - Bellinghausen , Eligius 

Freiherr von Wien. 

P a 1 a c k y , Franz ...... 

Schaf arik, Paul 



Prag. 

Prag. 



Stültz, Jodok St. Florian 

Teleky, Joseph Graf 

Weber, Beda 



Klausenburg. 
Frankfurt a. M 



Wolf, Ferdinand Wien. 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Bergmann, Joseph . . . . 
Karajan, Theodor Georg von . 



Wien. 
Wien. 



Pfizmaier, August Wien. 






Ernennung vom 26. Juni 1848. 

Diemer j Joseph Wien 



Ernennung vom 17. Juli 1848. 



Exner, Franz Wien. 



Kudler, Joseph Wien 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 

Springer, Johann Wien 



Correspondirende Mitglieder« 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Ankershofen, Gottlieb Freiherr von 



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IHumberger, Friedrich .... 
Boller, Anton Wien. 



Klagenfurt 
Göttweig. 



Filz, Michael Michelbeuern 



G ar, Thomas . 



Padua. 



C i c o g n a , Emanuel 



Venedig. 



Goldenthal, Jacob Wien. 

Hanka, Wenzel 



Prag, 
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Jäszay, Paul von Pesth. 

Keiblinger, Ignaz Matzelsdorf. 

Miklosich, Franz Wien. 

S ei dl, Johann Gabriel Wien. 



Toldy, Franz Pesth. 

Wartinger, Joseph Gratz. 

Wolny, Gregor . . Brunn. 



Ernennung vom 26. Juni 1848. 



Bauernfeld, Eduard Edler von 



Wien. 



Birk, Ernst Wien. 

Prokesch, Anton Freih. v. Osten Berlin. 



Remele, Johann Nep Wien. 

Schlager, Johann Evang. . . . 



wSchuller, Johann Carl 



. Wien. 

. Hermannstadt. • 






Ernennung vom 19. Juni 1849. 



B o n i t z , Hermann Wien. 

C zornig, Carl Wien. 



Hye, Anton Wien. 



Im Auslande. 
Ehrenmitglieder« 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



Grimm, Jacoh Berlin. 



Guizot, Franz Wilhelm 



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Paris. 



Mai, Angelo Rom. 

Pertz, Georg Heinrich Berlin. 



Reinaud, Jos. Toussaint . 



Paris. 



Ritter, Carl Berlin. 

Wilson, Horaz H Oxford 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 

Rau, Heinrich Heidelberg, 



Correspoiidireiide ^Mitglieder 



Ernennung vom 1. Februar 1848. 



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S a i n z de B a r a n d a , Don Pedro 
Böhmer, Johann Friedrich . 

B u r n o u f , Eugene 

Cibrario, Giovanni Nobile . 
D ah 1 mann, Friedrich Christoph 

Diez, Friedrich 

Flügel, Gustav Lebrecht 
Gfrörer, A. Fr 



Madrid. 

Frankfurt a. M. 
Paris. 
Turin. 
Bonn. 
Bonn. 
Meissen. 
Freiburg im Breisgau. 



Haupt, Moriz Leipzig. 



Karadschitsch, Wuk - Stephano- 

wich Wien. 

Maelen, Philipp Vander .... Brüssel. 

Michel, Francisque Bordeaux. 

Mo hl, Julius von Paris. 

Schindler, Andreas München. 

Stenzel, Gustav Ad. Harald . . Breslau. 

Thi er seh, Friedrich Wilhelm . . München. 



Ernennung vom 26. Juni 1848. 



Bland, Athaniel London. 

Creuzer, Friedrich 



Fallme rayer, Jacob Philipp 
Gervinus, Georg Gottfried . 



Heidelberg 
München. 

Heidelberg. 



Stalin, Christoph Friedrich 



Stuttgart 



Unland, Ludwig Tübingen 

VVilkinson, J. G London. 



Ernennung vom 19. Juni 1849. 



Brandis, August Bonn. 

Gachard, Ludwig Prosper . . . Brüssel- 
Gerhard, Eduard Berlin. 



Brüssel. 



Kerckhove, Jos. Vicomte . . . 

Kopp? Eutychius Lu 

Ritter, Heinrich Göttingen. 



zern. 



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Veränderungen seit der Gründung der Akademie. 



Mit Tode abgegangen 



Im Inlande. 



XI 



Corda, August Joseph 



Mathematisch - naturwissenschaftliche Classe. 



Balbi, Adrian Edler von . 
Presl, Joh. Swatopluk . . 



Wirkliche Mitglieder. 



Venedig. 



. Prag. 



Rusconi, Mauras Mailand 



Correspondirendes Mitglied, 



Prag 






Philosophisch - historische Classe. 



Wirkliche Mitglieder, 



Feuchter sleben 9 Ernst Freiherr v. Wien. 
Muchar, Albert von Gratz. 



Py rke r, Franz Ladislaus v. Felsö-Eör Erlau. 
Wenrich, Georg Wien. 



Correspondirende Mitglieder, 



Fräst, Johann von Zistersdorf. 

Kiesewetter, Raphael Edler von . Wien. 



Spaun, Anton Ritter von 



. . Linz. 



Im Auslande. 

Mathematisch - naturwissenschaftliche Classe, 

Ehrenmitglied 
Berzelius, Johann Jacob Freiherr von • Stockholm 

Philosophisch - historische Classe, 

Ehrenmitglied. 
Hermann, Johann Gottfried Leipzig. 



Correspondirende Mitglieder. 



Letronne, Anton Johann 



Paris. 



I Orelli, Johann Caspar von 



Zürich. 



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Ausgetreten. 

Endlicher, Stephan . . Wien, ) wirkliche Mitglieder der philosophisch 
Dessewffy, Emil Graf . Pesth ; \ historischen Classe. 






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Hrste Abtheilang 



Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie. 



Mit öS Tafeln. 












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Ueber 



einen neuen allotropischen Zustand des Phosphors. 



Von A. Sehr öfter. 



(Vorgetragen in der Sitzung- der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe am 9. December 1847.) 



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Andere Gelehrte bezeichnen den rothgefärbten Phosphor 



geradezu als einen 



his ist eine seit langer Zeit bekannte Thatsache , dass der Phosphor , der Einwirkung des Lichtes 
ausgesetzt, eine rothe Farbe annimmt. Man gibt an, dass diese Veränderung sowohl in luftleerem 
Räume als auch in allen gegen den Phosphor indifferenten Gasen erfolgt; in Stickgas soll der Phosphor 
jedoch , nach A. Vogel, nicht roth , sondern weiss werden. Ueber die Ursachen dieser interessanten 
Thatsache herrschen die verschiedensten Ansichten , und man ist darüber eben so wenig im Reinen, 
als über die näheren Umstände , unter welchen die obige Umänderung vor sich geht. Berzelius 
schreibt das Rothwerden des Phosphors dem Uebergange desselben in eine andere Modification zu; 
eine Ansicht, welche ganz besonders durch die wichtigen Thatsachen an Wahrscheinlichkeit gewann, 
die Berzelius beim Verhalten des Phosphors gegen Schwefel und den dadurch gebildeten Phosphor- 
sulfometallen entdeckte. 

mit Phosphoroxyd gemengten, und L. Gmelin, der ebenfalls dieser Ansicht ist (s. dessen Handbuch 
I. p. 560), hält es für wahrscheinlich , dass der im Vadium und in den sauerstofffreien Gasen durch 
die Einwirkung des Lichtes roth werdende Phosphor nicht ganz trocken sei, der Sauerstoff also von 
dem Wasser herrühren könne , welches derselbe , bei gleichzeitiger Einwirkung des Lichtes , zu zer- 
setzen vermag. In der That muss man zugeben , dass , wenn man die Bildung des Phosphoroxydes 
als die Ursache des Rothwerdens annimmt, diess auch die einzige Quelle von Sauerstoff ist, welche 
bei dem heutigen Stande der Wissenschaft für wahrscheinlich gelten kann. 

Dieses war der Zustand unserer Kenntnisse in Bezug auf die Frage , welches die wahre Ursache 
des Rothwerdens des Phosphors sei, als ich, und zwar schon im Juni des Jahres 1845, veranlasst 
wurde, dieses räthselhafte Verhalten desselben näher zu studiren. 

Es schien mir vor allem nothwendig auszumitteln , ob denn wirklich die Gegenwart von Sauer- 
stoff, sei es des freien oder des z. B. an Wasserstoff gebundenen , zum Rothwerden des Phosphors 



ich vollkommen reinen , farblosen , so 



gut wie möglich 



nothwendig sei. Zu diesem Behufe brachte 
getrockneten Phosphor in eine Kugelröhre, und setzte diese mit einem Apparate in Verbindung, aus 
welchem sich Kohlensäure entwickelte. Vor dem Anlegen der Röhre , welche den Phosphor enthielt, 
Hess ich so lange das Gas durch das zum Reinigen und Trocknen desselben bestimmte Röhrensystem 
strömen, bis dieses vollkommen von aller atmosphärischen Luft befreit war. Die Röhre, welche den 
Phosphor enthielt, war mit einer Chlorcalciumröhre verbunden und dann erst mit Wasser abgesperrt. 



Ich leitete nun das Gas so lange bei gewöhnlicher Temperatur über den Phosphor , bis es von Aetz- 
kali vollständig absorbirt wurde, und erhitzte denselben dann nach und nach bis weit über 100°, um 
so alle Feuchtigkeit zu entfernen. Nachdem dieser Zweck vollkommen erreicht war , wurde die Röhre,, 
ohne sie von dem Apparate zu nehmen, zuerst an der Seite abgeschmolzen, welche mit dem Röhrensysteme, 
durch das die Luft einströmte , in Verbindung stand , und dann wurde sie auch am anderen Ende 






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A. Schratte r über einen neuen 



zuoesehmolzen. Nachdem der Phosphor auf diese Weise weder mit freiem Sauerstoffe noch mit Wasser 
in Berührung- war , überliess ich ihn der Einwirkung des Lichtes. Schon nach kurzer Zeit fing derselbe 
an, roth zu werden, und zwar um so rascher, je intensiveres Licht auf denselben einwirkte. Aber 
auch im zerstreuten Lichte, bei einer Temperatur von — 14° C und selbst wenn das Licht zuerst 
durch eine Wasserschichte gehen musste, war der Phosphor nach wenigen Tagen intensiv roth gefärbt. 
Es war hiebei ganz deutlich zu bemerken, dass der Phosphor nicht, wie man häufig meint, durch 
seine ganze Masse roth wird; sondern dass sich ein rother fester Körper in feinen Theilchen aus 
demselben abscheidet. Derselbe Versuch wurde, immer mit gleichem Erfolge, auch in Wasserstoffgas, 
das aufs sorgfältigste gereiniget und ganz geruchlos war; so wie mit Stickgas angestellt. Dieses letz- 
tere befand sich in einem Gasometer und wurde, ehe es noch mit dem Phosphor in Berührung kam, 
über glühendes, feinvertheiltes Kupfer geleitet. Beim Oeffnen der den rothgewordenen Phosphor ent- 
haltenden Röhren war weder durch den Geruch noch sonst auf eine Weise das Vorhandensein eines 
fremden Gases zu bemerken, und diess war auch dann nicht der Fall, als der Phosphor in feuchtem 

Zustande angewendet wurde. 

Aus den angegebenen Thatsachen muss , glaube ich , der Schluss gezogen werden , dass die Ver- 
änderung , die der Phosphor durch die Einwirkung des Lichtes erleidet , von der Gegenwart des Sau- 
erstoffes gänzlich unabhängig ist, dass dieselbe also auf keine Weise durch eine Oxydation bedingt sein 
könne. Ich werde weiter unten zeigen, dass der sich hiebei absondernde rothe Körper wirklich nichts 
als reiner Phosphor ist , der sich jedoch in einem anderen allotropischen Zustande , und zwar in dem 

amorphen, befindet. 

Es war nun zunächst zu untersuchen , ob die gedachte Veränderung des Phosphors nicht noch 

auf eine andere Art als durch die Einwirkung des Lichtes hervorgebracht werden könne. Sowohl durch 

■n die Gelegenheit hatte, als 



mehrere Erscheinungen , die ich bei den obigen Versuchen zu beobachten 
durch die Betrachtung , dass sich die Wärme in so vielen Fällen , wo es 



sich 



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kungen handelt, wie das Licht verhält, wurde ich veranlasst, zu versuchen, ob sie sich nicht auch hier 
mit gleichem Erfolge dem Lichte substituiren lasse. Zu diesem Zwecke liess ich an dem Halse einer 
Betorte von hartem Glase eine Kugel aufblasen , und brachte dann sowohl in die Retorte selbst als 
in die Kugel getrockneten Phosphor. Mit dem Halse der Retorte wurde eine Röhre luftdicht verbun- 
den, deren verticaler , ungefähr 28 Zoll langer Schenkel in Quecksilber tauchte. Der Theil des Hal- 
ses zwischen der Kugel und dem Korke enthielt Chlorcalcium , und in dem Tubulus der Retorte war 
ein Thermometer , dessen Cylinder ganz in den Phosphor tauchte , luftdicht eingekittet. Nachdem der 
Apparat auf diese Weise vorgerichtet war, erwärmte ich zuerst den in der kleinen Kugel befindlichen 
Phosphor soweit , dass er sich entzündete und auf diese Weise allen in dem Apparate enthaltenen 
Sauerstoff verzehrte. Um die allenfalls noch vorhandene geringe Menge von Wasser zum Chlorcalcium 
zu treiben, erhitzte ich nun den in der Retorte befindlichen Phosphor bis 100° und liess dann den 
Apparat erkalten. Das Quecksilber stieg in der Röhre in die Höhe und behielt seinen Standpunct un- 
verändert bei. Nun erst, wo man mit grosser Sicherheit annehmen konnte, dass der Phosphor der Re- 
torte sich in einer Atmosphäre von hinreichend reinem Stickgas und ausser aller Berührung mit Sau- 
erstoff befinde , wurde derselbe stärker erhitzt , aber die Temperatur hiebei nur sehr langsam gesteigert. 
Anfangs zeigte sich keine Veränderung , der Phosphor erschien ganz durchsichtig und sublimirte schon 
bei 150° C, floss aber in wasserhellen, das Licht stark zerstreuenden Tropfen wieder in den Bauch 
der Retorte zurück. Als jedoch die Temperatur auf 226 ° C gestiegen war und längere Zeit in dieser 
Höhe erhalten wurde , traten andere Erscheinungen ein , die wohl längst und oft bemerkt , aber bisher 
von Niemanden richtig gedeutet wurden, und welche vielleicht auch ich unbeachtet gelassen hätte, wenn 
ich nicht durch die vorher angeführten Thatsachen darauf vorbereitet geAvesen wäre. Der Phosphor nahm 
nämlich bald die schöne , fast carmoisinrothe Farbe an, welche er durch die Einwirkung des Lichtes 













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allotropischen Zustand des Phosphors. 



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erhält; wurde nach und nach dickflüssig, immer dunkler und zuletzt völlig undurchsichtig. Diese Ver- 
änderung des Phosphors fand jedoch nicht plötzlich sondern successive statt, und ich konnte auch 
hier sehr deutlich bemerken, dass sich zuerst am Boden feine rothe Theilchen abscheiden, deren Menge 
schnell zunimmt, und die sich dann durch die ganze Masse gleichförmig vertheilen. Wird der Phos- 
phor längere Zeit, etwa durch 48 — 60 Stunden ununterbrochen bei einer Temperatur, die zwischen 
240 und 250 °C liegt, erhalten, so setzt sich am Boden des Gefässes eine feste, mehr oder minder 
dicke Schichte von amorphem Phosphor ab, während die obere Schichte noch ziemlich viel gewöhnli- 
chen Phosphor, aber auch mit einer beträchtlichen Menge amorphen gemengt, enthält. Bringt man in 



den Kolben, nachdem er erkaltet ist, Wasser von 50 — 60 C, so schmilzt nur die obere Schichte 
weg, und man kann aus derselben auf die gewöhnliche Weise Stangen formen, die durch die ganze 

Phosphor 



Masse gleichförmig korallenroth gefärbt und weit härter und spröder als der gewöhnliche 
sind. Zerbricht man sie , was bei einiger Dicke derselben nur mit beträchtlicher Kraft geschehen kann, 
so zeigt sich im Momente der Trennung eine Lichterscheinung, und der Phosphor entzündet sich, 
wenn seine Temperatur auch einige Grade unter 0° war. Die Temperatur, bei welcher der Phosphor 
amorph wird, lässt sich nicht mit Genauigkeit bestimmen, denn innerhalb gewisser Gränzen bewirkt 
eine niedere Temperatur dasselbe in längerer Zeit , was bei einer höheren schon in kürzerer geschieht. 
Ich sah die Umwandlung bei 2 1 5 ° C eintreten , wenn der Phosphor lange 



ausgesetzt wurde ; am raschesten geht sie indess 



genug dieser Temperatur 
, wie oben angegeben, zwischen 240 und 250° vor 
sich. Als ich den eben beschriebenen Versuch so anstellte, dass die Retorte zugleich vom Lichte ge- 
troffen wurde, zeigte es sich sehr deutlich, dass die Wirkung des Lichtes und die der Wärme sich 
gegenseitig unterstützen , so dass i 



IcliI 



sagen kann: erwärmter Phosphor wird durch das Licht viel 
schneller geröthet als kalter, oder vom Lichte getroffener Phosphor bedarf einer geringeren Tempera- 
tur-Erhöhung, um auf die oben angegebene Art verändert zu werden, als im Dunkel befindlicher. 
Diess beweiset zugleich , dass die Einwirkung der Wärme und die des Lichtes von gleicher Art sind» 
Ob es übrigens nicht eine Temperaturgränze gibt, bei welcher das Licht allein die Veränderung nicht 
zu bewirken vermag , sowie factisch für die Wärme eine solche Gränze wirklich verhanden ist , muss 
für jetzt dahingestellt blei 

Der Phosphor kann also durch die Einwirkung der Wärme allein eben so modificirt werden , wie 
durch die des Lichtes, und die Annahme, dass der sich hiebei bildende rothe Kö 



en 



orper 



wirklich nichts 



anderes als reiner Phosphor in einem anderen allotropischen Zustande sei , erscheint im höchsten Grade 
wahrscheinlich. In dem Folgenden werde ich, und zwar wie ich hoffe, durch unwiderlegliche Thatsa- 

ausser Zweifel setzen. Es wird sich nämlich herausstellen, dass 



chen 



die Richtigkeit dieses Satzes 



der rothe Körper, welcher sich dem der Einwirkung des Lichtes oder der Wärme ausgesetzten Phos- 

den gewöhnlichen , das 



phor beigemengt, nichts als amorpher Phosphor ist, der sich gegen 
ist krystallisirten , wie die amorphe Kohle zum Demant oder Graphit verhält. 

Um diesen Beweis zu führen, war es nothwendig, entweder den rothen Körper zu isoliren und 



durch quantitative Bestimmungen zu zeigen, dass derselbe geeignete, wägbare Verbindungen 



in 



der- 



selben Menge liefert, wie gewöhnlicher Phosphor; oder die Bildung dieses Körpers unter 



Umständen 



zu bewerkstelligen , die jede Einmischung eines andern Körpers absolut unmöglich erscheinen lasset*? 
und, wenn es angeht, unter Beobachtung derselben Vorsichten, auch rückwärts aus dem rothen Körper 
ohne alle Gewichtsveränderung, gewöhnlichen Phosphor darzustellen. Ich zog es vor, den letzteren 
Weg einzuschlagen , da die auf demselben erhaltenen Resultate sowohl von dem Werthe der Äequivalente 



als von den bei allen numerischen Bestimmungen unvermeidlichen Beobachtungsfehlern unabhängig 



s 



d. 



und daher ungleich schärfer beweisend sein müssen als die, welche quantitative Bestimmungen hätten 
geben können. Da es hiebei darauf ankommt, 



auch die geringsten störenden Einflüsse zu beseitigen. 



was nur durch eine zweckmässige Einrichtung der Apparate sowohl als der Methode des Versuches 



i 






































c* 




* 



A. Sehr ött er über einen netten 



seihst erreicht werden kann; so muss ich beide hier ausfuhrlicher beschreiben als dieses sonst 

nöthig wäre. 

Um jeden Einwurf zu beseitigen, musste die Art, wie der bereits beschriebene Versuch angestellt 

wurde , einige Abänderungen erleiden. Es wurde nämlich eine Röhre aus hartem Glase so vorgerichtet, 

wie die nebenstehende Figur zeigt. In die Kugel c brachte 
ich wohl getrockneten Phosphor und setzte dann bei a die 
Röhre mit einem Apparate in Verbindung , in welchem Koh- 
lensäure entwickelt und aufs sorgfältigste getrocknet und ge- 
reinigt wurde. Rei b war dieselbe etwas eingezogen und ihr 



co 



J 







r 



verticaler, über 28 Zoll 



langer 



Schenkel mit Quecksilber 




» 



abgesperrt. Ich leitete nun so lange Kohlensäure durch den 
Apparat , bis das bei h austretende Gas vollständig von Aetz- 
kali absorbirt wurde , also reine Kohlensäure war. Nach voll- 
ständiger Erreichung dieses Zweckes erwärmte ich den Phos- 
phor etwas über 100°, um alle Feuchtigkeit durch den fort- 
dauernden Gasstrom zu entfernen, eine Vorsicht, die not- 
wendig ist , weil hiebei meistens noch Spuren von Was- 
ser bemerkt werden. Als die Röhre auf diese Weise voll- 
ständig getrocknet war , wurde sie bei b mit dem Löthrohre 
so weit erhitzt, dass dieselbe abgezogen, zugleich zuge- 
schmolzen und so von dem übrigen Apparate getrennt werden konnte , ohne dass sich im mindesten etwas 
an dem früheren Zustande derselben hatte ändern können. Nach dieser sorgfältigen Vorbereitung erhitzte 
ich den Phosphor bis zu der Temperatur , wo er roth zu werden anfängt , und erhielt ihn eine Zeit lang 
bei derselben. Hiebei fand nicht die geringste Gas-Entwicklung oder Absorption Statt, und diess war 
eben so wenig der Fall, als die Temperatur so weit gesteigert wurde, dass der Phosphor zu sieden und 
in die zweite Kugel überzudestilliren anfing. Er sammelte sich in derselben als eine fast wasserhelle, nur 
etwas gelbliche , das Licht stark zerstreuende Flüssigkeit, während der rothe Antheil in der ersten Ku- 
gel zurückblieb. Ich behandelte nun den Phosphor in der zweiten Kugel d auf gleiche Art, indem ich 
denselben zuerst roth werden liess und dann den ungeändert gebliebenen Theil in die Kugel e über- 
destillirte. Die gleiche Rehandlung erfuhr derselbe auch noch in der Kugel e, so dass zuletzt die Ku- 
geln c , d und e nur rothen Phosphor enthielten , während der ungeändert gebliebene sich in der letz- 
ten Kugel befand. Nun ging ich wieder zur ersten Kugel c zurück und erhitzte dieselbe abermahls; als 
die Temperatur hinreichend gesteigert war, fing plötzlich auch der rothe Phosphor an zu verschwinden 
und setzte sich, ohne eine Spur zurück zu lassen, in dem kälteren Theile der Röhre in eben so reinen 
Tropfen wie der gewöhnliche Phosphor an. Auf gleiche Weise verfuhr ich auch mit den anderen Kugeln, 
so dass zuletzt aller Phosphor wieder in seinem gewöhnlichen Zustande in der letzten Kugel enthalten 

Hiebei hatte sich der Stand des Quecksilbers nicht weiter verändert , als insofern diess durch ab- 
wechselnde Erhöhung und Erniedrigung der Temperatur bedingt wurde. Es war also auf diese Weise 
der Phosphor in einer vollkommen indifferenten Atmosphäre aus der gewöhnlichen in die rothe und aus 
dieser wieder in die gewöhnliche Modilication wiederholt übergeführt worden , und es ist einleuchtend, 
dass dieser Versuch , bei einer grösseren Anzahl von Kugeln , noch beliebig oft hätte wiederholt werden 
können ; so dass endlich der ganze Phosphor in die rothe Modilication umgewandelt worden wäre. 



war. 



Auf dieselbe Art und mit ganz gleichem Erfolge wurde die Umwandlung des Phosphors auch 



m 



Wasserstoffgas und Stickgas bewerkstelliget, welche beide mit der scrupulosesten Sorgfalt gereinigt und 
getrocknet waren. Der Versuch mit Stickgas wird übrigens am einfachsten angestellt, wenn man sich 
statt, wie oben beschrieben wurde , einer Retorte, nur einer einzigen Röhre bedient, welche an ihrem 



\> 












* 


























t- 







allotropischen Zustand des Phosphors. 



5 






horizontalen, etwa 16 Zoll langen Schenkel mit k bis 6 Kugeln versehen ist. In die erste, am Ende 
der Röhre befindliche Kugel kommt der unzuwandelnde möglichst gut getrocknete Phosphor 9 und dann 
erst wird die Röhre hinter der letzten Kugel im rechten Winkel gebogen. Man erhitzt nun, während 
der etwa 28 Zoll lange Schenkel in Quecksilber taucht, die Kugel mit dem Phosphor, dieser entzün- 
det sich und verzehrt so allen in der Röhre befindlichen Sauerstoff. Erhitzt man nun stärker , so desti- 
lirt der Phosphor in die zweite Kugel über, wo man dann weiter auf die oben angegebene Art verfährt. 
Zuletzt gelang es mir sogar, die Umwandlung in einer an beiden Enden zugcschmolzenen mit 
Wasserstoffgas gefühlten Glasröhre zu bewirken. Der Phosphor wurde zuerst in einer etwas starken 

Glasröhre , von der nebenstehenden Figur , in einem Wasserstoffgasstrom 
cc ^/ getrocknet, und diese dann von dem Apparate und zuletzt von der mit 

===D Quecksilber abgesperrten Röhre abgeschmolzen. Der Phosphor war nun 

in einer etwa 12 Zoll langen, an beiden Enden zugeschmolzenen Glasröhre 
eingeschlossen und daselbst von einer verdünnten Wasserstoffgas-Atmosphäre umgeben. Gehörig erwärmt. 




wurde derselbe in die rothe Modil 



lv^CL 



tion übergeführt; stärker erhitzt gerieth er 



ins Sieden und sam- 



melte sich im anderen Ende der Röhre, welche bei dem Versuche so gehalten werden muss, dass die 

beiden schiefen Schenkel nach abwärts geneigt sind, wieder als gewöhnlicher Phosphor in durchsichti- 
gen Tropfen an. 

Auf diese Weise wird die Ueberführung des Phosphors aus einer Modification in die andere ein 
Collegien - Versuch , und es ist mir kein Fall bekannt, wo das Vorhandensein verschiedener allotropi- 

der Schüler vorgeführt werden könnte , als 



scher Zustände auffallender und 



bestimmter den Augen 



eben dieser. Hiezu am geeignetsten ist indess der oben beschriebene Versuch mit der Kugelröhre, wo 
der Phosphor sich in einer Stickstoff-Atmosphäre befindet, da er ganz ohne Gefahr ist. 

Ich kann hier eine Thatsache nicht unerwähnt lassen, welche ich bei Anstellung der obigen Ver- 
suche mehrmals zu beobachten Gelegenheit hatte. Der aus einer Kugel in die andere öfter überdestil- 
lirte Phosphor, welcher fast ganz wasserhell erscheint und das Licht beträchtlich stark zerstreut, bleibt 
nämlich ungewöhnlich lange flüssig, und zwar auch wenn derselbe durch Klopfen an die Röhre stark 
erschüttert wird. Ich hatte einen solchen, der durch 36 Tage, bei einer Temperatur, welche während 

— 5° C sank, noch vollkommen flüssig war, und erst erstarrte, als er 



dieser Zeit mehrmals bis auf — 
durch die Einwirkung des zerstreuten Lichtes, welches ihn entfernt vom Fenster traf, anfing roth zu 
werden. Der Phosphor besitzt also die Fähigkeit, bei geeigneten Umständen weit unter seinem Erstar- 
rungspuncte flüssig zu bleiben, in einem höheren Grade als irgend ein anderer Körper, und es ver- 
dient sehr untersucht zu werden, welche physikalischen Eigenschaften derselbe in diesem Zustande hat 
und welche Erscheinungen den Uebergang desselben in den gewöhnlichen, das ist den krystallinischen 
Zustand, begleiten. 

Röhre angestellt wurde, in welcher 



Als der Versuch mit der 



an beiden Enden zugeschmolzenen 



der Phosphor beim Erhitzen dem Drucke seiner eigenen und der Wasserstoffgas-Atmosphäre ausgesetzt 

schien es mir, dass die Umwandlung desselben langsamer erfolge, als bei den oben beschriebe- 



war 



nen Versuchen in der Kugelröhre. Um zu sehen, ob eine Veränderung des Druckes wirklich von Ein- 
fluss auf die Erscheinung sei, brachte ich den Phosphor in eine T förmige Röhre, in deren horizonta- 
len Theil mehrere Kugeln angebracht waren, und der einerseits mit dem Gasentwicklungs-Apparate, 
anderseits mit einer Hand-Luftpumpe in Verbindung stand, während der verticale, über 30 Zoll lange 
Schenkel in Quecksilber tauchte. Die erste Kugel enthielt den Phosphor, der vor dem Auspumpen des 
Apparates auf die oben angegebene Art durch den hinein^eleiteten Strom eines indifferenten Gases 



zu- 



erst getrocknet, und dann die Röhre sowohl von dem Gasentwicklungs-Apparate als von der Luftpumpe 
abgeschmolzen wurde. In dem verticalen Schenkel war das Quecksilber bis auf 27 Zoll gestiegen, der 
Phosphor befand sich also unter einem Drucke, der nur ungefähr V 28 des gewöhnlichen betrug. Er wurde 



i 



q. 



+ 

















ma 



6 



A. Sehr ött er über einen neuen 



nun erhitzt, um in die rothe Modification übergeführt zu werden ; allein diess war unter den gegebenen 
Umständen' nicht zu erreichen. Der Phosphor blieb, auch wenn er mehr als zehnmal so lange erhitzt 
wurde, als unter gewöhnlichem Drucke hinreichend gewesen wäre um roth zu werden, immer vollkom- 
men klar. Die Ursache dieses auf den ersten Blick auffallenden Verhaltens konnte, wie es mir schien, 
nur in dem Umstände liegen, dass bei einem so stark verminderten Drucke der Phosphor schon früher 
überdestillirt, als er die zur Umwandlung in die andere Modification notwendige Temperatur erreicht hat. 
Um mich von der Richtigkeit dieser Ansicht zu überzeugen, stellte ich die beiden folgenden Versuche an. 
Eine mit drei Kugeln versehene Röhre wurde mit einer rechtwinklich gebogenen Röhre verbunden, 
deren horizontaler, etwa 12 Zoll langer Schenkel Chlorcalcium enthielt; der verticale, ungefähr 30 Zoll 

r. Nachdem in die dem Ende der Röhre zunächst 
liegende Kugel etwas Phosphor gebracht war, verdrängte ich aus derselben die atmosphärische Luft, un- 
ter Beobachtung der oben angegebenen Vorsichten, durch Kohlensäure, und schmelzte dann die Röhre von 
dem Gasentwicklungs-Apparate ab. Nun liess ich etwas concentrirte Kalilauge in dieselbe treten, diese 
absorbirte sogleich die Kohlensäure, und das Quecksilber stieg bis zu einer Höhe 



Quecksilb 



von 740 



empor. 



während der Barometerstand 753 mm betrug, so dass der Phosphor beiläufig einem Drucke von nur V«, 
des vorherigen ausgesetzt war. Derselbe konnte nun, ganz in Uebereinstimmung mit dem vorigen Ver- 
suche, auf keine Weise durch Erwärmen in die rothe Modification übergeführt werden. Als ich etwas 
verdünnte Schwefelsäure zu dem Kali treten liess, entwickelte sich die vorher absorbirte Kohlensäure 
wieder, das Quecksilber sank bis nahe zum ursprünglichen Niveau zurück, und nun war es leicht den 
Phosphor in die rothe Modification überzuführen. Da die Einrichtung des Apparates jede fremdartige 
Einwirkung vollkommen ausschloss und sich nichts als der Druck auf den Phosphor geändert hatte, dieser 
aber nur auf den Siedepunct desselben einen Einfluss ausüben konnte, so war es nur noch nothwendig, 
diesen Einfluss durch einen directen Versuch zu erweisen, um über die Richtigkeit der obigen Erklärung 
keinen Zweifel zu lassen. Ich brachte zu diesem Behufe Phosphor in eine tubulirte Retorte, in deren 
Hals eine T förmige Röhre angebracht war, deren verticaler, über 30 Zoll langer Schenkel in Quecksil- 
ber tauchte. Der horizontale Theil war mit der Luftpumpe und diese wieder mit einer Röhre in Verbin- 
dung die zuerst zweifach kohlensaures Natron, dann eine Schichte Chlorcalcium enthielt. Das in dem 



Tubulus der Retorte eingepasste Thermometer reichte bis in den Phosphor. Es war so die Möglichkeit 
gegeben, den Apparat zuerst mit trockener Kohlensäure zu füllen, dann alle Feuchtigkeit zu entfernen, 
und endlich die Temperatur sowohl als den Druck, bei welchem das Sieden eintrat, beobachten zu kön- 
nen. Der Apparat wurde nun ausgepumpt, das Barometer stieg bis 746""", 
meterstand 754 mm betrug. Es ergaben sich folgende Resultate: 



während der äussere Baro- 



• 



Druck in 
Millimetern. 

120 
173 
204 
266 
339 
359 
393 
514 



Entsprechender 
Siedepunct. 







165 



170° 

180° 
200° 
209° 







218 
226 
230° 







Es lag für jetzt nicht in meiner Absicht, diesen numerischen Resultaten jenen Grad von Genauigkeit 
zu geben, welchen sie haben müssten, um daraus den Zusammenhang zwischen der Expansivkraft und 
der Temperatur der Phosphordämpfe abzuleiten, sondern nur zu zeigen, dass bei einem Drucke, welcher 
geringer als 393 mm ist, der Uebergang des Phosphors in den amorphen Zustand durch Erwärmung nicht 









v 





I 



' 










i 










allotropischen Zustand des Phosphors. 



7 



stattlinden kann, weil dann die Temperatur, bei welcher er siedet, unter 226° liegt, diese aber minde- 
stens nothwendig ist, wenn die gedachte Umwandlung vor sich gehen soll. Es wäre allerdings von Inter- 



Phos 



m 



u 11 



sich beim Erwärmen unter einem bedeutend stärkeren Drucke verhält; 



da derlei Versuche aber nicht ohne Gefahr sind und mir hiezu die Gelegenheit mangelt, so unterliess ich 
dieselben. 

Aus den angeführten Thatsachen geht nun mit aller Sicherheit hervor, dass die Umänderung des 
Phosphors, welche er sowohl durch das Licht als durch die Wärme erleidet, nicht dadurch bedingt sein 
kann, dass sich derselbe mit Sauerstoff oder irgend einem anderen Körper verbindet, sondern dass sie 
unter jene merkwürdigen Molecularveränderungen gehört, welche auch die verschiedenen isomerischen 
Zustände der zusammengesetzten Körper bedingen und die wir, wenn sie an Grundstoffen vorkommen, 
nach Berzelius, allotropische nennen. Es ist merkwürdig, dass der Kohlenstoff ein ganz ähnliches 
Verhalten zeigt. Wird nämlich der Demant eine Zeit lang stark erhitzt, so wird er ganz schwarz und un- 
durchsichtig, was nur von einem Uebergange in den amorphen Zustand herrühren kann. Diese Thatsache 
ist öfter beobachtet worden und zeigt sich besonders auffallend an einem geschliffenen Demanten, welchen 
das kaiserliche Mineralien-Cabinet besitzt und der diese Modification ebenfalls durch starkes Erhitzen er- 
litten hat. Es ist kaum zu bezweifeln, dass auch bei anderen Grundstoffen ein ähnliches Verhalten statt- 
findet, ein Gegenstand, auf welchen ich bei einer anderen Gelegenheit zurückkommen werde. 

Um den amorphen Phosphor zu isoliren, versuchte ich zuerst den ungeändert gebliebenen Antheil 
durch Destillation von dem geänderten zu trennen. Diess lässt siel 



rV VYTfV -fr» 



1 /i TT Cll £| 



llerdings bewerkstelligen, allein 
der amorphe Phosphor bleibt dann in Krusten an dem Glase hängen, die schwer davon zu trennen sind; 
auch verliert man einen Theil desselben wieder, wenn man die Temperatur so hoch steigert, als zum 
Abdestilliren des gewöhnlichen nothwendig ist, weil die Temperatur, bei welcher der Phosphor über- 
destillirt, nahe bei der liegt, bei welcher derselbe aus dem amorphen in den gewöhnlichen Zustand über- 



Weit 



daher Kohlensulfid hiezu anzuwenden, 



Weise 



amorphen Phosphor gar nicht löst, während es doch ein so vortreffliches Lösungsmittel für den gewöhn- 
lichen ist #). Uebergiesst man daher den unter Wasser befindlichen rothgewordenen Phosphor mit Koh- 
lensulfid, so bleibt der amorphe Antheil desselben, wenn die Umwandlung bei möglichst niedriger Tempe- 






War 



in Form 



eines zarten, rothen Pulvers ungelöst. Im entgegengesetzten Falle erhält man sehr harte, spröde Stücke, 

r zu einem feinen Pulver gerieben und dann mit Kohlensulfid behandelt werden 



Wasse 



müssen, i 



Man trennt den amorphen Phosphor durch 'Filtration von der übrigen Flüssigkeit, muss aber 
dabei die Vorsicht beobachten , das Filter stets voll Flüssigkeit zu erhalten, weil, wenn ein Theil des- 
selben auch nur kurze Zeit mit Luft in Berührung ist, das Kohlensulfid verdunstet und der darin gelöste, 
in fein verteiltem Zustande zurückbleibende, gewöhnliche Phosphor sich entzündet. Man beugt diesem 
Uebelstande vor, wenn man das Auswaschen mit Kohlensulfid ununterbrochen so 1 
Filtrat, au 



ge 



fortsetzt, bis das 
f dem Platinblech verdunstet, keinen Phosphor zurücklässt. Um den amorphen Phosphor voll- 



Wasser 



kommen zu reinigen 

dann mit solchem, dem etwas Salpetersäure zugesetzt ist, und endlich wieder mit reinem vollständig aus. 
Das Kochen mit Kalilauge kann auch wegbleiben, wenn man hinreichend lang mit Kohlensulfid ausgewa- 
schen und dieses dann durch starkes Erwärmen des amorphen Phosphors in einer indifferenten Gasart, am 
besten in Kohlensäure, entfernt hat. Die so erhaltene Modification des Phosphors erscheint, wie schon 
oben bemerkt wurde, nach dem Trocknen als ein vollkommen glanzloses, amorphes Pulver, dessen Farbe 



) Dieses Verhalten des Kohlensulfides hatte ich zuerst, nämlich schon im Sommer des Jahres 1845, an einem durch das Licht 
gerötheten Phosphor, der sich im Laboratorium fand, beobachtet, und da ich darin ein so leichtes Mittel sah, den rothen 
Körper von dem übrigen Phosphor zu trennen , so wurde es gewissermassen der Ausgangspunct der vorliegenden Arbeit. 























8 



A. Sehr ött er über einen neuen 



Ich fand dieselbe bei 10 



o 



C zwischen 1,840 und 1,826 



• 



vom Scharlachrothen bis ins Dunkelcarmoisinrothe wechselt, und wie später gezeigt werden wird, sogar 
ins Dunkelbraune und Bräunlichschwarze übergehen kann. Dieselbe nimmt, wenn das Pulver von einer 
Flüssigkeit bedeckt ist, an Feuer bedeutend zu, wird es aber auf weisses Papier gerieben, so zeigt es 
eine ins Braunrothe gehende matte Farbe. Beim jedesmaligen Erwärmen erscheint die Farbe dunkelvio- 
lett. Die Dichte des amorphen Phosphors habe ich mit dem Piknometer bestimmt und bei 10° C gleich 
1,964 gefunden. Da es indess kaum möglich ist, die Dichte eines so feinen, vom Wasser nur schwer be- 
netzbaren Körpers auf diese Weise genau zu erhalten, so habe ich noch gesucht, auf eine andere Art 
einen Anhaltspunct zur Beurtheilung der Richtigkeit dieser Zahl zu finden. Diese lag in dem Umstände, 
dass der amorphe Phosphor in geschmolzenem untersinkt, also dichter ist als dieser. Bringt man nämlich 
den durch Erhitzen roth gewordenen Phosphor, der, wie wir gesehen haben, ein Gemenge von amorphem 
und gewöhnlichem Phosphor ist, in eine Proberöhre, und stellt diese in ein anderes grösseres Gefäss mit 
warmem Wasser, so setzt sich nach und nach der grösste Theil des amorphen Phosphors zu Boden, wäh- 
rend die oberen Schichten, obwohl sie noch roth erscheinen, doch nach und nach durchsichtig werden, 
und nur wenig amorphen Phosphor mehr enthalten. Ich bestimmte nun die dichte des eben schmelzenden 
Phosphors ebenfalls mit dem Piknometer, und fand sie bei 45° 0*) annähernd 1,88, also in jedem Falle 
kleiner als die direct bestimmte Dichte des amorphen. Bei diesen Bestimmungen wurde das Gewicht des 
Phosphors in festem Zustande bei halbgefülltem Piknometer und dann das Gewicht des festen und geschmol- 
zenen Phosphors bei ganz gefülltem Piknometer bestimmt; es waren also auch die Daten für die Dichten- 
bestimmungen des festen Phosphors gegeben. 
liegend, was zwar mit der Angabe von Böckmann nahe zusammenfällt, aber um ein Beträchtliches von 
der Dichte, welche Böttger gefunden hat, nämlich 2,089 bei 17° C abweicht. 

Der amorphe Phosphor bleibt an der Luft vollkommen ungeändert, ist in Kohlensulfid, Alkohol, 
Aether, Naphta, Phosphorchlorür unlöslich; Terpentinöl und überhaupt alle Körper, welche erst bei höhe- 
rer Temperatur sieden, nehmen während desselben etwas davon auf. Ich habe aber bisher keine Substanz 
o-efunden, welche denselben beim Erwärmen löst, und aus der er sich beim Erkalten wieder unverändert 

nämlich in amorphem Zustande, abscheidet. 

Erhitzt man den amorphen Phosphor in einer im Oelbade befindlichen Kugelröhre, während vorher so 
lange trockene Kohlensäure durch dieselbe geleitet wurde, bis alle atmosphärische Luft daraus verdrängt 
war, so beginnt die Umwandlung desselben in den gewöhnlichen Phosphor erst bei 260° C; leitet man, 
während derselbe successiv erhitzt wird, atmosphärische Luft durch den Apparat, so erfolgt die Entzün- 
dung auch erst nahe bei der Temperatur, bei welcher derselbe in den gewöhnlichen Phosphor übergeht. 
Merkwürdig ist es, dass bei Anwendung von Sauerstoffgas die Entzündung auch erst bei 260° eintritt 
und die Temperatur bis 300° gesteigert werden muss, wenn die Verbrennung vollständig sein soll, indem 
ein Theil desselben durch die sich bildende Phosphorsäure vor der Einwirkung des Sauerstoffes ge- 
schützt wird. 

Im Finstern leuchtet der amorphe Phosphor bei gewöhnlicher Temperatur gar nicht, erhitzt man 

denselben aber bis nahe zu der Temperatur, wo er sich entzündet, so beginnt er schwach zu leuch- 
ten. Lässt man ihn jedoch, wenn er zu leuchten begonnen hat, erkalten, so hört er jedesmal wieder 

zu leuchten auf. 

Mit dem Schwefel verbindet sich der amorphe Phosphor bei der Temperatur, bei welcher der 
Schwefel schmilzt und noch gelb und dünnflüssig ist, also bei 112°, nicht, sondern bleibt in der Flüs- 



* 



) Der Schmelzpunct des Phosphors liegt nach den Bestimmungen, die ich schon vor Längerer Zeit gemacht hahe, genau bei 
44,3° C. Erst viel später wurden die schönen Versuche von E. D esain s (Compt. rend. XXIII. 149 oder auch Pag. Dl 
Nr. 70.315) bekannt, nach welchen der Schmelzpunct bei 44,2 ° C liegt. J. Davy gibt denselben zu 44,5° an. Man kann 
also wohl die Angabe von Heinrich, nämlich 46,25°, als zu hoch annehmen. 



' 






« 















• 






















alloiropischen Zustand des Phosphors 



9 



sigkeit gleichmässig verthcilt. Erhitzt man hingegen den Schwefel bis zum Zähewerden, also ungefähr 
, bis 230°, so löst sich der Phosphor darin ohne irgend eine auffallende Erscheinung, und nach dem 
Erkalten ist der Schwefel, bei einer geringen Menge von Phosphor, wieder gelb wie zuvor. 

Chlorgas wirkt auf den amorphen Phosphor schon bei gewöhnlicher Temperatur und gibt damit 
zwar unter Erhitzung, aber, was sehr merkwürdig ist, ohne alle Licht ersehe inung zuerst Plios- 
phorchlorür , dann Phosphorchlorid; hiebei bleibt, wenn aller Sauerstoff und alle Feuchtigkeit abgehal- 
ten worden , weder eine Spur irgend eines Körpers zurück , noch wird das Glas im mindesten ange- 
griffen. Nur wenn man den Phosphor erhitzt, tritt bei der Einwirkung des Chlors die Lichterscheinung ein, 
die Temperatur ist aber dann so hoch, dass der Uebergang in den gewöhnlichen Phosphor stattfindet. 
Hört man zu erhitzen auf, so verlischt der Phosphor wieder: man sieht also, dass nur dann Feuerer- 
scheinung eintritt, wenn sich gewöhnlicher Phosphor mit Chlor in Berührung findet. Ein ähnliches, so 
abweichendes Verhalten in den verschiedenen Modificationen wurde, so viel mir bekannt ist, noch bei 
keinem Grundstoffe und selbst nur bei wenigen zusammengesetzten Körpern beobachtet. Es verdient 
daher alle Aufmerksamkeit, zumal da hiemit wohl die beim Erhitzen gewisser Oxyde eintretende Feuer- 

so wie die von H. Rose beim Uebergang mehrerer amorpher Körper in den krystal- 



• I! 



erscheinung , 



lisirten Zustand, wie bei der Arsensäure, eintretende Lichterscheinung 



im Zusammenhange stehen 



•• 



mögen. 



In Chlorwasser löst sich der amorphe Phosphor unter Bildung von Phosphorsäure und Hydroehlor 
schneller als der gewöhnliche, und diess gewiss nur, weil er als pulveriger Körper dem Chlor mehr 
Berührungspuncte darbiethet. 

Chlorsaures Kali verpufft in einer auch sehr glatten Reibschale, mit demselben massig zusammen- 
gerieben, mit grosser Heftigkeit und beträchtlicher Lichterscheinung. Werden beide Körper zusammen 
erwärmt, so erfolgt die Verpuffung weit weniger heftig und erst bei der Temperatur, bei welcher das 



Salz zu schmelzen beginnt. 



Lässt man, wie bei dem bekannten Versuche mit gewöhnlichem Phosphor, concentrirte Schwefel- 
säure auf unter Wasser befindliches chlorsaures Kali wirken, das mit amorphem Phosphor bedeckt ist, 

der Phosphor wird gelöst, aber auch hier ohne alle Feuer- 



so erfolgt eine heftige Reaction , 



erscheinung. 

Brom und amorpher Phosphor verbinden sich schon bei gewöhnlicher Temperatur, w r enn man sie 

in eine Proberöhre zusammenbringt, unter lebhafter Feuererscheinung. Hiebei entsteht, wie es seheint, 

je nach der Menge des Broms, ein Bromür oder ein Bromid , welche ich bei einer anderen Gelegenheit 

näher beschreiben werde. 

Jod wirkt bei gewöhnlicher Temperatur nicht auf den amorphen Phosphor. Lässt man aber beide 
Körper in einer Kugelröhre, die mit einem indifferenten Gase gefüllt ist, auf einander wirken, während 
man sie zugleich erwärmt, so verbinden sie sich unter Schmelzen der Masse, und zwar ohne alle Licht- 
erscheinung, zu zwei Verbindungen, einem pomeranzengelben Jodid und einem minder flüchtigen, schar- 
lachrothen, krystallisirten Jodür, die ich ebenfalls für sich beschreiben werde. Diese Verbindungen schei- 
nen mir mit amorphem Phosphor auf directem Wege gebildet werden' zu können. Ich habe indess noch 
nicht untersucht, ob nicht das Jodür, welches Cauvy durch Auflösen von Phosphor und Jod in Phosphor- 
chlorür dargestellt hat, mit den von mir erhaltenen rothen Krystallen zusammenfällt. Kalium und Natrium 
verhalten sich gegen den amorphen Phosphor wie gegen den gewöhnlichen, nur ist, um die Vereinigung 
mit demselben zu bewirken, eine höhere Temperatur nothwendig. 

Kalilauge löst den amorphen Phosphor beim Kochen , unter Entwickelung von nicht selbst ent- 
zündlichem Phosphor - Wasserstoffgase um so leichter , je concentrirter sie ist. Dabei erleidet insbe- 
sondere der fein vcrtheilte. amorphe Phosphor eine sehr auffallende Aenderung in seiner Farbe. Er 
wird nämlich so dunkel chocoladebraun , dass er fast ganz schwarz zu sein scheint. Diese Verände- 

2 




^^^^^^^^^■V^B 



j 















10 



A. Sehr ött er über einen neuen 



9 



rung tritt bei sehr concentrirter Lauge schon bei gewöhnlicher Temperatur , aber erst nach etwa 24 
Stunden ein , bei verdünnter Lauge ist hierzu längeres Kochen nothwendig ; auch erleidet der amor- 
phe Phosphor die Veränderung um so schwerer , je weniger fein vertheilt er ist. Mischt man den so 
erhaltenen , fast schwarzen amorphen Phosphor , der sich übrigens , so weit ich bis jetzt sehen 
konnte, nicht wesentlich von dem rothen unterscheidet, zu gewöhnlichem geschmolzenen Phosphor, so 
kann man fast schwarze Stangen von Phosphor erhalten, die denen, welche Thenard durch schnel- 
les Abkühlen des lange erhitzten Phosphors bekam , und die ich bei Dumas zu sehen Gelegenheit 
hatte, ähnlich sind. Ich muss indess gestehen, dass es mir auf keine Weise gelungen ist, 
lange und stark erhitzten Phosphor durch rasches Abkühlen von schwarzer Farbe zu erhalten , und 
zwar selbst dann nicht, als ich ihn in Kohlensäurebrei brachte. Ich halte es für sehr wahrschein- 
lieh , dass sich bei den Versuchen von Thenard amorpher Phosphor bildete , der unter Um- 
ständen , die bisher nicht näher ausgemittelt sind , seine dunkelste Farben - Nuance angenommen , 
und sich dem gewöhnlichen Phosphor beigemengt hatte , wodurch die ganze Masse desselben schwarz 
erschien. Die Chemiker, welche im Besitze von Thenar d'schem schwarzen Phosphor sind, können 
jetzt die Frage durch Behandeln desselben mit Kohlensulfid leicht lösen. 

Schwefelsäure wirkt auch im concentrirten Zustande auf den amorphen Phosphor nicht ; wird aber 
die concentrirte Säure bis nahe zum Siedepuncte erhitzt , so löst sie denselben , unter Entwicklung 

von schwefliger Säure , vollständig. 

Salpetersäure oxydirt denselben , unter Aufschäumen und lebhafter Entwicklung rother Dämpfe , 
leichter als gewöhnlichen Phosphor ; hauptsächlich wohl nur , weil der amorphe Phosphor derselben 
ungleich mehr Berührungspuncte darbietet , als der geschmolzene. 

Mit Salpeter erfolgt beim Zusammenreiben keine Reaction , beim Erwärmen hingegen brennt das 

Gemenge ohne Geräusch ab. 

Chromsäure wirkt in gelöstem Zustande nicht auf den amorphen Phosphor , wenn sie auch noch 

so concentrirt, anhaltend damit gekocht wird. Reibt man aber Chromsäure mit dem amorphen Phos- 
phor zusammen , so erfolgt die Oxydation desselben unter lebhafter Feuer - Erscheinung , jedoch ohne 
heftige Verpuffung. Wird hingegen das Gemenge beider Körper bis nahe zu der Temperatur erwärmt, 
wo der rothe Phosphor in den gewöhnlichen übergeht, so erfolgt die Reaction mit noch grösserer 

Heftigkeit. 

Zweifach chromsaures Kali in trockenem Zustande mit dem amorphen Phosphor zusammengerie- 
ben brennt ohne Geräusch ab , beim Erwärmen geschieht dasselbe. Mit der Lösung des Salzes ge- 
kocht , findet keine Veränderung des amorphen Phosphors Statt , auch dann nicht, wenn Schwefelsäure 
zugesetzt wurde. Kocht man aber den mit amorphem Phosphor gemengten gewöhnlichen Phosphor anhal- 
tend mit einer Lösung von zweifach chromsauren Kali, der etwas Schwefelsäure zugesetzt wurde, so 
wird der im gewöhnlichen Zustande gebliebene Phosphor wieder wasserhell, während die darüberste- 
hende saure Flüssigkeit grünlich und durch einen scharlachrothen Körper getrübt erscheint. Dieser Kör- 
per ist nichts als höchst fein verteilter amorpher Phosphor, der sich nur durch die Farbe und jene Eigen- 
schaften , welche durch die feine Verkeilung bedingt werden , von dem durch Kohlensulfid abgesonder- 
ten unterscheidet. Bringt man die Flüssigkeit aufs Filter, so geht anfangs alles durch; erst nach wie- 
derholtem Aufgiessen derselben gelingt es, den rothen Körper, der sich dann leicht auswaschen 
lässt , zu erhalten. Die Ursache der Einwirkung der sauren Flüssigkeit auf das Gemenge der beiden 
Phosphor -Arten liegt wohl grossentheils in den verschiedenen Adhäsions- Verhältnissen beider Körper 
gegen die Flüssigkeit, indem der amorphe Phosphor leichter von derselben benetzt wird, als diess 
bei dem gewöhnlichen der Fall ist. Die hiebei stattfindende Desoxydation der Chromsäure, welche sich 
jedoch nur auf einen kleinen Theil derselben erstreckt, geschieht aber, wie es scheint, unter diesen 
Umständen auf Kosten des amorphen Phosphors. 







. 



























i 










allotropischen Zustand des Phosphors. 



11 



i 



Mangansuperoxyd entzündet sich beim Reiben mit dem amorphen Phosphor nicht; beim Erwärmen 
verbrennt das Gemenge rasch und mit lebhaftem Lichte, aber ohne Geräusch. 

Bleioxyd , aus dem Hydrate durch schwaches Erhitzen erbalten , verbrennt sowohl beim Zusam- 
menreiben als beim Erhitzen nur mit geringem Geräusche. Bei Anwendung von Glätte ist in beiden Fäl- 
len die Verbrennung langsamer. Mit Mennige erfolgt sie hingegen sowohl beim Reiben als beim Erwär- 
men leicht und ohne alles Geräusch. 

Mit Bleisuperoxyd zusammengerieben findet Feuer -Erscheinung mit schwacher Verpuffung Statt, 
beim Erwärmen des Gemenges hingegen ist die Explosion sehr heftig. 

Silberoxyd brennt beim Zusammenreiben ohne Geräusch rasch ab , beim Erwärmen ebenso. 

Kupferoxyd wirkt beim Reiben nicht auf den amorphen Phosphor, beim Erhitzen brennt er raset 

aber ohne Knall ab. 

Mit Quecksilberoxyd erfolgt die Verbrennung ohne Geräusch , und zwar nur an den unmittelbar ge- 
troffenen Stellen; beim Erwärmen tritt plötzliche Verbrennung, aber ebenfalls ohne Geräusch ein. 

Mit Zucker oder anderen ähnlichen organischen Substanzen lässt sich der amorphe Phosphor , ohne 
eine merkliche Veränderung zu erleiden , in allen Verhältnissen , und ohne dass es nöthig wäre dabei 
irgend eine Vorsicht zu beobachten, zusammenreiben, ein Umstand, der vielleicht in mediciniseber Hin- 
sicht Aufmerksamkeit verdient. 

Der amorphe Phosphor fällt weder das Kupfer noch andere Metalle aus ihren Lösungen metal- 
lisch , sondern verhält sich gegen dieselben ganz indifferent. 

Das hier angeführte Verhalten des amorphen Phosphors reicht hin , denselben vollkommen zu cha- 
rakterisiren. obwohl es weit entfernt ist. alle seine Beziehungen genügend darzustellen. Es geht daraus 



* 



hervor, dass derselbe 



1. im Ganzen weit indifferenter als der gewöhnliche Phosphor auftritt; 

2. dass er als solcher unlöslich ist, und 

3. dass ihm als solchen, die Fähigkeit, sich mit anderen Körpern unter Lichtentwicklung zu 
verbinden , in einem weit geringeren Grade zukömmt als dem gewöhnlichen Phosphor ; 

4. endlich, dass er sehr vielen Sauerstoffverbindungen sowohl beim Erwärmen als auch schon 
beim Zusammenreiben oder durch einen Stoss unter Feuer- Erscheinung den Sauerstoff 
entzieht. 



Von praktischem Interesse dürfte das eben angegebene Verhalten des 



n 



am or 



phen Phosphors gegen 



einige Oxyde , vorzüglich gegen die Mennige sein , indem er dadurch mit grösstem Vortheile zum Ver- 
fertigen sow r ohl von Streichzündhölzchen als von Zündern für Gewehre und Geschütze etc. gebraucht 
werden kann. Hiebei wären alle bisherigen Mängel der Zünd - Präparate dieser Art, wie Anziehen 
von Feuchtigkeit , schädlicher Einfluss auf die Gesundheit der Arbeiter , Gefahr beim Transporte etc. 
wegen der Indifferenz des amorphen Phosphors vollständig beseitigt. Das einzige Hinderniss, welches 
dieser wichtigen Anwendung noch entgegensteht, ist der Mangel einer leicht im Grossen ausführbaren 
Methode , den amorphen Phosphor zu bereiten. Liesse sich der Apparat so einrichten , dass man den 



Phosphor, während er envärmt wird, beständig umrühren 1 



itönnte 



um zu verhindern, dass er in feste 
Krusten zusammenbackt, so w r äre dieses Hinderniss eigentlich schon beseitigt, denn alles andere hat 
keine Schwierigkeit, zumal da ich bei einem Versuche mit ungefähr 18 Loth Phosphor, nach fünf- 
zigstündigem Erhitzen 12 Loth amorphen Phosphor erhielt, welche Ausbeute bei derselben Dauer 
des Versuches in einem grösseren Verhältnisse zunehmen würde, als die Menge des angewendeten 
Phosphors. 

Schliesslich w r ill ich hier nur noch anführen, dass wohl manche Körper, die sich jetzt in den 
Händen der Chemiker als Phosphor - Oxyd befinden , nichts als amorpher Phosphor sind. Auch halte 
ich die Substanz, welche Berzelius in Band I, S. 300 seines Lehrbuches, als Phosphorkohlenstoff 



O ü 





















12 



A. Sehr ötter über einen neuen allotropischen Zustand des Phosphors 



erwähnt , für nichts als 



ein Gemenge von Kohle mit amorphem Phosphor, dessen Bildung unter den 
bei der Bereitung des Phosphors stattfindenden Umständen leicht erklärlich ist. 

Ich werde der Akademie, sobald es mir die Umstände erlauben, die Resultate der Versuche vor- 
leben, welche sowohl zur Ausfüllung der Lücken in der vorliegenden Arbeit, als zur Beantwortung 
der Frage dienen sollen 



? 



ob nicht noch andere Grundstoffe, insbesondere Schwefel, Selen, Arsen, 



Tellur und Jod auf eine ähnliche Art modificirt werden können wie der Phosphor. 




































• 
















Beiträge 



13 



zur vergleichenden Angiologie 



Von Prof. Dr. J. Ilyrd. 



I. 



lieber die Nasalvvundernetze der Wiederkäuer und Pachydermen. 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 9. December lSi7.) 



Die Nasenhöhle einzelner Säugcthier- Ordnungen besitzt ausgezeichnete Wundernetzbildungen. Ich hatte 
schon vor längerer Zeit an den Nasenhöhlenschlagadern eines Kalbsfötus ein plötzliches Zerfallen des 
Hauptstammes in zahlreiche, der Fläche nach nebeneinander liegende und dicht gedrängte Aeste beob- 
achtet, die Sache jedoch bis zur Gegenwart nicht weiter berücksichtigt. Im Verlaufe einiger im vori- 
gen Sommer vorgenommener angiologischer Untersuchungen an Säugethierschädeln , sah ich dieselbe 
Einrichtung der Nasenschlagadern mit grosser Uebereinstimmung an mehreren Geschlechtern wiederkeh- 
ren, verfolgte sie in der Hoffnung, ein allgemeines Bildungsgesetz zu finden, sorgfältig durch alle 

* 

mir zugängigen Säugethier- Ordnungen, und kam hiebei zu folgenden Resultaten: 





1. Arterien der Nasenhöhle. 

Die Nasenhöhlenschleimhaut erhält bei allen Wiederkäuern, und unter den Pachydermen beim 
Schweine, ihre Blutzufuhr aus zwei starken Arterien: der Art ethmoidalis und sphenopalatina. Die 
ethmoidalis gehört dem vom Nervus olfactorius abhängigen Theile der Nasenhöhle an; die Art. sphe- 
nopalatina hält sich an die Verästlungssphäre der Nasenäste des fünften Nervenpaares. Erstere ist eine 
Fortsetzung der Art Ophthalmien, welche sich an der inneren Augenhöhlenwand in die senkrecht auf- 
steigende, und das Stirnbein durchbohrende Art. frontalis, und in die durch ein Loch des grossen 



Keilbeinflügels in die Schädelhöhle tretende Art. ethmoidalis theilt , 



letztere ist die unmittelbare 



Fortsetzung der Carotis. Die Art. ethmoidalis versorgt nur einen kleinen Bezirk der Nasenhöhle , und 
versendet ihre Zweige durch die Löcher der Siebplatte an die einzelnen gewundenen Knochenblättehen 
des Siebbeins. Ihr erster und ansehnlichster Ast geht zum obersten (vordersten) Knochenplättchen , 
welches , länger als die übrigen, und über der unteren Nasenmuschel gelegen , sich fast bis zum vor- 
deren Ende der letzteren erstreckt, und als obere Nasenmuschel bezeichnet wird. Bevor sie in die 
Nasenhöhle tritt, bildet sie auf der Gehirnfläche der Siebplatte ein ansehnliches Netz, dessen Maschen 
die Löcher der Siebplatte umschliessen , und Zweige in den Riechkolben, so wie in dessen Fortsetzun- 
gen zur Nasenhöhle abgeben. Die Verästlungen dieser Zweige an den gewundenen Blättchen des Sieb- 






















ÜHk* 



m 




14 



J. HyrtVs Beiträge 



beins bieten nichts Ausgezeichnetes dar , und besitzen die gewöhnliche dendritische Form mit spärli- 



chen Seitenästen. 



Die Art. sphenopalatina dagegen tritt als mächtiger, ungeteilter Stamm in die Nasenhöhle, und 



zerfällt fast plötzlich in eine zahllose Menge von starken, dichtgedrängten, wenig divergirenden , 
rück- nach vorwärts laufenden Zweigen , 



von 



W 



mit Aus- 



nahme der Siebbeinzellen, überziehen, beide Flächen der Nasenscheidewand einnehmen, und durch 



W 



bilden , dessen Ausbreitung dem Umfange der Höhlenwände entspricht , und Nasal wundernetz 



benannt werden kann. 



2. Vorkommen der Nasalwundernetze. 



Die Thiere, welche diese arteriellen Wundernetze besitzen, sind sämmtlich Pflanzenfresser aus 



i nie ii 



ht einmal eine 



der Ordnung der Pachydermen und Ruminanten. Bei den Fleischfressern findet siel 

Andeutung zur Wundernetzbildung ; eben so wenig bei den Quadrumanen, Edentaten, Nagern und Ein- 



hufern. Die von mir untersuchten Ruminantengeschlechter sind: Antilope, Capra 



Ovis 



Bos; von den Pachydermen: Scrofa. Es sind dieses gerade diejenigen Geschlechter, an welchen 



Wunder 



war es für mich, 



Wundernetze 



Sehr überraschend 
dessen Lebensweise und 



Wiederkäuern so nahe bringt. Das gleichzeitige Fehlen des carotischen Wundernetze 



(Rapp) 



auf eine innige Wechselbeziehung beider Gefässgebilde hin. Ich habe an den 



obgenannten Thieren die Wundernetze durch Injection dargestellt , und kann zugleich ganz bestimmt 
versichern , dass man auch an macerirten Schädeln erkennen kann , ob ihnen die Wundernetze zu- 



Wunder 



Sie 



1 hinzieht, 



deckt nicht bloss die convexe Oberfläche des Knochens, sondern nimmt auch die coneave Fläche sei- 



ner Einrollung ein. 



Wundernetzlagen sind somit durch die Dicke des Knochens von einander 



«retrennt, und anastomosiren durch zahllose, äusserst feine Verbindungskanäle, welche den Knochen 
quer durchsetzen. Daher das ausgezeichnet feinporöse , wie wurmstichige Ansehen der Nasenmuschel, 
welches bei der Ziege (wo die Verbindungskanäle am dicksten sind) schon von Blumenbach mit 
dem zartesten Spitzengewebe verglichen wurde. Findet sich ein solches Durchlöchertsein an der Na- 
senmuschel eines skeletirten Thierkopfes , so darf man vermuthen , dass er ein Nasalwundernetz be- 
sass. (Es kommen allerdings auch an den gewundenen Blättchen des Siebbeins der mit Wundernetzen 
versehenen Thiere , so wie an der unteren Nasenmuschel aller übrigen Säuge thiere , und selbst des 
Menschen , mehr oder weniger zahlreiche Löcher vor , deren Grösse jedoch viel zu bedeutend ist, 

• • • 

um sie mit den feinen Oeffnungen zu verwechseln , deren Gegenwart mit jener eines 
eoineidirt. Diese Löcher dienen auch nicht zum Durchgang von Gelassen , sondern sind nur desshalb 
vorhanden, um der Nasenmuschel, welche die Faltungen der Nasenschleimhaut zu stützen und zu 
tragen hat, den erforderlichen Grad von Leichtigkeit zu geben). Wenn der auf die Gegenwart dieser 
feinen Oeffnungen gegründete Schluss richtig ist, so dürfte das Nasalwundernetz auch dem Kameel 
(von welchem ich nur die Nasenmuschel eines jungen Thieres zur Hand hatte) , so wie dem Moschus 



Wundernetzes 



V 



velchen ich die feinen Löcher der Nasenmuschel vorfand, zukommen. 



Da die einzelnen Stämme des Nasalwundernetzes eine nicht unansehnliche Dicke besitzen, und 
in der tiefsten Schicht der Nasenschleimhaut verlaufen , so lässt sich ferner erwarten , dass arterielle 



) Meckel's Archiv, 1847, pag. 1 



Auch stimmen diese Geschlechter darin überein , dass bei keinem derselben die Art. vertebralis zum Gehirn geht, sondern 
mit einem Zweige der Carotis ext. anastomosirt , welcher durch das Foramen condyloideum ant. in 
Die Anastomose beider Arterien findet ausserhalb der dura mater Statt. 



die Schädelhöhle tritt. 


















W0 






zur vergleichenden Angiologie. 



15 



Sulci an der Oberfläche der Muschel, welche ihrer Längenrichtung folgen, und nur am hinteren 
Ende der Nasenmuschel strahlig divergiren, gleichfalls auf die Existenz eines Wundernetzes hinwei- 
sen. Solche Furchen finde ich an 3 alten Schädeln vom Pecari, vom Dicotyles labiatus und 8m 
babirussa, welche Thiere somit sich durch die Gegenwart eines Wundernetzes ihrem nächsten Ver- 
wandten — 



dem Hausschweine 



schmale , nicht gewundene , einer geraden Leiste 



anschliessen dürften. Bei Hyrax capensis besitzt die äusserst 



ähnliche Nasenmuschel nur einen einzigen Sulcus 

das Wundernetz 



arteriosus, welcher unverzweigt die ganze Länge des Knochens einnimmt, wesshalb das 
diesem Geschlechte, so wie wahrscheinlich dem ihm zunächst stehenden Hippopotamus , fehlen dürfte. 
Dem Pferde fehlen die langgestreckten Sulci arteriosi, und mit ihnen das arterielle Wundernetz; 
dagegen ist die Nasenmuschel, der Vomer , selbst der Nasenscheidewandknorpel mit breiten, tiefen, 
zu einem dichten Netzwerk verbundenen venösen Furchen übersäet , welche die diesem Thiere eigen- 
thümliehen mächtigen, einem cavernöscn Gewebe ähnlichen Venengeflechte aufnehmen, und sich auf 



den ersten Blick 



Wundernetze 



unterscheiden. 



3. Ausbreitung der Wunder netze. 

Die Arteria sphenopalatina gibt gleich nach ihrem Eintritte in die Nasenhöhle drei Aeste ab, 
welche die Erzeuger eben so vieler Wundernetze sind , während die Fortsetzung ihres Stammes ein 



viertes 



das mächtigste von allen 



bildet. 



an 



a. Der erste Ast ist der schwächste von den vieren. Er wendet sich zur aufsteigenden Platte 
des Gaumenbeins , und krümmt sich gegen den oberen breiten Rand des Pflugscharbeins , 
dessen Seitenfläche er wieder herabsteigt, um am Boden der Nasenhöhle mit dem zweiten 
Aste der Art. sphenopalatina (ß) zu anastomosiren. Während des Laufes am Pflugscharbein 
hält er sich 2 Linien von dessen hinterem Rande fern, anastomosirt durch häufige Verbin- 



dungsäste, welche den hinteren Rand 



der Pflugschar umgreifen, mit dem gleichen Gelasse der 



nachgibt. *) Diese Aeste laufen geschlängelt und parallel an der Seitenfläche der 



anderen Seite , und schickt nach vorn eine bei verschiedenen Geschlechtern verschiedene , aber 
immer sehr bedeutende Anzahl von Aesten ab, deren Dicke jener des Stammes nur wenig 

Pflugschar 

fort, bilden durch wiederholte Theilung und Vereinigung Inseln, deren Area so schmal ist, dass 
die Seitengefässe einer Insel sich fast berühren, und die nachbarlichen so nahe zusammen- 
rücken, dass der Knochen fast ganz von ihnen verdeckt wird. Die dadurch gebildeten engma- 
schigen Wundernetze setzen sich an den Seitenflächen des Nasenscheidewand - Knorpels fort, 
und treten nach vorn mit gleichgebildeten Netzen in Verbindung , welche vom zweiten Aste der 
Art. sphenopalatina erzeugt werden. Das Maximum der das Pflugscharwundernetz bildenden Ar- 
terienstämme beträgt 25 (beim Damhirsch), das Minimum 12 (bei der Ziege). 
ß. Der zweite Ast geht zum Boden der Nasenhöhle. Er ist stärker als der erste, und hat einen 
weit grösseren Verästlungsbezirk. Seine ersten, nach rückwärts zu den Choance laufenden Aeste 
sind unbedeutend. Er zerfällt in rascher Folge in 2 , 4 , 8 , 16 , 32 Zweige, welche, Stamm 
an Stamm anschliessend, dem Boden der Nasenhöhle entlang nach vorn laufen, sich theilen und 
neuerdings verbinden , dadurch an Volumen nicht viel verlieren , bis zur vorderen Nasenöffhunjr 
vordringen , wo die Gefässe kleiner und die Maschen weiter werden , und zuletzt Anastomose 
mit den äusseren Kopfschlagadern eintritt. 



# 



) Bei den Fleischfressern und Nagern verlauft die einfache Arteria septi narium in der Milte der Höhe der Nasenscheidewand 
nach vorwärts. Sie ist der ansehnlichste Ast der Art. ethmoidalis. Beim Pferde fehlt sie, und wird durch kleine Zweige 
der Art. ethmoidalis ersetzt, welche von den Seilenwänden der Nasenhöhle zur Scheidewand umbiegen. Auch die Art. pala- 
tina giht bei letzterem Thiere einen schwachen Ast durch den Canalis incisivus zur Nasenscheidewand. 













. 





















'.-_ 



n 



16 



J. Hyrtl's Beiträge 

Das Wundernetz des Nasenbodens gibt zwei Seitenzüge ab , deren innerer sich zur Nasen- 
scbeidewand aufschwingt , um mit den von * gebildeten Netzen zu anastomosiren ; während der 
zweite an der inneren Flache des Oberkiefers bis zur Befestigungsstelle der Nasenmuschel 



f- 
steifft sich dort an letztere umschlägt , und mit den später zu erwähnenden Netzen der Muschel 

zusammenstösst. 

Man kann sich von der Reichhaltigkeit dieses Netzes einen Begriff machen , wenn man sieht , 

dass beim Edelhirsch 83 parallele Schlagaderäste vom Boden der Nasenhöhle zum Septem na- 
rium übergehen , jeder derselben Insel auf Insel bildet , und jede Insel mit den seitlich angren- 
zenden sich durch Anastomosen verbindet. 

In den Ccmalis nasopalatinus setzt sich dieses Wundernetz nicht fort. Um den Eingang des 



Canalis nasopalatinus herum 



zieht sich eine grössere Insel des Netzes , 



von welcher aus die 



7 



Aeste strahlig divergiren. Beim Schafe dringen nur 2 Zweige desselben in den genannten Canal, 
um mit der Art. palatina zu anastomosiren. Am wenigsten entwickelt findet es sich bei Scrofa 
domestica, wo es nur aus 6 Arterienzweigen , welche lange und spitzwinkelige Anastomosen bil- 
den , besteht. 

Der dritte Ast geht hinter der Nasenmuschel an der Seitenwand der Nasenhöhle schief nach 
vor- und aufwärts, gibt Aeste in die Siebbeinzellen (welche jedoch keine Wundernetze bilden), 
und zerfällt in gleicher Höhe mit der Oeffnung der Highmorshöhle bei der Ziege in 5 Zweige , 
welche sich wiederholt gabelig theilen , und das über der Nasenmuschel gelegene längste gewun- 
dene Blatt des Siebbeins (obere Muschel) mit einem den früheren ähnlichen Wundernetzc , an 
welchem auch der erste Ast der Art. ethmoidalis Antheil nimmt, einhüllen. Ein Ast dieses 
Netzes dringt in die Highmorshöhle, ein anderer in die Stirnhöhle ein; beide ohne Wunder- 
netze zu bilden. 

Beim Schwein und beim Hirsch ist dieser Ast am schwächsten, am stärksten bei der Ziege 

und beim Schafe. Das von ihm abhängige Wundernetz verlängert sich über die obere Nasen- 
höhlenwand bis zum Septem hin, wo es mit den durch « und ß gebildeten Netzen zusam- 

menstösst. 
5. Die Fortsetzung der Art. splwnopalatina löst sich in das Wundernetz der Naseomuschel 

auf, dessen lang gezogene Inseln der Länge des Knochens folgen, und sich durch ihre Regel- 
mässigkeit und meistens oblong sechseckige Gestalt auszeichnen. Der Hauptzug des Netzes 
hält Seh an die innere (convexe) Seite der Muschel, von welcher aus es. sich um die Rän- 
der der Muschel wirft, um auch ihre coneave Fläche zu 



nach vorn zuspitzt , so müssen 
gen des Wundernet 



einen 



überziehen. Da die Muschel sich 

alle auf ihre umfangsreichen Flächen ausgebreiteten Strahlun- 

schmalen Stiel zusammenlaufen, in welchem sie sich beim 






Hirsche zu 1 6 , bei der Ziege zu 9 , bei der Antilope zu 6 Stämmen vereinigen , welche am 
Umfange der vorderen Nasenöffnung mit den hieher gelangten Ausläufern der übrigen Wunder- 
netze anastomosiren, und in die Schlagadern der äusseren Nase übergehen. 
Ich nahm mir die Mühe, beim Kalbe die Summe der Gefässe zu zählen, welche an den 
zwei wie ein Hobelspan eingerollten Blättern der Nasenmuschel vorkommen. Um dieses thun zu 
können, löste ich an einem injicirten Schädel die untere Nasenmuschel los, legte sie in sehr ver- 
dünnte Salzsäure, wodurch der Knochen in kurzer Zeit aufgelöst wurde, und nur der häutige Ueber- 
zug, der sich leicht in eine Fläche auseinander rollen liess, übrig blieb. An der Fläche, welche hei 
der Einrollung die convexe blieb, zählte ich 124, an der coneaven 93 parallele Gefässe, deren 
grösste V« Linie , deren kleinste nicht unter Vs Linie Durchmesser hatten. Die kleineren Elemente 

des Netzes — 
Anspruch hat - 



welches unter solchen Umständen auf den Namen eines Wundernetzes den giltigsten 



wurden nicht mitgezählt. 









4 



T 











> 






£2 










zur vergleichenden Angiologie. 



17 



Niemals erstreckt sich eine Abtlicilun? des 



Nasalwundernetzes in den Ramificationsbezirk des Ner- 
der ausschliessliche Boden der Wundernetze ist jener Theil der Nasen- 
schleimhaut , welcher seine Nervenzweige vom ersten und zweiten Aste des fünften Nervenpaares 
erhält. *) 



vus olfactorius hinein 



■ 

4. Verhältnis^ der Wundernetze zum Capillargefass - System« 

Als ich das erstemal das Wundernetz an der Nasenscheidewand des Kalbes im injicirten Zu- 
stande sah, glaubte ich in ihm eine Modilication des Capillargefass - Systems zu sehen. Die Stämme 
des Netzes liegen so dicht aneinander, dass mit dem Verschwinden der Inselräume gar kein Platz für 
weitere Verästlungen von Capillaren übrig bleibt. Die Dicke der Stämme jedoch und die nirgends 
sichtbaren Venenanfänge sprachen gegen die Bedeutung eines Capillargefässnetzcs. 



Bei wiederholten feinen Injectionen des Netzes zeigte sich der 



merkwürdige Umstand 



dass das 



Capillargefässnetz der Nasenschleimhaut nicht durch allmälige Verjüngung der arteriellen Ramilicationen 
entsteht, sondern plötzlich aus den Stämmen der Wundernetze sich entwickelt. Jeder Stamm des 

* 

Wundernetzes gibt an der der freien Fläche der Nasenschleimhaut zugekehrten Seite eine Reihe der 
feinsten Capillargefässe ab , welche sich nur wenigmal theilen , und mit den anstossenden ein einfa- 
ches Netz bilden , dessen rundliche Maschen die Schleimfollikel umgürten. Am hinteren oberen Theile 
des Nasenscheidewandknorpels , wo das Wundernetz weitmaschiger wird , sind auch die Flächen der 
Maschen durch capillare Verästlungen eingenommen. 

An jenem Theile des Scheidewandnetzes, welcher zwischen die beiden Siebbeinlabyrinthe ein- 
dringt, finden sich nur gewöhnliche baumförmige Gefässverästlungen. Dasselbe ist beim Schweine in 
der ganzen Ausdehnung des weitmaschigen Wundernetzes der Fall. Es tritt also bei den mit Na- 
salwundernetzen versehenen Thieren das Blut aus den gröberen Stämmen unmittelbar in die capillare Bahn, 
während es sonst den ganzen Stammbaum arterieller Ramilicationen zu durchlaufen hat. Bei den 
Thieren ohne Nasalwundernetz kommen die Haupt- Arterien der Nasenschleimhaut aus der Art. eth- 
moidalis und aus untergeordneten Zweigen der äusseren Gesichtssdilagadern; die Art sphenopalatina 
fehlt zwar nie gänzlich , ist jedoch immer sehr unansehnlich. 



5. Verschiedenheiten der Ufasal wundernetze und mit ihnen zusammenhangende Ganglia 

vasculosa. 

Die Wiederkäuer stimmen hinsichtlich der Anordnung ihrer Wundernetze ziemlich genau überein. 
Die einzelnen Zungen oder Wedel der Netze haben denselben vierfachen Ursprung aus den ersten 
vier Theilungszweigen der Art. sphenopalatina , und die Oertlichkeit ihrer Ausbreitung bleibt sich 
bei allen gleich. Bemerkenswerth ist der Umstand, dass die Stärke der Nasalnetze mit jener des 
carotischen Netzes übereinstimmt. Zerfällt letzteres durch wiederkehrende Theilunjr seiner constitui- 
renden Stämme in viele untergeordnete Zweige , so sind auch die Nasalwundernetze mehr durch die 



Zahl als durch die Stärke ihrer Zweige ausgezeichnet 



wie bei Bos und Cermis ; dagegen starke 



Zweige mit relativ verminderter Zahl bei Ovis , Antilope und Capra vorkommen. Dasselbe gilt vom 
Rete mirabile ophthalmieum. Die Dicke ißt Art sphenopalatina misst bei Cermis elaphus l 3 /^ Li- 
nien , bei Bos taurus 2 Linien , während beim Pferde trotz der grossen Geräumigkeit seiner Nasen- 
höhle dieselbe Arterie den Durchmesser einer Linie nicht erreicht. Bei der Gemse hält die Art. sphe- 
nopalatina 3 /^ Linien im Durchmesser, eben so viel beim Schafe und bei der Ziege. Erstere besitzt 



) Die Verästlungen des fünften Nervenpaares in der Nasenhöhle des Schafes sind durch 
worden, um diese Behauptung- mit Zuversicht auszusprechen. (Anatomisk Bcskrifnlng 
sinyfors. 1843. Abbildungen der Nasalnerven auf Tab. III, IV und V.) 



Bonsdorff genau genug bekannt ge 
af celebral nercerne hos fdret. Hei 



% 
















■ 




18 



J. HyrtVs Beiträge 



iiberdiess unter allen Thieren, die ich untersuchte, verhältnissmässig die dicksten Wundernetzäste, deren 

zwei auf eine Linie gehen. 

Beim Hirsche entspringt der zum Wundernetze am Boden der Nasenhöhle gehende Ast der Art 

— der zur oberen Nasenmuschel 
das Netz an der concaven Seite der 



sphenopalatina noch vor deren Eintritt in das gleichnamige Loch , 



tretende Ast entsteht aus 



Wunde 



der unteren , 



unteren Nasenmuschel ist ein weites Maschennetz, während das an der convexen Seite liegende 265 



lange spitzwinkelige Maschen bildet 



am 



hinteren Rande des Vomer und an den anstossenden 



welche die Schleimhaut in einen beweglichen Wulst aufheben. 



hinteren Enden der Seitenflächen desselben rollen sich die zum Wundernetze gehenden Zweige ran- 
kenähnlich auf, winden sich um einander, und bilden ein mittleres und zwei seitliche Schlagadercon- 

volute von der Länge eines Zolles 
Die zwischen diesen Arterien ebenso gewunden verlaufenden dicken Venen zeigen beim Reh häufige 
Anastomosen und sinusartige Ausbuchtungen, woraus auf die erectile Natur der fraglichen Wülste beim 
Hirschgeschlechte geschlossen werden könnte. — Beim Schafe schickt der zum unteren Nasenwunder- 
netze abgehende Ast der Art. sphenopalatina die Schlagader des weichen Gaumens ab , welche auf 
dem Boden der Nasenhöhle (ohne Netzbildung) nach hinten läuft; — der für das obere Nasalwunder- 
netz abgehende Ast ist doppelt. (Eine ähnliche aber verhältnissmässig unansehnliche Schlagader findet 

sich auch beim Pferde.) 

Beim Schweine sind die oberen und unteren Nasalwundernetze nur aus wenig Stämmen zusam- 
mengesetzt , — 



das obere aus 13, das untere aus 8. Das Netz der Muschel gibt jenem der Wieder- 

jenes der Scheidewand entspringt nicht durch Zerfallen eines Hauptstam- 



mes , 

den der Nasenhöhle (dicht 



käuer nur wenig nach , 

sondern wird durch 22 Schlagadern gebildet, welche aus der oberen Peripherie eines am Bo- 

am Vomer) nach vorn verlaufenden Stammes entspringen, welcher selbst 
durch eine lange Insel unterbrochen wird. Zwischen dem Canalis nasopalatinus und der vorderen 
Nasenöffnung liegt beim Schweine auf der oberen Fläche des Os intermaxillare ein ähnlicher, aus 
zusammengeballten Arterien und buchtigen Venen gebildeter Gefässknäuel wie beim Hirschgeschlechte. 
Zwei aus dem unteren Nasalwundernetze hervorgehende Arterien senken sich in ihn ein , zertheilen 
sich unter steter Knäuelung in immer feiner werdende Zweige , welche die Stenson'schen Knorpelröh- 
ren mit einem dicken Gefässlager umschliessen , und am harten Gaumen mit den Verästlungen der 
Art. palalina zusammenmünden. Die Länge dieses ovalen und höchst wahrscheinlich erectilen Ge- 
fässknäuels beträgt an dem jungen Thiere , welches ich vor mir habe, Vi Zoll, seine Breite 4, seine 
Dicke 3 Linien im durch Injection strotzenden Zustande. 



* 



W 



6. Allgemeine Bemerkungen über die ftasalwundernetze. 

Die vier Nasalwundcrnetze der Wiederkäuer und Pachydermen sind, dem Gesagten zufolge, Theile 
oder Zungen eines einzigen grossen, unter der Schleimhaut der Nasenhöhle liegenden Wundernetzes, 
dessen Hauptstamm die Art sphenopalatina bildet. Obwohl aus vier besonderen Aesten dieser Schlag- 
ader hervorgegangen , stossen sie doch an den vier 
hen , als ein zusammenhängendes Ganzes , die der Berührung mit der eingeathmeten Luft ausgesetzte 
Fläche der Nasenhöhle, mit Ausnahme der eigentlichen Riechsphäre. — Jede der vier Zungen des 
Nasalwundernetzes bietet im Allgemeinen eine übereinstimmende Bildung ihrer Elemente dar : strahlige 
Wedel mit Zwischenanastomosen, und Ursprung von Capillargefässen aus den einzelnen Strahlen. Durch 
letzteren Charakter sind die Nasalwundernetze überhaupt von allen bisher bekannt gewordenen Wun- 
dernetzen unterschieden. — Das untere und obere Wundernetz , so wie jenes der Nasenscheidewand , 
deren strahlige Wedel sich nicht zu Einem einfachen austretenden Hauptstamme vereinigen, sondern 
in der Umgegend der äusseren Nasenknorpel mit den untergeordneten Zweigen der äusseren Nasenar- 



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zur vergleichenden Angiologie- 



19 



terien anastomosiren 9 sind nach Müller's *) Terminologie der Wundernetze: Retia mirabilia diffusa 
s. unipolaria. Bei keinem der bekannten, in diese Kategorie gehörigen Wimdernetze (mit Ausnahme 
der Choroideal- und Schwimmblasennetze) ist die Strahlung so sehr in die Fläche ausgebreitet, wie 
an jenen der Nasenhöhle. Die Zwischen -Anastomosen ihrer einzelnen Stämme lassen sie noch über- 



diess als Retia unipolaria reticulata bezeichnen. 



Das Wundernetz der unteren Nasenmuschel da- 



gegen , dessen aus einem einfachen Wirbel entsprungene Stämme sich zu mehreren Austrittswirbeln 



am vorderen Ende der Nasenmuschel vereinigen 



ist ein Hefe amphicentricum 



— Die den Arterien 

entsprechenden Venen sind zwar sehr ansehnlich und netzförmig verknüpft , allein diesen Netzen fehlt 
der eigentliche Charakter der Wundernetze , welchen sie nur dadurch erhalten können , dass sie den 
Arterien auf den Schritt nachfolgen. Das Nasenscheidewandnetz des Schweins ist ein Reie semi- 
pennatum. 

Uebersieht man einen vertical zersägten injicirten Schädel eines Wiederkäuers an der Schnittfläche, 
so zeigt sich auf den ersten Blick, dass die Wundernetze nur jenem Theile der Nasenhöhle ange- 

— die Sinus und das 



hören , durch welchen der stärkste Zug des eingeathmeten Luftstroms geht ; — 
Siebbeinlabyrinth sind ohne Wundernetze, und überhaupt sehr blutarm. Ich glaubte, als ich das er- 
stemal die Nasalwundernetze in strotzender Fülle sah, aus den örtlichen Verhältnissen ihres Vorkom- 
mens einen Schluss auf ihre Verrichtung machen zu können. Dieses Durchfurchen des Bodens der 
Nasenschleimhaut mit zahllosen Blutströmen , sollte es nicht die Gefahr der Vcrtrocknunff von einer 
Haut abwenden , welche mit jedem Athemzuge einen Theil ihrer Durchtränkungs - Flüssigkeit an den 
rasch vorbeibewegten Luftstrom abgibt , während die schwierig zugänglichen Sinus und die gewunde- 
nen Gänge des Labyrinths einer so verschwenderischen Durchfeuchtung nicht zu bedürfen scheinen. 
Allein die Ansicht fällt , da die Nasenschleimhaut beim Ausathmen die Feuchtigkeit wieder reichlich 
erhält , welche ihr durch das Einathmen entzogen wurde , indem die in den Lungen mit Wasserdäm- 
pfen geschwängerte und zugleich erwärmte Luft beim Ausathmen sicherlich einen Theil ihrer Dämpfe 
an die kältere Nasenschleimhaut wieder niederschlägt. Auch müssten , wäre Obiges der wirkliche 
Grund und Zweck der Wundernetzbildung , die Geruchsorgane aller Thiere mit diesen Präservativen 
ausgerüstet sein. 

Ein reichlicheres Material für die Absonderung des Nasenschleimes zu liefern, kann auch nicht die 
einzige oder vorzüglichste den Wundernetzen zu Grunde liegende Tendenz sein, da die Menge der Ab- 
sonderung wohl von der Capacität der Art. sphenopalatina, aber nicht von der Mächtigkeit der aus ihr 
hervorgegangenen Wundernetze abhängig ist. Die genannte Arterie wird gewiss bei zwei Thieren, in denen 
sie gleich stark ist, und deren eines das Wundernetz besitzt, das andere nicht, dieselbe Menge Blut in 
das Capillar-System des letzteren wie des ersteren treiben. Das Blut wird zwar durch die Canälc eines 
dichten Wundernetzes mit geringerer Schnelligkeit strömen, indem mit der Vermehrung der vom Blute 

vereinigungssteile zweier Canäle, 
oder an der Einmündung einer Anastomose, hemmende Wirbel im Blute entstehen; allein diese Verzöge- 

ibsonderunjrsmenjre zu Gute kommen, da 



Wiede 



Wunde 



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. 



nicht zunächst das Wundernetz, sondern das Capillargefäss-System den Stoff der Absonderung liefert, 
und die Hemmung der Blutbewegung im Wundernetze durch die Beschleunigung derselben in dem (nicht 
allmälig durch vorbereitende lange Verästlungen entstehenden, sondern plötzlich aus den groben Wunder- 
netzstämmen entspringenden) Capillargefäss-Netze compensirt wird. 

Wichtiger für das Absonderungsgeschäft scheint mir die qualitative Veränderung, welche das Blut 
in dem Labyrinth der Wundernetze durch die Einwirkung der inneren Gefässmembran erleidet, und auf 
diese scheint die Verlangsamerung der fortschreitenden Blutbewegung zunächst berechnet zu sein. 



) Vergleichende Anatomie der Myxinoiden. Gefäss - System pag\ 103. 



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20 

Leider weiss die Physiologie über .die Art dieser Veränderung des Blutes durch die vitale Einwir- 
kung der Gefässwände viel zu wenig zu sagen, um darauf eine stichhältige Theorie der Wundernetz- 
bildungen in der Nasenhöhle zu basiren. Gibt es aber eine solche Einwirkung, so ist sie jedenfalls dort 
am besten angebracht, wo sie, wie bei den Nasalwundernetzen, nahe am Capillargefäss-Systeme auftritt, 
und auf eine so bedeutende Gefässfläche übertragen wird. Alles dieses ist, so lange die Chemie den Be- 
weis der materiellen Mischungsänderung des Blutes durch Einwirkung der Gefässwände schuldig bleibt, 
eine blosse Annahme, während die mechanische Bestimmung des Wundernetzes, wenigstens für die Na- 
salnetze, darin gesucht werden muss, dass sie durch die in ihnen statthabende Verminderung der Schnel- 
ligkeit der Blutbewegimg, für die auf eine bestimmte Grösse zu bringende Schnelligkeit im Capillargefäss- 
Systeme, dasselbe leisten, was ein langer und vielverzweigter Stammbaum der Art sphenopalatina gethan 

haben würde. 

Bei den übrigen Säugethieren, welche nicht mit Nasalwundernetzen versehen sind, und deren Nasen- 
schleimhaut weniger blutreich ist, ist die Art. sphenopalatina klein genug, um bei gewöhnlicher Ver- 



ästlungsweise bei Zeiten capillar zu werden; 



auch dringen, wie ich wenigstens an einem Pferd- und 



Hundeschädel vor mir sehe, von den verschiedenen Zweigen der Gesichtsarterien, so wie von der Augen- 
höhlen- und Gaumenarterie, schon hinreichend kleine Schlagadern in die Nasenhöhle ein, um zu ihrer 



Capillarisirung nicht mehr weit zu haben. 



Es Hesse sich nun freilich noch die Frage stellen, warum 



denn gerade die Nasenschleimhaut der Wiederkäuer und einiger Dickhäuter so blutreich sein müsse 



und 



bei anderen eine geringere Irrigation ihres Substrats genügt. Hierauf zu entgegnen wäre nur Jenem mög- 
lich, der in die Dynamik des Riechens tiefer eingedrungen, als die Physiologie unserer Tage. Vor der 
Hand bleibt es nur ein vereinzeltes, interessantes anatomisches Factum, dass bei den Wiederkäuern und 
den borstentragenden Pachydermen an den zu den drei grossen Kopfhöhlen (Schädel-, Augen- und Na- 
senhöhle) tretenden Arterien Wundernetzbildungen vorkommen, und dass die Nasalwundernetze dem Ter- 
ritorium der Nasenäste des Trigeminus ausschliesslich angehören. 



• 
* 



Erklärung der Abbildungen. 

Taf. I. Fig. 1. 

Rechte Hälfte der Nasenhöhle eines Kalbes. 

a. Fortsetzung der Carotis, jenseits der Abgabe der Art. ophthalmiea. 

b. Art palatina descendens. 

c. Art infraorbitalis. 

d. Art. sphenopalatina. 

e. Stamm des Scheidewand -Wundernetzes. 

f. Wundernetz des Nasenbodens. 

g. Wundernetz der unteren Nasenmuschel. 
h. Wundernetz der oberen Nasenmuschel. 
i. Highmorshöhle. 



k. Harter Gaumen. 



Fig. 2 



Unteres, mittleres und oberes Nasalwundernetz einer Ziege 



Fig. 3. 



Wundernetz der Nasenmuschel einer Gemse. 

a. Eintretende, 

b. austretende Zweige. 



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21 



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Ueber die Carotiden des Ai (Bradypns torquatus). 

(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe am 17. Februar 1848.) 

JJie Verästlungsweise der Kopfarterien der Faulthiere ist nicht weniger interessant, als die bisher bekannt 
gewordene Anordnung der grossen Gelassstämme an den Gliedmassen. Die Geflechte, welche an letzteren 
in so ausgezeichneter Weise vorkommen, linden sich in weniger entwickeltem Grade auch an gewissen, 
tief liegenden Zweigen der Carotiden. Eine eben vollendete Untersuchung eines glücklich injicirten 
Schädels vom Ai* (Bradypus torquatus) gibt folgende Resultate : 



1. Carotis communis* Anastomosen mit der Vertebralis* Vordere und hintere Wirbelsäulennetze« 

Die gemeinschaftliche Carotis entspringt rechterscits aus der Anonyma; — 



— links ist sie, wie bei 

dem Menschen und den meisten Vierhändern, ein selbstständiger Zweig des Aortenbogens. Am Halse aul- 
steigend bildet sie mit der Art. vertebralis eben so viele Anastomosen, als Wirbel vorkommen (8 bei 
Bradypus ton/uatus), und nimmt noch überdiess an der Bildung eines weitmaschigen Netzes Antheil, 
welches an der vorderen Fläche der Halswirbelsäule unter den mächtigen Muskeln derselben gelegen ist. 
Der ungctheilte Stamm der Carotis gibt nämlich in gleicher Höhe mit den betreffenden Intcrvertebral- 
lö ehern der Halswirbelsäule ziemlich lange und nicht unansehnliche Aeste ab, welche sich zwischen die 
Fleischbäuche des Lonyus colli und Rechts capitis anticus eindrängen, und bei ihrer ersten Besichti- 
gung von mir für Muskeläste gehalten wurden. Da aber selbst ein so regelmässiges Abtreten von Muskel- 
ästen aus der Carotis communis in der Säugethierwelt ohne Beispiel ist, so verfolgte ich diese Aeste 
weiter, und fand, dass sie allerdings die genannten Halsmuskeln mit Zweigen betheilen, aber sich nicht in 
ihnen auflösen, sondern zwischen je zwei Querfortsätzen, einwärts von den austretenden Stämmen der 
Rückenmarksnerven, in den Canal der Querfortsätze dringen, und mit dem Stamme der Art. vertebralis 
zus&mmenmünden. Kurz bevor die Anastomose stattfindet, erzeugt jeder dieser Aeste einen Nebenzweig, 
welcher an der vorderen Fläche des betreffenden Wirbelkörpers nach Innen gegen die Mittellinie des 
Halses lauft, und sich alsbald in zwei Zweige theilt, welche mit den entgegenkommenden der anderen Seite 
anastomosiren , und dadurch eine Reihe eben so vieler Inseln als Halswirbel bilden. Diese Inseln hängen 
durch auf- und absteigende Aeste feinen Calibers untereinander zusammen, wodurch ein ziemlich symme- 
trisches Arteriennetz der Halswirbelsäule gebildet wird, welches auch aus den Stämmen der Wirbelarte- 
rien contribuirende Zweigchen erhält. Es scheint sich das Netz an der ganzen Länge der Wirbelsäule 
herabzuziehen, da es sich in die obere Brusthälfte verfolgen liess, wo die zuführenden Stämmchen des- 
selben aus den Zwischenrippenarterien entstanden. — Da sich die Carotis communis am ersten Hals- 
wirbel in die Carotis facialis und cerebratis theilt, so ist es die letztere, welche den ersten Verbindungs- 
zweig zur Wirbelarterie absendet. — 

spärlich, und für die ligainentösen Verbindungen der Wirbel bestimmt. Das Netz kann somit kaum in einer 
Ernährungsbeziehung zu den von ihm aus mit Blut versorgten Theilen stehen. Auf der hinteren Fläche 
der Halswirbclsäule bildet sich ein ähnliches Netz, welches durch die austretenden Zweige der Wirbel- 
arterien construirt wird, und aus ungleich stärkeren Gefassen besteht als das vordere. Es zieht sich 
nämlich am unteren Rande eines jeden Wirbelbogens ein starker, aus der Art. vertebralis entstandener 
Zweig hin, welcher mit dem begegnenden Gefässe der anderen Seite einfach anastomosirt, und einen Bogen 
bildet, der namentlich an den unteren Halswirbeln nicht viel schwächer als die Wirbelarterie selbst ist. 
Diese Gelassbogen hängen wechselseitig durch Verbindungscanäle zusammen , welche sich jedoch weder 
durch Regelmässigkeit ihrer Anordnung, noch durch die Stärke ihres Calibers auszeichnen. Jeder zum 
Axelnervengeflechte tretende Cervicalnerv erhält einen ansehnlichen Zweig aus diesem hinteren Wirbel- 



Die aus diesem Netze abgehenden Zweige sind äusserst fein und 







2 



J. IlyrtVs Beiträge 



säulennetze, welcher ihn jedoch nicht auf seiner ganzen Wanderung begleitet, sondern in das Rete mira- 

bile der Armaterie übergeht. 

Der nächste Vortheil dieser Anastomosen zweier sonst so scharf von einander gesonderter Gelasse, 
und der mit ihnen zusammenhängenden Wirbelsäulennetze, kann wohl kaum ein anderer als ein mechani- 
scher sein. Bei einem Thiere, welches so energische und andauernde Kraftäusserungen vollbringt, und des- 
sen Blut dadurch unter sehr bedeutend wechselnden Druckgrössen strömt, dürften die mit seinen Kopf- 
schlagadern in Zusammenhang stehenden Gefässnetze die Function von Sicherheitsröhren übernehmen, was 
um so wahrscheinlicher ist, als die Entwicklung der Netze in grellem Contraste mit der Kleinheit und 
geringen Anzahl der von ihnen abgehenden Aeste steht. Was die Netze für die Blutströme beider Hals- 
seiten leisten, mögen die Anastomosen zwischen Carotis und Vertebralis für jede einzelne thun. 


































2. Verlauf und Neubildungen der äusseren Carotis 



Die Carotis communis gibt noch vor ihrer Theilung die Art thyreoidea ab, welche lange, be- 
gleitende Aeste an die Luft- und Speiseröhre sendet # ). Ueber dem ersten Halswirbel findet ihre Thei- 
lung in die interna und externa statt , zwischen welche Gefässe sich das grosse Zungenbeinhorn ein- 
schiebt. Die Carotis externa sendet zuerst eine in drei Zweige zerfallende Art hyoidea für die Mus- 
kulatur des Zugenbeins ab, hierauf die starke Art. lingualis und die unbedeutende Art. palatina ascen- 
dens , welche Gefässe, so wie die Art aheolaris inf. einfach bleiben, und nicht durch eingeschobene 
Netze unterbrochen werden. Nun folgt die Art. occipitalis , welche ein feinmaschiges Geflecht durch 
die grosse Austrittsöffnung des Communicans faciei in die Paukenhöhle schickt (während nur kleine 
Zweige derselben zu den Nackenmuskeln abgehen), mit der Fortsetzung ihres Stammes in das schwam- 
mige Gewebe der Schläfenschuppe eindringt, diese von hinten nach vorn und oben durchsetzt, und in 
die Schädelhöhle gelangt, wo sie bogenförmig an der Seitenwand des Cranium bis zur Siebplatte des 

lauft, und sich auf diesem Wege in ein engmaschiges und zartes Netz auflöst, welches den 



• 



Siebbeins lai 

ganzen Umfang der dura mater einnimmt. 

Die Fortsetzung der Carotis externa begibt sich nun an die innere Seite des Unterkieferastes 
(könnte von hier aus Maxillaris interna genannt werden), und löst sich, nach Abgabe der Gaumen- 
arterie, welche keine Netze bildet, in folgende Geflechte auf: 

1. Rete temporale. Es wird durch die tiefliegenden Schläfearterien gebildet. Diese entspringen 
mittelst eines kurzen gemeinschaftlichen Stammes aus der Carotis, während sie im unter- 
sten Räume der vereinigten Schläfen-Augengrube nach vorn verlauft. Der gemeinschaftliche Stamm 
theilt sich erstlich in zwei, sich bald wieder vereinigende Aeste, welche neuerdings divergiren, 
sich Verbindungsäste zusenden, und eine Folge von Anastomosen bilden, welche sich immer mehr 
verjüngen, und endlich in der tiefliegenden Portion des Schläfemuskels untergehen. 

2. Rete ophthalmicum. Dieses Netz wird durch vier aufsteigende Aeste der Carotis gebildet, wel- 
che sich an die fibrös-zellige Scheidewand halten, durch welche die Augenhöhle von der Schläfen- 
grube abgesperrt wird. Die Ansicht dieses Netzes gleicht der bekannten Form der Mesenterialnetze. 
Die Hauptstämme bilden durch wechselseitige Anastomosen nach oben convexe Bogen, auf wel- 
chen eine zweite, dritte und vierte Gruppe von Arcaden aufsitzt. Die peripherischen Zweige des 
Bogennetzes sind theils für den Musculus temporalis, theils für den Sehapparat, mit Ausnahme des 
Bulbus, bestimmt. 

Gegenüber dem Ursprünge des Rete ophthalmicum sieht man drei Arterien sich vom Stamme 



der Carotis abwenden 



• 



um die untere Gegend des Bulbus nach 



innen zu umgreifen. Die erste der- 



selben ist die Art. ethmoidalis inferior. Sie geht unter dem Bulbus zur inneren Wand der Augen- 



) Auf der rechten Kopfseite folgt eine für die Unterkiefer-Speicheldrüse bestimmte Schlagader, welche linkerseits aus der 

Carotis externa stammt. 












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zur vergleichenden Angiologie. 



23 



höhle , und theilt sich daselbst in zwei Zweige , deren jeder in ein an der Orbitalwand des 
Oberkiefers befindliches Loch eindringt. Der untere Zweig 1 ist die Art. alveolares superior , der 
obere die eigentliche Art. ethmoidalis inferior. Diese geht durch einen besonderen Canal des 
Oberkiefers in die Nasenhöhle , ohne den gewöhnlichen Umweg durch die Schädelhöhle zu neh- 
men. Sie versorgt die Schleimhaut der Nasenmuschel, und setzt sich nach rückwärts, über die 
Choana hinaus fort, um am Gewölbe des Rachens mit einem Zweige der Carotis interna zu 
anastomosiren. Der zweite, den Bulbus von unten umgreifende Ast versorgt die an der inneren 



Augenhöhlenwand gelegenen Weichtheile , während der dritte am Margo infraorbitalis sich nach 
innen und oben krümmt, und, vom inneren Augenwinkel an , als Art. frontalis verläuft. 
3. Rete infraorbitale. Die Fortsetzung der Carotis dringt nun als Art. infraorbitalis in den gleich- 

und bildet bei ihrem Austritte aus demselben ein bis in das Schnautzenende sich 
erstreckendes Netz, von welchem sich parallele Stämmchen auf den Nasenrücken erheben, um 
mit der oben erwähnten Art. frontalis zu anastomosiren. Dieses Netz ist schwächer als die bei- 
den früheren. 



namigen Canal 



3. Verflawf und Xetzbilrtungen der inneren Carotis und der Wirbelarterie. 

Die Carotis interna*) erzeugt vor ihrem Eintritte in den Canalis car oticus zwei schwache Aeste, 
deren unterer zur hinteren Wand des Pharynx geht, und die fehlende Art. phargngea der äusseren 
Carotis ersetzt, deren oberer der früher erwähnte Verbindungsast zur Art. ethmoidalis inf. ist. Nebst 
diesen geht noch ein feines Geflecht in das Cavum tympani, um mit dem den Nervus communicans 
faciei umstrickenden Plexus zu anastomosiren. 

In die Schädelhöhle eingetreten, bleibt die Carotis interna eine Strecke lang zwischen der dura 
mater und dem Knochen, und anastomosirt daselbst mit einem feinen Aestchen einer Schlagader, wel- 
che von der Carotis externa (während sie an der inneren Seite des Unterkiefergelenks vorbeistreicht) 
entspringt, und durch das Foramen ovale des Keilbeins in die Sehädelhöhle tritt, wo sie die starken 
Wurzeln des Quintus und die mittlere Partie der harten Hirnhaut mit Rlut versieht. An der Seite der 
Hypophgsis durchbohrt die Carotis die harte Hirnhaut, und zerfällt in einen vorderen und hinteren 
Ast. Die Verästlungen derselben stimmen auf beiden Seiten nicht miteinander überein. (Wenn dieses 
übrigens für alle Thiere gilt, so ist die Unsymmetrie des Circulus Willisii bei Bradypus dem Grade 
nach viel auflallender.) 

Der erste Ast rechter Seite theilt sich, nachdem er die Art. ophthalmica abgab, in die Art. 
corporis callosi und in die Art. Sglvii. 

Die linke Art. corporis callosi anastomosirt mit der rechten nicht durch eine einfache Art. com- 
municans ant., sondern durch ein kleines Zwischennetz, aus welchem sich drei aufsteigende Zweige 
zum Balken begeben, um theils auf der oberen Fläche desselben, theils an der inneren Seite der Gross- 
hirnhemisphären, unter fortdauernder weitmaschiger Netzbildung sich zu verästeln. 

Die Art. Sglvii umgreift mit ihren zahlreichen Aesten die Seitenwand der Hemisphären, bildet 
viele und grosse Inseln, und tritt mit ihren vorderen, dem Riechkolben angehörigen Zweigen mit jenem 
Netze in Verbindung, welches später als Rete cribrosum angeführt werden wird. 

Der zweite Ast rechter Seite geht nach rückwärts, erzeugt die zwei vorderen Profunda? cerebri* 
und verliert dadurch so sehr an Volumen, dass er nur als unansehnliches Gefäss (einer Communicans 
posterior vergleichbar) sich hinter den Corpora mamillaria nach links hinüber krümmt, um mit der ganz 
der linken Seite angehörigen Fortsetzung der Wirbelarterie zu anastomosiren, und dadurch die hinteren 
unsymmetrischen Grenzen des Circulus Willisii zu bilden. 



) Die linke ist merklich stärker als die rechte. 




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24 */. HyrtVs Beiträge 

Auf der linken Seite findet sich die merkwürdige, noch bei keiner Thiergattung beobachtete 
Abweichung > dass die Carotis interna 9 welche die rechte fast doppelt an Umfang übertrifft , an der 
unteren Fläche des Vorderhirns bis zur Siebplatte des Siebbeins ausläuft, und sich daselbst in ein 



äusserst starkes, dickstämmiges Netz auflöst, welches ich Rete cribrosum nennen will*). Das Netz 
hat so viele Maschen als die Siebblatte Löcher zählt. Ausser der linken Carotis interna bildet nur 
noch ein dünner Ast der Art. Ophthalmien dextra (welcher auf der linken Seite fehlt) einen unbe- 
deutenden Zufuhrcanal dieses Netzes, wodurch die früher erwähnte überwiegende Stärke der Carotis 
interna sinistra ihre Erklärung findet. Von dem Rete cribrosum dringen Aeste mit den Zweigen des 
Olfactorius in die Nasenhöhle ein, und verästeln sich im Siebbeinlabyrinth und in der Nasenscheide- 
wand, ohne Wundernetze zu bilden. Während die Carotis sinistra den Weg zum Rete cribrosum 
einschlägt, gibt sie dieselben Aeste wie die rechte ab. Ihr Ramus communicans posterior ist so 
stark wie die Wirbelarterie, welche man desshalb als durch einfache Anastomose in die linke Carotis 

übergehend ansehen kann. 

Die Art. Ophthalmien ist ein äusserst feiner Zweig der Carotis interna, welcher an der inneren 
Seite des Sehnerven zum Augapfel geht , und sich , ohne die Muskeln zu versorgen (welche aus dem 
Rete ophthalmicum Blut erhalten) nur in zwei lange und zwei kurze Ciliararterien auflöst, welche 
letztere vor ihrem Eintritte in die Sclerotica ein zartes Rete ciliare construiren. 

Von den beiden Wirbelarterien ist gleichfalls die linke stärker als die rechte. Die aus ihrer 
Vereinigung entsprungene Basilaris erweitert sich auf der Mitte der Varolsbrücke etwas, und nimmt 
gegen den vorderen Rand derselben wieder zusehends an Volumen ab. Ihre paarigen Seitenäste sind 
eben so unsymmetrisch angeordnet wie die Zweige der Carotiden. Ausser den bekannten Aesten, 
welche zum kleinen Gehirne, zum Rückenmarke und zum Gehörorgane treten, bildet die Basilaris, 
anstatt sich in zwei Profunda? cerebri aufzulösen , am vorderen Rande der Varolsbrücke eine Suite 
von 12 rechten und eben so vielen linken Zweigen, welche parallel und dicht aneinander liegen, 
durch kurze Verbindungsschenkel communiciren , und eines der niedlichsten Wundernetze bilden, wel- 
ches sich um den Pedunculus cerebri (nach Art der Profunda?) herumschlägt, und seine Stämmchen 
in verschiedenen Richtungen , gegen den Wurm , die Vierhügel und Sehhügel, und gegen die hinteren 
Grosshirnlappen auseinanderschickt. 

Dieses vom Cerebralwundernetze der Wiederkäuer und Schweine gänzlich abweichende Rete 
mirabile , welches als Rete peduneuli am besten zu bezeichnen wäre , passt in keine der bekannten 
Wundernetzformen, da es weder ein Rete uni- noch bipolare, weder fasciculatum noch pinnatifidum 
ist, und eigentlich nur den vervielfältigten Ursprung der Art. profunda cerebri darstellt, deren Aeste 
so zu sagen ohne Stamm entstehen. 



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7 












. Erklärung der Abbildungen. 



Taf. II. Fig. 1. 



Linke Seitenansicht der Halswirbelsäule mit den Anastomosen der Carotis und Vertebralis, und 
den vorderen Cervicalnetzen von Bradypus torquatus. 

a. Erster Halswirbel. 

b. Erster Brustwirbel. 

c. Gemeinschaftliche Carotis. 






) Ich finde dieses Netz in verhältnissmässig noch stärkerer Entwicklung" bei den Insectenfressern (TaJpa, Sorex), bei den 
Flughäutern (Plecotus , Vespertilio) und in einer sehr reichen Form bei Dasypus novemeinetus. Es wird jedoch nur bei 
letzterem durch eine Fortsetzung beider Carotides internes, bei den übrigen durch einen Zweig- der Carotis externa gebildet, 






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zur vergleichenden Angiologie. 25 

d- Wirbelarterie, schon den 8. Halswirbel-Querfortsatz durchbohrend. 

e. Carotis externa. 

f. Carotis interna, aus welcher der erste Verbindungszweig zur Wirbelschlagader geht. 

Fig. 2. 

Linke Kopfhälfte desselben Thieres mit dem Verlaufe der äusseren Carotis. Der Unterkiefer 
wurde gänzlich entfernt. 

a. Theilungsstelle der Carotis communis. 

b. liefe temporale. 

c. liefe ophthalmicum. 

d. liefe infraorbitale. 

e. Die drei den Bulbus von unten und innen umgreifenden Arterien. 

f. Die nach vorn geschlagene fibröse Scheidewand zwischen Augen- und Schläfengrube. 

Fig. 3. 

Untere Ansicht des Gehirns mit dem Rete mirabile pedunculi und dem Rete cribrosum. 

a. Linke stärkere, 

b. rechte schwächere Vertebralis. 

Dem Verlaufe der Basilaris folgend stösst man nach vorn auf die beiden flachen Wundernetze 
der Gehirnschenkel cc, und sieht hierauf sich die Basilaris ungetheilt nach links wenden, um mit 
der linken Carotis zu anastomosiren. Der Willis'sche Ring hat die Gestalt einer Acht , deren rechte 
Hälfte schwächer als die linke erscheint. 

d. Das Rete cribrosum, dessen zuführende Gefässe die Carotis sinistra^ die Ophthalmica dextra 
und die Ausläufer der Art. Sylvii sind. 



III. 



Ueber die Lymphherzen des Scheltopusik (Pseudopus Pallasii). 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe am 23. März 1848.) 



Die ausführlichste Schilderung des Schlangen -Lymphherzens gab E. H. Weber in Müller's 
Archiv 1835. Er fand es bei einem 7 Fuss langen Exemplare von Python tigris in einer Höhle 
(Nebenthorax) liegen , welche durch die gespaltene letzte Rippe , den Querfortsatz des einzigen Len- 
denwirbels und des ersten Kreuzwirbels gebildet wird. Die zwischen den einzelnen Knochenspangen 
frei bleibenden Lücken werden durch platte Muskeln ausgefüllt , welche den Raum des Nebenthorax 
vollkommen absperren. Das Lymphherz ist durch Zellgewebe an die Wände dieses Raumes angeheftet, 
vergrösser t und verkleinert sich mit ihm. Die drei zuführenden Lymphgefässe kommen aus den zu 
beiden Seiten und dicht vor der Wirbelsäule verlaufenden grossen Lymphstämmen ; die zwei abfüh- 
renden stehen mit zwei ansehnlichen Venen in Verbindung , welche mit der Vene des Rudiments der 
hinteren Extremität den Ursprung des zuführenden Vennenstammes der Niere jederseits zusammensetzen. 



Die Anordnung des Lymphherzens 



beim Scheltopusik weicht 



We 



von 



diesem Vorbilde ab. Ich habe Gelegenheit gehabt , dieses auf der Grenze zweier Amphibienordnungen 
stehende Thier in mehrfachen Exemplaren todt und lebendig zu untersuchen, und mich dabei voll- 



Denkschriften d. mathem. natunv. Cl. 



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26 



J. Hyrtts Beiträge 



kommen überzeugt, dass die zu erwähnenden Differenzen keine zufallige Anomalie, sondern eine 
constante Eigentümlichkeit bilden. 

Der Scheltopusik besitzt nach Cuvier 3 Halswirbel, 51 Rückenwirbel, 2 Kreuzwirbel und 100 (?) 
Schwanzwirbel. Diese Angabe ist für die Rücken-, Kreuz- und Schwanzwirbel unrichtig. An drei 
Exemplaren (ein jüngeres Weibchen , zwei ältere Männchen) beträgt die Zahl der Rückenwirbel 53. 
Auf diese folgen zwei Wirbel , welche Cuvier als Kreuzwirbel deutet. 

Versteht man unter Kreuzwirbel solche, welche miteinander mehr oder weniger vollkommen 
ancylosircn , und sich mit den Reckenknochen durch Fugen verbinden , so besitzt der Scheltopusik 
nur Einen Kreuzwirbel. Das Rudiment des Darmbeins verbindet sich nämlich nur mit dem zweiten der 
beiden fraglichen Wirbel, und zwar durch ein freies Gelenk, welches durch eine am breiten Ende 
des Querfortsatzes dieses entschiedenen Sacralwirbels angebrachte, dick überknorpelte und sebr massig 
concave sphärische Gelenkfläche, und durch einen an der inneren Fläche des Darmbeins, nahe seinem 
oberen , breiteren Ende befindlichen , sehr wenig gewölbten Gelenkhügel gebildet wird. Das Recken- 
rudiment, dessen längere Hälfte unter, dessen kürzere über dem Gelenke liegt, erhält dadurch erstens 
die Reweglichkeit eines zweiarmigen Hebels nach vor- und rückwärts , und zweitens jene der Abduc- 
tion und Adduction, für deren Ausführung ein besonderer und ungemein kräftig entwickelter Muskel- 
apparat sorgt , welcher an einem anderen Orte geschildert werden soll. Der diesem Sacralwirbel 
vorangehende Wirbel schickt von dem Ende und von dem hinteren Rande seines Querfortsatzes 
Refestigungsbänder zum Reckenrudiment, und könnte sonach immerhin als 1. Sacralwirbel gelten, 
allein der Zustand seines Querfortsatzes würde ihn eher den Rückenwirbeln als den Kreuzwirbeln 
anreihen lassen. Der Querfortsatz, von welchem die Refestigungsbänder zum Reckenrudiment gehen, 
ist etwas (1 Linie) länger als die letzte Rippe , aber um eben so viel kürzer als der nächstfolgende 
Querfortsatz. Er übertrifft die letzte Rippe und den nächsten Querfortsatz dreimal an Dicke, ist aber 
nur halb so breit als letzterer. Er liefert überdiess den überzeugendsten Reweis der morphologischen 
Verwandtschaft von Rippen und Querfortsätzen , da er keine unmittelbare Fortsetzung des Wirbel- 
körpers ist, sondern durch eine bewegliche Symphyse (nicht durch Gelenk) auf einem seitlichen 
Höcker des Wirbelkörpers aufsitzt, somit eine Rippe vorstellt, und die Zahl der Rückenwirbel dem- 
nach eigentlich auf 54 steht. 



Der einzige Sacralwirbel ist es, der in 



der nächsten Reziehung zum Lymphherzen steht. Sein 



breiter , von oben nach unten zusammengedrückter viereckiger Querfortsatz , besitzt an seiner oberen 



Fläche in der Nähe 



des äusseren Randes einen staffeiförmigen Absatz , in dessen Vertiefung sich das 



» 



Lymphherz mit einem Theile seiner Oberfläche einpasst. Im tiefsten Puncte dieses Staffeis findet sich 
eine kleine (circa Vio Linie weite) Oeffnung, welche durch den sich überwölbenden Rand des Staffeis 
ein wenig verdeckt wird. Die Oeffnung führt in einen schief nach vor- und abwärts gerichteten Canal, 
welcher die Dicke des Querfortsatzes durchbohrt, und an der unteren Fläche desselben endet. Durch 
ihn lauft der Einfuhrsgang des Lymphherzens. Es erinnert der eben erwähnte Staffel an die bei 
den Ophidiern vorkommende gabelartige Theilung der Querfortsätze der Lenden- und Sacralwirbel, 
zu welcher beim Scheltopusik der erste Versuch gemacht wird. 

Uebrigens sehe ich noch an dem jungen Weibchen auf beiden Seiten die Spuren einer früher 
bestandenen, halb verstrichenen Symphyse des Querfortsatzes mit dem Seitenhöcker des Körpers. 
Der nächst hinter ihm folgende Wirbel ist , seines unteren festsitzenden und durchbrochenen Domes 

der erste Schwanzwirbel, deren ich am weiblichen Exemplare 94, und an dem eines Männ- 
chen, dessen Schwanz vollkommen unbeschädigt war , 98 zähle. Der erste Schwanzwirbel hat noch 
einen ziemlich breiten , am äussersten Rande ausgeschweiften oder in zwei Zinken gespaltenen Quer- 
fortsatz , so wie einen ihn durchbohrenden Canal. Allein dem Lymphherzen sind diese beiden 
Vorkommnisse fremd, da die Zacken am Ende des Querfortsatzes nicht über-, sondern hintereinander 



wegen , 



i 



T 










ii 













zur vergleichenden Angiologie. 



27 



Kegtn (desshalb den horizontal liegenden Lymplischlaueli nicht umfassen können), und das Loch an 
der Basis des Querfortsatzes , sehr vielen folgenden Schwanzwirbeln zukommt, wo es nur zum Ver- 
laufe einer für die Rückenmuskeln bestimmten Arterie dient. 

Die beiden Lymphherzen liegen nun zu beiden Seiten vollkommen symmetrisch auf der oberen 
Fläche des Sacralwirbels in der früher erwähnten staffelartigen Vertiefung. Das Herz ist im gefüllten 
Zustande, wie ich es vor mir habe, vollkommen sphärisch, mit 1 Vi Linie Durchmesser. Eine fibröse 
Kapsel umgibt es locker. Zwischen dieser Kapsel und dem Lymphherzen ist kein leerer Raum, 
sondern es hängt die innere Fläche der Kapsel, wie E. EL Weber bei Python tigris bemerkte, 
durch feinen und dehnbaren Zellstoff mit der Oberfläche des Herzens zusammen. Die Kapsel scheint 
jedoch kein selbstständiges Organ zu sein , sondern durch Spaltung jener Aponeurose zu entstehen, 
welche vom Rande des Staffeis des Querfortsatzes zum oberen Ende des Reckenrudiments hinseht. 

Ich konnte am Lymphherzen des Scheltopusik nur ein zufahrendes und ein ableitendes Gefäss 

• 

wahrnehmen. Rei Python bemerkte W eher drei zuführende Lymphgefässe eines Herzens , welche 
aus den auf der unteren Fläche der Schwanzwirbelsäule zu beiden Seiten der unteren Dornfortsätze 
gelegenen Lymphstämmen entspringen , und sich in die obere Wand des Lymphherzens einmünden. 
Pseudopus besitzt nur Ein zuführendes Lymphgcfäss , und dieses kommt nicht aus den Saugader- 
stämmen des Schwanzes, sondern nimmt seinen Ursprung aus dem mächtig grossen Sinus fymphati- 
cus, welcher der Wirbelsäule entlang sich durch die ganze Rauchhöhle erstreckt, und nicht nur die 
Aorta als ein weiter Sack umschliesst, sondern auch die Gekrösarterie und jeden ihrer Aeste bis 

zum Mesenterial rande des Darmes mit einer im injicirten Zustande die Dicke eines Schreibfederkiels 
erreichenden Scheide begleitet. 

Das hintere Ende dieses grossen Lymphreservoirs nimmt zwei aus dem Schwänze herbeikommende 
Lymphgefässe auf, und sendet, über der Insertionsstelle dieser, zwei ungleich schwächere, fasst haar- 
feine Lymphgefässe ab, welche die Querfortsätze des Sacralwirbels mittelst der 
beiden oben berührten Canäle durchsetzen, und sich in den inneren Rand des Lymph- 
herzens inseriren. 

Von der äusseren und unteren Gegend des Herzens entspringt ein Ausführungscanal von stattlicher 
Dicke (V2 Linie im Durchmesser). Er steigt zwischen den Gabelzacken des Endes des Querfortsatzes 
nach abwärts, und entleert sich, nach einem kaum anderthalb Linien langen 
Verlaufe, in die Wurzel der Vena umbilicalis % Während er zwischen den Endzacken 
durchgeht, wird er durch ein Querband fixirt. Der Ausführungsgang des Lymphherzens ist eine wahre 
Vene , da die Injection der Vena umbilicalis in ihn eben so leicht wie in jeden anderen Ast dieses 
Venenstammes übergeht, und erst am Austrittspuncte desselben aus dem Herzen durch zwei gegen- 
ständige halbmondförmige Klappen aufgehalten und am Uebergange in das Lymphherz gehindert wird. 
Hat man das Lymphherz blossgelegt und mittelst einer feinen Glasröhre mit Quecksilber gefüllt, so 
geht dieses unter keiner Redingung in den grossen Lymphbehälter des Unterleibes über , was die 
Gegenwart von Klappen voraussetzt , welche bei der Feinheit des Zuführungscanais und der Zartheit 
des ganzen Pumpapparates nur schwer ein Gegenstand wirklicher Anschauung sein können. Der Klap- 
penschluss ist somit, wie bei den Rlutherzen, vollkommen sufficient. 



Da das Lymphherz auf dem Querfortsatze 



des Sacralwirbels liegt , es 



somit durch die ganze 



Masse der Rückenmuskeln gedeckt wird , so ist seine Rlosslegung im lebenden Thiere , dessen 
Schlangenform seine Befestigung noch überdiess sehr erschwert, äusserst umständlich. Es pulsirte 



*) Die Vena caudalis theilt sich nämlich gleich bei ihrem Hervorkommen aus derOeffnung des ersten unteren Dornfortsatzes 
in zwei Zweige (Venae ischiadicac) , deren jeder sich neuerdings in zwei Aeste spaltet. Der obere von ihnen geht als 
Vena advehens Jacobsonii zur Niere, der untere lauft gegen die untere Bauchwand herab, um sieb hier nach vorn zn 
wenden, und mit dem gleichen Aste der anderen Seite den Stamm der Vena umbilicalis zusammenzusetzen. 

4 * 






























I 
























- I ■■ 










# 





28 



öÖmal in der Minute. Es steht diese Zahl gegen jene bei den Batrachiern beobachtete fast um die 
Hälfte zurück , was durch den Umstand erklärlich wird, dass die von mir untersuchten Thiere lange 
Zeit ohne Nahrung und desshalb sehr hinfällig waren. 

Trotz der Zartheit der Wände des Herzens Hess sich doch eine zellige und muskulöse Schichte 
(animalische Fasern) unterscheiden , sammt Plattenepithelium. Das muskulöse Stratum lässt deutliche 



Querfa 



hängt 



Oberfläche der fibrösen Kapsel an, in welcher es eingeschlossen ist. Es ist in hohem Grade über- 

einer aponeurotischen Höhle, wenn auch locker, 



Wänden 



verwachsen zu 



sehen. Die Contraction des Herzens ist durch diese Thatsache gehindert ihre 



ganze 



disponible Kraft auf die Austreibung des Contentum zu verwenden, indem ein 



Theil der- 



selben durch den Wid 



der straft" gespannten fibrösen 



W 



absorbirt wird. Man sieht 



desshalb die Bewegungen des Lymphherzens sich erst dann frei entwickeln, wenn das vom Quer- 
fortsatze zum oberen Darmbeinende gehende sehnige Blatt abgelöst wurde. Allerdings wird das 
Bindungszellgewebe zwischen Herz und fibröser Hülse desselben ein sehr nachgiebiges und dehnbares 



sein 



allein das winzige Herz, welches ohnediess nicht viel bewegende Kraft zu verlieren hat, 



dürfte für eine vollkommene Zusammenziehung und Entleerung durch die Anspannung seiner zelligen 
Verbindungsfäden eine nicht gleichgültige , störende Hemmung seiner Bewegung erfahren. Es scheint 
mir desshalb eine ausgemachte Sache zu sein, dass die Lymphherzen der beschuppten Amphibien 
sich nicht wie jene der nackten, welche in keine fibrösen Kapseln eingeschlossen sind, bis zur 



vollkommenen Entleerung zusammenziehen, sondern nur 



einen Theil ihres Inhaltes austreiben , und 



sich nur um so viel contrahiren, als es ohne namhaften Verlust an bewegender Kraft angeht. Die 
Ueberführung der Lymphe in das Blut kann sonach nur eine sehr langsame sein. Der grosse abdo- 
minale Lymphraum eines ausgewachsenen Pseudopus benöthigt zu seiner und seiner Dependentien 
gänzlichen Füllung ein Quantum von dritthalb bis drei Unzen W 



hat kaum 
genug Capacität für einen Tropfen. Nimmt man an , dass es sich nur um den dritten Theil seines 
Volumens zusammenzieht, so ist leicht auszurechnen, wie lange die beiden Lymphherzen brauch- 
ten, um das ganze Beservoir des Unterleibes auszupumpen, und es wird sich daraus ergeben, dass 
der Umlauf der Lymphe in dem so weiten Canale eben so langsam wie ihr Umsatz und ihre 
Wiedererzeugung sein müssen. Die äusserst geringe Menge flüssiger Absonderungen und Aussonde- 
rungen bei den beschuppten Amphibien erklärt sich vielleicht hieraus. 

Erklärung der Abbildung. 



Tab. III 



Querfortsatz 



Q 



herzens geht. 
Erster Caudalwirbel. 

d. Lymphherz. Sein nach abwärts gerichteter Ausführungsgang entleert sich bei e in die 
Spaltung der Vena caudalis (f) hervorgegangene Wurzel der Vena umbilicalis (§). 

A. Nieren. 

i. Lymphraum des Unterleibes. 

(Fortsetzung folgt.) 



aus 



der 











J. 



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I 



29 



Zur vergleichenden Anatomie der Trommelhöhle 



Von Professor Dr. J. HyrtL 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe am 13. Jänner 1848.) 



1. Ueber einen neuen Muskel in der Trommelhöhle bei Phoca vitulina 



Taf. IV. Fig. 1. lit. d. 



An einer jüngst untersuchten Phoca vitulina fand ich einen bisher nicht angegebenen Muskel des 
Ambosses. Er liegt nicht in der Pauckenhöhle, wie die übrigen bekannten Muskeln der Gehörknochen, 



sondern gehört 



J 



iener Ausbuchtung 



derselben an , welche von der oberen Wand der Pauckenhöhle 



ausgeht , und in den dicken unteren Theil der Schläfebeinschuppe eindringt. Diese Ausbuchtung, welche 
bei sehr vielen Säugethiercn in verschiedenem Grade*) vorkommt, und bei einigen derselben einen 
verhältnissmässig viel bedeutenderen Umfang als bei Phoca besitzt , enthält den Kopf des Hammers 
und den Körper des Ambosses. Man könnte an ihr eine äussere , eine obere und eine innere Wand 
unterscheiden , 



welche durch abgerundete Kanten 



in einander übergehen. Die äussere Wand unterhält 



keine Verbindung irgend einer Art mit den genannten Theilen der beiden Gehörknochen. Die obere 
Wand besitzt ein senkrecht zum Körper des Ambosses herabsteigendes Aufhängeband , welches in 
einer Schleimhautscheide eingeschlossen ist, und ein Bündel von Blutgefässen zeigt, die für den 
häutigen Ueberzug des bei keiner anderen Säugethiergattung so umfangsreichen Ambosses bestimmt 
sind. Die innere Wand wird nicht bloss von der Schläfenschuppe, sondern nebenan von einem mas- 

Individuen durch 



blattförmigen Anhange der Schläfenpyramide gebildet , welcher bei 



jungen 



siven , 

Harmonie sich an den entsprechenden Rand der Schuppe anlegt , bei älteren spurlos mit ihm ver- 
schmilzt. An dieser Wand entspringt der fragliche Muskel mit feinen, strahlig nach abwärts convergi- 
renden Faserbündelchen , welche eine Area von zwei Linien Durchschnitt einnehmen. An dem 
massig scharfen Rande, durch welchen die erwähnte Bucht des Tympanum von der Haupthöhle getrennt 
wird , krümmt sich der Muskel nach aussen und zugleich etwas nach rückwärts , um mit einer kur- 
zen , fadenförmigen Sehne sich in einer kleinen rauhen Grube zu befestigen , welche an der inneren 
Fläche des Körpers des Ambosses dicht unter seiner Gelenkfläche angetroffen wird. Der Muskel ist 
mit einem Schleimhautüberzuge versehen, der viel dicker als er selbst ist, und ihn desshalb so lange 
unbekannt bleiben Hess. Ich selbst verdanke seine Auffindung nur dem Zufalle. Ich hatte vor längerer 
Zeit das Schläfebein eines Seehundschädels, welcher mit feiner Harzmasse injicirt war, zur Maceration 
bei Seite gelegt. Als ich neulich nachsah, fand ich die Schleimhaut so weit zerstört, dass sie sich 
abwaschen Hess. An der oben genannten Stelle wurde unter der Schleimhaut eine äusserst gefässreiche 
Schichte bemerkt , welche durch die balsamische Injectionsmasse gegen die zerstörende Wirkung der 
Fäulniss in Schutz genommen zu sein schien. Ihre mikroskopische Untersuchung wies die Gegenwart 



*) Bei einigen Nagern und Edentaten ist sie durch eine häutige Scheidewand von dem Hauptraume der Trommelhöhle getrennt. 
Gewöhnlich entspricht ihr eine an der Basis cranii gegen die Schädelhöhle gerichtete Wölbung, welche jedoch bei 
Phoca fehlt. 















Jr 






















• 



: 






30 



joner 



langgestreckten 



J. Hyrtl. Zur vergleichenden Anatomie 

schmalen Maschennetze nach , welche nur dem Muskelsysteme zukommen. Ich 
untersuchte nun an einem Weingeist-Exemplare die Sache näher, und fand den eben erwähnten 
Muskel. — Die fast winkelige Biegung des Muskels an der Uebergangsstelle von der inneren Paucken- 
höhlenwand zur entgegensehenden Fläche des Kopfes des Ambosses rührt davon her, dass an dieser 
Stelle ein feines fibröses Bändchen über ihn weglauft, welches vom Periost des Felsenbeines gebildet 
wird, den Muskel knickt, und seine Richtung auf ähnliche Weise winkelig bricht, wie es eine ge- 
wöhnliche Muskelrolle zu thun pflegt. Jenseits dieses Bändchens lenkt der Muskel nach aus- und 
rückwärts ab , um sein Insertionsgrübchen zu finden. — Die Wirkungsart des Muskels ergibt sich 

aus Folgendem. 

Vergleicht man die Richtung des Muskels, nach seinem Durchgange unter dem fibrösen Stell- 
vertreter einer Rolle, mit jener des Tensor tympani, so findet man beide fast parallel. Unser Muskel 
des Ambosses wird somit letzteren nach innen ziehen , und , da er unter dem Gelenke desselben mit 
dem Hammer angreift, so wird sich vorzugsweise der lange Fortsatz des Ambosses nach einwärts 
begeben , wodurch im Amboss-Hammergelenke eine Drehbewegung veranlasst wird. Die Gestalt der 
betheiligten Gelenkflächen ist dieser möglichen Bewegung entsprechend. Der Amboss besitzt eine tiefe, 
einen einspringenden Winkel bildende Gelenkfläche. Die zwei schiefen Ebenen dieses Winkels sind 
unter 90 ° gegen einander geneigt. Die obere schiefe Ebene ist zugleich kugelig convex , die untere 
plan. Am Kopfe des Hammers bildet die Gelenkfläche einen ausspringenden Winkel mit oberer sphä- 
risch concaver, unterer ebener Fläche. Dreht sich die sphärische Convexität des Ambosses in der 
Vertiefung des Hammerkopfes nach innen oder aussen , so gleiten die planen, unter dem Kugelgelenke 
liegenden Flächen beider aneinander vor- und zurück. Die Gestalt der ineinander greifenden Gelenk- 
flächen des Hammers und Ambosses erlauben sonach eine isolirte Bewegung des letzteren nach 
innen. Diese Einwärtsbewegung des langen Fortsatzes des Ambosses treibt den Steigbügel tiefer in 
das ovale Fenster , spannt die Membran , welche die Basis des Steigbügels in diesem Fenster um- 
säumt , und es kann somit der Ambossmuskel die Dienste eines Regulators für die Verschliessungshaut 
des ovalen Fensters eben so gut übernehmen, wie der bekannte Tensor tympani dasselbe Geschäft 
für die Trommelhaut versieht. Eine isolirte Bewegung des Ambosses erscheint zwar nach Ed. Weber's 



Ausmittlung der Bewegungs-Axe menschlicher Gehörknöchelchen nicht zulässlich , 



es bedarf jedoch 



nur eines Blickes auf die Gestaltung der Articulationsflächen an den Gehörknöchelchen der Seehunde, 

Familie das Web ersehe Bewe- 



um die Ueberzeugung zu gewinnen , 
gungsgesetz eine Ausnahme gelten lässt. Dieses 



dass wenigstens bei dieser 



wird um so wahrscheinlicher, wenn man auf die 
kleine, nur bei den Arten von Phoca, am Ursprünge des langen Fortsatzes des Ambosses vorkom- 
mende, auf einem niedrigen Knochenhöcker aufsitzende ebene Gelenkfläche Rücksicht nimmt, welche mit 
einer gleichgestalteten, am Halse des Hammers befindlichen, articulirt, und auf eine Unabhängigkeit 
der Bewegungen beider Gehörknochen hinweist. Würden Hammer und Ambos sich immer gleichzeitig 
nach derselben Richtung bewegen , so müsste das relative Verhältniss des langen Ambossschenkels 
und des Hammerhalses dasselbe bleiben, und die Gegenwart eines Gelenkes zwischen beiden wäre 
nutzlos. 

Es wäre dem Gesagten zufolge der neue Muskel des Ambosses ein Tensor membranae fora- 
minis ovalis oder Intrusor stapedis zu nennen. Die queren Streifen seiner seeundären Fasern 
charakterisiren ihn als einen animalen Muskel. Er scheint seine motorischen Nerven vom Communi- 



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? 



da es mir unmöglich war, an dem Exemplare, welches 



ich untersuchte , Fäden dieses Nerven in das Fleisch des Muskels zu verfolgen ; vermuthe jedoch mit 
grosser Wahrscheinlichkeit ihre Existenz, da der Canalis Fallopiae nur durch eine, 1 Linie dicke Wand von 
der Ursprungsstelle des Muskels getrennt ist, und ein feines Knochencanälchen an macerirten Schädeln 
vom fallopischen Gange aus seine Richtung gegen diese einschlägt. 



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der Trommelhöhle. 



31 



Die Richtung des mächtigen Musculus slapedius zur Längenaxe des Steighügels ist eine recht- 



winkelige« Wird nun der Steighügel durch den Intrusor tiefer in das 



ovale Fenster gedrückt, 



muss der Stapedius nachgehen. Zugleich wird sein Insertionswinkel ein stumpfer. Lässt 



nun 



so 
der 



Intrusor in seiner Wirkung nach 



un 



d tritt der Zug des Stapedius auf. so kann man die schiefe 



Richtung seiner 



Kraft erlauhtermassen in 



zwei Kräfte zerlegen , von welchen wenigstens die eine 



(auf dem Foramen ovale senkrecht stehende) den Steighügel aus dem ovalen Fenster (um einen 



groben Ausdruck für eine der subtilsten 



Bewegungen 



zu gehrauchen) wieder herausziehen wird, 



woraus sich ein antagonistisches Verhältniss beider Muskeln ergibt. Bedenkt man ferner, dass jedes 
stärkere Eindringen des Stapes in das ovale Fenster einen Druck auf das Labyrinthwasser ausübt, der sich 
durch die Scala vestibuli und durch das Ilelicotrema auf die Scala tympani und auf die Membrana 
tympani secundaria fortpflanzt, so muss letztere Membran durch die Wirkung des Intrusor stapetis nach 
aussen gestaucht, und gegen die Trommelhöhle convex vorgetrieben werden. Dieser Umstand dürfte 
ein ferneres Licht auf die Notwendigkeit der Gegenwart unseres Muskels werfen. Die in der 
Trommelhöhle vorhandene atmosphärische Luft unterliegt bei einem tauchenden Thiere einer um so 
stärkeren Compression, je grösser die Tiefe ist, aus welcher er seine Beute holt. Eine bedeutende 
Compression der Luft in der Trommelhöhle könnte der zarten Verschliessungshaut des runden Fen- 
sters (welches bei den Seehunden das eiförmige Fenster wenigstens viermal an Grösse übertrifft) 
sehr gefährlich werden, wenn nicht durch das stärkere Eintreiben des Steigbügels das Labyrinth- 
wasser an die andere Fläche der Membrana tympani secundaria andrängte, und sie so viel nach 
aussen triebe , aJs sie durch die vermehrte Expansivkraft der comprimirten Trommelhöhlenluft nach 
innen gedrückt wird. Bei der Sicherstellung der Prämissen dieser Annahme dürfte somit der Zweck 

der 



des erwähnten Muskelapparates die Aufrechthaltung eines 



gleichförmigen Spannungsgrades in 



Membrana tympani secundaria bei bedeutenden Veränderungen in der Dichtheit der Trommelhöhlen- 
luft sein, und sich hieraus das nur auf ein tauchendes Säugethiergeschlecht beschränkte Vorkommen 
des Intrusor stapedis erklären. Ob in der Ordnung der Wale dieselben Muskelkräfte zur Bewältigung 
eines störenden Momentes in Anwendung" kommen, 



kann ich aus Mangel an Untersuchungsmaterial 



gegenwärtig nicht ermitteln. 



Erklärung der Abbild u n g. 



Die Figur 1. auf Tab. IV. bietet eine Ansicht der hinteren (äusseren) Hälfte der Trommelhöhle 
ines rechten Seehund-Schläfebeins dar. 
a. Pars mastoidea des Schläfebeins. 
6. Promontorium der Trommelhöhle. 

c. Obere Bucht der Trommelhöhle , welche den Körper des Ambosses einschliesst. 
d* Der an der inneren Wand der Bucht entspringende , und unter einem feinen fibrösen Bogen 

durchgehende Intrusor stapedis. 
e. Die einen einspringenden Winkel bildende Articulationsfläche des Ambosses , unter welcher eine 

zweite kleinere , runde und ebene Gelenkfläche auf einem niederigen Knochenhöcker f aufsitzt 

(zur Verbindung mit dem Halse des Hammers). 

g. Musculus stapedius, dessen Richtung jener des Intrusor diametral entgegenläuft. 



2. Steigbügclarterie von Orycteropus und Myrmecophaga. Sesamknorpel im 

Tensor tympani. 

Beim Cap'schen Erdferkel (Ory der opus capensis) , dessen Gehörorgan mit jenem des zwei- 
zeiligen Ameisenbären wesentlich übereinstimmt, befindet sich an der Communicationsöffnung zwischen 
der Trommelhöhle und der oberen Bucht derselben , ein starkes fibröses Diaphragma , welches beide 






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32 



J. Ilyrtl. Zur vergleichenden Anatomie 



Räume ganz genau von einander trennt. Der Hals des Hammers und der lange Fortsatz des Ambosses 
sind durch die häutige Querwand durchgesteckt, und erhalten durch sie ihre Befestigung. Jedes andere 
Aufhängeband der Gehörknöchelchen fehlt. 

Vom Promontorium, welches bei allen Edentaten nur wenig vorspringt, geht ein kurzes, breites 
und straffes Band zur fibrösen Scheide des in der Pauckenhöhle frei laufenden Nervus communicans 
faciei. Dieses Ligament geht zwischen den Schenkeln des weitgespaltenen Steigbügels durch, und 
theilt den Raum der Intercruralöffnung in zwei kleinere Löcher. Das obere dient zum Verlaufe einer 



Arterie , welche durch ein an 



der hinteren Wand des Pauckenknochen befindliches Loch in die 



Trommelhöhle gelangt , und auf dem Promontorium in einer ziemlich tiefen Rinne zum Stapes em- 
porsteigt , um zwischen seinen Schenkeln hindurch zur oberen Wand der Trommelhöhle zu gehen, 
und durch dieselbe in das Cavum cranii zu treten. So viel ich an dem äusserst übel zugerichteten 
Schädel, den ich vor mir hatte, ausmitteln konnte, scheint das Gefäss ein Seitenast der Art. ma- 
xillaris interna zu sein , welcher nicht in der Schädelhöhle bleibt , sondern mit dem zweiten Aste 
des Trigeminus aus ihr tritt, und sich zur Augenhöhle begibt, wo er als Art infraorbitalis verlauft. 
Ob er in der Schädelhöhle einen Ast zum Gehirne gibt, und dadurch die Bedeutung einer Carotis 
cerebralis ansprechen könnte, war nicht zu ermitteln. Ein ähnliches Gefäss, aber bedeutend schwä- 
cher, fand ich bei Myrmecophaga tamandua, und es ist somit sichergestellt, dass eine sogenannte 

*- _ _ _ K 



Steigbügelarterie nicht bloss bei den bekannten Arten der Chiropteren , Nager *) und Insectivoren, 



sondern auch bei den beiden genannten Gattungen der Zahnlosen vorkommt. 



besitzen sie ganz gewiss nicht , da sie entweder 



(Manis) 



eine 




übrigen Genera 



feine Schenkel- 



spaltun 






(Bradypus) 



dass für den Verlauf einer Arterie von mehr als capillarem 



Durchmesser kein Platz vorhanden ist. Nur bei den Gürtelthieren , und namentlich bei Dasypus 
peba, ist die Intercruralöffnung des Stapes gross genug, um einer Arterie massigen Calibers Raum 
zu geben ; worüber jedoch bestimmte Angaben fehlen. 

Der Tensor tympani des Orycteropus besitzt an der Uebergangsstelle seines Fleisches in die 
Sehne einen kleinen Sesamknorpel. Das von mir untersuchte Exemplar war so jung, dass eine in 
späterem Alter stattfindende Ossification des Knorpels sehr wahrscheinlich ist. Der Musculus stape- 
dius besitzt keinen Sesamknorpel. 

3. Gehörknöchelchen seltener Marsupialia. Berichtigung der Angabe über Perameles. 
Grosser herzförmiger Knochen an der Sehne des Stapedius bei Phascolomys. 

Die Gehörknöchelchen und die Trommelhöhle der Marsupialien zeichnen sich durch einige auf- 
fallende Einrichtungen vor den übrigen Säugethieren aus. Ich konnte diese Abweichungen in meinem 
Werke über die Gehörorgane der Säu^ethiere nicht aufführen, da mir damals nur wenige Geschlech- 



ter dieser merkwürdigen Ordnung zu Gebote standen. Nach und nach in den Besitz des nöthigen 



Materials gelangt, kann ich nun erst die erforderlichen Ergänzungen li 



e~\ 



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tern. 



Die Eigentümlichkeiten in der Zusammensetzung der Trommelhöhle wurden bereits sehr um- 



logy geschildert 



? 



Marsupialia' in der Cyclopcedia of 
nur Weniges beizufügen habe. 



Dass die Trommelhöhle nicht bloss von den Elementen des Schläfebeins , sondern grossentheils 
durch eine blasige Auftreibung der Basis des grossen Keilbeinflügels gebildet wird, ist eine Einrich- 
tung, welche die Beutelthiere mit den Insectivoren und mit einigen Gattungen der Edentaten theilen. 



# 



) 



Ich kann diesen Arten nach meinen letzten Untersuchungen noch den Fiber zibetJiicus und den Meriones labradorius 
beifügen. Bei ersterem wird die Steigbügelarterie wie bei Georychus und Sciurus durch einen knöchernen Canal um- 
schlossen ; bei letzterem liegt sie frei. 






: 













• 



I«. 













der Trommelhöhle. 



33 



Nur bei Phascolomys Wabot wird, nebst einem dem Keilbeinflügel angehörigen schalenförmigen 
Knochenblatte, welches die vordere Wand der Trommelhöhle bildet, noch ein besonderer, vom knöcher- 
nen Gehörgange getrennter Pauckenknochen 
höhle verwendet. 



(Bulla) zur Begränzung der sehr geräumigen Paucken- 



Oeffnung, welche nur d 



Bei einem sehr jungen Exemplare von Halmaturus Brunii tritt an der unteren inneren Wand der 
Trommelhöhle • ein besonderes und selbstständiges Knochenblatt auf, welches mit dem anstossenden 
Flügelstücke des Keilbeins die Oeffnung für die Eustachische Trompete bildet. An einem älteren Indivi- 
duum ist es mit dem vor den seitlichen Hinterhauptsbeinen sichtbaren Abschnitte des Felsenbeins ver- 
wachsen. Eine kennbare Trennungsspur beider finde ich noch bei einem gleichfalls jungen Exemplare 
von Perameles nasutus, wo das erwähnte Knochenblatt die kleine, hinter der eigentlichen Bulla gele- 
gene, accessorische Pauckenblase bildet, deren Rudimente auch bei Dasyurus ursinus und Mangel nicht 
zu verkennen sind. 

Alle Beutelthiere ohne Ausnahme besitzen eine kleine obere Nebenhöhle des Tympanum, welche 
nur von dem Felsenbeine allein gebildet wird. Sie ist bei den Didelphys- Arten am kleinsten. Bei Halma- 
turus besitzt sie eine, aussen am Schädel über dem knöchernen Meatus auditorius extemus sichtbare 

irch das darüber streichende Periost verschlossen ist. Der knorpelige Gehör- 
gang streicht bei Halmaturus elegans an dieser Nebenöffnung vorbei, wodurch es möglich ist, dass 
Schallstrahlen in das Tympanum gelangen, welche die eigentliche Trommelhaut nicht passirten. Die 
fibröse Verschliessungsmembran dieser Nebenöffnung steht mittelst eines kurzen von ihrer inneren Ober- 
fläche ausgehenden Bändchens mit dem Kopfe des Hammers und dem Körper des Ambosses in Verbin- 
dung. Bei Halmaturus Brunii sehe ich diese Verschliessungshaut nur durch eine feine Knochenbrücke 
von der eigentlichen Membrana tympant getrennt, so dass es scheint, als wäre ein doppeltes Trommel- 
fell vorhanden. 

Bei den fleischfressenden Beutelthieren bildet der knöcherne Gehörgang einen, weit in die Trom- 
melhöhle hineinragenden Trichter, dessen erweitertes Ende durch die stark convexe Trommelhaut ver- 
schlossen ist. Der Durchmesser der runden Trommelhaut beträgt bei Dasyurus Mangel 4 Linien, bei 
Thylaclnus cynocephalus 5 Linien. In den pflanzenfressenden Geschlechtern ist das Trommelfell läng- 
lich oval und viel kleiner, und misst bei Phascolomys Wabot 2 Linien in der Breite, 2 2 /3 Linien in der 
Länge. Bei Didelphys Azarce und vtrglnlana wird es noch kleiner, und sinkt bei Didelphys myosura 
und cinerea selbst unter eine Linie Querdurchmesser herab. Eine Ausnahme findet sich bei Phalangtsta, 
dessen Trommelfell bei Ph. Cookit und lemurlna nahe 4 Linien Durchmesser hat. Die fleischfressenden 
Beutler zeichnen sich überhaupt durch die Enge des Gehörganges, seine Richtung nach vorn und aussen, 
durch die Grösse und starke Convexität des Trommelfells, durch die Capacität der eigentlichen Trom- 
melhöhle, durch die Verkleinerung der Nebenhöhlen, durch die Kleinheit der Gehörknöchelchen, und 
die columellenartige Beschaffenheit des Stapes aus, während bei den Pflanzenfressern der Gehörgang 
weit und kurz, die Trommelhaut plan, die Nebenhöhlen des Tympanum bis in die Jochbrücke ausge- 
dehnt, die Gehörknöchelchen verhältnissmässig grösser, und der Stapes niemals columellenähnlich ge- 
troffen wird. 

Die Labyrinthfenster sind selbst bei den grössten Geschlechtern sehr klein — beim Riesenkanguroo 
kleiner als beim Eichhörnchen. Findet sich eine hintere Nebenhöhle des Tympanum, wie bei Pera- 
meles, so ist das runde Fenster in dieser gelegen (wie bei den Viverren). 

Die Gehörknöchelchen sind bei den Didelphys-Arten am kleinsten, bei den Phalangern am grössten. 
Hammer und Ambos zeigen bei allen Gattungen eine auffallende Aehnlichkeit mit den Insectivoren (be- 
sonders Erlnaceus), nur die Phalanger weichen davon ab, und nähern sich dem Typus der Quadrumanen. 
. Der Hammer bietet die allgemeine Abweichung dar, dass sein Kopf nicht mittelst eines kurzen 
Halses, sondern durch ein langes, dünnes Knochenblatt mit dem Griffe zusammenhängt. Die Richtung 



Denkschriften d. inathera. naturw. Cl. 



5 
























I 



■'. 
































I 



34 



J. Hyrth Zur vergleichenden Anatomie 



dieses Knochenblattes (welches als ein in die Länge und Breite ausgedehnter Hals betrachtet werden 
muss) bildet mit jener des Griffes einen fast rechten Winkel"). Seine Länge steht jener des Griffes nicht 
viel nach. Am kürzesten ist es bei Halmaturus , am längsten bei Phascolomys, Phascolarctos und 
Perameles. Sein oberer Rand ist bedeutend dicker als der untere, welcher scharf schneidend zuläuft, 
und dem oberen Rande der Trommelhaut zur Anheftung dient. Am hinteren Ende des oberen dicken 
Randes befindet sich eine rundliche Auftreibung — der Kopf des Hammers — welche seine, einen tiefen 
einspringenden Winkel bildende Gelenkfläche genau nach oben kehrt, während sie bei allen übrigen, mit 
einem mehr geradelinigen Hammer versehenen Thieren nach hinten gewendet ist. üa der Kopf eines 
so gestalteten, wie geknickten Hammers weit vom Griffe nach vorn liegt, so ist es geschehen, dass 
man ihn für den mit dem Hammer verwachsenen Ambos nahm, und den Ambos, den man doch nicht 
wegläugnen konnte, für einen Theil des Stapes ansah. In diesen Irrthum ist R. Owen gerathen**). Er 
bildet den Hammer von Perameles lagotis als verwachsenen Hammer und Ambos ab, und lässt den 
wahren Ambos mit dem Stapes zu einem Knochen verschmelzen. Es erscheint desshalb in der Owen- 
schen Zeichnung der lange Fortsatz des Ambosses mit dem Köpfchen des Steigbügels spurlos ver- 

stapedius zugekehrten 



Musculus 



hält 



leichter möglich. 



wachsen, während der kleine Fortsatz des Ambosses für den dem 
Insertionspunct dieses Muskels genommen wird. 

Ich besitze die Gehörknöchelchen von Perameles lagotis und nasutus, und finde in beiden nur die 
gewöhnliche von dem Typus der Marsupialien durchaus nicht abweichende Bildung (Taf. IV. Fig. 4.). 
Da die Gelenkflächen des Hammers und des Ambosses ihre gewöhnlichen Formen bei den Beutelthie- 
ren umtauschen — der Hammer eine einspringende, der Amboss eine ausspringend-winkelige Facette er- 

so war der Irrthum, den Kopf des Hammers für den Körper des Ambosses zu halten, um so 

— Der untere Rand des bindenden Knochenblattes zwischen Kopf und Griff des Ham- 
mers geht nach vor- und abwärts in einen langen, gekrümmten (nach hinten coneaven) Fortsatz über, 
welcher sich an die vordere Halbscheid des Trommelfellrahmens genau anschmiegt, und mit ihr jenen 
Falz zur Einpflanzung der Trommelhaut bildet. (Man kann also sagen, dass die Trommelhaut mit der 
Hälfte ihres Contours an dem Hammer befestigt ist.) Der Griff des Hammers ist wie eine Säbelklinge 
gekrümmt, scharf schneidend, spitzig zulaufend, was im Allgemeinen für alle Beutelthiere gilt, mit Aus- 
nahme der so viele Abweichungen darbietenden Phalangisten, deren Hammer, durch Verkürzung des oben 
erwähnten langen und breiten Halsstückes, sich der menschlichen Form nähert, und einen rundlichen, 
conisch zulaufenden, am Ende spateiförmig erweiterten Hammergriff besitzt. Der Steigbügel von Pera- 
meles ist ein kleiner, der Vogelcolumella ähnlicher Knochen, welcher aus einem 1 Linie langen einfachen 
Stäbchen und einer elliptischen Fussplatte besteht. Das einfache Stäbchen verdickt sich etwas gegen die 
Fussplatte zu, und erhält ein kleines Grübchen, welches jedoch nicht durch und durch geht, und über- 
haupt nur auf der unteren Seite des Stapes sichtbar ist. — Der Ambos ist bei Perameles ein sehr wenig 
umfangreicher Knochen, und misst von der Gelenkfläche bis zum Ende seines langen Fortsatzes beiläufig 



1 Linie. 



tlern) 



Säugern gänzlich abweichend. Da der Hammer seine Gelenkfläche nach oben kehrt, so muss der Ambos 
die seine nach abwärts wenden. Bei allen übrigen Mammalien (mit Ausschluss der oben genannten Insecti- 
vora, Chiroptera und Edentatd) kehrt er sie nach vorn. Der lange Fortsatz, welcher sonst mit der 



*) Es kommt diese Abweichung in gleich hohem Grade auch bei den Gürtelthieren und Chiropteren vor. 
**) Cyclopaedia. Marsup. pag. 296» Fig. 121. Im Texte heisst es : „this process (a) (long handle of the malleus) is bent lipon 
itself at a right angle; the inner portion is broader and thicker, than that , which is attached to the membrana tympani, 
and it is anehylosed at its inner extremity by a thin plate of bone (b) to the side of the ineus (c). This little ossiele, 
ivhich here appears as a process of the malleus , presents a notehed articular surface for the orbicular end (worunter der 
Ambos zu verstehen ist) of the stapes (e). This portion of the stapes gives of a short process for the attachment of the 
stapedius (d), and than is continued in the form of a moderately long and slender columelliform shaft to the elliptical and 
slightly expanded base, ivhich closes the for amen ovale.'' 1 















•t 









i 






•% 



. 



. i. 



der Trommelhöhle* 



35 



Län^enaxe des Trommelfelles parallel geht, beschreibt somit bei Perameles mit ihr einen rechten Win- 



kel, oder ist horizontal gerichtet. Der kleine Fortsatz 



sonst der hintere 



wird zum aufwärtsgehen- 



den, und hängt durch ein Schleimhautband an die Decke der oberen Nebenhöhle des Tympanum an. Der 
horizontal gerichtete lange Fortsatz des Ambosses biegt sich an seinem Ende plötzlich nach innen um, 
und erweitert sich zu einer kleinen, ovalen, massig concaven Scheibe, welche auf dem Köpfchen des Steig- 
bügels aufliegt. 

Die beiden fleischfressenden Beutelthiere Dasyurus und Thylacinus besitzen, bei der stattlichen 

Grösse ihres Kopfes, nur sehr kleine Gehörknöchelchen. (Taf. IV. Fig. 2.) Bei Thylacinus cynocepha- 
lus besitzt der klin^enförmige Griff des Hammers nur 3 Linien, bei dem grossen Dasyurus ursintts nur 
2 l /o Linie Länge, das dünne Verbindungsglied zwischen Griff und Kopf erreicht kaum l /% Linie Breite, und 
der Kopf ist nicht grösser als ein Hirsekorn. Der Winkel, welchen Hals und Griff mit einander bilden, 
ist grösser als 90°. Der den Trommelfellrahmen bildende Fortsatz ist sehr schmal und nur 3 Linien lang. 
Die Trommelhaut ist stark nach innen convex (während sie bei den pflanzenfressenden Arten mehr plan 
o-espannt ist), und der Hammergriff folgt nicht, wie gewöhnlich, der Längenaxe derselben, sondern weicht 
stark nach vorn ab. Der Stapes ist jenem der Monotremen täuschend ähnlich — ein einfaches Stäbchen 
mit querovaler Fussplatte. Die Fussplatte ist ihrer Länge nach gebogen, so dass ihre convexe Seite gegen 
das Tympanum sieht. (Bei den pflanzenfressenden Beutlern mit zwei- und einschenkeligem Stapes findet 
die entgegengesetzte Krümmung Statt, welche bis zu jener bei Phalangista Cookii von mir beobachteten 
Form ausartet, wo der Stapes statt seiner Fussplatte eine stark convexe Knochenblase besitzt, welche tief 
in das Carum eestibuli hineinragt) *). Ein kaum mit freiem Auge sichtbarer Fortsatz unter dem Köpf- 
eben des Stapes bezeichnet die Insertionsstelle des Musculus stapedius. Der längste Durchmesser der 
Fussplatte misst bei Thylacinus cynocephalus kaum 2 /3 Linien, während er bei einem um die Hälfte klei- 
neren Hundeschädel das Doppelte beträgt. 

Von Phascoyale penicillata besitze ich nur ein höchst unvollkommenes, aus einem Balge genomme- 
nes Schläfebeinfragment, an welchem sich noch die beiden Fenster — (das ovale mit einem winzigen Deck- 
knöchelchen, mit einem bis auf einen kaum sichtbaren Höcker reducirten einfachen Schenkelrudiment) 
eine offene, 2 l /<j Windungen bildende Schnecke, und drei, durch eine geräumige, in der Säugethierwelt 
häufig vorkommende Höhle getrennte Bogengänge finden, von welchen, wie bei allen kletternden Thieren, 

der obere der grösste ist. 

Bei Phascolomys Wabot (Taf. IV. Fig. 3.) ist die Kleinheit der Gehörknöchelchen noch auffallender 

als an den vorausgehenden. 

Ein Wabotschädel von 7 1 /? Zoll Länge und 5 Zoll Breite besitzt nur einen kaum 3 Linien langen 
Hammer, dessen Griff einen geraden, etwas flachgedrückten Knochenstiel darstellt, dessen auffallende 
Kürze (nicht ganz 1 tyt Linie) mit der früher erwähnten eben so merkwürdigen Kleinheit der Trommel- 
haut übereinstimmt. Die winkelig einspringende Gelenkfläche am Kopfe ist besonders tief. 

Der Ambos ist im Körper ziemlich stark (obwohl nur x j% Linie breit). Sein langer Fortsatz, wel- 
cher bei Ver^eo^enwärtigung der natürlichen Lage des Knochens horizontal nach hinten gerichtet ist, 
träo-t auf einem eleganten, rundlichen Säulchen ein sogenanntes Sylvi'sches Beinchen als wahre Apophyse. 

Der Stapes hat zwar den Contour eines gleichschenkligen Dreieckes, aber keine Intercruralöffnung. 
Die Stelle derselben ist nur durch eine leichte Depression angedeutet. Der mit einem abwärts gekrempten 
Bande versehene Kopf desselben sitzt nicht symmetrisch auf der Spitze des Dreieckes, sondern erscheint 
etwas vor die Axc gerückt. Der Muskelansatz des Stapedius ist durch ein sehr scharf vorspringendes 



* 



) 



Diese Blase habe ich seither auch an Phalangista lemurina (vulpina) und einer unbestimmten Art von den Molukken (viel- 
leicht Phalangista chnjsorrhoa Temm.), von welcher ich nur ein Schädelfragment erhielt, aufgefunden. Bei letztgenanntem 
Thiere ist die hanfkorngrosse Blase durch eine Scheidewand in zwei Hälften getheilt 



5 



j. 



■ ma 






















36 



J. Hyrtl. Zur vergleichenden Anatomie 



dreieckiges Knochenblatt repräsentirt. Im Ganzen ähnelt der Steigbügel jenem des dreizehigen Faul- 
thieres, nur ist er kleiner, schlanker, und seine Fussplatte schmäler. Der Steigbügel des Koala gleicht 
jenem des Wabot, ist aber noch etwas schmächtiger als diesen 

Der Tensor tympani besitzt keinen Sesamknochen, dagegen der Musculus stapedius einen sehr 
ausgezeichneten, welcher interessanter Weise viermal grösser als der ganze Steigbügel ist. Er hat eine 
förmlich herzähnliche Gestalt. Die eingebogene Basis des Herzens dient den Bündeln des Stapedius zur 
Anheftung, die Spitze hängt mit dem Muskelfortsatze des Stapes durch eine fadenförmige Sehne zu- 
sammen. Der Musculus stapedius liegt frei in der Trommelhöhle; das Sesambein desselben stützt sich 
am Promontorium zwischen dem runden und ovalen Fenster. Die Fläche, mit welcher das Sesambein 



aufliegt, ist glatt, und wie die entsprechende Stelle des Promontorium flach, 



die abgekehrte rauh 



und convex. Die Grösse des Sesambeins zur Kleinheit des Steigbügels und seines Muskels ist frappant. 
Das bekannte Sesambein im Steigbügelmuskel des Ochsen ist um die Hälfte kleiner, als jenes des Wabot, 
der kaum die Grösse eines mittleren Hundes erreicht. 

Der gegenwärtige Zustand der Physiologie des Gehörs erlaubt keinen Schluss über die functionelle 
Bedeutung dieser abweichenden Typen. Interessant ist nur das Factum, welches sich aus der relativen 
Stellung des Hammergriffes und des langen Fortsatzes des Ambosses ergibt, dass die Bewegungsaxe 
beider Gehörknöchelchen unmöglich die Weber'sche Linie sein kann, da diese bei den Beutlern fast 
senkrecht steht, und somit mit dem Hammergriffe, welcher den Einfluss der von aussen kommenden be- 
wegenden Kraft zuerst erfährt, parallel läuft. Es ist auch sehr schwer, oder geht eigentlich gar nicht 
an, sich zu denken, dass der Hammer, welcher mit einem die Hälfte des Trommelfellringes bildenden 
Fortsatze die Trommelhaut einrahmt, und desshalb mit der Trommelhaut Eins ist, eine andere Drehungs- 
axe haben könne, als eine Queraxe seines Halses, und dass die mögliche Bewegung des Hammers nicht 
den freien Schwingungen eines zweiarmigen Hebels, sondern einer forcirten Torsion um einen festsitzen- 
den Fortsatz seines Körpers gleichzuhalten sei. Ein Fingerzeig mehr, dass es allgemach unzulässig er- 
scheinen dürfte, die statuirten Excursionsschwingungen der Trommelhaut und der Gehörknöchelchen, von 
denen sich Niemand noch überzeugt hat, ferner gelten zu lassen, und dass die Gelenke der Gehör- 
knöchelchen nicht zur Fortpflanzung der supponirten Schwingungen dienten (weil es in diesem Falle ge- 
wiss besser wäre, wenn sie fehlten), sondern lediglich zur Vermittlung der isolirten Bewegung einzelner 
Gehörknöchelchen, und dadurch zur Erzielung von Spannungsänderungen in den häutigen Septis der 
Gehörmedien vorhanden seien. 



5 



Erklärung der Abbildungen. 

Taf. IV. Fig. 2. 

Gehörknöchelchen von Thylacinus eynoeephalus, fünfmal vergrössert. 

a. Das dünne Knochenblatt, welches den Kopf des Hammers c mit dem Griffe d fast rechtwinkelig 
verbindet. 

6. Der lange sichelförmige gekrümmte Fortsatz dieses Knochenblättchens, an dessen coneavem Rande 
sich die vordere Peripherie der Trommelhaut inserirt. 

Figur 3. • 

Gehörknöchelchen von Phascolomys Wabot, fünfmal vergrössert. 
a. Der gerade Hammergriff. 

6. Der Fortsatz des Halses für die Trommelfellinsertion. • 

c. Der mit seiner Gelenkfläche direct nach oben sehende Hammerkopf. 

d. Der Ambos mit der scharfen Biegung seines langen Fortsatzes, auf welchem das breite Ossiculum 
Syhii als Apophyse aufsitzt. 






., 






der Trommelhöhle. 37 

e. Der grosse herzförmige Sesamknochen des Musculus stapedius. 

f. Der Steigbügel mit fehlender Schenkelöffnung. 

Firar 4. 
Gehörknöchelchen von Perameles, fünfmal vergrössert. 

Die Uebereinstimmung mit den Formen des Wabot ist bemerkenswert. Bei beiden ist der Hammer 
vollkommen rechtwinkelig geknickt. 

a. Griff. 

b. Trommelfortsatz des Hammers. 

c. Der Steigbügel zeigt am unteren Ende seines senkrechten Stäbchens eine Grube, als erster Versuch 



einer beginnenden Spaltung. 



Figur 5. 



>f 



knöchelchen von Perami 
a. Griff des Hammers. 



6. Verwachsungsstelle des Hammers mit dem Ambosse c 



rf. Muskelfortsatz des Steigbügels e. 



Figur 6. 



Die ganz von dem Typus der Marsupialien abweichenden Gehörknöchelchen von Phalangista (chry- 
8orrhoa?) dreimal vergrössert. 






uäm 





















38 
































? 



Ueb 



17* 



er 



den geraden, centralen Stoss zweier fester Körper. 



Von Adam Burg, 

k. k. Regier u ng'srath und Professor am polytechnischen Institute 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe am 17. Februar 1848.) 



U 



mit welchen zwei gerade und central aufeinander 



stossende feste Körper, z. B. zwei Kugeln , nach dem Stosse fortgehen, nimmt man bekanntlich ent- 
weder vollkommen unelastische oder vollkommen elastische Körper an , und betrachtet auf diese Weise 
eigentlich nur die beiden äussersten Glieder oder Gränzen jener Reihe von Körpern, welche bezüglich 
ihrer grösseren oder geringeren Elasticität zwischen diesen Gränzen liegen und sich , so weit die Erfah- 
rung hierüberreicht, wohl diesen Gränzen mehr oder weniger nähern, diese jedoch nach keiner Seite 
hin vollkommen erreichen. 

Eben so bekannt ist es auch, dass man, um die Erscheinungen des Stosses erklären und der Rech- 
nung unterwerfen zu können, genöthiget ist, anzunehmen, dass alle und selbst die härtesten Körper bis 
auf einen gewissen Grad zusammendruckbar sind , und dass der Stoss , wodurch eben eine solche Zu- 
sammendrückung zwischen den beiden betreffenden Körpern stattfindet , nicht in einem untheilbaren 
Augenblicke vollendet sein kann , sondern dazu immer eine gewisse , wenn auch noch so kleine endliche 
Zeit erforderlich sei, eine Annahme übrigens, welche keineswegs mit der Erfahrung im Widerspruche 
steht , indem uns bis jetzt wenigstens keine absolut harten Körper bekannt sind, folglich eine auf solche 
imaginäre Körper angewandte Rechnung ohnehin nur eine fruchtlose Bemühung sein würde. 

Was nun aber die verschiedenen Methoden betrifft, deren man sich in den Lehrbüchern zu bedie- 
nen pflegt, um auf eine schulgerechte Weise die Geschwindigkeiten der beiden zusammenstossenden 
Körper oder Kugeln nach dem Stosse , und zwar als Function ihrer Geschwindigkeiten vor dem Stosse 
zu bestimmen, so sucht man entweder mit gänzlicher Ausserachtlassung der während des Stosses in 
beiden Körpern stattfindenden Formänderungen, indem man sich diese Körper als blosse materielle 
Puncte vorstellt, den D'A 1 e m b e r t'schen Satz darauf anzuwenden, oder man denkt sich, um auf 
diese Formänderung, so weit es dabei nöthig, Rücksicht zu nehmen, die Zeit, welche auf diese Aen- 
derung, namentlich auf die Zusammendrückung während des Stosses verwendet wird , in unendlich 
viele gleiche Theile getheilt, bestimmt die Geschwindigkeitsänderung, welche die beiden Kugeln in die- 
sen aufeinander folgenden unendlich kleinen Zeit - Intervallen , durch Annahme von eben so vielen zwi- 
schen beiden Körpern wirkenden unendlich kleinen Druck- oder Spannkräften hervorbringen, und findet 
endlich durch Summirung dieser unendlichen Reihen die gesuchten Endgeschwindigkeiten der als voll- 
kommen unelastisch angenommenen beiden Körper. Die erste dieser Methoden, welche sofort von der 

dass die Grösse der Bewegung beider Körper nach dein Stosse eben so gross als 
vor dem Stosse , oder dass der Verlust an Grösse der Bewegung des einen Körpers dem Gewinnste an 
Grösse der Bewegung des andern Körpers gleich sein müsse, lässt bei Anfängern den ohne weitläufige 



\nnalune ausgeht , 



Deductionen nicht leicht zu hebenden Zweifel über die absolute Notwendigkeit dieses Gesetzes bestehen, 




r 






„ 



, 



** 





■^H 













39 



während die letztere Methode den mit der Diflerenzial- und Integralrechnung" vertrauten Schüler minde- 
stens hinsichtlich der Eleganz und Präcision nicht vollkommen befriedigen kann. 

Es scheint uns daher, dass sich die nachfolgende Entwickelungsart , welche wir von diesen beiden 
Mängeln frei glauben, und nur auf den einfachsten Bewegungsgesetzen beruht, für den Vortrag am 

besten eignen dürfte. 

2. Es seien nämlich m und m' die Massen zweier homogener Kugeln , deren Mittelpuncte sich 

auf ein und derselben geraden Linie nach einerlei Richtung mit den Geschwindigkeiten v und v so bewegen 
sollen, dass alle Puncte der Kugeln mit dieser Geraden parallele Linien beschreiben (die Kugeln also 
keine rotirende Bewegung dabei annehmen), und zwar sei, wenn m die nachfolgende oder anstossende 
und m die vorausgehende oder gestossene Kugel bezeichnet, v>v\ so dass im Augenblicke des Ein- 
holens oder Begegnens der beiden Kugeln ein Stoss der Kugel m gegen jene m ausgeübt wird, wel- 
cher so lange dauert , bis die vorausgehende Kugel m der nachfolgenden m kein weiteres Hinderniss 
mehr darbiethet. Durch die Wirkung und eben so grosse Gegenwirkung zwischen den beiden Kugeln 
werden die zunächst am Berührungspuncte liegenden materiellen Theilchen verschoben oder die äusser- 
sten Schichten der beiden Kugeln an dieser Stelle so lange zusammengedrückt und dabei die voraus- 



l ö 



gehende Kugel m beschleuniget und die nachfolgende m verzögert, bis die erstere an ihrer Geschwin- 
digkeit so viel gewonnen und die letztere an ihrer Geschwindigkeit so viel verloren hat, dass nunmehr 
beide Kugeln eine gemeinschaftliche Geschwindigkeit u besitzen. 

Sind nun beide Kugeln vollkommen unelastisch, so hört von nun an jede weitere Reaction zwi- 
schen denselben auf, und damit ist dann auch der Stoss selbst vollendet, so, dass sich hierauf beide 
Kugeln, an welchen die durch den Stoss entstandenen Eindrücke haften bleiben, wie eine einzige Masse 
m + m mit dieser gemeinschaftlichen Geschwindigkeit u und zwar nach derselben Richtung fortbewegen. 

Sind daffejren die Kugeln vollkommen oder auch nur zum Theile elastisch , so entsteht, nachdem 
die grösste Zusammendrückung und dadurch die Ausgleichung in den Geschwindigkeiten eingetreten , 
durch das Bestreben, ihre ursprüngliche Form entweder vollkommen oder zum Theile wieder herzu- 
stellen, eine weitere Reaction zwischen den beiden Kugeln, in Folge welcher die vorausgehende m noch 
weiter beschleunigt und die nachfolgende m noch weiter und zwar so lange verzögert wird , bis diese 
Formherstellung, so weit diess nach n.^*. ^.ico^i^o^«.^ >^ b 
sich von einander zu trennen oder zu entfernen beginnen, in welchem Augenblicke dann auch der 
Stoss selbst in diesem zweiten Falle zu Ende ist. Es treten daher bei allen Körpern , welche nicht 
absolut unelastisch sind , während des Stosses zwei bestimmt von einander zu unterscheidende Perioden 
ein, in deren erster die Körper so lange zusammengedrückt werden , bis sie einerlei Geschwindigkeit 
angenommen haben, und in deren zweiter eine eben so grosse oder geringere Ausdehnung zwischen 
den zusammengedrückten Theilchen oder Schichten beider Körper stattlindet , bis sie sich mit ver- 
schiedenen Geschwindigkeiten von einander entfernen. 

3. Betrachtet man nun während der ersten Periode die beiden genannten Kugeln (diese mögen 
vor der Hand als elastisch oder unelastisch angesehen werden), nachdem die Zusammendrückung bereits 
durch die unbestimmte Zeit t gedauert hat, und bezeichnet die Grösse der Kraft, welche man sich 



w 

ihrem Elasticitätsgrade möglich, vollendet ist, und die Kugeln 



Augenblicke durcl 



zwischen den beiden Kurein in Feiere des Zusammenstosses als wirksam denken kann , in diesem 



i p , so wie die Geschwindigkeiten beider Kugeln m und m mit x und x , so er- 
scheint die variable Kraft p , welche im Momente des Beginnens des Stosses am grössten und am 
Ende der ersten Periode Null ist, während der darauf folgenden unendlich kleinen Zeit dt als con- 
stant, und es nimmt während dieser Zeit die Geschwindigkeit x um da?' zu, dagegen jene x um Ax 
ab , so dass nach bekannten Gesetzen 



Ax 



V 



m 



-gAt und Ax 



m 



gut 



* 













I 




























40 



Adam Burg, lieber den geraden, centralen 




oder da p eine gewisse (wenn auch unbekannte) Function der von o bis t' wachsenden Zeit t ist, 
wenn man nämlich die (uns durchaus unbekannte) Zeit, welche der ersten Periode des Stosses zu- 
kömmt , mit t' bezeichnet , also p = y (t) gesetzt werden kann , auch 



Ax 



9 



m 



- <p (f) At und Ax 



9 



m 



? (t)At 



hat, wobei g die Beschleunigung der Schwere ist. 

Durch die Integration dieser beiden Gleichungen erhält man , wenn man sich erinnert , dass , 
ohne die Natur der Function y (t) näher kennen zu müssen , das allgemeine Integrale von y (0 At 
irgend eine neue Function f (t) von t sein müsse , sofort : 



od 



L f (0 + C und x= O 



9 



m 



m 



?'(*) 



wobei C und Cf die Constanten der Integration sind; um diese zu bestimmen, gehen für t=o, was 
wir durch t anzeigen wollen, die Geschwindigkeiten x und x in ihre ursprünglichen v und v über, 
und man erhält sonach aus diesen beiden Relationen 



cw 



9 



m 



jff (g xmAC=v+ 



9 



m 



f Co) 



so dass, wenn man diese Werthe für C und substituirt, auch 



x>=v+Aww 



und x 



v + 



m 
9 



m 



9 Co)] 



W cg 



V (0] wird. 



Um die vollständigen Integrale zu erhalten, darf man nur bemerken, dass für t=t' beide Ge- 
schwindigkeiten x und x in jene u übergehen , wenn i und u die angegebene Bedeutung haben ; man 
erhält sonach aus diesen beiden letzteren Relationen: 



u 



t/ + -^[p'(0-f'(Q] •••(« 



und u 



v + 



m 
9 



m 



[?' (Q-f (/)] --iß 



woraus sofort auch, wenn man die erste dieser beiden Gleichungen mit m , die letztere mit m multi- 
plicirt und diese dann summirt 

r , k , ' * j mv+mv r . „ . A 
(m + m) «e=mi?+wt? oder w= ... (1 folgt. 

m + m' 
4. Um ferner auf den zweiten Theil oder die zweite Periode des Stosses überzugehen, wollen 



wir der grösseren Allgemeinheit wegen die beiden Kugeln nicht als voll! 



vomme 



n elastisch voraussetzen 



n 




i 



in welchem Falle die ausdehnende Kraft p genau wieder der vorigen Function f (i) in allen ihren 
Werthen von t=o bis t=t' gleich wäre — sondern annehmen, dass die zwischen den beiden Kugeln 
als wirksam auftretende ausdehnende Kraft durch np , d. i. durch ncpfi) ausgedrückt werde , wobei 

1 , immer so bestimmt werden soll , dass auch hierbei die Zeit t von Null bis t wachsen muss, 
um die Ausdehnung oder zweite Periode des Stosses zu vollenden , was z. B. für den Fall der voll- 
kommenen Elasticität für n=l stattfindet. 

Diess vorausgesetzt betrachten wir wieder die Geschwindigkeiten der beiden Kugeln m und m! in 
einem Augenblicke, in welchem die Ausdehnung bereits durch die unbestimmte Zeit / gedauert hat, 
und nehmen an, dass diese beziehungsweise u' und u" sind, wobei u<Cu und u"^>u ist; so werden 
diese im nächstfolgenden Zeit-Elemente d£, erstere um Au' verzögert, letztere um Au" beschleunigt, 
so dass man genau wieder wie in 3. erhält: 



i 



* 












V 





■ 




centralen Stoss zweier fester Körper. 



41 



Au" 



— y (0 At und Au' 



m 



ng 



m 



? (0 ü 



folglich wenn man integrirt : 



u 



n 



*9 

m' 



? ' (0 + C und W — C 



"» f (0. 



m 



Um die Constanten der Integrationen zu bestimmen, hat man für t=o sofort u'=ii' = u, folglich 



C=u 






y(g und c=tt+^(g, 



m 



Wert! 



#=f setzt, wodurch w' und w" in jene Geschwindigkeiten V und V übergehen, welche die Kugeln 
m und m! am Ende dieser zweiten Periode, also auch nach gänzlich vollendetem Stosse annehmen, sofort : 



V'=u + 



m! 



y (o 



?' (.Q] •••<>' 



und V 



u + ^WiQ 



?' (Ol • • • o 



m 



oder wenn man die eingeklammerten Binome aus den 4 Gleichungen a, ß 9 a' 9 ß' eliminirt, auch 



V' 



(n + 1) u — nv und F = (n + 1) m — m?. . . • (2 



Für den Fall, dass die Kugeln vollkommen unelastisch sind, hat 



dagegen bei Voraussetzung einer vollkommenen Elasticität, wofür 



n 



man , wegen n=o, 
1 wird : 



V=V 



u ; 



V—2 u — v f und V=2 II 



v 



wobei u in der obigen Relation (1 bestimmt ist. 

Für unvollkommen elastische Körper kann der zwischen Null und der Einheit liegende Werth 
n leicht aus den Gleichungen (2 bestimmt werden, wenn die Geschwindigkeiten vor und nach dem 
Stosse durch Beobachtung gegeben sind. 

Schlüsslich folgen noch ganz einfach aus den Relationen «' und ß' : 



m! V 



m! u und m V 



(m + m') 



m F+ m f V 



oder mit Rücksicht auf die Gleichung (1 : 



mv + Wi/ = m V + m! V ; 



ferner eben so einfach 



m V 2 + ml V ,% = mv 2 + m! v' 2 



und mu 2 + m'u 2 *= mv 2 + mv' 2 



mm' (v — #) 
m + m' 



woraus ganz ungezwungen folgt, dass durch den Stoss vollkommen elastischer Körper kein Verlust 
an lebendiger Kraft eintritt, während durch den Stoss von unelastischen Körpern immer ein solcher 
Verlust stattfindet , welcher mit der Grösse der Massen m , m' und der Differenz der Geschwindig- 
keiten v und v' zunimmt. Für unvollkommen elastische Körper ist dieser Verlust an lebendiger Kraft 



( 1 — n 2 ) mm! (p — v) 

m-hmf 



2 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl 



6 














42 



lieber 



i 



den 



Charakter der Insecten-Fauna von Südpersien. 



Von Vincenz Kollar 9 wirklichem, und Dr. Ludwig Redtenfoacher* corrcspondirendem Mifgliede. 



mm 







(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe am 17. Februar 1848.) 



























JJie nachfolgende Aufzählung und Beschreibung einer Partie Insecten aus der südpersischen Provinz 
Farsistan, die unser um die Bereicherung der Flora und Fauna von Vorderasien und Ostafrika 
verdiente Reisende, Herr Theodor Kotschy, in dem Jahre 1842 daselbst gesammelt, hat den 
Zweck, dem Entomologen ein Bild der Fauna jener, in dieser Hinsicht fast ganz unbekannten, Gegend 
zu verschaffen, und die Kenntniss der geographischen Verbreitung dieser Thierclasse um einige Schritte 
zu erweitern. 

Die hohen Gebirgsthäler von Schiraz, Gere und Persepolis, obgleich unter demselben 
Breitengrade wie Cairo (29° N. Br.) gelegen, bieten gleichwohl einen ganz anderen Charakter der 
Fauna und Flora dar, als die Umgebung der letztgenannten Stadt und des dazwischen liegenden Ara- 
biens. Schon auf der in dem nördlichsten Winkel des persischen Golfes gelegenen kahlen und felsigen 
Insel Karak, von wo Kotschy seine Reise (2. Februar 1842) ins Innere von Südpersien antrat, und 
bei dem drei Tagreisen nordöstlich gelegenen Dalaki (270 Fuss über dem Meere) nimmt man Abschied 
von der bis dahin vorherrschenden Vegetation und Fauna Arabiens, und macht mit neuen Formen der 
Flora, und meist anderen Thierarten Bekanntschaft. Um Dalaki, berühmt wegen seiner Naphtha-Quellen, 
dehnt sich auf eine weite Strecke ein Wald von Dattel - Palmen aus, die hier ohne alle Pflege ge- 
deihen, und die trefflichsten Früchte tragen, mit welchen starker Handel nach Indien getrieben wird. 
Kotschy ist geneigt anzunehmen, dass hier das ursprüngliche Vaterland der Dattel sei. Wir wollen 
auf dem beschwerlichen Pfade Daschtestan (Land der Pässe), welcher über fünf Bergterassen vom 
persischen Meerbusen nach Schiraz fuhrt, nicht lange verweilen, da Kotschy wegen der Eile der Reise 
mit einer Karawane und wegen Unsicherheit durch räuberische Anfälle auf dieser Tour keine Insecten 
sammeln konnte, und begnügen uns zu bemerken, dass der höchste Sattel des Gebirges Pir a Zan 
(das alte Weib), in dessen Nähe der See Deria liegt, sich nach Fräsers Messung bis auf 7200 
Fuss erhebt , und dass hier auf die , etwas tiefer gelegenen Citronen und Orangen - Pflanzungen bei 
Kazerun , auf der dritten Bergterasse , ein Wald von Eichen (Querciis persica Jaabert und Spach) 
folgt, gemischt mit niederem Ahorn und Amygdalus Gesträuch. Die Landschaft hatte noch ein winterli- 
ches Anseheu (Mitte Februars), ziemlich grosse Schneematten bedeckten den Boden und überraschten 
nicht wenig Kotschys Begleiter Ali und Hussein, die ihm treu aus Nubien gefolgt, und früher nie 
ein ähnliches Phänomen gesehen hatten. 

Von hier senkt sich der Pfad nach Des cht i Ar zehn, einem w r eiten Bergkessel, von mit Schnee 
bedeckten Felswänden eingeschlossen, von welchen zahlreiche Wasserfälle herabstürzen und an die schön- 
sten Sclrweitzer-Landsehaften erinnern. Hier sollen in den nahen Eichenwäldern zu Sommerszeit Löwen 
hausen und den zahlreichen Heerden, so wie den vorüber ziehenden Reisenden lästig werden. Auf den 




V 






■ 



w* 



, 



43 

südlichen Abhängen des nord-östlich angrenzenden Gebirges befinden sich ausgedehnte Weinpflanzungen, 
mit grossen schwarzen und grünlichen Trauben, welche jedoch nicht zur Erzeugung des berühmten 
Schiraz Weines verwendet werden, sondern den Bewohnern, zu Rosinen getrocknet, als Zukost zum 
Brote dienen. Man passirt das letzte Karawanserei Char Zeniun an dem Bache Kara Agadsch, 
wo die höhere Vegetation einen andern Charakter annimmt : statt der Eichen tritt Primus, Amygdalus 
scoparia und Pyrus Aronia auf. Nach einem Tagmarsch von ungefähr 9 Stunden gelangt man in die 

Ebene von Schiraz. 

Schiraz (d. h. Löwenbauch) liegt unter dem 29°, 37' N. Br. 50° , 20' 0. L. von Greenwich 
4284 Fuss über der Meeresfläche und ist 33 geogr. Meilen von Abuschir oder der östl. Küste des per- 
sischen Meerbusen entfernt. Es ist ein hohes Thal, dessen Länge von Norden nach Süden 6 — 8 Stunden, 
die Breite dagegen von Osten nach Westen nur 3 Stunden beträgt, ringsum von 4000 — 6000 Fuss 



hohen fast ganz kahlen Bergen eingeschlossen, die nur theilweise mit niederem Gesträuch bekleidet sind. 
Die Thalebene hat eine kaum merkliche Senkung nach Süden hin , wo am äussersten Ende der Salzsee 
Nemek Deria von ungefähr 6 Meilen im Umfange liegt. Alles Land ist sorgfältig bebaut, und wird 
durch oft dreifach übereinander liegende unterirdische Canäle, Kerises genannt, während des regen- 
losen Sommers bewässert. Das Clima von Schiraz ist vom December bis Februar winterlich, zu- 
weilen sogar mit Schneegestöber, doch ohne Fröste. Die Citrone gedeiht nur noch in den kleinen Gärt- 
chen, die man in der Mitte eines jeden Hauses mit einer Rosenlaube und einigen Jasminbüschen und 
Weinreben bepflanzt antrifft. Im März, April und Mai ist die Temperatur angenehm und erquikend, vom 
Juni bis September ist die Hitze am Tage oft drückend, erst gegen Abend wird es kühler, am herr- 
lichsten sind die Morgen. Es regnet von Anfang März bis Ende October gar nicht, wesshalb auch schon 
Mitte Juni alles ein gelbes und verdorrtes Ansehen dort bekommt, wohin die wohlthätigen Wasserleitun- 
gen nicht reichen. Eine Ausnahme machen die Gärten von Schiraz, es sind die üppigsten, die 
Kotschy im ganzen Orient gesehen; sie liegen in der nördlichsten Spitze des Thaies, am Fusse des 
pflanzenreichen Schneeberges Kuh Barfi, der mit seinen erfrischenden Alpenlüften eine zu seinen 
Füssen liegende, wahrhaft paradisische Vegetation anhaucht. Alle Arten von Obstbäumen, hohe Rosen- 
gebüsche- lauter Centifolien-, Reben, die wegen der grossen Hitze im Juli und August in zwei Fuss 
tiefen Gruben gezogen werden, Pappeln, Weiden, Cypressen, Maulbeerbäume, Granatbäume, und der 



o • 



T e n ir i Lora und den 



persische Mandelbaum , Amygdalus persica , Fraxinus lentiseifolia Desf. , Acer velutinum Boiss. 
und ein eingeführter Pinus machen den Haupttheil der höheren Baumvegetation 

Als Kotschy in Schiraz ankam (Mitte Februar) hatte noch alles ein winterliches Ansehen und 
es war für Sammeln von Pflanzen und Insecten noch zu früh. Um keine Zeit zu verlieren, begab er 
sich nach dem etwas tiefer in südwestlicher Richtung gelegenen Thale Geri, wohin der Weg zuerst 
durch einen schmalen Gebirgspass am Flusse Kara Agadsch, dann über 
Berg Bosch um führt, drei Tagereisen von Schiraz, am Gebirge Saardo gelegen. Die Berglehnen 
um das Thal sind mit Ahorn, Mandelbäumen- diese eben in vollster Blüthe-, mit Myrthen und Eichen 
bedeckt, welche letztere vorzüglich gute Galläpfel liefern. In einem hohlen Mandelbaume fand der Rei- 
sende die Saturn ia Pyri, den grössten europäischen Nachtfalter, welcher bekanntlich auch bei uns 
auf Pfirsich-, Mandel-, Birn- und Nussbäumen lebt und dort wahrscheinlich die südlichste, wie bei uns 
die nördlichste Grenze seines Verbreitung -Bezirkes erreicht. Eine ihm nah verwandte Art Saturnia 
dasypygos Kllr. haben wir so eben aus China kennen gelernt. Um Geri, welches wegen seiner tieferen 
und südlicheren Lage ein milderes Clima hat als Schiraz, sieht man wieder einzelne Dattelpalmen, 
deren Früchte aber nicht zur Reife gelangen. Besonders reich ist die Landschaft an Citronen, Apriko- 
sen-, Birn- und Apfelbäumen; im Freien wächst wild ein hoher Strauch von Zyziphus. Der er- 
wähnte Fluss Kara Agadsch fliesst raschen Laufes durch das Thal und vereinigt sich mit einem 

zweiten aus Süden kommenden bedeutendem Bache , der laues salziges Wasser führt. 

6 * 















w^ 



■■ 



































44 Vincenz Kollar und Dr. Ludwig Redtenbacher 

Die verschiedenen Seitenthäler dieses Hügellandes sind wüst und öde, von einer Unzahl von Scor- 
pionen bewohnt und werden zur Sommerszeit von den Einwohnern gemieden, da der Stich dieser Thiere 
Hirtenkindern nicht selten den Tod verursacht. Die Flora um Geri hat eine überraschende Aehn- 
lichkeit mit jener von Aleppo und auch unter Insecten kommen viele syrische Arten vor. Mit Ende 
März, wo die meisten Pflanzen verblüht hatten und zu welken anfingen, wurde der Rückweg nach 
Schiraz angetreten. Nach kurzem Verweilen (bis zum 10. April) wurde über Zergun (4800 Fuss über 
dem Meere) eine Excursion zu den berühmten, zwei kleine Tagereisen in östlicher Richtung liegenden 
Ruinen von Persepolis unternommen. Diese historisch merkwürdige Gegend von dem Flusse Benamir 
(Araxes) durchschnitten, bietet dem Naturforscher eine karge Ausbeute, sie ist kahl und stellenweise 
sumpfig; aber in einem höheren Thale Tscha Mana (die schöne Weide) genannt, ist eine reiche Ve- 
getation, von vielen Insecten umschwärmt. 

Den 25. April kehrte man wieder in das Standquartier nach Schiraz zurück, von wo kleinere 
Ausflüge nach Nagsch hinter Gassera Bonazer in dem südlichen Theile der Schirazer Ebene 
unternommen wurden. Am vierten Mai wurde der Kuh Barfi, Schneeberg von Schiraz, den man 
auf 6000 Fuss über dem Meere schätzt, bestiegen. Er hat eine sehr üppige Vegetation; um die Schnee- 
behälter, von wo der Schnee nach Schiraz gebracht wird, wächst sehr häufig die Fritülaria impe- 
vialis und auf dem Gipfel wird man von einer, der europäischen sehr ähnlichen, Alpenflora überrascht. 
Ungefähr über dem ersten Viertel der Bergeshöhe, in einer wasserreichen Schlucht, durch welche der 
Fusspfad führt, wurden viele Schmetterlinge gesammelt. Die übrigen Ausflüge im Verlauf des Monats 
Mai erstreckten sich auf den Kuh Sabst Busch om, eine Tagereise südlich von Schiraz und 
auf den Kuh Ajub (Hiobs-Berg) nördlich hinter der Ebene von Persepolis. Anfangs Juni bestieg 
Kotschy den Kuh Delu, dessen Höhe er nach seinen Vegetations -Verhältnissen auf 7500 Fuss schätzt. 
Ungefähr 500 Fuss unter dem Gipfel, in der Region der Astragali, in der Nähe halb-aufgethauter 
Schneefelder wurde das Zelt für mehrere Tage aufgeschlagen. Sowohl auf den Astragalen, als an den 
feuchten Stellen um die Schneefelder wurden mehrere Käfer- Arten gesammelt; Schmetterlinge zeigten 
sich nur in den niederen Schluchten. 

Sowohl Pflanzen als Insecten stimmten mit jenen von dem Kuh Barfi überein. 

Die letzte und zugleich beschwerlichste Tour unternahm Kotschy am 8. Juli nach der Alpe Kuh 
Dana im Lande der Bactrier, die er auf 10.000 Fuss und den höchsten Gipfel über der Tschischme 
Pias (Zwiebel-Quelle) sogar noch um 2000 Fuss höher schätzt. Der Weg dahin geht durch die Ebene 
von Persepolis, Beza, Dusekurd zu dem steilen Posan Pyr. Das letzte Lager wurde am 28. 
Juli in einer Höhe von 10.000 Fuss aufgeschlagen und der höchste Gipfel am 2. August erstiegen. 
Die Vegetation beschränkt sich daselbst auf reine Alpenformen und die Fauna besteht in einigen kleinen 
Carabicinen. Ein räuberischer Anfall der Bactrier nöthigte den Reisenden zu einer schnelleren Rückkehr 
als beabsichtigt war, gleichwohl wurden die Beschwerden der Reise und die bestandene Gefahr mit so 
manchen bis dahin nicht gesehenen Formen aus der Thier- und Pflanzenwelt gelohnt. Der Rückweg 
führte über Ardakum zu dem in Persien berühmten Weinbergen von Chollar: Stöcke von drei 
Fuss im Umfange heissen dort Dschemschid-Stöcke nach dem Erbauer von Persepolis (siehe 
von Köcheis Beilage zur allgemeinen Zeitung 9. Februar 1844). 

Wir haben geglaubt, diese in Hauptumrissen skizzirte Schilderung von der physikalischen Beschaf- 
fenheit und den Vegetations-Verhältnissen des Landes, zu dessen Fauna wir diesen kleinen Beitrag lie- 
fern, vorausschicken zu müssen, damit der für die geographische Verbreitung der Thiere sich interes- 
sirende Leser einen Anhaltspunkt habe, nach welchem der Charakter dieser Fauna zu beurtheilen ist. 
Dass die Temperatur eines Landes einen wesentlichen Einfluss auf seine Erzeugnisse ausübe, ist eine 
ausgemachte Thatsache; dass aber die Temperatur -Verhältnisse nicht bloss von der grösseren oder ge- 



ringeren Entfernung der Länder vom Aequator, sondern auch von ihrer Erhebung über der Meeres- 










über den Charakter der Insecten-Fauna von Südpersien. 



45 



fläche abhängen ist ebenfalls durch die Erfahrung erwiesen. Da Südpersien, ein über 4000 Fuss hohes 
Gebirgsplateau ist, mit einzelnen sich bis über 10.000 Fuss erhebenden Alpenkuppen, so war zu ver- 
muthen, dass es eine andere Fauna als die unter gleichem Breitengerade liegenden aber flachen Gegen- 
den des nördlichen Arabiens und Aegyptens haben müsse; diese Vermuthung ist nun durch die Erfah- 
rung bewährt w r orden. Nicht arabische und ägyptische Formen, welche der subtropischen Zone ange- 
hören, sondern syrische und südeuropäische Arten machen die Mehrzahl der daselbst vorkommenden 
Gliederthiere aus und sind daher der wärmeren gemässigten Zone zuzurechnen. Für die Erzeugnisse 
dieser Zone hat man, da sie sich hauptsächlich auf dem alten Continente über die Küsten des mittel- 
ländischen Meeres ausbreiten, den Namen von diesem Meere entlehnt, und nennt die dahin gehörige 
Fauna „Mediterran -Fan na" so wie die Flora „Mediterran - Flora." Wir nehmen keinen An- 
stand die Insecten Südpersiens zur Mediterran- Fauna zu rechnen, da von den 206 daher stam- 
menden und von uns untersuchten Arten 156 bereits bekannte und zu diesem Gebiete gehörige die übri- 
gen 50 zwar neue und dem Lande eigenthümliche Formen, aber demungeachtet den Arten der erwähnten 
Mediterran -Fauna zunächst verwandt sind. 



CarabicL 

1. Cymindis dor Balis Fischer. 

2. „ imperialis Zoub- 

. hoff. 

3. Brachinus Bayardi Solier. 

4. „ immaculicornis Dejean. 

5. „ glabratus Dejean. 

6. Scarites arenarius Bonelli. 

7. 
8. 



planus Bonelli. 



Ditomus cephalotes Dejean 



9. 
10. 
11. 



99 



99 



99 



distinetus DahL 
talpa Redt. ( l ) 
sphwrocephalus. 

Oliv. 
12. Carabns paphius Redt. 

col. Syrice. 
IS. Calosoma sericeum Fabr. 

14. Nebria Kotschyi Redt. ^ 

15. „ Heydenii Dejean. 

16. Chlaenius spilotus Fabr. 

festivus Fabr. 
nigricornis Fabr. 

vestitus Fabr. 
coeruleus Steven, 
p erstens Redt. (°) 



99 



99 



99 



99 



17. 

18. 
19. 
20. 
21. 

22. Sphodrus planus. Fabr. 

23. „ picicornis Dejean. 

24. Calathns cisteloides Illig. 
25. 



99 



99 



fuscus Fabr 



Coleoptera. 

26. Calathns melanocephalus 

Fabr. 

27. Anchomemisprasinus Fabr. 

28. „ leevis Ziegler. 



29. Amara trivialis Gyllh. 

30. Acinopus ammophilusStecen. 

31. Harpalus cribricollisSteven. 

„ siibf/iiadratns 

Dejean. 
„ oeneus Fabr. 

maxillosus Steven. 



?? 



33. „ 

34. „ 

35. Stenolophns discophorus 

Fischer. 

36. Bembidium rupeslre Fabr. 

Dytisci. 

37. Trochalus lateralis Fabr. 

38. Laccophilus minutus Fabr. 

Stap hylini. 

39. Aleochara nitida Grav. 

40. Ocypus pieipennis Megerle. 

41. Philontus sanguinolentus 

Grav. 

42. Paederus littoralis Grav. 

Bupr estidw. 

43. Julodis euphratica Gory. 

punetato - costata 

Andouin. 
globilhorax Steven. 



44 



45 



99 



99 



46. Acmaeodera cuprifera 

Gory. 

47. Capnodis miliaris Klug. 

48. .. porosa Klug. 

anlhracina Fal- 
dermann. 

50. Chalcophora c/uadrimacu- 

lata Redt. (*) 

„ (jiiadriocnlata 

Kollar. 



49 



99 



99 



51. 



52. Polycesta wgyptiaca Linne. 

53. Anthaxia ephippiataRedtS 



) 



54. 



99 



angustipennis Klug. 



55. Sphenoptera derugata 



Redt, ( ö > 



Elateridw. 

5 6. Cardiophorus rufipes Fabr 

57. Agriotes pilosus Fabr. 

Melyridae. 

58. Condylops Erichsonii 

Redt. O 
9. Malachius bipustulatus 



5 



60. 



99 



Fabr. 

ephippiger Redt, 
col. Syrice. 

61. DasytestrifasciatusRedtX*) 

62. Anthodromius variabilis 

Redt. ( 9 ) 



























































46 



Vincenz Kollar und Dr. Ludwig Redlenb acher 



C l er iL 



63. Clerus mutillarius Fabr. 

Ptiniores. 

64. Apate capucina Fabr. 

Palpicornia. 

65. Helophorus grandis Illig 

66. Hydrophilus caraboides 

Fabr. 

67. Hydrous picipes Fabr. 

Histeroides. 

68. Hister sinuatus Paykull. 

69. „ semipunctatus Fabr. 

70. Saprinus wneus Fabr. 
71. 



>? 



metallicus Fabr 



Lamellicornia. 

72. Ateuchus pius Illig. 

73. Gymnopleurus morbillosus 

Fabr. 

74. Sisyphus Schosfferi Fabr. 



75. Onitis Menalcas Fabr. 

76. Copris paniscus Fabr. 

77. Oniticellus pallipes Fabr. 

78. Onthophagus Schreberi 

Fabr. 

taurus Fabr. 
Auchenia Redt.( i0 ) 
fissicornis Steven. 



?> 



?? 



79. 

80. 
81. 



82. Trox sabulosus Fabr. 

83. Xylotrupes monodon Fabr. 



84. 



JJ 



punctatus Fabr. 



85. Rhizotrogus vulpinus 

Schoenh. 

86. Anisoplia leucaspis Steven 

„ syriaca Barm. 



87. 



88. Amphicoma bimaculata 

Redt. (") 

89. Glaphyrus Serratulw Fabr 
90. 

91. 



oxypterus Pallas, 
micans Falder- 



mann. 



92. Cetonia armeniaca Man- 
ner h. 

trojana Burm. 

quadrata Gory. 
cinctella Steven. 



93. 
94. 
95. 



?> 



j) 



96. Dorcus parallelepipedus 

Fabr. 

Melasoma. 

97. Pimelia monilifera Salier. 



98. Thriptera persica Redt. ( ) 

99. Adesmia cenea Redt. ( 13 ) 
100. „ tenebrosa Dejean. 



101. Akts subtricostata Redt A ) 

102. Tentyria alpina Redt. ( i5 ) 

103. Mesostenapuncticollis Solr. 

104. Hyperops parvus Solier. 



105. „ pygmwusRedt. ( 16 ) 

106. Blaps halophila Fischer. 

107. .. 



130. Cleomis anxius Schoenh. 

131. Cleonus cretacens Redt. ( 26 ) 

132. Larinus maculatus Fal- 

dermann. 

133. „ Cirsii Steven. 

134. Sphenophorus piceus Fabr. 

Longicomes. 

135. Prionus persicus Redt. ( 3? ) 

Osphranteria suaveolens 

Redt. ( 28 ) 
coerulescens RedtS™) 



136 



>? 



laticollis Redt. ( ) 



Tenebriones. 



108. Tenebrio molitor Fabr. 

109. Boros elongatus Herbst. 

Cistelidae. 

110. Cistela nigrita Fabr. 

111. Omophlus lepturoides Fab . 



112. 



>> 



picipes Fabr. 



Lagridae. 



113. Lagria hirta Fabr. 

Meloidae. 

114. Mglabris pallido-maculata 



Redt. ( 18 ) 



115. 
116. 
117. 
118. 
119. 
120. 



?> 



>> 



. 



>) 



>> 



>? 



excellens Redt. ( ) 
Klugii Redt. ( 20 ) 
maculata Oliv, 
tricingulata Redt. ( 31 ) 
colligata Redt. ^ 
Husseinii Redt. ( 23 ) 



121. Lytta syriaca Fabr. 



122. 



>> 



segetum Fabr. 



137. 

138. Cartallum ruficolle Fabr. 

139. Clytus siculus Gory. 

140. Nyphona saperdoides 

Ziegler. 

141. Phytoecia Euphorbice De- 

jean. 

142. AgapanthiaAsphodeliLatr. 

143. Leptura bicolor Redt, t 30 ) 

Ch rysome lin a e. 

144. Adimonia littoralis Fabr. 

Absynthii Fabr. 



145 



?> 



146. Galleruca Nymphece Fabr 

„ f/uadrimaculata 



147 



148 



Redt. ( 3I ) 
„ nigriventris Redt. ( 32 ) 



149 . Chrysomela graminis Fabr. 

150. „ marginata Fabr. 

151. Entomoscelis Adonidis 

Fabr. 

152. PlagioderaArmoraciwFabr. 

153. Colaphus tibialis Redt. ( 33 ) 

154. Labidostomis taxicornis 



Fabr. 



155. 



lineola Redt. 



col. Syrice. 



123. Lydus prmustus Redt. ( 2 *) 

124. Zonitis fulvipennis Fabr. 

O edemeridae. 

125. Nemognatha chrysomelina 

Fabr. 
Curculionides. 

126. Bruchus sexsignatus Redt. 158. Phalacrus cor ruscus Fabr 



156. Macrolenes sexmaculata 

Fabr. 

Clavipalpi. 

157. Lithophilus connatus Fabr. 



127 



>> 



col. Syrice. 
Acacioß Klug. 



128. Psallidium subaenoeum 

Redt. ( 25 ) 

129. Cleonus leucopterus Fischer 



Ap hidip hagi. 

/ 59 . Coccinella hteroglyphica 

Fabr. 

160. Scymnus marginatus Pay- 
kull. 






ir 









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T 






i 









über den Charakter der Insecten-Fauna von Südpersien 



47 



Beschreibung 1 der neuen Arten: 

1. Ditomus talpa Redt. Niger, fortiter punctatus, thorace transverse-cordato, angulis posticis aeu- 
tis, elytris punctato-striatis , interstitiis parce subseriatim punctatis, antennis, palpis pedibusque brun- 



neis. Long*. 5'" 



Ditomo sphserocephalo proxime accedens, sed thoracis angulis posticis latis, acutis, elytrorumque 
interstitiis sub-biseriatim punctatis sat distinctus. 



Nebria Kotschy 



testacea, coleopterorum disco nigro, interstitio secundo, tertio 



quartoque in medio, basi apiceque, interstitio sexto in medio pallide — testaceis. Long. 8 '" 



Nebrice arenaria? statura simillima, elytris profunde punctatostriatis aliterque coloratis distincta. 

3. Chlaenius persicus. Redt. Capite thoraceque viride-cyaneis, illo obsolete punctato, hoc cordato, 
subtiliter rugoso, punctis sparsis majoribus impressis; elytris obscure caerulescentibus, pilis flavescentibus 
dense obtectis, punctato-striatis , interstitiis subplanis, subtilissime punctatis; antennis pedibusque testa- 
ceis. Long. 6 '" 

4. Chalcophora c/uadrimacidata. Redt. Nigra, thorace densissime rugoso-punctato , maculis qua- 
tor ante medium plagaque longitudinali media laevigatis; elytris subtiliter rugosis, maculis parvis nume- 
rosis, in medio et ad basin fasciatim dispositis, maculasque duas ovales nudas ad basin includentibus, 



ornatis. Long. 12'" — 16"' 



5. Anthaxia ephippiata. Redt. Nigro-caerulea, thorace untrinque postice impresso lateribus aureis; 
elytris aureis macula magna scutellari, aliaque obcordata cum scutellari cohaerente nigro coeruleis. 
Long. 2 % '" 

Colore Anthaxise candenti affinis, statura autem, magnitudine elytrorumque sculptura Anth. Salicis 

simillima. 

6. Sphenoptera derugata. Redt. Aenea, supra obscurior, capite thoraceque subtiliter punctatis, hoc 



foveola antescutellari impressa; elytris apice integris, laevigatis, vix rugosis, striato-punctatis, interstitiis 

sub-tilissime punctatis. Long. 8 '" 

Sphen. coracinee Stev. affinis, elytris lsevigatis autem pracipue distincta. 



Conclylops. Redt. 



nov. gen. e fam. Malacod. 



Antennae distincte 11-articulatae, ante oculos, ad marginem anteriorem capitis insertae, maris fla- 
bellatae, feminae pectinatae. Caput trigonum, oculis protrusis, fronte excavata in mare quinque-tuber- 
culata. Labrum transversum, antice rotundatum mandibulas obtegens. Clypeus longitudine labro sequalis, 
transversus, in medio transverse impressus. Palpi filiformes, maxillares articulo quarto secundo dimidio, 
tertio plus duplo longiore, acuminato, apice truncato. Labium ligula apice rotundata palpis paulo bre- 
vius. Segmenta abdominalia Cornea, in medio membranacea. Tarsi quinque-articulati, unquiculis appen- 

dice membranaceo angusto. — 

7. Condylops Erichsonii. Redt. Supra niger, capite, thoracis marginibus, fascia media lata ely- 
trorum, sutura margineque laterali flavis, antennarum dimidio, pedibus elytrorumque apice rufo-flavis 
Long. V/z '" 

Femina praeter antennas pectinatas, oculis minus protrusis, fronte non tuberculata, macula ver- 
ticali bicuspi, thoracisque limbo flavo, 

8. Dasyles trifasciatus. Redt. Obscurus aeneus, antennis obtuse serratis, longe nigro-pilosus, 
elytris pilis griseis adpressis obtectis, fasciisque tribus denudatis, sutura interruptis. Long. 2 '" 



latiori cognoscitur. 















H 




























48 



Vincenz Kollar und Dr. Ludwig Redtenbacker 



5 



2 V" 



Anthodromius Redt. 

nov. gen. e fam. Malacod. 

Antennse 1 1-articulatae, articulis quinque ultimis clavam breviter serratam formantibus , ad margi- 
nem anteriorem oculorum insertse. Caput inter thoracis marginem anteriorem retractum. Labrum cor- 
neum, transversum, antice rotundatum. Clypeus membranaceus , transversus, longitudine labro sequalis. 
Mandibulae simplices, apice bifidae. Maxiilse mala interiore angusta, exterioris basin parum superante, 
mala exteriore lata, submembranacea, brevi, apice rotundata; palpis quadriarticulatis , filiformibus : ar- 
ticulo primo minuto, sequentibus longitudine subtequalibus. Labium ligula apice bisinuata, angulis rotun- 
datis, barbatis, palpis triarticulatis , filiformibus, articulo secundo tertio longitudine subsequali. — 
Scutellum distinctum. Abdomen segmentis sex compositum, anali minuto. Tarsi quinque-artieulati, unqui- 
culis bifidis , appendice membranaceo nullo. 

9. Anthodromius variabilis. Redt. Niger, pilosus, capite thoraceque rarius subtiliusque, elytris forte 
profunde punctatis; tibiis, tarsis elytrorumque margine laterali ferrugineis. Long 2 '" 

Var. Niger, elytrorum limbo laterali apiceque, antennis pedibusque ferrugineis. 
Var. Niger, elytris pedibusque flavo ferrugineis. 

10. Onthophagus Auchenia Redt. Niger; tibiis anticis quadridentatis , dente primo quartoque 
minutis rotundatis; clypeo subemarginato , thorace subtiliter punctato nitido; elytris subtilissime striato 
punctatis, interstitiis planis, parce squamoso-punctatis, opacis. Long. 4V2'" 

Mas. capite linea elevata transversa, utrinque cornu recto terminata, thorace antice retuso, tri- 
tuberculato, tuberculo medio alto, apice rotundato. 

Femina capite linea transversa parum elevata, trituberculata, tuberculis acutis, thorace inermi. 

Onthoph. Camelo affinis, sed linea elevata antefrontali nulla, thorace in mare trituberculato , in 
femina inermi facile distinguendus. 

11. Amphicoma bimaculata. Redt. Subtus nigra, densius albo-cinerea supra parce pilosa, capite, 
thorace scutelloque violaceis, elytris nigro-aeneis , macula testacea ad humerum, pedibus viridi-jeneis. 
Long. 5 '" 

Amph. hirsutse Burm. affinis, sed paulo minor et praeter elytrorum colore, angulo suturali acuto, 
facile destinguenda. 

12. Thriptera persica. Redt. Nigra, pilis brevibus, hispidis parce adspersa; capite thoraceque 
subtiliter denseque tuberculatis ; elytris ovato-globosis, subtilissime tuberculatis, tuberculis magnis rotun- 



4%'" 



datis, seriatim dispositis a basi ultra medium ornatis. Lon. 6'" — 7 

13. Adesmia aenea. Redt. Nigro-aenea, capite thoraceque subtilissime parceque punctulatis; ely- 
tris ovatis, costis duabus elevatis, laterali duplici, interstitiis transversim tuberculato-rugosis ; tibiis 
fortiter compressis. Long. 8'" 

14. Aids subtricostata. Redt. Nigra, nitidula; thorace antice profunde emarginato, margine laterali 
lato, reflexo, plicato, angulis posticis spinosis; elytris elongato-ovatis , postice gibbis, dorso piano, 
tricostatis: Costa prima abbreviata, post medium incipiens et longe ante apicem desinens, costa se- 
cunda et tertia subapproximatee , integree, tertia basi apiceque parum abbreviata. Long. 11'" 

15. Tentyria alpina. Redt. Nigra, nitida; capite fortius, thorace subtilissime punctulatis, hoc 
transverso, undique marginato, lateribus rotundato, postice vix angustato, margine basali subbisinuato, 
angulis obtusis; elytris oblonge-ovatis, convexis, subtilissime punctulatis, corrugatis. Long. 9'" — 10'" 

16. Hyperops pyymaeus. Redt. Obscuro-brunneus ; capite thoraceque dense punctulatis, hoc lati- 
tudine vix longior, subcordatus, foveola antescutellari impressa; elytris elongato-ovatis, striato-punctatis, 
interstitiis non punctatis. Long. 2Vs'" 



V 




























über den Charakter der lnsecten-Fauna von Südpersien 



49 



Hyp. parvo Solier affinis sed multo minor et thorace foveolato elytrisque brevioribus striato-puncta- 

tis bene distinguendus. 

17. Blaps laticollis. Redt. Nigra, nitidula, subtilissime punctulata; thorace transverso, antiee 
posticcque truncato, lateribus parum rotundatis, angulis posticis subrectis, apice rotundatis; elytris (in 
mare elongatis, cylindricis in femina elongato-ovatis) apiee acuminatis; femoribus antieis dentatis. Long. 

C? 16'" 9 13'" 

18. Mylabris pallidomaculata. Redt. Nigra, nitida, capite thoraceque fortiter denseque punctatis; 
coleopteris flavo-testaceis , maculis novem pallidis, tribus suturalibus , sutura anguste nigricante inter- 

ruptis. Long. 8'" 

19. Mylabris excellens. Redt. Nigra, pilosa , capite thoraceque fortiter denseque punctatis; 

elytris dense rugoso-punctatis , lineis tribus elevatis maculisque sex magnis stramineis: tribus subrotun- 
datis ad suturam, prima in basi, secunda ante medium tertia ante apicem, tribus ad marginem latera- 
lem cum illo connexis, magisque difformibus. Long. 14'" 

20. Mylabris Klugii. Redt. Nigra, cinereo-villosa; elytris glabris, rubris, maculis rotundis novem 
nigris, flavo-cinctis : prima in medio basis, duse ante medium, tres in medio, tres ante apicem, plus 
minusve confluentes; pedibus rubris, femorum basi, tibiarum apice, tarsisque nigris. Long. 12'" 

Mylabris Argus Mus. Vindob. antea. 

21. Mylabris tricinyiilata. Redt. Nigra, pubescens, elytris profunde reticulato-punctatis , lineis 
elevatis tribus, flavo-rubris fasciis tribus subundulatis nigris: prima angustior paulo post basin, mar- 
ginem lateralem non attigens, secunda fere in medio, tertia apicem occupans. Long. 10'" 

22. Mylabris colligata. Redt. Nigra, pubescens, thorace dense punctato, in medio canaliculato ; 
elytris latis, ochraceis punctis duobus post basin, fascia lata, undulata, in medio apiceque nigris 

Long. 10'" 

23. Mylabris Husseinii. Redt. Nigra, pubescens, thorace parcius punctato, in medio carinato; 
elytris angustis, ochraceis, maculis duabus rotundis post basin, fascia angusta undulata in medio apice- 
que nigris. Long. 8 '" 

N. B. Cum quibusdam varietatibus Myl. tripunctatae valde convenit, sed elytris quidem densissime non 
vero granulato-punctatis , maculaque apicali in medio rotundata, nunquam excisa bene distinguenda. 

24. Lydus praeustus. Redt. Niger, nitidus, parce pubescens, macula frontali maculaque laterali 
in thorace sanquineis, elytris rubro-testaceis , apice nigris. Long. 10 — 13'" 



25. Psallidium subaeneum. Redt. Nigrum, sub-geneum, corpore subtus argenteo-squamulato ; ca- 
pite rostro sulcato, fronte convexa; thorace latitudine paulo breviore, lateribus sequaliter rotundato, 
supra leviter convexo, in disco parcius, ad latera densius punctato; scutello triangulari, polito; elytris 
in mare elongato-, in femina oblongo-ovatis , profunde punctato-striatis , interstitiis dense granulatis, 
postice setis brevibus seriatis et in mare plerumque squamulis cinereo-argenteis obsitis. Long. 4 '" 

26. Cleonus cretacens. Redt. Antennis articulo secundo funiculi primo multo longiore ; rostro apice 
attenuato, supra acute carinato; oblongo - ovatus , squamositate densissima unicolori cretacea obtectus, 
elytris profunde punctato-striatis, striis hinc inde cinereo-maculatis ; rostri apice, oculis, unquiculis tar- 
sorum tibiarumque apice atris. Long. 7'" 

27. Prionus persicus. Redt. Nigro-piceus, punctulatus, subtus pubescens ; thorace utrinque trispi- 
noso, spina media longa atque antica recurvis; elytris laevigatis, subtiliter punctulatis, lineis elevatis 
nullis; tibiis omnibus compressis, latis. Long. 16'" — 18'" 



A Priono coriario F. et brachyptero Fald. elytris subtiliter punctulatis, non rugoso-punctatis nee 
linei$ elevatis instruetis, tibiisque latis, compressis praeipue distinetus. 



Denkschriften d. mathem. naturw. CI. 



7 












mmm 






i 



II 






50 



Vincenz Kollar und Dr. Ludwig Redtenbacher 













i 
















Osphranteria Redt. 

nov. gen. e fam. Cerambyc. 

Mandibulae rectae, apice parum incurvae, margine interno edentato. Maxillje mala interna brevi, 
barbata, externa longissima, Cornea, mandibulas superante, apice penicillata, palpis labialibus multo 
minoribus , füiformibus , quadriarticulatis : articulo primo longo , secundo tertioque brevibus , transversis, 
quarto duobus precedentibus paulo longiore, apice obtuso. Labium mento corneo, semi-rotundato, ligula 
profunde emarginata, apice longe barbata, palpis magnis, triarticulatis , articulo secundo tertioque lon- 
gitudine fere jequalibus, hoc apice dilatato, oblique truncato. Antennse 1 1-articulatse , corporis longitu- 
dine, articulis cylindricis, secundo brevisshno, tertio longissimo. Thorax longitudine parum latior, la- 
teribus rotundatis non, aut obsolete uni-tuberculatis, disco convexo, sequali. Scutellum acute triangu- 
läre. Elytra latitudine baseos quadruplo longiora, apicem versus sensim angustata, apice singulatim 
rotundata. Pedes simplices, femoribus anticis parum clavatis, posticis elytrorum apicem vix longitudine 
superantibus. — 

28. Osphranteria suaceolens. Redt. Capite thoraceque rufobrunneis , fortiter rugoso-punctatis , 
elytris subtiliter densissimeque punctatis , lineis duabus subelevatis , holosericeis , rufo-testaceis ; pedibus 
l>runneis, femoribus posterioribus fuscis; antennis rufotestaceis. Long. 12"' 

Genus hocce ab affini genere Aromia, mandibulis edentatis, maxillarum structura, mento semiro- 
tundato, thorace supra gequali, lateribus vix tuberculatis bene distinguendum. 

29. Osphranteria coerulescens. Redt. Nigro-coerulea, elytris subtiliter, capite thoraceque fortiter 



rugoso-punctatis , corpore subtus argenteo-holosericeo. Long. 8'" — 10'" 

Mandibulis edentatis, thoracis, corporis, pedumque structura cum Osph. graveolenti convenit, sed 
maxillarum mala externa articuloque primo palporum discedit. 

30. Leptura bicolor. Redt. Nigra, pilosa, capite dense thorace parcius punctato, canaliculato, 
nitidulo; elytris apice truncatis, vage punctatis nitidis, pilis brevibus flavis vestitis, rufo-testaceis. 

Long. 8'" 

Corporis partium structura feminae Lept. unipunctatae simillima, sed major, elytris unicoloribus 

apice trhncatis non rotundatis facile distinguenda. 

31. Galleruca quadrirnaculata. Redt. Antennse sub 12- articulatae: articulo secundo minuto, ter- 
tio quartoque longis, sequalibus ultimo appendice articuliformi aucto; nigra, fortiter punctata; thorace 
transverso, postice rotundato, supra late canaliculato, foveolaque lata, profunda utrimque impresso; 
elytris luride-viridibus, macula axillari alteraque apicali flavis notatis. — Long. 2 3 A'" 

32. Galleruca nigriventris. Redt. Flavo-testacea , oculis, pectore abdomineque nigris aut piceis, 
ano rufescente; antennis articulo primo magno, secundo minuto, tertio quarto longitudine sequali sequen- 
tibus paulo longiore; thorace transverso, postice angustato, undique marginato, in medio transverse 
biarcuatim impresso; impressione in medio latiore atque profundiore; elytris subtilissime punctulatis; 
pectore abdomineque serieeis. Long. 3 '" 

Raphidopalpa foveicollis ? Dejean cat. des col. 

33. Colaphus tibialis. Redt. Aeneus vel viridis vel coeruleus, fortiter punetatus; elytris transver- 
sim profunde rugoso-punctatis; antennarum basi. elytrorum summa apice, tibiis tarsisque flavo-testaeeis. 

Long. 1 3 A '" 

Colaph. Sophiae similis sed minor, elytris apice minus acuminatis, transversim rugosis, di- 

stinetus. 



* 



i 



± 










* 

über den Charakter der Insecten-Fauna von Südpersien. 



51 



I>cpitioptcra 



Papilionides. 

1. Papilio Alexanor Esp. 

Schiraz. 

Pierides. 

2. Pieris Crataeyi L. Schiraz. 



3. 
4. 



9. 



11. 
12. 



14. 
15. 



16. 
17. 



>> 



?? 



Rapae L. 

Daplidice L. 



5. (Idmais fausta Klg. Boisd.) 

(ist aus Bagdad.) 

6. Rhodocera Rhamni L. 

7. Colias Edusa L. 

Lycaenides. 

8. Thecla Sassanides Kllr. t 1 ) 



?> 



Ruht L. 



10. Polyommatus Hafts Kllr. ( 2 ) 



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Fhloeas L. 
Thersamon. Fabr. 



13. Lycaena Boetica L. 

Agestis Esp. 



?? 



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j? 



>> 



18. 



>? 



Zephyrus Kinderm. 
Boisd. 

Alexis Fabr. 
Anisophtalma 

Kllr. ( 3 ) 

Hypoleuca Kllr. (*) 



Danaides. 

19. Danais Chrysippns L. 

Nymp halt des. 

20. Limenilis Camilla Fabr 

21. Melitaea Casta Kllr. ( 5 ) 



22. 
23. 
24. 



26. 

27 

28. 

29. 
30. 

31. 



32. 
33. 
34. 
35. 



11 



Vanessa 



Persea Kllr. « 
P/webe Fabr. 
L. album Hüb 



Schiraz , Gere. 
Satyrides. 



26. Satyrus Briseis, L. 



.V 



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jj 



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>? 



Telephassa. Klg. 
Anthe 0. 
Parisatis Kllr. ( 7 ) 

Eudora Fabr. 
Mandane Kllr. ( 8 ) 

Saadi Kllr. ( 9 > 



H 



jj 



>? 



Malvae Fabr. 
Lavaterae Esp. 
Tessellum O. 
ustan Kllr. ( 10 ) 



Sphingides. 



36. Deilephila Kotschyi Kllr. (") 

Zyg aenides. 

37. Zygaena Haematina Kllr. (") 



38. Syntomis Persica Kllr. ^ 

Saturnides. 

39. Sahir nia Pyri Borkh. 

Chelonides. 

40. Callimorpha Hera L. 

Noctuides. 

41. Agrotis Deleta Kllr. 



O 



42. 



Amphipyrides. 

»hinterops Umbrift 

Kllr. O 



43. Scotophile Tragopogonis L. 

C ato calides. 

44. Ophiusa Singular is Kllr. ( 1C ) 

Noctuop hal aenides. 

45. Anthophila Anioena H. 

Heliothides. 

46. Anarta Melaxantha KllrS' 1 ) 

Geometrides. 



47. Phorodesma Graminaria. ( ) 

Kllr. 

Pyr alides. 

48. Pyrausta Scutalis H. 

Tinaeides. 
49* Eudorea Mercurella Lin. 



Beschreibung der neuen Arten: 

1. Thecla Sassanides Kllr. Alis supra furvis unicoloribus , posticis eaudatis; subtus omnihus 
dilute cinereis, striga communi alba, intus fusco marginata, serie punctorum nigrorum ocelliformium ante 



marginem externum; cauda longiore nigra, apice alba. 



Expans. alar. 13'" 



Statura Tb. Acaciae, a qua tarnen punctis marginalibus nigris in pagina inferiore strigaque alba 
latiore valde differt. 

2. Polyommatus Hafis Kllr. Alis integris supra fulvis, fusco marginatis; antieis subtus costa mar- 
gineque externo cinerascentibus , boc serie duplici punctorum nigrorum, illa maculis oblongis duabus 
punctisque totidem ejusdem coloris; posticis cinerascente alboque nebulosis, punctis copiosis nigris 



seriatim dispositis. (Femina.) 



Expans. alar. 1 " 



Polyommato Ballo Fbr. valde affinis, a quo tarnen alarum posticarum colore et pictura differt, cum 
in P. Ballo baecae alae subtus virides punctis nigris destitutae, in P. Halis vero cinereae et manifeste 
nigro punctatae adpareant. Specimina tantum duo feminea Dm. Kotschy in Scbiraz legit. 



3. Lycaena Anisophtalma Kllr. Alis supra 



unicoloribus fuscis , subtus 



albo cinerascentibus ; 



antieis stigmate medio oblongo, ocellis sex inaequalibus nigris albo-cinetis ; posticis stiate linriema 



7 



->■- 
















































































52 



Vincenz Kollar und Dr. Ludwig Redtenbacher 



punctisque ocellaribus decem aequalibus 



striis duabus albis cum totidem fuscis marginalibus alternan 



tibus. (Femina.) 



Expans alar. 9'" 



Ex- 



Ad minores in hocce genere spectat; Lyc. Lysimon Hbr. affinis, sed ocellorum forma et disposi- 
tione in alis anticis omnino differt. Discriptio ad specimen unicum facta. 

4. Lycaena Hypoleuca Kllr. Alis supra violaceo-coeruleis, margine externo nigro-cineto , fimbriis 
albis; subtus alis omnibus albis, posticis punctis aliquot dispersis nigris, basi viridi squamosis. — 

pans. alar. 13'" 

Species omnino ab omnibus europaeis diversa, colore paginae superioris Lyc. Jolas similis, a qua 

tarnen colore paginae inferioris alba magnopere differt et Lyc. Argiolo propius accedit. 

5. Melitaea Casta Kllr. Alis supra fulvis, strigis costalibus anticarum, fascia submarginali re- 
panda communi margineque ipso nigris; anticis subtus fascia maculari, irregulari nigra; posticis pallide 
flavis. fasciis duabus obsoleto fulvis, striis repandis serieque punctorum marginalium nigrorum minus 



distinctis. 



Expans. alar. 15'" 



17 



m 



Proxime ad Melitaeam Didymam accedit, a qua tarnen eo potissimum differt, quod alae in pagina 
superiore pauciores habeant maculas fasciasque nigras, et quod fasciae in alarum posticarum pagina 

inferiore fere evanitae sint. 

6. Melitaea Persea Kllr. Alis supra fulvis; anticis fasciis macularibus nigris tribus, posticis dua- 
bus; illis subtus apice, his totis pallide flavis; fasciis macularibus in anticis paginae superioris confor- 
mibus, in posticis fasciis duabus pallide fulvis, lunulis punctisque nigris. — Expans. alar. 17'" 

Antecedenti affinis sed pictura alarum posticarum in pagina inferiore, quae cum illa Melit. Didy- 
inae valde conformis est, manifeste differt et Melit. Didymae propius accedit, a qua tarnen ob de- 
fectum macularum nigrarum praecipue ad radicem alarum separari debet. 

7. Satyrus Parisatis Kllr. Alis supra nigris, late albo-marginatis , posticis dentatis; subtus omni- 
bus cinereo-alboque marmoratis, fascia media communi angulata alba, ocellis singulae alae duobus ni- 
gris, flavo-cinetis 9 albo papillaris. — Expans. alar. 2 " 4'" 

Species distinctissima , ab omnibus hujus generis valde diversa, Satyr. Faunae et Fidiae quodam- 
niodo vicina sed margine latissimo albo longe tarnen distans. 

8. Satyrus Mandane Kllr. Alis anticis integris, posticis acute dentatis, omnibus supra cinerascenti- 
iuscis, illis macula infracostali , transversa, oblonga holosericea, nigra; anticis subtus medio fulvis, 
fascia abbreviata alba, ocello ad angulum anticum nigro, flavicincto, albo pupillato ; posticis cinereis, fas- 



ocellis duobus ad angulum analem nigris 



j 



albo-cinctis. 



cia media arcuata alba, fusco marginata, 

Expans. alar. 19'" 

Statura et magnitudine Sat. Eudorae affinis, sed pictura alarum in pagina inferiore toto coelo di- 
versa. Specimina tantum duo mascula e regione alpina Persiae meridionalis Dm. Kotschy attulit. 

Proxime vero haecce species accedit ad Satyr. Wagneri (Herrich-Schaeffer in Supplem. ad Lepidopt. 
europaea Hübneri Tab* 65. Fig. 311 — 313), a quo tarnen differt alis supra unicoloribus cinerascenti- 

fuscis. 

9. Satyrus Saadi Kllr. Alis integris, supra flavis; anticis ocello geminato nigro, coeco ad angu- 
lum posticum; subtus omnibus grisco nebulosis, fascia communi media alba, intus fusco marginata, Stria 
arcuata submarginali aurea; anticis ocello gemino coeco nigro, flavo-marginato ad angulum posticum; 
posticis serie ocellorum nigrorum aureo pupillatorum. — Expans. alar. 16 

Colore et magnitudine Sat. Pamplülo et Sat. Amarilli accedens, ab utroque vero pictura valde 

differt. 

10. Themas Rustan Kllr. Alis fuscis; anticis supra albido adspersis, fascia media lineaque ex- 

teriore dentata nigris, puncto costae albo; subtus alis unicoloribus fuscis, punctis infra marginem costa- 
lem tribus albidis. — Expans. alar. 13'" 



m 




3^T 



£ 



mm- 






S 











t>* 




über den Charakter der Lisecten-Faima von Südpersien. 



53 



' 



Simillimus Than. Tages L., a quo tarnen defectu punctorum alborum ante marginem externum 

quam maxime differt. 

11. Deilephila Kotschyi Kllr. Alis omnibus concoloribus luride ochraceis, fascia anticarum ab 
apice versus medium marginem internum ducta obscuriore, obsoleta. Antennis longioribus, tenuibus, re- 
liquo corpori concoloribus in latere superiore albo squamosis. — Expans. alar. 2" 10'" 

Specimen unicum injuriis longi itineris valde laesum Sph. Cecrops. Cr. (Sph. capensis Hbr.) simi- 
lis, a qua tarnen praeprimis colore alarum posticarum differt, quae in Sph. Cecrope rubrae sunt, in 

nostra specie vero anticis concolores. 

12. Zygaena Haematina Kllr. Alis anticis nigro-viridibus, maculis quatuor rubris: basali unica 
majore, disci duabus minoribus rotundatis, apicali oblonga subsemilunari ; posticis rubris, nigro limbatis; 
collari cinguloque abdominis integro, rubris; pedibus flavis. — Expans. alar. 10'" 

Magnitudine et forma Zyg. faustinae 0. omnino aflinis, sed maculis rubris luteo non marginatis 

quam maxime distincta. 

13. Syntomis Persica Kllr. Alis anticis nigris, violaceo micantibus, maculis quinque fenestratis 
albis, posticis albis nigro marginatis; thorace et abdomine nigro, hoc annulis tribus aurantiacis, poste- 



riore latissimo. 



Expans. alar. 15'" 



Syntomi fenestratae Boisd. aflinis, sed alarum posticarum disco albo, abdominisque cingulis tantum 



tribus manifeste diversa. 

14. Agrotis Deleta Kllr. Alis anticis griseo testaceis, maculis ordinariis obliteratis, stria longitu- 
dinali a basi usque ad medium alae protracta, interrupta nigra, posticis albis; collari nigro; thorace 

abdomineque griseo testaceis. — Expans. alar. 16"' 

Agr. Exclamationis magnitudine et forma aflinis, sed stria tenuiori nigra ab alarum insertione in- 
cipiente et usque ad medium alae protracta ab hacce specie omnino distincta. 

15. Sphinterops Umbrifera Kllr. Alis anticis testaceis, punctis costae, macul 
duabus transversis-exteriori dentata-fuscis ; posticis basi albis, limbo lato nigro. — 



Sphinteropi (Amphipyra) dilucidae Tr. proxima 



— Expans. alar. 15'" 
alis tarnen angustioribus , dilutioribus satis 



distincta. 

16. Ophiusa Singularis Kllr. Alis anticis basi apiceque fusconebulosis , fascia media lata testacea, 
utrinque striga nigra denticulata marginata, medio macula reniformi, fusca notata; posticis basi margi- 
neque externo albis, fascia media fusca, macula in medio marginis externi nigra; subtus alis omnibus 
albis, fascia marginali communi, superiorum bifida, fusca. — Expans alar. 16'" ^ 

Species ab omnibus hujus generis perquam diversa; Oph. singulari Tr. forma puodammodo acce- 
dens, sed colore et pictura valde discrepans. 

17. Anarta Melaxantha Kllr. Alis anticis supra fusco-flavoque variis, strigis: altera ad basim, al- 
tera ante marginem externum irregulariter dentatis cum stigmate medio lineari brevissimo, nigris; posticis 
basi margineque externo nigris, fascia media latiore, irregulari, aurantiaca ; subtus alis omnibus concolori- 
bus flavis. — Expans alar. 1" 

Specimina duo valde laesa in alpibus Persiae meridionalis in Astragali specie volitantia cepit Dm. 
Kotschy. Ob strigarum formam in alis anticis Cloanthe radiosae accedit, reliquis vero notis generi 
Anarta adnumeranda. 

18. Phoradesma Graminaria Kllr. Alis concoloribus viridibus. Costa anteriarum flava, ciliis uni- 

— Ex- 



coloribus pallidioribus ; capite, pedibus, antennarum scapo flavis, his nigro pectinatis (in mare). — 

pans. alar. 14"' 

Thoradesmati (Geometrae) smaragdariae magnitudine, colore alarumque forma omnino aflinis, de- 
fectu strigarum autem manifeste diversa. Et hujus speciei specimen unicum valde laesum inter insecta 
a Dm. Kotschy lecta offendimus. 













E! - 




















54 



Ueber 



die 



Berechnung periodischer Natur-Erscheinungen. 



Von Ularian Holler* 



(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Ciasse am 13. April 18i8.) 



















1. j\ aturerscheinungen, die nach einer bestimmten Periode in derselben Ordnung und Grösse wieder- 
kehren, werden periodische Naturerscheinungen genannt. Sie können unter der Voraussetzung, dass sie 
stetig fortschreiten und keine plötzliche Störung erleiden, durch einen mathematischen Ausdruck dar- 
gestellt werden, welcher (wie Bessel in den astr. Nachr. Nr. 136 sagt) die Beobachtungen in con- 
cisester Form darstellt und am unmittelbarsten zeigt , was die Theorie an dieser Erscheinung zu er- 



klären hat. Die Anforderung , die man an diesen mathematischen Ausdruck stellt , ist daher 



dass er 



nach Ablauf der einfachen, doppelten, ...n fachen Periode die Erscheinung in derselben Ordnung und 
Grösse wieder darstelle. 

2. Setzen wir, es sei k der Umfang der Periode, z. B. k = 24 Stunden; m eine Variable dieser 
Periode, z. B. eine bestimmte Stunde derselben; y die numerische Grösse der Erscheinung, die die- 
ser Variablen entspricht; ist ferner die Kreisperipherie 2^ = 360°, so kann y durch folgenden mathe- 
matischen Ausdruck dargestellt werden: 



0) 



X 



X 



y = a+p t sin 0' +- r .2n) + p z sin (v» + ~An) 



+ /? 3 sin 



in 



k 



x 



k 



+ ^-.6*)+.-. 



Hier wird y in derselben Ordnung und Grösse wiederkehren, wenn der Werth von # um &, 
2k, . . .nk vermehrt wird. 

Gesetzt, man habe die Stände des Luftdruckes an einem bestimmten Orte stündlich beobachtet und 
will den täglichen Gang dieser Naturerscheinung durch den mathematischen Ausdruck (I) darstellen, 
so hat man 



k 



24, 



2tt 

k 



15°. 



Setzt man ferner in dem angeführten Ausdrucke (I) nach einander 



x 



U, 1, & , o , . . • £o 



und für y die aus den Beobachtungen bekannten , den Werthen der Variablen entsprechenden Grössen, 
so erhält man eine Reihe von Gleichungen, aus denen sich die Constanten: 



«> lh-> v', 1h, t>", p z , v 



bestimmen lassen. 















55 



In dem Folgenden soll nun der Weg gezeigt werden, auf dem man die Werthe dieser Constanten 
mit der möglichsten Schärfe finden kann. 

3. Die angeführte Gleichung (I) lässt sich unter eine einfachere Form bringen. Man hat nämlich: 



p t sin 0' + T .2*) 



/;, sin v' cos -r- • 2n -{- p t cos v f sin -r-2 71 
p 2 sin (r f/ +-r.fcr)=^ l sin v" cos -77. hn-\-p % cos v" sin j-.i* 



11. s. f. Setzt man nun 



p x sin v' 



p % sin v 



n 



«1 
«2 



/> t cos v f 



p % cos 



// 



Öl 






/* n _i sin tv-i 



« 



n— 1 



/>„_! COS IV-i 



ö 



X 



n— 1 



und ^.2?t 

k 



z, 



so geht die Gleichung (I) in folgende über 



(II) . 



y 



a + a x cos z + ^ sin * + « 2 cos 2z + 6 2 sin 2z + « 3 cos 3s + h sin 3s + 



Sind die durch die Beobachtungen gegebenen Werthe den Variablen y gleich «, « 19 « 2 , « 3 , 



. . OL. 



n— 1 



und die ihnen entsprechenden Werthe der Variablen x gleich x 09 x 19 x 2 , • • • #n~i> und setzt man analog mit 
dieser Bezeichnung: 



x 



k 



°~.2x = z 



0? 






. 2rc = z t 



9 



^2 



.2* 



s 



2? 






.2* = * 



n— 1? 






so hat man die Gleichungen 



a 



OL 



X 



a + a x cos z + 6t sin z + « 2 cos 2z + ö 2 sin 2# + . 

cos Z4 + b x sin ^ + a 2 cos 2z x + # 2 sin % z i + • 



• • 



a + « 



• * 



a n -i = « + «1 cos #„_!+ 61 sin s n _!+ a 2 cos 2z n _ i -\- h sin 2s n _ 1 + . . . ; 

1 

man wird also so viele Constanten 

öj d\ 5 # 2 5 #3 ? • ' " ö|j Ö 2 9 O3 . • • , 

der Gleichung (II) bestimmen, oder so viele Glieder derselben entwickeln können, als man Beobach- 
tungen in der Periode hat. 

Gewöhnlich ist die Reihe der Gleichung (II) convergent , so dass man um die gewünschte Ge- 
nauigkeit zu erhalten, nur weniger Glieder derselben bedarf und in der Regel mehr Gleichungen hat, 
als Constanten bestimmt werden sollen. Zur Bestimmung dieser Constanten wird daher am zweckmäs- 
sigsten die Methode der kleinsten Quadrate angewendet werden. 

4. Die Beobachtungen der numerischen Werthe der periodischen Grösse y werden gewöhnlich 

einer arithmetischen Reihe 



in äquidistanten Zeitintcrvallen gemacht, so dass die Werthe von x in 

wachsen* Ist die Zahl der äquidistanten Beobachtungen während der Dauer einer Periode gleich n, so 

dass Je = H) so ist : x = 
Paragraphes : x = , x x 



1, 2, 3, ... rc— 1, oder nach der Bezeichnung des vorausgehenden 



1, x 



z , • . . x n _i 



1 , mithin 



z 







0, z t 



t a 

— , oder Kürze halber mit Weglassung des Index: — = *, mithin % % = — = 2z 9 z* = — =3* 



n 



n 



n 



n 



und allgemein 



2(w— 1)* 



n— 1 



n 



(»—!)*, 























« 


























i 



56 



Martern Koller über die Berechnung 



und die Gleichungen des vorigen Paragraphes gehen über in 



OL 



a 



«« 



a + a x + a % + # 3 • 
a + a t cos z -\- b t sin 
a + a t cos 2s + b x sin 



s + #2 cos 2s + ö 2 sin 2z + 
2s + a 2 cos 4s + J 2 sin 4s + 



* 



♦ • 



a 



n— 1 



« + «1 cos (n — l)s + #1 sin (w — !)# + «2 cos 2{n — l)s + # 2 sin 2(» — 1)« + . 



§ 



CL 9 t*i 9 t^2 9 t?3 9 • • • 0\ 9 0g 9 Ö3 • • • 



so bestimmt werdfen, dass die Summe der Quadrate die übrig bleibenden Unterschiede der berech- 
neten und beobachteten Werthe von «, oder dass allgemein 

S[ — <* m + + «i cos w«^ + öj sin m^ + #2 cos 2ms + 6 2 sin 2ms + . < 
ein Minimum wird, wo m von m = bis m — n — 1 zu nehmen ist. 



• ] 



5. Setzt man die Differenzial-Quotienten dieser Summe in Beziehung auf jede der zu bestimmenden 



Grössen 
respective gleich 



a 



a 



1? 



a 2 



. . ftl, 



Oo 5 • • • 



so hat man die Gleichungen: 



&Jm.y &Jm.iy &J1.2) • . . iw//^ £-*"2 • • • 



4 



S[ 






« m + # + a t cos m# + b t sin m^ + «2 cos 2mz + #2 sin 2ms + . . .] 
Ä m + + «1 cos m# + fti sin mz + a 2 cos 2ms + # 2 sin 2ms + . . .] 
S cos 2ms[ — « m + # + «1 cos w* + b x sin m^ + «2 cos 2mz + ft a sin 2mz + . . .] 



22 cos m^ [ 



*.* 



#1 



S sin m^ [ — <x m + + ct\ cos m^ -f b ± sin m^ -f #2 cos 2ms + ft 2 sin 2mz + • • •] 
2 sin 2mz[ — « m + a + «i cos mz + #i sin m^ + a % cos 2ms + b 2 sin 2ms + . . .] 



etc. etc. etc. 



Die plausibelsten Werthe von 



(Z , (X\ , €1% • • • Ö | ? ö 2 ? v; 



sind aber bekanntlich jene , für welche 

4 = 0, A = 0, .4 



0^oÄ«0,Ä 



0...; 



wir haben daher zur Bestimmung dieser Werthe folgende Gleichungen 



cm) 



sr 



a m + ß + #1 cos m^r + #! sin m^ + a % cos 2ms + fi 2 sin 2mz + 



S cos mz [ — a ra + 



a 



a t cos m^ + b x sin m^ + a 2 cos 2mz + 



ö 2 sin 2mz 

S sin m^ [— a m + a + a A cos ra* + Äj sin m# + « 2 cos 2m2r + b z sin 2m^ 
S cos 2mz [— a m + + #! cos ms + b t sin ms + a 2 cos 2ms + fi 2 sin 2ms 
S sin 2ms [ — « ra + a + 0^ cos mz + ^ sin mz + # 2 cos 2ms + b 2 sin 2ms 



+ 

+ 

+ 
+ 












wobei nicht zu übersehen 



etc. etc. etc. 
dass in allen diesen Gleichungen m von m 



bis m=n — 1 zu nehmen ist. 





6. So weitläufig auch auf den ersten Anblick die Bestimmung der plausibelsten Werthe der Con- 



stanten aus diesen Gleichungen zu sein scheint, so wird sie doch sehr einfach, wenn man die darin 
vorkommenden Summenausdrücke der trigonometrischen Functionen näher ins Auge fasst. Sie reduciren 
sich alle auf folgende allgemeine Ausdrücke : 




py 






periodischer Naturerscheinungen 



o< 



53 sin rmz ; 53 cos rw* ; 53 (sin rm#) 2 5 53 (cos rms) 2 

53 (sin rmz . sin pm#) ; 53 (sin rm# . cos pms) und 53 (cos m# . cos pm*) , 



wo r und p ganze positive Zahlen nz = 2n, also (w — 1) ^ 
bis m = n — 1 genommen werden muss. 



2?r — z ist, und m immer von m — o 



Für diese Bedingungen hat man aber 



53 sin rmz 







53 (sin rmz* sin pmz) 







53 cos rmz 







53 (sin rmz. cos pm#) 







53 (sin rmz) 



n 
2 



53(cosrm#« cos pm#) = 



v 



(cos rmz) 



n 
2 



Demzufolge gehen die oben (§. 5) zur Bestimmung der Constanten gefundenen Gleichungen (111) 



in folgende über : 



(IV) 











v 



v 



( 



( 



X 



m )-\-na 



n 



n 



a m cos mz)-\~ 'jra x \ 0=53 (—a m sin w#)-|— ^6, 



2 



n 



0=53 ( — a m cos2m^)-{— «-««; 



V 



2 



( 



2 



71 



« 



m 



sin 2w#)-}— ^-Ä« 



und allgemein : 



= 53( — a m sin rmz)-\-—a c ; 0=53( 



n 



2 



cc 



ra 



cos rm^)4— 5T ^r 



7. Die Richtigkeit der im 



vorigen Paragraphe angeführten Summenformeln kann auf folgende 



Weise gezeigt werden. Sie gründet sich auf die beiden nachstehenden Summenformeln : 



und für /; = 



i) 



x = x COS(p 

53 sin {p-\-xq)= 

x = 



X= X 

53 sin xq 
= o 



X 



|.)_ cos[p + (x + Y )q\ 



2 sin 



i 
2 



cos 



2 



cos (^ + y) q 



2 sin 4 



ind für 



V 







9 



) 



X = X 



cos (/?-|-&y) 

07 = 



53 cos ^ 



sin [p + (.r + --) q] — sin (p 



2 sin 



7 



sm (,r + v ) ? + sin -| 



2 
2 sin 



q 






) 



Die Wahrheit dieser Gleichungen erhellt aus Folgendem. Es ist : 



' 



X — X 



53 sin (p-\-xq) = s\n /j-j-sin (/;-j-r/)-|-sin (])-\-2q) -{- ... -j- sin (/;-{- #r/) 

.r=0 



Denkschriften d. mathcm. naturw. CI. 



6 







I 









1 







rjitek^^^,^ 



























58 



und wegen 



auch 



</ 



X = x 



Marfan Koller über die Berechnimg 



2 sin 



f-»**. 



2 sin ~- Ssin (/>-|-#y) 

4 #=0 



<7 



</ 



Q 



2 sin — sin/>-}-2 sin -|- sin (p-\-q) -}-♦•• +2 sin -|- sin (/?-}-r/#) ; 



2 



2 



es ist aber bekanntlich 



1 
2 



2 sin 4- sin ^ = cos (p 



<1 



2 



) 



cos (p-\- 



2 



2 sin 



V 



2 sin 



2 
2 



sin Qi-]- y) 



(1 



cos (>-[-§-) 



3 



3 



cosOHHr'/) 



5 



sin (p+2y) = cos(/i-f— y)— cos ty-]-— ?) 



2 



2 























2 sin 



<1 



2 

<7 



sin [/i-j-O^ — 1) y]=cos [p-\-(x 



3 
2 



)?] 



COS |jO-j"G'C 



1 

2 



)?] 



*■ sin -|- sin [/>-f-#y] 



cos [/*-]- (# 



1 
2 



)</] 



1 



cos [/) + (>-}- — )g] 9 



2 



mithin durch Addition: 



x=x 



2 sin 4- S sin [/? -|- #y] 



2 



x = 



cos (yj 



*)— cos[p-J-(>-|- — )q] 



2 



2 



und 



(«) 



x = x COS (p 

S sin (/? -j- #y) = 

x = 



2 



■)— cos [p + (*+*-)?] 



2 



2 sin 



2 



i 



und für p — : 



(ß) 



S sin xq 

x = 



cos ~ cos (.r + — ) ^ 



2 



2 



2 sin 



2 



Eben so hat man 



x = x 

£ cos (p -}- #flO 

x=0 



cos /> -f- cos (p -{- y) -}-cos (/> -j- 2y)-f- -f- cos O -{- xq), 







mithin auch: 



X =x 

2 sin -J- S cos O -j- ary) 



2 sin 



2 



? 



? 



cos /) -f- 2 sin -|- cos (p -\- q) -{- . . . -(- 2 sin -^ cos (/> -|- #flO 



2 



Es ist aber: 



2 sin 



2 sin 



2 

2 



COS» 



sin {p 



2 



) -f sin -+- 



2 



COS (j) -j- ^) 



sin 



V 



3 



in 0>H-ir) + sin (/> + -^y) 



2 



2 sin -|- cos (/> -\- 2q) 



2 



sin (/) -j- — r/) -|- sin (p -j- — r/) 



2 



2 



2 sin -|- cos [/? -4- (# — 1) y] 



3 1 

sin [/> -|- (a?— — ) q] -f sin [p -f (#— — ) r/] 



2 



2 



2 sin 



<7 



2 



cos [/? 4- xq] 



1 1 

sin [/> -|- (x — y )y] +sin ^ -J- (#-}-—) r/] , 



y 








periodischer Naturerscheinungen 



59 



woraus durch Addition folgt 



X = X 



1 



2 sin 4- S cos (/? 4- #y) =sin [/; -\- (x -f- -§-) y] 



2 



07 = 



2 



sin (/j 



2 



), 






also : 



(«o 



• • 



# = x sin [p + (# + -^) ?! 

S cos (p-\- qx) = 

x=0 



sin(p 



<l 



) 



2 sin 



2 



und für ;j = 0: (£') 



S cos y# 

= 



sin (.r + — ) <7 + sin 



2 



2 



a? 



2 sin 



2 



Anmerkung'. Die angeführten Summenformeln können auch auf folgende Art abgeleitet werden 



Man hat bekanntlich 



IX 



ICC 



IX 



IC*. 



sm ol 



2i 



e , e + e 

- und cos a 



2 



, wo i = tf—i ; 



?a 



daraus folgt 



^ sin a 



-|-cos 



a 



(A) 



In Folge dieser Gleichung ist demnach: 



ip 



e 



cos p -{- * sin/? 



e = cos (/>-}- 9) -}- * sin -j- ?) 



t(P+ty) 



cos (/? 4" 2r/) -f- l sin (/? -j- 2g) 



i(p+xq) 



mithin 



e 



cos (p 4- #*/) -f- * s* 11 (/> + ^ Y /)> 



ip i(p + q) i{p+2(l) 



wo 



und 



Es ist aber auch 



+ • 



i(P+*<l) 



cos /? -|~ cos (p -\- q) -J- 



• • 



-J- cos (y> -|~ a *y) 



-|- i [sin /? -|- s i n (/' + flO • • • "+" s * n 9 Hh aY /)l 

A+Bi, 



.4 = cos p -f- cos (/? -j- y) +■ • • • + cos 0* + X( l) 
2? = sin p -j- sin (/) -f- r/) -J- • • • 4" s * n (P 4~ *"?)• 



e -\- e -\- e-\- . . . -\- e = <? [1 + e 4" ^4~ 
oder vermöge der Gleichung (A) 



• • 



xiq 

.+a ] 



(a?+l)tV/ 



«7 




«// 



£ 



£. 



Ä 



(cos p + isinp) [cos (a: + 1) q — 1 + zsin(a: + 1) q] 

cos q — 1 4-fcsin q 



und mit cos q 



1 



Ä 



-/siny Zähler und Nenner multiplicirt : 

(cos p + i sin 7?) (cos q — 1 — i sin «7) [cos (x + 1) q — 1 +i sin («r + 1) q\ 

(cos ^ — i) 8 +i sin 2 q 



s 



j-. 










■H 



■ > 









, 














60 



Marion Koller über die Berechnung 



Setzt man in dem Zähler dieses Bruches 



cos q 



1 



9\a 



2 (sin i)P f 



2 



so hat man 



(cos /> -j- / sin /)) (cos q 



1 



/ sin y) 



(cos/) -4-i sin/)) ( 



und wirklich multiplicirt : 

(cos /) -}- /sin/>) (cos y — 1 — i sin y) 



2 (sin ~) 2 cos /) 



2 / sin /) (sin -|-) 2 



<7a2 



*m 



2 (sin -t-y cos /) — 2 /sin /) (sin-|-) 3 — 2 /cos/) sin 



9 



2(sin-|-) 2 — Zsiny), 



2 



/ sin y cos /) -{- sin /) sin q 



<1 



2 



2 



cos^--j-2sin/)sin 



2- cos i 



2 sin 4- [sin/) cos ~ 



q 



2 



•*-s 



[sin (/) 






2 



cos /) sin -^ 



/ COS (/) 



/ (cos /) cos -^- -j- sin/) sin -—)] 



2 



# 



2 



)] 



Da ferner im obigen Werthe von & 



(cos q 



Vf-\-i sin 2 q 



2(1 



cos y) 



9 



4 (sin -*-)« , 



2 



so hat man 



S 



[sin (p 



£ 

2 



<7 



) — /cos (p—jr)] [cos (a; + 1) q — 1 + /sin (x + 1) y] 



2 



2 sin 4 



oder wenn man diesen Ausdruck in seinen reellen und seinen imaginären Theil sondert: 



S 



sin (p 



J) [cos (x + 1) q 



1] + cos (p 



f)sin(a: + l)<7 



2 sin 



£ 

2 



+«• 



sin (p — ^) sin (a? + 1) ^ — cos (p 



£ 

2 



)[C0s(a?+l)f— 1] 



Es ist aber: 



2 sin 



2 



il-J-JW 




sin (/) 



9 ) [cos (x -j- q) — 1] -f- cos (/) 1-) sin (x -\- 1) q 



2 



2 
















und 



sin(/) 



-J- ) cos (# + ?)-}- cos (/) 



2 



4\ • r 

y) sin (# 




1)0 



sin (/? 



1 



sin |>j -f- O -f- — ) (/] 



2 



sin (/> 



2 



■); 



sin (/) — (f) sin (# -4- 1) (f — cos (p 



2 



) [cos (a? -|- 1 ) y 



1] 



2 



) 











demnach 



sin (/) — q) sin (# -|- 1) q — cos (p 



cos (/) 



£ 
2 

*) — COS [/)-|- (#-}- — )y]; 



) cos (# -|- 1 ) y -|- cos (/) 



9 



2 



) 



2 



2 



4 



sin[p + (x + y) q\ — sin (p 



£ 

2 



) 



2 sin 



£ 

2 



;JS 



cos(p 



£ 

2 



) — cos[p + (a? + — )?] 



2 



2 sin 



£ 

2 



x=x 



mithin cos/) -j- cos (p-\-q) -j-. . .-|- cos (/)-j-^y) =S cos (/) -}- xq) 



sin [> + (ar + -5-) f] — sin (/> 



ir=o 



x=x 



und : sin /)-f-sin (/) -]- y)-J- ,..-{- sin (/) -|- xq) =S sin (/) -[- .ry ) 



cos(/) 



#=o 



2 



2 sin 



V 



4 ) 

2 J 



U — coslp + Qx + irg] 



2 



2 sin 



7 











periodischer Naturerscheinungen 



61 



8. Wenden wir diese bewiesenen Summenformeln auf die im §. 6 angeführten Gleichungen an, so 



haben wir zuerst: 



5 sin rmz —sin rz -f- sin 2rz -f- ..•-(- sin (n 



l)rz 



Aus der Gleichung (ß) hat man aber für q=rz und x—n — 1 : 



COS -ttTZ 



2 sin rmz 



cos (n 



) rz 



2 sin — rz 
& 



Da nun nach §. 6 



nz = 27r, also (n 



1 



2 



)* = 2t: 



mithin 



{n 



l 



-S-) rz=2rx 



rz 



2 



2 ' 



und da r immer eine ganze positive Zahl: 



cos (w 



1 . rz 

) r# = cos 



2 



so folgt 



2 ' 



5j sin rmz = 0. 



2 ? 



Aus der Formel (ß') hat man: 



v 



sin (n 



cos rmz 



2 



) rs + sin — rz 



2 



2 sin -— rz 
& 



also 



Es ist ferner 



sin (2m 



j 

2 



7*5) + sin — rs 



_1 

2 



2 sin — rz 
2 



S cos rmz = 0. 



S(sin nw) 2 = (sin rs) 2 +(sin 2rzf+. . . + [sin (w — 1) rzf. 



Nun ist bekanntlich 



(sin rz) 



(sin 2r#) 



1 

2 
1 
2 



1 
2 
1 



cos 2rz 



2 



cos 4r* 



[sin (n 



1 ) rs] 



1 



1 



2 



2 



cos 2 (n 



\)rz, 



demnacl 



5 (sin rmz) 



2 



1 
2 



[cos2r# -[- cos 4r#-j- ...-\-cos2(n — l) rz] 









Nach der Formel (a') ist aber für p=q=2rz 9 und p-^qx = 2 (ji—\)rz, 



auch 



1 



#=ra 



2, also auch (.r-j- — ) c/ = 2 (n 



3 



2 



2 



)rs, 






und 



1 



7>-|- (# + -*- )q = 2(n 



1 



2 



— -) r#=irrc — rz , da nz = 2 n 9 



2 



mithin 



cos 2 r# -{- cos 4r#-}~ . . . -j- cos 2 (w 



l)r# 



sin [4rrc — rs] — sin 7*3 



2 sin rz 



demnach 



S (sin rm#) 



2 



TZ 



2 



*+* 



71 



2 



2 



Eben so ist 



h 



S (cos rmzf= 1 + (cos r*) 2 -j- (cos 2rs) 2 -f- . . . -\- t cos 0* — * ) r *f ' 



- 








HM 



■m 



? 



i. 








62 



da nun 



Mari an Koller über die Berechnung 



(cos r#) 
(cos 2r#)' 



[cos (w — 1) rz\ 



so hat man durch Addition: 



1 i 1 o 

-f- — cos 2r# 



2 



2 



-|- -x- cos krz 



2 



2 



1 i 1 *c 
-\- — cos 2 (w 



2 



2 



l)rs, 




2 (cos rmz) 2 = 1 -| — 5 f- f 



oder 



£ (cos m#) 



1 + 



2 

n— 1 

2 



2 
2 



cos zr# -|- cos hrz -]-...-(- cos 2 (» 



n 
2 



l)r«] 






!"• 



















I 








































9. Es ist ferner bekanntlich : 



also 



sin rmz . sin pmz 
2 sin rm# . sin pm# 



1 

2 

1 



2 



. cos(r — p)mz 
2cos(r — p)mz 



1 

2 
2 



. cos (r -j- p) /ws , 
2 cos (r -}- p) mz. 



Nach dem im §. 8 Gezeigten ist aber 



2 cos (r—p) mz = 0, 2 cos (r-\-p)mz = Q 9 



also auch 



2 sin rwi# . sin pmz 



0. 



Eben so hat man sin rmz . cos pmz 



1 1 

• sin (r -\- p) mz -\- — . sin (r— p)wz. 



2 



2 



daher 



2 sin rmz . cos pm# 



1 1 

2 sin (r -j- p) /w# -(- — 2sin (r — p) w* 



2 



2 



oder wegen 



+p) 



0, 2sin(r — p)mz—0, 



auch 



Endlich ist 



cos rmz . cos pmz 



2 sin /ms . cos pmz=Q. 
— . cos (r-j- p) m# -{- — . cos(r 



p)mz 



und also 



2 cos rmz . cos pmz 



1 1 

2 cos (r-f- p) ms -j- — 2 cos(r — p)mz, 



2 



2 



oder wegen 



auch 



2cos(r-|-p)w#=Ö, 2 cos (r-{-p)mz=0, 

2 cos rm^ . cos pmz=Q. 



10. Nach diesen Erörterungen wollen wir 



kanntlich ist in allen m von m = bis m 
für die gesuchten Constanten: 



n 



§. 6. zurückkehren. Be- 
geben sich folgende Werthe 




? 






(V) 



a 



1 



a 



*i 



2 
2 



ti 



s 



6 



72 

2 



71 



( a 4" Ä l + Ä 2 + a 3+ + «a-l) 

[oi -|- a t COS Z -\- a % COS 2# -}- • • • -f" « n -l C0S 0& 

fo sin z -j- a 2 sin 2* -f- -}- « n _i sin (n 

[cc -J- «i cos 2z -j- «g cos 4« -|- . . . -f- « n _! cos 2 (» 

[«! sin 2* -f- « 2 sin 4s -j- -}- «^ sin 2 (» 



1)*] 



1)*] 



l\z] 



1)*] 




periodischer Naturerscheinungen 



63 



a 



2 



b 



und allgemein 



a 



b 



n 
2 
n 
2 
n 
2 



n 



[cc -\- a x cos 3z -j- a 2 COS 6# + . . . -|- Ä n-i cos iß 

[a t sin 3z -f- a 2 sin 6# -[- -[- a^_ t sin (/& 

[a -|- «j cos r# -J- a * cos ^ r ^ "h • • "f" Ä n-1 cos (* 
[a t sin rz -}- a 2 s* 11 2rs -|- -j- « n _ t sin (n 



l)3z\ 



1)3*] 



1 ) rz] 



I ) rz] 



11. In §. 4 wurde angenommen, dass die Beobachtungen der Grösse y in äquidistanten Zeit- 
intervallen angestellt wurden. Wäre dieses nicht der Fall, sondern sind Unterbrechungen vorhanden, 
d. h. wurden nicht zu allen dieser Reihe entsprechenden Zeitintervallen Beobachtungen gemacht, so 
lassen sich die fehlenden Werthe der Grösse y auf folgende Weise ergänzen. 

Es seien die fehlenden Werthe 



a h 9 a il a k • • * 



so bestehen die in §. 10 angeführten Ausdrücke für 

theils aus bekannten, theils aus unbekannten Gliedern. 

Bezeichnet man die Summe der bekannten a mit [a], die Summe der bekannten a in den Co- 
sinus oder Sinus des respectiven Vielfachen von z multiplicirt mit : 

\a cos z] , [a sin z] , [cc cos 2z] , [et sin 2z] u. s. f. , 



so hat man für die Constanten 



folge 
(VI) 



Cf • ^19 &"£ • • • *M 9 ™*i 9 ^3 • • • 



nde Gleichungen : 



a 



\ [M 



« 



*i 



a 2 



b 



n 
2 
n 
2 
n 
2 
n 
2 



n 



«h -j- «i 



Ä k 



+ •••] 




COS 5? 



] -|- a h cos ä# "h a i cos * z ~f~ a k cos &* -f- 

I [a sin z] -}- a h sin /«jzr -|- a s sin & -|- a k sin kz -j- 

I [a cos 2#] -}- * h cos 2Ä# -{- «i cos 2£t -j- a k cos 2A*# -|- . . 
\[a sin 2#] - 



a h sin 2A# -j- a i sin 2/# -|- a k sin 2kz -f- 



etc. etc. etc. 



Man hat ferner, nach §. 4, für a h , ^ , a k . . . die Gleichungen 



cc 



a 



*k 



-]- a x cos äjzt -(- 6 4 sin hz -j- « 2 cos 2A# -j- 6 2 s i n 2A# -f- 



• • 



+ 



1 rV 



-[- 6j sin iz 4- a 2 cos 2/ar -|~ ft 2 sin 2/# -|- 



• • 



4- cii cos kz 4- 6i sin &# -j - % cos 2Ä# -j- b z sin 2/t# -}- 



• • 



etc. etc. etc. 



Setzt man in diese Gleichungen die Werthe für 



CC 9 Cl\ 5 €1% • • • Öj5 1/39 



• • 



aus den Gleichungen (VI), so erhält man so viele Gleichungen zwischen den Unbekannten 



a h 9 a i? a k • • • 



■ 


















































■ 


• 




































? f, 



64 



Mari an Koller über die Berechnung 



und bekannten Grössen, als es derlei Unbekannte gibt, aus denen man die Werthe für 



OL 



h? 



a 



i ? 



Äi, . 



findet. Diese Werthe in die Gleichungen (VI) gesetzt, geben endlich die gesuchten Grössen 

12. Sind diese Constanten auf die nun gezeigte Art bestimmt, und will man y in der ursprüng- 
lichen Form seines mathematischen Ausdruckes darstellen , so hat man vermöge §. 3 : 



(VII.) tang v' 



tang v" 



tang v" r 



u 



a z 

#3 

s. f. 



Pi 



«1 



öl 



sin #' 



cos v' 



th 



ff 



th 



a 



sin v 

«3 



sin v'" 



b 



cos V 



// 



6 






cos V 



w 



In welchem Quadranten die Winkel v' f v", v 



in 



etc. zu nehmen seien, bestimmt der Umstand, dass 

' . . . immer 



man die Grössen p i9 p 2 , p 3 . . . immer positiv setzt, mithin die Sinus der Winkel #', t?" 9 v f " . . . 
das Zeichen der a, und ihre Cosinus das Zeichen der b haben müssen, wie aus den oben angeführten 
Gleichungen für p i9 p z , p 3 . . . erhellt. Kennt man aber die Zeichen des Sinus und Cosinus eines Win- 
kels, so ist auch der Quadrant bestimmt, in dem der Winkel zu nehmen ist. Sind einmal die Grössen 



Gleichung : 
(VIII.) . 



und die Winkel v', v" , v"' . . . gefunden, und setzt man 



2ir 

k 



z , so hat man für y die 



y 



a-\-p t sin [##-|- #'] -j- p 2 sin \x.2z -|- v"\ -\- p$ sin [x. 3z -{- v'"\ -}-••• 



13. Setzt man in der so eben für y entwickelten Formel statt x den Werth eines innerhalb des 
Umfanges der Periode liegenden Zeitmomentes, so erhält man den diesem Momente entsprechenden 
Werth von y. 

Wie genau der Ausdruck für y die numerischen Werthe der periodischen Erscheinung gibt, er- 
kennt man dadurch, dass man für die äquidista&ten Zeitmomente, für welche y durch Beobachtungen 
bekannt ist, die Werthe von y berechnet und ihre Unterschiede von den Daten der Beobachtungen 
sucht. Da die für y entwickelte Function in der Regel convergirt, so werden diese Differenzen desto 
kleiner, je mehr Glieder der Reihe für y man entwickelt, und die gewünschte Genauigkeit wird dann 
erreicht sein , wenn die Summe der übrig bleibenden Fehlerquadrate so klein geworden , dass man sie 
Fehlern der Beobachtung oder sonstigen Störungen der Regelmässigkeit zuschreiben darf. Man wird 
daher nach erfolgter Entwickelung von zwei oder drei Gliedern der Reihe y die Summe dieser Fehler- 
quadrate suchen und daraus erkennen, ob die Entwickelung eines nachfolgenden Gliedes der Reihe zur 
gewünschten Genauigkeit nothwendig sei oder nicht. 

Die Summe der übrigbleibenden Fehlerquadrate erhält man nun sehr einfach durch folgende Glei- 
chung , in welcher c , e t , s 2 , s 3 , . . . s n _ 1 die Fehler bezeichnen , die den Zeitmomenten 0,1, 2 , 
3,... n — 1 zukommen, und wo 



und 



["] 

hl 



e £ 



cca 



| £ 1 £ 1 "T" £ 2 S 2 • * * T" £n ~ 1 S n— 1 



ist. Die Gleichung für die Summe der Fehlerqaadrate ist 



M 



\a a\ 



na 



2 



n 
2 



. a 



n 
2 



2 



.« 



n 
2 



. cä 



n 



2 



.65 



n 
2 



. Ct, 



n 
2 



.« 



Die Richtigkeit dieses Ausdruckes erhellt aus Folgendem: 



RBB 



V 













T? 



\" 



periodischer Naturerscheinungen* 
Wir haben nach §. 4 für die verschiedenen Werthe von a die Gleichungen 



65 



OL 



O. 



O.» 



-|- a { cos z -j- bt sin 
-{- rt t cos 2z-\- b t sin 






-j- a 2 cos 2s -|- b> sin 2s: -j- 
s -j- a 2 cos 4s -)- b> sin 4s - 



u. s. f. 



mithin die übrig" bleibenden Fehler 



M 



-•> 



o. 



a 



t -|- a -]- a x cos z -\- b x sin * -}- a 2 cos 2# -)- 6 2 sin 2z -\-. . . 
2 -\- a -\- a t cos 2z -\- 6i sin 2s -}- a 2 cos 4s -j- b> sin 4s -|- , 

u. s. f., 



also 



£ P 



£ i £ i 



e 2 £ 2 



« 



a# 



a« 



i 



«AT; 



2#c 



4 • 



2 



2 

1 



9. 



a« 



2 



«iß 



oc«a 



ol y a Y cos 






a v b t sin s — a x a 2 cos 2s — a t b 2 sin 2; 






a 2 a t cos 2s — a^ sin 2s — a 2 a 2 cos 4s — e%fi a sin 4s 



• • 



mithin 



M 



[« «] 



a ( a-j- «i + a 2 + • • 

ß i ( a H~ a i cos z ~h a a cos 2s -J- . . •) 

öi («! sin s -j- a 2 sin 2s -J- . . .) 
a 2 (a -j- «i cos 2s 2 -|~ a 2 cos 4s -j- . . .) 
b 2 (äj sin 2s -j- a 2 sin 4s -j- . . .) 

u. s. f. ? 

oder die Werthe der innerhalb der Klammern eingeschlossenen Reihen aus §. 10 in diese Gleichung 
gesetzt : 



(IX) 



[« «1 



hl 



wa* 



w 



% 



a 



i 



2 



h\ 



n 
2 



a 



n 
2 



f7 2 



Nach diesem Ausdrucke kann man für die entwickelte Anzahl von Gliedern die Summe der Fehler- 
quadrate bestimmen, so wie auch die Verminderung angeben, welche diese Summe durch Hinzufü- 
gung eines neuen Gliedes der Reihe für y erleidet. 

14. Die am häufigsten vorkommenden Perioden sind jene, wo 



1) n 



24, also in der Gleichung (VIII) 



z 



2tc 



n 



15 und x = 0, 1, 2, 3... 23 



ist. Für diese Periode hat man zur Berechnung der Grösse na, a,, 
Gleichungen (V) §. 10, wenn man die in den Zeitmomenten : 
Grössen mit , I , II , III .. . XXIII bezeichnet : 



a. 



3 . . . b t , b z , b 3 . . . aus den 



1 , 2 , 3 . . • 23 beobachteten 



24 a 
12 a, 



+1 

(I -f- XXIII 

-}-(n + xxii 

4- (III -j- XXI 

-j- (iv -j- XX 

+ <> 



_|_ ii _[— III .. . _[— XXIII 

XIII) cos 1 5° 

XIV) cos 30° 



XIX 



XII. 



1 2 a. 




(" 

o 



XI 

X 

IX 

VIII 

VII 



XI 
X 
XII 



KO 



XV) cos 45 

XVI) cos 60° 



>^K.O 



XVII) cos 75 



XIII 



XXIII 



XIV -4- XXII 



VI 



XVIII 



12 6, 



V 



I\ 



T 



(I + 

+ 01 + 

+ (III 

+ (iv + 
+ <T + 

+ VI 



IX 



XIII 

XIV 

XV 

XVI 

XVII 



XXIII) sin 1 5' 
XXII) sin 30° 
XXI) sin 45° 
XX) sin 60° 
XIX) sin 75° 



XVIII. 



VII 
VIII 



XVII 
XVI 



XIX) cos 30° 

XX) cos 60° 



Denkschriften d. matliem. natunv. Cl. 



») 



















> 







()(> 




■^h 




Mar tan Koller über die Berechnimg 



1 2 b. 



(I _j_V -l-XIII -(-XVII 
_j_ (II _j- IV -j- XIV -f- XVI 

-j-HI 4- xv —IX 



VII 
VIII 



XI 
X 



XIX 




XXIII) sin 30° 
XXII) sin 60° 



XXI. 




1 2 a 



(I 4. VII -[-IX +XV -j- XVII -|- XXIII 



_|_0 -|- VIII 



XVI 



III 
IV 



V 

XII 



XI 
XX. 



XIII 



XIX 



XXI) cos 45° 



12 b 



(i _j_ in _|_ ix -f- xi -f. xvii 4- xix 



_l_n _|_x 4-xvm 



v 
vi 



VII 
XIV 



XIII 
XXII 



xv 



XXI 



XXIII) sin 45 



2) Für eine zweite oft vorkommende Periode ist # = 12, also # = 30°, und bezeichnet man die 

den äquidistanten Zeitmomenten 0, 1 , 2, 3... 11 entsprechenden Werthe der periodischen 
Grösse mit 0, I, II, III... XI, so hat man zur Bestimmung der Constanten die Gleichungen 






12« 

6a ä 

6 a 3 
6 b, 



04-14- 11 4- in 4-... 4- XI. 



(I 4- XI 

(I + V 

04- VI 



V 
VII 

III 



VII)cos30°4-(II4-X 



IV 
VIII 



XI) sin 3 0° -f- (II 4- IV 

ix 4- (i 4-v -j- vii 4- xi 



VIII) cos 60° 4- O 
X) sin 60° -j- III 



n 



IV 



VIII 



VI. 
IX. 

X) cos 60°. 



(i 4_ 11 4- vii 4- viii 

4- iv 4- viii — 11 

1 _j-v 4- ix —in 



IV 

vi 

VII 



v 
x. 

XI. 



x 



XI) sir- 60°. 



3) Endlich für eine dritte ebenfalls häufig vorkommende Periode ist n 
man ebenfalls für die äquidistanten Zeitmomente , 1,2, 3 . . 



Grössen mit O, I, II, III 



VII, so hat man 



8 a 



4- 1 4- 11 4- III ... 4- VII. 



4a, = — IV 4- (I 4- VII 
4& 1= H — VI -f- (I -|- III 



III 
V 



V) cos 45°. 
VII) sin 45° 



4a 2 

4 « 3 
46, 



4- IV 

1 4-v 



11 
in 



vi. 

VII. 




VI 



IV 4- (III 4- V 

11 _j_(i _j_ni 



1 
v 



VII) cos 4 5°. 
VII) sin 45°. 



8, also z 



45°. Bezeichnet 
7 die ihnen entsprechenden 



j. 



■ 







I 















15. Um ein numerisches Beispiel dieser Berechnungsweise zu geben, wollen wir den mathema- 
tischen Ausdruck für die monatlichen Schwankungen des Luftdruckes aus den Daten mehrjähriger an 
der Sternwarte in Kremsmünster angestellten Beobachtungen suchen. Die Beobachtungen geben die 
Schwankungen des Luftdruckes in den einzelnen Monaten des Jahres, wie folgt: 



Jänner 0.966 
Februar 0.971 



März 
April 



0.912 
0.809 



Mai 

Juni 
Juli 



0.'691 

0.574 
0.509 



August 0.550 



September 0.670 

October 0.801 

November . 886 

December 0.921 



Diese Zahlen sind Pariser Zolle. Aus diesen Daten hat man 



• 



12a 



9 '.'260, also a = 0'.'7717. 


















- 









periodischer Naturerscheinungen. 



07 



Kerner : 



1^-XI — V — VII = 0.768; 

log 0.768 = 9.885361 



log cos 30° 



0.768 cos 30° 







VI 



6«, 



9.937531 

9 . 822892 

0.665108 



0.437 cos 60° = 0.218500 



0.457000 
1.340608 



II -[- X — IV — VIII =0.437 



log 0.437 

log cos 60° = 9 



9.640481 
698970 



. 9.349451 



I + V 



VI 



log 0.074 

log sin 30° 



XI 



0.074; 



8.869232 
9.698970 
8.568202 



II 4- IV — VIII— X = 0.046 
log 0.046 = 8.662758 



log sin 60° 



9.937531 
8.600289 



0.074. sin 30° = 0.037000 
0. 046. sin 60° = 0.039837 



III — IX 
6&, 



. 008000 
Ö7Ö84837. 



i _j_ v 4- vn -f xi 

1 _j_ n 4- VII -j- VIII 



II 

IV 



IV 
V 



VIII 
X 



X 
XI 



0. 144 
+ 0.031 



log 



0.144 



log cos 60° 



9.158362, 
9 . 698970 



8.857332 



n 



log 0.031 = 8.491362 
log sin 60° = 9.937531 

log 66 2 = 8 . 428893 



0. 144 cos 60° 



0-)-VI 



III — IX 

6 «9 



0.072 
0.135 



. 207 



Berechnen wir nun die Grössen p if v' , p 2 , v" , so haben wir 

log 6a, 

log 6ö t 

log tang v' 



v' 



log sin v' 

log cos v' = 8.800416 



0.127301 

8.928585 
1.198716 


log 6% - 

log 66, = 

log tang v" - 


m 9.315970 n 
-8.428893 
- . 887077 n 


86° 22' 44"4 


v" - 


= 277° 23' 23 "1 


9.999132 


loc sin v" - 


- 9 . 996378„ 



log COS V 



ff 



9.109301 



log 6;; 4 
log 6 

log />! 



.128169 
0.778151 
9.350018 



log 6/> 2 = 9.319592 
log 6 = 0.778151 

"8 7541441 



losr p 2 



Bezeichnet man demnach die dem Monate mit dem Index x entsprechende Schwankung des Luft- 
druckes mit y x , so hat man 



y 



"7717-^9.350018 sin |30°.r -f- 86°22'7] 

-1-8.541441 sin [60°x-\- 277° 23' 4] 



9 



# 






. 







-■ — 



















1 






68 



Mari an Koller über die Berechnung 

In dieser Gleichung sind die mit einer Querlinie überzogenen Zahlen Logarithmen. 
Un 



[1 zu 



sehen, mit welcher Genauigkeit dieser Ausdruck die Werthe von y darstellt, wollen wir 



nach §♦ 13 Gleichung (IX) die Summe der übrigbleibenden Fehlerquadrate suchen. 



Man findet nun 



na^-\-^-a\-\-~b\-\- 



2 



2 



n 
2 



mithin 



[a«] = 7. 454498 
al-\-£bl=7. 453630, 

[s £ ] = 0.000868. 



Da die Scale des Barometers, das zu diesen Beobachtungen verwendet wurde, mittelst des Nonius 
0.01 gibt, und man demnach die Hälfte davon, oder 0.005 noch gut schätzen kann, so wird der 
mögliche Beobachtungsfehler, in so ferne er von der Lesung abhängt, nicht 01002 oder 0!003 über- 
steigen. 

Nimmt man ihn 0"0025 , so dass jede Beobachtung um diese Grösse fehlerhaft wäre, so ist die 

Summe dieser Fehlerquadrate 0' 000072. Es muss daher das sich durch den Ausdruck von y erge- 



Wird 



y entwickelt, so hat man nach §.14 



demnach 



6 a 3 

6Ö3 



+ IV-j-VIII— II 

i-j-v-j-ix 



VI— X=0.02 



III— VII— XI = 0.066 



* 



log 6a 
log 66 



8.301030 
8.819544 



log tang t>'" = 9. 481486 



v 



in 



16*51' 30" 2 














I 
















log sin t?'" = 9. 462409 
log cos t?"' = 9. 980923 






log 6/^=8.838621 
log 6=0. 778151 

log fh 



8.060470 



Man findet nun 



n 
2 



.«!+- 



n 

2 



früher war 



M= 0.000793 



[«] = 0.000868, 



mithin die übrig bleibende Summe der Fehlerquadrate . 000075, 
mit welcher Schärfe man sich begnügen kann. 



Wir 



(X) 



y 



0"7717 -1- 9 . 350018 sin (30? ä-)- 86° 22' 7) 



-j-8.541441 sin (60? a? + 277° 23' 4) 
-f 8.060470 sin (90° x -\- 1 6° 5 V 5). 

16. Die so eben gefundene Formel für y kann noch zweckmässiger ausgedrückt werden. 

Bei Zeiteinheiten (hier Monate) , die selbst ein Complex kleinerer Intervalle (hier Tage) sind , er- 
hält man die Daten der Beobachtungen, die in Rechnung genommen werden (nämlich die numerische 
Grösse der periodischen Erscheinung, die den respectiven höhern Zeiteinheiten entspricht), indem man 






\ 










■">*fc* 









. 



periodischer Naturerscheinungen. 



69 



das Mittel der in den kleineren Zeiteinheiten angestellten Beobachtungen nimmt. Diese Mittel entspre- 
chen demnach nicht dem Anfange, sondern der Mitte der höhern Zeiteinheit (hier der Mitte des 

Monates). 

Unsere oben entwickelte Formel schliesst also die Voraussetzung ein, dass das Jahr mit 15. Jänner 

beginnt. Will man das Jahr wie gewöhnlich mit dem 1. Jänner anfangen, so muss jedes x um j (da 
man nämlich jeden Monat von 30 Tagen nimmt) vermehrt, und die Winkel v' 9 v", *'", damit die Werthe 
von y x unverändert bleiben, um 15°, 30°, 45° vermindert werden, so dass man hat 



(XI) 



1 



.'/ 



'.' 7717 -j- 9 . 3500 1 8 sin [30° {x -\- ~) 

1 



71° 22 7] 



+ 8. 541441 sin [60° (#+-£-) + 247° 23' 4] 



1 



+ 8.060470 sin [90° (^+y ) + 331 ° 5151, 

17. Der mathematische Ausdruck einer periodischen Naturerscheinung setzt uns auch in den Stand 
die Zeiten zu bestimmen, zu welchen dieselbe in ihrem Maximum, Minimum oder in ihrer mittleren 
Grösse stattfindet. Wir wollen zu diesem Zwecke die Formel (VIII) berücksichtigen. 

Soll y ein Maximum oder Minimum werden, so muss der Differenzialquotient von y, in Beziehung 

auf x genommen , gleich Null sein , oder 
Ausdruck für ?/, so hat man 



— = 0. Differenziirt man wirklich den oben angeführten 



i\x 



p t z cos [xz -f- v] -\- 2p % z cos [x.2z -f- v"] -\- 3/> 3 # cos [x . 3* ~\- v'"] -f- . . . , 



mithin die Bedingsgieichung für die Maxima und Minima der Function y 



(XII) 



0=;^ [cos xz 4- v] + 2p 2 cos [x . 2z -\- v"\ -f- 3/; 3 cos [x . dz -\- v"] -\- . . . 



Die Auflösung dieser Gleichung, nämlich die Bestimmung von x, welches einem Maximum oder 
Minimum entspricht, geschieht am einfachsten nach der sogenannten indirecten Methode, welche wir 
hier der Vollständigkeit wegen näher betrachten und begründen wollen. 

18. Schon aus dem Gange der Erscheinung, wie ihn die unmittelbaren Beobachtungen geben, 
sieht man, zwischen welche zwei Werthe von x der Formel (VIII) ein Wendepunct der Erscheinung, 
rnpksiphtlich ihror nnmpriVhan firnssa. fällt. Für diese beiden Werthe von x* welche ich 



x 



c und x = c f 



setzen will, berechnet man den Werth der Gleichung (XII). Wird für einen der beiden Werthe von x, 
z. B. für x = c, diese Gleichung gleich Null gefunden, so ist c der gesuchte genaue Werth des Zeit- 
momentes x für den fraglichen Wendepunct. 

Findet man aber für x = c den Werth dieser Gleichung gleich rif, und für 



x = c f 



?? 



?? 



?? 



?? 



5? 



d', so ist der Werth von a?, der 



dem Wendepuncte entspricht 



(XIII) 



X 



d — d! 



d(cf—c) 



d — d 



'i 



c + 



d (c — cQ 
df — d 



In der Becel findet man durch diese Rechnuno: den Werth von x schon in der ersten Decimale 
genau. Will man die Annäherung noch weiter treiben, so nehme man das so gefundene x für eines 
der obigen c, welches dann mit dem zweiten c verbunden, einen noch mehr genäherten Werth von 
x gibt, u. s. f. Der Grund dieser Methode beruht auf folgender Betrachtung: 
















!lj 








> 









70 



Mar tan Koller über die Berechnimg 









Den §.17 gefundenen Ausdruck 

p t cos [xz -\-v] -}- 2/? 2 cos [x . 2z -}- v f '] -j- 3/? 3 cos [a? . 3# -|- #'" ]-}-..., 

den ich gleich ^ setzen will, kann man in der ersten Annäherung als eine lineare Function von x 
betrachten , 




und 

setzen, da nun für x 
und für x = c' : 
so hat man 



und daher 



und 



mithin auch 



y 
y 



B 



A-\-Bx 

d 



y=d' 

d=A-\-Bc 
d' = A-\-Bc 
d'—d=B[c—c] 



d 



d 



c' 



A= d—Bc 



c'd — d r c 
















i 









Für y=o hat man daher 



x 



A 



cd 



c'd 



B 



d 



d 



oder 



x 



c + 



d(c — c') 



den oben angeführten Ausdruck. 



d 



d 



Anmerkung. Diese Annäherungsformel kann auch auf folgende Art gerechtfertigt werden 
Ist y eine Function von a?, und setzt man in selbe für x die Werthe 



c' 



so hat man bekanntlich 



X -j- Uf 9 



Y=y + (c 



X) 



3 



also 



F'-y-Kc'-s) 



F 



y = (c 



x) 



dx « 1.2 

dy . (c f — a?) 3 

~dx ' 1.2 



F'— y = (c'— a?) 



1.2 

■ 

ffy I (g — J?) 

dar"* 1.8 



3 



dx 






• ? 



£ -4- 

3 ~ ' * 



I 



ä ~t~ * * 



Für unseren hier besprochenen Fall ist 



Y 
Y' 



demnach 



d 



y 
y 

(e 



d 

d' und y — ; 



d' = (c 



•>•£ + 



«fa? 



1.2 ' d^ 3 " 
(V— x) z d 2 y 

rfo? 



1.2 



3 



+ • 
+ • 



• • 



Da c — x und c' 



x oder 10 und t# 



1 



kleine Grössen sind, so kann man bei der ersten Annähe- 



rung die Glieder der Ausdrücke für d und d', welche höhere Potenzen dieser Grössen enthalten , weg- 
lassen, so dass man demnach hat: 






d =(c — x). 



d = {c'—x). 



dy 
dx 
dy 
dx' 



,.-» 




























L 



- 






periodischer Naturerscheinungen» 



71 



also aucl 



d 



\ 



d 



c — x 



X 



x(d'—d) = cd' — c'd 



und 



cd 



cd 



X 



d 



d 



oder 



x 



. d(c—c f ) 
c i d'-d 



d(c—c) 
d—d' 



19. Wendet man diesen allgemeinen Ausdruck (XIII) auf unser Beispiel an, so haben wir zur Be- 
stimmung der Zeiten der Maxima und Minima der Luftschwankungen folgende Gleichung: 



1 



= 9. 350018 cos [30° (x-\-^) 

1 



71°22 7] 



-[-8.842471 cos [60° (#-f--f ) + 247°23' 4] 



1 



-1-8. 537591 cos [90° (o? 4--^-) + 331° 51' 5] 



% 



Die 



im 



§. 15 



des Jahres 
nach §.18: 



zeigen , 



angeführten Werthc der Schwankungen des Luftdruckes in den einzelnen Monaten 
dass das Maximum derselhen innerhalb Jänner und Februar fällt; wir haben daher 







e'-l, 



und wenn wir, was hier genügt, bloss Logarithmen mit 5 Dccimalen gebrauchen, so haben wir für 



x 



0: 



log cos 86° 22 '7=8. 80050 

9.35002 



log cos 277° 23' 4 = 9. 10932 

8.84247 



8.15052 






7.95179 



loa: cos 16° 51 5=9.98092 

8.53759 



8.51851 



mithin 



Die diesen Logarithmen entsprechenden Zahlen sind 



0.01444 
0.00895 
0.03300, 

d=-\- 0.05639 



Ferner ist für 



x = c =1 : 



logll6°22'7 



9.64767 
9.35002 



8.99769 



Jl 



log cos 337° 23 4=9.96527 

8.84247 



8 . 80774 



log cos 106°51 5=9. 46241 

8.53759 



8.00000 











^■n 






72 



Mari an Koller über die Berechnung 



i 



und die entsprechenden Zahlen 



mithin 



d 



f 



0.09947 
-[-0.06423 
+ 0.01000, 

0.04524. 



* 









m 











Aus diesen Daten erhält man die Gleichung (XIII) 



Will 



#=0.554 

so hat man 



0.554 



4 



1.000. 



Damit findet man 



<*=-+- 0.00858 



und früher fanden wir 



d 



i 



0.04524 



im 



ithin 



d—d' = + 0.05382 



•> 



und daher 

■ 

da nun 

so ist in zweiter Annäherung 



d(c—c) 
d—d'~ 



0.071; 



c = -j-0.55i 



#=0.625 = 0.62 



Da man den Monat zu 30 Tage rechnet, so ist 

. 62 Jänner = 18.6 Jänner. 

Indem aber nach dem (§. 16) Gesagten x mit der Mitte des Monats 
15 Tage dazugefügt werden, um die Tage vom 1. Monatstage angefangen zu 
das Maximum der Schwankungen des Luftdruckes auf 

Jänner 33.6 oder Februar 3.6. 



beginnt , 
erhalten, 



•• 



so müssen 
mithin fällt 



1 



Ebenso sieht man aus den in §. 15 angeführten Schwankungen des Luftdruckes, dass ein 
Minimum zwischen x = 6 und x = 7 fällt. 

Auf dem so eben gezeigten Wege findet man nun 



x 



6.19. 



Setzt man die Annäherung fort, indem man 






6.19 und c'=6 



annimmt, so erhält man 



# = 6.189 



6.19. 



Demnach fällt das Minimum der Luftschwankung auf Juli 20 . 7. 



Werden die den Wendenunkten entsnrechenden Wert! 



x 



. 62 und x 



6.19 



(XI) 



• • 



20. Aus der Gleichung (VIII) erhält man auch die Grösse des Mitt 
der periodischen Erscheinung, und die Zeit, aufweiche dieses Mittel fällt. 



Wer 



Es kann nämlich leicht gezeigt werden, dass das arithmetische Mittel aller, durch diese Gleichung 
denen Werthe von v dem ersten Glied e a derselben crleieb sei. 



■ 
















I 






. 









p eriodisch er Na turersch e inungen . 



4 t> 



Denn die Gleichung für y besteht ausser der Grösse a aus einer Reihe von Gliedern, deren jedes 



2* 



oder ein 



das Product einer constanten Grösse in einen Factor von der Form sin [fl-f"^]? wo (/ = 

Vielfaches dieser Grösse ist. 

Bei der Entwicklung der einzelnen Wcrthe von y wird in jedem Gliede dieser Reihe x von 
x = bis x — 1 genommen, so dass man für die Summe aller y hat 



x=x~ 1 



x=x— 1 



x=x— 1 



V 



y—x . a 4-pi S sin (v' -|- t/x) -\- p> 2 sin (*" -j- 2yo?) -j-/> 3 S sin (t?'"-J- 3f/#) -j- . . . 



;r=0 



x=o 



x=o 



Es ist aber für was immer für eine ganze Zahl m 



x=x—l 



S sin (v 4- mr/^r) = 0. wenn 



;r=o 



2 TT 



# 



r/ oder (/x = 2t: 



Denn nach §. 7 ist 



Da nun 



.r=.T— 1 



£ sin (t* 4- mr/x) 



cos (i? 






-) — cos [v + (x — ^) m( /l 



a*=o 



2 sin 



mq 



1 



xq*s*2x 9 fnxq=2mn, also (# — ^mq=2mx 



2 



mq 



mithin 



und 



t? -}- (a? 



1 

2 



)mq=2m7t-\-(v 



2 






) 



cos [v -f- (# — — )my]=eos(v ^), 



2 



so folgt 



Daher ist 



und daher 



x=x — 1 



£ sin (t? -|- my#) = 



x=o 



Hy=x.a. 



mithin a dem arithmetischen Mittel der Werthe von y gleich. 

Aus dem Gesagten erhellt, dass zur Bestimmung der Zeit, wo die periodische Erscheinung ihren 
mittleren Werth hat, die Gleichung führt 



oder 
(XIV) . 



a = a-\-p t sin {p* -\-&.z)-\-p % sin {v" -\- x .2z) -\- p z sin {p'" -\-x^z)-\- . 



0=/> t sin(V 



x . z) -\-p% sin (v " -\-x. 2z) -\-p$ s * n iP'" + x • 3#) 4- . ■ 



21. Um auch diese Bestimmung in unserem Beispiele zu erläutern, haben wir aus der Gleichung 
(XI) §.16 zur Auffindung der Zeit der mittleren Schwankungen des Luftdruckes die Gleichung 

1 



(XV) ...... 0=9. 350018. sin [30°(^+y)+ 71°22'7] 

1 



-l-8.5il441.sin[60 GT4-~) + 247 23'41 



2 
1 



-|- 8. 060470. sin [90° (# + ~) + 331°51 5] 



2 



Die Auflösung dieser Gleichung geschieht mittelst der indirecten Methode auf die im §.18 



gezeigte Art. 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



10 















E 





























■ 






. '. 





■ 



— 




I 









74 



Aus den im §. 15 angeführten Beobachtungsdaten für y sieht man, dass die mittleren Wert he die- 



ser Grösse zwischen 



x—3 und x—k 









und ferner zwischen 



x=8 und # = 9 






fallen werden, und man findet, wenn man 



3 und 



/ 



4 



setzt, bei der ersten Annäherung: 



# = 3.17 



und bei der zweiten 



X Ö » O/w. 



mithin fällt der mittlere Luftdruck auf 



Eben so hat man für 



April 24.6 



c = 9 und c' = 8 



bei der ersten Annäherung 



x 



8.65 



und bei der zweiten 



#=8.70, 



mithin die Zeit, auf welche ebenfalls die mittlere Schwankung des Luftdruckes während des Jahres fällt 

October 6.0. 



F 







I 



75 



lieber 



Aufnahme von Farbestoffen bei Pflanzen, 



Von Dr. F. Unirer, 



wirklichem MitjHiede der kaiserl. Akademie der Wissenschaften 



(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 25. Mai 1848.) 



In der königlichen Akademie der Wissenschaften in Paris wurde vor mehreren Jahren eines Versuches 
Erwähnung- gethan , der nicht ohne Bedeutung für die Pflanzenphysiologie schien. Er hetraf die Färbung 
weissblütiger Hyacinthen durch den rothen Saft der Kermesheere (Phytolacca decandra Lin.) der 
denselhen zur Aufsaugung dargehothen wurde. 

Bald nachdem mir von diesem Versuche eine Nachricht zukam , liess ich es mir . obgleich unbe- 



\ 



kannt mit dem Detail desselben und den näheren Bedingungen , die auf das Gelingen von Einfluss seyi 
mochten , angelegen seyn , denselhen zu wiederholen. Es wurde im Herbste eine grössere Menge von 
Kermesbceren gesammelt , 



den Winter hindurch an einem trockenen Orte aufbewahrt und im darauf 



folgenden März, als die Hyacinthen zu blühen anfingen, mit Zusatz von Wasser ausgepresst. Mit dem 
auf diese Weise erhaltenen dunkelrothen Saft wurden einige in Töpfen gezogene weissblühende Hyacin- 
then nach vorhergegangenem Trockenhalten zu wiederholten Malen genügend befeuchtet. Das Resultat 
war jedoch der Vermuthung nicht günstig, die weissen Blüthen der Hyacinthen nach wie vor unverändert, 
nur welkten sie etwas früher als sonst. 

So blieb ich demnach in Zweifel, ob die rothe Färbung bei den in Paris angestellten Versuchen in 
der That einer Aufnahme des Farbestoffes der Kermesbeere zuzuschreiben sei, obgleich ich die Möglich- 
keit in gewisser Beziehung nicht abzustreiten vermochte. Ich liess nun die Sache einige Jahre liegen, 
ohne dass ich weder von dieser noch von irgend einer andern Seite über diesen Gegenstand etwas Näheres 
in Erfahrung bringen konnte. 

Mit Beginn des Vorfrühlings dieses Jahres (1848) tauchte das Verlangen, hierüber ins Reine zu 
kommen, neuerdings in mir auf, und ich entschloss mich alsbald, jene Versuche etwas modilicirt zu 
wiederholen. Ich hatte freilich nicht für Kcrnicsbecren gesorgt, doch glaubte ich in Zuckerbäckereien und 
Apotheken die nöthige Quantität vielleicht auftreiben zu können. 

Zwar fand ich zu dieser Jahreszeit keine Früchte mehr, jedoch den im Herbste ausgepressten 
und in wohlverschlossencn Gelassen aufbewahrten Saft derselben, von dem ich mir sogleich ein hin- 
längliches Quantum verschaffte. 

Der Saft, mit dem ich nun folgende Versuche anstellte, war zwar von schöner dunkelrother Farbe, 
jedoch nicht mehr geruch- und geschmacklos, sondern roch nach Eröffnung des Gelasses säuerlich und 
hatte auch einen säuerlichen Geschmack. Auf Lacmuspapicr reagirte er natürlich sehr deutlich sauer. 
Obgleich dieser Umstand, dass der Kermessaft schon zum Theil in sauere Gährung überging, ein nicht 
ganz günstiges Resultat des Versuches zu erwarten berechtigte , liess ich mich dennoch davon nicht 
abhalten. 



10 



•:-■ 




■■i 










' 



1 













76 



F. Unger über Auf nähme 






* ■ 







- 



Es wurde am 24. Februar eine in einem gewöhnlichen Gartentopfe befindliche weissblühende Hya- 
cinthe, an der sich etwa 25 Blüthen befanden, und von denen nur die obersten noch nicht vollkom- 
men entwickelt waren, ausgewählt. Der nicht ganz kleine Topf wurde am genannten Tage Mittags in 
ein flaches Gefäss (Tränker) gestellt, und dasselbe mit ungefähr 3 Unzen des zu % m it Wasser ver- 
dünnten Saftes der Kermesbeere angefüllt. 

Schon bis 5 Uhr Nachmittags war die ganze Flüssigkeit des Tränkers durch den in ihm befind- 
lichen Topf aufgenommen, die Erde dadurch feuchter geworden, aber weder an den Blättern noch an 
den Blüthen der Hyacinthe irgend eine Veränderung eingetreten. — Die aufgesogene Menge wurde 
durch eine gleiche Menge desselben Saftes wieder ersetzt. 

Am folgenden Tage, d. i. am 25. Februar, Morgens war wiederum alle aufgesogen; die Erde 
des Topfes noch etwas feuchter geworden, zugleich aber eine nicht ganz undeutliche Spur einer rothen 
Färbung des Perigoniums der Blüthen wahrzunehmen. Diese Röthung erschien bei näherer Betrachtung 
nicht über das ganze Perigonium verbreitet, sondern nur als sechs der Länge nach durch die Mitte 
der Lappen desselben verlaufende Streifen. Bis Mittag war die Röthung um vieles deutlicher geworden. 
Die erwähnten Streifen in der Mitte der Lappen waren nun breiter und dunkler, besonders an den 
untersten Blüthen der Traube, obgleich auch die obern Blüthen nicht ohne Färbung erschienen. Um 
dieses einigermassen zu versinnlichen , füge ich hier unter Fig. 1 Taf. V. eine Abbildung dieses ersten 
Zustandes der Färbung bei. 

Da bis zu dieser Zeit der Tränker wieder leer geworden war, so wurde dieselbe Quantität der 
gefärbten Flüssigkeit neuerdings zum Aufsaugen dargebothen, und als diess am Abend desselben Tages 
schon vollendet war, durch eine wiederholte Darreichung von 3 Unzen rother Kermesflüssigkeit ersetzt. 
Durch diese bedeutende Quantität von Flüssigkeit, die in so kurzer Zeit zur Tränkung der Pflanze 
verwendet wurde , gelang es endlich , die Erde , in der dieselbe stand , so zu durchnässen , dass die 
Aufnahme von Flüssigkeit auf einige Zeit stille stand. Indess trat bis zum Abend die Färbung der 
Blüthen immer deutlicher hervor, auch gewahrte man jetzt am Schafte und an der Spitze der Blätter 
mittelst der Loupe eine beginnende Röthung. 

Am darauffolgenden Tage, d. i. am 26. Februar, Mittags war die rothe Farbe der die Lappen 
des Perigoniums durchziehenden Streifen noch um vieles intensiver (Fig. 2), ja es hatte sogar den An- 
schein , als ob das ganze Perigonium schwach rosenroth gefärbt wäre, wenn man den Gegenstand auch 
nicht über die normale Seheweite entfernte. Bei genauerer Untersuchung aber durch ein Vergrösserungs- 
glas gab es sich ganz sicher zu erkennen, dass zwar die Lappen des Perigoniums so wie dessen Röhre 
mit rothen Streifen durchzogen waren, dass aber namentlich der Rand der ersteren sich durchaus 
nicht von der ursprünglich weissen Farbe entfernte. Eine nebenstehende ungefärbte weissblühende Hya- 
cinthe , welche damit verglichen wurde , setzte diess ausser allen Zweifel. 

Die bis zu dieser Zeit wieder vollständig aufgesogene Flüssigkeit des Tränkers wurde in gleicher 
Menge und Beschaffenheit neuerdings ersetzt. 

Bis 5 Uhr Nachmittags war wieder alles aufgenommen. Erst jetzt traten Spuren der Verminde- 
rung des natürlichen Turgors der Blüthen hervor, obgleich weder diese, noch Blätter und Schaft nicht 
im mindesten schlaff wurden; die obersten Blüthenknospen hatten sich jetzt sogar erst ganz entfaltet. 

Noch an demselben Abend erhielt die Pflanze den Rest von 2 Unzen Kermesbeerensaft, diessmal 



aber nicht mit Wasser verdünnt, so dass sie, oder vielmehr der Topf, in dem sie sich befand, im 
Ganzen 5 Unzen aufgenommen hatte. 

Aber schon am Morgen des folgenden Tages, d. i. den 27. Februar, war beinahe die ganze 



dem Tränker verschwunden. 



Die Röthung 



des 



Perigoniums war 



Menge des gefärbten Saftes aus 

jetzt um so mehr auffallend, als nun auch der Tubus desselben sechs deutliche rothe Streifen gewahr 

werden liess* 






fr 













— 






■ 









von Farbestoffen bei Pflanzen 



77 



Ausserdem bemerkte man auch noch am Grunde der Blätter, wo wegen geringerer Anhäufung 
des Chlorophylls alles durchsichtiger erschien, nach dem Verlaufe der Gefässhündel nicht undeutliche 
rothe Striemen. Auch jetzt verlor die Pflanze noch kaum etwas von ihrem gesunden Aussehen, alle 
Theile blieben beinahe so straff wie früher, und eben so war auch der Duft der Blumen Abends und 
Morgens nicht minder intensiv als sonst. Die Farbenveränderung, welche die Blüthe nunmehr erfuhr, 
ist Fig. 3 so treu als möglich dargestellt. Es 

Obgleich am 28. Februar Morgens die zuletzt mitgetheilte Farbeflüssigkeit noch nicht vollständig auf- 

so bemerkte man dennoch die Ilöthung der Blüthen um vieles intensiver, dabei hatte die 
Pflanze jedoch keineswegs an Frische verloren. Fig. 4 stellt diese Periode dar. Alles was früher nur 



war nun der vierte Tag des Versuches herangerückt. 



gezehrt war 



? 



schwach, nach und nach aber immer deutlicher ausgeprägt wurde, stand jetzt auf dem Gipfel der Er- 
scheinung und hatte das vollständigste Gepräge erhalten. Eine stärkere Verfärbung der Pflanze war 

erwarten und fand auch nicht mehr statt. Am 29. Februar Morgens war alle Flüs- 



kaum mehr zu 

sigkeit des Tränkers aufgesogen, aber die Färbung des Perigoniums erhielt keinen Zuwachs, im Gcgen- 

theile hatte die Pflanze, namentlich aber die Blätter, einiges von ihrem früheren Turgor eingebüsst. 

Am 1. März wurde die Erde, in der die Pflanze stand, da ihre Feuchtigkeit bedeutend vermin- 
dert war, mit gewöhnlichem Wasser begossen. Das Bild, welches die Pflanze nun darboth , war fol- 
gendes: Die Blüthen schienen etwas welk, was jedoch nur daher rührte, dass das Blauroth der Ker- 
mesfarbe in ein Schmutzigroth überging. Die Intensität der Farbe blieb fast unverändert. Die Spitzen 

der Blätter fingen an zu vergilben. 

Am 3. März. Die Färbung der Blüthen wie früher, nur deutlich braunroth; die Perigonien merk- 
lich schlaif, ihre Bohren und Lappen, besonders der untersten Blüthen, zusammengeschrumpft und 
runzelig. Die Blätter an der Spitze gelb und welk. Zur Erfrischung wurde neuerdings eine massige 
Quantität Wasser dargereicht. 



Am 4. März Morgens keine weitere Veränderung', 



ausser dem Fortschritt des Verwelkens der 
Blüthen und selbst des oberen Endes des Blüthenschaftes. Die Blätter , noch aufrecht stehend und bei- 



nahe bis an die Spitze frisch. 



Jetzt wurde die Pflanze behutsam aus der Erde gehoben dadurch, 



dass der Topf umgestürzt ward. Es zeigte sich die eine Hälfte der Zwiebel durch Fäulniss zerstört, 
an der andern frischen Hälfte hingen noch 8 — 10 wohlerhaltene Wurzeln. Diese letzteren zeigten 
durchaus keine Spur von Färbung. Nachdem die Zwiebel selbst der Länge nach auseinander geschnit- 
ten wurde, sah man, dass sowohl der Zwiebelkuchen nebst den daran befindlichen Knospen stellen- 
weise geröthet, als dass die Zwiebelhäute von senkrecht verlaufenden Streifen durchzogen waren. Hie- 
bei konnte nicht übersehen werden, dass gerade dort, wo die Zwiebel verletzt war, die rothe Fär- 
bung schon in einiger Entfernung verschwand. 

So weit die Verfolgung der Erscheinungen der Färbung, welche die zum Versuche gewählte Hya- 
cinthe nach und nach dem freien Auge zur Beobachtung darboth. Ueberblicken wir dieselben noch 
einmal, und vergleichen sie unter einander, so ergibt sich hieraus als unzweifelhaft, dass in dem gan- 



zen Gange der Färbung 



der Pflanze die Gefässbündel die Hauptrolle spielen, und dass das übrige 



Parenchym der Pflanze, obgleich an Masse die sparsam vertheilten Gefässbündel weit übertreffend, 



hieran wenig oder gar keinen Antheil nahm. 



Es stellte sich ferner, bei Berücksichtigung der statt- 



gefundenen Umstände , so wie der den Gelassbünden zukommenden Structur - Verhältnisse als wahr- 
scheinlich heraus, dass an dem ganzen Vorgange die Spiralgefässe am meisten betheiliget, und so- 
bald diess der Fall ist, die Aufnahme der gefärbten Flüssigkeit nur mehr passive als active genannt 
werden müsse. 

Diese Folgerung, die so wichtig schien, als irgend ein Corollarium eines mathematischen Satzes, 
Hess indess noch anderen Vcrmuthungen Baum , die auf die Art und Weise der Ernährung: der Ge- 
wächse im Allgemeinen , ein neues Licht zu werfen versprechen. 







■ 



I» 









I 























































78 



F. Unger über Aufnahme 

Wie ganz anders gestaltete sich die Sache jedoch, als das anatomische Messer in Verbindung mit 

welche bei 



eme 



ntar- Organe 



dem Mikroskope sich des Gegenstandes bemeisterte. Nicht nur, dass die El 
diesem Färbungsvorgange intervenirten , auf das bestimmteste nachgewiesen und bezeichnet wurden, 
sondern dass sich hieraus zugleich bis zur Evidenz darthun Hess, dass die Aufnahme des Farbestoffes 
in diesem Falle durchaus kein passiver Vorgang, sondern ein durch den Lebensprocess , durch den 

Chemismus der Pflanze bedingter sei. 

Folffcn wir nun in Kürze den Ergebnissen dieser Untersuchungen, so weit dieselben zur Entschei- 

düng des fraglichen Punktes von Wesenheit sind. 

Um zu erfahren, welchen Antheil die Gelassbündel bei der Färbung des Perigoniums der Hya- 
cinthe, sobald dieselbe einiger Massen deutlich hervortrat, habe, trennte ich eine Blüthe von dem Blü- 
thenschafte, die ohngelahr das Aussehen von Fig. 3 hatte. 

Das horizontal durchschnittene, kurze Blumenstielellen nahm sich bei einer Vergrösserung von 40 
im Durchmesser so aus, wie Fig. 5 zeigt. Das parenchymatische Zellgewebe, welches den bei weitem 
grösseren Theil einnimmt, war durchaus ungefärbt , dagegen zeigten sich die in einem Kreise stehen- 
den Gefässbündel mehr oder weniger vom Farbestoffe erfüllt. Uiebei schien es auffallend, dass derselbe 
mehr an dem innern, als an dem äusseren Theile angehäuft war. 

Auf gleiche Weise nahmen sich auch die Gefässbündel der Lappen des Perigoniums aus, die im 
Grunde nur eine Fortsetzung der Gefässbündel des Blumcnstielchens sind, mit dem einzigen Unter- 
schiede, dass die Färbung hier noch intensiver als dort auftrat. 

Der Ouerdurchschnitt eines kleinen Gefässbündels am Grunde eines solchen Lappens stellt, drei- 
hundertmal vergrössert, das Fig. 6 gezeichnete Bild dar. Es ergibt sich aus demselben, dass die Spiral- 
o-efässe a nicht nur frei von allem Farbestoff geblieben, sondern wie gewöhnlich Luft enthielten, dass 
aber die dieselben unmittelbar umgebenden langegesteckten, dünnwandigen Zellen (Holzzellen) b fast 
durchaus von einer rothen Flüssigkeit erfüllt waren. Dasselbe fand auch bei vielen parenehymatischen 
Zellen, welche dem Gefässbündel zunächst gelegen waren i in einem grösseren sowohl, als in 
einem geringeren Grade statt, nur über eine gewisse Gränze hinaus, welche durch das Vorhanden- 
sein von Luft führenden Intercellular - Gängen bezeichnet war, schien das Zellgewebe von jeder Fär- 
bung ausgeschlossen. 

Was endlich die sogenannten Vasa proprio, c betrifft, so blieben dieselben zwar nicht frei von 



Aufnahme des Farbestoffes, allein sie erfolgte hier viel später, als in den übrigen zum 



Gefässbündel 



S 



ehörigen und an diesen angränzenden Elementar-Organen. Eine Vergleichung desselben Gefässbündels 
an tieferen und höheren Stellen gibt hierüber den besten Aufschluss. 

Was Fig. 6 auf dem horizontalen Durchschnitte erscheint, ist Fig. 7 auf dem entsprechenden 
verticalen Schnitte anschaulich gemacht, worüber die gleiche Bezeichnung der Buchstaben ohnehin die 

nöthige Verständigung gibt. 

Schreiten wir nun von den äussersten Blüthentheilen nach abwärts durch den Schaft dem Zwie 
belkuchen zu, ferner von den Spitzen der Blätter nach ihrem Grunde hin, und untersuchen wir ferner die 
Zwiebelschuppen, so wie die aus dem Zwiebelkuchen nach abwärts entspringenden Faserwurzeln, so 
stellt sich uns bezüglich der Färbung der Elementartheile überall das gleiche Bild dar. An allen den 
genannten Organen ist das parenchymatische Zellgewebe von Färbung durch rothen Färbestoff freige- 
blieben, und nur die Gefässbündel, und selbst diese mit Ausschluss der Gcfässe, erscheinen als die 
einzigen Träger des von aussen aufgenommenen Farbestoffes. Durch Vergleichung aller dieser Organe 
stellte sich übrigens die merkwürdige Thatsachc heraus, dass die am tiefsten gelegenen Organe, die 
Faserwurzeln, vom Farbestoffe fast ganz frei blieben; der Zwiebelkuchen, der Grund des Schaftes und 
die Basen der Blätter, so wie die Zwiebelhäute den Farbestoff nur in geringer Menge, dagegen die 
höher gelegenen Theile des Schaftes und der Blätter denselben in grösserer Menge enthielten, und 



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von Farbestoffen bei Pflanzen 



79 



dass endlich die äussersten Spitzen der Blüthen und Blätter die grösste Anhäufung und damit die in- 
tensivste Färbung darbothen. 

Da im vorliegenden Falle der Farbestoff nothwendig durch die Wurzeln aufgenommen, durch die- 
selben dem Zwiebelkuchen und den aus ihm nach aufwärts entspringenden Organen mitgetheilt werden 
musste, so ist ersichtlich, dass mit der Aufnahme zugleich eine Weiterförderung verbunden war, denn 
nur auf diese Weise ist das Freiwerden der Aufnahmsorgane und die Anhäufung des Farbestoffes in 



den oberen peripherischen Theilen der Pflanze zu erklären. 



Dass jedoch diese Weiterförderung des 



Farbestoffes keineswegs auf eine physikalische, sondern vielmehr auf eine organische Weise stattfand, 



neigt die Beschaffenheit der Elementarorgane , die sich bei diesem Processe betheiligten. 



Nicht die 



Spiralgefässe , sondern die in der Leitung der Zellflüssigkeiten am thätigsten eingreifenden Organe, die 
die Gefässe begleitenden Holzzellen sind es, welche sich hier als fordernde, leitende Theile am meisten 
bethätigten. Der rothe Farbestoff, durch die Zellen der Wurzelspitzen aufgenommen , wurde in Folge 
der Endosmose und Exosmose von Zelle zu Zelle weiter gefördert, bis derselbe an der Peripherie der 
Achse und seiner Anhangsorgane angelangt, sich hier nothwendig ansammeln und so diese Theile noth- 
wendig färben musste. Wir haben in diesem Falle also einen organischen Process vor uns, und zwar 
einen Process, welcher von dem Processe der Assimilation in so lerne nicht durchaus zu trennen ist, 



als eine reine Durchlassung des Farbestoffes durch die Zellmcmbrane ohne theihveise Zersetzung oder 
chemische Umänderung nicht leicht denkbar ist. In wie fern ein Theil des Farbestoffes hierbei in der 

vielleicht dadurch für das Auge ununterscheidhar gemacht wurde , lässt sich 

eine ganz indifferente Natur 

Eigenschaft ihrer 



That verändert und 



um so eher vermuthen, da selbst stickstofffreie Farbestoffe, welche 
besitzen, schon durch die geringsten chemischen Eingriffe modilicirt und der 
Farbe beraubt werden. Dass solche theihveise Zersetzung des Farbestoffes der Kermesbeere , die wir 
mit gutem Fug als einen nicht stickstoffhaltigen , ziemlich indifferenten Körper annehmen können , auf 
seinem Wege durch die Zellen erfolgt sein möge, lässt allerdings der Zustand mancher Zellen, die 
auf dieser Durchgangsbalm lagen , vermuthen. Untersucht man nämlich einen Gefässbündel am Grunde 
der Blätter, deren Spitzen reichlich mit Farbestoff versehen sind, so biethen seine Zellen einen ganz 

mit Ausnahme der 



stets nur von Saft erfüllt, 



zeigen , 



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eigenthümlichen Zustand dar. Die Holzzellen, 

noch vorhandenen Zellporen, nur wasserhellen, flüssigen Inhalt, ohngeachtet derselbe kurz vorher nocl 
gefärbt sein musste. Aehnlich verhält sich die Sache in den anstossenden Parenchymzellen , welche 
nebst den Zellkernen auch Chlorophyll enthalten. Während jedoch im normalen Zustande der Pflanze 
die kleinen Chlorophyllbläsehen an der Innenseite der Zellwand nach allen Richtungen gleichmässig ver- 
theilt sind, sieht man sie durchaus am Grunde der Zelle angesammelt und somit von ihrem natürlichen 



ein ganz verändertes Aussehen erhalten, 



Standorte entfernt. Noch mehr, auch die Zellkerne haben 
ihr Kernbläschen ist grösstenteils unsichtbar geworden, so wie ihre Oberfläche ein eingefallenes run- 
zeliges Aussehen erhielt. Fig. 8, d. Diess deutet offenbar darauf hin, dass in der Saftbewegung der 
Zelle und somit auch in ihren chemischen Thätigkeiten wesentliche Veränderungen vorgefallen sein müs- 
sen, dass aber demungeachtet dieser Eingriff in den regelmässigen Gang der organischen Veränderun- 
gen nicht von der Stärke war, dass er nicht durch den Lebensprocess der Pflanze wenigstens zum 






Theile hätte überwunden werden können. 

Dieser Versuch war kaum zu Ende geführt, als ich mich durch ein zweites Exemplar einer 
weissblühenden Hyacinthe, die auf die gleiche Weise mit verdünntem Saft der Kermesbeere behan- 
delt wurde, von der Beständigkeit der daraus hervorgehenden Erscheinungen zu überzeugen suchte, 
und in der That auch überzeugte. Ich übergehe jedoch die Angabe der einzelnen Phänomene, die 
sich ergaben , da dieselben von jenen des früher detaillirten Versuches ganz und gar nicht abwichen. 

Es schien somit ausser allem Zweifel , dass der rothe Saft der Kermesbeere , von den Wurzeln 
des Hyacinthus orienkdis aufgenommen, durch die Gefässbündel nach allen Theilen der Pflanze geführt 



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80 



F. Unger über Aufnahme 



werde, und dieselben dadurch zu färben im Stande sei, was namentlich in den weissen Blüthen- 
theilen am auffallendsten hervortrete. Da überdiess noch erwiesen war, dass diese Aufnahme, Fort- 
führung" und Ablagerung 1 des Farbestoffes keineswegs auf mechanische Weise erfolge, sondern durch 
den Vorgang der Endosmose und Exosmose der Zellthätigkeit vorzugsweise bewirkt werde, so schien 



die allernächste Frage die zu sein: Wie verhalten sich 



dieser Beziehung andere 
Pflanzen? nehmen sie so wie die Hyacinthe den Farbestoff der Kermesbeere auf? 

und unter welchen Umständen erfolgt diess? 

Zwei Pflanzen, die zu dieser Zeit eben in Blüthe standen, schienen mir zur Erörterung dieser 
Frage nicht ungeeignet, und ich begann mit denselben sogleich nachstehende Versuche. Die eine 
Pflanze war Narcissus Tazetta Lin. , die andere Calla aethiopica Lin. Die Versuche wurden am 
27. Februar begonnen und am 4. März beendet. Beide Pflanzen wurden vorerst etwas trocken gehalten, 
und ihnen sodann der verdünnte Saft der Kermesbeere in Tränkern und zwar in reichlicher Menge darge- 
boten, auch wurde die gefärbte Flüssigkeit jedesmal wieder ersetzt, sobald sie aufgesogen war. Indess 
entsprach das Resultat keineswegs der Erwartung, denn weder die eine noch die andere Pflanze 
zeigte selbst nach Verlauf von mehreren Tagen auch nicht die geringste Spur von Färbung, weder 
am Grunde der Blätter, noch an der Spathe und den weissen Blüthentheilen. — Es ging daraus hervor, 
dass in der Organisation und in den Stoffverhältnissen der Hyacinthe die Möglichkeit der Aufnahme 
und Assimilation des Farbestoffes liegen müsse , die anderen Pflanzen , selbst verwandten Formen , eben 
nicht zukommt. 



Von dieser Ansicht, welcher die vorstehenden 



Wort 



war nun 



verhalten sich ähnliche Farbestoffe, die den 

irden dieselben namentlich von 



die weitere Frage nicht mehr ferne : Wie 

Pflanzen zur Aufsaugung dargeboten werden? W 

der Hyacinthe gleichfalls aufgenommen, und erfolgt diess auch vielleicht von 

andern Pflanzen? 

Zunächst kam es bei Beantwortung dieser Frage wohl auf eine glückliche Wahl der Farbe- 
stoffe an. 

Ich zog Farbestoffe, welche, von Vegetabilien herrührend, eine intensive Färbung darboten und 

frisch zu haben waren, allen anderen vor. Diess war der ausgepresste Saft der rothen Rübe (Beta 
vulgaris 7 rapacea Koch), und der rothe Saft der Beeren von Ligustrum vulgare, von denen der 
erstere eine schöne dunkelrothe Flüssigkeit, die sich an der Luft nicht änderte, darbot, und daher 
bei weitem tauglicher für den Versuch schien als letztere, die dickflüssiger war, und bald eine 

schmutzig-braunrothe Farbe annahm. 

Mit den genannten rothen Pflanzensäften wurden nun weissblühende Hyacinthen auf dieselbe 
Weise getränkt, wie in den früher angegebenen Versuchen mit dem Safte der Kermesbeere. In beiden 
Fällen erfolgte aber nicht die mindeste Spur von Färbung, und da der Versuch durch mehrere Tage 
fortgesetzt wurde, so konnte ich sicher sein, dass eine Aufnahme des Farbestoffes der rothen Rübe 



Ligusters 



Um mich jedoch vor jedem Fehlschluss wo möglich zu 



sichern, und den Mangel der Aufsaugung nicht etwa in dem angewandten Farbestoffe zu suchen, 
während er vielleicht in der individuellen Beschaffenheit der Pflanze lag, wurde dieselbe Hyacinthe, 
welche nach mehrtägigem Versuche die Aufnahme des Rothrübensaftes verschmähte, mit dem Safte der 
Kermesbeere behandelt. Siehe da, schon nach der ersten Darreichung dieses Saftes trat eine Fär- 
bung der Perigonien ein, die sich fortwährend in dem Masse steigerte, als die Pflanze mit jenem 
hinlänglich versehen wurde. Es ging also daraus hervor, dass in jenem Falle der Mangel der Auf- 
nahme des Farbestoffes nicht in der Beschaffenheit der Pflanze , sondern vielmehr in der Beschaffenheit 
des Saftes gesucht werden müsse, und dass daher nicht jeder gefärbte Pflanzensaft von der Hyacinthe 
aufgenommen werde. 






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, 






von Farbestoffen bei Pflanzen. 



81 



Die weiteren Versuche , welche überdiess noch mit einer Abkochung der Krappwurzel und der 



bestätigten diess 
hatte sich der 



Cochenille, ohne allem die Farbe verstärkenden Beisatze vorgenommen wurden, 
auch, denn während die Cochenillelösung ganz und gar nicht aufgenommen wurde, 
Krappfärbestoff doch wenigstens zum Theil einen Eingang verschafft. Ich erzähle den Versuch mit der 
Krappabkochung etwas ausführlicher, weil das Detail, der Vergleichung wegen, von Wichtigkeit ist. 

Es wurde eine reiehblüthige weissblühende Hyacinthe in den ersten Tagen des Monats März mit 
einer Abkochung von Krapp, die eine sehr intensive, braunrothe klare Flüssigkeit darstellte, und im 
chemischen Laboratorio des Joanneum bereitet wurde, behandelt. Der Tränker wurde um die Mittags- 
zeit das erste Mal mit ungefähr 3 Unzen dieser Flüssigkeit angefüllt, und dasselbe Abends wiederholt. 
Am andern Tage Morgens schienen sich 3 der untersten Blüthen in der Mitte der Lappen des Peri- 
goniums etwas gelblich gefärbt zu haben. Die gefärbte Flüssigkeit wurde nun in drei weiter aufeinan- 
der folgenden Tagen jedesmal, so oft es Noth that, in allein vier Mal, erneuert. Am dritten Tage 
des Versuches waren deutlichere Spuren der Färbung des Perigoniums der Blüthen zu erkennen. 
Dieselben zeigten nun unzweifelhaft blassgelbe Streifen nach dem Verlaufe der Gefässbündel , 



jedoch 



betraf diess nur die untersten Blüthen der Inflorescenz 



während alle übrigen höher gelegenen weiss 
geblieben und auch sonst keine Veränderung wahrnehmen Hessen. Diess dauerte noch zwei Tage so 
fort, bis nach Verlauf dieser Zeit die gefärbten Blüthen sichtbar welk zu werden anfingen. Sie wurden 
nun mikroskopisch untersucht. Es zeigten sich dabei die Gefässbündel fast ohne Spuren von Färbung, 
dagegen die begleitenden parenehymatischen Zellen hie und da von Farbestoff erfüllt; nur an der Spitze 
der Lappen des Perigoniums erscheint derselbe auch in den langgestreckten Holzzellen der Gefäss- 
bündel vorhanden. 

Es ergibt sich hieraus, dass der Farbestoff der Krappwurzel, wenn er auch in geringer Quantität 

dennoch zu fremdartig auf diese Pflanze ein- 



von den Wurzeln der Hyacinthe aufgenommen wird 



wirkt, als dass unbeschadet ihres normalen Zustandes eine Anhäufung und dadurch eine Färbung der- 



selben erfolgen kann. 



Stellen wir nun schliesslich das Resultat dieser letzteren Versuche mit jenem der früher erwähn- 



ten zusammen, so scheint der Schluss kaum zu voreilig, wenn wir behaupten, dass gewisse indiffe- 
rente Farbestoffe von einigen Pflanzen allerdings auf organische Weise aufgenommen werden, 
dieser Process nicht anders als von dem chemischen Verhältnisse derselben zu den Farbestoffen abhän- 



so wie 



gig gedacht werden könne. 



Erklärung der Abbildungen* 

Tafel V. 

Fig. 1, 2, 3 und 4. Eine der untersten Blüthen von Hyacinthas orientalis in vier auf einan- 
der folgenden Tagen vom 25. Februar an beobachtet; in natürlicher Grösse. 

Die ursprünglich weissen Blumen sind durch Aufnahme von Farbestoff der Kermesbeere immer 
mehr und mehr geröthet worden. Auch der Schaft zeigt diese Zunahme von Böthung. 

Fig. 5. Ein Blumenstiel chen quer durchschnitten und 40 Mal vergrössert. Man bemerkt eine rothe 
Färbung nur an den 10 Gefässbündeln. 



Fig. 6. Ein Gefässbündel vom Grunde der Lappen des 



Perigoniums 



300 Mal vergrössert. 



quer 



durchschnitten und 



a) Ein Bündel einfacher Spiralgefässe , luftführend. 

b) Die denselben umgebenden parenehymatischen Holzzellen, wovon die Mehrzahl mit Farbe- 
stoff erfüllt ist. 

c) Vasa propria, fast durchaus ohne Farbestoff. 



Denkschriften d. mathera. naturw. Cl. 



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82 

rfrf) Die den Gefässbündel begleitenden parenchymatischen Zellen, wovon die demselben am 

nächsten liegenden mehr oder weniger intensiv gefärbt sind. 
e e) Intercellulargänge mit Luft erfüllt. 
Fig. 7. Derselbe Gefässbündel der Länge nach durchschnitten. 

a) Einfache Spiralgefässe mit Luft erfüllt, und durch Aufnahme einer humusartigen Substanz, 
eine bräunliche Färbung zeigend. 
Die übrige Bezeichnung wie oben. 
Fig. 8. Längsschnitt aus der Basis eines Blattes durch ein Gefässbündel, wo eine Färbung fast 

unmerklich war. 

ad) Einfache Spiralgefässe. 






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d) 



theils zusammengeschrumpft. In den anstossenden Zellen kein Chlorophyll. 



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Fig. 9. Einige den Gefässbündel begleitende Parenchymzellen aus einer Zwiebelhaut mit aufge- 
nommenem Farbestoff und theilweise verkümmerten Zellkernen. 













• 














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83 



Beiträge 



zur 



Lehre von der Bodenstetigkeit gewisser Pflanzen. 

Von Dr. F. Unger, wirklichem, und Dr. F. Hruschauer, corrcspondircndcm Mitglieds 



(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 25. Mai 1848.) 



Keine Pflanze kann wachsen, d. i. eine Vergrösserung oder Zunahme ihrer Elementartheile erlangen, 
ohne dass bei der Assimilation der von aussen aufgenommenen Nahrungsstoffe und der Umsetzung der 
bereits gebildeten näheren Bestandteile ihres Organismus Verbindungen hervorgehen, die wir Pflanzen- 
säuren nennen. Die Beschaffenheit derselben, so wie ihre Menge, die sich bei diesen Processen bil- 
det , scheint zwar nach der Art der Pflanze verschieden, aber für jedwede derselben im normalen Zu- 
stande ein bestimmtes Mass zu haben, über welches sie nie hinausgeht, und das daher derselben eben 
so gut als Charakter dienen kann, wie andere Eigenschaften, die eine gewisse Beständigkeit zeigen. 

Es gilt hier gleichviel, wann, d. i. in welcher Periode des Lebens, und wo, d. i. in welchen 
Organen diese Säurebildung vorzüglich vor sich geht. Das aber ist nothwendig, dass die gebildete 
Säure, wo und wann sie immer auftreten mag, an Basen gebunden, und so gleichsam für anderwei- 
tige Processe unschädlich gemacht werde, ebenso, dass die Form dieser Verbindung eine für jede 

Pflanzenart unabänderliche sei. 

Dieser Umstand, offenbar in dem Leben der Pflanze begründet, hat für sie natürlich wieder ei- 
nige Erfordernisse zur Folge, ohne welche dasselbe unmöglich bestehen könnte. 
Erforderniss ist die Bildung organischer Basen im Innern der Pflanze, oder, wo diess nach der Natur 

die Aufnahme einer gewissen Quantität mineralischer Basen zur Sättigung 
jener Säuren von aussen, und das Gedeihen der Pflanze hängt ohne Zweifel von dieser Aufnahme ab. 

Werfen wir einen Blick auf das Vorkommen der Pflanzen in Beziehung auf ihre Unterlage, so 
müssen wir erstaunen, welche Gesetzmässigkeit hierin herrscht, und wie das Moment der Bodenbe- 
schaffenheit unter allen Breiteffraden, unter allen Elevationsstufen , unter den verschiedensten Gestal- 



Dieses nothwendige 



derselben nicht möglich ist 



tungen der Erdoberfläche, und der damit verbundenen Lufttemperatur, Feuchtigkeitszustand, Licht- 
sich geltend zu 



einfluss u. s. w. sich auf die Vertheilung der jenen Zonen eigenthümlichen Gewächse 

machen sucht. Ja, man kann behaupten, dass es keine einzige Pflanze gibt, die, von ihrem natürlichen 



Standorte versetzt, ohne Aenderung ihres normalen Zustandes fortbestehe, 



und dass aller Culturzu- 



stand, in die wir gewisse Pflanzen (sicher eine im Verhältniss zur gesammten Pflanzenwelt nur sehr 
kleine Menge) bringen, ein aufgedrungener, widernatürlicher Zustand ist, den sie augenblicklich ver- 
lassen , so wie dieser Zwang aufhört. 

Alle Culturgewächse sind daher Krüppel, die uns jedoch gerade in diesem Zustande meist nutz- 
barer werden, als sie es in ihrem ursprünglichen sind. Wollen wir die Pflanzen bei diesen nothwen- 
digen Umänderungen, die sie in der Cultur erfahren, nicht vollends ihrem Untergange Preis geben, 

so müssen wir trachten, alle jene alternirenden Einflüsse innerhalb gewisser Gränzen zu beschränken. 

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- 



















84 



F. finget und F. Hruschauer Beiträge 



vermögen , 



Alle Kunst der Zucht muss demnach darauf gerichtet sein, der Pflanze die natürlichen Bedingungen 
ihres Gedeihens so viel als möglich darzubiethen , und nur in so ferne , als wir dieses 
lässt sich an eine Fortdauer derselben denken. 

Dass diess für die Temperaturs- und Feuchtigkeit^ - Verhältnisse , für Licht - Einflüsse u. s. w. vor 
allem gelten muss. versteht sich von selbst; aber auch der Boden muss der jeder Pflanzenart eitren- 
thümlichen Beschaffenheit nahe kommen, und wo das nicht der Fall ist, künstlich dazu vorbereitet 



werden. Nur 



We 



die Erhaltung der Pflanzen, auch an ihr sonst 



nicht zukommenden Oerllichkeiten zu erzielen. Der Gärtner und der Landwirth bezweckt diess theils 
durch eigene Vorrichtungen in der die Pflanze umgebenden Luftschichte, theils durch Veränderungen 
des Bodens selbst, ohne dabei bisher von einem sicheren Principe geleitet zu werden. Der einzige Leit- 
stern kann hier einerseits nur in der genauen Ermittlung der jeder Pflanze eigenen Temperatur-, 
Feuchtigkeit- und Licht -Bedürfnisse, anderseits in der Kenntniss der chemischen Beschaffenheit der- 
selben in ihrem Bedarfe gewisser Basen liegen, indem die eigentlichen Nahrungsstoffe der Pflanzen 
überall verbreitet sind, und ihnen daher nicht leicht irgendwo durchaus mangeln. 

Nach unsern bisherigen Erfahrungen ist es nur eine ganz geringe Anzahl von Alkalien und Erden, 
die in die Constitution der Pflanzen eingehen, und es wird daher begreiflich, wie beinahe jeder Boden 
ihnen das Notlüge darzubiethen im Stande ist. Anderseits liegt wiederum in den Pflanzen das Vermö- 
gen , sich den Aussenverhältnissen in der Art anzupassen, dass selbst ungünstige Einflüsse bis auf 
einen gewissen Grad ertragen, unschädlich gemacht, und selbst zum Gedeihen verwendet werden. Die 
meisten Pflanzen sind daher durch diese Eigenschaften nicht nur einer grossen natürlichen, sondern 
auch grossen künstlichen Verbreitung fähig , und es bedarf nur einer geringen Zuthat von Seite des 
Menschen, um sich an seiner Seite eine grosse Menge nutzbarer Pflanzen zu ziehen und zu erhalten. 

Davon macht jedoch eine, wenngleich geringe Anzahl von Gewächsen eine Ausnahme, in deren 
Bedürfniss es liegt, nur bestimmten Bodenarten zu folgen, weil sie nur von diesen die Bedingungen 
ihrer Existenz zu erlangen im Stande sind. 

Will man daher solche Pflanzen auf andere Bodenarten übertragen , so gedeihen sie schlechter- 
dings nicht, wenn man denselben nicht einigermassen andere Qualitäten zu ertheilen im Stande ist. 
Wir nennen solche Pflanzen bodenstet; ihre Anzahl ist verhältnissmässig sehr gering. Derjenige 
Boden, welcher vorzugsweise kohlensauren Kalk, schwefelsauren Kalk, kohlensaure Bittererde, Chlor- 
natrium, salpetersaures Kali u. s. w. enthält, zeichnet sich eben dadurch aus, dass er ganz eigen- 
thümliche Pflanzen ernährt; und da diese Erden und Salze häufig in weit verbreiteten Gebirgsgestei- 
nen auftreten, so sind es gewisse Gebirgsarten , die sich durch eine eigentümliche Vegetation vor 
andern auszeichnen. 

* 

Man hat bereits Verzeichnisse von Pflanzen entworfen, die dieser oder jener Bodenart, oder 
Gebirgsformation angehören *), und die Gesetzmässigkeit dieser Erscheinung geht so weit, dass von 
dem Vorhandensein solcher Pflanzen auf die Gebirgsart geschlossen werden kann. **) 

Indess finden wir auch hier merkwürdige Ausnahmen, welche unser Interesse um 
Anspruch zu nehmen verdienen, da gerade aus diesen natürlichen Vorkommnissen über die Bedürf- 
nisse gewisser Pflanzen, die von dem Boden abhängen, wichtige Folgerungen für die Ernährung der 
Pflanzen überhaupt gezogen werden können. 



so mehr in 



• 



** 



) F. Unger: Einfluss des Bodens auf die Vertheilung der Pflanzen. 8. 1835. — O. Heer: Die Vegetationsverhältnisse des süd- 
östlichen Theiles des Canton Giarus, in Fröbel's und Heer's Mittheilungen aus dein Gebiethe der theoretischen Erdkunde, Th. I. — 
Hugo Mo hl: Ueber den Einfluss des Bodens auf die Vertheilung der Alpenpflanzen. Tübingen 1838. — F. Unger: Grätz, ein 
naturhistorisch - topographisches Gemälde etc. 1843, pag. 92. 

) B. Cotta und Clason in der Zeitschrift für Mineralogie und Geognosie von Leonh. und Bronn, 1842 pag. 819. — Geologische 
Skizze der Umgebungen von Petersburg, aus dem Englischen von Strang ways- II orner Fox, übersetzt von Trusson in den 
Schriften der k. russischen Gesellschaft für Mineralogie. 1842, pag. 1. 

























- 

zur Lehre von der Bodenstetigkeit gewisser Pflanzen. 



85 



und folgenreichen Anomalien hat einer 



Bei der Stetigkeit des Ahhiingigkeits - Verhältnisses gewisser Pflanzen von ihrer geognostischen 
Unterlage trifft es sich nämlich , dass in einzelnen Fällen Pflanzen, die in der Regel nur der Kalk- 
unterlage folgen, auch auf andere Gebirgsarten, wie z. B. auf Thonschiefer, Grauwakenschiefer, Gneiss, 
Granit, Basalt, Trachyt u. s. w übergehen, oder wohl gar, statt auf jener Gebirgsart, auf Gneiss, 
Granit u. s. w. erscheinen. Fälle der ersten Art sind nicht selten, und daher mehrfach beobachtet 
worden; von dem Vorkommen kalksteter Pflanzen auf Gneiss liefert Blytt # ) aus den Gebirgen Nor- 
wegens ein merkwürdiges Beispiel. Eine dieser interessanten, 
von uns in Liebig's Annalen **) aufzuklären gesucht. 

Eine in dem ganzen Gebiethe der Alpen durchaus nur auf Kalk vorkommende Pflanze, die Erica 
herbacea, erscheint in eben so grosser Verbreitung und Ueppigkeit in der Schlucht von Guttenberg 
in Steiermark auf glimmerschieferartigem Gneiss. Dieser Gneiss ist jedoch nicht bloss von einzelnen 
unbedeutenden Kalklagern durchzogen, sondern die Analyse wies in 100 Theilen 1,16 Kalk und 0,43 
Bittererde nach, und selbst die geringe Menge dieser beiden Basen war, wie sich aus der Untersu- 
chung der Asche von Erica ergab, hinlänglich, dieser Gneisspflanze dieselbe Quantität beider "Basen 
zu liefern, welche diese Pflanzenart auf ihrem natürlichen Standorte, nämlich auf Kalkboden , erlangt. 
Ausser der Erica herbacea hatten sich auch noch andere kalkstete und kalkholde Pflanzen auf jenem 
Boden angesiedelt. Ich nenne hier blos Cyclamen enropaeum, Arabis arenosa , Daphne Mezereum, 

— so wie Sambucus Ebulus , Sedurn Telephiiwn und 



Cynanchum vincetoxicum , Fagus syhatica — 
Luzula albida. * w ) 

Alle sogenannten kalksteten und kalkholden Pflanzen zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihnen 
Kalkerde als Base in einer grösseren Quantität als bei andern Pflanzen zur Neutralisirung der theils 
von Aussen aufgenommenen, theils durch den Lebensprocess erzeugten Säuren vorhanden ist. Selbst 
grasartige Pflanzen, die durch das Vorwalten von kieselsauren Salzen so ausgezeichnet dastehen, ent- 
halten, so ferne sie zu den kalksteten Pflanzen gehören, nicht unbeträchtliche Mengen von Kalkerde, 
die in 100 Theilen Asche von 13 bis 20 Theile gehen #***), und gedeihen nicht, wo sie diese Base 
nicht im Boden finden. Es kann demnach wohl mit Grund vorausgesetzt werden, dass in allen Fällen, 
w r o sich dergleichen Anomalien im Vorkommen kalksteter Pflanzen zeigen, dieselben dadurch möglich 
gemacht sind, dass die Gebirgsarten, auf denen solche Pflanzen wie fremdartige, oder vielmehr wie 
Eindringlinge erscheinen, den diesen Gewächsen nöthigen Antheil von Kalk und Bittererde nothwendig 
besitzen müssen, und dass daher aller Gneiss, Granit, Basalt u. s. w. , der solche Eindringlinge auf 

anders dieses Eindringen durch nachbarliches Vorkom- 



wenn 



seinem Gebiethe nicht aufzuweisen bat, 
inen möglich wäre, — auch frei von jenen Basen ist, oder dieselben wenigstens nicht in jenem Zu- 
stande des Aufgeschlossenseins enthält, wodurch er allein von denselben zu Xutzen gebracht werden kann. 
Einen näheren Nachweis dieser Voraussetzung liefern nun folgende Untersuchungen, welche meh- 
rere Pflanzenarten aus der AbtheilunP: der sogenannten kalkstctcn betreffen, die in verschiedenen Thei- 



len von Steiermark nicht blos auf Kalk, sondern auch auf anderen Gebirgsarten wachsen. Es sind: 
1. Orobus vernus auf Kalk und Trachyt; 2. Sedum Telephium auf Kalk, Trachyt, Gneiss und Basalt; 
3. Euphorbia Cyparissias auf Kalk, Trachyt und Basalt; 4. Fagus syhatica auf Kalk und Trachyt, 
und 5. Cynanchum vincetoxicum auf Kalk, Trachyt und Gramvacke. 



*** 



*) Bot. Notiser, 1S45, Nr. 1—3, und Archiv für Naturgeschichte, 1846, Heft 6, pag. 327. 
**) Annalen der Chemie und Pharmacie , Band LIX, pag. 198. 
) Von Hruschauer werden nur die letzten drei Pilanzenarten angeführt, was für das Jahr 18i5 ganz richtig ist. Allein 9 Jahre 
früher, wo diese Gegend ein geschlossener Buchenwald war, fanden sich ausser Fayus sylvatica auch noch die andern obgenannten 
kalksteten Pflanzen. Nach dem Abtreiben des Waldes mussten sie verschwinden, da ihnen als Schattenpflanzen die nöthige Feuch- 
tigkeit mangelte. 
****) A. a. O. 




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86 F. Unger and F. Hruschauer Beiträge 

Alle diese zur Untersuchung und Vergleichung benützten Pflanzen sind ohne Zweifel für obigen 
Zweck um so geeigneter gewesen , als sie ohne Ausnahmen solche Pflanzen waren, welche eine ganz 
unbedeutende Humusschichte zur Unterlage hatten, meistentheils auf den nackten Felsen wuchsen, und 
daher in einer viel innigeren Beziehung zur Beschaffenheit derselben standen, als wenn sie eine be- 
deutende Humusschichte zur Unterlage gehabt hätten. 

Bei weitem nicht alle diese Pflanzen gediehen eben so gut auf Gneiss, Basalt, Granit, u. s. w. 
wie auf Kalk, wo sie ohnstreitig dem äusseren Ansehen nach ihre normale Ausbildung erfuhren. 
Insbesondere hatten Orobus verum, und Euphorbia Cyparissias auf der Trachytunterlage ein mage- 
res , ja sogar verkümmertes Aussehen erhalten. 

Da unter solchen Umständen auch die Individuenzahl bedeutend beschränkter , als auf Kalkboden 
war, so Hess sich bei einer einmaligen Lese unmöglich jene Quantität zusammenbringen, die für eine 
vollständige Analyse nothwendig gewesen wäre. Dieselbe musste sich daher für jetzt nur auf die Angabe 
der beiden wichtigsten charakteristischen Basen, nämlich der Kalk- und Bitter er de beschränken. 

Alle diese Felsarten beherbergten, wie leicht zu vermuthen, nicht bloss die obgenannten, sondern 
auch andere kalkstete Pflanzen ; diese waren aber in einer noch bei weitem geringeren Anzahl vorhan- 
den, so, dass sie selbst für diese Untersuchungen ausgeschlossen werden mussten. 

Man sieht also daraus, dass in allen diesen Fällen, wo kalkstete Pflanzen auf andere Gebirgs- 
arten übergehen, ihre Individuenzahl bei weitem unter jener zurückbleibt, welche der Kalkboden zu 
ernähren im Stande ist, und dass dergleichen Pflanzen immerhin als Eindringlinge betrachtet werden 
müssen, die nur durch besondere Umstände zu dieser Wanderung veranlasst werden. 

Es folgt hier nun das Detail der Aschen-Analysen für jede einzelne Pflanze , so wie die Analysen 
der Gesteinarten, worauf diese Pflanzen wuchsen. 

Orobus vernus. 

Diese Pflanze wurde vom Kalkgebirge bei St. Gotthard unfern von Gratz gesammelt. Dieselbe 
war bereits im Frucbtzustande mit entleerten Hülsen. Sie enthielt in 100 Theilen 6,05 Theile Asche. 
Wurde nach Abzug der Kohlensäure , der Kohle und des Sandes die Schwefelsäure als schwefelsaurer 
Kalk, das Chlor als Chlornatrium berechnet, so ergibt sich folgende Zusammensetzung der Asche. 
In 100 Theilen derselben waren enthalten: 

Kali 16,58 

Natron 16,87 

Kalk • • 20,46 

Magnesia 8,86 

Eisenoxyd • 2,05 

Schwefelsaurer Kalk 2,51 

Phosphorsäure 27,3^ 

Kieselerde 3,01 

Chlornatrium 2,34 

100,00 

Der Sauerstoffgehalt von Kalk und Magnesia beträgt 9,27. 

Dieselbe Pflanzenart wurde nun auch vom Trachyte bei Gleichenberg in Steiermark, wo sie nur 
sparsam vorkommt, und noch viel später gesammelt. 100 Theile gaben 7,12 Theile Asche und in 
100 Theilen derselben waren enthalten : 

Kalk 27,50 

Magnesia 5,80 

welches einer Sauerstoffmenge von 10,10 gleichkommt. 






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zur Lehre von der Bodenstetigkeit gewisser Pflanzen. 87 

Med um Telepfdum. 

Eine auf mancherlei Boden vorkommende, vorzugsweise aber dennoch auf Kalkunterlage gedeihende 

Pflanze. Sie wurde gleichfalls von den Kalkfelsen bei St. Gotthard, und zwar während ihrer Blüthe 

gesammelt. Verbrannt, lieferten 100 Theile 7,15 Theile Asche, und in 100 Theilen der Asche waren 

nach Abzug der Kohlensäure der Kohle und des Sandes enthalten : 

Kali 34.93 

Natron 2,89 

Kalk 17,86 

Magnesia 19,30 

Eisenoxyd 2,26 

Schwefelsaurer Kalk 3,29 

Phosphorsäure 14,31 

Kieselerde 3,88 

Chlornatrium 1,28 

100,00^ 

Der Sauerstoffgehalt von Kalk und Magnesia beträgt zusammengenommen 12,57. 
Dieselbe Pflanze, welche bei Gleichenberg reichlich auf den Trachytfelsen hinter dem Bade wächst, 
wurde im Spätherbste in Früchten gesammelt. Sie 6,19% Asche, und in 100 Theilen derselben 

waren enthalten: Kalk 30,98 

Magnesia 0,06 

was einer Sauerstoffmenge von 8,87 entspricht. 

Auf Gneiss, wo diese Pflanze in der Felswand unter dem Schlosse Herberstein ebenfalls nicht 
selten vorkommt, wurde sie gleichfalls in Früchten gesammelt. Sie gab 8,84% Asche, und in 100 
Theilen der Asche war enthalten : 

Kalk 20,88 

Magnesia . 6,38 

was einer Sauerstoffmenge von 8,42 entspricht. 

Endlich wurde die gleiche Pflanze noch von Basaltfelsen nächst der Kirche von Klöch in Unter- 
steiermark im Spätherbste gesammelt. Sie gab 5,71 % Asche und lieferte in 100 Theilen desselben : 

Kalk • 21,96 

Magnesia 8,70 

welches einer Sauerstoffmenge von 9,64 entspricht. 

Euphorbia Cypuvissias. 

Diese Pflanze auf den Kalkfelsen von St. Gotthard bei Gratz im Sommer gesammelt, wurde wie 

die beiden vorhergehenden behandelt. Sie enthielt in 100 Theilen 6,38 Asche, und in 100 Theilen 

Asche waren nach Abzug der Kohlensäure, der Kohle und des Sandes enthalten: 

Kali 24,77 

Natron 10,01 

Kalk 30,91 

Magnesia 10,84 

Eisenoxyd 1,20 

Schwefelsaurer Kalk 4,35 

Phosphorsäure 15,08 

Kieselerde 1,42 

Chlornatrium 1,42 

100,00 

Demnach betrug der Sauerstoffgehalt von Kalk und Magnesia 13,01. 















i 










88 F. Un g er und F. Hr tisch au er Beiträge 

Dieselbe Pflanzenart vom Trachyte am Fusse des Gleichenbergerkogels im Herbste gesammelt, bot 
nur verkümmerte, nicht zur Blütbe gekommene Individuen dar. Sie gab 6,1 1 % Asche, und in 100 
Theilen derselben waren enthalten: 

Kalk 36,62 

Magnesia 2,35 

was einer Sauerstoffmenge von 12,36 entspricht. 

Auf Basalt bei Klöch nicht viel üppiger gewachsen, gab dieselbe Wolfsmilchart 6,15% Asche, 
und 100 Theile Asche enthielten : 

Kalk 30,27 

Magnesia 9,61 

Was einer Sauerstoffmenge von 12,37 entspricht. 

Wagus sylvatica. 

Das Holz dieser Pflanze von den Kalkgebirgen in den Umgebungen von Gratz lieferte nur 2,17°/o 
Asche. In 100 Theilen derselben fanden sich: 

Kali 22,79 

Natron 7,00 

Kalk 40,19 

Magnesia ' 22,01 

Eisenoxyd 0,50 

Schwefelsaurer Kalk . . . 0,33 

Phosphorsäure 5,2S 

Kieselerde 1,90 

Chlornatrium 

100,00 

Davon enthalten Kalk und Magnesia 19,97 Sauerstoff. 

Das Holz der Buche auf Trachyt bei Gleichenberg gewachsen, wo dieser Baum ganze Wälder 

bildet, enthielt 2,90% Asche und in dieser waren: 

Kalk k 51,04 

Magnesia 3,94 

mit einem Sauerstoffgehalte von 16,09. 

Cynanchum vinceto&icum* 

Diese Pflanze auf dem Kalkgebirge bei St. Gotthard und Gösting nächst Gratz zum Theil in der 

Blüthe und zum Theile in der Frucht gesammelt, lieferte 6,67% Asche. In 100 Theilen derselben 
fanden sich nach Abzug der Kohlensäure, der Kohle und des Sandes : 

Kali 28,98 

Natron 4,53 

Kalk 19,17 

Magnesia 11,94 

Eisenoxyd 1,09 

Schwefelsaurer Kalk 2,12 

Phosphorsäure 28,84 

Kieselerde 1,04 

Chlornatrium 2,29 

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r 









> 




















zur Lehre von der Bodenstetigkeit gewisser Pflanzen. 89 

Dieselbe Pflanzenart auf Trachyt gewachsen, lieferte 7,45% Asche, und 100 Theile der letztern 
enthielten : 

Kalk 28,85 

Magnesia '. 0,10 

was einer Sauerstoffmenge von 8,27 entspricht. 

Auf Grauwacke endlich gewachsen, hatte diese Pflanze 7,45% Asche und in 100 Theilen waren 

enthalten : 

Kalk 27,95 

Magnesia 4,88 

mit einer Sauerstoffmenge von 9,87. 

Analyse der O est einarten. 

I. Trachyt von Gleichenberg. 

Kalk 5,76 

Magnesia 1,41 

II. Basalt von K 1 ö c h. 

Kalk 9,55 

Magnesia 3,47 



Vergleicht man nun die Bestandtheile der auf verschiedenen Unterlagen gewachsenen Pflanzen unter 
einander , so ergibt sich Folgendes : 

1. Alle diese sogenannten kalksteten und kalkholden Pflanzen zeichnen sich durch einen bedeu- 
tenden Gehalt an Kalk, häufig auch durch eine ungewöhnliche Menge von Magnesia aus. 

2. Dieselbe Pflanzenart auf einem andern , als auf Kalkboden gewachsen , ist nicht minder durch 
den vorwaltenden Kalkgehalt charakterisirt , derselbe ist hier in der Regel sogar noch bedeu- 
tender, als bei den Pflanzen des Kalkbodens. 

3. Dagegen bleibt sich der Sauerstoffgehalt beider charakteristischer Basen bei denselben Pflanzen 
auf verschiedenem Boden nicht gleich, sondern erleidet Schwankungen, die von 0,65 bis 4,1 



vielleicht noch weiter gehen. Es vicariren sich also diese beiden Basen nicht, und 



wenn ja 



4 



der Sauerstoflgehalt der an Pflanzensäuren gebundenen Basen sich nahezu gleich bleiben sollte, 
wie nicht zu zweifeln ist, so müssen diese Differenzen durch die übrigen Basen, als: Kali, 
Natron etc. ausgeglichen werden. 

Alle diese kalksteten und kalkholden Pflanzen haben auf den ihnen der Begel nach nicht zukom- 
menden Gebirgsarten nur darum existiren können, weil ihnen dieselbe die nöthige Menge von 
Kalk und Magnesia darzureichen im Stande waren. 



Denk schrillen d. mathom. natnnv. CI. 



12 



: 







i 













90 



Rückblick 



auf die 



verschiedenen Entwicklungsnormen beblätterter Stämme. 

Von Dr. F. IJnger, 

wirklichem Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 25. Mai 1848.) 



Dass in der verschiedenen Art und Weise der Massezunahme vegetabilischer Körper eben so gute 
Merkmale zur Unterscheidung grösserer Gruppen derselben vorhanden sind, wie in der Gestalt des 

- ■■ mm -» -m- -mr ~f m • ■» 



Wenn 



nur diese letzteren fast ausschliesslich dazu verwendet worden sind, so liegt der Grund einzig und 
allein nur darin, dass dieselben leichter aufzufinden waren, und sich gleichsam wie von selbst zu die- 

~ " nntschaft mit dem Organismus 



sem Zwecke anbothen. Bei reiferer Ueberlegung 



und bei genauerer Bekan 



der Pflanze musste es sich jedoch als zweifellos darstellen, dass sowohl die Form und Ausbildung des 
Embryo im Pflanzeneie, so wie die Entwicklung, welcher der Geschlechtsapparat fähig ist, nur Folge 
eines allgemeineren Verhältnisses, das nähere oder entferntere Resultat eines tieferen, die Gesetzmäs- 
sigkeit der Gestaltung bedingenden Principes sei. Und wo konnte dieses anders zu suchen sein, als in 



n 



den Gesetzen des Wachsthumes selbst. 

So lange die Anatomie der Pflanzen nicht viel mehr als eine mangelhafte, principienlose Hysto- 
logie war, konnte, wie es sich von selbst versteht, von einer Auffindung solcher Gesetze durchaus 
keine Rede sein. Eben so wenig konnten die ersten Versuche in diesem Theile der Forschung genü- 
gen , indem die Aufschliessung des inneren Baues vegetabilischer Körper durch das anatomische Messer 
nur die rohesten Umrisse erkennen Hess, und die geringe Menge untersuchter Gegenstände weder einen 
hinlänglichen Grad von Mannigfaltigkeit darboth, noch den Blick zur Unterscheidung schärfte. Auf die- 
sem Grade der Entwicklung befanden sich jene Arbeiten, die ich zuerst in meinen Aphorismen, sodann 
in dem Werke „aber den Bau und das Wachsthum des Dicotyledonenstammes" und später in de 
„Grundzügen der Botanik" veröffentlichte. Sie hatten sich zum Theil auf H. Mohl's treffliche Unter- 
suchungen, zum Theil auf eigene Forschungen gestützt. So mangelhaft aber auch das bisher zu Ge- 
bothe stehende Material, welches kaum die Hälfte der ausgezeichneteren Formen darboth, war, so 
Hess sich dennoch daraus eine gewisse Gesetzmässigkeit ableiten, welche bessere Merkmale zur Be- 
grenzung und Charakterisirung der grösseren Gruppen des Gewächsreiches versprachen, als die bisher 
übliche in der Form und Entwicklung des Embryo's , so wie in der Ausbildung des Geschlechtsappara- 
tes begründeten Unterscheidungsmerkmale. 

Mein Freund Endlicher hat dieselben für sein grosses meisterhaftes Werk „Genera plantarum" 
benützt und ich habe sie in meiner „Synopsis plantarum fossilium" in mehrfacher Beziehung erwei- 
tert auch auf fossile Typen angewendet. 

Seit dem letzten Decennium, als, durch hinlängliche Vorarbeiten vorbereitet, die Hystologie einen 
neuen Umschwung dadurch erhielt, dass die Pflanze als eine gesetzmässige Vielheit von Elementar- 









I 







f 






91 



organen anerkannt und die Zelle als Nenner unendlich verschiedener Fractionen in seinem ursprüngli- 
chen Grundwerthe eingesetzt war, musste sich über die ganze innere Formenlehre ein neues Licht ver- 
breiten. Erst jetzt war eine exacte Methode in der Erforschung möglich geworden, und sowohl die 
äussere Gestalt als die innere Form mussten darnach als Ausdruck bestimmter unabänderlicher Gesetze 
anerkannt werden. Ist man in der Auflindung dieser Gesetze bis jetzt noch auf elementare Vorübungen 



beschränkt, so ist diess weniger 



der allgemeinen Anerkennung dieses Principes als der Schwierig- 



keit der Untersuchungen zuzuschreiben, die ihrer Natur nach nur Schritt für Schritt vorwärts gehen 
können. Die Untersuchung der einfachsten Gestalten muss der Untersuchung der complicirteren voraus- 
gehen; die da aufgefundenen Gesetze müssen in ihren verschiedenen Modificationen bei letzterer wieder 
erkannt werden u. s. w. — eine Aufgabe für ein Jahrhundert. 

Ist demnach, wie aus dem Bisherigen erhellet, an eine streng wissenschaftliche Auffassung sämmt- 
licher Wachsthumsgesetze als den Grundgesetzen der Verfassung vegetabilischer Elemente noch nicht 
zu denken, und auch sobald nicht zu erwarten, so lassen doch eine Menge neuerer Untersuchuniren. 
die freilich mehr en gros angestellt sind, eine weitere Unterscheidung der bisher aufgestellten Wachs- 
thumsnormen zu, und der von Schlei den ausgesprochene glückliche Gedanke der verschiedenen Ent- 
wicklungsart der Gelassbündel bei den Gefässpflanzen nöthiget sogar an eine neue zweckmässigem 



zu gehen veranlasst , 



ist die vortreffliche Abhandlung C. 



Formulirung jener Normen. 

Was mich zunächst an diese Arbeit 
Nägeli's „über das Wachsthum des Gefässstammes," im 3. und 4. Hefte der Zeitschrift für wissen- 
schaftliche Botanik p. 129 — 152, die, obgleich sie den Gegenstand schärfer, als ich es zuvor that, ins 
Auge fasste, sich meines Erachtens doch nicht von mannigfaltigen Einwendungen frei hält, und mich 
nicht blos dieselben auszusprechen nöthiget, sondern zugleich zu einer genaueren Darstellung meiner 
Ansichten veranlasst. 

Um mich nicht zu sehr zu zerstreuen, will ich, wie es Herr Nägeli that, bei dem beblätter- 
ten Gefässstamme stehen bleiben, und meine Darstellung eben so wie er mit dem am einfachsten ge- 
bauten Lycopodiaceeii - Stamm beginnen. 

Was Herr Nägeli über die anatomischen Bestandtheile des ausgebildeten Stammes, so wie über 
die in der Entwicklung begriffene Spitze desselben, d. i. über den Bau der Terminalknospe angibt, 
ist grösstentheils mit meinen Untersuchungen übereinstimmend. Nur in wenigen funkten möchte ich dem 
Gesehenen eine andere Deutung geben, in dem wichtigsten Punkte aber muss ich von seiner Ansicht 
ganz abweichen. Nachstehendes soll das nöthige Detail hierüber enthalten. 

man einen ausgewachsenen Stamm von Lycopodium clavatum der Quere nach, 



Durchschneidet 



Taf. VI. Fig. 1, so findet man, wie bekannt,, einen Rindenkörper, welcher mit Einschluss der Bastschichte 
(Fig. 1, a.b. c) zwei Drittheile desselben beträgt, und einen von diesem umschlossenen Holzkörper, 
welcher das letzte Drittheil bildet, 



und genau in der Mitte des Stammes liegt. 



Sowohl in dem einen 

wie in dem andern Theile lassen sich noch mehrere Schichten und Einzelheiten unterscheiden, und 
zwar in der Rinde eine aus kleinen dickwandigen Zellen bestehende Schichte, die äussere Rinde a 9 
dann die innere Rinde b, aus weiten dünnwandigen, nach aufwärts schief stehenden Zellen gebildet, 

und endlich an den Holzkörper anstossend eine Zone dickwandiger prosenehymatischer Zellen c, die 
Bastschichte. 

Durch alle diese Theile finden sich einzelne Gefässbündel zerstreut, die mehr oder weniger hori- 
zontal oder schief vom Schnitte getroffen wurden, g. g. 

Den Mittelpunkt nimmt, wie gesagt, der Holzkörper ein. Hier fallen zunächst zwei Theile auf, 
ein aus unregelmässigen einfachen oder verzweigten Streifen gebildeter Theil, welcher ausschliesslich 
aus Gelassen, und zwar mit Ausnahme der äussersten Punkte, wo sich einfache Spiralgefässe befinden, 
ganz aus Treppengängen besteht, e, der andere, welcher aus langgestreckten parenehymatischen Zellen, 

12 * 















I 













l 






92 



F. Unger Rückblick auf die 



die Herr Ntgeli für vasa proprio, erklärt, nach Corda's Bezeichnung Markstrahlen der Gefäss- 
schichte genannt werden müssten, die ich aber als Holzzellen bezeichnen will, f, zusammengesetzt ist. 
Diese Schichte drängt sich nicht blos allenthalben zwischen den Streifen der Gefassbündel ein, sondern 
umgibt sie auch von aussen, und bildet so gleichsam eine Scheide, durch welche der Holzkörper an 
die Bastzone der Rinde grenzt, d, und die man Markscheide nennen könnte. Die Holzzellen des Holz- 
gleich, sondern die in der Mitte der Streifen liegenden 



welche nach aussen in die eben ge- 



körpers sind untereinander nicht vollkommen 6 

sind grösser als die übrigen, und diese letzteren sind es auch, 

nannte Markscheide übergehen und dieselbe bilden. Fig. 3, d* 

Alle die bisher unterschiedenen Theile bleiben sich in der Form sowohl als in allen Dimensio- 
nen durchaus gleich, man mag den Stamm etwas höher oder tiefer und zu was immer für einer Zeit 
durchschneiden , nur wechselt im Rindenkörper die Zahl und Stellung der gesonderten Gefassbündel, im 
Holzkörper die Zahl und Lage der Gefässtreifen in den auf einander folgenden Schnitten. 

Abgesehen von diesem letzteren Umstände, der eben so constant wie das Stellungsverhältniss der 
Blätter an der Aussenseite des Stammes ist, mit dem es unzweifelhaft im Zusammenhange steht, ob- 
gleich es noch nicht im Detail nachgewiesen ist, so muss man als eine besondere Eigentümlichkeit 
dieses Stammes erkennen, dass er, einmal in seinen Theilen ausgebildet, keiner weiteren Veränderung 

(Vergrösserung , Ausdehnung u. s. w.) unterworfen ist. 

Gehen wir nun aber bei diesen Querschnitten nach aufwärts, der Spitze des Stammes entgegen, 
so ändert sich die Sache in so ferne, als wir das fertig Gebildete und Unveränderliche des tieferen 
Theiles hier auf allen Stufen seiner Ausbildung zu verfolgen im Stande sind , je näher wir an das Ende 
o-elano-en. Diese Vergleichungen der auf einander folgenden Veränderungen der Form sind um so wich- 
tiger, weil sie uns einen Blick in den Bildungsvorgang selbst erlauben, und dadurch allein das Ver- 

ständniss des Gewordenen möglich machen. 

Gelangt man nun durch die folgenden Querschnitte an die Terminalknospe, Fig. 2, so kann man 
zwar noch Holz- und Rindenkörper deutlich von einander unterscheiden, allein das relative Verhältniss 
beider ist ein anderes und jedweder in der Zusammensetzung seiner Theile von dem früher beschrie- 
benen Zustande verschieden. Statt dass wie dort der Rindenkörper über 2 /3 des Stammdurchmessers 
beträgt, überwiegt hier der Holzkörper sogar den Rindenkörper, welcher nur zwei Zonen, eine gleich- 
förmige äussere und eine radiär gestreifte innere zeigt, dabei aber keine Spur von durchschnittenen 

Gefässbündeln darbietet. 

Weniger abweichend von dem obbeschriebenen Zustande erscheint der Holzkörper. Gefässe und 
Holzzellen sind bereits in Bündeln getrennt , allein beide als solche in ihrer ersten Ausbildung begriffen, 
was sich daraus zu erkennen gibt, dass letztere noch wenig von der Form gewöhnlicher parenchymatischer 



Zellen differiren, Fig. 3. c, erstere zwar durch die Länge und Breite ihrer Elemente von jenen abwei- 
chen, dagegen kaum noch irgend eine Streifung ihrer Wände, wodurch sie später die Gestalt der 
Treppengänge annehmen, zeigen, und zuweilen sogar noch einen grünlichen, schleimigen Inhalt tühren. 
Fig. 3. a. Nur an den der Peripherie zugekehrten äussersten Theilen hat sich ein Bündel ganz kleiner ein- 
facher Spiralgefässe bereits ausgebildet. Fig. 3. b. 

Dieser Durchschnitt nimmt eine noch viel mehr veränderte Gestalt an , so wie man der Spitze der 
Terminalknospe näher rückt. Fig. 4. — Hier ist Holz- und Bindenkörper kaum mehr zu unterscheiden. 
Die den letztern auszeichnenden radiären Streifen sind weniger deutlich und zahlreich und reichen bis 
an den äussersten Band. Mit diesen stehen nach einwärts etwas dunklere und mchrbegrenzte Stellen in 
Verbindung, die offenbar schon dem Holzkörper angehören, und nichts anders als die Anfänge de 
Gefassbündel darstellen , die hier noch gesondert in einem Kreise stehen und sich erst später nach ein- 
wärts fortbilden, sich mit einander vereinigen, und so den Gefässtheil des Hokkörpers darstellen. Fig. 5. 6. 

von einander unterschieden, 



\Y* 



I 



Auf dieser Stufe der Ausbildung sind Gefässe und Holzzellen noch weniger 



. -* 



[ 



' 


















verschiedenen Entwicklungs-Normen beblätterter Stämme. 



93 



wie Fig. 6 in einem Längenschnitte deutlich macht, wo aa die jungen Gefässe bbb die Holzzellen 
darstellen. 

Gelangen wir endlich an die äusscrste Spitze der Terminalknospe zu jener Stelle, wo die ersten 
Anlange der Blätter als kleine warzenförmige Erhebungen an der Oberfläche der stumpfen kegelförmigen 
Axe hervortreten, so ist in allen Theilen schon eine solche Gleichförmigkeit der Elementar-Organe ein- 
getreten, dass wir keinen Unterschied mehr zwischen Zellen und Gefässen zu machen im Stande sind, 
ebenso ist die Vertheilung derselben so gleichförmig, dass man vielleicht mehr durch den Inhalt als 
durch die Form eine äussere Zone, Fig. 7. a von einem Centraltheil Fig. 7. b zu unterscheiden vermag. 
Die Membran der Zellen ist äusserst zart, das Lumen sehr klein, und der Inhalt ein grünlich gefärbter 
Schleim, der in Kugeln zusammengeballt, den Raum bis auf 2 /3 ausfüllt (Fig. 7 und 8.) 

stimmen die Angaben Nägeli's durchaus überein, wenigstens betrifft das 



r 



Mit dieser Darstellung 
abweichende nur ausserwesentliche Dinge. Ganz anders verhält sich jedoch die Sache, w T enn wir aus 
diesen Thatsachen Schlüsse für die Art und Weise des Entwicklungsvorganges deduciren wollen, und 
namentlich den Antheil zu bestimmen suchen, welchen das Gefässbündel-System daran nimmt. Hierin 
weichen meine Ansichten von jenen des Herrn Nägel i wesentlich ab. 



Nägel i stellt sich die Sache so vor 



? 



dass die 



am Umfange des 



an der Grenze des Stammes angelangt, sofort in die Blätter zu treten. 



Holzkörpers entstehenden 

Gcfässbündel denselben verlassend , sich durch den Rindenkörper bogenförmig nach aussen wenden , um, 

An der Biegungsstelle des 
Gefässbündcls setzt sich der darauf folgende Gefässbündel für das zunächst darüber stehende Blatt an 
u. s. f. , so dass also der Lycopodien-Stamm nach dieser Vorstellung aus lauter auf einander folgenden 
Stücken von Gefässbündeln , die sich zu den Blättern wenden, und für diese gleichsam gebildet sind, 
besteht. Das Blatt wird hier nicht zu einem von dem Stamme abhängigen, sondern umgekehrt, der 
Stamm zu einem von dem Blatte abhängigen Organe gemacht, also gerade das Entgegengesetzte von 
dem, was die erste Entwicklung der Blätter an der Axe lehrt. 

Verfolgt man auf einem glücklich geführten Längenschnitte durch die Terminalknospe diese Ent- 
wicklungsweise, Fig. 9, so kann natürlich die Art des Vorrückens der ersten 

weniger sichere Anhaltspunkte geben, als der Fortschritt der ferneren Ausbildung und namentlich 
die Verfolgung der Gefässe. Hier findet sich denn nun entschieden, dass die Ausbildung des Gefäss- 
stranges nicht in der Art fortschreitet, dass von der Ausbiegungsstelle des Gefässbündels zu einem 



Anlage der Gefässbil- 



dung 



tiefer liegenden Blatte der 



zu dem nächst obern Blatte laufende 



Gefässbündel auf einmal, und diess eben so für die darüber befind- 
lichen jüngeren Blätter in derselben Weise erfolgt, sondern dass 
sich erst ein unteres, senkrechtes Stück ausbildet, dieses sich an 
der bezeichneten Biegungsstelle gabelförmig theilt , und während 
der innere senkrecht fortlaufende Ast sich nach und nach ausbildet, 
gleichzeitig auch der nach aussen sich zu dem Blatte kehrende Ast 
seiner Verholzung entgegen geht. Wollte man diesen Vorgang gra- 
phisch versinnlichen , so müsste man das Wachsthum der Gefäss- 
bündel ungefähr nach dem Typus A ausdrücken, nicht aber wie 
Nägeli will, nach dem Typus B. Diess ist es auch, was sich 
sehr deutlich in dem Längenschnitte , Fig. 9 , offenbart , der eine 



A 



B 







a 




a 




noch 



trockenen Sommers darstellt. 



wenig entwickelte Terminalknospe nach längerer Unterbrechung 



der Vegetation während eines 



Nach dieser Theorie besitzt der Lycopodienstamm sein eigenes ihm nur allein zukommendes Gefäss- 
bündelsystcm. Die Gefässbündel der Blätter sind nur Abzweigungen desselben, und stehen also im Abhängig- 
keitsverhältnisse von der Axe, wie die ersten parenchymatösen Anlagen der Blätter, die sie endlich versorgen. 




(■HB 




* 










»* 
























94 



Herr Nägeli 



F. Jünger Rückblick auf die 
meint, dass die von ihm aufgestellte Ansicht 



Wachsthumes 



besonders 



durch die Equisetaceen bekräftiget werde, was mir durchaus nicht so erscheint, indem hier ausser den 
kleinen Modificationen einer doppelten Theilung der Gefässbündel weiter nichts von dem Typus des 
Lycopodiaceen-Stammes Abweichendes vorkommt. 

Etwas länger müssen wir jedoch bei der Erklärung des Wachsthumes der Gefässbündel des Mono- 
cotyledonen-Stammes verweilen. 

Die Vegetation der Gefässbündel des Monocotyledonen-Stammes ist mit der Vegetation des Gefäss- 
bündels des Lycopodiaceen-Stammes einerseits so nahe verwandt, andererseits von demselben wieder 
so verschieden, dass dadurch nothwendig die Bildung des Monocotyledonen-Stammes als der Ausdruck 
dieser Vegetationsweise eine Modification erleiden muss , die uns mehr oder minder wesentlich verschie- 
den von der Form des Lycopodiaceen-Stammes erscheint, je nachdem wir die Abweichung als mehr 
oder minder wesentlich erachten. Der Gefässbündel der Monocotyledonen ist zwar eben so wie jener 
der Lycopodiaceen und der Gefässkryptogamen überhaupt im Sinne Schleiden's geschlossen, d. i. 

er ist aber überdiess auch noch rücksichtlich des Längendurch- 
messers als geschlossen zu betrachten , d. h. keiner Verlängerung fähig. Dieser in allen Richtungen 
geschlossene Gefässbündel differirt also wesentlich von dem Gefässbündel des Lycopodiaceen-Stammes, 
den wir als der Länge nach fortwachsend oder als sprossend betrachteten. Nur der in die Blätter 



keiner seitlichen Fortbildung fähig, 



tretende Seitenast des Gefässbündels war 1 



1 1 'i \ \ 



vollko 



mmen 



geschlossen. Im Grunde ist aber die Diffe- 



renz beider Vegetationsweisen nicht so auffallend , als sie erscheint, und denkt man sich bei den Mono- 
cotyledonen den Gefässbündel, der in die Blätter tritt, von dem Gefässbündel des Stammes ausgehend, 
der wie dieser geschlossen ist, und sich nicht weiter nach aufwärts fortsetzt, so haben wir hier nur 
eine unbedeutende Modification eines für beide gleich giltigen Gesetzes. Der Unterschied liegt dann nur 
darin , dass sich in einem Falle Stamm und Zweige in ihrer Fortbildung ungleich, im andern Falle gleich 

verhalten. Der Typus des Gefässbündelwachsthumes wäre demnach im Monocotyledonen- 
Stamme auf nebenstehende Weise auszudrücken, wo x dem Gefässbündel des Stammes 
a? seine mögliche Fortsetzung, die jedoch nie zur Entwicklung gelangt, und y dem nach 
dem Blatte tretenden Aste entspricht. In der Vereinigung mehrerer Gefässbündel dieser 



Art zur Bildung des Stammes , kann durch das vollkommene Abschliessen des G 




assbün- 



dels bis zum Horizont des Blattes für jedes folgende Blatt und für das zwischen zwei Blättern fallende 
Internodium nur durch eine Production von Gefässbündeln Genüge geschehen. Diese neue Anbildung 
muss aber gesondert von den früheren Bündeln, und wie alle Vegetation centrifugal d. i. nach der Aussen- 
seite der bereits vorhandenen Gefässbündel erfolgen. Mit dem neuen Gefässbündel muss aber nothwendig auch 
der Stamm in die Dicke zunehmen, sich gleichsam vervielfältigen und der von demselben abtretende Ast 
für das neue Blatt kann der Stammbildung nur untergeordnet sein, und somit nur als Accidens erscheinen. 
Der Fortschritt in der Entwicklung der allgemeinen Vegetationsnormen liegt hier offenbar in der 

unvollendeten Ausbildung des Stammes, und es wäre demnach irrig, in dieser Vegetations- 
weise ein Ueberwiegen der Blattbildung, ja sogar ein anderes Verhalten derselben zur Axe 
desshalb anzunehmen, weil sämmtliche Gefässbündel in die Blätter auslaufen. Der Typus der 
Vegetation des Monocotyledonen-Stammes lässt sich demnach am anschaulichsten auf beifol- 



Weise 



X 



Wachsthum 



X 



cba 



9 

chendste Phänomen des Processes zu betrachten, allein dasselbe wird nicht auf die näm- 
liche Weise wie bei dem Monocotyledonen-Stamme bewerkstelliget, sondern dadurch, dass 
den Gefässbündeln ein unbeschränktes Wachsthum in die Breite zukommt , die Anord- 
nung der Gefässbündel selbst ist eben so wie im Stamme der Gefässkryptogamen und 
der Monocotyledonen, ja mit jenen noch viel näher als mit diesen verwandt. 



















L 



I 












verschiedenen Entwickelungsnormen beblätterter Stämme* 



95 





a 




Im Dicotyledonenstamme sind die Gefässbündel, wie bei L/ycopodhim , sprossend, sie sind aber 
auch zugleich nachwachsend und können sich in die Breite der Anlage noch ins Unendliche ausdehnen. 
Die in die Blätter tretenden Zweige sind wie überall auch hier begrenzt, allein diese Begrenzung be- 
zieht sich nicht blos auf die Längenausdehnung, sondern auch auf jene der Breite. Es sind also die 
in die Blätter abgehenden Zweige hier so gebaut, wie bei dem Lycopodiumstamme, während der 
eigentliche Gefässbündelstamm ein in jeder Beziehung unbegrenztes Wachsthum zeigt. 

Es lässt sich hiernach der Typus des Dicotyledonen-Stammes durch nebenstehendes Dia- 
gramm darstellen. Die Erklärung des Wachsthumes des Dicotyledonenstammes würde 
nach der Voraussetzung Nägel i's in der Anlage der Gelassbündel (Fig. li.) unübersteig- l e c 

liehe Hindernisse darbiethen, da ein und derselbe Gefässbündel zugleich ein begrenztes 
und ein unbegrenztes Wachsthum in zweien ganz nahe liegenden Theilen haben müsste, 
was durchaus aller Erfahrung widerspricht. Es Hesse sich freilich dagegen einwenden, 
dass der in die Blätter abbiegende Theil des Gefässbündels der Anlage nach eben- 
falls mit unbegrenztem Wachsthume versehen sei, es bleibt jedoch bei weitem natür- 
licher, diesen Theil nicht als Stück eines grösseren Ganzen, sondern als einen 
davon verschiedenen Zweig zu betrachten, an welchem sehr wohl eine Verkümme- 
rung des Breitewachsthuines regelmässig eintreten kann. 

Damit hätten wir nun die drei am auffallendsten von einander zu unterscheidenden Vegetations- 
weisen beblätterter Stämme , welche in den ,, Grundzügen der Botanik" p. 89 — 94 näher auseinander- 
gesetzt und mit graphischen Darstellungen begleitet sind. 

Zu diesen drei Typen kann nun allerdings ein vierter Typus hinzugefügt werden, um so mehr, 
als bei der gegenwärtigen Darstellung und Begrenzung der ersteren jener vierte Typus nicht füglich 
untergebracht werden kann. Es betrifft das Wachsthum der Nyctagineen, Piperaceen u. s. w. , Pflanzen, 
die allerdings an der Grenze der Mono- und Dicotyledonen stehen. Das Wesentliche der Vegetation 
ihrer Gefässbündel besteht darin, dass nicht alle sich auf die gleiche Weise ausbilden. Ein Theil der 
Gefässbündel ist blos sprossend zu nennen , während ein anderer Theil nicht blos endsprossend, sondern 
zugleich nachwachsend ist. Die ersteren versorgen mit ihren Seitenästen die Blätter, während die an- 
dern blos zur Verdickung des Stammes beitragen. Das Schema für diese Wachsthums- 
norm wäre das beifolgende. Dadurch entsteht ein doppeltes Gefässbündelsystem , ein 
centrales und ein peripherisches , von welchen das letztere durchaus nicht mit den 
Blättern im Zusammenhange steht, sondern wie die Gefässbündel der Monocotyledo- 
nen blos zur Verdickung des Stammes beitragt. Dieses Nachwachsen ist oft sehr 
beschränkt und geht nur bis auf einen gewissen Grad, daher solche Stämme durch 
ihre vielen unter einander ziemlich ähnlichen Gefässbündel den Stämmen der Mono- 
cotyledonen auf einem Querschnitte ziemlich gleich sehen. 

Nach allem diesen lassen sich also die vier von einander unterschiedenen Ve- 
getationsweisen des Stammes auf folgende Art charakterisiren : 

Form. I. 

Alle Gefässbündel des Stammes sprossend (an der Spitze ungeschlossen, unbegrenzt), mit seit- 
wärts nach den Blättern abgehenden geschlossenen Zweigen. 
Hieher gehören Lycopodiaceen, Equisetaceen u.a.m. 

Form« II. 

Alle Gefässbündel des Stammes geschlossen, an ihrer Spitze ein continuirlich in das Blatt 
verlaufender Zwei^. 




Monocotyledonen. 








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96 



jP. Unger Rückblick auf die 



Form. III. 



Ein Theil der Gcfässbündel des Stammes sprossend, ein anderer durchaus ungeschlossen, erste- 



rer nach Form. I. 

Nyctagineen , Piperaceen u. s. w. 



Form, IV 



Alle Gefässbündel des Stammes ungeschlossen (nachwachsend und sprossend); die zu den Blät- 
tern verlaufenden Zweige geschlossen (weder sprossend noch nachwachsend). 

Dicotyledonen. 

Nennen wir nun Form. I. veyetatio terminalis , so können wir die Form. II. vorzugsweise vege- 
tatio peripherica, und die Form. III. und IV. als vegetatio peripherico-terminalis bezeichnen, bis eine 
weitere Erforschung dieser Verhältnisse eine zweckmässigere Nomenclatur möglich machen wird. 

Von diesen vier Hauptformationen ergeben sich vielfache Abweichungen, von denen wir nur die 
Hauptsächlichsten hier kurz berühren wollen. 



Bei Form. I. kommt es nicht selten 



? 



vor, dass die seitlich abtretenden Gefässbündelzweige statt 

wie diess bei den Farnen die Regel ist, 



zu den Vegetationsblättern zu den Fruchtblättern verlaufen , 
oder dass statt ein einziger Kreis von Gefässbündeln mehrere concentrisch in einander eingeschlossene 
Kreise von Gefässbündeln mit übrigens gleichen Eigenschaften erscheinen, wie das bei den Marattiaeen, 
denen auch die Psaronien der Vorwelt untergeordnet werden müssen, der Fall ist, oder endlich, dass 
statt einem Gefässbündelkreise ein einziger centraler Gefässbündel erscheint (Hymenophylleae) . 

Von weit mehr untergeordneter Bedeutung ist die grössere oder geringere Entfernung der Gefäss- 
bündel des Stammes von einander und das theilweise seitliche Verwachsen derselben, wodurch grössere 
oder kleinere Markstrahlen entstehen. Auch hier trifft es sich schon, dass nicht der ganze Gefässbün- 
del , sondern nur ein Theil desselben an die Blätter abgeht , dass diess aber stets <Jer innerste Theil 
desselben ist. (Sigillarieae , Lepidodendreae , Diplonyleae, Stigmarieae, Calamiteae.) 

Schon durch diesen Umstand, noch mehr aber durch ein bis zu einer bestimmten Ausdehnung 
erfolgtes Nachwachsen der Gefässbündel an ihrer Aussenseite gehen Modificationen hervor, welche diese 
Wachsthumsnorm mit jener des Dicotyledonenstammes auf eine merkwürdige Weise verbinden. Hieher 
gehören vor allen andern die Cycadeen. 

Auf gleiche Weise finden sich auch in der Wachsthumsnorm der Monocotyledonen mehrfache Ab- 
weichungen, die jedoch innerhalb des beschriebenen Haupttypus fallen. Das erste ist das Nähertreten 
und wohl auch Verschmelzen mehrerer Gefässbündel unter einander, wodurch ein Schein von Holz- 
cylinder und Mark, also gleichfalls eine Annäherung zum Dicotyledonenstamm , gebildet wird, 
derseits wieder die Reduction der Gefässbündel auf ein centrales Bündel oder auf einen Complex von 

en lässt, von denselben aber den Bast- 
theil zu einzelnen zerstreuten Bündeln abtrennt. (Posidonia Caulini König.) *) 



an- 



centralen Bündeln, welches Zweige nach den Blättern abgel 



Wie in diesem Falle gleichsam eine theilweise Vereinigung gesammter Gefässbündel erfolgte, 
scheint bei andern Najadeen diese Vereinigung in Form eines Cylinders zu erfolgen, was natürlich eine 
ebenso bedeutende Abweichung bildet. (Zostera.) **) Noch kennen wir die anatomischen Verhältnisse 
von viel zu wenig Pflanzen , als dass wir die zahlreichen Modificationen , die hier noch möglich sind , 
anzugeben im Stande wären. Auch von der dritten Vegetationsnorm lassen sich mehrere Unterabthei- 
lungen machen, je nachdem bei den peripherischen Gefässbündeln ein beschränkteres oder mehr un- 
beschränktes Anwachsen vorkömmt, oder je nachdem dieselben mehr oder weniger an einander rücken 
und unter einander verschmelzen. 



*) Chloris protogaea, p. 52 t. 17 f. 4. 5. 6. 
**) Chloris protogaea, p. 49 t. 17 f. 7. 8. 




























verschiedener Eatwickelangsnormen beblätterter Stämme. 



97 



Noch viel zahlreicher werden endlich die Modificationen in dem Dicotyledonenstamme, je nachdem die 
Gefässbündel und ihre Elemente diese oder jene Ausbildung erlangen. Die grösste Abweichung von dem 
normalen Typus lässt bei theilweiser Verkümmerung einzelner Stellen andere Partien des Holzkörpers 
sich übermässig fortbilden, was zu den sonderbaren Gestalten gewisser Bignomaceen-, Sapindaceen- u. s. w. 

Stämme Veranlassung gibt. 

Am rätselhaftesten erscheint mir bisher noch das Rhizom von Nymphaea. Dasselbe scheint sich 
wenig zu verdicken, dagegen rasch in die Länge zu wachsen, was ihm, da es überdiess oft dicht mit 
Blattnarben bedeckt ist, ein dem Farnstamme ähnliches Ansehen gibt. Die Gefässbündel sind zer- 
streut, kaum dass man in ihrem unregelmässig scheinenden Gewirre mehrere concentrisch gestellte 
Kreise wahrzunehmen im Stande ist. Sie erscheinen ferner grösstenteils geschlossen, vielleicht nicht 
einmal sprossend. Alles diess lässt vermuthen, dass man es hier mit einer Bildung zu thun hat, die 
einerseits an die der Monocotylcdonen , anderseits an jene der Nyctagineen erinnert, ohne jedoch ent- 
schieden einer von beiden gleich zu kommen. Noch schwerer zu entwirren sind diese Verhältnisse 
dadurch, dass die an den Bastbasen entspringenden Adventivwurzeln durch eigene aus den Gefässbündeln 
des Stammes entspringende Gelassbündelzweige versorgt werden , ferner dadurch , dass auch die Blu- 
menstiele, welche in der Phyllotaxis hier ganz die Rolle einfacher Blattstiele spielen, von daher ver- 
sehen werden. Eine nähere Auseinandersetzung dieser so merkwürdigen anatomischen Verhältnisse will 
ich indess auf eine andere Gelegenheit versparen, da dieselbe ohne Beigabe einer grösseren Menge 
erläuternder Zeichnungen nicht wohl leicht zum Verständniss gebracht werden kann. 



Erklärung der Abbildungen. 

(Tafel VI.) 

Fig. 1. Querschnitt eines vollkommen ausgebildeten Theiles des Stammes von Lycopodium clavatum, 

20 Mal vergrössert. 
a- Aeussere Binde ; 

b. Innere Binde; 

c. Bastscheide; 

d. e. f. Holzkörper, und zwar: d. Markscheide, e. bandförmige Gefässbündel, und f. der 
aus Holzzellen bestehende Holzkörper im engern Sinne ; 

g. im Bindenkörper und in der Bastzone zerstreute Gefässbündeln. 
2. Querschnitt desselben Stammes aus der Basis der Terminalknospe, 20 Mal vergrössert. 
#. Radiäre Streifen im Bindenkörper; 

b. Holzkörper mit einer deutlichen Anlage von Gefässbündeln. 
Fig. 3. Ein Stück davon, 300 Mal vergrössert. Der Stamm schien durch lange vorhergegangene Tro- 

ckenheit etwas saftleer. 
a a. Bündel von Treppengängen , mit 

b. einem Bündel einfacher Spiralgefässe am Bande; 

c. Holzzcllen; 



Fig. 



Fig. 



d. Markscheide. 
4. Querschnitt desselben Stammes über der Mitte der Terminalknospe, gleichfalls 20 Mal 



• • 



vergrös- 



sert. Der Bindenkörper mit radiären Streifen, der Holzkörper mit der ersten Anlage der Ge- 
fässbündel, die, 12 an der Zahl, im Kreise stehen. 



Denkschriften d. mathein. naturw. Cl. 



13 






91 



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98 

■ 

Fig. 5. Derselbe Querschnitt stark vergrössert. 

a* Rindenkörper ; 

b. die ersten Anfänge der Gefässbündel im Holzkörper. 
Fig. 6. Längenschnitt aus diesem Theile der Terminalknospe , in welchem die erste Anlage der Gefässe 

a und der zwischen denselben liegenden Holzzellen b ersichtlich ist. Vergrösserung 300 Mal. 
Fig. 7. Querschnitt aus der Spitze der Terminalknospe über der ersten, warzenförmigen Anlage der 

Blätter. Vergrösserung 300 Mal. Man unterscheidet kaum zwei verschiedene Regionen, eine äussere a, 

die der Rinde, und eine innere centrale b, die des künftigen Holzkörpers, der hier so wie die 

Rinde ganz aus parenchymatischen Zellen besteht. 
Fig. 8. Die Spitze der Terminalknospe der Länge nach durchschnitten und 300mal vergrössert. 

a. #. b. Die ersten Anlagen der Blätter auf verschiedenen Stufen ihrer Ausbildung. 
Fig. 9. Längenschnitt des Stammes mit der Terminalknospe. 

#. a. a. Aeltere Blätter des Stammes ohne ihre Spitze ; 

b. Terminalknospe mit den jungen Blättern; 

c. Rinde; 

d. Bastscheide; 

e e. Bündel der einfachen Spiralgefässe ; 
ff. durchschnittene Gefässbündelstreifen ; 

xx. Höhe, auf welcher der Querschnitt der Terminalknospe, Fig. 2, gemacht wurde. 
Fig. 10. Längenschnitt der Spitze der Terminalknospe, stärker vergrössert. 

aa. Anlage der Blätter; 

bb. Rindenkörper mit seinen Streifen. Im lichten Theile noch kein verlängertes Zellgewebe. 

c c Durchschnittene Gefässbündelstreifen. 












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• 




















99 



Pflanzen-Missbildungen 



beobachtet 



von Dr. F. Unger, 

wirklichem Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Vorgelegt in der Sitzung- der in athematisch -naturwissenschaftlichen C lasse am 25. Mai 1848.) 



* — 



I. 

Missbildung der Blüthen von Hydrophyllum virginicum hin. 

An einem im botanischen Garten des Joanneums zu Grätz cultivirten Stocke von Hydrophillmn wi 
ginicum Lin. wurde Anfangs Juli des Jahres 1847 eine sehr in die Augen fallende Missbildung wahr- 
genommen , deren genaue Beschreibung in Begleitung von Abbildungen Taf. VII. Fig. 1—5 hier folgt. 
Die meisten Stengel dieser Pflanze waren regelmässig gebildet, nur an einem einzigen derselben 
bemerkte man Afterdolden, in denen zwei und mehrere Blüthen in die gleich näher zu bezeichnende 
Proliiication übergingen. Eine solche Afterdolde ist Fig. 1 in natürlicher Grösse dargestellt. 



Die Pflanze hatte schon lange verblüht, 



die meisten Blüthen setzten keine Früchte an , nur bei 



wenigen waren dieselben bis zur Grösse eines Hanfkornes entwickelt. An den monströsen Blüthen fiel 
vor allem schon der Blüthenstiel auf, welcher um die Hälfte länger und beinahe so dick als der ge- 
meinschaftliche Blüthenstiel der ganzen Afterdolde war. 

Der Kelch, Fig. 2. a, zeigte sich regelmässig fünfspaltig, mit linienformigen an der Spitze nach 
auswärts gekrümmten Lappen versehen. Darauf folgte eine ganz vergrünte röhrenförmige Blumenkrone 
mit ölappigem Rande, Fig. 2. 6. Die mit dem Kelche alternirenden Lappen hatten ausserhalb eine 
deutliche Mittelrippe, und zeigten innerhalb die angewachsenen schwielenförmigen Schuppen und an 
der Spitze eine Ausrandung. 

Eben so waren die Stauborgane regelmässig ausgebildet, und ragten mit ihren langen Staubfäden 
weit über den Rand der etwas ausgebreiteten Blumenkrone hervor. Fig. 2. c 

Statt des Fruchtknotens erhob sich nun aus der Achsel zweier gegenüberstehender linienförmiger, 



unten in eine Scheide verwachsener Blätter, 



Fig. 



2. d, ein neuer Blüthenstiel von der Länge eines 



halben Zolles, fast eben so dick als der erste und an der Basis braunroth gefärbt. Nahe dem obern 
Ende befand sich ein kleines Deckblättchen, Fig. 2. x, und am Ende selbst ging aus einer knoten- 
förmigen Erweiterung eine zweite Blüthe hervor; die Theile derselben waren aber viel gTÖsser und 
grüner gefärbt als die der ersten Blüthe. 

Sie bestanden erstens aus einem ötheiligen Kelche mit langen linienformigen ganzrandigen und 
etwas nach auswärts gekrümmten Zipfeln, Fig. 2. a', zweitens aus einer fünftheiligen ganz grün ge- 
färbten Corolla, deren Lappen, Fig. 2. 6', verkehrt eiförmig, nach Innen concav, an der Spitze ein- 
gekerbt und in der Regel nach aufwärts gerichtet waren. Mit diesen wechselten drittens fünf, zwar 
ganz grün gefärbte, aber in der Gestalt nicht von der Regel abweichende Stauborgane, Fig. 2 &, 
mit deutlichen Loculis, in welchen Pollen enthalten war. 



13 



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■ 










■ 



100 F. Unger über Pflanzen-Missbildungen. 

Statt des Fruchtknotens, der nun hierauf folgen sollte, waren gleich den beiden Blättern d wie- 
der zwei einander gegenüberstehende Blätter d 1 d' gebildet, dieselben waren aber viel stärker ent- 
wickelt, linienförmig-lanzetförmig und mit einigen tiefeingeschnittenen Sägezähnen versehen. Fig. 4 ist 
eines dieser Blättchen um den vierten Theil vergrössert abgebildet. 

Die Aehnlichkeit dieser Blätter mit den Theilschnitten der Stengelblätter ist in die Augen sprin- 
gend, um so mehr, als sie auch viel stärker behaart denn die übrigen blattartig veränderten Blüthen- 
theile waren. Damit war die Achse geschlossen. 

In dem Fig. 3 beigefügten Diagramme lässt sich der ganze Kreis dieser interessanten Metamor- 
phose leicht überblicken. Die Bezeichnung ist wie oben. 

Die andere durchwachsene Blüthe Fig. 1. b war fast eben so gebaut. 

Die erste Blüthe derselben bestand aus dem Kelche , der Corolla , den Stauborganen und aus 
zweien einander gegenüberstehenden Blättern, den verwandelten Karpellen entsprechend. Von Samen- 
knospen war nirgends eine Spur zu entdecken, und selbst die Zähne der zweiten Karpellarblätter zeig- 
ten kaum eine Verdickung, die darauf hinweisen konnte. 

Ausser diesen Anomalien waren noch andere, obgleich minder auffallende zu bemerken. Die nie- 
deren Stufen der Metamorphose beschränkten sich nur auf Vergrünung sämmtlicher Theile, ohne ihre 
Form und sonstige Beschaffenheit zu ändern. Nur der Fruchtknoten war hierbei in eine mehr oder 
weniger lange hülsen- oder balgförmige Anschwellung übergegangen. Auf einer weiteren Stufe theilte 
sich der Fruchtknoten an der Spitze, und es gingen daraus allmählich zwei Blätter (Karpellblätter) 
hervor. Auf einer noch höheren Stufe der Umwandlung, wobei sich zugleich alle Theile vergrösserten, 
trat aus den beiden scheidenförmig verbundenen Blättern, den völlig veränderten Karpellen, ein Blüthen- 
stiel als Fortsetzung der Achse hervor. Dieser Blüthenstiel trug die Anlage zu einer neuen Blüthe, die 
aber noch in einer sehr einfachen Form als ein verkehrt eiförmiger, etwas zusammengedrückter und 
mit einer Spitze versehener Balg erschien. Fig. 5. Bei genauerer Analyse zeigte es sich, dass dieser 
Balg nichts anderes- als die 4 Kelchblätter der zweiten Blüthe darstellte , die hier in einen Schlauch 
verwachsen waren, in dessen Innern jedoch schon die Anlage zu der Blumenkrone und den Karpellen 
vorhanden war. 

Die letzte Stufe endlich bildete das , was wir anfänglich beschrieben haben , und sich somit als 
eine blüthenzeugende Mittelsprossung darstellte. 









II. 

Missbildung der Blüthen von täcabiosa ochroleuca Lin. 

Im Spätsommer und im Herbste des Jahres 1847 wurden mir von verschiedenen Seiten Miss- 
bildungen der Blüthen von Scabiosa ochroleuca Lin. zur Untersuchung überbracht. Sie hatten alle 
Aehnlichkeit unter einander, und zeichneten sich im Allgemeinen dadurch aus, dass die ganze Pflanze 
meist einfach und ohne alle Verzweigung blieb, der Stamm dabei kurz und die Blätter mehr gedrängt 
als sonst waren. Am auffallendsten aber erschienen die bis auf einen halben Zoll und noch mehr 
verkürzten Stiele der Inflorenscenzen , die stärkere Entwicklung der Blättchen des Involucrums, so wie 



zur Unkenntlichkeit fortgeschrittener Verkümmerung 



der 



der Schuppen des Capitulums bei fast bis 

Blüthen selbst, was der ganzen Pflanze daher ein büschelförmiges Ansehen gab , welches natürlich gar 

sehr von der normalen Form abwich. 

Würde an einigen Individuen sich nicht zuweilen der eine oder der andere Blüthenast doch etwas 
mehr ausgedehnt, und an der Inflorescenz einzelne Blüthen sich deutlicher entwickelt haben, so würde 
man auf den ersten Blick und bei oberflächlicher Untersuchung kaum hinter dieser Missgestaltung die 
Pflanze erkannt haben, von der dieselbe ausging. In einigen Fällen waren dagegen mit dieser über- 












- 



F. Unger über Pflanzen-Missbildungen. 



101 



verhältnissmässig auch 



massigen Ausbildung' des Involucrums und der Schuppen auch die in der Regel auf ein Minimum ver- 
kürzten Blüthenstiele ungemein verlängert und trugen eine Blüthe oder gingen in ein zweites, jedoch 
sehr mageres Köpfchen über. 

Was nun die Umstaltu: w 

Was zuerst die Blättchen des Involucrums betrifft, so sind dieselben zwar wie im normalen Zu- 
stande einfach geblieben, allein sie wurden mehr als um die Hälfte länger, 
breiter, und glichen daher in der Form den oberen Stängelblättern ganz und gar, selbst der Substanz 
nach, die bei denselben viel zarter als im normalen Zustande ward. 

Ganz dieselbe Gestalt und Beschaffenheit boten auch die -übrigen Deckblättchen der Inflorescenz 
dar; sie blieben nicht kürzer, hatten die normale schuppenförmige Gestalt gänzlich verloren, und konn- 
ten so füglich mit einem Blattbüschel verglichen werden , bei welchem die verkümmerten Blüthen nur 
einen ausserwesentlichcn Antheil nahmen. 

Die äussersten Blüthen waren bis zur Länge einer halben Linie reducirt. Auf einem verhältniss- 



mässig langen Blüthenstiele sass ein 



radförmige Saum in vier 



fünftheiliges Involucellum , mit ungleich langen etwas behaarten 
Theilschnittcn , welches den mit einem fünftheiligen Kelche gekrönten Fruchtknoten einschloss. Auch die 
Blumenkrone war in allen ihren Theilen ausgebildet , ja selbst die Antheren, die nicht grösser waren, als 
drei der Länge nach an einander gereihte Pollenzellen von normalen Blüthen. Natürlich fehlte in jenen 
der Pollen. Der Fruchtknoten war für die Untersuchung zu klein. Alle diese Blüthentheile waren von 
blassgrüner Farbe und sehr zart. 

In der vierten und fünften Reihe nach einwärts waren die Blüthen schon um Vieles grösser, beson- 
ders verlängerten sich die Blüthenstiele gar sehr, jedoch blieben die Blüthentheile bei der vorigen Stufe 
ihrer Ausbildung stehen, es wollte mich jedoch bedünken, das Ovarium unterscheiden zu können. 

Noch w T eiter gegen den Mittelpunkt der Inflorescenz waren die Blüthen noch deutlicher entwickelt. 
Sie standen auf langen Stielen, und man konnte ausser dem Involucellum noch Kelch, Blumenkrone, 
Stauborgane, Stengel und Fruchtknoten deutlich unterscheiden. (Taf. VIII. Fig. 7.). 

Das Involucellum war aber auch hier in der rückschreitenden Entwicklung allen übrigen Organen 
vor. Es war viel weiter als im normalen Zustande aufgeschlitzt ," und der 
ungleiche Zipfel ausgewachsen, wovon zwei grösser als die andern waren. In Fig. 7 ist der Saum eines 
solchen missbildeten Involucellum aufgeschlitzt und auseinander gebreitet dargestellt. Schon mehr der 
normalen Form näherte sich der Kelch (Fig. 8), besonders fand diess aber an der Blumenkrone und den 
Stauborganen statt, die ausser der grünlichen Farbe und der mehr blattartigen Substanz, wenig oder 
keine Abweichung von dem normalen Typus zeigten. 

Desto mehr wich jedoch der Fruchtknoten oder vielmehr die von den Fruchtblättern eingeschlossene 
Samenknospe von der normalen Beschaffenheit ab. Statt dass aber, wie sonst das Pericarpium ein umge- 
wendetes Ei enthielt, war dasselbe hier in eine aufrecht stehende Knospe verwandelt (Fig. 9), das den 
Raum beinahe erfüllt. An verschiedenen Individuen konnte man mit nicht grosser Mühe verschiedene Ent- 
wicklungs-Stadien dieser Knospe verfolgen, welche in Figuren 10 bis 13 in einer 40maligen Vergrös- 
serung gezeichnet sind. 

Man wird bemerken, dass an dieser Knospenbildung, Achse und Blattorgane Antheil nehmen, und 
dass erstere bald einfach bleibt, bald in Haupt- und Neben-Achsen zerfallt. 

Eine genaue mikroskopische Untersuchung liess die geringe Menge des mir zu Gebote stehenden 
Gegenstandes nicht zu. 

Ein solches sprossendes Blüthenköpfchen , wie es hier beschrieben wurde, ist bereits an Scabiosa 
columbaria von Boivin (Mo quin- Tan don s Pflanzen-Teratologie, pag. 366) beobachtet worden, nur 
mit dem Unterschiede, dass dort bloss die Blüthenstiele sich verlängert und zuweilen wieder Köpfchen 
trugen, aber die Blüthen selbst keine Veränderung: erfuhren. 






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102 



F. Unger über Pflanzen-Missbildungen. 
Der von mir hier beschriebene Fall bietet also eine Complication dar, wobei Sprossung der Inflorescenz 



(Prolificatio inflorescentiae) , von Moquin-Tandon 



(Prolificatio lateralis) 



genannt 



(Chloranthia) und Mittelsprossung (Prolificatio mediana) 



(Diaphysis Engehn) 






[• 













in. 

Vergrünung {Chlor anthia) der Blüthen von Poientitta umbrosa Steven. 

Diese Potentilla in Taurien einheimisch, welche seit mehreren Jahren im botanischen Garten zu 
Gratz im freien Lande cultivirt wurde, bot im Juni des Jahres 1847 eine sehr merkwürdige Monstrosität 
ihrer Blüthe dar, die einer genauen Beschreibung und Analyse werth scheint. 

Der Stock war nicht sehr mächtig, demungeachtet zeigten alle vorhandenen Stengel, der Zahl nach 
5 — 6, keine einzige normale Blume. 

Der grössere Theil derselben war zwar weniger von der Norm abweichend, allein auch dieselben 
zeigten das Phänomen der Vergrünung in dem Masse, dass es nicht übersehen werden konnte. In der 
Begel waren auf einem Stengel immer die Abweichungen bis zu einem und demselben Grade gediehen, 
allein, alle Stengel unter einander verglichen, Hessen eine Stufenfolge dieser Abnormitäten nicht verkennen. 



Wir machen mit der Beschreibung der einfachsten Formen den Anfang. 






Bei diesen (Fig. 14*) waren ausser der etwas kräftigeren Entwicklung der Blüthenstiele der Kelch fast 
normal, die Blumenblätter dagegen obgleich der Zahl und Stellung nach unverändert, doch sichtlich stärker 
und dabei auch zugleich gelbgrün geworden. Bei vielen hat sich der Rand sogar tutenförmig zusammen- 
gerollt, bei andern wellenförmig gebogen. Die Epidermis der Oberseite bestand aus ziemlich geradwandigen 
tafelförmigen Zellen, dagegen waren die Epidermis-Zellen der Unterseite mit buchtigen Wänden versehen, 



und schlössen überdiess zahlreiche Spaltöffnungen 



ein. 



Das mit Ausnahme der Epidermis nur aus vier über 



einander liegenden Zellschichten bestehende Mesophyll hatte nach oben cylindrische, nach unten ellipsoi- 



dische mehr oder weniger unregelmässige Zellen mit zahlreichen Lufthöhlen und luftfuhrenden Inter- 
cellulargängen. Die Zellen selbst enthielten zahlreiche Chlorophyllbläschen, und so wie die der Blätter 
Amylum, so dass die Blumenblätter demnach nicht bloss durch die Farbe sich den gewöhnlichen Blättern 
näherten, sondern auch durch ihre Structur und die Beschaffenheit ihres Inhalts mit denselben übereinkamen. 

Auch an den Antheren blieb die Sache nicht bei dem regelmässigen Zustande stehen. Das Con- 
nectivum vergrösserte sich, einzelne Zellen der Oberfläche enthielten rothen Farbestoff und die Pollen- 
zellen bildeten sich sparsam und mangelhaft aus. 

Am meisten zeigten sich indess die Karpelle verändert. Sie waren vergrössert, erhielten lange 
Stiele und Griffel von der Länge des Fruchtknotens, der überdiess noch etwas gewunden war. An der 
innern Naht nach oben war das aufrechte Eichen angeheftet. Dasselbe glich einem eiförmigen zuge- 
spitzten Schlauche, dessen Spitze etwas eingerollt und dann zugleich aufgeschlitzt war. Figur 15 stellt 
ein unverletztes Karpell 8 Mal vergrössert dar, und Figur 16 dasselbe der Länge nach aufgeschnitten 
mit dem unverletzten Eichen. Figur 17 ist zur genaueren Orientirung noch der Querschnitt desselben 
Karpells am obern Ende mit dem durchschnittenen Eichen, und Figur 18 ein Eichen der Länge nach 
durchschnitten 



mi 



dem Nucleus. 



Die weiter fortgeschrittene Missbildung der Blüthen (Fig. 20) Hess fünf äussere kleinere und fünf 



innere grössere Kelchlappen von normaler Beschaffenheit 
blätter , welche oval 



eingekerbt und ganz im 



erkennen; darauf folgten die fünf Blumen- 
d gar vergrünt waren. Dabei zeigten sich am nageiför- 



migen Ende zu beiden Seiten deutliche Stipeln. Stauborgane, 20 an der Zahl, waren regelmässig 



*) Eine Blüthe der Länge nach halbirt , in natürlicher Grösse gezeichnet. 


































I 



F. Ungar über Pflanzen-Missbildungen. 



103 



Ganz zu Blättern umgewandelt waren indess die 



geformt, auch fand sich in den Antheren Pollen. — 
Karpelle. Grössere und kleinere Blatter wechselten dabei unregelmässig, ebenso ihre Form, nur war 
diese gegen den Mittelpunkt der Blüthe etwas ausgebildeter. Die Hauptform dieser umwandelten Blätter, 
wovon Fig. 19 einen Ueberblick gewährt, war lanzettförmig oder länglich-lanzettförmig mit einer deut- 
lichen Zuspitzung. Grund und Spitze waren etwas nach aussen gebogen, daher dieselben gekrümmt 
aussahen, während der Rand nach einwärts gerichtet war. Ihre Figur näherte sich somit dem tutenför- 

Am Grunde sah man zuweilen eine oder die andere Stipel entstehen (Fig. 19, e), nach 

die sich so weit vergrösserten , dass die 



migen. 



oben traten unregel 



assige , 



zahnförmige Fortsätze hervor, 



Von Samenknospen war keine Spur zu 



/"•) 



erkennen , dagegen bemerkte 



ich in der Achsel dieser 

Karpellblättchen zuweilen eine Anthere (Fig. 19, $). Farbe und Substanz, so wie der innere Bau 
war ganz jener der gewöhnlichen oder der Laubblätter, es fehlte sogar der Haarüberzug nicht. 



IV. 

Missbildung der Blüthen von Desmodium marylemdicum Dl. 

An einem Stocke von Desmodium marylemdicum Dl., welcher seit mehreren Jahren im botani- 
schen Garten des Joanneums zu Gratz eultivirt wird, fanden sich im Jahre 1847 zur Zeit der Blüthe, 
d. i. Anfangs Juli Monstrositäten , wie sie früher nie beobachtet wurden. Derselbe Stock hatte Triebe 
mit ganz normalen Blüthen und Früchten, daneben andere, an welchen jede Blüthe eine krankhafte 
Veränderung in ihrer Ausbildung erfuhr. 

Der geringste Grad der Missbildung war eine übermässige Entwicklung des Kelches, der, statt 

klein, von röthlicher Farbe und behaart zu sein, in eine 
glockenförmige Gestalt mit vierlappigem Rande 

eine ganz grüne Farbe erlangte, überdiess beinahe glatt wurde. 

Auf der ersten Stufe der Missbildung fanden sich dabei noch die vier Blumenblätter fast von 
normaler Grösse, aber bereits theilweise oder ganz vergrünt, die Stauborgane normal, das Ovarium 
verlängert, mehr blattartig, unregelmässig gekrümmt und gefaltet und ohne Spur von Samenknospen. 

Auf einer höheren Stufe waren Blumenblätter und Stauborgane sehr verkümmert, jedoch so, dass 
man die einzelnen Theile noch zu unterscheiden vermochte. Dabei war der Fruchtknoten 
grössert, aber in seiner Structur unverändert, und dasselbe galt auch von der Samenknospe. 



röhrenförmig mit v 



ierzahnigem Rande 



überging, an Grösse bedeutend zunahm und zugleich 



zwar ver- 



Auf der dritten Stufe endlich der Missbildung war die Corolla auf ein Minimum reducirt, die Staub- 
organe gleichfalls sehr klein, die Staubfäden gesondert (Fig. 22), der Fruchtknoten gekrümmt und 
klein, die Samenknospen cylindrisch. jedoch deutlich ausgebildet (Fig. 23, in lömaliger Vergrösserung). 

Ein Theil dieser missbildeten Pflanze ist Fig. 21 in natürlicher Grösse abgebildet, wobei nur zu 
bemerken , dass an der mit # bezeichneten Blüthe der Kelch aufgeschlitzt wurde, um die inneren Theile 
besser zu sehen. 

An Fig. 22, welche eine Blüthe sechsmal vergrössert gibt, ist Kelch und Corolla entfernt. 



. 



\. 



Missbildung der Blüthen von Trifolium repens Lin. und Trifolium montanum hin. 

Schon im Jahre 1842 machte ich auf eine das Jahr zuvor heohachtete merkwürdige Anomalie von 
Trifolium repens, welches im hotanischen Garten des Joanneums heinahe alle Grasplätze bedeckt, 
aufmerksam, (liegensb. Bot. Zeitung- 1842 p. 369 t. 2.) Der damals heohachtete missbildete Stock 




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I 



















104 



jF. Unger übe)" Pflanzen-Missbildungen 



wurde bald darauf in einen Gartentopf versetzt und unter besonderen Augenmerk gehalten. Jedes Jahr 
konnte man dieselbe Vergrünung, welche ich am a. 0. beschrieb, wahrnehmen. Im Juli 1847 waren 
da^ejren die Blüthen der Art missbildet, dass zwar die Blumenkronen und Staubgefässe fast regelmässig 
und gefärbt erschienen, allein die Kelchzähne sich in eben so viele einzelne Blättchen, bei welchen 
indess nur das Endblättchen, keineswegs aber auch die Seitenblättchen zur Ausbildung gelangten, um- 
wandelten ; ebenso dass statt des Fruchtknotens ein verkümmertes Blatt zum Vorschein kam. In andern 
Blüthen fehlten Blumenkrone und Stauborgane fast ganz, oder waren doch kaum zu bemerken, da- 



gegen die peripherischen und centralen Theile wie oben entwickelt. 



ifolium 



so wie spi 



tanum, welches da cultivirt wurde, wahrnehmen. Während an dem Kelche, der Corolla, 
den Staubgefässen keine Abnormitäten wahrzunehmen waren, zeigte die Frucht sich zu einem Blatte 
umgewandelt. Dieses Blatt war aus den oberen Blüthen der Aehre, einfach und am Grunde noch mit 
einer Scheide versehen (Fig. 24.«), in den untern Blüthen von dem einfachen tutenförmigen (Fig. 24. b) 
nach und nach in das Gefiederte übergehend, so dass Fig. 24. c nur ein Seitenblättchen, Fig. 24. d. e. f 
zwei Seitenblättchen, und zwar nach und nach immer vollständiger ausgebildet, erhielten. Am meisten 
waren die obersten Blüthen der Aehre verändert. Eine solche Blüthe ist, so weit sich die einzelnen 



Theile erkennen Hessen 



Fig. 



25 dargestellt 



VI. 



Missbildung der Blüthen von Medicago carstiensis Jacq. 

Gleichfalls an einem cultivirten Exemplare des botanischen Gartens am Joanneo beobachtete ich 
im Juli 1847 eine nicht uninteressante Metamorphose, die, weil sie mit der zuvor beschriebenen zu- 
sammenhängt, hier ihre nähere Erläuterung finden soll. Die Pflanze hatte mehrere Wurzeltriebe, wovon 
die untersten mehr liegenden normal, die Mehrzahl aber aufgerichtet und so verändert waren, dass man 
statt der Blüthen nur einen Büschel kleiner, grüner Blätter gewahr wurde. Ein Stück eines solchen 
Zweiges ist Fig. 26 in natürlicher Grösse abgebildet. 

Bei näherer Untersuchung zeigte es sich, dass der Kelch sich ausser einiger Vergrösserung wenig 
von der normalen Form und Beschaffenheit entfernte. Von der Blumenkrone war bis auf wenige mit 
dem unbewaffneten Auge kaum zu erkennende Spuren alles verschwunden. Unter gehöriger Vergrösse- 
rung Hessen sich jedoch einige schuppenförmige der Corolla entsprechende Theile und ebenso einige 
wenige freie Staubgefässe mit ausgebildeten Antheren und Pollen wahrnehmen. Fig. 27. a stellt eine 
solche Blüthe in natürlicher Grösse , und b sechsmal vergrössert dar , so wie zur Vergleichung eine 
normale Blüthe Fig. 28 in natürlicher Grösse beigefugt ist. 

a 

Der Fruchtknoten war klein, trat kaum über die Blumenblätter hervor, und hatte eine lanzet- 
tförmige Gestalt mit eingerollter Spitze. Von Samenknospen waren kaum die ersten Rudimente zu er- 
kennen. Diese , so wie die Fruchtknoten selbst, entwickelten sich nicht weiter, sondern trockneten bald 
ein , während der Kelch allein fortvegetirte. 

In einem höheren Grade der Missbildung waren Kelch, Blumenkrone und Stauborgane zwar eben 
so beschaffen, allein der Fruchtknoten war nun von der gewöhnlichen Form sehr abweichend gebildet. 
Er war nämlich in ein gestieltes Blatt verwandelt, welches sich von den Stängelblättern in nichts 
unterschied, als dass es um 2 /. s bis */« kleiner erschien. Nur bei einigen wenigen waren statt drei 
Blättchen nur ein einziges, und zwar das Endblättchen ausgebildet. 



; 




-* 



r 







105 



Begründung 



eines 



eigentümlichen Rechnungsmechanismus zur Bestimmung der reellen Wurzeln 

der Gleichungen mit numerischen Coefiicienten. 



Von Fr. Jfloth, 

correspondirendem Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften. 

(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe am 8. Juni 1848.) 






Die Auflösung' einer grossen Anzahl Probleme der reinen Mathematik und der mathematischen Physik 
ist in letzter Instanz von der Bestimmung der Werthe der Wurzeln einer Gleichung abhangig. Ist 
diese Gleichung vom ersten Grade , so bedarf man , um zur Kenntniss ihrer Wurzeln zu gelangen, 
nur der rationalen Operationen. Dieselben aber reichen im Allgemeinen nicht mehr hin, sobald die 
Gleichung den ersten Grad übersteigt. In diesem Falle muss zu den Operationen des Addirens, Sub- 
trahirens, Multiplicirens und Dividirens die Operation der Radication (Wurzelausziehung) hinzutreten. 
Indessen sind es unter den Gleichungen höherer Grade nur die des zweiten, dritten und vierten Gra- 
des, deren Wurzeln sich mittelst der gedachten fünf Operationen aus den Coefiicienten der Gleichung 
herleiten lassen; während die Wurzeln der Gleichungen höherer Grade, sobald sie den vierten über- 
steigen, im Allgemeinen nicht auf die Art, wie bei den Gleichungen der genannten Grade, durch eine 
geschlossene Formel, in der die Coefiicienten der Gleichung durch die rationalen und irrationalen Ope- 
rationen unter sich verknüpft wären, darstellbar sind, wie diess schon Ruffini und Abel zu zeigen 
suchten. Aber selbst unter der Voraussetzung der Möglichkeit einer allgemeinen Auflösung der Glei- 
chungen eines jeden Grades in dem Sinne, in welchem man dergleichen Auflösungen für Gleichungen 
bis zum vierten Grade besitzt, wird man wohl in den seltensten Fällen, und etwa nur mit Ausnahme 
der quadratischen, von einer solchen mit Vortheil Gebrauch machen können, um zur Kenntniss der 
Wurzeln dieser Gleichungen zu gelangen. Ungleichwichtiger für die Anwendung sind daher jene Me- 
thoden, welche die Werthe der Wurzeln annäherungsweise bestimmen lehren. Soll aber eine solche 
Methode an die Stelle einer strengen Auflösung der Gleichung treten können, so muss dieselbe nicht 



bloss jeden möglichen Grad der Genauigkeit erreichbar machen; es ist auch noch nothwendig, dass 
man sichere Kennzeichen zur Beurtheilung des jedesmal erreichten Grades dieser Genauigkeit besitze. 
Die von Fourier vervollkommnete lineare Annäherungsmethode, welche zuerst von Newton in min- 
der vollkommnerer Form angewandt worden ist, die reellen Wurzeln der Gleichungen mit numerischen 
Coefüeientcn zu erhalten, entspricht nicht nur jenen Forderungen, sondern empfiehlt sich auch durch 
Einfachheit des zu führenden Calcüls. Kennt man nemlich den Werth einer reellen Wurzel einer ^e^e- 
benen Gleichung mit numerischen Coefiicienten bis zu einem bekannten Grade der Genauigkeit, alsdann 
liefert eine zwei- oder mehrmal wiederholte Anwendung der Operationen, welche die genannte Methode 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



14 















106 



Fr. Motk. Auflösung der Gleichungen 



vorschreibt, immer mehr und mehr Stellen von dem in Decimalbruchform ausgedrückten Werthe der 
Wurzel, die dem wahren Werthe angehören, wobei die Menge dieser Stellen mit der Anzahl dieser 
Wiederholungen in einer geometrischen Progression wächst und zugleich über den erlangten Grad der 
Genauigkeit der Wurzel mit befriedigender Vollständigkeit Rechenschaft gegeben werden kann. Nach 
dem gegenwärtigen Stand der Theorie der Gleichungen mit numerischen Coefficienten zerfällt deren Auf- 
lösung* in zwei wesentlich von einander verschiedene Theile, deren einer sich mit der Trennung der 

In 



' 1 I ''. 



Wurzeln einer Gleichung, der andere aber mit der numerischen Berechnung der getrennten Wi 
beschäftigt. Die von Sturm, Fourier und Cauchy entdeckten Lehrsätze setzen uns in den Stand, 
in jedem besonderen Falle einer Gleichung mit numerischen Coefficienten, sofern dieselben nur reelle 
Zahlen sind, folgende Fragen entscheidend zu erledigen: Hat eine vorgelegte Gleichung reelle Wurzeln 

den sind, wie gross ist die Menge dersel- 



Wenn 



ben? Zwischen welchen Grej 
einzelne von ihnen? Welche 



Wurzel 



die so beschaffen sind, dass jedes 



von ihnen nur eine einzige Wurzel enthalte? Da man übrigens die Mittel kennt, die Auflösung einer 
Gleichung , wenn solche vielfache Wurzeln besitzt , von der Auflösung einer andern abhängig zu machen, 
deren sämmtliche Wurzeln nur einfache sind , so sieht man sich mittelst der erwähnten Lehrsätze in den 
Stand gesetzt, die reellen Wurzeln einer Gleichung dergestalt von einander zu trennen, dass für jede 
aus ihnen zwei Grenzwerthe angegeben werden können, zwischen denen nicht mehr Wurzeln liegen, als 
eben nur diese eine. Bezüglich der reellen Wurzeln einer Gleichung ist daher der erste Theil der Aufgabe 
von der Auflösung der Gleichungen mit numerischen Coefficienten als vollständig gelöst zu betrachten. 

Kennt man nun zwei Grenzen, zwischen welchen eine reelle 
liegt, und ist man versichert, dass in diesem Intervalle keine and 



Wurzel 




andere Wurzel dieser Gleichung mehr 
liegt; alsdann ist es noch erforderlich, Werthe zu bestimmen, denen sich die Wurzel immer mehr und 
mehr nähert, um zur Kenntniss aller Ziffern zu kommen, durch welche dieselbe ausgedrückt wird , wenn 
die Anzahl dieser Ziffern begrenzt ist, oder doch so viele genaue Ziffern, als man will zu finden, d.h. 
es ist erforderlich , den Werth der Wurzel annäherungsweise zu berechnen. Dieser Zweck kann durch ver- 
schiedene , mehr oder weniger weitläufige Rechnungen erfordernde Verfahrungsarten erreicht werden. Ein 
erstes Mittel bietet die bereits erwähnte Newton'sche oder lineare Annäherungsmethode dar. In seinem 
berühmten Werke über die Auflösung der numerischen Gleichungen hat Lagrange bereits angezeigt, 
dass diese Methode in der Form, wie sie von Newton gegeben worden ist, unvollständig sei, indem 
sie kein Merkmal darbietet, woran sich die Richtigkeit der Annäherung jedesmal mit Gewissheit er- 
kennen lasse, und hat hinzugefügt, dass es sehr schwer, vielleicht selbst unmöglich sei a priori ein 
Merkmal zu finden, wornach sich beurtheilen Hesse, ob die Bedingung der Convergenz der Operation 
erfüllt sei oder nicht. Diese wichtige Frage ist jetzt durch Fourier's Bemühungen vollständig gelöst, 
so dass die lineare Approximation immer anwendbar ist und eine vollständige Kenntniss des gesuchten 



Wurzel 



erreichen hilft. Diesem Geometer verdanken wir aber nicht bloss diese 
wichtige Vervollkommnung der Newton'schen Methode; er bereicherte die Wissenschaft auch durch 
bedeutende Verbesserungen an dem numerischen Calcül, welchen die Bestimmung der reellen Wurzel 
fordert. Allein! dieser Vorzüge ungeachtet trägt, wie ihr Vorbild, die Newton'sche, auch diese 
Fourier'sche in so fern noch nicht das Gepräge der Vollkommenheit an sich, indem diese, wie jene, 
bereits auf einen gewissen Grad genäherte Grenzwerthe voraussetzt, um sogleich zur Anwendung des 
approximativen Verfahrens fortschreiten zu können. Diess wird nämlich nur dann der Fall sein können, 



wenn für die beiden Grenzwerthe «, b einer Wurzel der Gleichung, die wir 



/*( 



vor 



stellig machen wollen, noch die besondere Bedingung erfüllt ist, dass, während diese Gleichung zwi- 



Wurzel liegen hat, die beiden Gleichungen f 





in eben demselben Intervall keine Wurzel haben. Man muss daher, wenn dies noch nicht der Fall 



f 









• 



.. 



■ 



mit numerischen Coefficienten. 



107 



Von diesen aus beginnt 



wäre , das Intervall a . . b so lange durch eine oder mehrere Mittelwerthe theilen , bis man zu zwei 
Grenzwerthen gelangt, für welche die erwähnten Bedingungen erfüllt sind, 
hierauf das geregelte Verfahren der approximativen Bestimmung der in diesem Intervall liegenden reel- 
len Wurzel. Diesem Uebelstande ist von Cauchy durch zwei allgemeine Methoden, deren eine am 
22. und 29. Mai 1837, und deren andere am 4. September desselben Jahres der Akademie der Wis- 
senschaften zu Paris vorgelegt worden ist, begegnet worden, indem durch deren Anwendung aus je 
zwei, wenndeich noch so entfernten Grenzwerthen a und b einer Wurzel allezeit nähere Wertlieder- 
selben erhalten werden, während die Anwendung des Fourier'schen Verfahrens, wenn die oben er- 
wähnten Bediniriuiffen für die beiden Grenzwerthe a und b noch nicht erfüllt wären, eine solche Bestim- 
mung dadurch unsicher machen, dass man sich, anstatt dem wahren Werthe der Wurzel näher zu 
kommen, zuweilen von ihr auch wieder entfernt. Zur Erreichung desselben Zweckes lassen sich auch 
noch die mannigfaltigen Formeln der Mathematik gebrauchen, als die continuirlichen Brüche, die recur- 
renten Reihen , die Producte mit unendlichen Factorenfolgen , insbesondere die der binomischen Factoren 



+ 



OL 

10 



+ 



ß 



7 



100 



+ TW •••> worin *> & 7 



1000 



J 



einzifferige Zahlen bedeuten , 



, welche von diesen Mängeln frei 



und mehrere andere, und sind zum Theil in der That dazu verwendet worden, wie die ersten von 
Lag ränge, die zweiten von Euler. Aber alle bisher genannten Methoden lassen, wenngleich sie den 
streng wissenschaftlichen Anforderungen ein Genüge leisten, von der practischen Seite betrachtet, noch 
Mehreres zu wünschen übrig, insbesondere in Hinsicht auf den Umstand, dass bei Anwendung einer 
jeden dieser Methoden, nachdem ein Näherungswerth der Wurzel gefunden worden ist, jedesmal der 
Grad der Genauigkeit, mit welchem der gefundene Werth den der Wurzel gibt, für sich bestimmt werden 
muss, welche Bestimmung selber wieder einer bald mehr bald weniger complicirten Berechnung bedarf. 

Die nachfolgenden Untersuchungen haben die Entwicklung einer Methode zur Berechnung der reellen 
Wurzeln einer Gleichung mit numerischen Coefficienten zum Zwecke 
ist. Im Wesentlichen besteht diese Verfahrungsart in der Anwendung eines geregelten Verfahrens, die 
einzelnen Ziffern , mit denen der wahre Werth der Wurzel geschrieben wird, successive und in ähnlicher 
Weise zu erhalten, auf welche man die Ziffern eines Quotienten zweier dekadischer Zahlen, oder die Ziffern 
der Quadrat- und Cubikwurzeln aus dekadischen Zahlen mittelst der bekannten Bechnungsmechanismen 
nach und nach zum Vorschein bringt. Diese letztern enthalten mehrere überflüssige Bechnungen. Die 
Anwendung unserer Methode auf den Fall, da die vorgelegte Gleichung eine reine Potenzgleichung ist, 
d. h. die Form x n = a hat, wobei a eine gegebene dekadische Zahl bedeutet, wird auch für die Aus- 
ziehung der Wurzeln eines jeden Grades aus dekadischen Zahlen zu einem , von überflüssigen Rechnun- 
gen freien Rechnungsmechanismus führen, der in Vergleichung mit demjenigen, dessen man sich bei der 
Ausziehung der Wurzeln aus den dekadischen Zahlen zu bedienen pflegt, das Gepräge grösserer Voll- 
kommenheit an sich trägt. 






!^ 



u >> 



a 






■ 



$' 

















108 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



§. I. 

Entwicklung allgemeiner Formeln. 

Es sei 

(1) f(x) = x n + a t a?" 1 + a 2 x n ~ 2 + « 3 x n ~ 3 + + ^ n -i^+«n 

eine ganze Function, und 

(2) x=A +A t z+A,z 2 +A 3 z"+ 

eine Reihe, welche in die Function (1) für x substituirt werden soll. Das Resultat ist ein Ausdruck 
von der Form 

(3) Z +Z t .z+Z 2 .z 2 +Z 3 .z*+...., 

worin die Coefficienten 

O) Z ; Z i; Z 2 ; Z 3 ; .... 

von den Coefficienten der Formen (1), (2), d. i. von den Zahlen 

(5) . . . a±; a 2 ; ä 3 ; •••; «n-i? « n ; ( 6 ) • • • 4>; A; A*\ 4$; .... 

abhängen werden. Bringt man das Polynom (2) unter die Form 

A +z.(A 1 +A z z+AzZ*+....), 
und setzt abkürzend 

R = A t + A%z-\- A^z 2 -\- 

(7 < R 2 =B l +B 2 z+B,z 2 +.... 

\ l R z =C i +CzZ~ r C 3 z 2 + .... 

u. s. f. • 

so ist x=A -\-R.z und f(x)=f{A -\-R.z). 

Nach der Taylor'schen Formel hat man 

aA +R.z)=f(A )+ R - f '( A) .z+ Ri fj A <>\ z*+ *;% ( $ d -*+ etc. 
Bringt man in diese Entwicklung für R , jR 2 , JR 3 , ... die Ausdrücke (7) , so hat man endlich 

(8) . f(x)=f(A)-\-A'f'(.A)^+A'f'(.A) j +*-fCiO 

1 

Die Vergleichung dieser Entwicklung (8) mit (3) führt daher zu den Formeln 

(9) z =f(A) 








M^HB 













mit numerischen Coefficienten 



109 



Z, =f (A ) . A, ; 




i 



Uti 



(10) 



z 



z 



f iA ) . A,+ j^ f" (A ) . B t ; 

f> (A) • A+rf f ' c^o) • *+ixif'" (4.) 



c i; 



a+ 



i 



1.2.3.4 



f v (A).A; 



11. S. f. 

Um ferner abzukürzen, setze ich 



(ii) 



M=f'{A y, 



M y 



1 



(12) 



M, 



1.2 
1 



»f (40 ; 



Äi = il/, B { ; 



1.2.3 ' "' ^ ; 



und (13) 



M, 



l 



1.2.3.4 



rw ; 



Ä 2 = M t B, + M, C, ; 



Alsdann lassen sich die Coefficienten Z„ Z 2 , Z 3 , ... durch folgende Formeln darstellen 






(14) 



Z t =M.A t ; 

Z^M.Az+K^, 

Z 3 =M.A 3 +K Z ; 
Z^M.A.+K; 



Zur Berechnung der Werthe von K v K 2 , K 3 , ... lässt sich ein leichter Rechnungsmechanismus linden, 
durch welchen die Werthe der Formeln B v B % , B % , ... C u C % , C 3 , ... D t , D z , Z> 3 , ... erhalten werden 




können. In dieser Absicht wollen wir die Entwicklung des Productes 

(15) .... (5l + %z + 5t 3 z a + V + • • •) (2S + SÖi« + ^ " 

welche wir durch 

(16) P +P 1 *+P 2 s 2 +P 3 * 3 + + P m * m + .. 

andeuten wollen, naher betrachten. Es ist nämlich 



%z -f- . . .J, 



(17) 



P 3 




0? 




- a, söo ; 

5t, 33, + 2t, ^ + SC 




2 "^Ü * 



Ulo as 3 + st, s 8 + 2t, ©! + 51: 




3^05 



* 



p m 



5t s 



m 



2t, S8 m _ , + 2t ä 5B m _ 8 + + 2L-i», + 2t 




m "*^0 



Aus der blossen Ansicht dieser Formeln 



ergibt sich ein sehr einfacher Rechnungsmeehanismus 



für die Bestimmung der Coefficienten P , P 19 P», P 3 , .... P m , ... 

Man schreibe nämlich die Coefficienten des einen Polynoms unter die entsprechenden des andern, 
so zwar, dass immer zwei Coefficienten gleich hober Potenzen von z unter einander zu stellen 
kommen , auf folgende Art : 

00 5t 5t, % 2t 3 5t m ... 



m 




o SB, 




2 





m 



• • 



t 













110 



Fr. Math. Auflösung der Gleichungen 
Solche Reihen, deren Glieder nach dem in den Formeln (17) ausgedrückten Gesetze 



zu ver- 



binden sind, werde ich producirende Zahlenreihen, und wenn die einzelnen Glieder blosse 
Ziffern sind, producirende Zifferreihen nennen. Mehrere, in gehöriger Ordnung unter einander 
gesetzte Reihen dieser Art heissen wir ein System producirender Reihen, welche ich noch überdiess 
nach ihrer Folge, wie sie unter der ersten, von oben nach unten, stehen, durch die Ausdrücke: 
Reihe der ersten, zweiten, dritten,... Ordnung unterscheiden will. 



Wenn nun irgend einer der Coefficienten , im Allgemeinen P m , berechnet werden soll, 



so ver- 



wendet man zur Bildung desselben von jeder der beiden Reihen (a), (|3), m+1 Glieder, um aus ihnen 
wi+1 Partialproducte zu bilden, von denen einer der Factoren aus der Reihe (a), der andere aus 
der Reihe (/3) genommen wird, so zwar, dass die Summe ihrer Anzeiger stets derselben Zahl m gleich 
bleibe. Nimmt man also 






r 






I 






»' 



%i %', %', %', -...; 3L_,; 3L 



der Reihe nach zu den ersten Factoren an, so sind 







m 







m— 3 ? 



• • 




1 5 








die respectiven zugehörigen zweiten Factoren dieser Producte. Werden hierauf diese m+1 Partial- 
producte in eine Summe zusammengezogen ; so ist dieselbe der Werth von P m . 

Ich werde eine aus zwei Zahlenreihen nach dem eben besprochenen Gesetze hergeleitete Zahl 
schlechthin nur eine producirte Summe nennen. 






Wir 



der verschiedenen Potenzen von R anwenden, wo- 



bei es offenbar hinreicht, nur den Fall, da f(x~)=x n angenommen wird, zu betrachten. Da nun 



so hat man, wenn man 



R 2 =R.R; R*=R 2 .R; 



setzt, und der Abkürzungen (7) sich bedient 

(A +R.zy=Al+fi)Ar 1 .A 1 z+QAZ-*A,z*+Q)A»- 3 A 3 z?+.. . . 

+ {l)A»-*(A 1 +A i z+A 3 z* + ....)(A i + A 2 z+A 3 z*+...).z* 
+ (l)A^(B 1 +B,z+B 3 z z +....)(A i + A 2 z+A 3 z z +...).z s 
+ (l)Ar i (C i + C. i z+C 3 z i +....)(_A 1 + A,z+A 3 z"+..,).z tt 



Wird 



+ u. s. f. 
noch weiter entwickelt, und werden hierauf alle erhaltenen Glieder nacl 



1 



Potenzen von z geordnet, so findet man 



(18) 



(A 0+ R.zy=A° +{'l)A»- i A 1 z+\QA»-* 4,+Hj .*■ 

+ l[")A" -< A 3 + Äj . z* 
+ [(?) AT 1 A 3 + £,] . z" 



+ 

























w 












mit numerischen Coefficienten 



111 



worin abkürzend gesetzt ist 



* = s -'s- K:j • 



■A X A 



n-3 T^i 



*.=GH-ߣ]+GH-fö]' 



(19) 



jl] 



4|4 S 



A, 



U J - 4 « La, ä 2 ä J + U J A ° In, bJ + U J -* Lc, J ' 



Ä, 



O^Etttä + O^föÄÄl + GK*föä + O^IÄl« 



u. s. 



f. 



und die durch Klammern dargestellten Symbole producirte Summen aus den innerhalb dieser Klammern 
stehenden producirenden Reihen bedeuten. Stellt man, um noch mehr abzukürzen, durch die Zeichen 



(SO) 



{»■ {»« 



4 



j ? • • • • ? j 



P 



die producirten Summen vor, welche aus der Verbindung der Reihe 



(21) 



A t 5 -4 2 ? ^*3 ? 4 5 «5 1 45 • 



.; A 



p-19 



mit den Reihen der verschiedenen Ordnungen : 



(22) 



1. A t ; A 2 ; A$ ; 4 ; 4 ; 4 ; 

II. ; 4 ; £, ; j% ; ü 4 ; £, ; 

111. I) ; U ; d ; C 2 ; C 3 ; C 4 ; 

iv. o ; o ; o ;A; A;A; 

V. ; ; ; ; E t ; ^ ; 

u. s. f. 



• ; A v . 



1 



4 



5 



hervorgehen ; so hat man im Allgemeinen : 



(23) 



Ä 



m 



rn\ j n _ 2 cm + l 



©*Ti 1 }+©*Tt , }+ 



•+( 



m + 1 



V* 



m- 




m + 1 

»i + 1 



Die Ausdrücke für K t , K 29 K 39 .. . . lassen sich durch ähnliche Formeln darstellen. Hierzu dient die 
Bemerkung, dass die Zahlen a i9 a 2 , « 3 , • . • a n auf die Werthe der Glieder, woraus die producirenden 
Reihen (22) bestehen, durchaus keinen Einfluss haben; nur treten hier an die Stelle der Multiplicatoren 



(24) 0JJ-; GH"" 3 ; g)i«,-' ;...;( 



n 

m + 1 



)^S 



m— 1 



die Factoren 

(25) . 



l 



j-sf" (40 ; 



i 



1.2.3 



f" (40 ; 



i 



1.2.3.4 



r 4) ; 



i 



• • • 



(n 



m 



¥ 



(m + 1) 



(40 



welche wir in (12) durch die Zeichen 



(26) 



M^ M^ M 3 ; ; M m \ 



vorstellig gemacht haben. 

Die Formeln (14) zeigen, dass jeder der Coefficienten Z 2 , Z 3 , Z 4 , . . .. aus zwei Theilen bestehe, 
von denen der erste den unveränderlichen Factor M enthält. Die zweiten Theile K x , K % , J5f 3 , . . . sind 
Summen , deren Summanden Producte aus den Multiplicatoren M ± , M % , M 3 , • . . in die Ausdrücke 
A ± , A», 4 ? ... B { , Bo , 2? 3 , ... d , C 2 , (7 3 , ... Z^ , Z> 2 , Z> 3 , ... sind. Hiernach würde sich das 
Schema zur Berechnung von K m auf folgende Weise zur Darstellung bringen lassen: 













I 
















112 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



Multiplicatoren 



A t ; A 2 ; A 3 ; A± ; A 5 ; . . . ; A m __ 1 ; 



1.2.3.4/ IV ^o) =iW * 
1.8.3.4.5^* (40 = ^5 



1 



A t ; A 2 ; 


^*3 5 ^4 ? ^*5 5 ' * • 5 ^m-1 ? 


; J8, ; 


■^2 9 -^3 ? XJ, -i 9 * • • 9 -^m— 2 9 


; ; 


^1 9 ^2 9 *-'3 9 • • • 9 ^m — 3 9 


; ; 


U ; Dt ; Z/g ; . . . ; // m _4 ; 

• 


; ; 


• • • • ff 






wobei die Anzahl der Reihen 



n 



1. 



Man hat nun im Allgemeinen 



(27) 



Z 



m 



M. A m -f- K m _, ; 



worin 



(28) 



ä: 



m — 1 



*»+*••+*«}+•• 



+>•{ 



in 
m 




Die Berechnung der producirten Summen 



im) im) jm) im) 

IM ' 13) ' 14 P ' Jnif 



nimmt nun folgenden geregelten Gang. 

Aus den Gliedern der Reihe (21) und (22)1. suche man die producirten Summen B t B 2 B 3 . . . , 
welche man neuerdings als Glieder einer producirenden Reihe annimmt, und sie auf die Art, wie (22)11. 
zeigt, ansetzt. Eben so leite man aus den Gliedern der Reihe (21) und (22)11. die producirten Sum- 
men C ± C 2 C 3 . . . her , die wieder als Glieder einer producirenden Reihe angenommen , und auf die 
Art (22)111. hingeschrieben werden. In gleicherweise verbinde man die Glieder der Reihe (21) mit 
denen der Reihe (22)111, um aus ihnen die producirten Summen D t D 2 D s . . . abzuleiten; und schreibe 
dieselben, sie wieder als Glieder einer producirenden Reihe betrachtend, in der Art hin, wie (22) IV. 

* 

zeigt, u. s. f. Aus diesen gefundenen Werthen setzen sich alsdann nach (13) die Werthe von K t K 2 K 3 . . . 
zusammen, durch deren Verbindung mit MA%\ MA 3 ; MA h \ ... nach (14) die Werthe von Z % Z % Zt k ... 
erhalten werden. 

Nachdem ich die allgemeinen Formeln entwickelt habe, auf denen die Berechnung des aus der 
Substitution des Polynoms (2) in die ganze Function (1) für x hervorgehenden Polynoms (3) beruht, 



will ich sie durch Anwendung auf die einfachsten Fälle, da n 



2, n 



3 und n = 4 gesetzt, noch 



erläutern, wobei a t 



a. 



(h 



Clit 



angenommen werde. 



Entwicklung der zweiten Potenz eines Polynoms. 



Wenn n = 2; so hat man 



(29) 



1* 



,2 



{A -\- A t . z -\- A 2 . z 2 -\- A 3 . z 3 -\- . . . .)*. 



Zur Berechnung der Coefficienten der verschiedenen Potenzen von z in dieser entwickelten Potenz 
kommt mit der producirenden Reihe (21) nur eine einzige producirende Reihe der ersten Ordnung, 

















■ 



mit numerischen Coefficienten 



113 



nämlich die Reihe I. aus den Reihen (22) zu verbinden. Der dieser Reihe entsprechende Multiplikator 
ist (!J1 -rl|}~ ä = 1 ; und das Schema der Rechnung wird sein: 



licator 


A t 


A 


A 


A 


A, 


1 


A, 


A % 


A 3 


A 


A 



Hieraus folgt also nach dem Gesetze der producirten Summen: 



(30) 



K t = A x A x 
IL 



Ah 



Ä 



3 



u. s. 



A l A 2 + A,A l = 2A i A,; 

A i A 3 -\- A % A % -\-A-,A { = 2A X A t -f- Ai ; 

f. 



woraus man endlich hat: 




(31) 




/•; 



z 



2A . A { ; 
2A .A 3 -^K Z ; 



Entwicklung der dritten Potenz eines Polynoms. 



Wenn n = 3; so hat man 



(32) 



X 



,3 



(A ^- A t .z -\- A 2 .z* -\- A 3 .z 3 -\- . . .f. 



Zur Berechnung der Coefficientcn der verschiedenen Potenzen von z in dieser entwickelten Po- 
tenz kömmt mit der producirenden Reihe (21) eine producirende Reihe der ersten Ordnung, nämlich 



die Reihe I. aus den Reihen (22), und eine producirende Reihe der zweiten Ordnung, nämlich die 
Reihe IL aus den Reihen (22) zu verbinden. Die diesen Reihen entsprechenden Multiplicatoren sind 
3A und 1 ; und das Schema der Rechnung wird sein 



Multiplicatoren 



A t A 2 A $ A k A 



34> 
1 



A t Ao A d An A s 
B x B 2 B 3 B, 



Hieraus folgt nach dem Gesetze der producirten Summen 



IC 



(33) . . 



Ä 



3 



SAoAA + 1 .0 — 3J.il?; 

3 A .{A A % -f A Ai) +• i • (A t . B x + A 2 . 0) 
6/l A x A. t -\- A\ ; 

34, .{A x A 3 -\-A, A + A • A) -f l • iA B% + A Bi + A- 0) 

%A A x A 4- 3 A AI + 3 A\ A v 



u. s. f. 



nenk.-chriften d. mathem. natura". Cl. 



15 




- 









I 



















114 



Fr. Math. Auflösung der Gleichungen 



woraus man endlich hat 



(34) 



Z* 

z„ 



3-4> • 4 5 

3^.4 + ^; 

3-4; . -4 3 -[- JSQ ; 

3^4; . An -|~ üf 3 ; 



i 



Entwicklung der vierten Potenz eines Polynoms. 



Wenn n — k, so hat man 



(35) 



x i =(A + A l .z + A,.* + A,.z* + 



'■i 



..)*• 



In diesem Falle kömmt mit der producirenden Reihe (21) aus den Reihen (22) die der ersten. 

? also die Reihe L, IL und III. Die diesen Reihen ent- 



zweiten und dritten Ordnung zu verbinden 



sprechenden Multiplicatoren sind 6 AI; 4.4 ; 1, und das Schema der Rechnung* wird sein 






Multiplicatoren 



64* 

*A 
1 



A\ 4 4 4 4 4, 



Hieraus findet man 



4 A z 
B 1 



A 3 
B„ 



A, 

m 

B 











c t a 



a 5 



m • 



• • 






vJIlq . A± A± — vAq A\ 



SAHAtA-h A,A^-^kA .A l B l = \2AlA i A 2 -\-kA,A\; 



(36) . . {K z = 64 3 .(44 + AA -\-A 3 A i )^-kA .(A 1 B,-\-A. i B 1 )-\-l.A i C i 

= i24 3 .44 3 -|-64 2 4* +12AAIA+A-, 




u. s. f. 



woraus man endlich hat 



Z, = 44 3 
Z,= 





442 



(37) 



A 

4+Äi; 

Z 3 =kA 3 .A z + K; 
Z 4 = 44g . 4 4 -j- Ä" 3 ; 



Wir wollen t 
Setzung betrachten 



ldlich noch die Fälle, da n=2, rc = 3, n = k angenommen wird, unter der Voraus- 
da 6|, ögj a 39 . • . a n nicht sämmtlich verschwinden. Den oben aufgestellten allgemei- 
nen Formeln zu Folge wird sich die Berechnung 1 der Coefficienten des Polynoms (3) von der Berech- 






nung der Coefficienten der Potenzen 
toren unterscheiden. 

Wenn also 
so findet man 



-f- 4 * -}- -4 2 * 2 -f. 



nur in den Multiplica- 



n 



2, d.i. f(x) = x 2 -{- «i ® 4" (h 5 



(38) 



üf= 24, -}-<*! ; J#i = l 






Hier kömmt also mit der producirenden Reihe (21) nur (22) I. zu verbinden 



Das Schema der Rechnung ist 



Multiplicator 



A t A z A 3 A, A 




1 



A t A% A% A^ 



i 



Ai 




i 









und 



worin 



mit numerischen Coefficienten. 
Z X =M.A X \ Z^M.A^K,; Z,=M.A,-\- K,; 

•*M 9 **2 9 ^3 9 • • • 



115 



nach den Formeln (30) berechnet werden. 






Wenn 



n 



3, d. i. f (x) =x 3 -\-a i x l -\- a» x \ a% ; 



so findet man 



(39) 



M=3Ä*+2a l A -\-a 2 ; M^dA^a, ; M % =\. 



Hier kommen mit der producirenden Reihe (21) nur I. und IL aus (22) zu verbinden 
Das Schema der Rechnung ist 



Multiplicatoren 


A t 


A, 


A 3 


A 


A 


• • • 


3.4 -\- «, 

1 


A 




A 
B x 


A 3 
B> 


A 
B s 


A 
B, 


• • • 

• • • 



und 



worin 



Z,=M.A^ Z 2 =M.A % + K X ; Z,=M.A,-\-IC;... 

*M 9 Ä 2 ? A3 f • • • 



I 



lach den Formeln 



l^=(3A+<)-^i4n 

/C=(3.4 -f«i)-(^A+^^i) + i-A^i; 

/^ =(3J 4-«i) .(^A-f^M* +J 3 ^)-[-l.(^ 1 A+^2Z? I ); 



u. s. f. zu berechnen sind. 



Wenn 



n 



4, d.i. / , (o?)=a?*-|-a 1 a: 3 -|-a2^H-«3^+«4; 



so findet man 



(40) M=kAl-\-3a i Al-\-2a 2 A Q -i r a 3 ; M t = 6A* + 9^^ + 0*1 M 2 = kA»+a x ; M,= \ 

* 

Hier kommen mit der producirenden Reihe (21) nur L, IL und III. aus (22) zu verbinden. 
Das Schema der Rechnung* ist 



un 



d 



Multiplicatoren 


4 A. 2 


A 3 


An A 5 * . . . 


6-42-{-3a 1 -4 + «2 

1 
Z,=M.A l ; 7 H =M 


A\ A 2 

By 




A 

B z 

Cy 

z 3 = 


-/I4, J\§ • • • 

/? 3 X?4 . . . 

^2 v^3 • • • 

=M.A 3 -\-K>;. . . 



worin 



Ki^&Al+SaiA+ad-AyAi 
f4n )^=(6^o+3a 1 4,-f «0.(4^+4,4) + (44. -fai)(4B,); 

J/ Ä- 3 =(6il^3«,A + «,).(Ai3 + 4A 4- 4 4) + (44rK) (4 #* + A^i) -H • 4 C, ; 



11. s. 



f. 



15 









I 



f 























116 Fr. Moth. Aaflösuny der Gleichungen 

Nachdem wir die Gesetze betrachtet haben. Potenzen und ganze Functionen von Ausdrücken, welche 
nach der Grundform der Algebra gebaut sind, in eben solche Formen wieder zu entwickeln, wollen wir 
im Folgenden weiter untersuchen, wie diese Ausdrücke benützt werden können um für die Radication 
und für die Auflösung der höhern Gleichungen einen entsprechenden Rechnungsmechanismus 
zu erhalten. 

§. IL 

Entwicklung eines eigenthümlichen Rechnungsmechanismus für die Radication. 

Bei der Radication d. i. bei der Ausziehung der Wurzel irgend eines Grades aus einer vorgelegten 
dekadischen Zahl, oder aus einem nach Potenzen einer Hauptzahl fortschreitenden Polynom wird eine 
Zahl oder ein Polynom von derselben Form gesucht, so zur Potenz des gegebenen Wurzelexponenten 
erhoben die vorgelegte Zahl oder das gegebene Polynom zum Vorschein bringt. Wenn das vorgelegte 
Polynom kein Erzeugniss einer wirklichen Potenzirung eines andern Polynoms von geschlossener Glie- 
deranzahl ist, so lässt sich keine Summe von Gliedern in geschlossener Form angeben, welche potenzirt 
das vorgelegte Polynom zum Vorschein brächte. In einem solchen Falle kann man immer nach einem 
Polynom fragen , dessen Glieder bis zu einem gegebenen Grade aufsteigen, und welches die Be- 
schaffenheit besitzt, zu einer vorgeschriebenen Potenz erhoben, ein Resultat darzubieten, das mit dem vor- 
gelegten Polynom in allen seinen Gliedern, vom Anfangsgliede an, bis zum Gliede von jenem beliebigen 
Range hinauf, übereinstimmen. Und diese Frage, so gestellt, kann auf diejenige zurückgebracht wer- 
den , bei der angenommen wird , dass das vorgelegte Polynom eine wirkliche Potenz eines andern 
Polynoms von geschlossener Gliederzahl sei. Wir wollen nun zuvörderst die einzelnen Fälle betrach- 
ten, da der Wurzelexponent 2, 3, 4 oder 5 ist. 

A) Entwicklung eines Rechnungsnicchanisniiis zur Bestimmung der Quadratwurzeln aus Polynomen und 

dekadischen Zahlen. 

Wenn ein vorgelegtes Polynom : 
(1) Zo-j-Z^-j-Z^+Zs.s 3 -}- 

als ein wirkliches Erzeugniss der Multiplication des Polynoms 

(2) A+A*-M** 2 -M 3 * 3 -t- 

mit sich selbst betrachtet wird, d. h. wenn man annimmt, dass 

Z -\-Z ± z + Z** 8 -j- Z 3 z*-\-....=(A -) r A i z-l r A 2 z*-{-A 3 z z ^-. ...)*; 

so hängen die Coeffieienten 

(3) Z ; Z l5 Z 2 ; Z 3 ; .... 

von den Coeffieienten 

(*) Aq, Ali A 2 i Aa, .*.. 

und umgekehrt diese von jenen nach Gesetzen ab, welche im vorhergehenden §. entwickelt worden 
sind. Diese Abhängigkeit wird uns dazu dienen, um alle Glieder des Radicals 

(5) \/iZ -\-Z>z+Z % z*-\-Z &S ? + ...), 

sobald dasselbe in der Gestalt (2) ausgedrückt werden soll, d. h. um alle Coeffieienten (4) suecessive 
aus den gegebenen Coeffieienten (3) zu finden. 





































- 



mit numerischen Coeffieienten. 



117 



Die Gleiehung i 







Ah welche ausdrückt, tlass das niedrigste (oder höchste) Glied des Quadrates 



mit der zweiten Potenz des niedrigsten oder höchsten Gliedes seiner Wurzel zusammenfallt, gibt unmittelbar 



(6) 



A = ^ r A- 



Man ziehe also dieselbe Wurzel, welche aus einem, nach der Hauptform der Algebra gebauten 
Polynome gezogen werden soll, bloss aus dem ersten Gliede dieses Polynoms, so gibt diese Wur- 
zel das erste Glied des Polynoms, welche die zweite Wurzel des vorgelegten ist. Aus diesem so er- 
haltenen Gliede, und mittelst der gegebenen Coeffieienten Z , Z t , Z ä ... lassen sich nun sofort auf eine 
sehr einfache Weise die Werthc der Coeffieienten A t , A. Z ,A 3 ... finden, wozu es blosser Divisionen be- 
darf. Das System der hiezu nötbigen Operationen erbält nun einen gleichförmigen und geregelten Gang. 



I. Wenn man die zweite Potenz Aq = Z 







Wur 



gelegten Polynom abzieht, so erbält man als ersten liest 



ß 1 = Z 1 .«H-Z 2 .2 2 4-Z 3 .2; 3 +.. 



• • 



worin 



/j^ == £-Aq • -^M 



Hierbei hat man nicht nöthig, stets alle Glieder des vorgelegten Polynoms herabzusetzen; es reicht 
hin, diess nur mit dem Hauptgliede Z t .% zu thun. Wenn man nun dessen Form 

® l = 2A .A 1 z 

betrachtet, so wird es klar, dass, wenn man dasselbe durch den Divisor 2A , d. i. durch den dop- 
pelten schon gefundenen ersten Theil der Wurzel dividirt, das zweite Glied A\x der Wurzel erhalten 
werde. Dieses Glied werde wieder mit dem Divisor 2A multiplicirt, und von jenem Reste abgezogen ; 
und im neuen Reste bleiben alle jene Glieder des gegebenen Polynoms stehen, welche auf das 

zweite Glied folgen. 

II. Mit Hinwedassunff des ersten Gliedes aus dem vorigen Reste bleibt als zweiter Rest stehen: 



R z = Z 2 . z 9 ' -\- Z 3 . z 3 -\- .. 



worin 



Z. 



2A . A z -\- K x und K x — it, . ylj 



Es ist hinreichend, von den Gliedern dieses Restes bloss das erste Hauptglied Z,.z~ zu be- 
trachten, weil aus diesem Gliede allein das folgende Glied der Wurzel gefunden werden kann. Die 
Form dieses Gliedes lässt erkennen, dass, wenn man den Theil K x z % abzieht, ein partieller Dividend 

£) 8 = 2A . A % z* 

übrig bleiben werde, der die Beschaffenheit besitzt, dass er, durch 2A dividirt, das dritte Glied 
A 2 z* der Wurzel gibt. Der abzuziehende Theil 



K,z 



2 ~2 



A\ . z 



welchen ich die erste Correction nennen werde, wird erhalten, wenn man aus den bereits 



bekannten Gliedern 



A x z 
A x z 



die producirte Summe nimmt, welche hier mit dem Producte der beiden Glieder einerlei ist 







mm 

























t 









118 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 
III. Als neuen Rest setze man das nächst folgende Hauptglied 



R 



Z 3 * 3 -|-... 



herab, um nach ähnlicher Regel aus ihm das folgende Glied der Wurzel abzusondern. 



klar, dass, wenn man von der Form 



Es ist aber 



Z 3 z* 



2A A i z 3 + K 2 z 3 , 



worin 



K,z 



2A t A, z 3 , 



das Glied K z z 3 absondert, ein partieller Dividend 



2). 



-W^tLq • JLo Z 



A,z 3 



übrig- bleiben werde, der die Beschaffenheit besitzt, dass er, durch 2A dividirt, das vierte Glied 
3 ~ der Wurzel gibt. Der abzuziehende Tbeil K 2 z 3 , den ich die zweite Correction nennen 
werde, wird erhalten, wenn man aus den schon bekannten Gliedern 

A t z ; A. z z* 

A x z ; A 2 z 2 

die producirte Summe nimmt. 

IV. Der neue Rest besteht aus den folgenden Gliedern des vorgelegten Polynoms. Es ist hin- 
reichend , bloss das nächste Glied Z 4 *» zu betrachten , da aus ihm allein das nächst folgende Glied 



Wu 



We 

Rh 



Z*** + 



worin 



Z 4 s 4 



und 



2A .A lt z*-\-K 3 z 



K,z 



2A l A 3 .z*+AzA 2 z\ 

den Theil A3* 4 hinwegnimmt , so bleibt ein partieller Dividend 



2) 



2A Q . A^ z* 



übrig, der die Beschaffenheit hat, dass er, durch 2A dividirt, das fünfte Glied A.z" der Wurzel 
gibt. Der abzuziehende Theil K 3 z\ den ich die dritte Correction nennen werde, wird erhalten, 
wenn man aus den schon bekannten Gliedern 



A ± z; A 2 z 2 ; A 3 z 3 
A t z; A % z z ; Am z 3 



die producirte Summe sucht. 



Weise 



siel 



\ 



alle Glieder der Wurzel des zweiten Grades aus einem gegebenen Polynom, dessen Glieder nach Po- 
tenzen einer Hauptzahl fortschreiten, successive entwickeln lassen. 

Jedes Glied des vorgelegten Polynoms, im Allgemeinen Z m .z m , wird nämlich das entsprechende 
Glied in seiner Wurzel, das von eben demselben Range ist, nämlich A m .z m geben, indem man an 
jenem die Correction K m _ t z m anbringt, d. h. von ihm ein Glied abzieht, das als eine producirte 
Summe aus zwei producirenden Reihen erhalten wird, aus den Reihen 



v 







I 



* 












mit numerischen Coejficienien 



119 



-/lj • *> <> .xl» • /6 * "^*-3 * * 



; 4n-i« 



Z 



m — 1 . 






■£m-\ • Z , -tX>> • Z , ■**3 • ^ 5 



9 



A 



m— 1 



. s"- 1 ; 



deren Glieder sämmtlich bekannt sind. Der Rest gibt den partiellen Dividend 



£> 



m 



2A . A m z 



m 



? 



der nun die Beschaffenheit hat, dass er, durch 2A dividirt, das nächste Glied A m . 






III 



der Wurzel 



von eben derselben Form mit 2 ist ; so gelangt man 



gibt. Wenn das gegebene Polynom ein wirkliches Erzeugniss der Potenairung eines andern Polynoms 

einmal zum Reste , und das so erhaltene 

Polynom von geschlossener Gliederzahl ist alsdann die gesuchte Quadratwurzel des gegebenen 

Polynoms. 

Will man die successiven Glieder der Quadratwurzel aus einem, nach Potenzen einer Hauptzahl 
fortschreitenden, Polynom linden; so wird sich zu deren Bestimmung wohl kaum eine bequemere und 
kürzere Regel angeben lassen. Aus ihr lässt sich ohne Mühe ein leichter Rechnungsmechanismus her- 
leiten. In der Absicht darf man nur, nachdem das erste Glied A durch eine partielle Quadratwurzel- 
ausziehung aus dem ersten Gliede Z des vorgelegten Polynoms gefunden worden ist, das doppelte 
desselben, also 2A 09 welches ich den assig nirten Divisor nennen will, von den übrigen Gliedern 
der Reihe zu trennen , und die , allmählig durch die Division der ersten Glieder der verbesserten Reste 
mit 2A erhaltenen, partiellen Quotienten neben das erste Glied A der Wurzel in eben derselben 
Ordnung hinschreiben, so wie sie durch die partiellen Divisionen der verbesserten Reste durch 2A all- 
mählig hervorgehen; die auf das Glied A folgenden Glieder aber, Behufs der Berechnung der Correc- 
tionen, darunter noch einmal wiederholen, weil so die Glieder der Quadratwurzel s< 
derjenigen producirenden Reihen verwendet werden können, welche in ihren producirten Summen sogleich 
die Correctionen der betreffenden Reste darbieten. 

Diese Anordnung der Rechnung wird sich nun in folgendem Schema zur Darstellung bringen lassen : 



j/[Z„ -\- Z, . z -f Z, . z 1 -j- Z 3 . z % -\- Z 4 . ** -\- . . . . ] =A 



AI 



/*, 



2A A 1 z-\-.... : 2A AiZ + A,z* + A s z° + A i z i + .. 



2 A A z 



A t z + A*z~ + A 3 s i +A i s k + .. 



Ä,= -j- (2A A, -\- IQ z 2 -\- . . . 



I. Correction K t z 



A\z l 



A 



2 A A z l -|- 

2A A s* 






«3= +(2A A 3 + IQz> + ... . 

II. Correction Kz 3 = JA , A+ A A) * 3 = (f* j A £ = 



&J.M.Q J\§Z • • • ♦ 



2 A A z z 







R*= +(2M + *i)«* + - 



III. Correction K 



3~ 



4 



(A t A, -]-A 2 A^A^A^z 



• • 



rA t z',A 2 z z ;A 

\A x z\A*z 



" 5 ^*3 s "\ 

2 ; A, z s ) 



2A A z 
2A A z 



+ - 



li 



-f(2AA+Ä"4)* 5 -t-... 

U. S. f. 










I 













f 

















SmOk 




120 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 




Beispiel. \/(l — 42+62 2 +42 3 — «*)=»! 



1 



kz+ ... 2 



kz 



2s + s a + 4s s + 7z 4 + 10s 5 + 5a 6 + 
2s + s* + 4s 3 + 7s* + 10s 5 + 5s 6 + 



\ 



I. CoiT 



+ 6s 2 + .. 

+ 4* 2 

+ 2s 2 + .. 
+ 22 2 



+ 4« : 



IV. Corr. 



II. Corr 



42 3 



+ 82 

4-8* 



III. Corr 



z 

152 



4 



+ 142* 
+ 142* 



+ 0.2 




+ 0.2 

gg. * * 

+ 2(K2 : 
+ 20.2 ; 



+ 0.2' 
10.2 



(J 



+ 10.2' 
+ 10.2 



+ 0.2 7 

u. s. f. 



Die gesuchte Wurzel ist also 



1 



22 + 2 2 -j- 42 3 -{- 72* -f 102 5 -|- 52 6 . . . 



Dieses Schema der Rechnung lässt sich noch bequemer auf folgende Art zusammenziehen 



|/( 1 — 42 -f- 62 2 -f- 42 : 



*)■ 



1 



1 


















kz : 2 



2s + s 3 + 4s 3 + 7s 4 + 10s 5 + 5s 6 + . . . 



» 



2z + z 2 + 4s 3 + 7s* + 10s 5 + 5s 6 + .. . 



Correctionen . 



42 




■ 




• 




-f 62 2 

. . -j-42 2 


-|-42 3 
-42 3 


4 

2 

152* 


0.2 5 

202 5 


0.2 6 

— 102 6 


0.2 7 

etc. 


-f-22 2 


+ 82 3 


-1-142* 


-f-202 5 


-1-1 02 6 





Aus den vorhergehenden Formeln entwickelt sich ohne Mühe der Rechnungsmechanismus für die 
Ausziehung der Quadratwurzeln aus dekadischen Zahlen. 
Wenn A und Z ganze dekadische Zahlen , ferner 



Z 



1 

10 ? 



einzifferige Zahlen sind , und 
so drücken die Polynome 

A -\- A t z -J- A % z % -\- A % z* -j- . . . und Z -J- Zj . ^ -}- Z 2 . ^ 2 -j- Z 3 . 2? 3 -[- • • • 

dekadische Zahlen mit angehängten Decimalhrüchen aus. 

Der im Vorhergehenden erklärte Rechnungsmechanismus bleibt im Wesentlichen derselbe, wenn 
es sich darum handelt, um aus den successiven Ziffern einer vorgelegten dekadischen Zahl, aus der 
man die Wurzel des zweiten Grades ziehen soll, nach und nach die Ziffern zu linden, mit denen diese 
Wurzel geschrieben wird. Man suche die Grenzen der Wurzel auf die bekannte Weise, die kleinere 
derselben, welche mit einer oder mehr Ziffern geschrieben sein kann, wird die mit A Q bezeichnete 
Zahl sein. Um nun die auf dieses erste Glied A 







» 







folgenden Ziffern der Wurzel zu erhalten , ziehe 




1 




^w 




mit numerischen Coe/ficienien. 



121 



man die zweite Potenz von A von der gegebenen Zahl gehörig ab, stelle das Doppelte dieses schon 
gefundenen Theiles der Wurzel als den assignirten Divisor auf, den man neben dem ersten Rest rechter 
Hand anschreiben, und von diesem durch ein Zeichen trennen kann, und dividire hierauf jenen liest 
durch ihn. Die nach und nach auf eine ffere^elte Weise zu erhaltenden Ziffern der Wurzel kann man über 
einen horizontalen, neben den Divisor gezogenen Strich ansetzen , und sie unter demselben, Behufs der 
Berechnungen späterer Correctionen wiederholt anschreiben. Dividirt man hierauf den, nach bewerkstelligter 
Subtraction der zweiten Potenz von A von der vorgelegten Zahl erhaltenen Rest, nachdem man früher 
zu ihm aus der gegebenen Zahl eine Ziffer, die nächste nämlich, die von jener Subtraction noch unberührt 
geblieben ist, herabgesetzt hat, durch den assignirten Divisor 2A , so gibt der ganzzahlige Theil die- 
ses Quotienten jene Ziffer, welche in der Wurzel auf den Theil A folgt. Dieselbe werde nun über 
den horizontalen Strich, und wiederholt unter demselben, zunächst nach A zur Rechten hingeschrie- 
ben. Das Product aus ihr in den assignirten Divisor werde hier auch von jenem Reste abgezogen, 
und diesem neuen Unterschiede werde rechts die nächste Ziffer aus der gegebenen Zahl angehängt. 
Endlich werde an der so erhaltenen Zahl die erste Correction angebracht. 

Von hier aus nimmt nun die Rechnung einen gleichförmigen und geregelten Gang, um Ziffer für 

Ziffer der Wurzel aus den nachfolgenden einzel 

Für diese nachfolgenden Rechnungen dient 



Ziffern der Zahl zu finden. 



zur 



allgemeinen Regel, dass allemal, als man im 



Laufe der 



eine neue 



Rechnung zu dem, durch die vorausgegangene Operation der Subtraction erhaltenen, Reste 
nächstfolgende Ziffer aus der vorgelegten Zahl herabgesetzt hat, an 



der so erhaltenen Zahl 



eine Correction anzubringen sei. 



Sie bildet sich im Allgemeinen nach dem Gesetze der producirten 
Summen aus zwei producirenden Reihen, wozu die bereits gefundenen, auf den Theil A folgenden, 



über und unter dem horizontalen Striche angesetzten Ziffern die respectiven Glieder liefern. 



Diese 



Correction kann , als eine nach einem bestimmten Gesetze aus schon bekannt gewordenen Ziffern der 
Quadratwurzel herleitbare Zahl stets nur eine bekannte Zahl sein. Jeden auf diese Art verbesser- 
ten Rest (partiellen Dividend) dividire man sofort durch den assignirten Divisor. Der ganzzahlige Theil 
dieses Quotienten liefert eine neue Ziffer der Quadratwurzel, die man den durch die frühern Opera- 
tionen schon gefundenen Ziffern über und unter dem horizontalen Striche weiter anzureihen hat , um 
sie so zur Bildung der Correctionen nachfolgender Reste wieder verwenden zu können. Das Product 
aus einer solchen letztgefundenen Ziffer der Wurzel in den assignirten Divisor von dem letzten verbes- 
serten Reste abgezogen gibt einen neuen Unterschied, dem man rechts die nächstfolgende Ziffer aus 
der gegebenen Zahl anzuhängen hat, um, nach angebrachter Correction an demselben, durch partielle 
Division des verbesserten Restes mit dem assignirten Divisor eine neue Ziffer der Quadratwurzel zu 
erhalten. Mittelst dieses Rechnungsmechanismus lässt sich die Quadratwurzel aus einer vorgelegten 
Zahl so genau als man nur immer will finden. 

Wir wollen, um diese verschiedenen Regeln durch ihre Anwendung in einem besondern Falle zu 
erläutern, den Werth von j/86 in acht Ziffern suchen, von welchem wir wissen, dass er zwischen 
den Grenzen 9 und 10 liege. 

Nachdem man die untere Grenze 9 hinter dem Gleichheitszeichen angesetzt, und deren Quadrat 81 
von 86 abgezogen hat, hänge man dem Reste 5 eine Null an, trenne von dieser Zahl 50 das Doppelte der 
untern Grenze, d. i. die Zahl 18 durch einen kleinen verticalen Strich, und setze neben diesen assignirten 
Divisor 18 einen horizontalen Strich. Man dividire hierauf 50 durch 18, setze den partiellen Quotienten 
2 über und unter jenen horizontalen Strich, und ziehe das Product aus 2 und 18, d. i. die Zahl 36 von 50 
ab. Dem Reste 14 hänge man wieder eine Null an, bringe an 140 die erste Correction 4 an, und dividire 
den ersten partiellen Dividend 136 durch den assignirten Divisor 18. Den erhaltenen partiellen Quotienten 
7 setze man über und unter dem horizontalen Striche hinter 2 an, ziehe das Product aus 7 und 18, d. i. 
126 von 136 ab, und setze dem Reste 10 wieder bei, u. s. f. 



Denkschriften d. iriathcm. naturw. Cl. 



1(i 



> 



I 

















































122 



Fr. Moth. Auflösimg der Gleichungen 
Die Rechnung gestaltet sich hiernach folgendermassen : 



^86=9 

81 



■ 



50 
36 



18 



2736185 . 
2736185 . 



18.2; 



I. Correction 
I. part. Divid 



140 
4 



2 



136 
126 



2.2 aus (I); 



18.7; 



100 



II. Correction 



28 



27 



2.7 + 7.2 aus (^); 



II. part. Divid. . 



72 
54 



18.3; 



180 



III. Correction 
III. part. Divid. 



61=2.3+7.7+3.2 aus ( 2T3 ). 

' ' !273i - 



119 
108 



18.6; 



110 



IV. Correction 
IV. part. Divid. 



66 



2736 



44 

18 



2. 6 + 7. 3 + 3. 7+ 6.2 aus P™')- 

1 ' ' 12736J' 



18.1; 



260 



V. Correction 
V. part. Divid. 



97 = 2. 1+7. 6+3. 3+6. 7+1. 2ausg™jJ) ; 



163 
144 



18.8; 



190 



VI. Correction 
VI. part. Divid. 



82 = 2.8+7.1+3.6+6.3+1.7+8.2ausgg61Sj 



108 



90 



18.5; 



180 u. s. f. 



/ 



Hiernach ist V 86 = 9,2736185 . . . 






. 



mit numerischen Coefficienten. 



123 



Um zu sehen, mit welcher Einfachheit der 



Rechnungsmechanismus 



die Ziffern der Wurzel gibt, 



will 



ich noch einige 



Beispiele hieher setzen: 





^53- 


7 




49 




40 


14 




28 




120 


1. 


. . 4 




116 




112 




40 


II. 


... 32 




80 


III. 


... 64 




16 




14 




20 


IV. 




. 4 



2801098 



2801098 



16 



V. 



160 
16 

144 
126 



160 



VI 



36 



124 
112 



120 



u. s 



. f. 



^129- 


11 


121 


80 


22 


66 


140 


1 • • • • t * 


131 


110 


210 


II. ... 30 


180 


154 


260 


III 67 


193 


176 



3578166 . . . 



3578166 . . . 



17 



IV 



170 
. 118 

52 
22 



V. 



300 
135 

165 
132 



VI. 



330 

. 158 

172 
132 

400 

u. s. f. 



Hiernach ist V53 



7,2801098 



Hiernach ist ^129 = 11,3578166 . 



Um V 71 ku finden, wollen wir annehmen, dass man einen zweiziffcrigen höchsten Theil, 8,4, kenne 
Um die folgenden Decimalziffern der Wurzel zu erhalten, führe man die Rechnung auf folgende Art 



l/71 



8,4 



7056 

440 
336 



168 



2614976724 
2614976724 



1040 



4 



1036 
1008 



28 



280 
24 



256 
168 



88 



880 
40 



840 
672 



168 



1680 

28 

1652 
1512 

140 



1400 

85 

1315 
1176 

"Ü29 



1290 
144 

1146 
1008 



138 



1380 
142 

1238 
1176 

62 



620 

186 



434 
336 



98 



980 
241 



739 
672 



67 



670 

u. s. f. 



Hiernach ist V71 



8,42614976724.. 



Wenn man zur Bildung des ersten Theils der Wurzel A , somit auch zur Bildung des assig- 
nirten Divisors 2A eine zu geringe Anzahl von Ziffern anwendet , so kann es geschehen , dass eine 
Correction grösser wird, als diejenige Zahl ist, an der man sie eben anzubringen hat. In einem sol- 
chen Falle muss man die zuletzt gefundene Ziffer der Wurzel um eine, zuweilen um zwei Einheiten 
erniedrigen, damit eine solche Correction angebracht werden könne. Mit einer solchen Aenderung einer 
zu hoch angesetzten Ziffer der Quadratwurzel ist nothwendig eine Wiederholung der Rechnung ver- 
knüpft. Indessen kann das Eintreten solcher Fälle vermieden werden, wenn man dafür sorgt, dass der 
assignirtc Divisor eine drei- oder vierzifferige Zahl werde. Es ist daher zweckmässiger, gleich anfäng- 
lich einen hinlänglich grossen Divisor zu verwenden. Dieser Zweck kann im Laufe der Rechnung selber 
durch Aenderung des assignirten Divisors erreicht werden, sofern man nur die Regel beobachtet, die 
Correctionen um eine eben so grosse Anzahl zu vermehren, als die Ziffern in A . 



1 (i * 
















v' 



■J 





















124 






Fr. Math. Auflösung der Gleichungen 
So z. B. kann die Berechnung des Wertlies von j/86 auch noch in folgender Weise geschehen: 















1 '86 

81 



9 






50 18 
36 



2 
2 



140 



4 



13601184 

1288 



7361850.. 
7361850 . . 



720 



49=7.7; 



671 
552 



1190 



42 = 7.3 + 3.7; 



114S 
1104 



44 



• • 






440 
93=7.6 + 3.3 + 6.7; 



347 
184 

1630 



50=7.1 + 3.64-6.3 + 1.7; 



1580 
1472 



1080 

154=7.8 + 3.1+6.6 + 1.3 + 8.7; 



932 
920 



120 u. s. f. 









I 



Dessgleichen kann der Werth von |/29 auf die eine oder die andere der nachfolgenden Arten 



erhalten werden : 



s 







1/29-5 

























25 



40 
30 



10 



3 
3 



100 



9 



910 

848 



106 



851648 



• * 



851648 



• f 



620 
64 

556 
530 

260 

80 

180 
106 

74 



740 


1000 


41 


125 


699 


875 


636 


848 


630 


260 


106 


u. s. f. 


524 





424 
100 



j/29=5 
25 






40 10 



30 






38 
38 



100 



9 



91 

80 

110 

48 = 3.8 + 8.3; 



620 



64 = 8.8; 



5560 1076 
5380 



51648 . • 
51648 . . 



1800 



25 



1775 
1076 

699 



6990 
10 

6980 
6456 

524 


5240 
61 

5179 
4304 

875 


8750 
124 

8626 

8608 

18 



180 

u. s. f. 



Hiernach ist j/29 = 5,3851648.. 













- 




.---. 




mit numerischen Coejficienten 



125 



Es ist eine bemerkenswerthe Eigenschaft 



unseres Reclmungsmechanisinus 



dass der assignirte 

wied 



Divisor im Laufe der Rechnung mchreremal geändert werden könne, und dass es gestattet sei, wieder 
zu einem der frühern Divisoren zurückzukehren, sofern man nur in ehen dem Verhältnisse, als man 
die Anzahl der Ziffern des Divisors vermehrt oder vermindert, gleichzeitig auch die der Correctionen 
vermehre oder vermindere, wie die Verglcichung der drei Arten, den Werth von j/72 zu finden, zeigt: 



^72 = 8 



64 



\ 



80 
64 



16 



4 
4 



160 
16 

144 

128_ 

160 
64 

~96 

80 



160 
104 

560 
80 

^80 
336 



1440 

57 



168 8528137.. 



8528137.. 



1383 
1344 

390 
148 



242 
168 

740 
100 

640 
504 

1360 
90 



1270 
1176 



940 



u. s. f. 



V 



8 



64 



80 
64 



16 



4 
4 



160 



16 



1440 168 
1344 



85 
85 



960 
64 

896 
840 



560 

80 



4800 1696 
25 



52 

52 



4775 
3392 

1383 168 
1344 



8528 
8528 



39 
16 



16 



485281 
485281 



230 
156 

740 
100 



8528137 

168 8528137 



640 
504 

1360 
90 

1270 
1176 



940 



u. 



s. f. 



V 



8 



64 



48 

80il6, • 

64 ' 48 



I 

i 



160 
16 

144 
128 



160 
64 

85 

900,168 — 
_64 

896 
840 



560 



80 



480011696 
25 



528 

528 



4775 
3392 



13830 
20 



13810 
13568 



2420 

84 



23360 16970 
32 



281 
281 



23328 
16970 



6358 

5088 

1270 
1176 



1696 



52813 
52813 



168 



8528137 



• • 



852813? 



940 

u. s. f. 



Hiernach ist j/ 72 = 8,48528 137... 



Wir wollen unser Verfahren zur Berechnung des Werthes von jAr anwenden, wohei n die Zahl 



3,1415926535897932..., d. i. das Verhältniss des Durchmessers eines Kreises zu seinem 
bedeutet. Dasselbe stellt sich alsdann in folgendem Schema dar: 



Umfange 







- 







M^^HB 













I 









I 











































126 



Fr. Math. Auflösung der Gleichungen 



1 3,1415926535897932.. 



1 



I 



21 

14 



2 



7 



7 



74 
49 



251 

238 



34 



7 



7 



135 
49 

869 |354 

708 



2453850905. 5 



■ 9 



24538509055 



1612 



4 



1608 
1416 



1926 
16 



1910 
1770 

140 



1405 
36 

1369 
1 062 

3073 
52 

3021 
2832 

189 



1895 
81 

1814 
1770 

448 
114 

334 


334 



3349 
129 

3220 
3186 



347 
134 

213 


213 



2139 
166 

1973 
1770 

2033 
190 

1843 
1770 

73 



732 

u. s. 11 



Hiernach ist lAr = 1 ,7724538509055 .. . 



Die Methode zur Berechnung der Quadratwurzeln aus Polynomen, deren Glieder nach Potenzen 
einer Hauptzahl fortschreiten, und aus dekadischen Zahlen hat sich durch einfache Betrachtungen des 
Baues der zweiten Potenzen der Polynome entwickelt. Es lässt sich ohne Mühe im Vorhinein über- 
sehen, wenn man die Entwickelungen der dritten, vierten und höheren Potenzen solcher Polynome be- 
trachtet, dass man im Verlaufe der, Behufs der Bestimmung von Correctionen anzuwendenden Opera- 
tionen der zweiten, der dritten oder der höheren Potenzen schon gefundener Theile der Wurzeln , so 
wie sie allmählig hervortreten , benöthigen werde. Es wäre das Verfahren ein sehr unvollkommenes, 
dergleichen Potenzirungen auf dem Wege der wirklichen Multiplication vorzunehmen, und diess um so 
mehr, als man zu gedachtem Zwecke nur einer gewissen Menge von den Anfangsziffern der Potenzen 
bedarf. Auf die Formeln (18) bis (23) §. I. lässt sich indessen ein sehr einfacher Rechnungsmecha- 
nismus gründen, um die anfänglichen Ziffern, mit denen die Potenzen gegebener dekadischer Zahlen 
geschrieben werden, zu finden. 

Wir wollen die Zahl, welche zu einer Potenz zu erheben ist, im Allgemeinen durch das Polynom 

A -\- A { z -\- A 2 z 2 -\- A 3 z 3 -\- . . . 

vorstellen. Die Coefficienten dieses Polynoms, d. i. die Zahlen A . A 19 A 2 , A% . . . wollen wir als 
zwei producirende Reihen annehmen, um aus ihnen successive producirte Summen zu bilden. Wenn 
wir nun den Stoff zur Bildung dieser verschiedenen Summen in Klammern einschliessen , und nach- 
stehende Abkürzungen festsetzen : 





. 



. 



4h. 







mit numerischen Coefficienien 



127 



a 



n 



60 



Co 



A 

Aq 

A 
A 



a 



1 



b t 



1 



U A J 

U, ^ J 



«2 



Ä, 



€2 



A A l A., 

4 -4, A,- 

A A A* 

•A\ A % A-J 

(A A 3 An\ 

yA,A,A,J 



«s 



b 



3 



C 3 



a ± a % a^aJ 

Ä % A % A^Ai 
A 2 A B A k A 5 



u. s. f. 






so wird man mittelst dieser Summen die Glieder der Polynome bestimmen können, welche aus der 
Entwicklung der zweiten Potenzen jener Polynome hervorgehen, und welche aus dem vorgelegten 
dadurch entspringen, dass man sich bloss auf die zwei, drei vier, ... überhaupt auf eine bestimmte 
Anzahl von Anfangsgliedern desselben beschränkt. Zur bequemen Berechnung dieser Glieder kann man 
sich die producirten Summen nach folgendem Schema anordnen: 





A 


A t 


A 




A 


A t 


A 


1 


«0 


a x 


«a 




h 


b t 








Co 



A 

A 



O 



cu 



b 



c 



d 



A, 

A, 



A 

i 

A 



Cli 



b 



3 



c-z 
dt 







a 






1 



00 

(7) 



Wenn man sich nun ])ei der Annahme der Grundform, die zur zweiten Potenz erhöhen werden 
soll, auf eine bestimmte Anzahl von Anfangsgliedern , namentlich auf die zwei, drei, vier.... ersten 
Glieder dieses Polynoms beschränkt ; so wird man erhalten : 



iA + a, z) 



[«0 



«1 z] -j- b 






(A -\-A t z -\-A,zy = [a -^ a x z-\-a^]-\-b,z^-\-c 



0^ 9 



3V> 



u. s. f. 

Aus diesen Formeln wird sich nun 



K + «1 * + ®% %% +" *h *?] 4" h ^ +• c t * 5 + <h z 6 : 



ohne Mühe der Rechnungsmechanismus für die Entwicklung 
der zweiten Potenzen der dekadischen Zahlen organisiren lassen. Zur vollständigen Berechnung der 
zweiten Potenzen gegebener Zahlen bedarf man der Kenntniss aller, im Schema mit 0), (,3) ? (7), 
(0), (2), ... bezeichneter Reihen. Will man hingegen bloss eine bestimmte Menge der, die höchsten 
Stellen besetzenden Ziffern der zweiten Potenz haben, wie diess zur Bestimmung von Correctionen 
in der Folge nöthig sein wird, so ist hierzu die Kenntniss der Zahlen der einzigen Reihe (a) allein hinreichend. 
I.Beispiel. Es sei 7231682568 eine vorgelegte Zahl. Man soll die zweiten Potenzen der Zahlen 

72; 723; 7231; 72316; 723168; 7231682; etc. 

nach und nach bestimmen. 

Man bilde aus den Ziffern dieser Zahl zwei producirende Reihen , und suche aus ihnen successive 

die producirten Summen , die man in folgende Tabelle bringe : 











fl 













128 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 












I 



7 
7 


2 
2 


3 
3 


1 
1 


6 
6 

97 


8 
8 

142 


2 
2 


5 
5 


6 
6 


8 
8 


• • 

• • 


49 1 28 


46 


26 


97 
56 


138 168 


266 


• • 




4 


12 


13 


30 


49 


84 


154 
134 


166 
152 


• • 






9 


6 


37 


60 


64 
100 


130 


• • 






1 


12 


52 


98 


104 


172 


• • 






36 


96 


88 
32 


92 

84 


156 
116 


212 
177 


• • 






64 


• • 






4 


20 
25 


r 

49 
60 


92 


• • 






116 


• • 



(«) 



m 



(7) 



(*) 



0) 



(0 



00 



(S) 



Zur Bildung der Reihen («) , (j3), (7), ... verwendet man nämlich die Ziffern der vorgelegten 



Zahl in folgender Weise : 



723168256 8 



für («) die Ziffern ( , g ) 



» (P) , 



9? 






>* (7) 



?? 



?? 



(2 3168256 8\ 
U 3168256 S) 

(3 1 6 8 2 5 6 8\ 
U 1 6 8 2 5 6 8J 



u. s. f, 



von denen man allmählig eine , zwei , drei, . . . Aniangsziffern wählt , um aus ihnen , nach dem Gesetze 
der producirten Summen, das erste, zweite, dritte, . . . Glied jeder dieser Reihen («), (ß), (7), . . . 
zu bilden, als: 






7.7=49; 7.2-|-2.7=28; 7.3 + 2.2 + 3.7=46; 
= 4; 2.3 + 3.2 = 12; 2.1+3.3 + 1.3 = 13; 



2.2 

3.3 



9; 3.1 + 1.3 




6; 3.6 + 1.1 + 6.3=37; 

u. s. f. 



u. s. f. 
u. s. f. 
u. s. f. 



Aus den Gliedern 



dieser Reihen (a), (ß), ... wird man nun die zweiten Potenzen der Zahlen 



72, 723, 7231, u. s. f. durch nachstehende Rechnungen bestimmen: 






49 



28 



4 






5184 




49 



28 



46 



129 = 



fr«* 



49 



28 



46 



26 




(72) 2 



522729 



(723/ 



1361 * 



49 



28 



46 



26 



52287361 



97 



33856 






(7231) 



5229603856 



(72316) 



fc > 



u. s. w. 



p 

























* 

mit numerischen Coefficienten. 



129 



Die mit einem Sternchen bezeichneten Zahlen des vorstehenden Schema werden bloss aus den 



Reihen (ß) , (7), ... gebildet, und zwar in folgender Weise: 



12. 
9 

129 



13.. 
6. 

1 

1361 



30. .. 

37.. 

12. 

36 

33856 



u. s. f. 



Wollte man sich bloss darauf beschränken, die anfänglichen Ziffern der zweiten Potenzen der 
Zahlen 72, 723, 7231, ... zu finden, so gestattet die Rechnung eine wesentliche Verkürzung. Die- 
selbe lässt sich nämlich alsdann auf folgende Art führen : 



49 

_28 

518 



46 



5226 



26 



52286 



97 



522957 



142 



5229712 



97 



52297217 

13 8 

522972308 
168 

5229723248 
266 

52297232746 
250 

522972327710 

u. s. f. 



(72)* 



5 



(723) 



52.. 



(723 1) 2 



522. 



(72316) 2 



O/iiWif • • • • 



(723 168) 2 



52297 . . . 



(7231682) 



9/V* 



522972 



(72316825) 2 



5229723 



(723168286) 



52297232 . 



(7231682568) 



522972327 



(72316825686) 

u. s. f. 



2 



5229723277 . . 



Der Rechnungsmechanismus zur Bestimmung der Ziffern, womit die anfänglichen Stellen 



der 



zweiten Potenzen der dekadischen Zahlen geschrieben werden, lässt sich endlich noch enger auf fol- 



gende Art zusammenziehen: 

49 

28 

518 
46 



286 



97 



226 



957 
142 

712 



26 



97 



217 
138 

308 

^168 

248 
"266 



746 

u. s. f. 



286 



217 



746 



worin die unterstrichenen Zahlen schon die gesuchten sind. 

IL Beispiel. Man sucht die Anfangsziffern der zweiten Potenzen der aus den Ziffern 

9133965076622 

entspringenden Zahlen, wenn man von ihnen die zwei, drei, vier, ... Anfangsziffern beibehält 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



17 























I I 



■ 







I 



l 






























\ 





















130 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 

Man suche zuerst aus den Ziffern dieser Zahl, dieselben als Glieder zweier produeirenden Reihen 



betrachtend, die producirten Summen auf die Art, wie das folgende Schema zeigt: 



9 
9 



81 



1 


3 


3 


9 


6 


5 





7 


6 


6 


2 


2 


1 


3 


3 


9 


6 
144 


5 





7 


6 


6 


2 


2 


18 


55 


60 


177 


165 


100 


273 


260 


288 


186 


263 



Aus diesen producirten Summen erhalten wir nun allmählig: 



81 



18 



828 



55 



277 
144 

914 

W 165 



335 



305 



60 



100 



410 

^177 

"277 



150 
273 

773 



773 
260 

990 

^288 

80188 
1 86 

2066 
W 263 



923 

u. s. f. 



0923 



Hieraus findet man nun: 



(91) 2 
(913) 2 

(9133) 
(91339) 3 = 
(913396) 3 
(9133965) 



% 



8 .. 
83 .. 
834 .. 
8342 . 
83429 
834293 



Es erübriget noch, für die spätem Rechnungen, ähnliche Rechnungsmechanismen anzugeben, durch 
welche sich die anfänglichen Ziffern der dritten , vierten , fünften und höhern Potenzen erhalten lassen. 
Zu diesem Zwecke, und um eine bequemere Ausdrucksweise zu gebrauchen, nenne ich die aus den 
ursprünglich gegebenen Gliedern bestehende producirende Reihe 



A A t 



A % A 



A 



• • 



eine Reihe der I. Ordnung; ferner die Reihe 



U 9 (Xq \ tt± 9 d-> 5 ^3 5 



• • • 



• ? 



deren Glieder die einzifferigen Zahlen bedeuten, wie sie aus dem kurz vorher angezeigten Rechnungs- 
mechanismus als Anfangsziffern der zweiten Potenzen der in Rede stehenden Zahlen erhalten werden, 
und welche wir die effectiven Ziffern nennen wollen, eine Reihe der II. Ordnung. 

Bildet man ebenso aus den Gliedern der Zifferreihen der I. und II. Ordnung, sie als neue 
producirende Reihen betrachtend , die producirten Summen , und leitet aus ihnen die effectiven Ziffern 
nach einem ähnlichen Rechnungsmechanismus ab , so liefern dieselben die Anfangsziffern für die 
dritten Potenzen der in Rede stehenden Zahlen. Wir werden sie durch die Zeichen a ; % ; ci 2 ; 
7^3 ; ... vorstellig machen , und die Reihe 

U 5 U ; fto 5 ^i 5 ^2 ? ^3 ? • • • 

eine Reihe der III. Ordnung nennen. 





■n 



WTC 



mit numerischen Coefficienten. 



131 



Zar Bildung' der vierten Potenzen der in Rede stehenden Zahlen tritt wieder ein ähnlicher 
Rechnungsmechanismus in Anwendung 1 ; nur bleibt hier die Wahl unter den producirenden Reihen, die 
man zu dem gedachten Zwecke verwenden will, völlig frei, indem es gleichgiltig ist, ob man die 
Reihe der I. Ordnung mit der Reihe der III. Ordnung, oder die Reihe der II. Ordnung mit sich selber 
verknüpfen will. In dem einen wie im andern Falle erhält man eine Reihe producirter Summen, aus 
denen man neuerdings die effectiven Ziffern Ti Q ; Tii ; a 2 ; a 3 ; ... erhalten wird. Die Reihe 



; ; ; O ; 0! ; « 



2 ? 



werde ich, den frühern analog, die Reihe der IV. Ordnung nennen. Diese Ziffern sind alsdann 
eben diejenigen, mit denen die vierten Potenzen der in Rede stehenden Zahlen in ihren anfänglichen 

Stellen besetzt sind. 

Zur Bildung der Reihe der V. Ordnung: kann man wieder entweder die der I. und IV., 

oder die der II. und III. Ordnung verbinden. Man suche aus der einen oder der andern dieser Ver- 
bindungen die producirten Summen, und aus denselben auf frühere Weise die effectiven Ziffern. Diese 
sind alsdann die Anfangsziffern der fünften Potenzen der in Rede stehenden Zahlen. 

Es ist leicht begreiflich, wie sich derselbe Rechnungsmechanismus auch auf die höheren Potenzen 
erstrecken lasse. Um ihn durch die Anwendung auf einen bestimmten Fall zu erläutern, sei wieder 

7231682568 I. 

eine ursprünglich gegebene Zahl. Man bilde hieraus, wie vorher, die Reihe 

0522972327 II. 






\ 






Diese beiden Zifferreihen nehme man als zwei producirende Reihen an, und bilde aus denselben die 
producirten Summen, indem man von beiden immer gleichviel Anfangsziffern verwendet ; so dass man habe 

6 

2 



7 


2 





5 





35 



3 


1 


6 


8 


2 


5 


2 


2 


9 


7 


2 


3 


24 


33 


78 


105 


109 


93 



132 



8 


I. 


7 


II. 


222 





Aus den Gliedern dieser letzten Reihe entwickeln sich nun sofort die Anfangsziffern der dritten 



Potenz der Zahl I. Man hat nämlich 

35 
24 

374 

w 33 

Y73 

W 78 



und hieraus 



808 



105 

185 



(72) 3 
(723) 3 
(723 1) 3 



u. s 



3.. 

37.. 

378. 
f. 



185 
109 

959 



93 



683 



132 

962 

J>22 

~842 



u. s 



. r. 



(723168256) 3 = 37819698 



17* 



> 









i^HM 



p- 







n 



I 






! 


1 

1 



















I 

I 













132 



JFV. Moth. Auflösimg der Gleichungen 
Zur Reihe der dritten Ordnung haben wir nunmehr 

0037819698.. III. 

Diese verbinde man wieder mit der ursprünglichen Zifferreihe I, und bilde aus ihnen die Reihe 



der producirten Summen, wie folgt: 



7 


2 


3 


1 


6 


8 


2 








3 


7 


8 


1 


9 








21 


55 


79 


47 


114 



D 



6 



6 
9 



8 

8 



• • 



I. 



. . . III. 



137 



213 



200 



Aus den Gliedern dieser letzten Reihe entwickeln sich weiter die Anfangsziffern der vierten Potenz 



der Zahl I. Man hat nämlich: 

21 

55 



265 



W 



337 
114 

^84 



u. s. f. 






79 



729 



47 



137 

:977 
Y 2U 



337 



• m 



• • 



: :983 
^200 



* * 



« • 



500030 



folglich (7231682568) 4 = 2735000 .. . 

Wollte man die Glieder der producirten Summen, woraus sich die effectiven Ziffern bilden, aus 

so würde man zu demselben Resultate gelangen. In der 






zwei Reihen von der II. Ordnung herleiten , 
That hätte man 








5 



5 



2 
2 



2 
2 



9 
9 



7 
7 



2 
2 



3 
3 



2 
2 



7 
7 



II. 
II. 







und hieraus endlicl 







25 



20 



24 



98 



110 



84 



147 



166 



25 
20 

270 
24 

724 



338 



u. s. f. 



110 
49Ö~ 

' 84 
984 



98 



338 



147 

987 



: 166 



500036 



















I 




i 




1 
1 

i 




i 




t 




» 








1 




1 

1 






1 

t 







\ 







Die Zifferreihe der IV. Ordnung ist also wie vorher dieselbe, nämlich 

002735000 ... IV. 

Die Anfangsziffern der fünften Potenz kann man durch Verbindung entweder der Reihen der I. 
und IV., oder der II. und III. Ordnung erhalten, wenn man aus denselben in dem einen, oder dem 



SB 










mit numerischen Coefficienten. 



133 



andern Falle die Reihe der producirten Summen ableitet, und die Glieder 



dieser Reihe zur Bildung 



der cffectiven Ziffern verwendet. In der That erhält man durch Verbindung' der Reihe I und I\ 



7 


2 


3 


1 


6 


8 


2 


5 


6 


8 


• • • 1« 











2 


7 


3 


5 











. . . IV. 











• 


53 


47 


64 


38 


76 


83 

• 


• • 



und aus den Gliedern dieser Reihe 



14 



971 



778 



u. s. f. 



53 



64 



76 



193 



774 



856 



41 



38 



83 



971 

w 



778 



643 



Wollte man die Reihen II und III verbinden, so lande man in ähnlicher Weise 













5 


2 


2 





3 


7 








15 



9 

8 



i 



1 



9 



3 
6 



2 
9 



7 
8 



. . II. 
. . III. 



41 



60 



62 



147 



177 



160 



• • 



i 



md hieraus : 



15 



970 



41 



62 



191 



60 



970 



762 
^147 

767 



767 
177 

847 
W 160 

630 



u. s. I. 



so dass also : 



(7231682568) 



197786... 



und die efFcctive Zifferreihe der fünften Ordnung 1 sein wird 

0000197786.. V 









I 









B. Entwicklung eines Rechnungsmechanismus zur Bestimmung der Cubikwurzeln aus Polynomen 



und 



dekadischen Zahlen. 



Wenn man annimmt, dass 



? 



(1) 



(A Q + A 1 z + A*s? + A z z'+...y = Z +Z 1 z + Z^ + Z z J+ ... 



so hängen die Coefficienten Z , Z 15 Z 2 , ... von den Coefficienten A , A l9 Ag 9 ... nach Gesetzen ah, 
welche §♦ I. entwickelt worden sind. Diese Gesetze können umgekehrt wieder dazu dienen, um von den 
Werthen der Coefficienten Z , Z 19 Z 2 , . . . auf die Werthe der Coefficienten A 09 A i9 A % , . . . zurückzu- 
schliessen , so , 



dass man die Gleichung habe : 



(2) /(Zo + Z^ + Z^ + Zs* 3 ^.,) = ;l + A* + 4 8 ** + 4>* 3 +-- 



Aus diesen Gesetzen lässt sich mittelst 



sehr einfacher Betrachtungen ein ähnliches Verfahren 



zur 



Berechnung der Cubikwurzeln aus gegebenen Polynomen und aus dekadischen Zahlen herleiten, wie wir 
es im Vorhergehenden für die Quadratwurzeln gefunden haben. 











mmm^mm 






lN 









fr 



r 



■ 







H 

I 



l 














" 









134 Fr. Motlu Auflösung der Gleichungen 

Eine nähere Betrachtung des Gesetzes, nach welchem die Coefficienten Z , Z 19 Z 2 , . . . von den Coeffi- 
cienten A 09 A 19 A 29 ... bei der Gl. (1) abhängen, zeigt, dass sich jene aus Theilen zusammensetzen, deren 
jeder als ein Product zweier Factoren sich darstellt. Von diesen Factoren ist der eine nur von A abhän- 
gig, der andere aber dependirt bloss von A t A z A 3 . . ., und stellt sich immer als eine producirte Summe 
zweier producirenden Reihen dar, deren Glieder von den gedachten Coefficienten nach bestimmten Ge- 
setzen abhängen. Diese Gesetze sprechen sich in folgenden Gleichungen aus: 



(3) 



z, 

Z 3 

z 4 



43 . 

3 AI 



. A t ; 




J o 



o Aq . A% -j— o A . Jv x ; 

3 A% . A 3 -{- 3 A . K' + 1 . Kl ; 
3 A\ . A,+ ZA .lQ-\-l. K; ; 
3 A% . A\ 4- 3 A . K, -j- 1 ^'5 



• • 



In diesen Ausdrücken bedeuten K[, JKJ, Ä" 3 , . . . die producirten Summen aus den Reihen 



A x A % A 3 A, A 

A x A 2 A 3 A, 4 



. durch die 



und jfiQ', K' s , Kl , . . . die producirten Summen aus den Reihen 

A\ A% A 3 A^ A b . . . 

B t B z B 3 Bf+ . . . 

worin die Art der Abhängigkeit der mit B t B z B % . . . bezeichneten Glieder von A t A 2 A 
Gleichung 

(A i + A 2 z + A 3 z 2 -i r ...Y = B 1 + B 2 z-\-BsZ 2 -\-...., 

gegeben ist, d. h. Z? 19 2? 2 , 2? 3 , . . . gehen successive als producirte Summen aus \jjj, {jLAj 9 \AAIaJ' 

u. s. f. hervor. 

Hieraus lässt sich nun leicht der Rechnungsmechanismus organisiren, mittelst dessen aus einem 
nach der Grundform der Algebra gebauten Polynom Z -f- Z x z-\- Z % z*-\- . . . die Cubikwurzel gefunden 
werden kann. 

Der erste Theil der Wurzel bestimmt sich nach der Formel A = V Z. Von diesem aus lassen sich 
sofort alle folgenden Glieder der Wurzel aus den respectiven Gliedern des gegebenen Polynoms ent- 
wickeln, so zwar, dass sich wieder, wie bei der Ausziehung der Quadratwurzeln, A x z bloss aus Z x z\ 
ferner A 2 z nur aus Z%z, u. s. f. ableiten lässt. Die Regeln, welche man bei diesen Entwicklungen an- 
zuwenden hat, sind nicht wesentlich von denen verschieden, welche für die Ausziehung der Quadrat- 
wurzeln angegeben worden sind. 

Die dritte Potenz des gefundenen ersten Theils A der Wurzel wird von dem gegebenen Polynome 
abgezogen, und das dreifache Quadrat desselben (die Zahl 3 AI) zum assignirten Divisor ange- 



* 



nommen. Aus den einzelnen Gliedern des gegebenen Polynoms findet man successive die einzelnen Glie- 
der der Wurzel auf eine gleichförmige Weise mittelst blosser Divisionen. 
Man nehme also das Glied der ersten Ordnung 

und dividire dasselbe durch den Divisor 3 -4| ; so gibt der Quotient A i z das Glied der Wurzel von eben 
dieser Ordnung. 









mit numerischen Coefficienten. 



135 



Man nehme hierauf das Glied der zweiten Ordnung'. Dasselbe besteht aus zwei Theilen; es ist nämlich 

worin 3-4 - K[z l das Product aus dem Multiplicator 3 A in den Ausdruck K[& ist, welcher als p*odu- 

cirte Summe aus den Gliedern 

•A t zi 
■A x z 

hervorgeht Dieser mit 3A 2 .A 2 2? verbundene Theil 3A .K[z 2 ist daher aus lauter schon bekannt ge- 
wordenen Zahlen berechenbar. Zieht man ihn daher von dem Gliede der zweiten Ordnung, d. i. von 
Z % z % ab, so bleibt zum Reste oder ersten partiellen Dividend das Product %A%.A % z % übrig, das durch 
3 -4g dividirt, sogleich das Glied der zweiten Ordnung der gesuchten Wurzel, d. i. A % z % darbietet. 
Das Glied der dritten Ordnung des gegebenen Polynoms ist 



Um 



3 Ä*. A 3 z* -\-3 A . Kiz* + \ .K; .z\ 

aus ihm das Glied derselben Ordnung in der Wurzel abzuleiten , darf man nur beachten . 
dass mit demselben noch zwei Theile verbunden sind, deren jeder aus schon bekannt gewordenen 
Gliedern der Wurzel zusammengesetzt ist; namentlich ist K^z* die producirte Summe aus den Reihen 

(A x z \ A%z \ 
A tr • A *~) 



~JjL\ Z 5 Jm.% Z 

und K% z 3 ist die producirte Summe aus den Reihen 



A <* • A r* 







; Ei* 



Die Zahlen 3^4 und 1 sind beziehungsweise die Multipiicatoren dieser zwei producirten Summen. 
Wenn man diese aus zwei Theilen bestehende Correction am Gliede der dritten Ordnung, d. i. an 
Z 3 s 3 anbringt, so wird man den Ausdruck ZA\.A 3 z 3 erhalten, der sodann durch den assiffnirten 
Divisor 3Al dividirt, das Glied der dritten Ordnung von der 



Wur 



Das Glied der vierten Ordnung des gegebenen Polynoms ist 

3/1* . A, 4 «» -\- SA . K; s* -(-1 . KZ . z\ ' 

Um aus ihm das Glied derselben Ordnung in der Wurzel abzuleiten, darf man nur wieder über- 
legen, dass mit demselben noch zwei Theile verknüpft sind, deren jeder aus schon bekannt geworde- 
nen Gliedern der Wurzel besteht; namentlich ist Ki z* die producirte Summe aus den Reihen 

A t z ; A^z* ; A 3 z : 
•A t z ; Atz* ; A 3 x 

und K$ z k ist die producirte Summe aus den Reihen 

■A Y z ; A % z % ; A 3 z 







; B t z 2 ; B z z 



Die Zahlen 3A und 1 sind wieder die unveränderlichen Multipiicatoren dieser beiden producirten 
Summen. Wenn man diese aus zwei Theilen bestehende Correction am Gliede der vierten Ordnung 
von dem gegebenen Polynom, d. i. an Z 4 £* anbringt; so wird man das Product 3-45.-4** erhalten, 
das sodann durch den assijniirten Divisor 3A 2 dividirt, das Glied der vierten Ordnung von der Wur- 



zel, nämlich A^z* geben wird. 




















" 














I 



V 



136 Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 

In ganz ähnlicher Weise findet man aus Z 5 .z 5 das entsprechende Glied A 5 z 5 ; aus Z G z G eben so 

A 6 z Q , u. s. f. 

Im Wesentlichen besteht das so eben beschriebene Verfahren der Ausziehung der Cubikwurzel 

aus einem gegebenen Polynome, dessen Glieder nach Potenzen einer Hauptzahl fortschreiten, wie man 
sieht, in der Aussonderung aller Theile der Wurzel aus den entsprechenden Theilen des gegebenen 
Polynoms mittelst der Division derselben durch einen sich gleichbleibenden Divisor 3-4J, nachdem man 
vorher an dem betreffenden Gliede eine, aus bereits bekannt gewordenen Gliedern der Wurzeln be- 
rechenbare Correction angebracht hat. Dieselbe setzt sich aus zwei Haupttheilen zusammen, von denen 
der eine erhalten wird, indem die producirte Summe aus den Reihen 






A t z; A z z 2 ; A 3 z* ; . 



A t z ; A 2 z ; A z sr ; . 







zum letztgefundenen der Wurzel fortzusetzen sind, mit 3J , multiplicirt, und de 



deren Glieder bis 

andere die producirte Summe aus den Reihen 



Ü n " 



■A t g; A t z z -, A 3 z z ; 



y") 

• • • *s 









ist. Der hierbei anzuwendende Rechnungsmechanismus Hesse sich in folgendem Schema zur Darstel- 
lung bringen: 












I 















. 



3 T r 



AI 



Z i .z+Z a .a?+Z i .s?+ ]=Ao+ 



Z,«(=3J*.A*) 



SAl 



+ A t z + A z z 2 + A3Z 3 + 



• • 



SA*A t z 



Z 2 z 2 (=SAl.A i z*-\-K 1 z*) + 



+ A t z + A z s* + A 3 z 3 + 
+ B t z 2 + B z z s + 



• • « 



• • 



I. Correction jKi* 2 ( = 3-4 --ffi# 2 ) 



wobei K\ % 



A x z 



Multiplicatoren 

3A 
1 



ö-^lo • "8 % "T" • • • 

ZAl.A.a? 



(a\ 3 ; 



Z 3 z\=3Ä*.A 3 z 3 +K z z 3 ) + ... 
II. Correction ä" 2 ä 3 (=3^ -ä^ 3 +1 .K; z 3 ) wobei K^z* 

SAi.A 3 z s +... 
3Ai.A 3 z 3 



Aiz; A % Z 

A % Z 



rAiz; 




k: z 



III. Correction 



Z,z\ 

A3 *» ( 



3^5.^4Ä*+Ar S Ä*)+... 



3 A\Kjz*+l.KZz*) w obei Ä" 3 V = gj * j 



A t z ; A 2 z 2 , A 






3^.^«*+... 



A%z 5 ^32' 



); # 



^ 4 



z 5 * 5 



u. s. f. 



itS; ^4 3 







5 Brfh 



;#,2?;jB 2 































Wir wollen diesen Reehnung-smechanismus auf den Fall anwenden, da man aus der unendlichen Reihe 



1+* + 



1 



1.2 






1 



3 



1.2.3 



.**+ 



1 



1.2.3.4 



die Cubikwurzel ziehen solle. 



1 



• £ -f~ ... ~T"T7" # ^ "T"' * 




-» V 



■MHK^^^^^^^^BHH^VB 



■■O^B 




mit numerischen Coefficienten, 



137 



> 



I 









Hi-H-h 



1 



1.2 



1 



z 



:3 



1 

l 



3 



£ 



I. Corr. 



2 
1 

3 



2? 



2 



Z 



1 



6 
1 

6 



z 



2 






2 



1 



• 1.2 3 n 1 



*+" 18 ' Z + 162 



l 



2.3.4 



z 



1 



• • • e 



1 



I 



Z +5832 



# 



• • 



Multiplicatoren 



1 2 

* ; 18* ; 



I 



162 



s 



3 



1 



5832 



2T 



; 



l^ 

9 



*■ ; 



i 



27 



* 3 ; 



972 



1 
6 



z 



1 



£ 



II. C. 



-H-* 






1 

24 



# 



7 



9 
1 



III. c. 



324 



z 



I 27 



£ 



1 



54 
54 



z 



z 



H-i 



£ 



i 



19 



UA.Ü 



# 



1 



1944 



^ 

** 



1 



120 



2f 



11. S. f. 



Die gesuchte Cubikwurzel ist also 1 -J--tt* 4~7£* 2 ~i~ 



1 



3 



18 



162 



# 



In der That ist , wegen e = l -\- z -\- 



1 



l .2 



z 



2 



1 



1.2.3 



* 3 + 



• • 



* 4 ; 



• • 



1 



5832 



* 4 + 



1 



1.2.3.4 



Z * e • . , 



, 5/ * 
auch V e 



4S 



1 1 fl "\ 2 1 fl Y* 1 /l \* 



• • 



1 



*+¥* + 



3 



18 



1 



£ 



162 



2? 



1 



% ft 3 k > 



£ 



• • 






1 



I 



1 



L'ässt man Z 1? Z % , Z 3 , . . . positive einzifferige Zahlen, 






den Bruel 



1 



10 



, und Z eine dekadische 



ganze Zahl bedeuten , so stellt das Polynom Z -\- Z 



1* 



Z 2 z 2 -\- . . . eine dekadische Zahl mit einem 



angehängten Decimalbruch vor. Damit die Cubikwurzel aus dieser Zahl wieder in Form einer solchen 
Zahl erhalten werde, bedarf der eben beschriebene Rechnungsmechanismus für die Ausziehung der Cubik- 
wurzel aus systematischen Polynomen nur einiger Modificationen, um A 19 A % , A 3 . . als positive einzif- 

feri^e Zahlen zu erhalten. 

Man suche also zuerst ein Paar Grenzen der Wurzel, die sich in der höchsten Stelle oder in 
den zwei, drei, . . ersten Ziffern von einander nicht unterscheiden, und nehme diese übereinstimmenden 
Ziffern für den ersten Theil der Cubikwurzel an, d. h. man suche mittelst einer partiellen Cubikwurzel- 
ausziehung aus einem höchsten Theil der gegebenen Zahl den höchsten Theil der Wurzel, wodurch 
man eine oder zwei genaue Ziffern der gesuchten Wurzel findet. Dieser Theil ist hier das, was beim 
allgemeinen Polynome das Glied A ist. Man ziehe die dritte Potenz desselben vom höchsten Theile 
der Zahl ab, setze die nächstfolgende Stelle aus der gegebenen Zahl herab, und nehme das dreifache 
Quadrat des gefundenen Theiles A zum assignirten Divisor an. Neben demselben ziehe man einen 
horizontalen Strich, um die nun zu bestimmenden Ziffern der Wurzel über, und die zur Berechnung 
der Correctionen nothwendig werdenden zwei producirenden Reihen unter denselben zu schreiben. Die 
erste dieser Reihen besteht genau aus denselben Ziffern, als die über dem Striche stehende, daher man 
ihre Ziffern gleichzeitig mit denen der Cubikwurzel gewinnt. Die Ziffern der zweiten Reihe , welche 
in der ersten Stelle stehen hat, ergeben sich aus den Anfangsziffern der Zahlen, die man aus den 
bereits gefundenen Ziffern der Cubikwurzel über dem Striche nach und nach erhält. Bei der allmäh- 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



18 



ii 









I 



J 






\ 










l 






tf' 



138 



Fr. Math. Auflösung der Gleichungen 



liffen Bildung der zweiten Potenzen , somit zur allmähligen Bildung der Ziffern, aus denen die zweite 
producirende Reihe zu bestehen hat, wird man das im Vorhergehenden bereits auseinandergesetzte 
Verfahren zur Bildung der Reihen der IL Ordnung in Anwendung bringen. Die Multiplicatoren dieser 



Wurzel 



für die zweite die Zahl 1.10 d. i. 10, indem 

4-JS 3 s 4 +. .setzt. 

Dividirt man nun den ersten Rest durch 



-\-BzZ*-\-B z z*-\-...-).z für By-\- 



den assignirten 



die erste auf den bereits gefundenen Theil A folgende Ziffer sein, 
sor über und unter den horizontalen Strich hinschreibt. Das Product 



Divisor, so wird der partielle Quotient 

die man sogleich neben den Divi- 



wir 



hierauf vom vorigen Reste abgezogen, und dem Unterschiede die folgende Ziffer aus der gegebenen 
Zahl angehängt, in deren Ermanglung an deren Stelle tritt. An dieser neuen Zahl wird sofort die 
Correction angebracht, welche hier noch aus einem einzigen Theile besteht. Der weitere Verlauf der 
Operationen wird aus der Betrachtung der folgenden Beispiele klar werden 



1. Beispiel. 



kwurzel aus der Zahl 29000, von der wir wissen, dass sie 



zwischen 30 und 31 liegt. Die untere Grenze 30 werde also für A angenommen. Der erforderliche 
Rechnungsmechanismus lässt sich alsdann in folgendem Schema darstellen: 






















^29000 = 30 
27000 



20000; 2700 (=3.30 2 ) 
18900 = 2700.7; 



11000 

I. Corr. 4410 = 49.90; 

6590 
5400= 2700.2; 

11900 

II. Corr. 2870 = 28.90 + 35.10 ; 

9030 

8100 = 2700.3; 



9300 



III. Corr. 4380 = 46.90 + 24.10; 

4920 

2700 = 2700.1; 



22200 



IV. Corr. 267 = 26.90 + 33.10; 

19530 

16200 = 2700.6; 



33300 



7 


2| 
2 


3 


1 


6 8 


2 5 6 8 


| Multipl. 


7 


3 


1 


6 8 


[2568 


• • • • -1 • 


49 


28 


46 


26 1 


97 142 


97 138 168 266 


(90 





'-' 5 


2 


2 


9 7 


2 3| 2| 7 


• • • • 11« 





35 


24 


33 


78J105 


109 93 132)222 


(10 



vr 



) Die Ziffer der vierten (höchsten) Stelle in (72) a . 



V. Corr. .9510 = 97.90 + 78.10; 

23790 

21600 = 2700.8; 

21900 

VI. Corr. . 13830 = 142.90+105.10; 

8070 

5400 = 2700.2; 



2670 



26700 
VII. Cor r. 9820 = 97.90+109.10; 

16880 

13500 = 2700.5; 



49 



28 



518 



46 



33800 
VIII. Corr . 13500 = 138.90 + 93.10; 

20450 

16200 = 2700.6; 

42500 
IX. Corr. 16440 = 168.90 + 132.10; 

_ . - i « 

26060 



226 



26 



286 



97 



957 
142 



X. Corr. 



21600 = 2700 . 8 ; 

44600 
26160 



18440 etc. 



712 



97 



217 



138 



308 
~168 



248 
~266 



746 



u. s. f. 
Die unterstrichenen Ziffern bilden die Glieder der Reihe II. 

3 

Hiernach ist V 29000 = 30,7231682568 ... 













- 









mit numerischen Coeffiicienien. 



139 



3 

IL Beispiel. Man sucht den Wcrth des lladicals V 761332, welcher zwischen den Grenzen 



P 
90 und 100 liegt. 



1 761332 



729 

323 
243 



243 



803 



27 



776 
729 



472 
162 

310 
243 

670 
307 

363 
243 

I2Ö 



9 



1 


3 


1 


1 


3 


3 


5 


5 


. . Mult. 


1 


3 


1 


1 


3 


3 


5 


5 




01 


6 


11 


18 


13 


26 


35 




(27 





*0 


1 


7 


1 

1 


9 


5 












1 


10 


23 


20 


43 




(10 



*) Die Ziffer der vierten Stelle in (13)-. 



1200 
316 

884 
729 

155 


1550 

581 


2400 
902 

1498 
1215 

283 


969 
729 

240 



2830 
1375 

1455 
1215 

240 etc. 



7 



I. 



II 



Hiernach ist V 761332 = 91,3113355 . 



01 



6 



016 



11 



171 



8 



718 



13 



193 



26 



956 



35 

595 u. s. f. 



1 

1 






I 






• • 



Im Laufe der Rechnung kann es sich ein- oder auch mehrmal ereignen, dass man die effectiven 



Ziffern in 



der Reihe der IL Ordnung dergestalt zu ändern hahe , dass vorhergehende Ziffern erhöht 



und die Stellen der nachfolgenden mit Nullen besetzt werden müssen. Um die Rechnung den neuen 
effectiven Ziffern der Reihe der IL Ordnung anzupassen, treten in solchen Fällen neue Correctionen 
ein, die ich, zum Unterschiede der vorigen, seeundäre nennen werde. Diess wird aus den nach- 
folgenden Beispielen ersichtlich. 



I. Beispiel. Man sucht den Werth des Radicals V 1256684, der zwischen 107 und 108 liegt 

V 1256684 = 107 
1225043 



316410J34347 
309123 



IL 



72870 
I. 26001=81.321 



46869 
34347_ 

125220 



118722 
103041 



15681 



9 


1 


3 


1 3 


! 9 


6 


1 5 





7 


6 


6 


2 


1 2 


5;Multipl. 


9 


1 


3 j 3 


9 


6| 5 


0! 7| 6| 6j 2 


2 


I. 


81 


18 | 55 


60 ;177;144|165J100|273;260:288 186 263 


1 


(321 





8 


3 


4 


2 


9 

1 


3 


1 


7 
8 


9 




1 








II 






















2 





9 









4 w 


35 


63 


55 


176 129 139 


157i 

1 


269 



























166 189 


196 








(10 




















202 


192 


252 


— 





6498 = 18.321+72.10; 



81 



18 



«28 






18 



«0 










Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



III 



156810 
18005-55.321+35.10; 



828 



55 



138805 
103041 



3 3 5 



60 



i 

I 
I 



IV. 



357640 
19890 = 60.321 + 63.10; 



410 



337750 
309123 



V. 



286270 
57367 = 177.321 + 55.10; 



177 

£77 
W 144 

914 



228903 
206082 



228210 



VI. 



47984 = 144.321 + 176.10; 



180226 
171735 



165 

305 
100 

150 
~273 

"773 



VII. 



VIII. 



84910 

54255 = 165.321 + 129.10; 

306550 
33490=100.321 + 139.10; 



273060 
240429 






IX. 



326310 
89203=273.321 + 157.10; 



260 

990 

:288 



80188 

:i86 

2066 
263 

923 



u. s. f. 






I 



I' 



237107 
206082 



X. 



310250 
86150=260.321 + 269.10; 






224100 

206082 

18018 



sec. Corr 



1 00 ( ;: 



179180 




XI. 



94408 =288.321 + 196.10; 

84772 
68694 



16078 






sec. Corr. 



6 (**) 



160180 



(**) J96—202 

(—6). 10 = 



6 



60 



61626 = 186.321 + 192.10; 




99554 
68694 

308600 







86943 = 263.321+252.10; 









221657 



:t 



Hiernach ist V 1256084 = 107,91339650766225... 



















mit numerischen Coefficienten. 



r 



II. Beispiel. Man sucht den Werth von V 95166,5 bis auf sechzehn Decimalstellen 



^95166,5 = 45 






91125 

40415 
36450 



6075 



39650 
4860 = 36.135 



34790 
30375 

44150 



8340 = 60.135 + 24.10; 



36 



35810 
30375 

54350 



60 



420 



11795= 85.135 + 32.10; 

42555 
36450 

61050 

17310 = 122.135 + 84.10; 



85 

285 
w 122 

972 



43740 
36450 

72900 



157 

877" 
^204 

974 



22465 = 157 .135+127 . 10 ; 

50435 
42525 

79100 

29290=204. 135+175. 10; 



900172 



276 
996 



:272 
2Ö232 
291 



611 



266 
376 



250 

990 

272 



900172 



313 

4073 

u. s. f. 



49810 
42525 



72850 

36080 = 250.135+233 .10; 

36770 
30374 

6395 
— 160(*) 



Secundäre Corrcctionen. 



62350 



38280=272 . 135-}-156 . 10; 

i > 

24070 
18225 



I 




58450 

39360 = 276.135 + 210.10; 

, . ■ 

19090 
1 2150 

6940 



14683 



14699 
16 



(—16). 10 



160 



141 






6 


5| 


5 


61 

1 


6 


7 


7j 


5 


3 


2 


4 


1 


7 


2 


• • 


Multipl. 


6 


5 


5 


6 


6 7 7 5 3| 2 4 


1 


7 


2 


• • 


I. 


36 



60 


; 85 

I 


1221157 204 


250 272 276 272 


291 


2 h 6 


313 


• 


• • 


(135 


4 


2 


9 


8 


9 


9 




























9 








1 


9 














II. 
















2 





2 


6 


3 






























4 





• 


• • 




24 


32 


84 127 


175 


233 




























133 126 


139 


156 210 






- 






j 


f M i"V 














162 


161 


170 


180 


162 








(10 


L 








1 












168 


133 


• 


• • 






























■ 












V* 














1 


B , 




Hi 


1 






iL** 
■ t 












■ i 



142 



.FV. Moth. Auflösung der Gleichungen 









6940 
1 1 (**) 



68300 
38420 =272.135+170.10; 

29880 
24300 



55800 
41085=291.135+180.10; 

14715 
6075 



(**) 156 

210 






162 
161 



1770 



1781 
11 



(—11). 10 



110 









86400 



37530 =266.135 + 162.10; 

48870 
42525 

6345 



60 ( 






62850 



(***) 162 



168 



(—6). 10 



6 
60 



43585=313.135-|-133.10; 



19265 



Hiernach ist ^95166,5 = 45,65566775324172 







C) Entwicklung eines Rechnungsmechanismus zur Bestimmung der Wurzeln des vierten Grades aus 



Polynomen und dekadischen Zahlen. 



Wenn die Gleichung 



(4,-Mt*-M2* 2 +A* 



3 I 



T 



...) 



4 



Z +Z^ + Z 2 Ä 2 +Z 35 r 3 +... 



statuirt wird ; so hängen die Coefficienten Z , Z t , Z 2 , Z 3 . . . von A , A t , A%, A 3 . . . nach Gesetzen ab, 
welche durch nachstehende Formeln ausgedrückt sind : 







Z =4^ 
Z, 



kAl 



^i5 






Z t =kAl 
Z, = kA 



2 







4s +6^ 



K^-kA .K 



II 



2 ? 



Z 4 =4i«.^ 4 +6i«5.^+44>-^+l 



IT"' • 




3 

1/4 



^ 



4 AI . A+6^ . A' 4 +4J . Kl+ 1 . AT ; 



u. s. f. 



K 






A* Ao /ii /ift 



4 



• • 



die producirten Summen aus 






V" MT" K"' 1±" 

/i« #lo li* /!* 



2 



?? 



?5 



5? 



>5 



IT'" *T"' J^'" J^'" 
Tli /1 2 ü 3 A4 



• • 



?? 



?? 



?? 



?> 



U. S. 



f. 



'^1 ^*2 ^*3 A 

•^ij ^i a il 3 it 4 

Af A ^3 ^*4 

B 1 B 2 B 3 

^*l A ^*3 ^*4 

C t C 2 






















■MB 






H^^H 



mit numerischen Coefficienten. 



143 



wobei die Gesetze der Abhängigkeit der Zahlen B i9 B % , i? 3 , . . . C,, C 2 , 35 . . . von den Coefficienten 
A i9 A 2 , A z , ... durch die Gleichungen 

(A 1 -\-A*z + A 3 2*+ . . .f=B x +B 2 z+B,z 2 + ... 

{a x +a 2 z-\-a z z i + . ..)(ä 1 +ä 2 «+-b 3 « 8 + •• .=e r i+c 3 *+cu*+ ... 






ausgedrückt sind. 

Setzt man also 



M=kA*; M' = 64g; M" 



4^ ; 



und 



K X =M.K±; 
K 2 =M.K 2 +M 

A3 



Äo 5 



III 

m 

3 ? 

m 



M.Ki+M'.KZ+l.K?; 

u. s. f. 






so ist 



Z X =M.A X ; Z 2 = M.A 2 +K X ; Z 3 =M.A 3 +K 2 ; Z^M.A^K^, u. s. f. 



Aus diesen Formeln entwickelt sich wieder sehr leicht das Verfahren zur Bestimmung der Coeffi- 
cienten A , A x , A 29 A z , . . . , wenn die Coefficienten Z , Z 19 Z 2 , Z 3 , . . . gegeben sind. 

Das erste Glied A bestimmt sich unmittelbar aus dem ersten Gliede Z° nach der Formel 

Die folg enden Glieder werden sämmtlich mittelst blosser Divisionen aus den respectiven Gliedern 
des gegebenen Polynoms, also A x z aus Z x z; A 2 z aus Z 2 z; u. s. f. gefunden. 

Die Vorschriften, nach denen diese Rechnungen zu geschehen haben, sind im Wesentlichen 
nicht von denen unterschieden , durch welche die Theile der Quadrat- und Cubikwurzeln erhalten 
werden. Jedes Glied gibt, nach vorher an ihm angebrachter Correction durch den assignirten Divisor 
kAl dividirt, das entsprechende Glied der Wurzel von ebendemselben Range. Die in Rede stehenden 
Correctionen aber sind immer aus schon bekannt gewordenen Gliedern der Wurzel berechenbar. 

Das Glied der ersten Ordnung, Z x z, wird unmittelbar durch den assignirten Divisor 4^ divi- 
dirt, und gibt im partiellen Quotienten diis Glied eben dieser Ordnung von der Wurzel. 

wird mittelst der ersten Correction K x z z , die ein 



Das Glied der 



zweiten Ordnung, Z 2 £*, 



Product aus dem Multiplicator M x =6^0 in die producirte Summe (/^j ist, reducirt. 

Das Glied der dritten Ordnung, Z 3 # 3 , wird mittelst der zweiten Correction K 2 z % reducirt 
Dieselbe setzt sich aus zwei Theilen zusammen, von welchen 

A A 2 

der erste ein Product aus dem Multiplicator M =6 AI in die prod. S. f/^! 4^3); und 

x 7 "* 






der zweite „ 



•• 



?? 



53 



.. 



M"z = kA z „ 



33 



55 



(A x z, A 2 z\ . , 
" 10 ; B,z)> lhl 



Das Glied der vierten Ordnung, Z 4 # 4 , wird mittelst der dritten Correction K 3 z* reducirt. 
Dieselbe setzt sich aus drei Theilen zusammen , von welchen 

A t s; A 2 z 2 ', A s z\ m 



der erste ein Product aus dem Multiplicator M =6 AI in die prod« S. Q 1 ' / .] 



A*z 



8 



der zweite „ 



der dritte 



33 



33 



53 



33 



35 



93 



33 



55 



3? 



M"Z 



\.z 



kA*Z 







33 33 



33 33 



33 



33 



/Ais; A z z z ; A z z\ m , 



MjS; A 3 s 3 ; A 3 s 3 \ . 



5 













144 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 






■ 



i 









Jede der nachfolgenden Correctionen , die an den Gliedern Z 5 z 5 ; Z 6 s 5 ;... anzubringen sind, 



besteht, wie die für das Glied Z 4 # 4 aus drei Theilen, von denen jeder ein Product aus einem Mul- 
tiplicator in eine produeirte Summe zweier Reihen, zu denen bereits gefundene Theile der Wurzel die 
resp. Glieder liefern. Der Reehnungsmechanismus, der hieraus für die Ausziehung der Wurzeln des 
vierten Grades entspringt, lässt sieh in folgendem Schema zur Darstellung bringen. 



4 



V (Z +Z l2 fZ. J 2 ä fZ 3 z 3 f . . .) 



A 







MA x z 



M ( 



AD 



-\-A l z-\-A 2 z*-\-A i z 3 -\-A i z' , -\- . 






I. Corr. 



ZzZ*-{- ... 



K t z' 1 ( = M A'i a*) 



•i 



MA t z 
MA., z % 



IL Corr, 



^/o Z I • • • • 



A x z ; A 2 z 2 ; A^z? ; A^z* ; . . 



X3 m Jß \Z ^ J3<->Z ^ M3<^Z j • • • 



; ; C t z ; C % z % ; 



Multiplicatoren 



M 



6 AI 



M"z = kA z 



l.z z = z i 



3 



m k; z 3 ) 



MA % z* -f- 



3 



in. Corr. 



Z,z"-\-... 



' AT 2* + 1 . ÜTä V) 












I 



Z 5 s 5 -|- . . . u. s. f. 



I 







Die Anwendung dieser Formeln zur Ausziehung 



der Wurzeln des vierten Grades aus dekadischen 



* 



Zahlen ergibt sich, wie bei den vorhergehenden Graden, von selbst. Der hierzu dienliche Rechnungs- 
mechanismus ist aus nachstehendem Reispiele ersichtlich, in welchem der Werth von v n bestimmt wird. 






1 



|/3,141 592053589 9 



1,3 



28561 



I. Corr 










285!»9 
26364 

21852 
9126 

1272« 



8788 



8788 



IL Corr 



39386 

6084 



33302 
2636 t 







1 




1 













III. Corr. 



69385 
33306 



3 


1 


3 


3 


5 


3 


6| 


3 


8 


• • 


Multiplicatoren 


1 


3 


3 


5 


1 3 


6 


3| 8 




1. 


9 


6j I9| 24| 


45 


46 


81 


78 


133 


• • 


(lou 








9 


8 


1 


8 










•— 








• 


» 




9 





4 







IL 










33 




* 




5 





• • 




38 


76 















• 










79 


8t 


109 
112 


115 


• • 


(520 




• . ■ 

u 







3 





7 


6 


8 


3| . . 


III. 


1 


Oj 9 


3 


| 30 


34 


66 


65| . . 


(100 



*) Die vierte Stelle in (31) 2 . 
•*) Die neunte Stelle in (313)8. 



36079 

26364 

97153 



• . 















^m 



MVi^^MHHM^WI 



ft«n 



HflMi^^HMHBIMH 









IV. Corr. 



V. Corr. 



VI. Corr. 



VII. Corr. 



VIII. Corr. 



IX. Corr. 







mit numerischen Coefficienten. 



145 



97153 
42396 



09 



27 



6 



33 



54757 
43940 

108175 
. 65690 



42485 
26364 



161218 
89164 

72054 

52728 



19326 
1560 (*) 

177669 
127654 

50015 
26364 




096 


19 


979 

W 1 


24 


814 


45 


185 


~ 46 


896 


~ 81 


9041 


78 


488 
^133 



303 



38 



068 



I 



76 



756 



3 (=79-76) 
81 



671 



109 



819 



3 ( = 112-109) 
115 



335 



u. s. f. 






5013 

u. s. f. 



2365 I 7 
142372 

94145 
70304 

23841 
1560 (**) 



222819 
201162 



(**) 109 — 112 
(-3).520 = 




1560 






21657 u. s. f. 



■ I 



I. Correction 



II. 



Tabelle zur Berechnung der Correctionen. 

9. 1014 + 



III. 
IV. 

V. 
VI. 

VII. 
VIII. 

IX. 



?? 



?• 



?? 



>> 



Vi 



« • 



?• 



9126 
6084 



6.1014-)- 0.520 = 

19. 1014 -j- 27.520-}- 0.100= 33306 

24. 1014 + 33.520+ 9.100= 42396 

45.1014+ 38.520+ 3.100= 65690 

46.1014+ 76.520 + 30.100= 89164 



81 . 1014 



81 . 520 



34. 100 



127654 



/ / 



78 . 1014 + 109 . 520 + 66 . 100 = 142372 
133 . 1014 + 115 . 520 + 65 . 100 = 201 162 






Hiernach ist 



h 



1,3313353638. 



D) Allgemeine Darstellung des Rechniingsmechnnismus zur Bestimmung der Wurzeln jedes Grades aus 



gegebenen Polynomen oder aus dekadischen Zahlen. 



Wenn man die allgemeine Gleichung hat 



(1) 



. (A + A* + X 2 3 + .4 3 * 3 +....)* 



Z^Z.z^Z, 



t* 
& 



z * 



3 



• • 



so werden die Coefficienten Z , Z„ Z v Z,. . . . aus den Coefficienten A, y A„ A,, A 3 , . . . nach Gesetzen ah- 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



19 



.1 



i 

3 



tf 





^ 



■■■ 



n 




S= 














146 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



r 



■ 



hängig sein, welche durch die Formeln (27) 28) §. I ausgedrückt sind, und dazu dienen werden, wenn 



Z 



m 



Z Z Z 3 , . . . als gegeben vorausgesetzt werden , die Werthe von A , A t , A % , A 3 , ... zu finden. 
Statuirt man die Gl. (7) §. I , bis 



(2) 



R 



n— 1 



L 1 + L t z-\-L 3 s? + L t *+ ....; 



verbindet man hierauf die Coefficienten 



(3) . 



A t ; A % \ -4 3 ; A±\ A h \ ; A n _ 2 ; A n _ t ; A; 




•■ 



mit jeder der Reihen 



r 



(*) 



A\\ A t ; A 3 ; As, A b ; 
0; B t ; B 2 ; B 3 ; B k ; 



• • • 



0; 
0; 



Ci ; Cg? ^39 

o ; A; A; 



• • • 



• • 



A 



n- 



4 



—2 9 -<*n— 1 9 -^n ? * 



A 



B 



B 



n— 3 9 -*^ n— 2 9 



Ä 



n— 19 • 



^n-4 5 ^j 



n-4 9 ^n— 3 9 ^n— 2 9 • 



G 



• • 



n— 5 9 x, n— 4 9 -*^n— 3 9 



/>, 



• • • 



0;0;0;0;0; ...;0 



; L t ; L 



■i » • 



• • 



zu producirenden Reihen ; bildet aus denselben die producirten Summen 



(5) 



K[; K,; K 3 ; Kl ; M s 
0; iE; K 3 ; K 



; ; K 3 "; K 
; ; ; 



4 9 

tll 

4 5 






u 

5 9 

HS 

5 9 



• • 



• • 



Kr 



^5 9 



Än-2 9 



Ä 



n— 2 9 



^C-i 



n— 1 



n— 2 9 



K! v 



n— 2 9 



K 



n— 1 

IV 
n— 1 



K 



n 
IV 



Ä» 1 



9 ' 



9 * 



9 ' 



■ 

I 



I 



















setzt man ferner 



und 



(7) 



und überhaupt 

(8) . . 



Km 



; ; ; ; 



• • 



; KfS ; K? 



, 









(6) . M =-- (I) Ar" ; M" 



K t 
M % 

A3 

K 



G) * 



M 



m 



®* 



i 



—4 



• • o • » 



. .; M^ = (JLJ A ; ^ (n_1) 



l 



K " - 

**2 9 



M. K[; 

M . K 3 -f M" . K % -f- M" . Ä" 3 " ; 

M.Mi 4- M" . Kt + **" • Ä"*" + Miy • *%* 5 



Jf .Mä + M>.M: + M".M:-\- + M^~* m*-» 



wobei erst K n _ x ; K n ; M n+i ; vollständig aus n— 1 Theilen bestehen , 



endlich 





(9) 



so hat man : 



A 



liAf* ; 



(10) . Z = AI ; Z, = A l . A ; Z z = A z . A -j- K t ; Z 3 = A 3 . a + M 3 ; Z, = A, . A -\- K 5 



• « • 



1 







Diese Formeln dienen nun . wenn Z , Z 1? Z 2 , . . . 



gegeben sind, A , A„ A& ... zu finden. 

















— 












% 

mit numerischen Coefficienten. 147 

Nachdem man aus der ersten der Gl. (10) 

(11) A {) = VZ 

gefunden hat, bilde man nach (9) den Ausdruck A. den man zum assignirten Divisor annimmt. Aus der 
zweiten der Formeln (10) ergibt sich A x mittelst unmittelbarer Division von Z, durch A. Aus A % erhält 
man sofort JKJ, folglich nach der ersten der Gl. (7) die erste Correction K x . Zieht man diese, in Ge- 
mässheit der dritten der Formeln (10), von Z 2 ab; so gibt der Unterschied, durch A dividirt, den Werth 
von A 2 . Aus A r und A 2 ergibt sich ferner B 19 und hieraus K 2 und K 2 \ woraus mittelst der zweiten der 
Formeln (7) die zweite Correction K 2 gefunden wird. Zieht man diese, in Gemässheit der vierten der 
Formeln (10), von Z 3 ab; so gibt der Unterschied, durch A dividirt, den Werth von A 3 . u. s. f. 

Bei der numerischen Berechnung der Wurzeln aus dekadischen Zahlen stimmen die Ziffern an den 
mit den Zeichen 

K 2 ; A 3 ; KT; Ä 5 V ; ; A^T 

besetzten Stellen mit jenen überein , welche in den respectiven Zahlen 

(A t A 2 f ; (A x A 2 A,f ; (A t A 2 A 3 AJ* ; ; (A,A 2 . . . A n ^y- 1 

die vierte, neunte, sechzehnte, ; (n — l) 2 te 

Stelle einnehmen , wobei A { ; A 2 ; A« ; . . . . die einziffrigen Zahlen bedeuten , mit denen der auf A* 
folgende Theil der dekadischen Zahl , aus der die Wurzel gezogen werden soll , geschrieben wird. 



§. I". 



Entwicklung des Rechnungsmechanismus zur Bestimmung der reellen Wurzeln der numerischen 



Gleichungen eines jeden Grades. 



Es sei 



* 



0) 



x* -\- a t x*- 1 -\- a 2 x n 2 -f- a$ x n 3 -f~ a n _ x x = a n 



irgend eine Gleichung des n ten Grades, worin a i9 a 2 , « 3 



• • 



a 



n— 1? 



a a beliebige reelle Zahlen bedeuten, 



welche die Form dekadischer Zahlen haben. Von dieser Gleichung sei es bereits bekannt, dass sie 
zwischen den reellen Zahlen a, b eine einzige Wurzel liegen habe, von der man unbeschadet der 
Allgemeinheit voraussetzen kann, dass sie positiv sei. Von diesen Grenzen «, b werde ferner vor- 
ausgesetzt , dass sie in dekadischer Zahlform dargestellt seien , und bereits so nahe an einander ge- 
bracht wären, dass die erste Ziffer, oder die zwei oder drei ersten Ziffern von a schon dem wahren 
Werthe der Wurzel angehören. Alsdann lassen sich, mittelst eines auf gleichförmige Weise fortschrei- 



tenden Rechnungsmechanismus, der sich von dem im vorigen Paragraphe erklärten zur Ausziehung der Wur- 
zeln des raten Grades im Wesentlichen nicht unterscheidet, alle nachfolgenden Ziffern der zwischen a 
und b liegenden Wurzel der Gleichung (1) successive, und so weit als man will, finden. Stellt man 
nämlich die gesuchte Wurzel durch die Formel 



(2) 



x-=A -\-A l z-i r A 2 z*-\- A z z z -\- 
n gefundenen Theil der Wurzel . wi 



dar, und nimmt man A^ für den gefundenen Theil dei 
wird, so sind^Jj, A 2 , A^ .... die nachfolgenden Ziffern, welche mittelst des Rechnungsmechanismus be- 
stimmt werden sollen. Das Polynom (2) muss nun so beschaffen sein, dass es, für x in den ersten 

19 * 























HHBBI 









J 




'.'1 



■ 













_. 



I 

■ 














» 






J^ 




1 
t 














^^ 













148 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



Theil der Gleichung (1) substituirt , denselben auf a n reducire. Diese Substitution gibt für den in Rede 
stehenden ersten Theil der Gleichung (1) ein Polynom von der Form 



(3) 



Z -f- Z ± . z 4- Z 2 .z* + Z 3 . s 3 -f- 



das mit der gegebenen Zahl # n zusammenfallen muss. Im §. I. sind für diese Entwicklung des Polynoms (3) 
die allgemeinen Formeln angegeben worden. Dieselben enthalten die Gesetze für die Bestimmung der 
Coefficienten Z , Z 15 Z 2 , Z 3 , . . . aus den Coefficienten 44, a % , « 3 , . . . und A , A tJ A& . • '• 9 mittelst deren um- 
gekehrt aus den Coefficienten a 19 0%, # 3 , . . . und Z , Z 1? Z 2 , . . . die Coefficienten A„ A& . .•'• , indem J als 
schon bekannt vorausgesetzt wird, gefunden werden können. 

Es ist bereits §. I. angemerkt worden , dass sich die Berechnung der Coefficienten Z , Z 19 Z 2 , 
in dem Falle, da das Polynom (2) in den Ausdruck substituirt wird, nicht wesentlich von dem unter- 
scheidet, da man die Entwicklung der Potenz x n zu suchen hat, und dass nur in den Multiplicatoren 



• O * 



M ', M", i 



M'" 



dieser Unterschied liege. Da nämlich die Zahlen « 15 «,, a % , 



© • • 



auf die producirenden 

Reihen, welche bei diesen Entwicklungen in Betracht kommen, durchaus keinen Einfluss haben; so blei- 
ben sie in beiden Fällen die nämlichen, es mag sich um die Entwicklung des Ausdruckes (1) oder nur der 



M 



(ff 



• • 



bezeichneten Grössen er- 



Potenz handeln. Nur die im vorigen Paragraphe mit A, M , M" 



leiden eine entsprechende Aenderung, indem man den Formeln (11) und (12) gemäss hat, wenn f(x) 
den ersten Theil der Gleichung (1) bezeichnet: 



(4) 



A=/'(A); 



(5) M' 



l 



1.2 



f" (40 ; M" 



i 



1.2.3 



-,/'" (J ) ; M> 



u 



1 



1.2.3.4 



f (A ) ; etc. ; M<^ 1 > = 1 



welche an die Stelle der Formeln (9) und (6) zu treten haben, sobald es sich um die Entwicklung 
von f(x) handelt. Hieraus ist es klar, dass auch die Bestimmungsweise der Werthe der reellen Wur- 
zeln einer numerischen Gleichung des zweiten, dritten, vierten, . . . Grades nicht wesentlich von dem 

Verfall 



Cll 



verschieden sein werde, dessen wir uns bei der Auflösung der reinen Potenzgleichungen, 
d.i. bei der Ausziehung der Wurzeln des zweiten, dritten, vierten, .... Grades aus Polynomen und 
aus dekadischen Zahlen bedient, und §. II. bereits zur Darstellung gebracht haben. Zur Erreichung 
unsers Zweckes bedarf es also nur einer blossen Vertauschung des assignirten Divisors und der Mul- 
tiplicatoren gegen die aus den Formeln (4), (5) hervorgehenden Zahlen. 

Wir wollen nun diese allgemeinen Vorschriften auf die besondern Fälle anwenden, da n = 2 und 

- 

n = S gesetzt wird, und die Rechnungsmechanismen zur Darstellung bringen, durch welche die Wur- 
zeln von Gleichungen des zweiten und dritten Grades gefunden werden können. 



A) Rechnungsniechanismus zur Auflösung der Gleichungen des zweiten Grades. 

Für rc = 2 reducirt sich die Gleichung (1) auf die Gleichung 

^2 ] % 

•rO ~ |" Ct^ ±1/ CIO • 

Daraus findet man, wegen f (x) = x 1 -\- a^ x ; f {x) = 2x -j- a t ; f"{x)=2, und wenn bekannt ist, 
dass A die untere Grenze der positiven Wurzel dieser Gleichung ist, 



A 



f (4.) 



2A -]-a l ; M 



1 



• f" (4>) 



l. 



I. Beispiel. Die Gleichung- x~ — 20.x* 



und 16 liegt. Da hier 



a 



20; « s 

A 



— 71 hat eine reelle Wurzel, welche zwischen 15 
71 ; A = 15 ; so hat man 



30 



20 



10; M 



1. 










^M 






• 






mit numerischen Coefficienten. 



149 



Da hier der assignirte Divisor 10 ist, so kömmt das Schema der Rechnung zur Bestimmung der auf 
15 folgenden Ziffern der Wurzel dieser Gleichung auf folgende Weise zu stehen: 



/(15) 



71 

75 



40 
30 



10 



3851648. 



3851648. 



100 



I. C 



orr 



9 



3.3 



91 

80 



II. Corr. 



110 

_48 

62 
50 

12 



120 



III. Corr._94 = 3 . 5 + 8 . 8 + 5 . 3 

26~ 
10 



3.8 + 8.3 



160 



140 

V. Corr. 77 









63 
40 



IV. Corr. _86 = 3.1-}-8. 5 + 5. 8+1. 3 

74 
60 



14 



230 



VI. Corr. 130 



100 



80 



20 

u. s. f. 



, 



Die gesuchte Wurzel ist also 15,3851648... 

Wollte man diese Wurzel auf eine grössere Anzahl von Decirnalstellen haben, so wäre es vor- 
theilhafter, den assignirten Divisor, wie §. II. A, zu ändern, oder gleich anfänglich ^4 =15,3 zur 
unteren Grenze der Wurzel zu wählen. Alsdann wäre A = 10,6; /"(15,3) = — 71,91; und die Rech- 
nung käme folgendermassen zu stehen : 



71 
71,91 



910 106 

848 



851648071345040 ■ 
851648071345040 . 



I 



II 



620 
64 

556 
530 

260 

80 

180 
106 



630 



III 



740 
41 

699 
636 

63 



IV. 


106 




524 


• 


424 


. 


1000 


V. 


125 




875 




848 




270 


VI. 


180 




900 


VII. 


124 




776 




742 



34 



340 



III. 


176 




164 




106 




580 


IX. 


198 




382 




318 




640 


X. 


136 




504 




424 




800 


XI. 


244 




556 




530 



260 
XII. 194 



XIII. 



660 
214 



446 
424 



r 



XIV. 



220 
162 

580 



u. s. f. 



26 






Hiernach ist x= 15,3851648071345040 .. . 














I 







150 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 

IL Man habe die Gleichung x 2 -\-5x = k, welche eine zwischen und 1 liegende Wurzel hat. 






Da hier f(x)=x*+5x; f(x)=%x+5\ A =0; A=f(0)=5; so kömmt die Rechnung auf folgende 



Weise zu stehen: 



4 







40 
35 



5 



7 

7 



50 
49 

10 64 
100 
64 

360 
320 

400 
1_ 

399 
384 

150 
10 

140 

128 



01562118 
01562118 



120 

37 

83 
64 



190 



64 






12 



I 



* 



126 

620 

58 

562 
512 






500 u. s. f. 






p, 
1 




Hiernach ist # = 0,701562118 . . . 






B) Rechnungsinechanismus zur Auflösung der Gleichungen des dritten Grades. 




Für ra=3 reducirt sich die Gl. (1) auf die Gleichung 



x z 4- a t x 2 + a 2 x = a 3 






Wenn A* die untere Grenze der einen reellen Wurzel 






A=3Al-\-2a l A -\-a t i M = 3A -\-a i ; M =1 ; 



I 

1 

p 

1 

1 


, 





I. Beispiel. Man sucht die Wurzel der Gleichung 



x* — x % — 406.r = 800, 



welche zwischen 21 und 22 liegt. Man setze ^1 = 21 ; alsdann ist 




x 




f (x) = 2x'- 
x Uf"(x) = \; 



x 

2; 



k06x; /"(21)=294; 



406 



f(21)= A=875; 
V/"(21)=Jf=l; 



' 














. 





*^"«~"^^^B 



mit numerischen Coefficienten 



151 



Das Schema der Rechnung zur Bestimmung der auf 21 folgenden Ziffern der Wurzel dieser 



Gleichung käme nun folgendermassen zu stehen: 






800 

5060 I 875 
4375 

6850 
I. 1550 



5 



5 



6 






1 



7 



1 






1 



2 Multipl 



5 



5 



6 



1 






7 



1 



1 



2 






5300 
4375 



II. 



III. 



9250 
3250 

6000 
5250 

7500 
5420 

2080 

875 



25 



50 



85 






70 



116 



92 



105 



. (62 







3 







9 



3 



2 



6 



• • 



. 







15 



15 



63 



63 



100 



70 



. . . (10 



8530 



IV 



12050 
4970 



V 



7080 
6125 

9550 

7822 

1728 
875 



853 



VI. 


6704 


VII. 


1826 

875 

9510 
7210 




2300 
1750 



25 



50 



300 



85 



085 



70 



5500 

u. s. f. 



920 
~116 

316 



92 



252 
~105 



625 u. s. f. 



Hiernach ist die gesuchte Wurzel a?— 21, 55617112 .. . 



II. Beispiel. Es sei x 3 — 200 x = 5000 die gegebene Gleichung, deren eine reelle Wurzel 



zwischen 20 und 21 liegt. 









Da hier f (x) 

f 0*0 



X 






200 x ; 



A 







X 



200 



* 



A 



20; 
1000 



/"(20) 



4000; 



1 

2 
1 

6 



t 0*0 
f" 0*0 



'ix; 



M 



60 



1 



M" 



1 



Wurzel 



folgende Art zu stehen: 








■ 










1 






1 


■ 














1 1 

1 

1 



152 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 



5000 
4000 






10000 
9000 



1000 



I. 



10000 
4860 



IL 



III. 



5140 
4000 

11400 
5040 

6360 
5000 

13600 
7490 

6110 
5000 



1 9 


4 


5 


5 


1 


4 


8 


1 


5 


4 


2 


3 


2 


. . Mult. 


9 

81 




4 


5 


5 


■ 

1 


4 


8 


1 


5 


4 


2 


3 

> 


2 




72 
8 


106 
9 


130 
3 


83 
9 


130 
9 


211 

8 


132 


219 


210|l60 


226 


• • 


(60 


2 


6 


6 


1 


8 


• • 




72 


113 


103 


178 


185 


209 


243 


248 


246 


269 


309 


• • 


(10 






IY 



T 



11100 

8830 

2270 
1000 



17400 
XI. 1 2290 



V. 



12700 
6760 

5940 
4000 



5110 
3000 

21100 
16650 

4450 
2000 

12450 

u. s. f. 



81 



72 



882 



106 

926 
^130 

390 



83 



983 






VI. 



19400 
9650 






I 






VII. 



VIII 



IX. 



9750 
8000 

17500 
1 4750 

2750 
1000 

17500 
10350 

7150 
5000 

21500 
15620 

5880 
4000 



130 

960 
~2U 

"Sil 









132 

242 
^219 

"639 



210^ 

600" 
160 

160 
^226 

826 



u. s. f. 






18800 
X. 15060 

~374Ö 
2000 

1740 j 

Hiernach ist x = 20,9455148154232 . . 

+ 



47. x 



674 hat eine reelle Wurzel , welche zwischen 



den Grenzen 9 und 1 liegt. Um die übrigen Ziffern dieser Wurzel zu finden , nehme man A 



alsdann findet man A 



M 



M" 



1. 







9; 




























■■^^^^^H 




ä 



mit numerischen Coejficienten. 



Das Schema der Rechnung wird dann sein: 






I. 



674 
549 

125Ö 
1000 

2500 
480 

2020 
1750 



250 



4727574077116 . . 


Malt. 


4727574077116. . 


(30 


022349956654 . . . 


(10 



II. 



III. 



IV 



2700 
1760 

940 
500 

4400 
2170 

2230 
1750 

4800 
2820 

1980 
1250 



IX. 



X. 



XI 



^ 



" 



VI. 



7300 
4810 

2490 
1750 

7400 
5560 



XII 



VII 



1840 
1000 

8400 
7490 



910 




VIII 



9100 
6280 

2820 
1750 

1070 



10700 
7740 

2960 
1750 

12100 
10780 

1320 
250 



10700 
9300 

1400 
250 

11500 

8780 

2720 
1500 



12200 

a. s. f. 



Hiernach ist die gesuehte Wurzel sc = 9,472757407716 .. . 



153 



§• V. 

Darstellung des Systems der Formeln zur Berechnung der Wurzeln der höheren Gleichungen. . 






Wenn die Gleichung- 



(t) 



,»* 



>n-l 



ar -+- a A ar - -f- cl z x n 2 -\- a 3 x n 3 -J- . . . -j- a n _ x x 



«n? 



in welcher 

Denkschriften d. mathem. naturw, Cl. 



20 









41 








m 
















154 



Fr. Moth. Auflösung der Gleichungen 









r 



(2) 



a 



n 



Z -|-Z 1 ^-}-Z 2 ^-|-Z3^ 3 -)- 



angenommen wird, eine einzige nositive Wurzel 



zwischen den Grenzen a . . b liegen hat . welche 



o 

bereits so nahe an einander liegen, dass die erste Ziffer, oder die zwei bis drei ersten Ziffern, womit 



Werthe der Wurzel 



Wurzel 



'? 



ser Wurzel unter der Form 



alsd 



Werth 






(3) 



A* + A x z -\- A* z* + A z z z -\- 









i 






darstellen, worin die Coefficienten A t , A 2 , A«, . . . im Allgemeinen einziffrige Zahlen sind. Im vorigen Para- 
graphe ist gezeigt worden, wie man mittelst eines geregelten Verfahrens nach und nach zur Kenntniss 



(3) 



Der 



hierzu angegebene Rechnungsmechanismus setzt aber voraus, dass auch die gegebenen Coefficienten 
a* a» a* . . . a * bereits die Form dekadischer Zahlen haben, eine Voraussetzung , durch welche der 
Anwendbarkeit unserer Methode in sofern Schranken gesetzt werden könnten , als in dem Falle , da 
die in Rede stehenden Coefficienten beliebige gebrochene Zahlen sind, entweder durch Reduction der 
vorgelegten Gleichung mit gebrochenen Coefficienten auf eine andere, worin die sämmtlichen Coeffi- 
cienten ganze Zahlen sind, oder durch vorgängige Verwandlung der gebrochenen Coefficienten in 



Decimalzahlen, die Rechnungen weitläufig und beschwerlich werden. In diesem Falle kann 



man es 



vorziehen, die Rechnung zur Bestimmung der Zahlen ^4 , A 2 , A z , ... unmittelbar mittelst derjenigen 
Formeln zu führen, welche auf den §. IV. angegebenen Rechnungsmechanismus eben geleitet haben. 
Wir wollen daher die besondern Fälle, da n 



2, n 



3 und n = k ist, nochmals in Betrachtung 



ziehen, und für dieselben die Systeme von Formeln anzeigen, welche zur Bestimmung der einzelnen 
Ziffern A i9 A 2 , A 3 , . . . zur Anwendung zu kommen haben. Jedes solche System zerfallt in zwei Abthei- 
lungen. Die Formeln der ersten Abtheilung bleiben für die Berechnung der Wurzeln der Gleichui 
bei jedem Grade dieselben. Die der zweiten Abtheilung sind diejenigen, welche zur Berechnung der 
Correctionen anzuwenden kommen, und welche sich von Grad zu Grad ändern. Wenn also 



(4) f (x) = x n -f- a x x 



n— 1 



a % x n a -[- #3 a? B 3 -\- a n _i x ; 



und A der schon bekannte Theil der Wurzel der Gleichung (1) ist, so hat man in Gemässheit der 



allgemeinen Formeln §. V. (4) , (5) : 



(5) 



f(A) 



AI -j- «, AT' H- ch Af* -\- « s AI 



n— 3 



+ <*n-i ^o ; 




















(6) 



<7) 




M> 



M 



n 



nAl 



n— 1 



(»— i) «, ^r 1 + (»—2) «a ai 



n— % 



(n— 3) a 3 -4S" 3 -f- + ^n-i ; 



{%) A * ""H ( 



n 



1 



2 



a 



% 



n — 3 



. 4T 3 + ( V ) «*4T* + ( V ) f '^" 5 + 



n 
3 



1 



2 



2 

n—S 



)^+(V)*^* + ( a )*^ + ( V )*^ + 



M'"=(I)^- 4 H-("7 1 )«.4r a +("7 2 )^^ , +("T 3 ) a »^" 7 H- 



M (n-i) = J 






U. S. f. 



. -f- (t n -2 5 

• ~P a n— 3 5 









' • 
































mit numerischen Coefficienten. 

I. Formeln zur Berechnung der Ziffern vl,,vl 2 ,vl 3 , 



155 






Zo-f(A ) 
10/J,4-Z, 

© (35, : A) 



35, 



2>i 



vl,.A 



i o/J, + z ; 



Oo 



2 

7" 



AT, 



A 



■i 



© (35 ä : A) 



n 3 

$3 
4« 



35o 



ijL> • 




1 0/J s -j- z. 



Ä 



7» 



u. s. f. 



© (©s : A) 



la den letzten Formeln, aus denen vi,, A z , A 3 ,... gefunden werden, bedeutet der Buchstabe © 
vor den Quotienten (35, : A) ; (3X:A) ; (35 3 :A) ; . . . , dass man aus denselben bloss den ganzzahligen 
Theil auszusondern und für den Werth von vi,, A 2 , A 3 , ... anzunehmen habe. 



II. Formeln zur Berechnung der Correctionen. 



K[ 



A t 



Ca • 



I. 



K. 



M' . Ki ; 



k: 



A x A.,\ 



A 



II. 



K> 



8 ; IQ 



M> . Ä", 4- Jf " . K: ; 



1 2V ' 



A' 



(A, A z V4 3 \ . Ijr.. 



4, Aj A 3 \ . £, 

BjÄgJ' •" 



Ai A 2 A 3 \ . 
Cj* 



111. 



A 



3 



M . A"3 4- M" . AT 4- M'" . AT 5 



Ar, 



\A ± A % A Z AJ> ^ 



Mt A 3 A 3 Aft . »*« _ M, A 2 A s Aa . ^iv 



A, A>A 3 A 4 \ 

o o o aJ' 



IV. 



K, 



M .Ki-\- M" . K 4 ' -f JH "' . IQ -f M IV . ä; ,v ; 



u. s 



. f. 



Formeln zur Auflösung der Gleichungen des zweiten Grades. 



Die gegebene Gleichung habe die Form x^-^-a^x = a 2 . 



Hier ist 



/UD 



A 







a x A ; A 



24 



a t ; üf ' 



1. 



folglich 



Ä, 



Ä^ ; üu = KL : Äo = /Sf 3 : üf 4 = Äi : u. s. f. 



1 1 

Beispiel. Die gegebene Gleichung sei x~-\- — x= 1848: also « 1 = — - ; # 2 



1848 



Z . Eine 



Wurzel dieser Gleichung liegt zwischen 42 und 43. Es sei daher 4 = 42; so ist f(A ) = 1778 



A 



253 



. Mithin 



«i 



70 



S f 



700 



©i 



700 



ZL 



6 



;i 



*V> 



7 



00 



^i 



V 253 ' 



8 



So 



3 

508 



3 



Äi 



a f, 



64 



vi., 



508 



©(^) 



2 



/* 



& 



55 



62 

3 

020 
3 

524 
~3~ 



11, 



6 



K, 



32 



* = ^ © 



Ä 



36 



O4 



60 



35, 



24 



* 



vi 



( 72% 







ä; 



8 



20* 















-« 
* 









I 



* 




fl 





Bfc^ 













i 












156 



R 



Ä 



•©, 



^ 



ä; 



72 
3 

720 
3 

672 
3 



©(^ 



253' 



2 



36 



R 



6 



Ä 



© 



6 



A, 



K 



6 



16G 
3 

1660 
3 

1552 



3 




1552,. 
253 J 



104 



6 








• 



R 



u. s. f. 



Hiernach ist x = 42,822026 


















Formeln zur Auflösung der Gleichungen des dritten Grades. 



Die gegebene Gleichung habe die Form x z -J- a x x % -j- a 2 x = a n . 



Hier ist f(A ) = A%-\-a l A%-\-a i A ; 

3 AI -f- 2«, 4, -h «a 5 



A 
Jf' 



3,4 







a 



i ? 



j/ 



ff 



i 



Äi = Jf ' • K\ ; 



ä; 



Jf ' . K; 4- Äj ; Ä", = Jf' . ÄJ -{- ÄJ ; K, = M .K^K,-, u.s.f. 










i 



Formeln zur Auflösung der Gleichungen des vierten Grades. 



Die gegebene Gleichung habe die Form x k -J- a x x % -\- a 2 x % -{- a 3 # 



a 



n • 



Hier ist 



/uo 



A 



M 



i 



K t 



A\ -\- ai Al-\- a 2 AI -\- a 3 A ; 

4yl* -j- 3«, AI + 2a 2 ^lo + «s ; 

6.4* -j- 3a 4 A -f « 2 ; M" = kA -f- «, ; Jf' 

Jf . Äi ; JäT s = Jf' . Ä~ 2 -f Jf" Ä~ 2 ; K 3 



II 



M' 



i; 

Ah 




Jf " . JT 8 -j- K 3 ; 



A 



Jf ' . K, -\- M " . Äi' + ä; "; 

u. s. f. 



' 



i 









iHva 










157 



Versuch 



einer 



auf rein mechanische Principien sich stützenden Erklärung der galvano-clektrischen 

und magnetischen Polaritätserschcinungen. 



Von Christian Doppler. 

wirklichem Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Voro-eleo-t in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 8. Juni 1848.) 

§. 1. Zu den wundervollsten Erscheinungen im gesammten Bereiche der anorganischen Natur 
darf man wohl ohne Zweifel das Phänomen der galvano-elektrischen und magnetischen Polarität zählen. 
Wie es aber auffallenden Erscheinungen, deren Endursachen für uns noch in ein geheimnissvolles Dun- 
kel gehüllt sind, von jeher erging — so wurde auch der Begriff, oder richtiger gesagt, der Name der 
Polarität sehr bald viellach ausgebeutet, und als ein willkommenes Mittel betrachtet, die Mangelhaftig- 
keit und Unzulänglichkeit mancher anderen vorgeblichen Erklärung, meistenteils zwar ganz unabsicht- 
lich, damit zu verhüllen. Und so ist es denn gekommen, dass wir nicht etwa bloss in Werken, welche 
von Elektricität und Magnetismus handeln, sondern auch in solchen, die der Chemie, der Optik, der 
Wärmelehre, der Physiologie, der Psychologie, dem thierischen Magnetismus, der Naturphilosophie und noch 
fremdartigeren Gebieten des menschlichen Forsehens angehören, den Ausdrücken : Polarität, polares Ver- 
halten, polare Gegensätze u. a. m. allerwärts begegnen. Ein Begriff aber, der ohne sonderlichen Nutzen 

Anforderungen so fügsam erweist, kann, so dünkt es mich, unmög- 



zu stiften, sich den verschiedenen 



und scharf aufgefassten gehören. 



Es kann wohl nicht in meiner Absicht liegen, 



lieh zu den sehr klar uuu suucui eiiugciciaaicu gcuuiou. muo ^«"» »*^«xi m^n, ... mv.uv. a».^^*», **^ 
den Polaritätsbegriff in dieser unbestimmten und unbestimmbaren Ausdehnung zu erfassen, und ihn zu 
einem Gegenstand einer wesentlichen mathematischen Untersuchung machen zu wollen, und diess um 
so weniger als mir in den meisten Fällen jene Uebertragungen im hohen Grade willkürliche und un- 
gerechtfertigte zu sein scheinen, oder doch bei genauerem Eingehen in dieselben sich jedenfalls ein 
bedeutend modilicirtes Sachverhältniss herausstellen würde. Das Ziel, das ich meinen gegenwärtigen 
Betrachtungen gesetzt habe, darf ich wohl als ein bescheideneres bezeichnen, da ich mich innerhalb der 
Grenzen derjenigen Wissenschaft zu bewegen gedenke, welcher eben jener Polaritätsbegriff ursprüng- 
lich entstammt. 

§. 2. Ich befürchte nicht, Widerspruch zu erfahren, wenn ich zu behaupten wage, dass die Pola- 
ritätserscheinung, selbst in dieser engern Bedeutung, vielfacher Bemühungen ungeachtet, bis zur Stunde 
noch nicht eine den strengeren Anforderungen der Wissenschaft völlig genügende Erklärung gefunden 
habe. — Gleichwohl dürfte es vielleicht nicht am unrechten Orte sein, in Kürze den Standpunkt näher 
zu beleuchten, welchen gegenwärtig die Naturforschung der gesuchten Erklärung des Polaritätsphäno- 



mens gegenüber einnimmt. 



Gestützt auf die Symmer'sche oder dualistische Elektricitätshypothese, scheint man sich nämlich gegen- 
wärtig so gut als es angeht, mit der Annahme zufrieden zu stellen, dass allen Körpern eine gewisse 
Kraft (die elektromotorische) inwohnt, durch welche bei einer statthabenden Berührung mit andern 






«i 



























■ 







1 












.i 






{l 






.' 


* * 

- 1 




H 
! 

T 
V 


H 






[ 

1 


1 


■ 


I 


) * 














158 



C. Doppler. Erklärung der galvanis 



materiell verschiedenen Körpern wechselseitig eine Zersetzung und Trennung ihrer latenten und neu- 
tralen Elektricität in der Weise bewirkt wird, dass die entgegengesetzten Elektricitäten an den me- 
tallenen Berührungsflächen sich wechselseitig anziehen und sich daselbst anhäufen. 

Allen anderwärtigen Erfahrungen in der Elektricitätslehre und einem sonstigen vernünftigen Dafür- 
halten nach, sollten sich nun zwar diese einander gegenüberstehenden entgegengesetzten Elektricitäten, 
da ihrer Vereinigung nichts entgegensteht, ja dieselbe durch das gute Leitungsvermögen, der sich be- 
rührenden metallischen Flächen vielmehr im hohen Grade begünstigt wird, sofort augenblicklich wieder 
vereinigen, sich wechselseitig neutralisiren , und die beiden sich berührenden Körper demnach im frü- 
heren unelektrischen Zustande zurücklassen. Ein solcher Erfolg aber, wiewohl er aus jenen Voraus- 
setzungen mit Notwendigkeit zu erwarten steht, wird durch die offenkundige Erfahrung nicht bestä- 
tigt, und man sieht sich demnach zur Behebung dieser Schwierigkeit genöthigt, dieser elektromoto- 
rischen Kraft nebst der zersetzenden Eigenschaft auch noch eine völlig analogielose bindende oder 
bannende Kraft beizulegen, vermöge welcher die angehäuften elektrischen Fluida in ihrem natürlichen 
Bestreben nach Ausgleichung gehindert und genöthigt werden, statt sich zu Null-Elektricität zu neu» 
tralisiren, sich an den Berührungsflächen bleibend anzuhäufen und sich daselbst wechselseitig festzu- 
halten. Da ferners die verschiedenen Körper dieser Zersetzung der latenten Elektricität in ihre beiden 

lerstand entgegensetzen, wie diess namentlich 



W 



bei den magnetischen Erscheinungen ersichtlich wird: so sieht man sich noch zur Annahme einer 
weiteren Kraft genöthigt, die dieser Trennung entgegenwirkt und Coercitivkraft genannt wird. 

Diess ist nun der Erklärungsapparat, mit welchem ausgerüstet man sich sofort an die Enträtse- 
lung der verschiedenen galvano-elektrischen und magnetischen Erscheinungen machet, und es lässt sich 
daraus wohl schon ermessen, wie wenig man sich am Ende darauf zu Gute thun darf, wenn die ver- 
suchten Erklärungen sodann von einem mehr oder minder günstigen Erfolg begleitet werden. 

Unter solchen Umständen nun scheint es mir kaum einem Zweifel unterworfen zu sein, dass ein 
Versuch, das galvano-elektrische und magnetische Polaritätsphänomen nach rein mechanischen, oder 
richtiger gesagt, nach rein aerostatischen und aerodynamischen Principien zu erklären, auf eine bereit- 
willige Aufnahme rechnen darf, und dass demselben sofort auch dieieni^e wünschenswerthe Würdi<run<r 



Wah 



und prüfende Beurtheilung nicht entstehen wird, welche mir jedes aufrichtige Streben nach 
an sich zu verdienen scheint. 

§. 3. Eine jede Erklärung einer physikalischen Erscheinung hat von gewissen Voraussetzungen aus- 
zugehen, und diese Voraussetzungen sind entweder bereits allgemein anerkannte, auch in anderen Thei- 
len der Naturlehre schon adoptirte, — oder aber solche, die noch einer weiteren Rechtfertigung, einer 
noch begründeteren Darlegung ihrer Statthaftigkeit bedürfen. In letzerem Falle scheinen nun allerdings 
bestimmte Vorschriften der angewandten Logik es zu verlangen, vor allem Andern diesen hypothetischen 
Annahmen die volle Anerkennung der Beurtheiler zu erwerben, und dann erst auf die Erklärung sel- 
ber, welche man als den Complex der daraus fliessenden Folgerungen betrachten kann, überzugehen. 
Allein sehr oft ist es bekanntlich aus Gründen der Darstellung gerathener , den verkehrten , übrigens 
gleiche Ueberzeugung gewährenden Weg einzuschlagen, und die Erklärung unter vorläufig bedingter 
Anerkennung den Voraussetzungen zu geben, die letztgenannten aber erst schliesslich gründlich zu 
rechtfertigen, — ein Verfahren, dessen sich im vorliegenden Falle zu bedienen der Verfasser gegen- 
wärtigen Aufsatzes keinen Anstand nimmt. 



Indem ich mich nunmehr anschicke , dem wissenschaftlichen Publikum im Nachfolgenden 



einen 



Erklärungsversuch des galvano-elektrischen und magnetischen Polaritätsphänomens zur Beurtheilung und 
Würdigung vorzulegen, kann ich wohl nicht anders als des subjektiven Dafürhaltens sein, dass es mir, 
wie mangelhaft und unvollständig auch immer die Durchführung und Darstellung desselben sein mag, 
gleichwohl gelungen sei , auf einen bisher noch ganz unbetretenem Wege eine befriedigende Erklärung 






v 



e 






1 * 







. . — 




■ 



■ 



und magnetischen Polaritätserscheinungen. 



159 



• 



gefunden zu haben, die geeignet sein dürfte, Licht über eine Erscheinung zu verbreiten, welche man 
bisher zu den rätselhaftesten und geheimnissvollsten zu zählen gewohnt war. 

Die oben erwähnten Voraussetzungen, deren weitere Rechtfertigung schliesslich folgen soll, sind 
nun folgende : 

1. Sämmtliche Körper, ihre absolute Grösse und Form mag welche immer seyn , sind in ihrem 
natürlichen Zustande mit einer Atmosphäre des elektrischen Fluidums umgeben. 

2. Diese elektrischen Atmosphären, welche den verschiedenen Körpern in ihrem natürlichen 
Zustande eigentümlich sind, — sind nicht unbegrenzt, d. h. sie erstrecken sich nicht ins Unendliche, 
sondern sie sind in bestimmter Weise begrenzt , und haben demnach eine gewisse Höhe. 

3. Die Höhe dieser Atmosphäre ist zwar unabhängig von der absoluten Ausdehnung der Körper, 
gleichwohl aber ist sie nicht bei allen Körpern dieselbe, — sondern sie hängt ab von der materiellen 
Beschaffenheit des betreffenden Körpers , und ist somit beim Kupfer z* B. eine andere als beim 

Zinke , u. s. w. 

Mit Unrecht würde man die so eben namhaft gemachten drei Voraussetzungen eben so vielen* 
Hilfshypothesen, im gewöhnlichen Sinne genommen, gleichsetzen, da sie selber wiederum nur, wie die 
Folge zeigen wird, sich als untereinander zusammenhängende Folgerungen einer andern naturgemässen 
Annahme herausstellen. 

■ 

§. 4. Es seien Taf. X. Fig. 1 Z und K zwei Körper von verschiedener materieller Beschaffenheit und 
von beliebiger Form und Grösse. Zugleich denke man sich dieselbe vor der Hand so weit von einan- 
der entfernt, dass ihre wechselseitige Einwirkung ausser Betracht bleiben kann. Werden diese beiden 
Körper in einen mit ungebundenem elektrischen Fluidum erfüllten Baum gebracht, so wird sich sogleich 
jede derselben eine Atmosphäre dieses elektrischen Fluidums , falls er eine solche nicht bereits schon 
mitgebracht, in einer Weise aneignen, dass z. B. der Körper K angenommen, er habe eine stärkere 
Anziehung zu besagtem Fluidum wie Z auch eine Atmosphäre von grösserer Höhe um sich bilden wird. 
An den Grenzen dieser Atmosphären hat bei beiden Körpern das elektrische Fluidum einen gleichen 
Grad von Spannung und somit auch von Dichte, welche jedoch bei beiden gegen ihre respektiven 
Oberflächen zunimmt, und bei K begreiflich einen höheren Grad erreicht, als bei Z, dergestalt, dass 
von « und ß gegen Innen zu gerechnet gleichen Entfernungen gleiche Dichtigkeiten entsprechen, wäh- 
rend umgekehrt von den Oberflächen aus gegen <* und ß zu , in einem gleichen Abstände bei K ein 
ungleich dichteres Fluidium als bei Z sich vorfindet , dem also auch eine ungleich grössere Spannkraft 



entspricht , die Dichte der Schichte bei 7 wird also, falls « 



7 



ß n ist, jener unmittelbar an der Ober- 



fläche von Z gleichkommen. — Die ausserhalb den beziehungsweisen Entfernungen a m und ß n, d. h. 
ausserhalb der angedeuteten Begrenzung liegenden elektrischen Atome stehen in keinem weiteren Bap- 
port mehr zu /i und Z und gehören demnach auch nicht mehr zu ihren Atmosphären. Sie werden zwar 
noch immer beziehungsweise von K und Z angezogen , aber mehr noch abgestossen von den die Kör- 
per K und Z umgebenden und ihre Atmosphäre bildenden elektrischen Atomen , und somit im Ganzen 

— Während demnach 



genommen, abgestossen, wie ich diess schliesslich strenge nachweisen werde. — 
sämmtliche die Atmosphäre bildenden Atome bei einer allenfallsigen Bewegung von K und Z an dersel- 
ben Theil zu nehmen genöthigt werden , entziehen sich die erstgenannten ganz und gar jedem Antheile 
an derselben , — ja wenn das elektrische Medium, in dem sich K und Z belinden, nicht von aussen her, 
etwa durch einen schlecht leitenden Einschluss an seiner weiteren Ausbreitung gehindert wird, so müsste 
es sich in dem unendlichen Baum zerstreuen und K und Z mit ihren respektiven Atmosphären zurücklas- 
sen. Die Körper K und Z befinden sich in Bezug auf das elektrische Fluidum in einem gesättigten oder 
neutralen Zustande, und würde man sie leitend mit der Erde, als dem allgemeinen unerschöpflichen 
Beservoir für Elektricität verbinden, — so würden sie weder an diese Elektricität abgeben, noch auch 
aus ihr welche aufnehmen, da weder zu dem Einen noch zu dem Andern irgend ein Grund vorhanden ist. 










, 








: 







■■-•■ 







160 



C. Doppler. Erklärung der galvanischen 



Es befinden sich demnach sämmtliche Atome jener Atmosphären ganz eigentlich in dem Zustande eines 
stabilen aerostatischen Gleichgewichtes* Wird nun einem Körper ein Theil dieser Atmosphäre bei irgend 
einer Veranlassung entzogen, so muss er ein Bestreben zeigen , sich diesen Abgang wieder zu ersetzen, 
d. h. er wird als negativ-elektrisch sich erweisen. Wird ihm dagegen ein grösserer Antheil an Elektricität 



zugemessen , als er sich nach Obigem anzueignen vermag , so wird sich dieser Theil der Elektricität 
bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu entfernen suchen, und der betreffende Körper demnach als 
positiv-elektrisch sich erwähren. In Fig. 2 « 5 ß, 7 ist derselbe Körper K in seinen drei Zuständen, näm- 
lich als neutral, als negativ und als positiv-elektrisch dargestellt. — Noch ist hier ausdrücklich zu bemer- 
ken, dass die Höhen dieser Atmosphären, wie schon erwähnt wurde, von der absoluten Ausdehnung der 
Körper nahezu unabhängig sind , und dass alle Erfahrungen dafür sprechen, dass dieselben an und für 
sich genommen im hohen Grade niedrig seien. In den Zeichnungen aber wurden diese hier, begreiflicher- 
weise nur desshalb unverhältnissmässig gross dargestellt, um die Aenderungen, die sie sofort zu erfahren 
haben werden, noch ersichtlich graphisch darstellen zu können. 

Die Lehre von der bestimmten Begrenzung der elektrischen Atmosphären der Körper ist nicht 
bloss desshalb von so hoher Wichtigkeit, weil erst dadurch der Begriff von entgegengesetzten elek- 
trischen Zuständen einen festen Halt gewinnt, und alle weiteren Deductionen den Charakter einer 



vollkommenen Bestimmtheit und Klarheit dadurch annehmen 
Grundansicht , wenn ich nicht seh 



sondern insbesondere, weil diese 



r irre, als der Ausgangspunkt einer Atomenlehre betrachtet werden 
kann, deren möglicherweise tief eingreifende Wichtigkeit ich im gegenwärtigen Augenblicke mehr zu 
ahnen als nachzuweisen vermag. 

§. 5. Man denke sich nun beide Körper K und Z mit ihren Atmosphären in ein nicht leitendes, 
oder wenn man lieber will, in ein schlechtleitendes Medium, wie etwa in trockne Luft gebracht, uid 
nähere dieselben mittelst isolirter Handhaben einander dergestallt, dass ihre Seitenflächen AB und ab 
zusammenfallen, wie in Fig. 3 dargestellt ist. Die nächste und unausbleibliche Folge dieser Annähe- 
rung und Berührung ist die theilweise Vertreibung desjenigen Theiles ihrer Atmosphären, welcher sich 
über den Zusammenstossungsflächen AB und ab befindet. Es möge erlaubt sein, für einen Augen- 
blick es ununtersueht zu lassen, wohin sich dieser Taeil des elektrischen Fluidums wendet, doch ist 
es jedenfalls ersichtlich, dass derselbe keinen eigentlichen Bestandteil weder der einen noch der an- 
dern Atmosphäre mehr bilden könne, da diese beziehungsweise nur bis a und ß reichen, sondern dass 



er als 



freie ungebundene Elektricität auftreten muss, die sich augenblicklich von dem Doppelkörper 



KZ entfernen würde, wenn sie nicht das schlechtleitende umgebende Mittel daran hinderte. Nach 
dieser Nebenbemerkung will ich zu den unausbleiblichen Hauptfolgen, welche eine solche Berührung 
zweier heterogener Körper K und Z stets begleiten, übergehen, und ihnen die, wie ich glaube, wohl- 
verdiente Aufmerksamkeit widmen. 

Ein Blick auf Fig. 3 zeigt ganz augenscheinlich, dass sich die jedenfalls schwächere elektrische 
Atmosphäre des Körpers Z, welche mit ihren Begrenzungsflächen ap und bp an dem dichtesten Theile 
der elektrischen Atmosphäre von K anstehet, gegen das Ausdehnungsbestreben eben dieser untern 
Schichte von viel grösserer Spannung nicht zu erhalten vermögen wird. Der Gleichgewichtszustand 
der Atmosphären ist unter diesen Verhältnissen aufgehoben , und ganz aus demselben Grunde , wess- 

aus der Düsenöffnung eines 
nach Z überströmen, wo- 



halb die zusammengedrückte und daher verdichtete atmosphärische Luft 



Gebläses tritt, wird sofort ein Theil der 



K 



bei zugleich die Höhe der Atmosphäre von a bis herabsinkt (siehe Fig. 4 und 5), während jene 
von Z von ß bis s steigt. — Hier ist der Ort zu bemerken , dass auch das von den Begrenzungs- 
flächen vertriebene obenerwähnte Flui dum, welches bei ungestörter Gleichgewichtslage der Atmosphären 
offenbar sich über die Gesammtoberfläche als freie Elektricität verbreitet haben würde, sich gleich- 



falls nach Z zu begeben gezwungen wird. — Dieser Uebertritt erreicht , insoferne K und Z isolirt 



Y 



t 









i 



y 












•• 

















und magnetischen Polaritätserscheimingen. 



161 



sind, sein Ende dann, wenn die Resultirende der Expansivkraft der zwar dünneren, aber um desto 
grösseren Atmosphäre auf der Seite von Z, der zwar niedrigeren aber um so dichteren Atmosphäre 
von K das Gleichgewicht hält. — Nach zu Stande gekommener Ausgleichung tritt zwar Gleichgewicht 
ein, aber nicht mehr, wie früher bei den einzelnen unverbundenen Körpern K und Z ein stabiles, 
sondern so zu sagen ein labiles in ärostatischer Beziehung, — wie in Folgendem gezeigt werden soll. 

§. 6. Da nämlich dem Körper K die Kraft zugesprochen wurde, sich das ungebundene, elek- 
trische Fluidum, wenn es ihm dargeboten wird, bis auf die Entfernung « (siehe Fig. 4 und 5) als 
eigentümliche Atmosphäre anzueignen, d. h. es seiner Selbstständigkeit und freien Beweglichkeit zu 
entkleiden, so ist klar, dass der Körper K nach seiner Vereinigung mit Z, wodurch seine Atmo- 
sphäre von a auf o herabsinkt, das Bestreben zeigen muss, Elektricität in sich aufzunehmen und zu 
bilden, d. h. er muss sich als entschieden negativ erweisen. — Andererseits ist es ebenso unläugbar, 
dass die von K nach Z überströmte Elektricität, daselbst nicht als Theil der Atmosphäre von Z, 
die nun einmal nach dem Früheren nicht weiter als bis ß reichen kann, sondern im freien ungebun- 
denen Zustande vorkömmt, und es müsste dieselbe augenblicklich von dem Körper Z sich hinwegbe- 



geben, wenn sie nicht durch das schlechtleitende umgebende Medium daran gehindert würde. 



Sie 



bleibt demnach auf der Seite Z, und wirkt, sich gleichsam an das schlechtleitende Medium anstem- 
mend, durch ihre Expansivkraft rückwirkend auf die Atmosphäre von Z und K ganz so, als ob sie 
einen Theil der Atmosphäre von Z selber bildete. Da aber dieser Theil der Elektricität frei und un- 
gebunden ist, so entweicht er durch jeden sich ihm darbietenden bessern Leiter, und der Körper Z 



erweiset sich daher bei jeder Untersuchung als positiv elektrisch. 



Endlich ist ersichtlich, dass bei 



jedem solchen Doppelkörper KZ an der Oberfläche desselben (siehe Fig. 4 und 5), und zwar rings 



um denselben herum , sich eine schmal 



e 



? 



neutrale Zonne nn' vorlinden muss, die siel 



i 



weder als po- 



sitiv, noch als negativ elektrisch erweiset, und deren geometrischen Ort die Curve bezeichnet, in 
der die neue Atmosphäre die frühere durchschneidet. Das hier Gesagte gilt natürlich auch für alle 
nachfolgenden Fälle. 

§. 7. Bevor ich zu weiteren Erscheinungen , welche sich unter verschiedenen Umständen an dem 
Doppelkörper ZA" vor und nach der Trennung wahrnehmen lassen, übergehe, liegt es mir ob, dar- 
zuthun, dass das im vorhergehenden Paragraphe nachgewiesene Sachverhältniss, bei jedem relativen 
wie absoluten Grössenverhältnisse und bei jeder Form der beiden sich berührenden Körper K und Z 
in ganz gleicher Weise, und aus denselben Gründen, wie im früheren Falle, stattfindet. — Es werde 
nun zuerst angenommen , der mit der höhern Atmosphäre umgebene Körper , d. i. Ä", sei kleiner als 
jener mit der niedrigeren begabte Z, wie diess als zweiter der Wechselfälle in Fig. 5 und Fig. 6 dar- 
gestellt ist. — Was wieder zuvörderst geschieht , bestehet in dem Verdrängtwerden desjenigen Theiles 
der Atmosphären, welcher früher die nunmehrigen Berührungsstellen bei AB umgab. Er wirft sich 
als freie Elektricität auf die Oberfläche, da am völligen Entweichen ihn das umgebende Medium hin- 
dert, und begibt sich nachher auf diejenige Seite des Doppelkörpers Ä Z, der ihm, zufolge der sogleich 
zu erörternden neuen Gleichgewichtslage der Atmosphären angewiesen wird, d. i. nach Z. 



Um sich 



die unausbleiblichen weiteren Folgen möglichst klar zu veranschaulichen , 



ehme man für einen Augen- 



blick an, dass sowohl Z wie K zwar anziehend auf die Atome ihrer eigenen Atmosphäre, nicht aber 
zugleich auch anziehend auf jene der fremden Atmosphäre wirken sollen, und dass ferners die Atome 



der beiderseitigen Atmosphären aufeinander durchaus keine abstossende Wirkung ausüben. 



Unt 



kl» 



er 



diesen beiden, mit der Wirklichkeit allerdings 



in Widerspruch stehenden Voraussetzungen würde der 



Kaum nqmaAp (und ebenso n q' m! b B' p') von beiden Atmosphären zwar erfüllt und daher auch 
dichter sein , wie die Umgebung , allein da unter den obigen Voraussetzungen keinerlei Zuwachs an 
Repulsivkraft stattfände, so fehlte es auch an jedem Grunde für eine Bewegung , und demnach auch 
für eine neue Formgestaltung der Atmosphäre. Ganz anders dagegen verhält es sich, wenn man obige 












Denkschriften d. mathem. naturv/. Cl. 



21 
















* 












. 









162 



C. Doppler. Erklärung der galvanischen 



Voraussetzungen , wie es die Natur der Sache erheischt , wieder aufhebt, d. h. wenn man annimmt, 
dass nicht nur die Atome der beiderseitigen Atmosphären abstossend auf einander einwirken, sondern 



dass auch 
anziehen. 



K und Z die elektrischen Atome beider Atmosphären in ganz gleicher Weise 
b Annahme allein schon erwächst der innerhalb des genannten Raumes befind- 



lichen dichteren Atmosphäre eine bedeutende Spannung, welche durch den zweiten Umstand noch sehr 
vermehrt wird. Die unmittelbare Folge in zweiter Beziehung ist ein stark vermehrter Zug und eine 
dadurch bedingte grössere Verdichtung gegen die Körperfläche am,aA und Ap hin. Dieser ursprüng- 
lich freilich senkrecht auf die genannten Seitenflächen wirkende Zug pflanzt sich aber , wie bei expan- 
siblen und tropfbaren Flüssigkeiten überhaupt, auch in seitlicher Richtung mit gleicher Stärke fort, 
und es muss sich demnach nothwendig diese erhöhte Spannung längs mr/, insbesondere bei m, wo 
dieser Spannungsunterschied am grössten ist, offenbaren. Die schwache Atmosphäre von Z vermag 
sofort der überwiegenden Expansivkraft des in Apnqma angehäuften elektrischen Fluidums das Gleich- 
gewicht nicht mehr zu halten und es strömt dasselbe, den Weg des geringsten Widerstandes einschla- 
gend , in die Atmosphäre von Z über. Da indess die Ursache dieser Verdichtung fortbesteht , so ersetzt 
sich dieser Abgang augenblicklich wieder aus der Atmosphäre von K, der ebenso schnell wieder nach Z 
sich ergiesst, wobei in dem Masse, als die Atmosphäre von 
Ueberströmen währt nun so lange fort, bis der Druck, welchen die hiedurch erhöhte Atmosphäre von 
Z durch ihre Expansivkraft auf m q ausübt , der daselbst herrschenden Spannkraft das Gleichgewicht 
zu halten vermag. — Dass das im genannten Räume befindliche elektrische Fluidum nothwendig an der 
Stelle bei m, als dem Orte des kleinsten Wiederstandes nach Z, und nicht bei p nach k überzutreten 



K 



Dieses 



genöthigt wird, lässt sich, wenn es ja noch nothwendig erscheint, auf folgende Weise darleg 



Re- 



zeichnet man durch K und Z die beziehungsweisen Spannkräfte zunächst an den Oberflächen der Körper 



K 



9 



welche demnach auch die Grösse der Anziehungen an diesem Orte ausdrücken. 



mit k 



und z dagegen die Spannungen oder Anziehungen an den Grenzen ihrer Atmosphären; so ist offenbar 



K^>Z, während k 






Es 



4- 




+ 



+ 



+ 



9 



welche 



woraus un- 



mittelbar das folgt, was zu beweisen war. Dass endlich der mehrerwähnte Raum von Elektricität grösserer 
Spannung als die Umgebung erfüllt wird, folgt schon daraus, dass die elektrischen Atome dem com- 
binirten Einflüsse der von K und Z ausgehenden Anziehungen unterworfen sind , deren Resultirende, 
da diese Ziehkräfte senkrecht auf einander stehen, demnach stets grösser ist, als selbst die stärkere 
der beiden Componenten. Diese Resultirende ist aber zugleich das Mass des an diesem Punkte statt- 
findenden nach allen Seiten hin sich fortpflanzenden Druckes und der daselbst stattfindenden Spannung. 

Wenn aber 
kräfte übertrifft 



die Resultirende unter solchen Umständen auch nur die kleinere der beiden Seiten-Zug- 



so ist begreiflicher Weise das Entweichen eines expansiblen Fluidums nach eben dieser 

Seite hin gar nicht zu verhindern. 

Nach zu Stande gekommener Ausgleichung hat sich die gemeinschaftliche Atmosphäre in einer Weise 
angeordnet, wie diese in Fig. 7 dargestellt ist. Obgleich nun aber Ruhe eingetreten ist und Gleich- 
gewicht herrscht , so ist dieses letztere keineswegs ein stabiles , sondern gleichsam nur ein labiles. Denn 
da K das Restreben und die Kraft besitzt, sich eine bis « reichende Atmosphäre anzueignen, welche 
sich zu erhalten das angrenzende, so vielmal dünnere Fluidum von Z ihm zwar nicht gestattet, — 
während die Aneignungsmacht des Z nur bis ß reicht , der ganze übrige Theil der elektrischen At- 
mosphäre von Z demnach als ungebundenes Fluidum auftritt, welches sich augenblicklich von Z ent- 
fernen würde, wenn das schlechtleitende umgebende Medium es nicht daran verhinderte : so folgt hier- 
aus mit Nothwendigkeit , dass sich K stets negativ, Z dagegen stets positiv elektrisch zeigen muss. 

§. 8. Es werde endlich als dritter und letzter Wechselfall angenommen, dass (S. Fig. 8) der mit 
der höhern Atmosphäre umgebene Körper, d. h. K, grösser sei, als jener mit der kleineren Atmosphäre 



y 






.. 























* 













und magnetischen Polaritätserscheinunyen 



163 



umgebene Z — Zunächst kann hier übergangen werden, was schon zweimal in Betreff desjenigen 
Theiles der beiderseitigen Atmosphären gesagt wurde , welcher in Folge der vor sich gehenden Berüh- 
rung der beiden Körper von seinem früheren Platze verdrängt wurde. 

Was den übrigen Theil der Atmosphäre anbelangt, so lässt sich leicht zeigen, dass ein Fortbe- 
stehen des Gleichgewichtes zwischen den beiden Atmosphären unter den vorliegenden Umständen, und 
zwar aus ganz denselben Gründen, wie oben, unmöglich ist, und somit eine neue Anordnung des 
elektrischen Fluidums einzutreten hat. Denn betrachtet man den parallelopipedischen Raum, dessen 
Seitenansicht mbpn ist (S. Fig. 8), so ist klar, dass falls man wieder für einen Augenblick dieselben 
Voraussetzungen , wie im vorigen Falle gelten lässt , d. h. annimmt , dass die Körper K und Z bloss 
anziehend gegen die elektrischen Atome der eigenen , nicht aber zugleich auch auf jene der fremden 
wirken, während die Atome der beiden Atmosphären wechselseitig auf einander keine Abstossung 
äussern sollen, und sofort als für einander gleichsam gar nicht vorhanden zu betrachten sind: so ist 
klar, dass der Raum mbpn, wohl zwar von den Antheilen der beiderseitigen Atmosphären, und somit 
von einem dichteren elektrischen Fluidum erfüllt ist, als früher, — sich jedoch nichts desto weniger 
keine grössere Spannung zeigen kann. Nimmt man dagegen jene Voraussetzungen wieder zurück, 
muss sich sofort augenblicklich aus einem doppelten Grunde eine sehr vermehrte Spannung einstellen, 
einmal , weil nunmehr die elektrischen Atome der beiden Atmosphären wechselseitig sich abstossen und 
dadurch die Summe der schon vorhandenen Repulsivkräfte sich erhöht, sodann aber weil jedes der- 



so 



selben der 



K 



welche unter einem rechten 



Winkel auf dasselbe einwirkend, eine Resultirende erzeugt, die jedenfalls selbst die grössere der bei- 
den Seitenkräfte übersteigt. Aber diese Resultirende ist zugleich das Mass des sich nach allen Seiten 
gleichmässig verbreitenden Druckes, woraus folgt, dass ein Entweichen des in erhöhte Spannung ver- 
setzten elektrischen Fluidums aus mbpn auf dem Wege des geringsten Widerstandes unvermeidlich 
ist. Dieser Ort des fferinffsten Widerstandes ist aber bei m. Denn behält man wieder die frühere Be- 



K. Z , k und z bei , so ist wieder wegen K > Z und k 



d. h. der Widerstand 



4- 



+ 



= z offenbar K-\- z > Z -j- ß, 
einem Entweichen bei /; sieh entgegenstellt, ist jedenfalls 



Was hier in Bezug auf die beiden Funkte m und p nachgewiesen wurde, gilt auch wiewohl im 
abnehmenden Grade von allen anderen Punkten der Linie mn und pn, und nur im Punkte n selber 
sind die Widerstände für ein Entweichen nach K und z gleichgross. Man könnte daher vielleicht auch 
für einen Augenblick die Ansicht hegen, dass das Entweichen an diesem Orte vor sich gehe. Aber 
angenommen selbst, es geschehe diess im ersten Augenblicke, und zwar in der Weise, dass sich das 



elektrische Fluidum theilweise auch nach K ergösse, so ist es doch gewiss, dass sich ein anderer 
Theil bei n und längs der ganzen Linie nm nach Z wirft, in Folge dessen die Atmosphäre von K 
in eben dem Masse sinkt, als jene von Z steigt. Die Spannung der Atmosphäre von K an ihrer 
äussersten Grenze nimmt aber mit dem Sinken ihrer Höhe zu, während jene von Z mit deren Stei- 



gen sich vermindert, 



woraus sofort ganz 



inläugbar folgt , 



dass, wenn ja eine solche Tendenz des 



elektrischen Fluidums nach K überzugehen beim Beginne dieses Entweichens vorhanden gewesen sein 

— Da nun die Ursache dieser 



sollte, diese im nächsten Augenblicke schon wieder aufhören musste. — 
Verdichtung und somit auch jene des Uebertrittes des Elektricums nach Z die gleichzeitig wirksame, 
aber ungleich starke Anziehung der Körper K und Z zum elektrischen Fluidum ist, so muss auch 
die Wirkung hievon fortdauern und der Abgang nach Z augenblicklich wieder aus K ersetzt werden. 
Diess währet so lange fort, bis ganz so wie in den früheren Fällen, die nunmehr niedrigere, aber 
dichtere Atmosphäre von K mit der ungleich höheren von Z im ärostatischen Gleichgewichte stehet. 
Aber auch hier wieder (S. Fig. 9) tritt kein stabiles, sondern so zu sagen, nur ein labiles Gleich- 
gewicht ein, da die Atmosphären bildende Kraft des K bis a reicht, und doch nur eine solche bis 7 






21 



* 












Ißk C. Doppler. Erklärimg der galvanischen 

sich zu erhalten vermag" , während hinwieder jenes Vermögen bei Z nur bis ß reicht, und gleich- 
wohl den Forderungen des ärostatischen Gegendruckes gemäss eine solche bis d reichende auf sich 



K stets negativ, Z dagegen stets positiv elektrisch 



erweisen. 



§. 9. Wie wenig die hier besprochene neue Anordnung der elektrischen Atmosphären im We- 
sentlichen von der Form und relativen Grösse der sich berührenden verschiedenartigen Körper abhängt, 
dürfte wohl am besten der nachgewiesene Erfolg einer stattfindenden Berührung zweier Kugeln von 
verschiedener materieller Beschaffenheit und Grösse zeigen. Handelte es sich hier nicht bloss um einen 
Nachweis des Vorganges überhaupt und im Allgemeinen, sondern um die genaue Ermittlung des quan- 
titativen Ergebnisses desselben: so würde man allerdings mit der gegenwärtigen, der obigen analogen 

die indess hier , wo nur ersteres beabsichtigt wird, 
Es sei daher K, wie in Fig. 10 und Fig. 11 dargestellt, die 



Darstellungsweise keineswegs ganz ausreichen, 
für diesen Zweck genügen dürfte. 



grössere und zugleich stärkere anziehende Kugel mit der kleinern und schwächer anziehenden Z in 
Berührung, oder aber man nehme in Uebereinstimmung mit Fig. 12 und 13 das gerade Gegentheil 
davon an, so wird das, was sofort in beiden Fällen geschieht, in Folgendem bestehen. — Denkt man sich 
wie früher K und Z nur als anziehend auf die Atome ihrer eigenen Atmosphäre, und die Atome der 
beiden elektrischen Hüllen als für einander indifferent, so wird zwar bei einer stattfindenden Berührung, 
nachdem mgp und nqr entweichen, der Raum mpnq (und ebenso psr(j) mit Elektricität von grösse- 
rer Dichte, aber nicht von erhöhter Spannkraft erfüllt werden. Unter so bewandten Umständen entfiele 



demnach auch jeder Grund 



für irgend 



eine 



einzutretende Bewegung. 



Nimmt man dagegen jene 



zwei unstatthaften einstweiligen Voraussetzungen wieder zurück, so muss sich in diesem Räume eine 
sehr gesteigerte Repulsivkraft bemerkbar machen, veranlasst theils durch die auftretende wechselseitige 
Abstossung der sich durchdringenden elektrischen Atmosphären, theils und insbesondere aber durch die 
gleichzeitige Anziehung der Kugeln K und Z auf jedes einzelne elektrische Atom derselben. — Denn 
auch hier wieder leuchtet es ein , dass durch die resultirende Wirkung der von K und Z ausgehenden 
Anziehungen ein gegen das Innere des Raumes npmq gerichteter Zug entstehen muss, der in einer 
zwischen K und Z liegenden Curve oder eigentlich krummen Fläche sein absolutes Maximum erreicht, 
und in diesem Falle jede der beiden Seitenkräfte übertrifft. Der hiedurch bedingte Druck aber pflanzt 
sich mit gleicher Stärke nach allen Richtungen fort, und veranlasst das elektrische Fluidum jenes Raumes, 
auf jenem Wege sich aus npmq zu entfernen, welcher ihm den geringsten Widerstand entgegensetzt. 
Dieser Ort des geringsten Widerstandes ist die Linie mp. Jedenfalls lässt sich zeigen, dass längs dieser 
Linie der Widerstand kleiner ist, als jener, welcher in der Linie mp sich offenbart. Denn behält man 

Bezeichnung bei, so ist im Punkte m die Grösse des Widerstandes, da jene Kräfte 



wieder die frü 




ere 



beinahe senkrecht auf einander wirken , nahezu (K-\- Z), und jene in Bezug auf den Punkt n , ebenso 
gleich (Z-|-Ä)? und da wegen K<Z und k=z auch K-\-z< Z-\-k ist, so folgt hieraus zunächst, 
dass der Widerstand, der sich dem Entweichen des Fluidums am Orte m entgegenstellt, bedeutend 
grösser ist, als jener am Orte n. Dieser Widerstand aber nimmt von m und n ausgehend, längs der 
Linien mp und np, ab, bei p selber und nur bei diesem Punkte allein sind diese Widerstände der 



allen zwischen liegenden Punkten ist er bezüglich der 



Atmosphären von K und Z gleich gross. In 

Linie mp grösser als rücksichtlich np. In den Punkten m und n ist dieser Unterschied am grössten, 

er beträgt hier (K — Z). 



Die 



unausbleibliche Folge 



dieser 



Sachlage ist 



aber ein Ueberströmen 



des mit höherer Spannkraft begabten elektrischen Fluidums in die nur einen schwachen Widerstand 



darbietende Atmosphäre von Z. 



Auch hier muss gesagt werden, dass sich dieser Abgang, wegen 



des Fortbestehens der veranlassenden Ursache augenblicklich aus der Atmosphäre von K ersetzt, wie- 
der nach Z überströmt, und so unter dem fortwährenden Fallen der einen und dem Steigen der 
andern Atmosphäre eine Metamorphose der beiderseitigen elektrischen Hüllen herbeigeführt wird, wie 









- 










» 




und magnetischen Polaritätserscheiniuujeii. 



165 



sie in Fig. 11 und in Fig. 13 dargestellt erscheint. Analog mit den früheren Fällen niuss sich dem- 
nach K stets negativ, Z dagegen stets positiv elektrisch zeigen. 

In Beziehung auf das quantitative Ergebniss muss noch ausdrücklich bemerkt werden, dass dieses 
allerdings, und zwar aus nachstehendem Grunde, von der absoluten Grösse der Kugeln abhängt. Da 
nämlich die absolute Höhe der elektrischen Atmosphäre bloss von der materiellen Beschaffenheit, kei- 
neswegs aber in bemerkbarer Weise von der absoluten Grösse der Körper abhängt, mithin weit mehr 
als eine Oberflächen-, denn als eine eigentliche Massenwirkung zu betrachten ist, so werden sämmtliehe 
elektrische Atome, welche sich in dem von beiden Atmosphären zugleich erfüllten Räume belinden, 
falls die Radien dieser Kugeln die Höhen ihrer Atmosphären auch nur mehrmalen übertreffen, die 
von K und Z ausgehenden Anziehungen schon unter einem so stumpfen Winkel auf dieselhen einwir- 
ken, dass deren Resultirende nicht anders als ziemlich geringe ausfallen kann. Von dieser aber hängt 
die Stärke des Druckes und die Intensität der Spannung ab, und daher auch die Lebhaftigkeit der 
Strömung. Kugeln von auch nur sehr mittelmässiger Grösse (und dasselbe gilt von allen nur in einem 
Punkte sich berührenden Körpern) werden demnach im Allgemeinen nur eine schwache elektrische 

Spannung zeigen. 

§. 10. Noch möge nachfolgende Betrachtung hier 
aus gleichen Volumtheilen Kupfer und Zink bestehende messingene Kugel, und es werde angenommen, 
dass dieselbe durch Verbindung mit der Erde in den Zustand eines neutralen elektrischen Gleichge- 
wichtes versetzt und sodann isolirt in ein schlechtleitendes Mittel gebracht worden sei. Wäre diese 
ganz von Kupfer, so würde sie in diesem Zustande sich mit einer elektrischen Atmosphäre von der 
Höhe ym umgeben haben — wäre sie dagegen ganz von Zink, sich nur eine bis ß reichende aneignen. 
Als Kusrel von Messing daireiren wird sie für sich eine zwischen den genannten liegende mittlere Höhe 



einen Platz finden. Es sei Fig. 13 eine etwa 



b ~ö 



ma in Anspruch nehmen. 



Denkt man sich nun durch irgend einen chemischen oder anderweitigen 



Process die genannten Bestandtheile der messingenen Kugel in der Weise getrennt, dass Fig. 15 Kupfer 
und Zink, jedes in einer Kugelhälfte sich ablagerte , so wird die noch kurz vorher ganz unclektrische 
Kugel nunmehr auf einer Seite stark positiv, auf der entgegengesetzten dagegen stark negativ sich 
zeigen. Denn da auf der Kupferseite eine ungleich stärkere Anziehung gegen die Atome der gemein- 
schaftlichen Atmosphäre sich bemerklich machen muss, als auf der Zinkseite, so wird die nächste 



Folge davon die sein 
deutend verdichtet. 



, dass sich der auf der genannten Seite liegende Theil der Atmosphäre be- 
Aber dieser verdichteten Atmosphäre vermag die zweite Hälfte derselben nicht 
mehr das Gleichgewicht zu halten. Es strömt daher Elektricität von K nach Z über, unter gleich- 
zeitiger Erhöhung und Erniedrigung der respectiven Atmosphären. Es wird demnach in Uebereinstim- 
mung mit dem bereits auseinandergesetzten K negativ, Z aber positiv -elektrisch sich erweisen. 
Da nun alles bisher Erwiesene für jede absolute Grösse der sich berührenden Körper, d. h. ganz un- 
abhängig von derselben gilt, so muss es auch in gleichem Grade auf die einzelnen Körpermolekel, ja 
selbst auf die einfachsten Atom -Verbindungen seine volle Anwendung finden. Eine weitere wichtige 
Folgerung ist noch die folgende. Tritt bei einem aus verschiedenartigen Restandtheilen zusammenge- 
setzten, völlig neutral-elektrischen Körper etwa in Folge einer chemischen Action oder sonst wie, eine 



neue Anordnung seiner Restandtheile ein 



so ist damit nothwendig auch eine Aenderung der elektrischen 



Atmosphären -Anordnung verknüpft, die sich durch Erscheinungen der elektrischen Spannung und Strö- 



mung offenbaren wird. 



§• ii- 



Obgleich ich nun genügend dargethan zu haben glaube, 



dass bei jeder Berührung un- 



diese von was immer für einer Form und Grösse sein, und mögen sie 



gleichartiger Körper, mögen 

sich in einer grösseren oder kleineren Fläche oder gar nur an einer einzelnen Stelle berühren, 

wesentlich oder qualitativ dieselben Erscheinungen sich zeigen, 



so würde man doch mit Unrecht dort 



diese Umstände ausser Betracht lassen 



wo auch das Quantitative der verschiedenen Erscheinungen 










































C Doppler. Erklärung der galvanischen 

zur Sprache gebracht wird. In dieser Beziehung" muss vor Allem bemerkt werden, dass bei noch statt- 

Berührung die negative Spannung der positiven nur in jenen Fällen wird völlig gleichbefunden 
werden , wo sich die beiden Körper K und Z nur an einer Stelle berühren , oder wenigstens die Be- 
rührungsfläche mit der Gesammtoberfläche der Körper in keinen Betracht kömmt. Ist diess, wie mei- 
stenteils, nicht der Fall, so muss, wenn die Untersuchung der sich berührenden Körper noch während 
ihrer Berührung, also noch bevor sie wieder getrennt werden, geschieht, die positive Spannung 
denjenigen Betrag von Elektricität sich grösser zeigen, welcher von den Berührungsflächen vertrieben 

Oft, ja meistenteils ist dieser Antheil sogar beträchtlicher als der aus der Spannungsdifferenz 
herrührende selber , in welchem Falle es leicht geschehen kann , dass man , so lange die Körper mit 
einander verbunden sind, wohl zwar eine deutliche positive, kaum aber eine schwache Spur einer 
negativen elektrischen Spannung zu entdecken vermag. Berühren sich dagegen die beiden Körper statt 
in einer bedeutenden Fläche nur an einer einzelnen Stelle, so wird, abgesehen selbst davon, dass 
irgend eine schlechtleitende dazwischenliegende Schichte den ganzen Erfolg gefährden kann, auch die 
positiv auftretende Elektricität durch die aus der Berührungsstelle entwichene kaum merklich verstärkt, 
und kann nur bei sorgsamer und wiederholter Untersuchung entdeckt und nachgewiesen werden. End- 
lich ist es in Beziehung auf die sich kundgebende positive wie negative Spannung nichts weniger als 
gleichgiltig , in welchem relativen Grössenverhältnisse die Oberflächen der sich berührenden Körper zu 
einander stehen, da bekanntlich erstere den letzteren umgekehrt proportional sind. 

§. 12. Nach diesen vorläufigen Untersuchungen will ich wieder zu einem der früheren Fälle (z. B. 
zum ersten durch Fig. 4 und Fig. 5 dargestellten) zurückkehren, und die weiteren Erscheinungen, 
die der Doppelkörper KZ unter abgeänderten Umständen darbietet, in Betracht ziehen. — Die im 
Früheren angestellte Untersuchung hat dargethan , dass man zwei verschiedene Körper K und Z , wo- 
von jeder für sich im neutral-elektrischen Zustande sich befindet, in Berührung gebracht werden, schon 
während dieser ihrer Verbindung eine wiewohl schwer nachweisbare freie Elektricität zeigen, und zwar 

, der andere Z freie positive. Werden nun diese Körper mittelst isolirter 
Handhaben, ohne sie früher mit der Hand oder überhaupt berührt zu haben, getrennt, so findet man 
nach ihrer Trennung K genau eben so stark negativ , wie Z positiv-elektrisch , denn da von der ge- 
sammten vorhandenen Elektricität beider Körper nichts verloren ging, und diese eben hinreichte, um 
beide Körper jeden für sich neutral-elektrisch erscheinen zu lassen , bei einer schnellen und vorsichtigen 
Trennung aber der grösste Theil der nach Z übergangenen freien Elektricität nicht mehr die nöthige Zeit 
findet, nach K wieder zurückzukehren, so muss in K gerade derjenige Theil von Elektricität fehlen, 
der nunmehr in Z als freie positive Elektricität auftritt. Diess ist nun der Grund, wesshalb der Kör- 



der eine K freie negative 



K 



der während der Verbindung mit Z nur eine schwache, schwer nachweisbare negative elek- 



trische Spannung zeigte, nunmehr nach erfolgter Trennung sich sehr merklich und genau ebenso stark 
negativ-elektrisch zeigt, wie sich Z positiv-elektrisch erweiset. — Diese in Folge der Trennung plötz- 
lich vor sich gehende Erhöhung der negativ-elektrischen Spannung begreift sich um so leichter, wenn 
man bedenkt, dass sich nach erfolgter Trennung die ohnehin schon herabgebrachte Atmosphäre von K 
auch noch über die von elektrischem Fluidum völlig entblösste Berührungsfläche AB zu verbreiten hat, 
welches nur unter einer nochmehrigen Erniedrigung und Schwächung jener Atmosphäre möglich ist. 
Wird dagegen Taf. XI. Fig. 16, während K noch mit Z in Verbindung steht, der Körper K mit der Erde 
leitend verbunden, so strömt augenblicklich demselben aus diesem grossen unerschöpflichen Reservoir 
so viel an Elektricität zu, als er sich als Atmosphäre anzueignen vermag. Einer solchen bis a reichen- 
den (S. Fig. 4 und 5) Atmosphäre ist dagegen die dennalige Atmosphäre von Z nicht gewach- 
sen. Es strömt daher von /ST nach Z so la 

von Z, der vollständig hergestellten Atmosphäre von K das Gleichgewicht zu halten vermag. Diess 



ist der Fall, bei einer Anordnung, wie 



sie Fig. 16 darstellt. 



Aus dem Gesagten leuchtet nun ein, 



w 



i 













< \3- 



und magnetischen Polarilätserscheinunyen. 



167 



dass, während K sofort neutral-elektrisch sich zeigt, Z sehr beträchtlich an positiver Spannung zuge- 
nommen hat. 

Dass übrigens bei einer leitenden Verbindung des Körpers K mit dem Erdboden die hiedurch 
erhöhte Spannung des Z gerade das Doppelte der früheren betragen müsse, folgt gleichfalls mit Not- 
wendigkeit aus der gegenwärtigen theoretischen Ansicht dieses Gegenstandes. Da nämlich die Grösse 
der negativen sowohl, als der positiven elektrischen Spannung nach dem frühem einander gleich sind, 
so muss der Körper K bei einer leitenden Verbindung desselben mit dem Erdboden, wodurch der Ab- 
gang an Elektricität aus demselben ersetzt wird, von diesem Fluidum ein gleich grosses Quantum nach 
Z überströmen lassen, indem nur eine gleich grosse Summe von Expansivkräften der nunmehr gänzlich 
hergestellten Atmosphäre von K das Gleichgewicht zu halten vermag. Der Körper Z erhält daher den 
früheren Betrag an Elektricitätszuwachs noch einmal, d. h. zweimal, daher sich denn auch eine doppelt 
so grosse Spannung wie früher zeigen muss, was eben darzuthun war. Ganz dasselbe gilt auch in 
Beziehung auf die negative Spannung bei dem im folgenden Paragraphe zu besprechenden Falle, wess- 
wegen am genannten Orte eine eigene nochmalige Besprechung dieses Umstandes überflüssig erscheint. 

§. 13. Verbindet man, statt wie im vorigen Paragraphe, den Körper K, so nun den Körper Z lei- 
tend mit der Erde, wobei man sich jedoch, so wie früher den andern Körper hier nämlich K isolirt zu 
denken hat, so wird augenblicklich alle auf der Seite Z befindliche freie, d. h. positive Elektricität in 
die Erde abfliessen. Aber in eben dem Masse muss, da hiedurch das Gleichgewicht gestört wird, aus 
dar Atmosnhäre von K Elektricität überströmen, und dieses wird so lange fortdauern, bis die Elektrici- 



? 



tat in Z eine so geringe Spannung erlangt , dass sie den Leitungswiderstand des Leiters nicht mehr zu 
überwinden vermag- Würde Z mittelst eines absolut guten Leiters mit der vollkommen neutralen Erde 
verbunden, so müsste jede Spur einer freien Elektricität in Z verschwinden, und die negative Spannung 
in K den grösstmöglichen Grad erreichen. — Durch diesen Vorgang wird aber die ohnediess schon ernie- 
drigte Atmosphäre von K noch mehr herabgebracht, oder mit andern Worten, die negative elektrische 
Spannung in K wird durch die Verbindung des Z mit dem Erdboden sehr bedeutend, und zwar nachweis- 
lich ^enau auf das Doppelte erhöht, während Z in seinen natürlichen Zustand zurückkehrt, oder richti- 
ger gesagt, von freier positiver Elektricität nur jenen geringen Theil zurückbehält, welcher den Leitungs- 
widerstand nicht mehr zu überwinden vermag. 

§. 14. Verbindet man endlich beide Körper K und Z noch, bevor man sie getrennt hat, in ge- 
leitend mit einander, oder mit der Erde, in welchem letzteren Falle die Erde die 
Rolle eines Leiters vertritt, so treten die in den §§. 12 und 13 besprochenen Erscheinungen gleich- 



Weise 



K 



und von da wieder durch den Leiter 



K 



eintritt. Eine jede derartige Verbindung zweier 
heterogener Körper pflegt man daher auch, da sie den innern Grund einer fortwährenden Bewegung 



in sich schliesst , sehr bezeichnend einen Motor zu nennen. 



Hier ist der passendste Ort zu be- 



merken, dass zum Leiter nicht wieder ein Metall oder überhaupt ein solcher Körper gewählt werden 
dürfe , welcher in Berührung mit K oder Z eine neue , die früher ganz oder zum Theil behebende 



The 



orie gebieterisch 



Spannung hervorzurufen vermöchte, sondern dass, wie diess die gegenwärtige 

erheischt, dieser nur ein feuchter oder sogenannter Leiter der zweiten Classe sein könne, der bei 

ziemlich gutem Leitungsvermögen , keine oder so viel wie keine erregende Wirkung ausübt. 

Da die nächste Veranlassung zu dieser merkwürdigen Erscheinung offenbar der Contract der beiden 
Körper K und Z , die entferntere , und so zu sagen letzte Ursache aber die ungleiche Anziehung der 
materiell verschiedenen Körper zur Elektricität ist, — verbunden zugleich mit der absoluten Unmöglich- 
keit, bei einer stattfindenden Berührung mit andern heterogenen Körpern, sich die ihnen zukommenden 
elektrischen Atmosphären zu erhalten, — diese Ursachen somit, so lange wenigstens als die Berührung 
währet, dauernde sind; — so muss auch die Wirkung davon, nämlich die nach Umständen einerseits 













* 



w 





















v 



168 



C. Doppler. Erklärung der galvanischen 



Mg 













oder beiderseits sieh zeigende positive oder negative elektrische Spannung, und die elektrische Strö- 
mung als eine dauernde anerkannt werden. — Werden die beiden Körper K und Z auf eine bleibende 
und unveränderliche Weise mit einander verbunden, wie etwa zusammengelöthet , so vermag keine vor- 
übergehende äussere Einwirkung diese Erscheinungen auf eine dauernde Weise zu unterdrücken oder zu 
zerstören, und Ursache und Wirkung sind von einer gleich endelosen Dauer. Da bei einer solchen blei- 
benden Verbindung der Körper K und Z jede Einrede wegen stattgefundener Reibung oder Druckes, 
und auch falls dieselben stets blank erhalten werden, wegen eingetretener chemischer Wirkung von sel- 
ber sich behebt , so muss der zusammengelöthete Kupfer-Zinkstab mit den an ihm wahrzunehmenden Er- 
scheinungen als das reine Prototyp des Galvanismus, zugleich aber auch als das geeignetste experimen- 
tum crucis für jede vorgebliche Contact-Theorie betrachtet werden. 

§. 15. Berühren sich mehr als zwei Körper auf unmittelbare Weise, z. B. Fig. 19 und 20 die Kör- 
per /i, A, 2/, Z, welche alle als Erreger vorausgesetzt worden, und verbindet man den ersten (K) 
oder den letzten (Z) leitend mit dem Erdboden , so zeigt sich im ersten Falle Z eben so stark positiv, 
im zweiten K eben so stark negativ-elektrisch, als ob K und Z sich unmittelbar berührten. Beliebig 
viele dazwischen gebrachte andere Erreger A, B u. s. w. vermögen, wie nachfolgende Betrachtung 
zeigt, durchaus keinen Einfluss auf das Ergebniss dieses Versuches zu äussern. Wie immer nämlich die 
Zwischen-Elemente A. B u. s. w. beschaffen sein mögen, und welchen Grad der Anziehung gegen das 
elektrische Fluidum sie auch besitzen, so gestattet ihnen der Umstand, dass das erste (oder letzte) 
Element mit der Erde verbunden ist , nur eine Atmosphärenbildung von einer solchen Höhe , dass die- 
selben der Expansion der dem K (oder Z) eigenthümlichen und nunmehr wieder hergestellten Atmo- 
sphäre das Gleichgewicht zu halten vermögen, da sonst ein Zu- oder Abströmen des Elektricums in die 
Erde bei K (oder Z) unvermeidlich erfolgen müsste. Einer Atmosphäre a w bei K entspricht aber 
(siehe Fig. 16 und 1?) eine bis ~o reichende bei Z (und umgekehrt)^ da letztere nur bei dieser Höhe 
gegen jene in K sich im Gleichgewichte zu erhalten vermag, woraus sofort unmittelbar folgt, dass 
beliebig viele Zwischenerreger auf den Erfolg dieses Versuches keinen Einfluss zu äussern vermögen. 



Voraussetzung zeigen , 



dass das mit der Erde nicht 



i er- 



Welche Erscheinungen sich jedoch unter der 
verbundene Anfangs- oder Endglied isolirt abgehoben und nunmehr untersucht wird , möge einer fol- 
genden Untersuchung vorbehalten bleiben , die überdiess geeignet sein dürfte , Aufschluss über die Er- 
gebnisse von Versuchen einiger Experimentatoren zu geben , welche mit dem gut constatirten Voltai- 
sehen in einem directen Widerspruche zu stehen scheinen. 

§. 16. Nach diesen umständlichen Betrachtungen und Untersuchungen dürfte es zweckdienlicl 
scheinen, die gewonnenen Besultate derselben hier in Kürze zusammenzustellen. 

1. Werden zwei beliebige , jedoch verschiedenartige Körper K und Z (Kupfer und Zink z. B.) 
in unmittelbare Berührung gebracht, so versetzen sie sich schon während ihrer Verbindung in einen 
entgegengesetzten elektrischen Zustand , der eine z. B. Z zeigt sich positiv , der andere K dagegen 
negativ, elektrisch. 

2. Diese Erscheinung, so wie alle folgenden sind ferner im Wesentlichen völlig unabhängig von 

— Sie finden also auch 



der Grösse sowohl, als der Form der sich berührenden Körper K und Z. — 

für die Körpermolekel, ja selbst für die einfachsten Verbindungen einzelner Atome Statt. 

3. Die absolute sowohl, wie die relative Spannung der sich offenbarenden Elektricität , d. i. das 
Quantitative der Erscheinung, ist dagegen in einem sehr hohen Grade abhängig von der materiellen 
Verschiedenheit der sich berührenden Körper, ferner von der relativen Grösse der sich berührenden 
Contactflächen, unendlich auch von der relativen Grösse ihrer Oberflächen selber. 

4. Werden die Körper K und Z noch während ihrer Verbindung untersucht, und ist die Berüh- 
rungsfläche auch nur einigermassen von Belang, so wird durch den Hinzutritt, der aus den Berüh- 
rungsflächen vertriebenen Elektricität, der reine Erfolg der Contactelektricität getrübt und es zeigt der 






- 










und magnetischen Polaritätserscheinungen 



169 



Körper K während seiner Verbindung mit Z, 



stets eine geringere negative, Z dagegen eine höhere 



positive Spannung, als ihnen zu Folge des 
Unterschied ist 



reinen Contaetergebnisses eigentlich zukäme, 



und dieser 



um so grosser, 



je bedeutender die Berührungsfläche im Vergleich mit der ganzen 
Oberfläche ist. — Berühren sich die beiden Körper nur an einer Stelle, so ist die negative Spannung 
der positiven gleich, beide jedoch, wie natürlich, nur bei einer genauem Untersuchung nachweisbar. 

5. Werden die beiden Körper, ohne sie früher leitend berührt zu haben, mittelst isolirter Hand- 
haben getrennt, so steigt hiedurch die negative Spannung dergestalt, dass sich K eben so stark nega- 
tiv, wie Z positiv elektrisch erweiset, gleich viel, ob sich die Körper in einer grösseren oder kleine- 
ren Fläche berühren. 

der Erde in 



6. Bringt man 



noch 



vor ihrer Trennung den negativ-elektrischen Körper K mit 



leitende Verbindung, so steigt augenblicklich die positive Spannung des Körpers Z genau um das 
doppelte, — und setzt man umgekehrt den Körper Z mit der Erde in Rapport, so steigt die nega- 



tive bei K bis zu einem gleich hohen Grade. 



Nach Aufhebung der Verbindung mit der Erde 



zeigt 



sich in beiden Fällen derjenige Körper, der mit ihr verbunden war, völlig neutral-elektrisch, der an- 
dere mit der ihm zukommenden Spannung. 



7. Werden zwei heterogene Körper K und Z in eine 



zeitweilige oder bleibende Verbindung 



gebracht, und verbindet man diese mit einander mittelst eines guten Leiters der zweiten Classe, oder 
dadurch, dass man beide leitend mit der Erde verbindet, so entsteht eine continuirliche Strömung von 
dem Körper K nach Z, und von diesem durch die Leiter wieder zurück nach K, welche so lange 
fortdauert, als jene Körperverbindung währet. — 



— Hebt man einseitig oder beiderseitig diese Verbin- 
dung mit der Erde auf, so unterbleibt auch die Strömung, tritt aber selbst nach noch so langer Zwi- 
schenzeit augenblicklich wieder mit ganz gleicher Stärke ein, sobald jene Verbindung hergestellt wird. 

8. Bilden eine beliebige Anzahl von Erregern eine Spannungsreihe, und verbindet man das erste 
oder letzte Glied derselben leitend mit dem Erdboden , so zeigt sich das andere Endglied genau eben- 
so stark, und in demselben Sinne elektrisch, wie wenn das erste und letzte Glied ohne alle Zwi- 
schenkörper sich unmittelbar berührt hätten, und unter der obigen Voraussetzung auf ihren elektrischen 
Zustand untersucht worden wären. 



§. 17. Abgleicht man nun die im vorhergehenden Paragraphe zusammengestellten, 



auf dem 



Wege einer rein aerostatischen und aerodynamischen Betrachtungsweise ohne alle Bücksichtnahme auf 
bestehende Erfahrungsdaten gewonnenen Besultate , mit den ganz sichern und unbestreitbaren Ergebnis- 
sen der angestellten Versuche, so wird man wohl nicht umhin können, anzuerkennen, dass zwischen 
diesen und jenen eine, wie es mich dünkt, vollkommene Uebereinstimmung herrscht. Irre ich mich überdiess 
nicht, so dürfte die hier auseinander gesetzte Ansicht sehr befriedigende und umfassende Aufschlüsse, 
über die Ursache der elektrischen Vertheilung, über das Wesen der Condensation, über elektrische 
Anziehung und Abstossung, — 
nisse angestellter Versuche zu bieten vermögen, 



sowie über den wahren Grund der häufig sich widersprechenden Ergeb- 

— durchwegs Erwägungen der wichtigsten Art, deren 



Besultate jedoch einem späteren Aufsatze vorbehalten bleiben müssen, 
gegenwärtig gesetzt habe, war auf die Enthüllung der 



Der Zweck, den ich mir 



wahren Ursache der Elektricitätserrcgung durch 
Berührung, und auf eine wissenschaftliche Feststellung des galvano-elektrischen und magnetischen Polari- 
tätsbegrifles gerichtet, und es liegt mir demnach ob, mit Benützung des bereits Gewonnenen diesem meinen 
Vorhaben sofort nachzukommen. 

Wie verschieden auch immer der Begriff und die Bedeutung der Polarität überhaupt aufgefasst 
worden sein mag, so macht sich doch allerwärts als Grundgedanke dabei die Ansicht geltend, dass man 
sich unter Polarität eine Naturäusserung zu denken habe, welche nach verschiedenen Seiten hin, einander 
direct entgegengesetzte Zustände hervorruft, die fortwährend bestrebt sind, sich auszugleichen, ohne die- 
sen Endzweck doch jemals auf eine dauernde Weise erreichen zu können, — und die eben dieses zu- 









i 



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Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



22 



• 







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170 



C Doppler. Erklärung der galvanischen 



letzt genannten Umstandes wegen als ein inneres Bewegungsprincip von Ende - loser Fortdauer betrach- 
tet werden müsse. — Auf die Frage nun, was denn in galvanischer und magnetischer Beziehung die 
eigentliche Ursache dieser Polarität , und was ferner sie selber sei 9 diene Nachfolgendes als Antwort. 

Werden zwei verschiedenartige Substanzen, gleichviel ob einfache Atome, einzelne Körpermolekel 
oder selbst Körper von beliebiger Ausdehnung und Form auf eine bleibende Weise mit einander ver- 
bunden, so zeiget diese Atomen-, Molekel- oder Körperverbindung ohne Aufhören auf verschiedenen 
Seiten entgegengesetzte elektrische Zustände, die sich fortwährend zu indifferenziren streben, und des- 
halb ohne Unterlass und mit immer erneuerter Kraft eine continuirliche Strömung des elektrischen 
Fluidums einzuleiten versuchen. Beziehet sich diese Verbindung auf Körper, so bildet der Inbegriff die- 
ser Erscheinungen das, was man galvano-elektrische Polarität und Strömung nennt. Geht diese Verbin- 
dung unter gewissen Modalitäten schon zwischen den Molekeln verschiedener Körper vor sich, so fällt 
jener Inbegriff der magnetischen Polarität anheim, und treten solche Verbindungen schon bei den ein- 
zelnen Körperatomen selber ein, so scheint diese eigentümliche Naturäusserung insbesondere den che- 
mischen Polaritätserscheinungen anheimzufallen. Unter welchen Bedingungen die polaren Gegensätze blei- 
bender Verbindungen von Körpermolekeln magnetische Erscheinungen zu begründen vermögen, soll im 
nächsten Paragraphe besprochen werden. 

§. 18. Denkt man sich je zwei Körpermolekel oder auch Atome von verschiedener materieller 
Beschaffenheit, etwa Kohlenstoff und Eisen zu Doppel -Molekeln oder galvanische Motoren vereinigt, 
so muss nothwendig jedes derselben auf verschiedenen Seiten entgegengesetzte Elektricitätszustände 
zeigen oder polar sein, die Form mag eine wie immer polyedrische oder sphärische sein. Der leich- 
teren graphischen Darstellung wegen werden wir uns an die letztere Voraussetzung halten, wiewohl 
nicht zu läugnen , dass erstere die wahrscheinlichere ist. — Würden nun diese Motoren , einer den 
andern berührend, längs einer Linie dergestalt sich aneinander reihen, wie diess in Fig. 21 und in 
Fig. 22, oder endlich in Fig. 23 dargestellt ist, so würden sich in den beiden letzteren Fällen die 
polaren Zustände wechselseitig völlig zerstören, im ersten Falle dagegen nur eine polare Spannung 
übriir bleiben, welche dem Eisenmolekel des ersten mit dem Kohlenmolekel des letzten Motors ent- 
sprechen würde , da bei allen dazwischen liegenden Motoren immer ein Eisenmolekel zwischen zwei 
Kohlenmolekel und vice -versa zu liegen käme, deren Wirkungen auf einander sich demnach noth- 
wendig aufheben müssten, — während jene zwischen dem ersten Eisenmolekel und letzten Kohlen- 
molekel, so überaus gering sein würde, dass sie unmöglich wahrgenommen werden könnte. — Unter 
der Voraussetzung einer unmittelbaren Berührung der Körpermolekel oder der Motoren wäre demnach 
an ein Auftreten von wahrnehmbaren Polaritätserscheinungen gar nicht zu denken. Allein eine solche 
Voraussetzung ist auch nichts weniger als eine der Natur der Sache völlig angemessene , und muss 
demnach durch eine entsprechendere ersetzt werden. Ich hoffe die Zustimmung der Sachkenner zu 
erlangen, wenn ich in dieser Beziehung nachstehende Annahmen in Betreff der Constituirung der 
Körper als höchst wahrscheinlich bezeiel 



ine. 






Da jede chemische Verbindung und Trennung sich auf die einzelnen Atome bezieht, und diese 
Vorgänge stets von elektrischen Erscheinungen begleitet werden, so berechtiget diess zu der sehr 
wohlbegründeten Vermuthung, dass die verschiedenen Körperatome, indem sie sich nach bestimmten 
Gesetzen zu Molekeln , primitiven Krystallgestalten oder Körperincrementen gruppiren , zur Ermögli- 
chung ihrer Gleichgewichtslage elektrisches Fluidum sowohl in ihre Zwischenräume als auch in Form 
einer Atmosphäre sich aneignen. Unter solchen Verhältnissen müssen , nach dem früher Gesagten in 
den meisten , wo nicht in allen Fällen , polare Zustände an den einzelnen Körpermolekeln sich offen- 
baren. — Anderseits ist es allgemein bekannt, dass alle Körper, ohne die mindeste Aenderung ihrer 
chemischen Beschaffenheit , ihrer Textur und Aggregatsform , also ohne Veränderung der Atomengrup- 
pirung selber, bis zu einem nicht unbedeutenden Grade erwärmt und erkältet werden können, und 



V 



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I^V^V^^^H^HM 



K 












und magnetischen Polaritätserscheinungen 



171 



sich dabei im ersten Falle bedeutend ausdehnen, im letztern dagegen sich ebensoviel zusammenziehen. 
Dieser ganze Vorgang weiset daher unverkennbar darauf hin, dass die einzelnen Körpermolekel oder 
Elementartheilchen selber wieder durch den zwischen ihnen befindlichen Wärmestoff auseinander gehal- 
ten werden , und dass die Menge dieses letztgenannten Stoffes eben die Aggregatsform der Körper 
bestimme. — Wird diese Voraussetzung als eine im hohen Grade wahrscheinliche anerkannt; so ge- 



winnt 



unsere obige Annahme 



von polaren Körpermolekeln eine neue Basis zur Erklärung mehrerer 



anderwärtigen wichtigen und interessanten Erscheinungen. 



Denn 



nun 



begreift man 



leicht, dass bei aufgehobener unmittelbarer Berührung der einzelnen 



Motoren oder Molekel, nach Massgabe ihrer grösseren oder geringeren Entfernung von einander jedes 



derselb 



en 



seine polaren Gegensätze 



völlig oder doch mehr 



oder weniger frei und 



ungestört 



aus- 



zubilden vermag. Die allermeisten Körper müssen nun 



sofort betrachtet werden, als ein in Bezug- 



auf die beiden polaren Seiten der Molekel regelloses Aggregat von polaren Körpermolekeln, deren 
elektrische Atmosphären sich theilweise durchdringen , sich schwächen und zerstören (S. Fig. 25). 
Werden jedoch diese polaren Körpermolekel durch eine geeignete Manipulation aus der Lage, in der 
sie sich Fig. 25 befinden , in jene , wie sie Fig. 24 zeigt , gebracht , so muss sich bei A und B eine 
sehr bedeutende , der Länge AB proportionale , polare Spannung zeigen , da sich hier die Wirkungen, 
nicht wie diess in den früheren Fällen (S. Fig. 21, Fig. 22, Fig. 23) der Fall war, wegen zu grosser 
Nähe der Molekel wechselseitig aufheben, sondern wie die Plattenpaare einer Voltaischen Batterie sich 
wechselseitig unterstützen und summiren. Jedes Verfahren nun , wodurch die polaren Molekel aus einer 
Lage, wie sie in Fig. 25 dargestellt ist, in jene durch Fig. 24 repräsentirte gebracht werden, nenne 



ich magnetisiren. 



Bilden die polaren Molekel in Fig. 24 eine in sich zurückkehrende Curve wie in 



Fig. 26, oder ist wenigstens wie in Fig. 24, das erste mit dem letzten derselben durch einen guten 
Leiter verbunden , so tritt eine ohne Aufhören fortwährende Strömung ein , in der durch die Darstellung 
angedeuteten Richtung. Eine in sich zurückkehrende Reihe von polaren Molekeln könnte man nicht un- 
passend eine magnetische Windung nennen , und ein System solcher sich parallel laufender magnetischer 
Windungen wäre sodann das, was man einen Magnet nennt. Die Darstellungen Fig. 27 und 28 würden 

— Man 



demnach beziehungsweise einem unmagnetisirten und einem magnetisirten Stahlstab entsprechen. — 
hat es bekanntlich, und wie mich dünkt mit Recht, für einen sehr gewichtigen Einwurf gegen die 
ursprüngliche sowohl wie gegen die modificirte Ampere'sche Theorie des Magnetismus angesehen, dass 
man bei dieser Hypothese sich genöthigt sieht, das Zustandekommen der den Magnet umkreisenden 
elektrischen Ströme, der magnetisirenden Einwirkung eines andern Magnetes oder eines querdarüber 
geleiteten mächtigen elektrischen Stromes, jedenfalls also nur einer momentan wirkenden und somit 
vorübergehenden Kraft zuzuschreiben, während doch die Wirkung davon, d. h. die Aeusserung des 
Magnetismus, ungeachtet der unläugbar vorhandenen Widerstände, von einer endlosen Dauer sich zeigt. 

Nach der von mir entwickelten Theorie des Magnetismus entfällt dieser Einwurf begreiflich von 
selbst , da auch die Ursache der Strömungen keine bloss momentane, sondern eine continuirlich fort- 
wirkende ist, und in der ungleichen Anziehung der Eisen- und Kohlen-Atome zur Elektricität besteht. 
Eben so deutlich lässt sich nach der erwähnten Ansicht der grosse Einfluss oft selbst bis ins Detail 
nachweisen, welchen jede Temperatur-Erhöhung oder Erniedrigung sowohl auf die Intensitätsäusserungen 
als auch auf die vermehrte oder verminderte Leichtigkeit , mit der Stahlstäbe den Magnetismus anneh- 
men, ausübt. — Dass ferner durch die Einwirkung eines nahen Magnetes oder eines elektrischen 
Stromes die hier verlangte Umstellung und regelmässige Anordnung der auf und nahe an der Ober- 
fläche liegenden polaren Molekel zu Stande kommen könne, dürfte man am allerwenigsten in neuester 
Zeit bezweifeln, wo durch Faraday's und Anderer schöne Entdeckungen der thatsächliche Beweis her- 
gestellt ist, dass durch die blosse Kraft eines Magnetes oder eines Stromes eine Veränderung in der 
wechselseitigen Lage der Molekel selbst durch das ganze Innere eines flüssigen oder auch festen Kör- 

22* 



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172 



C. Doppler. Erklärung der galvanischen 



pers hindurch sich hervorrufen lasse. — In hohem Grade merkwürdig bleibt es übrigens, dass man bis 
jetzt nur Eisen, Nickel und Kobalt, welche zugleich die einzigen Metalle sind, die sich chemisch mit 



Kohlenstoff verbinden , 



bleibend und stark magnetisch zu machen vermochte. Kohlenstoff und im 



minderen Grade auch Sauerstoff (im Magneteisenstein) scheinen demnach vorzugsweise durch ihre 
Verbindung mit den Metallen die nöthigen Bedingungen zur Erzeugung eines bleibenden Magnetismus 
zu begründen. Da der ungemein grosse Einfluss der Härte eines Stahlstabes auf dessen Magnetisirbar- 
keit schon lange bekannt ist, diese aber sowie dessen Härtungsvermögen lediglich von seinem Kohlen- 
gehalte abhängt, und der grosse Abstand des Eisens von der Kohle in der elektro-chemischen Span- 
nungsreihe ebenfalls allbekannt ist, so ist es sehr zu wundern, dass man dem Kohlenstoffe im Stahle 
bisher keine wichtigere Rolle beim Magnetischwerden desselben zuwies , als nur eben jene seiner pas- 
siven Anwesenheit. — Um sich übrigens von den im Magnete wirksamen Kräften kein inadäquates Bild 
zu machen, möge man nicht vergessen, dass die hier thätigen galvanischen Ströme im hohen Grade 
schwach sind, und nur durch ihr vereinigtes Wirken wahrnehmbare Erscheinungen zu erzeugen vermö- 
gen. — 



— Diess möge vor der Hand genügen, um im Allgemeinen auf das Gemeinschaftliche und gleich- 
wohl doch wieder Verschiedenartige der elektrischen und magnetischen Polaritätsäusserungen hinzudeuten. 

§. 19. Es kann wohl kaum Jemanden entgangen seyn, dass mein gegenwärtiger Erklärungsver- 
such des galvano-elektrischen und magnetischen Polaritätsphänomens sich nicht bloss der Sprache, son- 
dern seinem inneren Wesen nach auf die unitarische Ansicht Francklin's fusset. Ich würde glauben, der 
Pflicht der Aufrichtigkeit zu entstehen , wenn ich es bei dieser Gelegenheit unterliesse, meine diessfallsige 
subjective Ueberzeugung ohne allen Rückhalt und mit Freimuth auszusprechen. Der grösste Nachtheil, 
welcher den exacten Wissenschaften zugefügt werden kann, besteht meiner unmassgeblichen Meinung nach, 
in der Einführung dunkler, unbestimmter oder gar sich widersprechender Begriffe, und eine Hypothese, 
wäre sie an sich auch noch so zulässiger Art, die auf solche unausweichlich fuhrt, verdient je eher desto 
besser, aufgegeben zu werden. Und in dieser Lage befindet sich , meinem aufrichtigen Dafürhalten nach, 
die Dualistische oder Symmer'sche Elektricitätshypothese ! — Was kann wohl im ersten Augenblicke 
zulässiger und entschuldigender lauten, als die Annahme zweier elektrischer Fluida da, wo man 
behaupteter Massen mit einem solchen Agens zur Erklärung sämmtlicher elektrischen Erscheinungen 
nicht mehr auslangt? Den Werth einer Hypothese erkennt man aber nur erst an ihren nothwendigen 
Consequenzen , wie den edlen Baum an seinem Erzeugnisse! — Und welche Früchte hat die bereitwil- 
lige An- und Aufnahme der dualistischen Elektricitätshypothese der klaren und nüchternen Natureinsicht 
bisher eingetragen? — Eine genügende Beantwortung dieser sehr wichtigen Frage erheischte ein umfas- 
sendes Eingehen in die gesammte Elektricitätslehre und in jene des Magnetismus , sowie eine kritische 
Beleuchtung und Gegenüberstellung der verschiedenen bisher versuchten Erklärungen, was offenbar aus- 
serhalb des Vorwurfes dieser gegenwärtigen Abhandlung liegt. Doch möge im Vorbeigehen auf den Noth- 
panzer hingedeutet werden, mittelst dessen sich die Symmer'sche Hypothese noch immer flott, und sogar 
in einigem Ansehen zu erhalten weiss , — als da ist: die Annahme einer Kraft, welche die indifferente 
Elektricität in ihre beiden Bestandteile zu trennen strebt, elektromotorische Kraft genannt, — eine andere 
wieder , die dieser Trennung in ihre Bestandteile schon gleich anfänglich entgegenwirkt , Cöercitiv- 



Kraft genannt 



? 



ferner einer weiteren Kraft, oder 



wenigstens 



einer neuen Eigenschaft der letzte- 



ren 



welche der fortwährenden Zersetzung des elektrischen Fluidums eine 



bestimmte Grenze setzt, 



und recomponirende Kraft heisst 



? 



metallenen Flächen 



sodann einer Kraft , welche die an den sich berührenden 

und endlich einer 



angehäuften entgegengesetzten Elektricitäten condensirt , 



solchen , welche sie verhindern soll , der möglichst günstigen Umstände ungeachtet , sich zu 
vereinen und zu neutralisiren ? — Und nebst allen diesen Voraussetzungen , gleichviel ob diese 
als selbstständige Kräfte , oder als ebenso viele gesonderte Eigenschaften einer einzigen Kraft 
angenommen werden mögen, noch die schon an und für sich unwahrscheinlichen, wo nicht gar un- 







und magnetischen Polaritätserscheinungen 



173 



möglichen, jedenfalls aber wahrhaft monströsen weiteren Annahmen, dass nämlich erstlich in jedem 

und gar unerschöpflicher und somit unendlicher Vorrath an zersetzbarer Elektricität 



Körper ein ganz 

vorhanden sei, — dass ferner die beiden entgegengesetzten elektrischen Fluida , ohne sich im mindesten 
zu beirren, ohne sich zu ncutralisiren , oder auch nur wechselseitig zu schwächen, den selbst noch 
so langen Leitungsdraht in entgegengesetzter Richtung ungehindert neben einander durchströmen sollen, - 
und dass endlich, wie die Erfolge bei den Telegrapben beweisen, diese beiden elektrischen Ströme 
durch den blossen Erdboden, ich erlaube mir es zu wiederholen, durch den blossen unregelmässigen, 
durchaus heterogenen , tausendfach zerklüfteten , von guten und schlechten Leitern unzählige Mal durch- 
setzten Erdboden ohne Leitungsdraht auf hundert Meilen weite Entfernungen, und zwar hier wie dort 
in dem nämlichen Augenblicke , ihren ihnen vorgezeichneten Weg direct in den Zeichenapparat des 



Telegraphisten linden sollten?? 



Und schliesslich noch davon überzeugt, dass sämmtliche elektrische 



Erscheinungen auch 
wird man es zu 



ohne derlei Annahmen, einfach und ungezwungen sich erklären lassen dürften, 



entschuldigen wissen, wenn ich, dieses geistigen Zwanges mich entwindend, von 
Vornherein mich zu einer Ansicht bekannte , welche den unsterblichen die Erscheinungswelt mit klarem 
Auge erschauenden Franklin zu ihrem Urheber hat. 

Vielleicht gestatten es Zeit und Umstände, auf den im gegenwärtigen Paragraphe besprochenen 
Gegenstand bei einer andern Gelegenheit wieder zurückzukommen. 

§. 20. Wenn eine Hypothese, ohne eben zu den höchst wahrscheinlichen zu gehören, an und 
für sich nur nichts Widersprechendes enthält, sie dabei aber, ohne weitere Hilfsannahmen, die Gesammt- 
heit der Erscheinungen, für die sie erdacht, genügend erklärt, so lässt man sich ihre Aufnahme in 
das wissenschaftliche Lehrgebäude Wohlgefallen. Viele berühmte Theorien der Vergangenheit und Ge- 
genwart bestehen zumeist nur unter diesem Rechtstitel, 
werden, dass am Ende das streng richtig Erschlossene und Gefolgerte keine grössere Gewährschaft 



Andererseits aber kann es nicht bezweifelt 



für 



We 



l 



gewonnenen Natureinsicht zu bieten vermag, als eben jene Hypothese, 



von der man ausging, selbst in sich schliesst; 



und dass tausend glücklich erklärte Naturerschei- 



nungen einer Hypothese, für die sonst nichts spricht, erst zu einiger Wahrscheinlichkeit zu verhelfen 



•• 



vermögen 



völlig 1 zu vernichten im Stande ist. 



während eine einzige ^entheilige Erfahrung, falls sie sich als solche bewährt, dieselbe 

Um nun meinen gegenwärtigen Erklärungsversuch nicht ohne 



Noth des unläugbaren Vorzuges zu 



berauben, dessen Grundprinzipien zu allgemeiner Anerkennung 



gebracht zu haben , 



zugleich aber auch, wie es 



sich geziemt, 



meinem gegebenen Versprechen 



nachzukommen , schicke ich mich sofort an , die eingangserwähnten Voraussetzungen zu rechtfertigen, 
welche gegenwärtigem Erklärungsversuche zum Grunde liegen. 

Was zuvörderst die erste Voraussetzung anbelangt : „dass nämlich die verschiedenen Körper, 
von welcher absoluter Grösse sie immer sein mögen, von einer Atmosphäre des elektrischen Fluidums 
um II 



ossen seien 



so scheint diese Ansicht ohnehin schon beinahe allerwärts das Bürgerrecht sich 



erworben zu haben. Denn dass alle Körper ohne Ausnahme elektrisches Fluidum in sich bergen, folgt 
schon aus dem alleinigen Umstand, dass sich unter geeigneten Verhältnissen aus allen Körpern Elek- 
tricität entwickeln lässt. Die Theile dieses Fluidums wirken aber bekanntlich in einem hohen Grade 
abstossend aufeinander, und es lässt sich wohl kaum ein anderer Grund ihres Aufenthaltes in denselben 
denken, als die Anziehung der Körpermolekel zur Elektricität. Allein diese Anziehung ist nicht nur 
nicht minder, sondern vielmehr noch stärker thätig an den Oberflächen als im Innern, da hier der 
nach Innen gerichtete Zug durch keinen gleich starken Zug nach Aussen aufgehoben wird. Die un- 
mittelbare Folge davon ist aber eine Atmosphärenbildung an der Oberfläche eines jeden Körpers. — 
Ob diese Atmosphären aber bestimmt begrenzte oder unbegrenzte seien, folgt hieraus freilich noch 
keineswegs. Da mir dir Beantwortung dieser Frage von sehr grosser Wichtigkeit zu sein scheint, auch 















1 



4 



.1 



3 






* 




MH 



I 

















174 



C. Doppler. Erklärung der galvanischen 



so viel mir bekannt , diese eine gehörige Erledigung bisher noch nicht gefunden hat, so möge diess 



im Folgenden in, wie es mich dünkt, 



Weise 



Vorerst kann es nicht dem geringsten Zweifei unterliegen, dass die elektrische Atmosphäre eines 



Körperatoms eine begrenzte dann 



Wirkung 



aller dem Körperatome näher liegenden Elektricitäts-Atome auf eines derselben, und von da an auf 
alle weiter entfernten grösser ist, als die an sich stärkere Anziehung des Körpermolekels auf eben 
dieses Atom, und wenn zugleich dieses Uebergewicht der Repulsivkraft über die Anziehungskraft auch 
bei einem sofortigen Entfernen dieses Atoms vom Central-Atom selbst bis in's Unendliche fortbesteht. 
Eben so wenig kann es ferner bezweifelt werden, dass falls sich die Notwendigkeit einer bestimmten 
Begrenzung unter der Voraussetzung einer gleichförmigen der äussersten Schichte gleichkommenden 
Dichte der Atmosphäre erweisen lässt, dieses um so mehr dann gelten müsse, wenn man eine gegen 
das Central-Atom hin zunehmend dichter werdende Atmosphäre annimmt, wodurch, ohne dass die An- 
ziehungskraft des Central-Atoms hierdurch vermehrt oder überhaupt geändert würde, die Summe der 
thätigen Repulsivkräfte ungemein erhöht wird. — Hierdurch aber wird, ohne die Allgemeinheit des 
Beweises zu schwächen, die anzustellende Untersuchung gar sehr erleichtert. 

Es sei Fig. 29 A das Central-Atom, dessen relative Anziehungskraft in der Entfernung 1 gleich 
M sei. Der Raum von A bis B sei mit einer endlichen Anzahl, nämlich mit n elektrischen Atomen 
erfüllt, deren unter sich gleiche Abstände von einander gleich <x sein mögen. Es ist demnach AB 
Die Intensität der Repulsivkraft eines elektrischen Atoms in der Entfernung 1 sei dagegen gleich m, 
wobei jedoch zu bemerken kommt, dass die Abstossung der elektrischen Atome eine wechselseitige 

Wirkung derselben eine verdoppelte ist, während dagegen die Anziehung von A nur 
als eine einseitig wirkende in Rechnung gebracht werden darf. Uebrigens ist es klar, dass jedenfalls 

grösser sein müsse als m, da nur unter dieser Voraussetzung eine Atmo- 
sphäre nbildung überhaupt denkbar ist. Es folgt hieraus zugleich aber auch unbestreitbar, dass in der 
nächsten Umgebung von A jedenfalls die Anziehungskraft des Central-Atoms die Repulsivkraft der elek- 

Endlich nehme man noch an, dass die Atomen- Anziehung und 
mit der r ten Potenz der Entfernungen abnehme, wobei r 



na. 



und daher 



M 



frischen Atome übertreffen muss. 



Abstossung im umgekehrten Verhältnisse 



Wahr sei 



jedenfalls grösser als die Einheit vorausgesetzt wird, — eine Annahme, die 
lichkeit für sich hat. 

Man denke sich nun in einem Abstände BE gleich ß vom letzten der n elektrischen Atome, ein 
elektrisches Atom E, und untersuche nun den Unterschied der auf dasselbe einwirkenden abstossenden 
und anziehenden Kräfte. Bezeichnet man diesen mit />, so findet man, da wie gesagt die Anziehung 
nur eine einseitige , die Abstossung dagegen eine wechselseitige ist , für : 



D 



m 



i 



(ncc + ß) 



M 




r\x 



+ 



nix 



V 



) 



2m (1 -f 



1 



(£ + «) 
l 



v + 



1 



O + J) 



^ + 



(ß + 2«) 

■ 

(i + 2a " ^ 



H-- + 



i 



i 

ß 



ß 



) 



• + 



(|3 + na) 

1 





-AP-m-, 



wobei P und Q die obigen dureb das Minuszeichen verbundene Hauptglieder vorstellen. — Das Zei- 
chen des Gesammtausdruckes , d. h. jenes von D hängt, da die beiden Hauptbestandteile des Aus- 
druckes P und Q für jeden Werth von ß bleibend positiv sind , lediglich von dem Grössenverhältnisse 
dieser Wertbe ab. Lässt sich nun nachweisen, dass diese Differenz, D bei einem zwar beliebig grossen, 
aber doch endlichen und Constanten Werth von n , für alle zwischen und oo liegenden Werthe von 
ß stets negativ ausfällt, so ist auch bewiesen, dass die Repulsivkraft von einer Entfernung =nx an, 


















,* 









._^ 









und magnetischen Polaritätserscheinungen 



175 



bleibend die Oberhand gewinnt über die von A ausgehende Anziehungskraft und dass demnach jedes 
elektrische Atom, welches man sich etwa zur Vergrösserung der bis B reichenden Atmosphäre hinzuge- 
fügt denkt , bleibend und bis ins Unendliche von dieser Atmosphäre abgestossen wird. Ein Blick auf die 
Ausdrücke P und Q zeigt, dass beide mit dem Wachsen von ß gleichfalls continuirlich zunehmen , der- 
gestalt, dass jedem grösseren Werthe von ß auch ein grösserer Werth von P und Q entspricht. Für ß = 
und ß = 00 geht P beziehungsweise in und M über; Q dagegen nimmt unter denselben Voraussetzun- 
gen die Werthe 2m und 2m{n-\-\) an. Während demnach P bei einem Wachsen des ß von bis 00 
stetig wachsend alle Werthe von bis M durchläuft, — wächst gleichzeitig Q und geht von 2m in 



2m(w-j- 1) über. 



Die Werthausdrücke von P und Q stellen demnach Curven vor, von der Be- 



schaffenheit, dass die eine wie die andere sich geraden Linien asymptotisch nähern, welche mit der 
Achse X parallel laufen, und zwar (S. Fig. 30) die eine in einem Abstände 



M, die andere in 



jenem 



2m (n -f-1). Wie dem P entsprechende Curve geht durch den Ursprung, jene dem Q zu- 



gehörige schneidet dagegen die Ordinatenachse in einem Abstände = 2m. Ist demnacb 2m(w-|-l)>M, 

1 ist, so nähert sich die Curve 



d. h. nimmt man die willkürliche Grösse n so an, dass: n 




Q dagegen 



2m 

der Parallelen CD. Von zwei solchen 



P asymptotisch der Parallelen Ali, jene von 
Curven kann , selbst ohne ihren weiteren Verlauf näher zu kennen , wenigstens so viel mit voller 
Bestimmtheit behauptet werden, dass dieselben von einem gewissen endlichen Werthe der Abscissen- 
achse x = ß an , wenn diess überhaupt geschähe, sich nicht weiter mehr durchschneiden können, und 
demnach für alle von da an bis ins Unendliche steigenden Werthe von ß, stets P<Q und demnach 
D bleibend negativ werden muss, und darauf kommt es im vorliegenden Falle eigentlich an. — Ein 
genaues Eingehen in die Sache zeigt aber überdiess noch, dass ein Durchschneiden dieser Curven 
unter den erwähnten Voraussetzungen überhaupt nur einmal, und zwar nicht für ß>0, sondern für 
/3<0, d. h. für einen gewissen negativen Werth desselben stattfindet, welches sich auf den Umstand 



Und 



so 



bezieht, dass in grösserer Nähe von A (s. Fig. 29) die Attractionskraft vorherrscht, 
scheint es mir denn strenge erwiesen zu sein, dass die Atmosphären der Körper von einer, wenn 
auch gegenwärtig noch nicht in Zahlwerthen angebbaren, doch jedenfalls bestimmten und nicht bis 
ins Unendliche reichenden Höhe seien. — Was die dritte und letzte der Voraussetzungen anbelangt, 



„dass nämlich die Höhen dieser Atmosphären von der materiellen Beschaffenheit des Körperatoms A 
abhänge", so bedarf diese, wie es mich dünkt, nicht einmal erst einer eigenen Rechtfertigung, da 
obiger Ausdruck für D , woraus sich die Höhe der Atmosphäre bestimmt , ersichtlich von M, d. h. von 
der Beschaffenheit der Körperatome abhängig ist. 

Aber die hier angewandte Schlussweise findet auch eine wörtliche Anwendung auf jedes Aggregat 
von Atomen und somit auch auf die Körpermolekel und auf beliebig grosse und beliebig gestaltete Kör- 
per, und somit glaube ich das, was ich allgemein zu behaupten wagte, sofort auch allgemein bewiesen 

zu haben. 

§.21. Zwanzig Jahre mögen es nun wohl fast sein, seit ich, unbefriedigt durch die gewöhnliche 
Erklärungsweise der Contact-Elcktricität den Versuch wagte, auf eine, wie es mich damals dünkte, 
rationellere Weise diese Erscheinung zu erklären. Ein Paar Jahre später legte ich eine darauf bezüg- 
liche Abhandlung, meine erste auf diesem Gebiete des Wissens in dem 18. Actcnbande des k. k. po- 
lytechnischen Institutes nieder. Meinem damaligen Versuche wurde zwar eine nie genug hochzuachtende 
wissenschaftliche Würdung und Beurtheilung nicht zu Theil. Aber nicht lange darauf erkannte ich sel- 
ber, dass ich wohl den Weg, der nur allein zu einer richtigen Deutung dieser merkwürdigen Erschei- 
nung führen konnte, verfehlt haben musste, da ich nach den daselbst aufgestellten Principien die auf- 
fallendste, unzweideutigste und interessanteste aller galvano - elektrischen Erscheinungen, nämlich jene 
der ohne Ende fortbestehenden durch Nichts zerstörbaren Polarität an der zusammengelötheten Kupfer-, 



k 































\ 






t 



176 






Zinkstange durchaus nicht zu erklären vermochte 



Wochen 



— Kürzlich eingetretene neue Berufspflichten lies- 
auf jenen Gegenstand, an den ich seit so vielen Jahren 
nicht wieder gedacht hatte, zurückkommen, und mit derselben Kupfer-Zink-Lamelle in der Hand, stellte 
ich so wie damals die Frage abermals an mich: „Was ist die Ursache dieser wunderbaren, geheim- 
nissvollen Erscheinung?" — Denn, um es aufrichtig zu bekennen, die Zeit hatte mich für die gewöhn- 
liche Erklärungsweise weder empfänglicher noch auch gelehriger gemacht ! — Indem ich daher jenen 
ersten Versuch wieder zur Hand nahm, erkannte ich gar bald den Abweg, auf den ich damals ge- 
rathen war, so wie ich mich hinwieder in den Stand gesetzt sah, den, wie es mich dünkt, allein 



Weg 



die ich dem 



wissenschaftlichen Publikum hiermit zur gütigen Erwägung vorlege, verdanken ihr Entstehen dem ebenso 



Wunsche 



scheinung beizutragen, die, wer wollte es läugnen, bisher noch mit undurchdringlichen Dunkelheiten 
und schwerlöslichen Räthseln umgeben war. 






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HN^I^MH^Mi 



, 






177 



ARCTOCALYX. 



Eine neue Gesneraceen- Gattung aus der Abtheilung der Eugesnereen, 

aufgestellt 

von Med. Dr. Eduard Fenzl, 

wirklichem Mit&iiede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



erinnernd, mich bewog, sie allsogleich auszuscheiden, um sie 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathcma tis ch -n atu rwiss en seh aftlich en Classe am 8. Juni 1848.) 

Geschichtliches. 

Bei der Durchsicht eines von Herrn Carl Heller (Sohn unseres Gartenbau-Gesellschafts-Gärtners) 

mit dem ersten Transporte seiner vor ungefähr drei Jahren im südlichen Mexico um Vera-Cruz 
und Mirador gesammelten lebenden Pflanzen und Sämereien, eingesandten Paquetes getrockneter 
Pflanzen, fiel mir eine Gesneracee mit ausnehmend grossen und schönen Blüthen auf, deren Kro- 
nenbildung an die Gattung Drymonia 

gelegentlich näher zu untersuchen. Einer von dem Sammler eingesandten handschriftlichen Notiz zu- 
folge kömmt sie nur selten und zerstreut in den tiefen waldigen Gebirgsschluchten von Mirador, hart 
an den Rändern der sie durchströmenden Bäche vor. Nur ein einziges Mal glückte es ihm, ein Exem- 
plar in Fruchtreife stehend zu treffen und grössere Stengelstücke desselben noch einer Kiste mit le- 
benden Pflanzen in der Eile beipacken zu können. Leider wurden die Früchte aber während des Trans- 
portes von Fäulniss ergriffen und bei Eröffnung der Kiste für unbrauchbar gehalten, für mich zu vor- 
schnell beseitigt, ja selbst die einzige im Herbar noch zufälüg befindliche Frucht von mir bereits zu 
einem Aussaat- Versuch von unserem, bei dieser Sendung betheiligten, als Horticulturist ausgezeichnet 
tüchtigen Handelsgärtner Abel, meinen Blicken entzogen. Ein Verlust, der mir nicht bloss die Be- 
stimmung der Gattung empfindlich erschwerte, sondern auch die Richtigkeit ihrer Stellung in der gan- 
zen Ordnung, im Falle ihrer Neuheit, einigermassen in Frage stellte. Abels Versuch wurde übri- 
gens, ungeachtet des theilweisen Ergrifienseins der Frucht von Schimmel -Pilzen , wieder alles Ver- 
muthen in so weit mit Erfolg gekrönt, dass ein einziges Samenkorn nach mehreren Wochen keimte 
und ein Pflänzchen lieferte, das unter seiner sorgsamsten Huth und Pflege bald so weit heranwuchs, 
dass an eine Vermehrung desselben durch zu Stecklingen verwendbare Achselsprossen gedacht werden 

das Fortkommen der Mutterpflanze selbst sehr 
gefährdenden, Fortpflanzungs-Versuchen gelang es zuletzt doch, einige Stecklinge in mit Kohlenpulver 
gemischtem Sande und leichter Moosbedeckung unter einer Glasglocke im Treibkasten zum Anwurzeln 



konnte. Nach wiederholten 



unglücklich ausgefallenen , 



zu vermögen und die Erhaltung dieser Prachtpflanze für die Zukunft unseren Gärten zu sichern. 
Gegenwärtig hat die noch nicht volle drei Jahre alte Stammpflanze bei einem Stengeldurchmesser von 
einem Zolle am Grunde bereits die Höhe von fünf Fuss erreicht, und prangt in üppigster Fülle mit 
so grossen und langgestielten Blättern, dass der horizontale Abstand der Endspitzen eines der gröss- 
ten Blattpaare an drei Fuss misst. Ja, trügen nicht alle Anzeichen, so hat man sogar im Laufe die- 
ses Sommers schon die erste Blüthenbildung zu gewärtigen. Als einer der neuesten und schönsten 
exotischen Zierpflanze, mit der unsere Gärten nunmehr bereichert werden können, wurde ihr auch 
bei der diessjährigen Blumenausstellung unbedingt der erste Preis zuerkannt. 



Denkschriften d. raathem. naturw. Classe. 



23 




■ 



• - 






178 



Einleitung 



I 



e Eingangs bereits erwähnt, dass mir gedachte Gesneracee nach der äusseren Beschaffen- 



heit ihrer Blumenkrone zur Gattung Drymonia zu gehören schien. Eine genauere Analyse derselben 
belehrte mich aber bald eines Besseren. Ein entschieden unterständiger, von dem längeren Theile der 
Kelchröhre überragter Fruchtknoten Hess über ihre nähere Verwandtschaft mit den eigentlichen Ges- 
nereen keinen Zweifel übrig, wenn gleich der Habitus der ganzen Pflanze, die Kelch- und Discus- 
Bildung ihre eben so nahen Beziehungen zur zweiten und dritten Abtheilung dieser Ordnung, den 
Beslereen und Cyrtandraceen 1 ) keinen Augenblick verkennen Hess. Unter allen zu den Eugesnereen 
gehörigen Gattungen näherte sie sich am meisten noch der Gattung Gloxinia durch ihre glockig- 
röhrenförmige, gegen den Schlund hin bauchig erweiterte Blumenkrone und trichterförmige Narben- 
bildung, wich aber durch ihren hohen strauch- ja fast baumartigen Stengel, den gedrungen büschel- 
förmigen Blüthenstand , die weite glockige, am Saume in kurze, breite, abgerundete, kerbzähnige 
Lappen getheilte Kelchbildung, ihre am Grunde weder schiefe, noch in einen Höcker aufgetriebene 
Blumenröhre und die ringförmige schief abgestutzte Discus-Bildung von allen bekannten Arten gedach- 
ter Gattung ab. Mit Rytidophyllum hat sie nur den vollständig unterständigen Fruchtknoten und den 
ringförmigen Discus, mit Locheria (Begel in Flora 1848. I. p. 251) kaum mehr als letzteren 
gemein. Entschieden vielseitiger und näher stellen sich, was Stengel-, Blatt-, Blüthenstand-, Kelch- 
und Corollen-Bildung betrifft, ihre Verwandtschaftsverhältnisse zur Gattung Besleria aus der zweiten 



und Tussacia (Bentham in Lond. Journ. of 



V. p. 360) aus der dritten Abtheilung unserer 



Ordnung heraus. Nun besitzt aber Besleria, abgesehen von ihrem oberständigen Fruchtknoten, eine 
Beerenfrucht und freie Staubbeutel, Tussacia noch überdiess eiweisslose Samen, so dass auch von 



Gattungsbildung, eine generis 



che 



dieser Seite her, nach den gegenwärtig geltenden Ansichten über 
Vereinigung mit einer der beiden genannten Gattungen als unstatthaft von der Hand gewiesen werden 
muss. Es erübrigt desshalb nichts Anderes als in ihr die Aufstellung einer neuen, neben Gloxinia 
und Rytidophyllum im Systeme einzureihenden Gattung zu beantragen und unserer Art noch eine 
zweite, ihr sehr nahe stehende und gleichfalls aus Mexico stammende Gesneracee 
nach einem G a 1 e o t t'schen Original-Exemplare näher untersuchte Besleria insignis desselben 
zugesellen. Jedenfalls bildet die Gattung Arctocalyx , wie ich sie der zottigen, einem Bärenfelle ver- 
gleichbaren, Kelchbekleidung halber benannt wissen will ein merkwürdiges Bindeglied zwischen drei 
zu eben so vielen Hauptabtheilungen der Familie der Gesneraceen gehörigen Gattungen. Die ander- 
weitigen Charaktere derselben möge man aus der nachstehenden Charakteristik und Beschreibung beider 
Arten entnehmen. 



die von mir 

bei- 



*) Hinsichtlich der Vereinigung der Cyrtandraceen mit den Gesneraceen als Unterordnung muss ich mich im Gegensatze zu D e Can- 
dolle, der sie als eigene mit den Bignoniaceen näher verwandte Ordnung erhalten wissen will, den Ansichten Endlicher's, 
B. Brown's und Bentham's (in Lond. Journ. of Bot. V. p. 360 etc.) anschliessen , nachdem die Samen einiger entschiedenen 
Cyrtandraceen nicht völlig eiweisslos befunden wurden. 














. 











■BOHEiai 












179 



AUCTOCAEiYX. 

Genus novum Gesneracearum , tribus Eugesnerearum. 

Calyx membranaceus tubuloso-campanulatus amplus ; tubus ima basi germine toto adhaerens, libera 
parte multo longiore membranaceus reticulato-venosus , exangulatus 15-nervis; limbus subinaequaliter 
5-dentatus , dentibus abbreviatis late rotundato - ovatis trinervibus crenulatis v. serrulatis. C o r o 1 1 a 
epigyna, infundibulari - campanulata , tubo inferne late cylindrico , ecalcarato, basi aequali , superne 
valde ampliato, fauce liaud constricto ; limbi subbilabiati obliqui labio superiore porrecto bilobo , in- 
feriore trilobo patulo; lobis omnibus subaequalibus semiorbicularibus , margine fimbriatis v. subintogris. 
Stamina eorollae tubo ima basi inserta quatuor didynama, postica facie adscendentia , fauce v. lobis 
subexserta cum rudimento quinti paleaeformi apice inerassato; antherae bilocularcs, profunde cordatae, 
in discum cohaerentes. Germen inferum subglobosum, disco epigyno annulari antice obsoleto , po- 
stice in glandulam bilobam tumente coronatum, uniloculare ; trophosp er miis duobus parietalibus, 
dextrum et sinistrum ab axi floris latus occupantibus bipartitis, lobis divaricatis latis laminaeformibus 
simplicibus v. (sectione transversali) sagittatis v. semisagittatis. Gemmulae plurimae anatropae ob- 
longae, funiculis brevibus trophosspermiis utrinsecus affixae , horizontales. Stylus liliformis crassus 
simplex; Stigma turbinatum infundibulare nudum. Capsula calyce inclusa globosa membranacea 

(subbaccata?) unilocularis .... 

Suffrutices mexicani tropici, sylvicoli, decussato-ramosi , erecti. Caules ramique teretes 
v. obsolete tetragoni, pube septata hirsutissimi (exsiccata moniliformi tomentosi). Folia opposita in 
annulum camosum connata, membranacea, longe petiolata; laminae magnae late ellipticae acumi- 
natae diiplicato-serratae , er assiner ves , hirsutae , majores basi valde inaequales. Pedunculi axil- 



Se 



in i n a 



/< 



Fl o res maximi speciosi, calyce utrinque hirsuto; corolla 



f* 



Species: A. Endli ch erianus Fenzl et A. 



insignis (ßesleria insignis Martens et Galeotti enum. 



pl. mex. in Bull, de VAcad. de Bruxelles IX. 2. p. 37. — Walpers Repert. IL 115). 

Obs. Genus specierum habitu et inflorescentia Besleriae, calyce inter Cyrtandreas Tussaciae , eorollae 
antherarum et stigmatis fabrica Gloxiniae , germine plane infero et disco annulari Ryüdophyllo proxime affine 5 ab 
Ulis germine infero, ab ultimis calyce, eorollae tubo basi aequali, nee postice gibbo et disci fabrica distinetum. 

Aretocalyx Eiidlieheriairas« 



Suifrutex elatus erectus hirsutissimus, in sicco tomentosus 



nodis glabris. Folia basi inaequalia 



late elliptica acuminata duplicato-serrata, utrinque, subtus nonnisi venis crassioribus , longe hirsuta. 



Flores axillares solitarii v. 2 



5 



/< 



Cah 



rx 



ultra medium hirsutissimus (in sicco tomentosus), superne nonnisi venulis hirsutus, dentibus rolundato- 
ovatis margine refexo minute crispato- crenulatis , tubo intus hirsuto. Corolla calyce 4— 5plo longior 
infmidibulari-campanulata , curviuscula , extus hirsuta intus glabra , laete aurantiaca , lobis margine 
fimbriato-dentatis. Stamina glabra fauce partim exserta. Stylus usque ad apicem hirsutus. 

Hab. in umbrosis vallium profundissiraarum (Barancas incol.) regionis calidae ad rivulos prope Mirador Mexicanorum. — 
(Heller.) V. spec. exsiccata et viva culta, nondum florida. 

IIa die es stirpis (verosimillime epiphytae) juvenilis inter muscos, arborum truncos basi vestientes, proser- 
pentes, tenue filiformes, suecosae purpureae, adultae lignescentes, validiores demum crassitie digiti. C aulis erectus 
radieibus aereis, inferioribus nodis enascentibus demumque solo infixis, suffultus, primum totus, serius nonnisi superiore 
parte sueculentus, inferiore lignescens, pedalis et orgyalis, crassitie digiti demumque validior, teres, apice obsolete 
tetragonus, inferiore parte demum nudus, reliqua pilis 1 — 2'" longis septatis sueco scatentibus rectis horizontali- 
bus v. infra nodos parum reversis, copiosissimis, exsiccatis moniliformibus ac varie crispatis tomentum densissimum 

23 ♦ 












■ - 



1 




^» 



■ 

I 







180 

mentientibus, hirsutissimus , purpurascens. Rarai oppositi, decussati, simplices, patentes, infimi ex axillis foliorum 
paris 5. v. 6. erumpentes. Internodia majora 3 — 6 - pollicaria et probabiliter longiora, ad nodos annulo car- 

noso 1 %" crasso nitido, petiolorum basi connata formato, cinctos glaberrima ibidemque propter indumentum 

densissimum supra infraque illos protensum patentissimum ibidem ad speciem constricta, post lapsum foliorum, nee 
non in speeiminibus siccatis aequalia. Folia membranacea, longe petiolata, patentissima , demum modice recurva, 
opposita, rariusve passim terna verticillata, demum articulato-deeidua , omnium maxima 1—1 Va pedalia; petioli 
teretes, crassitie calami scriptorii, sueculenti, inferne glabri, superne undique sparsim hirsuti, purpurascentes, lon- 
giores 3— 4 - pollicares ; laminae ellipticae acuminatae, duplicato-serratae ciliatae, adultae basi inaequales, 
uno latere ad distantiam Va— 1 pollicis altero breviore, majores medio 6—10 pollices latae, supra planae, pilis 
septatis patentissimis dense hirsutae, saturate virides, subtus crassinerves, grosse reticulatae, pallidae, nervis venis- 
que purpureis plus minusve hirsutis. Flor es axillares soütarii v. 3-— 5 subumbellatim fasciculati, peduneulo com- 
muni obsoleto v. nonnisi aliquas lineas longo suffulti, pedicellis calyce plus minusve brevioribus, filiformibus pa- 



tulis hirsutis, basi bracteolarum lanceolatarum eonduplicatarum pari % 






longo stipatis, insidentes. Calyx 



membranaceus inflatus, tubuloso-campanulatus, 6 



$'" longus ac 4 — 5 



in 



latus, intus sparsius , extus ultra medium 



densissime, pellis adinstar (superne nonnisi ad venulas) pube septata hirsutus, 15-nervis, nervis superiore tubi 
parte magis conspieuis subflexuosis tenuibus crebre anastomosantibus lineolatus, ima basi toto germini adnatus, 



dentibus rotundato - ovatis 1 — 2'" longis ac IVa 



limbo patulo marginibus reflexo subinaequaliter 5-dentatus , 

% X U" latis, minute crispato-crenulatis. Corolla epigyna 2V 3 — 3 pollicaris, Gloxiniae (Sinningiae) villosae similis, 



lato, dorso convexo, ventre a medio 



infundibulari-campanulata subringens, tubo ima basi 3— 4'", fauce 8 — 10'" 
usque ad fauce m inflato, longe hirsuta; limbi lobi suborbiculares patuli, margine Drymoniarum more fimbriato- 
denticulati, cum tubo saturate flavi, venulis punetisque copiosis hepatico-purpureis intus picti, labii super ioris 
nonnihil produeti submajores, inferioris intermedius omnium minor, in aestivatione cum superiorum uno ex- 
ternus, extusque simul hirsutus. Stamina imo corollae tubo inserta, postica ejus facie adscendentia, glabra, fauce 
parum exserta, rudimentario quinto postico subulato X" longo apice in nodulum incrassato. Antherae in 
discum cohaerentes sat magnae, l 1 //' longae, loculis obtusis basi divergentibus, cordatae, glabrae. Stylus crasse 
filiformis curviusculus, fere tota longitudine sparse hirsutus, stigmate incrassato infundibulari, antheras haud ex- 
superante. Discus germinis verticem cingens annularis, postice in glandulam bilobam V" longam, late linearem, apice 



rotu 



ffv Ht- r 



lllttlc 



\m v. subtruncatam 




ens, antice complanatus obsoletus. Germen omnino inferum, subglobosum, 1-loculare, 



sub anthesi 27a'" longum; tr ophospermia parietalia a basi bipärtita, horumlobi singuli carnosi, undique gem- 
muliferi, laminaeformes, divaricati, cum oppositis in medio loculi subcontigui, cavitatem ejus fere omnino explentes, 
sectione transversali indivisi v. prope basim utrinque v. hinc in lobulum rectum v. curvatum produeti ideoque sagittati 
v. semisagittati. Gemmulae oblongae anatropae horizontales subsessiles, %'" vix majores. Fructus et semina 
matura desiderantur. 



Arctocalyx insigiiis. 

Suffrutex elatus erectus hirsutus (in sicco pubescenti-tomentosus), nodis glabris. 



Folia 






oblique 



ovato-lanceolata v. elliptica, acuminata duplicato serrata, supra breve hirsuta, subtus glabra v. non- 



nisi venis crassioribus pubescenti-hirta. Flores axillares 2 



fasciculati 



commimi pedi- 



cellis calycem aequantibus breviore. Calyx usque ad medium hirsutissimus (in sicco tomentosus) , su- 
perne nonnisi venulis sparse hirsutus , dentibus rotundato-ovatis , margine ovatis minute serrulatis , 
denticulis apice incrassatis, tubo intus sparsim hirsuto. Corolla calyce 4 — 5plo longtor, tubuloso- 
campanulata recla, extus sparse hirsuta ? intus glabra, aurantäaea, lobte margine subintegris, flavo et 



f* 



V. s. 



Hab. in Mexico prope Ville-Alta alt. 4000, secus 
Cordiilerarum orientalium. — Galeotti. 

Besleria insignis Martens et Galeotti enum. ph Mexic. 

Walpers Repert. II. p. 715. 



rivulos et in humidis umbrosis vallium profundissimarum montis Oaxaca 



in Bullet, de VAcadem. de Bruxelles. IX. 2. p. 37 ; collect, n. 1910 



Obs. Omnia reliqua praecedentis, a qua parum diversa videtur. 

































^m^^^m^mm^mm 



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hmhhh^b 







m^^^^n 



181 



Ueber den Dutenkalk. 



Von W. Haidinger, 

wirklichem Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe am 8. Juni 1848.) 

Noch erinnere ich mich lebhaft des Eindruckes, den ein Stück des Dutenkalkes, das ich im Besitze 
der verewigten Werner in Freiberg sah, bei mir hervorbrachte. Es war eine höchst räthselhafte 
Bildung, aber man glaubte sie zu begreifen, weil sich die Aehnlichkeit mit Papierduten so auffallend 

herausstellte. 

Nach dreissig Jahren findet man nun diese Kalkvarietät als etwas Altbekanntes in den mineralogi- 
schen Werken aufgeführt, und in den geologischen erwähnt, ohne dass man mehr als damals für die 
Gestaltung einen wahrscheinlichen Vorgang mitzutheilen für nothwendig hält. Beinahe scheint es, als 
betrachten die Mineralogen diese Nachweisung stillschweigend als eine Aufgahe der Geologie, während 



die Geologen sich damit begnügt haben, die durch 



die Mineralogen benannte Form als bekannt anzu- 



nehmen, ohne von ihrer Seite neues Licht auf die sonderbaren Gestalten zu werfen. 

Einige Beobachtungen, welche ich in der letzten Zeit zu machen Gelegenheit hatte, veranlassen 
mich, diese Frage hier zu berühren. 



Ich kann keine vollständige Beantwortung derselben geben, 



aber doch auf diejenigen Umstände hinweisen, welche zu einer solchen führen dürften. Es soll nur 
„eine Art halber Entdeckung 1 )", oder noch weniger sein, in der auf die vorliegenden Beobachtungen 
Schlüsse gegründet werden, die wenigstens einige Wahrscheinlichkeit für sich haben. 

Die nächste Anregung gab mir eine Varietät des Dutenkalkes, die im vorletzten Sommer 1846 
im Banat gefunden wurde, und von welcher der k. k. Herr Hofrath Layer einige Stücke dem k. k. 
montanistischen Museo übergab. Sie waren auf der Halde des Zubaustollens der gewerkschaftlichen 
Steinkohlengrube Johann von Nepomuk in der Gegend Uterisch, eine halbe Stunde südlich von Steier- 
dorf bei Oravitza gefunden worden. Niemand konnte angeben, wie sie im Gesteine vorkommen, ob 
die duten- oder trichterförmigen Bäume an der obern oder an der untern Seite sich erweitern, eine 
Fraffe, die vor Allem beantwortet sein musste, bevor sich auch die geringste weitere Frage an- 

knüpfen Hess. 

Herrn Franz v. Kolosvary, k. Schichtmeister zu Steierdorf, verdanke ich nun die nöthige Auskunft 

auf meine Anfrage , wenn auch mit Beziehung- auf einen andern Fundort , nämlich den Breunner Schacht, 
wo sie im vorigen Sommer in der 2k. Lachter Teufe , im Hangenden der Gerlistyer Kohlenflötze vor- 
kamen , bei einem nördlichen Einfallen der Schichten von 32 bis 36°. im Hangenden und Liegenden 
begleitet von einem schwarzen, bituminösen Kohlenschiefer, welcher in dem Horizonte , wo der Duten- 
kalk vorkam, bedeutend fester war. „Die trichterförmigen Erweiterungen liegen mit der Basis nach 
abwärts." Sie haben die für Gestalten dieser Art sehr bedeutende Grösse von nahe sechs Zoll zwischen 
der Spitze des Trichters und der erweiterten Basis; sind übrigens sehr schön und regelmässig gebildet. 

I« Literatur. 

Nur Weniges ist in mineralogischen Lehrbüchern über den Dutenkalk, Dutenstein oder Tuten- 
mergel enthalten. Mehreres findet man in der altern und neuern Journal -Literatur. Ich freue mich, 
















l ) Arago sagt im „Annuairc du bureau des longiiudes" für 1S45, p. 477: Des diffieulte's nettement caracterise'es sont des demi-decouvertes. 



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182 



W. Haidinger 













bei dieser Gelegenheit die freundlichen Mittheilungen des trefflichen Forschers, Herrn Dr. A. Boue, mit 
Dank anzuerkennen, der gleich bewandert in der Natur der Gesteinschichten und in den Blättern lite- 
rarischer Leistungen durch unermüdlichen Fleiss die ausgedehnteste Bibliographie über die gesammten 
Naturwissenschaften gesammelt hat. 

Eine der ältesten Angaben und zugleich eine sehr ausführliche ist die von Guyton de Morveau. 
Er beschreibt in einem Briefe an den jungem Mongez mit grosser Genauigkeit ein plattenförmiges 
Stück Nagelkalk , und gibt eine erkennbare Abbildung desselben. *) 

„Die Platte ist 14 Linien dick, wahrscheinlich Bruchstück einer grössern Tafel." 

„Die obere Fläche ist voll runder Erhabenheiten, flachen Nagelköpfen ähnlich, die grösser und 
kleiner sich berühren und selbst übergreifen. Die Kreisflächen sind in der That die Grundflächen von 
Nägeln von verschiedener Grösse , die sich mehr oder weniger leicht aus kegelförmigen Eindrücken her- 
ausheben lassen. (Ces Utes de clous sont en effet les bases de plusieurs cones de dijferente grossem, 
qai se detachent avec plus oa moins de facilite de leurs alveoles.) 

Auch die Streifung der Flächen parallel der Base der Kegel wurde nicht übersehen: une Sorte de 
fibres paralleles ä la base des cones , qui sont ondoyantes on comme froncees. 

Herr Clerc, Arzt in Semur, hatte das Stück, ohne Angabe des Fundortes, an die Akademie in 

Dijon gesandt. 

Guyton de Morveau reiht das Stück in die Classe der Stalaktiten oder Tropfsteine, obwohl er 
bemerkt, dass er keine der Merkmale der letztern an demselben wiederfinden konnte, und dass man sich 
überhaupt noch kaum eine Vorstellung von ihrer Bildung machen könne. 

Er führt ferner die Beschreibungen ähnlicher Vorkommen in dem Katalog der Sammlung von 
Davila 2 ) an, aufweiche ihn der Marquis de Gr ollier aufmerksam gemacht hatte. 

„Sonderbarer Kalkstalaktit. Ansammlung kegelförmiger Vertiefungen , mit 1 bis 2 Zoll Breite der 
Basis , meistens erfüllt mit einem Kegel von gleicher Beschaffenheit. Von Gioerarpe moella bei Helsing- 
borg in Schonen, bisher der einzige Fundort. 

Noch vergleicht Morveau die kegelförmigen Gestalten mit gewissen kegelförmigen Vertiefungen 

in Korkstöpseln , die auch von Kegeln ausgefüllt sind. 

Selb 3 ) verglich den „stänglichen Kalkspath von Stuttgart", nach Wiedenmann Nagelkalk, mit 
den „umgekehrten Kalkspath - Pyramiden vom Harze und aus Siebenbürgen", „nur vielleicht unter 
andern Verhältnissen erzeugt , weniger ausgebildet und weniger vollkommen auskrystallisirt." 

Mit grosser Ausführlichkeit und Genauigkeit hat Hausmann 4 ) den Dutenmergel von Görarp in 
Schonen beschrieben. „Der Dutenmergel selbst besteht aus einem mit Thon innig gemengten Kalksinter. 
Der Thon hüllt aber den Kalksinter so ein , dass man diesen leicht übersehen könnte. Charakteristisch für 
den Dutenmergel ist seine konisch - schalige Absonderung. Er ist aus mehreren , von einander abzuheben- 
den Lagen zusammengesetzt , deren jede aus neben einander gerade aufstehenden hohlen Kegeln besteht, 
so dass die Höhlungen der obern Lage auf die Spitzen der untern genau passen. — Diese Art der Ab- 
sonderung, welche man mit ineinander gestellten Tuten vergleichen kann, hat vermuthlich die Benennung 
„Tutenmergel" veranlasst." 

„Diese Bildung gleicht vollkommen manchen wellenähnlichen Stalagmiten auf den Orten einiger 
bekannten Höhlen im Uebergangskalkstein , namentlich in der Bielshöhle am Harz. Beide Arten des Vor- 
kommens können einander gegenseitig zur Erläuterung dienen." 



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*) Observation sur la Physu/ue etc. Par Rozier et Mongez. Tome XV. (1780) p. 89. PI. fig. 1, 2 et 3. (Journal de Physique Fev~ 
rier.y Lettre de M. de Morveau a M. Mongez le jeune sur une petrification singulierc. 

2 ) Theil II. p. 05. Nro. 129. 

3 ) C. C. Leonhard's Taschenbuch für die gesammte Mineralogie 1810. IV. S. 393. 

*) Annalen der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. Bd. III. Heft 1. Hanau 1812. 



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Heber den Dutenkalk- 



183 



5? 



„Die Ablösungsflächen der Kegel oder Tuten sind nicht glatt, sondern der Quere nach mit mehr oder 
weniger starken Erhöhungen und Vertiefungen; jene auf der äussern, diese auf der innera Absonde- 
rungsfläche. Der Bruch ist langsplitterig und geht in das Verstecktfaserige über. 

„Da wo die Lagen dem verhärteten Thone mehr genähert sind , enthalten die Massen mehr von 
dem Thone beigemengt. Die obere und untere Lage ist ganz mit dem Thone verwachsen." 

„Der Tutenmergel ist offenbar stalagmitischer Bildung. Auf ähnliche Weise, wie sich stängliches oder 
zapfenförmiges Eis im feuchten Thone bildet, welches ich oft beobachtet habe, erzeugte vermuthlich 
das kalkige Wasser, von welchem die neu abgesetzte Thonmasse angeschwängert war, den Sinter 
in ihr, dessen Masse bei dem allmäligen gänzlichen Verdunsten des Wassers innig mit der des 
Thones verbunden blieb. Zuerst bildeten sich auf der Sohle der Thonlage kleine Zapfen von Kalk- 
sinter. Sie wurden von neuen Absätzen aus dem kalkigen Wasser überzogen, und diese Ueberzüge 



wiederholten sich so 



oft , als noch ein Kalkgehalt vorhanden war. 



Aber der Thon widersetzte sich 
darum der Mangel der vollkom- 



nicht allein der reinen krystallinischen Ausbildung des Kalksinters — 

men faserigen Textur — sondern auch der festen Verbindung der neuen Ueberzüge mit dem Kerne 

daher die Ablösung" der obern La^en von den darunterliegenden." 



„Die Schicht ve 



rhärteten Tbons, welche in ihrer Mitte den Tutenmersrel einschliesst , ist einen 



halben bis zwei Fuss mächtig, von rehfahlgrauer Farbe, und liegt zwischen Sandstein, der, mit dünnen 
Schieferthonlagen wechselnd, wellenförmig gelagert ist und zu demselben Sandsteinsystem gehört, in wel- 
chem die Steinkohlen von Höganäs bei Helsingborg vorkommen. Der schwedische Name ist Strut-Märgel. 

Hausmanns letzte Darstellung des Gegenstandes *) ist folgende: 

„Der Tutenmergel wird zum Faserkalke gezählt." 

„Bei dem sogenannten Tutenmergel oder Nagelkalk, einem Gemenge von Faserkalk und Thon, 
konisch -schalige Absonderung, wodurch das Ganze in mehrere, oft von einander abzuhebende Lagen 
abgetheilt zu sein pflegt, deren jede aus neben einander stehenden Kegeln besteht, so dass die Spitzen 
der einen Lage in die Vertiefungen der andern passen." Ferner Seite 1982: 

„Der mit Thon gemengte Faserkalk, welchen man Tutenmergel {ßtrutmärgel im Schwedischen) 
oder auch Nagelkalk genannt hat, wurde zuerst zu Görarp in Schonen gefunden, wo er besonders 
ausgezeichnet vorkommt 2 ). Er findet sich ausserdem unter andern zu Neustadt am Rübenberge, bei 
Hildesheim, Quedlinburg, am kleinen Hagen und Götzenberg bei Göttingen, im Württenbergischen. 

Nach Herrn von Alberti findet sich Nagelkalk bei Neufra, eine Stunde von Rottweil, auch fand er 
denselben in der Lettenkohlengruppe am Meissner in Hessen und in dem Marly sandstone bei Wasseralfingen 3 ). 

Ein ungenannter amerikanischer Naturforscher gibt Nachricht von Dutenkalk in den Vereinigten 
Staaten von Nordamerika 4 ). 



Von einem Orte, dem Yellowcreek, 



in 



dem südlichen Zweige des Mahoning-Flusses bei Poland, 



Pennsylvanien , wird in einem Gebirgsprofil genau die Lage angegeben. Eine regelmässige Schicht von 
Dutenkalk von k Zoll Dicke liegt auf einer 18 Zoll dicken Schicht von dichtem blaulichgrauen talk- 
erdehaltigen Kalkstein (magnesian limestone (Ist diess Dolomit?)^, der eine gute Politur annimmt, 
und Versteinerungen enthält. Unter diesem kommt wieder eine 6 Zoll starke Schicht mit schiefriger 
Structur und voll Resten von Productus, Spirifer, Ammonites, Encrinus u. s. w. , grösstentheils zer- 
trümmert; darunter 6 Zoll Schieferthon mit Fossilien, dann 3 Fuss Kohle, endlich Sandstein mit 
Abdrücken von Palmen , Farren u. s. w. Unmittelbar über der Dutenkalkschicht liegt brauner Schiefer, 



Hausmann 



*) Handbuch der Mineralogie. 1847. Zweiter Theil. S. 1272. 

2 ) Tophus turbinatus. Wallerius, Syst. min. 396. Tab. II. Fig. 36. Relzius , Försök til Miner alrickets upstälning. 153. — 
Skandinavische Reise. I. 104. — Derselbe in den Annalen der Weüerauischen Gesellschaft. III. 25. 

3 ) Rückgaber 's Geschichte von Rottweil. II. Anhang. P. 618. 

*) Silliman's American Journal. Vol. XXXI. Miscellaneous Observations made during a tour in May 1835 to the Falls of the 
Cuyahoga near Lake Erie : Ertracied from the Diary of a Naturalist. 












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184 



W. Haidinger 



1 Schuh mächtig" , mit Sphärosideritkugeln , die Blende u. s. w. enthalten, darüber lichtgrauer Sand- 
stein mit Calamiten und anderen Fossilien. 

Der Dutenkalk ist sehr gut beschrieben , konisch mit den zahlreichen wellenförmigen , im Kreise 
laufenden Streifen; die Kegel 2 bis 4 Zoll lang, einen halben bis 1 Zoll im Durchmesser an der 
Basis; verglichen mit einer grossen Anzahl über einander gestülpter Lichtlöscher, die zusammen die 
fest^eschlossene Schicht ausmachen. Also auch hier das breite Ende deutlich unten. Weniger ist die 
Erklärung der wahrscheinlichen Natur des Vorkommens gelungen, indem die belemnitenähnliche Form, 
auf einen animalischen Ursprung bezogen, und selbst ein vorläufiger Name Belemnita- Madrepora, 
wenn sich dieser Ursprung später bestätigen sollte, in Vorschlag gebracht wird. 

Genaue Abbildungen der Form und Structur „dieses schönen Fossils" enthält der 29. Band von 
Silliman's American Journal, Seite 14 der Holzschnitt, und Fig. 27. 

Andere Localitäten sind daselbst noch im Mississippithale angegeben , vorzüglich an den Rändern 
der Steinkohlenformation. Der hochwürdige Herr Boynton sammelte Stücke davon in der Nähe der 
Missions-Station Harmony im Steinkohlendistrict am Osage-Flusse. Die Schichten sind dort von 4 bis 
8 Zoll dick; die Jäger nennen sie Kohlenbl üthe, coal blossom, weil gewöhnlich Steinkohle in 
der Nähe gefunden wird. An der Luft zerfallen die kegelförmigen Alveolen, wie Einsätze von Finger- 
hüten oder Weissblechkegeln." Nach dem Verfasser der Mittheilung in Silliman's Journal finden sich 
solche Varietäten, aber viel grösser und dicker, am Gauly river, im westlichen Virginien, in bituminösem 
Schiefer und zwar in Geschieben. Als man bei Chilicothe den Ohio-Canal grub, fand man deren in einer 
Tiefe von 8 oder 10 Fuss auf Sand, ebenfalls als Geschiebe, die Schicht des Dutenkalkes etwa 4 Zoll dick. 

m m ._ i, z. B. bei Mohs und anderen erscheint der Dutenkalk als 

Synonym des Kalkspathes, ohne weitere Nachweisung, als blosse Varietät. 

Bei G locker 1 ) finden wir: „Der stalaktitisch fasrige Kalkspath wird fasriger Kalksinter, und 
ein grauer undeutlich - fasriger , konisch -stänglicher und zum Theil gebogen schaliger, welcher etwas 
thonhältig ist, Tutenkalk (Tutenmergel, Nagelkalk) genannt/' Ferner 

„Untergeordnet erscheinen hin und wieder im Liaskalk oder in dem Mergel, in welchen er über- 



Werke 



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3) 



bis 3 Zoll zwischen Mergel 2 ). 



v. Leonhard 3 ): „Manche Lagen des Liaskalkes sind ausgezeichnet durch stängelige zum Theil 
auch kegelförmig-schalige Absonderungen (Nagelkalk, Tutenmergel). Ausgezeichnetes Vorkommen u. a. 



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Württemb 



Breithaupt 4 ) sagt beim fasrigen Kalkspath, „theils «, gleichlaufend-fasrig, gemeiner fasriger 

auch der Duttenstein, der zugleich eine duttenförmig-gebrochene, schalige Zusam- 



AI l\-- .UV, 1 



Kalkstein und 

mensetzung hat, welche die stänglige schneidet, theils ß, auseinanderlaufend-fasrig u. s. w. Während 



jener fast nur als Gangauslullung vorkommt, ist dieser u. s. w." 

„Igelström 5 ) hat den wegen seiner sonderbaren Bildung bekannten Dutenmergel von Görarp in 

Schonen analysirt, und zusammengesetzt gefunden aus : 



In Salzsäure löslicher Theil 



Kohlensäure 41,30 

Kalkerde • • .49,04 

Talkerde 0,27 



Eisenoxydul . 
Mangan oxydul 



1,53 
0,74 



95,34, 



Thonerde 2,46 









*) Grundriss der Mineralogie, 1839, pag. 646. 

2 ) A. a. O. Seite 783. 

3 ) Grundzüge der Geologie und Geognosie, 1839, pag. 256. 

*) Vollständiges Handbuch der Mineralogie 1841. II. pag. 216. 

5 ) Berzelius Jahresbericht XXV. (für 1844) 1846, pag. 385. Nach 



Öfversigt af Kong. Vetensk. Acad. Forhandl. 1844, pag. 221 



: 




















LiKJjnniiljur um wu 






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Darin unauflöslicher Theil 



lieber den Dutenkalk. 

Kieselsäure 2,92 

Thonerde 1,50 

Talkerde 0,03 

Eisenoxydul 0,01 



185 



4,52. 



C o 1 1 a *) gibt Folgendes über die „Tuten" an: „Die Bildung der sogenannten Tuten, kegelförmiger 
an der Oberfläche gerunzelter Körper oder Absonderungen kommt besonders im Mergel und in Mer- 
gelkalksteinen vor; man unterscheidet darnach sogar einen besondern Tntenmergel. Werden die Tuten 
sehr klein, so gehen sie über in die sogenannten Nägel (Nagelkalk). Ihre Ursache ist noch nicht 
erkannt." 



Uebe r 



den Württembergischen Nagelkalk verdanke 



ich einige sehr schätzbare Nachweise der 

In 



freundlichen Mitteilung des Herrn Eduard Schmid, gegenwärtig in Wilhelmshall bei Rottweil, 
einem Manuscript aus des verewigten Schüblers Vorlesung, Statistik Württembergs , und zwar o-eo- 
gnostische Verhältnisse, kommt folgende Stelle vor: „Der Nagelkalk findet sich in der Liasformation 
in zwei Abänderungen, als regelmässig gebildeter Nagelkalk, gewöhnlich horizontal geschichtet, und 
reich an kohlensaurem Kalk. Er besteht aus parallelen nageiförmigen Absonderungen, die oft mit viel- 
seitigen Pyramiden Ähnlichkeit haben. Die einzelnen Nägel stehen häulig dicht auf einander, und auf 
dem Kopf. Die Schichten selbst sind oft nur einen Zoll mächtig. Liegen mehrere Schichten überein- 
ander , so findet man oft dazwischen horizontale Lagen eines schiefrigen Kalkes , von welchem sich 
nach unten und oben die Nägel strahlenförmig krystallartig angesetzt. Auf dem Querbruche zeigen sie 
oft dem Kalkspath ähnlichen Glanz, sind oft so dicht, dass sie Politur annehmen, welche dichten 
nur wenige Prozent Thon enthalten. Das übrige ist kohlensaurer Kalk. Es sind wahrscheinlich kry- 
stallinische Absonderungen eines stänglichen Kalkspaths, der durch Thon u. s. w. in seiner Krystal- 
lisation gestört wurde ; oft lassen sich die einzelnen Bruchstücke mit vieleckigen Pyramiden vergleichen. 
Dieser neue Nagelkalk findet sich in den untern Schichten der Formation (des Lias) . zu Kaltenthal 

Der thonhältige Nagelkalk ist eine unregelmässige ähnliche Bildung. Die Nägel 
sind einige Zoll lang, aber gewöhnlich weniger regelmässig übereinanderliegend, häufig zertrümmert, 
Bruch matt. Das krystallinisch-körnige fehlt. Dieser findet sich mehr in den obern und mittlem Schich- 

i. .1 - _. ¥71 , • i , • 1 i i i • i . <■ ,.. 



und Plattenhard. 



ten der Formation , kommt nicht sowohl in horizontal geschichteten , als 



in abgerundeten kuglichen 



Massen vor. Enthält gegen 18 Prozent Thon, ist mehr unrein und weniger fest. Fundorte: Stuifen- 
berg, Wasseralfingen." 

Christian Gmelin 2 ) untersuchte eine der vorigen analoge Abänderung „von dieser sonderbaren 
in der Gryphiten-Formation vorkommenden Bildung des Kalks, ausgezeichnet schön, von schwarzer 
Farbe aus der Gegend von Donzdorf. In Säuren löst sich der Kalk unter sehr starkem Aufbrausen 
auf, und es entwickelt sich dabei ein starker, bituminöser Geruch, ganz ähnlich dem, der sich bei 
der Auflösung des Schiefers von Boll (Posidonienschiefer) entwickelt. Sp. G. = 2,708. Bestandteile : 

Kohlensaurer Kalk 



78,73 

Bittererde 0.44 

Eisenoxydul 2.26 

Alaunerde o 23 

Schwarzgrauer Thon 16 43 

Durch Säuren aufgelöster Stoff o 02 



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Flüchtige bituminöse Bestandteile und Verlust 



1.89 



100,00 



*) Gmndriss der Geognosie und Geologie. Seite 12S. 

2 ) Naturwissenschaftliche Abhandlungen. Tübingen. 1826. I. Bd. 1. Heft pag. 189 

Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



24 



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186 



W. Haidinger 



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verpflichtet, welches Herr Vicar Fr aas in Bahlingen, ein Schüler Quenstedt's, nach der Natur ent- 



worfen hat* 



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immmmmmmmm Nagelkalk von Schömberg, Rosswangen, Dürrwangen. 

Ammonites opalinus (Opalinusthon). 



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Ammonites Turneri (Turnerithon) Bähungen. 



Sand und Thon. Ammonites Bucklandi (Arietenbänke). 






P9 



Schwarzer Thon 



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Nagelkalk von Degerloch oder Kaltenthai , Waldhausen , Wellendingen 
Thalassites concinnus. Ammonites psilonotus. 



Der Nagelkalk kommt daselbst in drei verschiedenen Thonschichten vor. Die oberste Schicht in 
dem Opalinusthon ist regelmässig geschichtet und etwa einen Zoll mächtig. Die zweite Schicht wird von 
den Herren Fr aas und Schmidt mit Recht als besonders merkwürdig bezeichnet, weil sie in dem 
Turnerithon einen gangartigen Lauf hat. Sie ist 1 bis 2 Zoll mächtig. Die dritte endlich, von 1 bis 3 Zoll 
Dicke wechselnd, liegt gleichförmig in den Schichten des schwarzen Thones, unmittelbar über dem 

sogenannten Bonebed. 

Herr E. Schmid fand selbst eine der Nagelkalk -Bildung ganz analoge und ähnliche Schicht in 

dem Wellenkalk bei Horgen , anderthalb Stunden von Rottweil. 

II. Dutenkalk. 

Ich habe im Vorhergehenden nebst der Aufzählung der einzelnen Angaben der Forscher, 

die sich mit dem Gegenstande beschäftigten, 
berührten, auch gerne die von denselben mitgetheilten Beschreibungen wieder gegeben, da ich sie 
sonst fast nur mit den nämlichen Worten neu zusammensetzen müsste. Ich wünschte dadurch das 
Verdienst derjenigen anzuerkennen, welche schon vor langer Zeit die schwierige Aufgabe nicht von 
sich gewiesen haben. Auch sind die Ansichten über die Bildung an dem gleichen Orte angeführt. 

Die Angabe der Varietäten, welche ich nun zu vergleichen Gelegenheit hatte, wird mir die 
Veranlassung darbieten, wo sie vorkommen, auf denjenigen Eigentümlichkeiten zu verweilen, welche 
etwa einen Fingerzeig in Beziehung auf den Gang erkennen lassen , den die fortschreitende Bildung 

derselben genommen hat. 

Vorerst sei es erlaubt, einige Andeutungen über den möglichen Vorgang bei der Bildung dieser 



oder auch denselben mehr und weniger ausführlich 



Gestalten anzuführen. 

Der Dutenkalk erscheint lagerartig zwischen Schichten 
gewissen gangartigen Bildungen analoge Structur. Man wird 
thümlichkeiten der einzeln vorkommenden Varietäten erklären 
annimmt. 



von Mergel, besitzt aber eine fasrige, 
ohne grosse Schwierigkeiten die Eigen- 
können, wenn man folgenden Vorgang 



*) Classification der Flötzgebirge Württembergs , pag. 539. u. s. w. 









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lieber den Dutenkalk. 



187 



1. Das schichtenweise gebildete sedimentäre Gestein wird von Gebirgsfeuchtigkeit durchzogen, 
die in einem zwischen zwei Schichten vorhandenen Raum eine Lage von pulverigem kohlensauren 
Kalk absetzt. Die Feuchtigkeit dringt zu gewissen Punkten aus der untern Schicht heraus, welche 
später den Mittelpunkt der Basis der Duten oder Kegel ausmachen. 

2. Erst wird das Kalkpulver als Material zu einer dünnen ziemlich gleichförmigen Lage von Kalk- 
spath abgesetzt , nur da nicht , oder doch dünner , wo der Ausfluss von unten entgegen spannt. 

3. Eine zweite dünne Schicht, unter der ersten gebildet, lässt einen etwas grösseren Raum um 
den eintretenden Strom der Gebirgsfeuchtigkeit frei, die nächste tritt an den Rändern noch mehr 

zurück. 

4. Fortwährend wird kohlensaurer Kalk aus der Gebirgsfeuchtigkeit gefällt, und eben dieses Pul- 
ver wird in die kegelförmige Dutenöffnung eingepresst. 

5. Das Pulver erhält nach und nach eine grössere Festigkeit, sehliesst zu Fasern, endlich zu 
Krystallindividuen zusammen, aus welchen man die festen Dutenkalk -Varietäten gebildet antrifft. 

1. Banat. Nicht alle Varietäten lassen die gleichen Zwischenstufen erkennen, noch seltener 
aber ist es möglich, eine Reihe derselben wahrzunehmen, wie insbesondere an der Eingangs erwähnten 
Varietät von der Grube Johann von Nepomuk bei Steierdorf, von Herrn Hofrath M. Layer mitgetheilt. 

Sie zeigt in einer Dicke von etwa einem Zoll zu oberst einen bräunlich -rauchgrauen kleinkör- 
nigen Kalkstein , bei einseitiger Beleuchtung mit Spuren von durch grössere Partien hindurchgehenden 



unterbrochenen Theilungsflächen , dem Grundrhomboeder von 105° 5 entsprechend, das 



senkrecht auf 



der obern horizontalen Begrenzungsfläche der Dutenkalkschicht steht. Hin und wieder in der Mitte 



unn, wie das Ende 



die an der untern Lage der Schicht endigen, aber 



dieser Parthie beginnen die Duten 1 bis 1 */, Zoll von einander entfernt , erst du 
auf der breiten Fläche liegender Trichter, eine Linie, bis anderthalb Linien im Durchmesser. Zwei 
Zoll Länge derselben steckt ganz im festen dunkelfarbigen Gestein. Die Dicke ist bis auf einen hal- 
ben Zoll angewachsen , die kegelförmigen schön längsgestreift und quer wellenförmig gereiften Ablö- 
sungsflächen gut ausgesprochen und stellenweise etwas dunkler gefärbt. Nun nimmt der Winkel der Aus- 
biegung zu , der Stein ist lockerer , die von glänzenden Kegelflächen eingeschlossenen Duteneinsätze 
bestehen nach und nach fortschreitend aus staubigem kohlensauren Kalk , die Schalen berühren und 
begrenzen sich, so dass mehrere zurückbleiben müssen. Die untersten sind von pulverigen, flachen, 

unter 90° etwa kegelförmigen Pfropfen erfüllt, 

selbst immer noch abwechselnde festere dunkler gefärbte Lagen enthalten. Die Farbe des Kalkpulvers 

ist gelblichweiss. 

Zwischen den festen und den ganz pulverigen Theilen bemerkt man im Querbruche der Schicht, 

d. h. im Längenbruche der Structur derselben, dass der pulverige Kalk schon nach und nach eine 
immer deutlichere fasrige Anordnung besitzt, so wie er zu mehrerer Festigkeit gelangt; die Rich- 
tung der Fasern aber hat im Ganzen deutlich die Lage senkrecht auf die Schichtflächen, übereinstim- 
mend mit derjenigen, welche oben als an den Spuren der Theilungsflächen in dem festen Kalkstein 

stattfindend, angemerkt wurde. 

Eine Reihenfolge von Bildun^szuständen ist hier unverkennbar, aber auch die Wahl ist nicht 
schwer, ob man annehmen soll, dass sie von dem festen bis zum pulverigen, oder gegentheils vom 
pulverigen bis zum festen stattfand. Nur das Letztere bleibt zulässig, die erste Ablagerung geschah 
in Pulverform , sodann ordnete sich fasrige Structur , endlich trat die Krystallisation ein , und mit ihr 
die grössere Festigkeit der Masse. Aber auch die festen concentrischen Kegelschalen mit Längen- und 
Querstreifen lassen sich mit den verschiedenen Zuständen in aufeinanderfolgende Bildungsperioden 
zusammen reimen. Der Obertheil, die Alveole ist ganz fest, die untere in dieselbe eingeführte Masse ist 
erst ganz pulverig und muss durch den pulverigen und den fasrig geformten Zustand hindurchgehen, bevor 
sie sich an den ganz festen anschliesst. Während dieser Zeit ist aber ein Bewegen durch den steten 

24 * 






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21 















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188 



W. Haidinger. 



Zutritt von Materie, und ein nachmaliges Zusammenziehen durch die Faserung und Krystallisation 

nicht abzustreiten. 

Der Fortschritt von pulveriger erster Ablagerung durch die fasrige Anordnung bis zur vollkom- 
menen Krystallisation darf hier wohl als in der Natur gegründet angenommen werden. Er hat sein 
vollkommenes Ebenbild in dem Vorgange bei der Entstehung gewisser Kalkstalaktiten , so wie ich sie 
bei einer frühem Veranlassung *) der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften vorlegte, veranlasst 
durch eine Einsendung aus der Galmei- und Frauenhöhle bei Neuberg durch den damaligen Ober- 
verweser, den k. k. Herrn Bergrath Hampe. 

Ein anderes ähnliches Vorkommen möge ebenfalls hier erwähnt werden, das gewiss häufig vor- 
kommt, aber ebenfalls noch nicht in seiner ganzen Wichtigkeit gewürdigt ist, die Bildung des Kalk- 
sinterüberzuges auf Knochen, von Höhlenbären u. s. w. , dessen erste Form ebenfalls Bergmilch ist. 
In der Hermaneczer Höhle bei Neusohl sah ich mehrere Knochen , Kiefer u. s. w. ganz eingebettet in 
feuchte, schwammige Bergmilch. Mehrere sollten ganz abgewaschen und gereinigt werden. Aber die 
unterste Schicht zunächst denselben war hin und wieder, wenn auch ganz in unmittelbarem Zusam- 
menhange und Uebergang, doch ganz fest, und besass eine fasrige Structur, senkrecht auf die Ober- 
fläche des Knochentheils. Mehrere der darauf bezüglichen Stücke bewahrt das k. k. montanistische 

Museum. 

Ich verdanke Herrn A. von Morlot die Mittheilung der folgenden Resultate der chemischen Analyse 
von den ganz festen und von den pulverigen Theilen der hier beschriebenen Dutenkalk- Varietät von 
Steierdorf. 



Fester Kalkstein. 



Kohlensaurer Kalk 87*6 



Thonerde mit etwas Eisen- und Manganoxyd 



In Salzsäure unlöslich 

Wasser und organische Materie als Glühverlust 



3-4 

4-6 
4-2 



Kalkpulver. 

71-5 

6-3 

14-8 
6-4 



99-8 



990 



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Der in Salzsäure unlösliche Rückstand enthält Kieselerde und Thonerde in dem Verhältnisse von 
ungefähr 12:11, ist also nahe Al 2 3 -j- Si 3 . Keine Spur von schwefelsaurem Kalk. 

Man sieht, dass das erst abgelagerte Kalkpulver, was aus seiner nicht rein weissen Farbe er- 
hellt, fremdartige Stoffe enthält, aber auch dass es weniger rein ist, als der wenn auch dunkel ge- 
färbte , schon fest gewordene Kalkstein. Die Krystallisation nahm begreiflich vorzugsweise das Gleich- 
artige auf, wenn auch noch der nahen Stellung der Theilchen wegen manches Fremdartige nicht aus- 
geschlossen werden konnte. 

Die von Herrn v. Kolosväry eingesandte Varietät vom Breunnerschaeht stimmt in der Farbe 
sehr nahe mit der vorhergehenden überein. Aber wie oben bemerkt, sind die Kegel viel grösser. Die 
Masse ist zu oberst ganz fest, zu unterst ist sie wohl auch zusammengebacken, aber lässt sich doch 
noch mit dem Nagel schaben. 

2. Dutenkalk von Calvaria in Galizien, von Herrn Director L. Hohenegger an das k. k. 
montanistische Museum eingesandt. Bruchstück, längere Zeit an der Luft gelegen. Die kegelförmigen 
Eindrücke ganz ausgewittert , so dass die Reste der Schalengrenzen aus der Masse als Schärfen her- 
ausragen. Farbe reiner grau, Structur deutlich faserig, aber dabei die Masse krystallinisch - körnig , 
mit den nahe übereinstimmend liegenden Theilungsflächen - Spuren. Die weichern Theile sind heraus- 
gewittert. Herr Hohenegger hat noch mehrere neue Fundorte namhaft gemacht 2 ). Woykowitz un- 
weit der Strasse zwischen Friedeck und Teschen; Oberlischna, südöstlich von Teschen, am Fusse des 



1 ) Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Sitzung vom 13. April 1848. S. 202. 
3 ) Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften. III. Band. S. 144. 









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lieber den Dutenkalk. 



189 



eben, die untere mehr abgerundet und mit rundlichen 



Ostriberges ; Kameschnitza in Galizien an der schlesischen Grenze; angeblich auch Löschen bei Mese- 
ritsch in Mähren. Bisher fanden sich bloss Bruchstücke, deren Anstehendes nicht aufgedeckt worden ist. 

3. Hildesheim. Durchaus ganz feinkörnig- krystallinisch. Gelblichgrau, die Masse dunkel. Die 
Duten auf der Oberfläche gelb, rostfarbig beschlagen. Bruchstück eines Geschiebes. Die obere Fläche 
der Schicht mit den Spitzen der Duten mehr 
undeutlichen Vertiefungen versehen. 

4. Görarpsmölla in Schonen. Gelblich -braun , mit einem röthlichen Ton. Eine 3 Zoll dicke 
Schicht. Die obere Seite, etwa 1 Zoll, etwas unregelmässig, im Ganzen parallel - faserig , dann erwei- 
tern sich die Trichter, begrenzen und verlängern sich; die unterste Lage zeigt halbzolltiefe kegelför- 
mige ausgewitterte Räume. Die Masse ist hoch -krystallinisch, die Theilungsflächen gehen deutlich in 
grösserer Ausdehnung durch die Duten hindurch, mit der Lage, dass die Axe der Rhomboeder mit der 
Axe der Ke^el übereinstimmt. 



5. Württemberg. 



Waldst 



fläche bräunlich, mit der Farbe des Eisenoxydhydrats. Sehr krystallinisch, vorzüglich die zwei ersteren. Man 
verfolgt die nahe parallel liegenden Theile der Theilungsflächen über Räume von mehr als einem Zoll Breite. 
Die untere Fläche, vorzüglich der ungefähr fünf Viertel-Zoll dicken Lagen von Degerloch, sind wie mit flachen, 
vier Linien breiten, runden Nagelköpfen bedeckt, die ganz wenig hervorragen. Die Oberfläche ist übri- 
gens ganz abgewittert, so dass die Nagelköpfe gut hervortreten. Gewiss war hier nicht, wie bei den 
Varietäten die hohlen Kegel oder Eindrücke zeigen, eine pulverige Masse übrig, sondern der ganze 
krystallinische Körper vollendet , als die Auswitterung begann. Das Stück von Kemnath , einen halben 
Zoll dick, das von Waldstetten , einen Zoll dick, weniger regelmässig ausgebildet; besonders in letz- 
terem sind grössere Hervorragungen und kleine ganz warzenförmige untereinander vermischt. 

Aus der Gegend von Stuttgart: Rauchgraue zwei- bis dritthalb Zoll dicke Lage. Die Köpfe 
stehen mit in Stufen immer abnehmender Breite bis einen Viertel-Zoll über die ebene Schicht hervor. 
Ganz ausgezeichnet, und ebenfalls durch Abwitterung ganz rein herausgelöst. Die entgegengesetzte — 



obere — Seite besteht aus ganz dichtem mergeligen Kalkstein. Aus den anderweitig gemachten Beob- 
achtungen darf man wohl annehmen , dass es die obere Seite sei , und dass die Köpfe der Nägel , um 
es so auszudrücken, wie von unten hineingeschlagen erscheinen. Indessen liegt in dem k. k. montanisti- 
schen Museum auch ein Stück von dem nämlichen Fundorte vor , worin die Anordnung der einzelnen 
Theile höchst sonderbar ist. Es ist diess eine doppelte Dutenkalkschicht, dunkel, ebenfalls grau mit einer 
Lage von dunkelgelblichgrauem dichten Kalkmergel in der Mitte zwischen beiden, letzterer einen halben 
Zoll, das Ganze drei Zoll dick. Beide äusseren Flächen sind nun, wie mit Nägeln beschlagen, an bei- 
den liegen die breiten Grundflächen der Kegel , die Spitzen gegen die innere dichte Kalkmergelschicht, 
und also gegen einander gerichtet. Diese beiden äusseren Flächen sind jedoch nicht parallel, son- 
dern schliessen einen Winkel von etwa 25° ein. Hier kann nun freilich nicht die Rede davon seyn, 
dass die Nagelköpfe, die Kegelbasen, alle an der untern Seite der Schicht, vorkommen müssen. Während 
die bisherigen Beobachtungen in der Natur, wo sie immer gemacht worden sind, diesen Schluss erlaub- 
ten, zeigt dieses ein Handstück, dass noch eine ganz andere Lage wenigstens möglich sei, und ich 
muss die Mineralogen und Geologen Württembergs auf das Dringendste bitten, dieses in ihrer Nähe in der 
Natur vorliegende Verhältniss ja baldigst einer genauen Untersuchung zu würdigen, die gewiss im Zusam- 
menhange mit der Zusammensetzung und dem Zustande des umgebenden Gesteines wissenswerthe Auf- 
schlüsse über Festwerdung der Schichten durch Krystallisation , das ist über Gebirgs - Metamorphose 
geben muss. 

6. Chilicote. Die schöne nordamerikanische Varietät von hell-aschgrauer Farbe, eine zwei Zoll 
dicke Schicht, die Grundmasse dicht, die Kegel gestreckt und gleichförmig geneigt unter etwa 40°, sehr 
regelmässig stärker längs- als quergestreift; an der untern Fläche abgewittert, einige Kegel vertieft, 










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JV. Haiding er. 










andere eine concentrisch gestreifte Grundfläche zeigend, in der Mitte mit einer vorspringenden Erhöhung 
wie am Nagelkalk. Das k. k. montanistische Museum erhielt das Stück von Hrn. Dr. Tamnau in Berlin. 
Die Masse ist fest , aber muss mehr dicht als krystallinisch genannt werden. Die Bildung dieser Varietät 
hat gewiss unter Verhältnissen stattgefunden , die einen sehr langen Zeitabschnitt hindurch gleichför- 
mig fortgedauert haben. 

III. Faserkalk. 

Hätte man nur Dutenkalk in den Mineraliensammlungen oder auf den natürlichen Lagerstätten 
angetroffen , man würde Grund haben, die oben gegebene Darstellung des Bildungsvorganges als richtig 
vorausgesetzt, zu fragen: Was wird für ein Körper entstehen, wenn anstatt eines pulverigen Kalknieder- 
schlages zwischen zwei Sedimentärschichten , der später erst ein krystallinisches Gefüge annimmt , ohne 
diesen Zwischenzustand die Kalkmaterie unmittelbar krystallisirt ? Als Antwort auf diese Frage darf 
wohl der so häufig zwischen abgesetzten Schichten vorkommende Faserkalk benannt werden. Die Be- 
trachtung einiger merkwürdigen Varietäten desselben möge hier der Aufzählung der Verhältnisse am 
Dutenkalk angereiht werden. 

1. Faserkalk mit Mergelkegeln von Radoboj. 

Herr Professor S tu der hat die hier den eigentlichen Dutenkalken angereihte Varietät schon vor 
vielen Jahren an ihrem Fundorte beachtet, und eine treffliche Beschreibung 1 ) davon geliefert, die ich 
hier gerne wörtlich wiedergebe. Insbesondere ist darin die Spitze des Mergelkegels nach unten, 
also entgegengesetzt der Lage in dem Hauptvorkommen des Dutenkalks , genau bezeichnet. 

„Zwischen beiden Schwefel-Lagern und im Hangenden derselben liegt ein grauer ziemlich fester 
Mergelschiefer, der sich in sehr dünne und grosse, ganz ebene Tafeln spalten lässt. Derselbe enthält 
im Hangenden dünne Zwischen - Lager von weissem faserigen Kalkspathe , wenige Linien bis 1 Zoll 
dick , welche eine Erscheinung darbieten , um deren Erklärung man anfangs verlegen sein dürfte. In 
der oberen Fläche des herausgebrochenen Faserkalkes stecken nämlich kleine Kegel von i / 2 bis V/ 2 Zoll 
Durchmesser, bei etwa halb so grosser Höhe die Spitze nach unten gekehrt, die Seitenflächen trcppcn- 
förmig aus Faserkalk bestehend , dessen mit der Basis parallele Stufen mit einem grünlichen Thon 
überzogen sind. Bei näherer Untersuchung findet man , dass die Kegel ihrer innern Hauptmasse nach 
aus demselben Mergel bestehen , der den Faserkalk bedeckt, und sichtbar durch ein Eindringen dieses 
Mergels in die untere Spathmasse entstanden sind ; der Kalkspath hat diesem Eindringen nur allmälig 
nachgegeben, und seiner senkrechten fasrigen Structur wegen sich treppenförmig abgestuft. Wegen 



des 



festen Anhängens des Faserkalkes an den Mergel brechen nun beim Auslösen der Zapfen die 



Spath-Treppen eher mitten entzwei, als sich vom Mergel zu trennen, und so entstehen die auffallen- 
den Seitenflächen der Kegel. Man wird kaum die grosse Aehnlichkeit dieser Bildungen mit dem schwe- 
dischen Dutenmergel verkennen." 

Die Vergleichung eines Stückes in dem k. k. montanistischen Museo erlaubt in Bezug auf die 
Erklärungsart der auf einander folgenden Vorgänge bei der Bildung einige Bemerkungen beizufügen, 
die zum Theil genauer mit der sich jetzt immer mehr ausbildenden Lehre des Metamorphismus sich 
in ein Ganzes ordnen lassen. 

Der Faserkalk in dieser Varietät selbst ist eigentlich ein Gemenge von Kalkspath und Aragon. 
Er besitzt eine parallel- aber etwas gekrümmt -faserige Structur; man nimmt auf dem den Fasern 
parallelen Bruche die deutliche Längen - Theilbarkeit des Aragons wahr , auch ist der eigentümliche 
Seidenglanz ziemlich kenntlich , aber im Querbruche erscheinen bereits zahlreiche einzelne Flächentheile 






des Kalkspathes an der 



Lage 



und der viel deutlichem Theilbarkeit unverkennbar. Es ist nicht 







*) Carl Caesar v. Leonhard, Zeitschrift für Mineralogie. 1829. pag. 776 






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lieber den Dutenkalk. 



191 















unmöglich, dass ursprünglich reiner fasriger Aragon sich bildete, der nun bereits in einen beginnenden 
Zustand der Pseudomorphose eingetreten ist, aber man hat dafür keinen Beweis, wenn wir auch nach 
so vielen andern ähnlichen Vorkommen vorbereitet sind, diess vorauszusetzen. 

Ober- und unterhalb der Kalklage ist der Mergel ziemlich grob geschichtet. Innerhalb der staffei- 
förmig abgesetzten Kegel erscheint eine sehr gleichförmige, aber doch gröblich gemengte Masse mit 
einzelnen Kalkspathkrystallen. Von der Seite her senken sich die Mergellagen in den Körper der Kegel; 
so ist an einer Stelle sogar unterhalb einer solchen Erhebung kohlensaurer Kalk eingedrungen , und 
dort krystallisirt , nämlich gleichfalls als Faserkalk mit den senkrecht auf die Schichtung stehenden 
Fasern. Die Bildung dieses Stückes erforderte unzweifelhaft mehrere auf einander folgende Zeiträume, 
um das zu zeigen, was nun beobachtet werden kann. 

Die sedimentäre Bildung des Mergels ging durch alle Lagen hindurch, unter und ober dem Faser- 
kalk, der Bildung des letztern voran. Der gegenwärtig von den Staffelkegeln aus dem Faserkalk aus- 
gefüllte Baum war damals durch eine einfache Trennungs- und zwar eine sedimentäre Auflagerungs- 
fläche bezeichnet. 

Die Gebirgsfeuchtigkeit führte kohlensauren Kalk aufgelöst mit sich, der zwischen der obern und 

untern Mergelschicht eine dünne Lage von fasrigem Kalke absetzte. Zufällig löste sich hier und da 
von der obern Mergellage, bei dem steten Anwachsen der Faserschicht, ein kleines scheibenförmiges 
Theilchen ab, das in dieselbe bei weiterer Bildung eingeschlossen wurde. Unter jedem Kegel liegt 

ein solches abgerissenes Blatt. 

Aber nun war bereits die Gleichförmigkeit des Fortschrittes gestört. Aus den etwas vertieften 
Theilen, gegenüber diesen Scheibchen, trat die Gebirgsfeuchtigkeit leichter heraus, während sich der 
Faserkalk mehr an den ruhigen Stellen ansetzte. Die Spannung blieb durch das Nachrücken der Mergel- 
theilehen, zum Theil die Schichten biegend, zum Theil ganz formlos, durchaus unverändert. 

Es musste aber bei jedem neuen Zuwachsen das mechanische Element der Pressung durch die 
zerstörte untere Fläche der oberen Mergelschicht die Oberhand über die Kraft des ruhigen krystalli- 
nischen Zuwachses in einem grösseren Kreise überwinden, daher auch nun die Mergelkegel mit staffel- 
artiirer Oberfläche eine immer breitere Basis annehmen. 

Die Kegel sind im Ganzen nahe rechtwinklig, übereinstimmend mit Studer's Beobachtung. 

Stücke des Faserkalkes ohne Mergelkegeln, in dem k. k. montanistischen Museo, bestehen aus Kalk- 
spathfasern, abwechselnd mit Aragonfasern. Die erstem haben eine nahe parallele Stellung, so dass 
die geneigte Theilungsfläche ziemlich ausgedehnt gleiche Lage halten. Dasselbe ist der Fall mit dem 
ebenso beschaffenen Faserkalk des Monte paterno bei Bologna. Die Kalkspath-Theilungsflächen der 
einzelnen Fasern sind fast in jedem Winkel um die Axe gleich gegen dieselbe geneigt, aber man sieht 
auch auf der Axe parallelen Flächen deutlich den seidenartigen Schimmer der Aragontheilchen. 

2. Faserkalk an der Porta Westphalica. 

Hausmann 1 ) hat vorlängst den Faserkalk des Jakobsberges an der Porta Westphalica unweit 
Minden erwähnt und davon angeführt, dass Stromcyer darin einen geringen Gehalt von schwefel- 
saurem Kalk aufgefunden habe. Ob dieser aber ein Bestandteil oder nur ein Gemengetheil des Faser- 
kalkes ist, bleibt noch zweifelhaft. Hausmann erwähnt gleichfalls Professor Bouterwek's genauere 
Beschreibung 2 ). Schon damals erkannte Bouterwek die faserigen Lagen als Aragon, währender aber 
doch auch das Vorkommen von wirklichem körnigen Kalkstein, selbst von krystallisirtem Kalkspath bezeichnet. 
Man findet Lagen regelmässig zwischen den Mergelschichten eingeschlossen , höchstens einen Zoll dick, 
wenn es Aragon ist, aber von körnigem Kalksteine bis über einen Fuss stark. 






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1 ) Handbuch der Mineralogie. 1813. S. 907. 

2 ) Leonhard's Taschenbuch. 1S10. IV. S. 350. 











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192 W. Haidinger. 

Die unzweifelhafte schichtenweise Abwechslung von Mergel und körnigem Kalkstein, der selbst 
dem grobkörnigen Kalksteine vom Fichtelberge im Baireuthischen gleicht, war Bouterwek besonders 
aufgefallen. Bouterwek deutete auf einen Uebergang von Aragon in Kalkspath hin, der möglicherweise 
stattfinden konnte , aber man war wohl damals nicht darauf vorbereitet , einen solchen wirklichen 
Uebergang durch Pseudo- oder Metamorphose in der Zeit zu ahnen, der in den letzteren Jahren von 
Gustav Rose durch Versuche nachgewiesen worden ist, und sich in anderweitigen Varietäten der 
beiden Species so häufig in der Natur gefunden hat. 

3. Der Sericolith aus Derbyshire. 
Der schöne seidenartig glänzende Faserkalk aus Derbyshire ist den Mineralogen längst unter der 



englischen sehr ausdrucksvollen Bezeichnung Satinspar 



Atlasspatl 



bekannt. Hausmann 1 ) hat 



dafür kürzlich den Namen Sericolith vorgeschlagen. Es ist Aragon, mit einem wenige Procente be- 
tragenden Gehalte an kohlensaurem Manganoxydul, gerade so wie dieselbe Spezies anderwärts eine 
kleine Menge von kohlensaurem Strontian enthält. Der Aragon ist zwischen den Schichten eines schwar- 
zen Thonschiefers abgesetzt, aber später im Verlauf der Festwerdung des Gesteines mehr zusammen- 
gedrückt, so dass die einzelnen Fasern in paralleler Richtung theils gleichförmig gekrümmt, theils nur 
geknickt erscheinen , und zwar so , dass sich deutlich die Richtung des in schiefer Stellung gegen die 
Schichtungsfläche stattgefundenen Druckes nachweisen lässt. An dem Schiefer an, und gleichfalls die 
katogene, reductive Natur des Fortschrittes beurkundend, ist zu beiden Seiten des Sericoliths Schwe- 
felkies in dünnen Lagen gebildet. Auch hier würde übrigens das Studium der natürlichen Lagerstätte 
gewiss manchen Schluss auf die gegenwärtige Beschaffenheit der Stücke begründen. 



IV« Duteii - Tlionsehief er. 



Im Zusammenhange in Bezug auf Bildungsgeschichte, wenn auch abweichend an chemischem 



Bestände möge hier noch eines dem 



eigentlichen Dutenkalke 



ganz ähnlichen Vorkommens gedacht 



keit ist so gross 



werden, welches von Nöggerath in der Nähe von Saarburg entdeckt und von demselben beschrieben 
worden ist 2 ). Er nennt diess Gestein der Aehnlichkeit wegen Tuten-Thonschiefer. Die Aehnlich- 

dass Nöggerath Hausmanns Beschreibung des Dutenkalkes von Görarp wört- 
lich anfuhrt , indem er ihn nicht besser zu beschreiben im Stande sei. Leicht zu unterscheiden ist er 
jedoch schon dadurch, dass auf den Absonderungsflächen sich überall ein zarter Ueberzug von Eisen- 
rahm findet. 

Nöggerath weist bei dieser grossen Uebereinstimmung der Texturverhältnisse auf die unver- 
kennbar gleichartige Bildung beider hin. Ob diese stalagmitischer Art ist, wie Hausmann für den 
Dutenmergel annimmt, will er gerade nicht in Abrede stellen, aber die Sache werde doch durch das 
Aut finden dieses Thonschiefers von ganz ähnlicher Textur etwas mehr problematisch. Der ,, Tuten- 
Thonschiefer" fand sich indessen leider nicht anstehend, sondern nur in grossen Stücken am Gehänge 
eines Thonschieferberges, zwischen vollkommen geradschiefrigen Thonschieferfelsen und Brocken, daher 
Nöggerath billig vermuthete, dass er Lager in diesem geradschiefrigen Thonschiefer bildet. 



!) Handbuch. 2. Aufl. II. S. 

2 ) Karstens Archiv. 1824. III. p. 197. Leonhard's Zeitschrift für Mineralogie. 1825. I. p. 366 










. * 















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193 







ff n Ii a 1 f. 



Vorwort 
I. Literatur 
IL Dutcnkalk . 
1. Banat 



2. Calvaria in Galizien 



3. Hildesheim . 
k. Görarpsmölla • 

5. Württemberg . 

6. Chilicote 
III. Faserkalk . . . 

1. Faserkalk mit Mei 



gelkegeln von Radoboj 



2. Faserkalk von der Porta Westphalica 

3. Der Sericolith aus Derbyshire. . . 

IV. Dutenthonschiefer 



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186 

187 
188 
189 



190 



191 
192 















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Denkschriften d. mathein. natunv. CI. 





























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195 



Ueber eine neue Varietät von Amethyst, 



Von Wilhelm Haidinger. 

wirklichem Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Mit einer Figur enta fei) 

(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch- naturwissenschaftlichen Classe am 6. Juli 1848.) 



ie Entdeckung eines neuen Fundortes von so manchen Mineralien gibt oft Veranlassung zur 



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Beobachtung neuer Erscheinungen. In dem gegenwärtigen Falle erhält die Beobachtung durch den Um- 
stand einen neuen Reiz, dass die Species selbst eine der wichtigsten für das Studium optischer Ver- 
hältnisse , die Varietät aber eine der schönsten ist , welche man bisher irgendwo gefunden hat , noch 
dazu aber ein vaterländisches Vorkommen, Schade dass bis jetzt es noch nicht gelang , die Krystalle 
in grösseren Mengen aufzufinden. 

Herr Alois Senoner in Hadersdorf am Kamp hatte einen Krystall von Amethyst an die ..Freunde 
der Naturwissenschaften'' eingesandt , über welchen der Bericht 1 ) Folgendes enthält : „Amethyst , ein 
grosser Krystall. schön gefärbt mit pseudomorphosenähnlicher Structur, mit weissem Quarz über- 
zogen, findet sich auf den Aeckern am Manhartsberge , eine Viertelstunde von Meissau rechts von 
der Poststrasse, die nach Hörn führt." 

In der That hatte der Krystall in jeder Richtung einen Durchmesser von zwei bis drei Zoll. Ge- 
gen die eine Seite zu erschien die freigebildete sechsflächige Spitze des Quarzoides, gegen die andere 
waren hin und wieder getrennt durch schmale Prismenflächen, die Zusammensetzungsflächen sichtbar, so 
dass man annehmen kann, der Krystall sei aus einer Druse herausgebrochen , endlich zu unterst Bruch- 
flächen , den Theilungsflächen nach dem Quarzoid parallel. Aber eine andere Bruchfläche , welche un- 
gefähr der Axe parallel durch den Krystall hindurch ging, zeigte eine gar merkwürdige Anordnung der 
Theile, von einander deutlich unterscheidbar im Innern dessen, was man ein Individuum zu nennen 
vorbereitet war. Der Längenschnitt Fig. 1, wobei jedoch die Abmessungen gleich gehalten sind, gibt 
ein Bild davon. An der Oberfläche bemerkt man zwei dünne Lagen von weissem Quarz, jede etwa eine 
Linie dick, die äussere durchscheinend weiss, von mattem Glänze wie Chalcedon, die untere porös, 
zwar auch farblos, aber in unmittelbarem Uebergange mit der nun folgenden Lage eines schön gefärb- 
ten Amethysts. Bei diesem Theile, gegen die Spitze zu, ist der Krystall immer ganz klar, tiefer unten 
bemerkt man aber die dem Amethyst so eigentümliche, ziemlich dickstän^Hche Zusammensetzung aus 

einzelnen Theilen , die sämmtlich nahe senkrecht auf den sechs Flächen des Quarzoides stehen , wel- 

senk- 

recht auf die einzelnen Zusammensetzungsstücke ist daher auch parallel den Quarzoidflächen, und ent- 
spricht der Lage, in welcher die färbende Materie beobachtet wird, derjenigen Lage auch, in welcher 
die Blättchen von rechten und linken Individuen in der regelmässigen Zusammensetzung gewisser 
Amethyste mit einander abwechseln, während doch die Abwechslung der kleinsten Theilchen gleich- 
zeitig auch parallel der Axe auf die Art stattfindet, wie es in der Fig. 2 dargestellt ist. 



chen sie zunächst liegend angetroffen werden. Die 



Querstreifuno: der Zusammensetzungsfläche 



*) Versammlung vom 29. October 1847. Berichte. Bd. III. S. 345. 



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196 



W. Haidin ger. 















Geren die Mitte zu zeigte sich der Amethyst überhaupt durchsichtiger. Um die Verhältnisse der 
Zusammensetzung* besser studiren zu können, liess ich senkrecht auf die Axe einen Querschnitt machen, 
und parallel demselben Platten von drei bis vier Linien Dicke abschneiden. Es erschien nun, wie in 
Fig. 3 ein wahrer Kern von schön durchsichtigem Amethyst, vollkommen krystallisirt , gegen aussen 
umgeben von sechs Abschnitten stänglich zusammengesetzter Structur, die selbst wieder in den Flä- 
chen welche den Linien von dem innern gegen das äussere Sechseck entsprechen, scharf aneinander 
abschneiden. In einem der Schnitte war die stängliche Rinde drei Viertelzoll , der Kern fünf Vier- 
telzoll dick. Dieser Kern ist indessen nicht durchaus von gleicher Ausdehnung; in dem oberen Theile 
des Krjstalls hatte er ungefähr anderthalb Zoll im Durchmesser, während die äussere faserige Ame- 
thystschichte ganz zurücktrat. 

Hier war es insbesondere, dass die eigentümlichen Farbenverhältnisse des Amethysts beobachtet 
werden konnten. Doch weichen die Erscheinungen einigermassen von jenen ab, welche Brewster in 
seiner classischen Abhandlung über den Amethyst 1 ) beschrieben hat, und die so vorzüglich deutlich 
an den brasilianischen Amethysten hervortreten, die lagenförmige Abwechslung nämlich von Thei- 
len rechter und linker Individuen, parallel dreien der den krystallographischen Flächen des sechs- 

sie im Querschnitte Fig. 2 dargestellt sind. Die Farbenerscheinungen 



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so wie 



des Amethystkrystalls von Meissau schliessen sich indessen genau an diejenige Austheilung derselben 
an, welche ich in einer Versammlung von Freunden der Naturwissenschaften am 8. Juni 1846 mitge- 
theilt habe 2 ). Sein vereinigen in mancher Beziehung, die von Brewster entdeckte Structur mit den 
aufgefundenen Farbeneigenthümlichkeiten , und erweitern diese noch, und das zwar mit einer so wun- 
dervollen Farbenpracht, dass eine Amethystplatte dieser Art ein wahrer Schatz für ein optisch-physi- 
kalisches Cabinet genannt werden muss. 

Die reinste Platte, welche ich untersuchen konnte, ist in ihrer natürlichen Gestalt und Grösse in 
Fi^. k abgebildet. Sie hat drei Linien Dicke. Die Fläche P ist eine natürliche gegen die obere Spitze 
geneigte Quarzoidfläche. Der ganze Raum f ist von einem gleichförmigen ziemlich lichten, aber schön- 
farbigen Violblau. Es erscheinen beim Durchsehen in der Gegend d die Streifen, welche von der 
oben erwähnten Zusammensetzung in Stängeln senkrecht auf die P Fläche herrühren. 

Die in demselben Amethystgrunde f gewissermassen keilförmig hineinragenden Zwickel «, b und c 
sind von einer viel dunkleren und gesättigtem Farbe. Jeder Theil für sich ist wieder sehr gleich- 
massig gefärbt, und anscheinend durchaus homogen, aber es erscheint beim Hindurchsehen in der 
deutlichsten Seheweite ein sehr auffallendes Wechseln der Farben von dunkelviolblauen , lichtrosenrothen, 
schiefergrauen und indigblauen Tönen, der unmittelbar einladet, die Untersuchung so fortzusetzen, dass 
man die Platte ganz nahe vor das Auge nimmt, und gegen einen gleichförmig gefärbten hellen, weissen 
oder graulichen Grund hinsieht. Ein weisser Papierbogen, das helle 
kenhimmels sind am vorteilhaftesten. 

Man sieht nun eine Erscheinung, welche genau an die schwarzen hyperbolischen Balken erinnert, 
die bei der Untersuchung zweiaxiger Krystalle im polarisirten Lichte entstehen, wenn die Polarisations- 
Ebenen senkrecht auf einander stehen, aber mit der Ebene der optischen Axen Winkel von 45° ein- 
schliessen, wie man diess so schön am Salpeter, Aragon u. s. w. sieht. Ich glaube auf sie, wenn 
mir auch die Angabe nicht durchaus ganz klar geworden ist, die folgenden Stellen in Brewster's 
Abhandlung beziehen zu sollen: „In vielen Stücken von Amethyst sind diese Adern (die parallel der Axe 
aneinander liegenden Platten rechter und linker Individuen) so ausserordentlich dünn, dass die zwei 
circulär-polarisirenden Structuren beinahe vollständig verschwinden , und die Krystalle dann ein Rin 



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*) On circular polarisation as exhibited in the optical strueture of Amethyst. Transactions of the Royal Society of Edinburgh. Vol. IX. 

1821. pag. 139. 
2 ) Ueber den Pleochroisraus des Amethysts. Naturwissenschaftliche Abhandlungen u. s. w. 18i7. Bd. I. S. 1. 























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Ueber eine neue Varietät von Amethyst. 



197 



System mit dem schwarzen Kreuz hervorbringen können. In jenen Platten, in welchen die circulären 
Farbentöne beinahe ausgelöscht sind, zeigt der Amethyst auf das deutlichste zwei resultirende Axen, 
welche gegen einander um einen Winkel zwischen drei und vier Grad geneigt sind." 

„Wie gewöhnlich in zweiaxigen Krystallen erschienen die schwarzen hyperbolischen Balken bei einem 
Azimuth von 45°, und verschiedene Farbentöne, analog denen absorbirender Krystalle, wurden innerhalb 
und ausserhalb dieser Balken bemerkt. Die Töne zwischen den convexen Scheiteln der hyperbolischen 
Balken waren zuweilen von einem d u n k 1 e n P u r p u r, in andern Platten rosenroth; während die Farbe 
innerhalb der concaven Scheitel schiefer!) laue oder rö thlich -weiss e Töne besass. Die Ebene der 
resultirenden Axen stand jederzeit senkrecht auf dem Radius des Sectors, der die zwei Axen zeigte *)." 

Brewster hat keine Zeichnung davon gegeben. 

Die beifolgenden Skizzen Fig. 6, 7 und 8 zeigen mehrere der Erscheinungen , so wie ich sie an 
der obigen Platte beobachtet habe. Die Fig. 6 stellt die Lage der Hyperbeln in den sämmtlichen drei 
dunkelgefärbten Keilen eines zusammengesetzten Krystalles dar, der Letztere ist dabei auf eine gleiche 
symmetrische Ausdehnung in allen Dimensionen gebracht. An dem Krystalle Fig. 4 besteht der untere Keil 
aus zwei Theilen a und a'. Auf gleiche Ausdehnung gebracht, ist er in Fig. 7 mit den zwei Hyper- 



beln dargestellt, welche in den beiden Theilen eine abweichende Lage haben. Endlich stellt Fig. 8 die 
Hyperbeln des einfachen Keiles A in der gleichen Stellung vor, um die Lage der Farben darin etwas 
deutlicher anzeigen zu können. Die Entfernung der Hyperbelscheitel fand ich bei jenen Platten Fig. 4 
im Keile c etwa 14°, doch ist die Messung keineswegs eine genügende zu nennen, da man keine 
festen Puncte zum Einstellen hat , sondern vielmehr die Farbentöne ganz in einander verschwimmen. 

Man bemerkt nun leicht, dass die Schenkel der Hyperbeln die Lage der Balken des zu einem 
einzigen Ringsystem gehörigen Kreuzes haben , welches , so nahe es die Schätzung zu urtheilen erlaubt, 
sich in der Richtung CD* der Seite des regelmässigen Sechseckes E I\ der Basis des Quarzoides vom 
Amethyst, und senkrecht auf dieselbe in der Richtung AB ausbreitet. Die Erscheinung selbst ist aber 
derjenigen ganz analog, welche der Andalusit, der Cordierit, der Epidot darbieten, nur dass man bei 
den letzteren die hellen und dunklen Räume zunächst an jeder der zwei Axen sieht, während hier das 
Ganze eigenthümlich durch die mit der Circulärpolarisation verbundene Farbenabsorption modificirt ist. 

Diese Erscheinungen zeigen sich im gewöhnlichen, nicht polarisirten Lichte. Die hyperbolischen Bal- 
ken sind dunkler als der Grund, auf dem sie sich darstellen. Der Grund zwischen den Scheiteln bei v 
Fig. 8 ist von dem schönsten röthlichen Violblau, das sich gegen beide Seiten P und Q zu in ein blas- 
ses Rosenroth verläuft. Die Räume innerhalb der Schenkel der Hyperbeln bei / v sind selbst blass rosen- 
roth. Der Farbenton verdunkelt sich wenig gegen Aussen zu , so dass er zuletzt ganz gleich wird mit 
dem hellergewordenen aus der Richtung r v r zwischen den beiden Hyperbel-Bogen. Diese Bogen selbst 
sind an den zwei Enden, oben und links bei b dunkelblau, an den zwei Enden unten und rechts bei #, 
sind sie dunkelviolet; die Farbentöne mischen sich an der dunkelsten dünnsten Stelle zunächst der Axe 



und der stärksten K 



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mung. Der Uebergang aus dem Blau und Violet der Schenkel gegen die Räume 



b> 63 Ö4, der Uebergang gegen 



innerhalb derselben geschieht durch blau 6, 

Schenkel an der Seite der Scheitel durch Violet v. v 2 v 3 1\. 



die Räume ausserhalb der 



*) In many speeimens of Amethyst these veins — are so extremely (hin, (hat the two circidarly polarizing struetures almost entirely 
disappear , and leave the crystal with the power of producing a System of rings with the hlack cross distinctly traversing them. 
In those speeimens where the circular tints are nearhj extinguished , the amethyst exhibits in the ?nost distinet mann er , two resul- 
tant axes , inclined to one another between three and four degrees. 

The black hyperbolic branches appear as is itsual in crystals with two axes, in an azimuth of 45°, and different tints, 
analogous tho those of absorbing crystals, were seen within and without these branches. The tints between the convex summits of 
the hyperbolic branches , teere sometimes of a deep purple, and in other speeimens of a pink hne j white the tints within the 
same coneave summits, were of a slaty blue or a reddish-white colour. The plane of the resultant axes ivas always perpendicular 
to the radius of the sector which exhibited the two axes. A. a. O. p. 142. 






































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W. H ai ding er 



Die Richtung der Polarisation stimmt ganz damit überein, dass durch den Centralpunkt v die einzige 
Axe der doppelten Strahlenbrechung geht. An jedem Punkte der Figur nämlich ist ein Theil des Lichtes 
in der Richtung des Hauptschnittes durch die Axe , also ordinär , ein anderer senkrecht darauf, also 
extraordinär polarisirt. Die einzelnen Farbentöne, welche man aufsuchen kann, sind so ungemein pracht- 
voll zu nennen, dass sie sich gewiss an die glänzendsten anreihen, die man in dieser so reichen Ab- 
theilung wissenschaftlicher Genüsse aufgefunden hat. 

Wenn man sie nach einander in der Ordnung der beigefügten Zahlen, gerade in den um 45° von 
einander abliegenden Radien durch die dichroskopische Loupe untersucht, so findet man die folgenden 
Farbentöne. Das nach Innen zu gezeichnete Bild stellt den ordinären Strahl O, das nach Aussen ge- 
zeichnete Bild stellt den extraordinären Strahl E vor. 



1. Oberer Schenkel . O violet 

2. Oberer rechter Axensector . 

3. Rechter Schenkel 



E blau. 



O dunkelviolet , in's Blaue . E hell rosa. 
O violet ...... E karminroth 



4. Unterer rechter Queraxense ctor O hell rosa E dunkelviolet, ohne Blau 



5. Unterer Schenkel . 

6. Unterer linker Axensector 



O violet ...... E karminroth. 



O dunkelviolet in's Blaue 



7. Linker Schenkel O violet 



E hell rosa. 
E blau. 



8. Oberer linker Queraxensector 



O hell rosa ♦ ♦...£ dunkelblau, ohne Violet. 



Es muss hier angemerkt werden, dass man am vortheilhaftesten diese Farbentöne so untersucht, 
dass man die Amethystplatte unverwandt vor dem Auge fest hält, und durch sie hindurch die in der 
zu beobachtenden Richtung gestellten zwei Bilder der dichroskopischen Loupe betrachtet. Die Gegensätze 
der Farben sind auf diese Art ungemein leicht aufzufassen. Man erhält freilich nur die Erschei- 
nung an einzelnen Puncten, aber an diesen sind sie gerade höchst auffallend. Will man die ganzen 
entgegengesetzten Bilder übersehen, so muss man die Turmalinzange oder ein Polarisationsinstrument 
überhaupt anwenden, aber dann erhält man nebstbei noch den Einfluss der zerlegenden Apparate selbst, 
welche die Farbenerscheinung noch complicirter machen, indem sich die Farben der Ringe dazugesellen. 
Die Betrachtung einer in der Richtung senkrecht auf die Axe der Hyperbeln linear-polarisirten Fläche durch 
den Amethyst gibt das Bild ungefähr so , wie die Betrachtung einer nicht polarisirten Lichtfläche, dunkle 
Hyperbeln in hellerem Grunde , nur dass man schon, so zu sagen, Einschnürungen in den dunkeln Schen- 
keln von rötherer Farbe wahrnimmt, die den Ringen entsprechen; noch mehr geschieht diess bei einer 
um 90 Azimutalgrade veränderten Stellung. 

In dem obigen Verzeichnis se erscheinen 1 und 7, oder die beiden auf der obern linken Seite der Axe 
der Hyperbeln MN von ganz gleicher Farbe, O violet, E blau, eben so sind die beiden Schenkel 3 und 5 
an der untern rechten Seite der Axe unter einander ganz gleich, O violet, E karminroth, aber von den 
vorhergehenden verschieden. Eben so wie die Doppelhyperbel von der Queraxe PQ der Gestalt nach 
in die zwei einzelnen Hyperbeln getheilt wird, eben so wird sie durch die Axe MN der Farbe nach 
in zwei entgegengesetzte einzelne Theile abgesondert, die Schenkel b und b sind blau, die Schenkel v und v 
violet. Der Gegensatz der beiden Seiten erscheint besonders auffallend in der Zerlegung der anscheinend 
ganz gleichen hellrosafarbenen Töne 4 und 8, das O ist in beiden ganz gleich hell rosa, aber das dunk- 
lere E ist in 4 dunkelviolet ohne blau , und in 8 dunkelblau ohne violet. Das Blau erscheint ganz gegen 
die Seite P zugedrängt , während das Violet sich auf Q zurückschlägt. In den beiden extraordinären Far- 
bentönen von 2 und 6 findet keine Verschiedenheit Statt, sie sind beide blaulich violet, die ordinären hell rosa. 

In der mit Fig. 8 oder Fig. 6 parallelen Stellung untersucht erscheint eine Plattein einer Richtung , 
etwa der Krystallfläche BA Fig. 6 , deren Projection hier gezeichnet ist, entsprechend betrachtet, ein 
dunkles Blau , welches in ein ordinäres Violet und ein extraordinäres Indigblau , immer bei senkrecht 

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gehaltenem Hauptschnitte durch die dichroskopische Loupe zerlegt wird. Senkrecht auf die Krystallfläche 















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Veber eine neue Varietät von Amethyst. 199 

betrachtet, ist die Farbe violet. Sie wird auf dieselbe Weise zerlegt in ein oberes ordinäres Violet und in ein 
unteres extraordinäres Karminroth. Zugleich bemerkt man aber eine lagenvveise Verdunklung der Farbe, 
so dass die Lagen der Fläche des Quarzoides selbst parallel sind ; senkrecht auf die Schichten erscheint 
Blau, in der Richtung derselben Violet. Bei den brasilianischen Varietäten, welche ich früher beschrieb 
hatte gerade das Entgegengesetzte stattgefunden, in der Richtung der Schichten waren die Krystalle mehr 
bläulich, zusammengesetzt aus O violet und E blau, senkrecht auf die Schichten und die P-Fläche waren 
sie mehr rothlich, zusammengesetzt aus O violet und E rosenroth (bis karmin- und kermesinroth). An den 
Krystallen von Meissau bemerkt man in den Theilen der Krystalle BRS parallel den grössern oder P- 
Flächen gar kein schichtenweises Gefüge, sie erscheinen durchaus gleichförmig oder homogen. Nichts- 
destoweniger zeigen sie wie die brasilianischen Krystalle senkrecht auf die P-Flächen das röthliche in der 
Richtung der P-Flächen das bläuliche Violet. Wenn also in einem solchen wie mosaikartig zusammenge- 
setzten Krystalle die ungleichen Theile BRS und BEF einander gegenüberliegen , so erscheint doch die 
Farbe, wenn auch dunkler in dem letztern Theile als in dem erstem, doch in ganz gleicher Richtun«" durch 
das Ganze hindurch, so dass man z. B. in einem Durchschnitte, wie Fig. 9, in jeder der TV parallelen 
Richtung, T x V, , T % U 2 u. s. w. röthlich violet , in jeder der VW parallelen blaulich violet beobachten 
wird. Auf diese Art haben dennoch die lichtem Theile der österreichischen Krystalle, wenn man auch 
darin die Farbenschichten nicht erkennt, doch genau die Lage und Geltung wie die gleichnamigen Haupt- 
theile, aus welchen die brasilianischen bestehen. Nebst der schichtenweisen Anordnung, parallel der Fläche 
P, sind aber die brasilianischen auch parallel der Axe sichtbar schichtenweise zusammengesetzt . so wie 
diess oben bei der Fig. 1 bemerkt wurde. 

In der Richtung des Hauptschnittes stimmen also die Haupttheile der Krystalle wie BUS, und die mo- 
saikartig eingefügten Keile, wie BEF in Bezug auf die angeführte Farbenaustheilung überein. Anders ist 

ikrecht auf die Richtung AB, also in der Richtung CD, oder RS untersucht. 



es, wenn man sie sei 



Es stelle Fig. 10 eine Platte aus dem Theile des Krystalls RF, Fig. 6, geschnitten vor. Die 



Untersuchung in der 



Richtung RR X gibt für die Farbe genau dasselbe Resultat, wie die Richtung 



SS, , man bemerkt nicht den geringsten Unterschied. Die Farben sind rein violblau, und da das Ganze 
nicht stark gefärbt ist, ohne besondere Kraft. Auch die (lichroskopische Loupe zeigt \veni«- Verschie- 
denheit, bei grösserer Neigung in der Ebene RSR,S, sei es, aufweiche Seite immer, wird das 
extraordinäre Bild etwas dunkler als das ordinäre, welches durchaus seine Färbung* beibehält. 

Ganz verschieden davon zeigt Fig. 11 in der Richtung DD X begreiflich die Farbe des linken 
Hyperbelschenkels der Fig. 8 oder blau, während CC t die Farbe des rechten Hyperbelschenkels oder 
röthlich violblau darbietet. 

Wendet man eine dünne Platte an, etwa nur drei Viertel-Linien dick, so sind die Farbentöne 
natürlich viel schwächer, aber man gewinnt einen grösseren Gesichtskreis, indem man eine solche 
Platte viel stärker gegen die Sehaxe neigen kann, während sie doch noch ihre Durchsichtiffkeitsfarbe zeio-t. 

Vorzüglich ist diese Verschiedenheit auffallend, wo ein solcher Keil oft symmetrisch in der Mitte 
zusammenstossend aus einem rechten und einem linken Theile besteht, wie bei dem Ausschnitte Fi»-. 7. 

Ö 

Hier ist ein Rechts und Links in einem mächtigen und glänzenden Farben^e^ensatz ausge- 
drückt. Wenn nun auch diese keilförmig eingeschobenen, dunkler gefärbten Theile aus übereinander lie- 
genden Platten bestehen, so müssen diese Platten doch wohl nothwendiff aus lauter gleichnamigen 
nämlich entweder bloss aus linken, oder bloss aus rechten bestehen. Gegentheils muss eben die 
Beobachtung an der Fig. 10, dass die Farben RR, und SS, einander gleich sind, daraufhindeuten, 
dass die aufeinanderliegende Platte linke und rechte übereinander sind, die sich nahe das 
Gleichgewicht halten. 

Die Keile von homogener Natur zu dreien oder zu drei Paaren mit einem Hauptkörper von schichtenar- 



tiger Zusammensetzung wurden bereits von Brewster bei den brasilianischen Amethysten trefflicl 



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unterschieden, und bis in mannigfaltige weniger symmetrische Verwachsungen, wie sie so gewöhnlich nur 
in der Natur vorkommen, verfolgt. Die Natur der hyperbolischen Balken und ihrer Farbentöne hat er 
damals nicht weiter verfolgt. Auch bei meiner späteren Darstellung der pleochromatischen Verhältnisse 
des Amethysts fehlte noch die höchst anziehende Erweiterung der Beobachtungen, welche es möglich 
war, an der schönen Varietät von Meissau anzustellen. 

Ihre Gestalt selbst ist, in Verbindung mit der Farbenerscheinung, nicht die, welche sich auf zwei- 
axige Krystalle zurückführen lässt, im Gegentheile zeigt sie, wie es Fig. 8 unzweifelhaft beweist, ge- 

den Charakter der circulären Polarisation des Quarzes, oder den gyroidischen Charakter aller 
optischen und krystallographischen Erscheinungen, welche diese höchst eigenthümliche Species darbietet. 

Man hat also hier rechte, man hat linke Individuen, welche aber soll man durch Rechts, welche 
durch Links bezeichnen? Ist das eine angenommen, so ist das andere klar, aber man muss jenes erst 



nau 



willkürli ch festgesetzt haben. 



Dasselbe ist mit den rechten und linken Ber^krystallen selbst der 



ge- 



Fall. Aber auch bei diesen haben sich schon die Autoritäten getrennt. Hier, wo ich nur die Erschei- 
nungen der neuen Varietät von Meissau zu beschreiben beabsichtigte, kann wohl eine weitere Aus- 
einandersetzung, obwohl sie schon recht wünschenswerth ist, übergangen werden-. 

Die Ursache der Erscheinung ist jedenfalls dieselbe wie die, welche als Erklärungsgrund für die 
ganz übereinstimmende, durch die drei Theile der brasilianischen Krystallen Fig. 2, welche den Haupt- 
theilen wie RSX Fig. 6 an den Meissauer Amethysten entsprechen, wahrzunehmende in der Mittheilung : 
„lieber den Pleochroismus des Amethysts ■)" gegeben wurde, nämlich die Polarisation und Zerlegung 
der Farben durch die gleichzeitige Wirkung der circulären Einwirkung des Krystalls selbst und der 
schichtenweisen Structur der einzelnen Theilchen, das letzte von Biot „Polarisation lamellaire" 
nannt. Dort erscheinen, wenn man linearpolarisirte Lichtflächen betrachtet, symmetrische blaulich- 
violette Kreuze mit blassröthlichen Räumen oder röthliche Kreuze mit etwas dunkleren blaulich-violet- 
ten Räumen, das Ganze höchst zart in verschwimmenden Tönen ausgeführt, hier werden bei dunklerer 
Färbung nach Farbe und Gestalt dunkle gyroidische Kreuze, aber schon im gewöhnlichen Licht 
viel stärker hervortretend beobachtet. Die Schichten, welche jene hervorbringen, bestehen aus abwech- 
selnden rechten und linken Individuen, die Schichte, welche diese hervorbringen, bloss aus rechten 
oder bloss aus linken Individuen. 

Wenn es mir auch bis jetzt einiger Versuche ungeachtet noch nicht gelungen ist, eine grössere 
Menge von Krystallen beizuschaffen, so zweifle ich doch nicht an einem späteren günstigen Erfolge. 
Ohne Zweifel kommen sie auf Gängen vor, und zwar nach den darüber eingezogenen Erkundigungen 
in Granit, aber der grösste Theil der anzutreffenden Stücke zeigt nur die schalenartige Ueberiagerung 
von Schichten von weissem Quarz und von Amethyst in unscheinbarer stänglieher Zusammensetzung. 
Die grösseren Krystalle müssen aus Drusen in den Gängen stammen, die daher aufzusuchen wären. 
Der Amethvst von Meissau ist ein neuer Fund, aber schon Stütz *) kannte einen ganz ähnlichen 
Amethyst von Eggenburg, von dem sich Stücke im k. k. Hof-Mineralienkabinete linden. Eggenburg liegt 
nördlich von Meissau, beide im Gneissgebirge , aber es kommt eine Granitpartie zwischen beiden vor. 
Aus der Verlassenschaft des Grafen Razoumoffsky kam durch die freundliche Gabe des Herrn L. 
v. Scala eine schöne Amethystvarietät in den „fortilicationsartig gebrochenen' Farbenzeichnungen, 
angeschliffen in das k. k. montanistische Museum. Der Fundort ist Namiest in .Mähren, wenn auch ent- 
fernter, doch in einem zusammenhängenden Gebirgszuge mit den vorhergehenden. Man sieht, dass 
eine zweckmässig eingeleitete Nachforschung gute Aufschlüsse über das Vorkommen geben könnten, 
die indessen hier nur angedeutet werden mögen. 



*) Naturwissenschaftliche Abhandlungen. I. Band S. 9. 
2 ) Oryktographie von Unterösterreich. S. 295. 




















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201 












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Beiträge zur Keimtniss der fossilen Fische Oesterreichs. 

Von Joh. Jae. Heckel, 

wirklichem Mitglied e der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 

(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisc h - naturwissens chaftli ch e n Classe am 11. Jänner 1S49.) 



Abhandlung I. 



(Ch iro centrites 



Pimelodus.) 



CHIROCENTRITES. 



Ord« Physostomi 



Fant. Mlalecidae. 



Drei fossile Teleostier, welche wir hier, nach sorgfältiger Untersuchung, der wissenschaftlichen 
Welt als bisher unbekannte Arten vorlegen, bilden einer ganz eigenen Combination von Characteren 



zu Folge eine besondere Gattung, die wir mit dem Namen Chirocentrites bezeichnen, über deren 
Verwandtschaft mit anderen Gattungen und Stellung im Systeme wir einige wenige Worte voranzu- 
schicken uns genöthigt sehen. 

Jeder Palaeontologe , der, ohne Zoologe zugleich zu sein, sich bei seinen Bestimmungen bloss 



durch 



eine 



zur 



oberflächliche Anschauung leiten Hesse, würde unsere Fische, im glücklichsten Falle als 
Gattung Thrissops Agass. gehörige betrachten. Durch die Tafel 65. a. des zweiten Bandes 



fossiles 



n 



Lesinaer- Kalkschiefer dürften, obschon generisch verschieden, immerhin noch nahe genug 
mit einander verwandt sein, um über die Ganoiden-Nditur des Ersteren , besonders da man dessen 
Wirbelkörper als vollkommen knöchern ansehen muss, ernstliche Zweifel zuzulassen, welche auch 

zu theilen scheint. Dem 



ß 



28.) 



sei aber wie ihm wolle, unser Chirocentrites ist nun einmal und zwar hauptsächlich durch die merk- 
würdige Gliederung seiner Flossenstrahlen, fundamental von Thrissops verschieden und stellt sich nach 
allen erlasslichen Characteren als wahrer Teleostier dar. 

Merkwürdig dabei bleibt es aber, dass unsere beiden Arten, Chirocentrites Coroninii und Chi- 
rocent. gracilis, aus dem bituminösen Kalkschiefer des Karstes, gerade einem rezenten Fische, dem 
Chirocentrus Dorab Cuv. sehr nahe stehen , der sowohl durch seine Spiralklappe x ) im ganzen Ver- 



*) Nach einer späteren freundschaftlichen Mittheilung meines verehrten Collegen Herrn Professor Hyrtl, bildet der Klappenapparat im Mittel- 
und Afterdarme des Chirocentrus Dorab keine Spiralklappe, sondern besteht in einer Folge von 61 ringförmigen, sehr niedrigen 
Schleimhautfalten , welche aber nicht wagerecht in die Höhle des Darmrohres vorspringen , sondern die Achse desselben in schiefer 
Richtung schneiden. Jeder Hing bildet sonach ein Oval. Die schiefen Linien, die man bei äusserer Besichtigung des durchscheinenden 
Darmkanals bemerkt, und die für Anheftungsstellen einer fortlaufenden Spiralklappe gehalten wurden, kehren an denselben Punkt 
zurück, von welchem sie ausgingen (Mesenterialrand des Darmes). Zuweilen hängen zwei Nachbarringe durch eine senkrechte Schleim- 
hautlalte unter einander zusammen , oder es theilt sich ein Ring gabelförmig und nimmt in der Oeffnung der Gabel seinen eigenen 
Anfangspunkt auf, oder die Gabel geht durch Convergenz ihrer Aeste wieder in eine einfache Falte über, oder es bleibt Anfang und 
Ende eines Ringes weit von einander entfernt, wodurch die Ringfalte zur halbmondförmigen wird. Ich sehe an einem eben vor mir 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



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202 



Joh. Jac Heck eh 



dauungskanale , als durch die zellige Schwimmblase an die Familie der Amiaden grenzt, eine kleine 
Abtheilung der Ganoiden, zu welchen gegenwärtig Thrissops salmoides gerechnet wird. Chirocentrus 
Dorab ist jedoch kein Ganoid; dazu fehlen ihm, nach eigener Untersuchung die Klappenreihen in dem 
noch dazu nicht muskulösen Arterienstiel des Herzens und wahrscheinlich auch das eigenthümliche 
Chiasma der Sehnerven. 

Valenciennes (in seiner Histoire naturelle des poissons Tome 19) erkannte bereits in der 
Gattung Chirocentrus den Typus einer noch vereinzelt stehenden kleinen Familie. Wir theilen hierin 
vollkommen seine Ansicht und glauben auch nebst unserer Gattung Chirocentrites die mit ihr ver- 
wandten fossilen Fische, unbedenklich dahin rechnen zu dürfen, zunächst dürfte aber noch diese Fa- 
milie ein natürliches Bindeglied zwischen den Hauptordnungen der Teleostier und Ganoiden abgeben; 
nur lassen sich bei den Fossilen leider nicht jene von Müller angegebenen fundamentalen Unterschiede 
benützen, welche die lebenden Repräsentanten dieser Hauptordnungen so scharf charakterisiren. 

Was die Aufstellung der Familie der Amiaden in Giebel's Fauna der Vorwelt (Leipzig 1848) 
betrifft, worin Fische, die sämmtlich älter sind als die Kreide, mit einer jetzt lebenden Art zusammen- 
gestellt werden, so bemerken wir nur gelegentlich, dass nach den bisherigen Beobachtungen es noch 
nicht vorgekommen ist, eine in einer der älteren Schichten unserer Erdrinde untergegangene natürliche 
Familie mit Uebergehung aller nachfolgenden Perioden erst in der Jetztwelt wieder auftauchen zu 
sehen. Die natürliche Familien - Verwandtschaft der mit unserer jetzt lebenden Amia vereinigten 
fossilen Fische dürfte daher sehr in Zweifel gezogen werden. Ferner dürfte der dort eingeschaltete 
Thrissops formosus (vielleicht noch einige andere nahe Arten) mit unserem verwandten Chirocen- 
trites und dem rezenten Chirocentrus Dorab in die, letzterem von Valenciennes angewiesene, 
Zwischenfamilie, oder eigentlich in die Agassizische grosse Familie der Haleciden, mithin noch zu den 



Teleostiern gehören; die eigentlichen Amiaden dagegen (nämlich Amia und Albida oder Butirinus) 
nur der Jctztwelt eigen sein. Man müsste in diesem Falle dann freilich zugestehen, dass einige Te- 
leostier etwas früher auftraten als die Kreide und bereits im oberen Juragebilde ihr Grab fanden. 
Es sind diess indessen nur bescheidene Ansichten, welche keinesweges weit umfassenderen und aner- 
kannten Erfahrungen entschieden entgegen treten sollen. 

Unsere Chirocentriles-Arten reihen sich, wie gesagt, zunächst an die jetzt lebende Gattung Chiro- 
centrus Cuv. an, allein auch Elops ist mit ihnen wesentlich verwandt. Ersterem gleichen sie an Körper und 
Mundlorm, in den Suborbitalknochen, in der Wirbelsäule und in Gestalt und Stellung der Flossen, letzterem 
in der Kiemenstrahlen-Anzahl, in dem merkwürdigen unpaaren Knochen vor denselben, in der Gestalt 
des Vordeckels und in der so ausgezeichneten gezähnten Gliederung der einfachen Flossenstrahlen, 
welche uns noch von keinen anderen Fischen der Jetzt- und der Vorwelt bekannt ist. Unter den 
fossilen Fischen gleicht Chirocentrites unstreitig dem Thrissops, und zwar dem Thrissops formosus 



in Körper und Mundform , in dem Mangel blinder Flossenträger zwischen 



den oberen Dornfortsätzen 



in der Gestalt der Wirbelkörper und der Basis ihrer Vertikalapophysen , in den Umrissen und der 



Stellung der Schuppen und Flossen. Ei 



in eigenthümlicher Charakter, welcher ferner Chirocentrites 



r grosserer 



von Chirocentrus, Elops und Thrissops zugleich unterscheidet, liegt in der Anheftung einige 

oberer Bandstrahlen der Schwanzflosse an die Unterhälfte der vorletzten Schwanzwirbel. Wir stellen nun 

■ 

folgende Charactere als Gattungskennzeichen auf und berücksichtigen, um für jetzt unnöthige generische 
Trennung zu vermeiden, Unterschiede im Zahnbau erst später, als ein bloss specifischcs Merkmal. 



liegenden Darme einer Alausa finta dieselben 
d. vergl. Anat. pag. 92), dass bei Chtpra 
(Histoire nat. des poissons T. 19 Pag. 151) 
Neues ist. 



ringförmigen vollständigen oder unvollständigen Falten, und lese in Stannius (Lehrb. 
gleichfalls Ringlalten im Darmkanale vorkommen — somit die von Valenciennes 
bemerkte Bildung bei dem Chir. Dorab weder etwas Besonderes noch überhaupt etuas 



Im Bulbus der Kiemenarterien fehlen die mehrfachen Klappei, reihen und finden sich nur die gewöhnlichen zwei Valvulae 
semilunares der Knochenfische. 



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Beitrüge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



203 



CHIROCENTRITES 



Gattungs-Char acter. 

Gestalt langgestreckt (wie an den Gattungen Chirocentrus , Thrissops. *) 

Mund aufwärts gespalten; Oberrand S-förmig gebogen, durch einen kleinen Zwischenkiefer- und 
säbelförmigen Kieferknochen gebildet. 

Zähne konisch, in eine einfache Reihe gestellt, die vorderen länger, die hinteren sehr klein. 

Kiemenstrahlen zahlreich, zart; vorn mit einem, an die Symphyse des Unterkiefers angehängten 
unpaaren Knochenstäbchen in Verbindung (wie an den rezenten Gattungen Elops, Megalops, Amia). 

Suborbitalkno eben gross und sehr dünne, die ganzen Wangen bedeckend (wie an Chirocen- 
trus , Elops). 

Vor deck el rückwärts dreieckig, gezähnelt. 

Wirbelsäule schlank; die Wirbelkörper kurz zahlreich (54 bis 64), mehr abdominale als cau- 

dale, mit langen Vertikalapophysen ohne Träger vor der Rückenflosse ; langen dünnen, von einer 

Furche durchzogenen Rippen und sehr vielen langen Muskelgräthen. 
Unget heilte Flossenstrahlen sehr schief und sehr kurz gegliedert; alle Gliederungsränder mit 

vielen regelmässigen Zähnchen versehen, die genau in einander greifend, gleichsam eine Naht 

bilden (wie an Elops). 
Brustflossen tief unten stehend, mit wenigen breiten Strahlen (wie an Thrissops). 
Bauchflossen mitten stehend, sehr kurz (wie am Chirocentrus, Thrissops). 

Ilückenflossenbasis kurz, weit hinten über der Analflosse stehend (wie an Chirocentrus, Thrissops). 
Afterflossenbasis sehr lang, die vorderen Strahlen einen Lappen bildend (wie an Thrissops). 
Schwanzflosse tief gespalten, ungleichlappig; die längeren oberen Randstrahlen auf der Unterseite 

der vorletzten Schwanzwirbcl angeheftet. 
Schuppen massig gross, zart, abgerundet, ohne Radien. 



stumpf 



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Cliirocentrites Coroninii. 

Taf. XIII. u. XIV. 

der Fischlänge. Zwei Mittelzähne des Zwis 



iefers lang und vorwärts 
y fer. 33 Abdominal- und 



gestreckt (wie an Chirocentrus), starke Fangzähne am Unterki 

28 Caudalwirbel. Rückenflosse mit 5 ungetheilten und 10 geth eilten Strahlen. Afterflosse 

mit 5 ungetheilten und 20 getheilten Strahlen. Bauchflossen mit einem breiten Knochenstrahl. 

Beschreibung. 

Der Kopf, dessen sanft ansteigendes Stirnprolil beinahe schon am Hinterhaupte die grösste Höhe 
der wagrechten Rückenlirste erreicht, ist siebenmal in der ganzen Länge des Fisches, wenn man 
sich die Schwanzlappen als gerade ausgestreckt denkt, enthalten. Zugleich ist diese Kopflänge der 



l ) So oft von der Gattung Thrissops die Rede ist, ist jedesmal nur der Typus derselben: Thrissops formosus Agass. darunter ver 
standen. 

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204 



J oh. Jac. Hechel. 



grössten Körperhöhe, über den Bauchflossen, gleich. Der dicke Unterkiefer mit vorragendem Kinne 
trägt auf seinem Rande eine Reihe starker spitz-konischer Zähne, wovon die mittleren beiden, der 



zunächst folgenden aber viel lä 



mger sin 



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wovon die stärkeren auffallende Anschwellungen des Kieferknochens zur Basis haben. 



Symphyse zunächst stehenden kürzer, die an jeder Seite 
Letztere (Fangzähne) nehmen dann bei geschlossenem Munde die oberen noch grösseren und vorwärts 
gestreckten Mittelzähne des Zwischenkiefers zwischen sich auf und ragen über den oberen Maxillar- 
rand nach aussen hervor. Nach den Fangzähnen folgen zwar kürzere aber ebenfalls starke Zähne. 
Die Zähne am Oberkiefer sind durchgehends schwächer als am Unterkiefer, bis auf die beiden langen 
Mittelzähne des Zwischenkiefers, welche beinahe cylindrisch und vorwärts gerichtet sind; gleich hinter 
ihnen scheinen kleine Zähnchen zu fehlen, denn sie beginnen erst da wo der eigentliche Kiefer- 
knochen den S-förmigen Mundrand zu bilden anfängt, nehmen allmälig bis zum siebenten Zahne, der 
nach der Mitte des convexen Bogenrandes steht, an Grösse zu, werden am nachfolgenden concaven 
Rande kleiner, mit dem abermals convexen wieder etwas grösser und verschwinden darnach am abge- 
rundeten unteren Rande in unmerklicher Kleinheit gänzlich. In Allem sind 29 — 30 Zähne am Ober- 
kiefer sichtbar, 

Die ovale Augenhöhle, deren Länge - Diameter % der Kopflänge gleicht, liegt hoch am 
Kopfe , so dass ihr Oberrand beinahe das Stirnprofil berührt , während der Hinterrand nicht bis auf 
die Mitte der Kopflänge zurückreicht. Gewöhnliche Rudimente vom Os sphaenoidum und pterygoideum 
sind darin zu erkennen. 

Von den Unteraugen knochen sind nur äusserst zarte Eindrücke mit Mühe noch erkenntlich, 
ihre bestimmte Anzahl lässt sich daher nicht angeben ; so viel ist aber deutlich , dass sie die ganze 
Wange bedecken und an ihrem unteren Rande sehr fein gezähnelt sind. Der Erste legt sich an den 
ganzen Hinterrand des Maxillarknochens an und überdeckt ein wenig das untere Ende desselben. Der 
Zweite nimmt den grösseren Theil der Wange ein und berührt zugleich den Vordeckel. Zwischen 
dem abgerundeten unteren Rande des Ersten und dem mehr zugespitzten des Zweiten tritt ein Theil 
des ziemlich starken, flach gefurchten Quadratbeins hervor, an welches der Unterkiefer sich in ge- 
wöhnlicher Weise anlenkt. Noch sieht man auf den Wangen mehrere kurze Leisten aus der Fläche der 
Suborbitalknochen hervortreten, die in paralleler Richtung sämmtlich schief aufwärts laufen; wir ver- 
muthen, dass sie von langen knöchernen Zähnen der äusseren Kieme herrühren mögen, die dann 
eben so stark sein müssten wie an Chirocentrus. An der nachfolgenden Species wenigstens findet 
sich diese Vermuthung bestätiget. 

Der Vordeckel liegt mit seinem Vorderrande im zweiten Drittheile der Kopflänge und bildet 
einen sehr stumpfen Winkel. Aus seiner hinteren Hälfte wendet sich ein flacher zarter Flügel, in 
Gestalt eines gleichseitigen Dreieckes mit der Spitze nach rückwärts; sein hinterer Rand, vom 
Vordeckel zur Spitze ist concav ; sein unterer wagrechter Rand , durch scharfe vorwärts gerichtete 
Zähnchen, fein gesägt. Der Deckel ist gross, oben unter dem Zitzbeine etwas einwärts gebogen, 
hinten abgerundet und am unteren Rande, wie noch deutliche Spuren in dessen Mitte beweisen, sehr 
zart gefurcht und gezähnelt. Der kleinere Unterdeckel setzt die Rundung des Deckels fort, seine 
Grenze gegen den Zwischendecke] aber ist nicht zu erkennen. 



Unter der 




des Unterkiefers werden zarte Eindrücke zahlreicher dünner Kiemen- 



strahlen bemerkbar, wovon die vordersten sehr kurz sind und die weiter hinten befindlichen sehr 
aneinander liegen. Es müssen an jeder Seite wenigstens über 20 Kiemenstrahlen gewesen seyn, die 
gerade wie bei der Gattung Elops hinter jenem so eigentümlichen unpaaren Knochen, der sich 
gleich einem dritten und mittleren Schenkel des Unterkiefers, an dessen Symphyse anhängt, beginnen. 
Wir gestehen, dass es uns nicht möglich gewesen wäre , diesen merkwürdigen unpaaren Knochen an ge- 
genwärtigem Exemplare mit genügender Bestimmtheit zu erkennen, wenn derselbe nicht an einer der 
vielen Platten unseres nachfolgenden Chirocentrites microdon so rein und deutlich erhalten wäre. 





















































Beiträge zur Kenniniss der fossilen Fische Oesterreichs 



205 



Die oberen Kopfknochen sind sehr zerbrochen und nicht ganz in ihrer ursprünglichen Lage erhal- 
ten. Die offenbar schmale Stirn e wurde während Erhärtung der Steinmasse, die sie umgibt, etwas 
nach links umgewendet, daher jetzt eine weit rückwärts reichende Randleiste des rechten Stirnbeins 
scheinbar das Hinterhauptprofil darstellt und wie der Kamm des Os impar an Scombriden aussieht. 
Vom linken Os occipitale externum ist der Bogen des oberen Schulterblattstückes herabgerutscht und 
als Rudiment deutlich kennbar. Die starke Scapula aber mit dem oberen Theile des Humerus ist 
vorzüglich wohl erhalten; crstere überdeckt den dritten und vierten Wirbel, von dem letzteren und dem 
Elbogenbeine bemerkt man die hinterlassene Vertiefung, die, obschon sehr seicht, eine dreieckige Fläche 
darstellt, deren gegen die Kiefer-Einlenkung vorgeschobene Spitze von den hinterlassenen Eindrücken 
der dünnen Kiemenstrahlen gefurcht erscheint. 

Die Wirbel reihen sich nach dem Vordeckelrand, hinter welchem noch ein Theil der seitlichen 
Hinterhauptsbeine hervortritt, an den Schädel an; sie sind im Allgemeinen massig stark und etwas höher 
als lang. Die ersten sind die kürzesten und die folgenden nehmen nur sehr allmälig an Grösse und ebenso 
an verhältnissmässiger Länge und Höhe zu. Ueber dem Anfange der Analflosse, wo sie ein Fünftel der 
Unterkieferlänge erreichen, werden sie am grössten; gegen das Schwanzende nehmen sie eben so all- 
mälig wieder ab, nur mit dem Unterschiede, dass sie dabei verhältnissmässig länger werden als hoch. 
Im Ganzen besteht die schlanke Wirbelsäule aus 61 Wirbeln, wovon die 33 abdominalen jederseits der 
Länge nach mit zwei Hauptleisten, dann die 28 caudalen, an denselben Stellen, mit nur einer Hauptleiste 

versehen sind. 

Alle oberen Dornfortsätze, mit Ausnahme der 5 — 6 letzten, welche mehr in der Mitte 
stehen, sitzen am Anfange jedes Wirbelkörpers; sie sind lang, schlank und erreichen die Rückenfirste. 
Die vorderen neigen sich in einem Winkel von beiläufig 45 Grad rückwärts, die nachfolgenden verlän- 
gern sich bei einer allmälig mehr geneigten Richtung, werden dünner und nehmen von der Rücken- 
flosse sogar jene an Clnpeen bekannte etwas S-ähnlichc Biegung an. Nach der Rückenflosse nimmt 
ihre Neigung rasch zu, sie werden dabei immer geradliniger und die letzten legen sich, wie an Lepto- 
lepis Knorrii, beinahe der Länge nach an die Wirbelkörper an. Die unteren Caudalap o ph ysen 
sind über der ganzen Länge der Analflossenbasis länger als die entsprechenden oberen und auch mehr 
S-förmig gebogen als diese, nach der Analflossenbasis dagegen kürzer als die oberen und noch mehr 
die Wirbelkörper anliegend. Die Anheftung sowohl der oberen als unteren Dornfortsätze an die 



an 



Wirbelkörper geschieht 



n 



darstellte. Die oberen Apophysen haben nämlich an ihrer Basis zwei kurze wagrechte Spitzen (Gelenk- 
fortsätze) ? wovon die eine nach vorn über die Gelenkanschwellung des vorhergehenden Wirbels, die 
andere rückwärts reicht. An den unteren Apophysen fehlen die hinteren Gelenkfortsätze. 

Wir zählen 30 Paar Rippen (die ersten 3 Wirbel haben keine), welche sämmtlich mit Ausnahme 
der hintersten vier, ein wenig kürzeren Paare, bis zum Kiele des Bauches reichen; sie sind schwach 
wie an allen Haieeiden; was sie auszeichnet ist eine Längsfurche, die sie auf beiden Seiten durchzieht, 
so dass sie wie doppelt aussehen. Ueber jeder Rippe sitzen am Vorderrande des Wirbels ein Paar lange 
Muskelgräthen, an den vordersten Wirbeln sind es sogar zwei Paare; alle sind schief aufwärts gewen- 
det, so dass sie sowohl durch ihre Lage als durch ihre Menge die Basis der Rückenapophysen , bis 
über die Bauchflossen hin , gänzlich überdecken. 

Die Brustflossen sitzen, wie gewöhnlich bei dieser Familie, ziemlich weit unten am starken 



Schultergürtel an. 



Unser Exemplar zeigt leider nur Rudimente der linken Flosse , die jedenfalls 



nicht länger als der Kopf gewesen zu sein scheint; ihre Spitze fehlt, weder Gliederung- noch Strahlen- 
anzahl lassen sich mehr erkennen , in Allem sind fünf übereinander geschobene Strahlenrudimente be- 
merkbar, deren erstes ungeteiltes stark und flach ist. Von dem der Gattung Chirocenlrus eigenen Kno- 
chenstücke, welches gleich einer Beiflosse an der Achsel der Brustflosse sitzt, ist hier keine Spur vorhanden. 




























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Was sie aber vorzüglich 



206 Jolu Jac- Hechel. 

Die Bauch flössen sind in der Mitte des Fisches (ohne der Schwanzflosse), senkrecht unter 
dem 29. Abdominalwirbel, an ein kurzes dreieckiges Becken angeheftet und stehen der Afterflosse 
um die Hälfte näher als den Brustflossen; ihre Strahlen dürften (sie sind nicht ganz erhalten) nicht 
länger als der eigentliche Deckel im engeren Sinne, gewesen sein. 

auszeichnet, ist die Gestalt und die Zertheilung der vorderen Strahlen. Jeder derselben (die Platte 
zeigt uns sowohl den ersten Strahl der linken als der rechten Flosse) ist sehr breit, besonders 
nach seiner Mitte hin, wo die Zertheilung an seinen hinteren zwei Drittheilen stattfindet. Keine Spur 
einer Gliederung, die ganz sicher erst gegen das leider erloschene Ende eintrat, ist bis hierher auf 
der glatten Fläche sichtbar und die Zertheilung selbst ist so fein und dicht, dass der ganze Strahl 
dem freien Auge wie eine breite ungeteilte Klinge erscheint, die selbst unter der Lupe durchaus 
keine eigentliche Dichotomie wahrnehmen lässt. Die Anzahl der nachfolgenden Strahlen bleibt einst- 
weilen unbestimmbar, denn es ist an der Flossenbasis nur noch das Rudiment eines einzigen bemerkbar. 
Die Rückenflosse beginnt mit dem letzten Fünftheile der Fischlänge (ohne Schwanzflosse) 
senkrecht über dem 15. Caudalwirbel und wird von 14 Trägern getragen. Der erste derselben 
nimmt zwei sehr kleine Strahlen auf, ist kurz, dick und ragt wie ein kleiner Dorn beinahe wagrecht 
nach vorwärts; die folgenden längeren und schwächeren schieben sich kaum etwas zwischen die 
Dornfortsätze von vier Wirbeln ein, so dass der Dornfortsatz des 14. Caudalwirbels schon der letzte ist. 
welcher die Rückenflosse unterstützt. Die Flossenbasis ist daher kurz, sie gleicht nicht ganz einem 
Drittheile der Kopflänge oder 3% Wirbellängen unter ihr ; der obere Flossenrand ist schief abgestutzt, 
die längsten Strahlen sind um ein Drittheil länger, die letzten um % kürzer als die ganze Flossenbasis. 
Diese enthält im Ganzen 15 Strahlen, davon liegen die fünf ersten dicht aneinander, verlängern sich 
stufenweise und sind ungetheilt, die zehn nachfolgenden dagegen wie gewöhnlich vielfach dichotom. Die 
eigenthümliche Gliederung des längsten ungetheilten Strahles verhält sich genau so, wie sie nachfolgend 
an dem vorzüglich gut erhaltenen Strahle der Analflosse angegeben wird. Hier fängt diese Gliederung über 
dem ersten Drittheile des Strahles an und bildet ungefähr 12 einzelne Glieder bis zu dessen Ende. 

Die Basis der Afterflosse enthält ein Viertheil der Gesammtlänge des Thieres (ohne Schwanz- 
flosse), sie fängt mit dem letzten Drittheile dieser Länge, senkrecht unter dem sechsten Caudalwirbel an 
und endigt um etwas weniger als eine halbe Kopflänge vor der Schwanzflosse, senkrecht unter dem 

Die längsten rei- 
chen bis über die Hälfte an den Wirbelapophysen hinauf, nehmen aber gerade so wie ihre entsprechen- 
den Flossenstrahlen selbst bedeutend an Länge ab. Es sind 33 Träger, von welchen nur der erste zwei 
Strahlen stützt; sie verbinden sich mit den Apophysen von nur 21 Wirbel, indem die vorderen längeren 
sich zu zwei zwischen zwei Apophysen einschieben. Der untere Flossenrand ist so ausgeschnitten, dass 
die vorderen Strahlen, oder das vordere Fünftheil, der aus 34 Strahlen bestehenden Flosse, einen spitzen 
Lappen bildet, welcher der halben Kopflänge gleicht und dreimal länger ist als die Strahlen der übri- 
gen vier Fünftheile, die den geradlinigen Flossenrand ausmachen. Die fünf vordersten Strahlen, wovon 
der erste sehr kurz ist, liegen gedrängt an einander und verlängern sich stufenweise, der vierte erreicht 
erst die halbe Länge des fünften, dieser ist der längste und so wie sie ungetheilt. Eine besondere Aus- 

g dieses fünften Strahles, der übrigens ganz flach ist, liegt in der merkwürdigen Art seiner mit 



22. Caudalwirbel. Ihre Träger sind schwach und ebenso gefurcht wie die Ripp< 



en 



zeicl 



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dem zweiten Längedrittheile beginnenden Gliederung. Dieser gegliederte Theil besteht nicht wie ge- 
wöhnlich aus transversal abgeschnittenen rechtwinkeligen oder mit etwas S-förmigen Rändern aneinander 
gefügten Gliedern, sondern aus 12 sehr spitzwinkelig geschnittenen, welche noch dazu so dicht auf- 
einander folgen, dass der Strahl wie von gedrängten sehr schiefen Furchen durchzogen scheint und 
manchesmal besonders an Stellen , wo sein vorderer Rand etwas abgerieben ist, das Ansehen erhält, 
als wäre er wirklich mit Schindeln, Fu/cra, besetzt. In der That erblickt man unter der Lupe an der 
Zusammenfügung jedes einzelnen Gliedes eigentlich einen Z-förmigen Rand, dessen längere Seite mit kleinen 






























































Beiträge zur Kenntnis® der fossilen Fische Oesterreichs. 



207 



scharfen Zähnchen versehen ist und in den ebenso gezähnten des anstossenden Gliedes regelmässig 
eingreift,- sieh daher gleichsam durch eine in einer Furche liegende Naht mit demselben ver- 
bindet. Unter lebenden Fischen ist uns eine solche merkwürdige Strahlengliederung bisher nur an dem 
einzigen Elops Saurus vorgekommen und scheint allen bisherigen Beobachtern entgangen zu seyn. 
obschon sie an anderen Species der Gattung Elops, die uns nicht zu Gesichte kamen, sich gleichfalls 
vorfinden dürfte. An drei oder vier der nachfolgenden vielfach dichotomen Strahlen der Afterflosse ist 
eine ähnliche Gliederung bemerkbar, aber minder schief geschnitten, ohne alle Winkelbiegung und 
durch grössere Zwischenräume weit längere Glieder bildend. 

Die Schwanzflosse ist sehr tief ausgeschnitten, der obere Lappen übertrifft etwas die Kopf- 
länge, der untere ist noch um ein Viertheil länger; beide sind zugespitzt und enthalten eine gleiche 
Anzahl von Strahlen, nämlich ein jeder neun ungetheilte und eben so viele geth eilte. Im Ganzen sind 
es daher 36 Strahlen, welche die Schwanzflosse bilden. Der längste der stufenweise verlängerten 
ungeteilten Randstrahlen ist von seinem zweiten Drittheile an auf dieselbe ausgezeichnete Weise ge- 
gliedert wie in der Kücken- und Analflosse. Die Glieder, ohngefähr 25 am oberen und 30 am unteren 
Strahle, werden gegen die Flossenspitze zu immer kürzer und schiefer zugeschnitten, so dass zuletzt 
ihre gesägten Thcilungsfurchen beinahe mit dem äusseren Strahlenrande parallel laufen. An den dichoto- 
men Strahlen ist diese, etwas später beginnende Gliederung, besonders an der breiten Strahlenfläche vor 
Anfang der Zertheilung, nicht minder schief und Z-förmig, nur werden umgekehrt die einzelnen Glieder 
immer länger, je näher sie dem Strahlenende stehen. Selbst an einigen kürzeren Stützenstrahlen, seit- 
wärts der ungetheilten Hauptstrahlen, ist diese Gliederung noch sichtbar. Die Anfügung der 36 Schvvanz- 
flossenstrahlen an die letzten Schwanzwirbel hat darin etwas Besonderes, dass sich ihre Mehrzahl mit 
der unteren Seite dieser Wirbel verbindet, ohne desshalb äusserlich eine Asymetrie zu veranlassen. 
Die sechs letzten Wirbel stützen nämlich mit ihren unteren Apophysen den unteren Schwanzlappen, 
ausserdem aber wenden sich aus der Unterseite der vier vorletzten Wirbel kurze Fortsätze nach auf- 
wärts, zwischen welche sich ganz dicht fünf, an den ungetheilten oberen Hauptstrahl nach aussen 
anliegende Stützenstrahlen einschieben, während die oberen Apophysen des fünften und sechsten Wir- 
bels, von rückwärts gezählt, keinen Antheil mehr an einer Strahlenverbindung nehmen. 



Die Schuppen haben über den Vorderrücken hin 



einige Spuren 



hinterlassen. Diesen nacl 



i 



zu urtheilen waren sie äusserst zart und dünne. Ihre Breite gleicht einer Wirbelhöhe , und der hin- 
tere freie Rand ist stark abgerundet. Unter günstigem Einfallen des Lichtes und unter einer guten 
Lupe lässt sich die Textur noch vollkommen rein erkennen, sie besteht aber nur aus äusserst feinen 
und dicht aneinander gedrängten concentrischen Ringen, deren Mittelpunkt beinahe von den vorhergehen- 
den Schuppen überdeckt wird. 

Die ausgezeichnet schöne Platte, nach welcher sowohl die beigefügte Tafel angefertigt als obige 
Beschreibung entnommen ist, wurde auf dem Karst-Gebirge bei dem Dorfe Goriansk, drei Stunden 
von Görz gefunden, und befindet sich nebst ihrer Gegenplatte seit langen Jahren im Besitze des Herrn 
Johann Baptist Grafen von C oro nini-Cronb erg, k. k. Kämmerers in Görz, eines Mannes, 
dessen eifriges anspruchloses Forschen im Gebiete der Natur der gelehrten Welt beinahe unbekannt 
geblieben. Als wir vor einem Jahre den 87jährigen Greis in seinem Hause besuchten und die seltene 
Gunst genossen von ihm selbst in sein stilles Heiligthum, sein kleines Museum eingeführt zu werden, 
war der Anblick vieler prachtvoll erhaltener fossiler Fische im schwarzen bituminösen Kalkschiefer, 
aus einer Gegend wie die obige, woher bisher noch gar nichts bekannt war, ein wahrhaft überra- 
schender. Notizen darüber und Federzeichnungen wurden aus einem eigenhändigen voluminösen Ma- 



nuscripte (Mineralogisches Lexicon) hervorgeholt. Sowohl diese als die vorzüglichsten jener Platten 
kamen bald darauf und zwar nach dem plötzlichen Hinscheiden des Herrn Grafen , durch die Güte 
seines Sohnes, des Herrn k. k. F. M. Lieutenantes, Grafen Johann in unsere Hände und wir erfüllen nur eine 











































/ 






am 



a* 

















ff. 









1 

. 

• 





























208 



J o h. Jac Heck eh 



heilige Pflicht, indem wir dem Manen des liehevollen Greises und frühesten Entdeckers der Goriansker 
fossilen Fische, eine seiner schönsten Arten weihen. 



Taf. XIII. Chirocentrites Coroninii H e ck. 



Im schwarzen bituminösen Kalkschiefer der Kreideformation 



von Goriansk bei Görz. Natürliche Grösse. 



Schwanzflosse fehlerhaft dargestellt. 



Taf. XIV. Fig. 1. Kopf desselben, durch vervollständigte Linear-Zeichnung deutlicher dargestellt. 

Fig. 2. Schwanzflosse verbessert dargestellt. 

a) Ein Theil des ungetheilten Hauptstrahles in der Schwanzflosse, stark vergrössert, 
die einzelnen, durch eine schiefe gezähnte Naht verbundenen Glieder darstellend. 

b) Ein Theil aus den gespaltenen Strahlen des Afterflossenlappens , eine ähnliche Gliede- 
rung darstellend; gleichfalls stark vergrössert. 

c) Schuppe, aus der Rückengegend über den Bauchflossen; stark 

d) Einer der mittleren Caudalwirbel mit der Basis der Dornfortsätze; etwas ver- 
grössert. 



rergrosscrt. 



Chirocentrites gracilis. 

Taf. XV. 

Kopf stumpf, beinahe i /g der Gesammtlänge. Zähne wie an der vorhergehenden Art (?) . 37 Abdominal 
und 27 Caudalwirbel. In der Rückenflosse 5 ungetheilte und 7 getheilte, in der Afterflosse 4 
ungetheilte und 33 getheilte Strahlen. 

Es ist eine der vorhergehenden sehr nahe verwandte Species, die sich vorzüglich durch einen 
gestreckteren Körper, kleineren Kopf, wenigere Strahlen in der Rücken- und mehr in der After- 
flosse, dann mehr Wirbel in der Abdominal- und weniger in der Caudalregion unterscheidet. Die 
Rückenflosse sitzt ein wenig weiter rückwärts; die Bauchflossen haben nichts Ausgezeichnetes. 

Beschreibung. 

Der Kopf ist mehr als 8V2 mal in der ganzen Länge des Thieres (die Schwanzflosse mit- 
inbegriffen) enthalten und kürzer als die grösste Körperhöhe über den Bauchflossen, die nur */? jener 
Gesammtlänge ausmacht. Die Spitze des Kopfes, vorzüglich des vorragenden Unterkiefers ist abge- 
brochen und fehlt; überhaupt ist die Erhaltung des ganzen Kopfes weit weniger vollständig als an 
dem Exemplare der vorhergehenden Art. Ein Stück aus der Basis der wagrechten Zähne am Zwischen- 
kiefer lässt vermuthen, dass sie stärker waren als an Chirocentrites Coroninii. Am Vorderrande des 
S-förmig gebogenen Oberkiefers sind gleichfalls noch Spuren, aber nur von kleinen Zähnen erkennbar. 
Die Knochenplatten des eigentlichen Kiefers , jene des breiten Unteraugenringes nebst allen die Wange 
ausfüllenden sind gänzlich verschwunden. An ihrer Stelle bemerkt man deutlich das aufwärts geho- 



bene Vorderende des Zungenbeines, mit einem Theile des äusseren, allen Haleciden eigenen, langen 
Kiemenbogens und seines vorwärts gerichteten Rechens oder starken Knochenkammes; gerade wie 
an Forellen oder Häringen, die aus Mangel an Wasser mit weit geöffnetem Munde und aufwärts geboge- 
nem Kopfe sterben. Der Kiemen de ekel ist gross, beinahe halb so lang wie der Kopf, in allen 
seinen Theilen aber zu sehr beschädigt um etwas Bestimmteres darüber sagen zu können. An Stellen, 
wo er gänzlich fehlt, treten ganz deutlich die Eindrücke der Kiemenblättchen hervor. 

Am starken Schultergürtel haftet tief unten eine dickstrahlige Brustflosse von der Länge 
des Kopfes. 

Die Wirbelsäule mit ihren Apophysen, Rippen, Muskelgräthen und Flossenträgern verhält sich 



ganz so wie an der vorhergehenden Art, 



nur besteht sie hier aus 36 Abdominal- und 27 Caudal- 










« 



.-«i 



Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



209 



4 ungeteilten 



und 33 gethcilten Strahlen, 



Wirbel, anstatt 33 -f- 28. Der erste Träger der Rückenflosse, welche senkrecht über dem 
15. Caudalwirbel beginnt, legt sich vor den Dornfortsatz des 10. Caudalwirbels an; ihm folgen noch 
neun, so dass im Ganzen zehn Rückenflossenträger sich bis zum 14. Caudalwirbel mit nur vier Wir- 
belapophysen verbinden. Die ganze Flosse, deren Oberrand schief abgestutzt ist, besteht aus fünf ein- 
fachen und nur sieben getheilten Strahlen. Die vier ersten sind wie gewöhnlich stufenweise längere, 
gedrängt stehende Stützenstrahlen und der fünfte Hauptstrahl ist zwar wie an Chirocentrites Coroninii 
schief gegliedert, aber seine Glieder sind viel länger; wir zählen deren nur sechs, während es an jenem 
12 waren. Die Höhe dieses Strahles erreicht 3 i / 2 Wirbellängen unter demselben und die Gesammt- 
basis der Flosse ist um ein Drittheil kürzer. 

Die Länge der Afterflossenbasis ist über drei und ein halb mal in der Länge des Thieres 
(ohne Schwanzflosse) enthalten; sie beginnt senkrecht unter dem sechsten Caudalwirbel, besteht aus 

die durch 30 oder 31 Träger mit den Apophysen von 
20 Caudalwirbel in Verbindung stehen. Das Eingreifen der letzten Wirbel-Apophysen ist die gegabelte 
Schwanzflosse, die ausgezeichnete Gliederung der Strahlen dieser und der Afterflossen verhalten sich 
genau wie an der vorherbeschriebenen Art. Dagegen ist an den kurzen Bauchflossen durchaus nichts 
Besonderes zu bemerken. Sie bestehen jede aus sechs, mehrfach dichotomen Strahlen von gewöhnlicher 
Stärke, sind senkrecht unter dem 28. Abdominal-Wirbel angeheftet und liegen dabei der Analflosse um 
die Hälfte näher als den Brustflossen. 

Die Schuppen mussten äusserst zart und leicht abfallend gewesen sein, denn es ist kaum so viel 
einer merkbaren Spur von ihnen hie und da hinterblieben, dass sich daraus ihre massige Grösse und ihr 
abgerundeter Umriss entnehmen lässt. 

Das einzige uns bekannte zwei Schuh lange, in der hier angefertigten Abbildung aber beinahe auf 
die Hälfte seiner natürlichen Grösse reducirte Exemplar, wurde in Volzhji-Grad bei Comen, im 
Görzer Kreise bei Gelegenheit der Ausgrabung und Sprengung eines Kellers in dem schwarzen bitu- 
minösen Kalkschiefer gefunden und befindet sich gegenwärtig, sammt der Gegenplatte des Schwanz- 
theiles , in dem landesständigen Museum zu Laibach; dessen Curatoren wir uns, für die 
gefällige Zusendung und Benützung sowohl dieses schönen Ichthyolithen, als noch anderer bisher unbe- 
kannter Fische der Vorwelt, zu tiefem Danke verpflichtet fühlen. Die Gegenplatte des Kopftheiles aber 
bildet bis heute noch einen Bestandteil des an dem Fundorte errichteten Hauses, zu dessen Grund- 
mauer sie leider unbemerkt verwendet wurde. 



Chirocentrites microdon« 

Taf. XVI. XVII. 

Kopf Vt der ganzen Fischlänge. Zähne sehr kurz , die vorderen im 



f* 



Unterkiefer etwas länger. 34 Abdominal- , 27 Caudalwirbel. In der Rückenflosse 4 unge- 
theilte und 10 g eth eilte , in der Afterflosse 4 ungetheilte und 33 getheilte Strahlen. Vordere 
Brustflossenstrahlen einseitig gespalten. 

Beschreibung. 

Der Kopf, dessen Länge der grössten Körperhöhe über den Bauchflossen oder den eilf ersten 



Caudalwirbeln gleich kommt, 



ist siebenmal in der ganzen Länge des Thieres (mit 



Schwanzflosse) enthalten. Das grosse längliche Auge nimmt ein Viertheil der Kopflänge ein und liegt 
um einen Augendiameter hinter der Nasenspitze nahe am Profilrande. Die Stirnbreite zwischen beiden 
Augen erreicht nur ein Drittheil des grössern Augendiameters. Der Mund ist klein, stark aufwärts 
gespalten und beide Kiefer mit einer einfachen Randreihe kurzer, an der Spitze kaum merkbar 



Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



27 




































/ 





210 



Joh. Jac. He ekel. 



durchgehends so lang als jene des Zwischenkiefers; 



einige 



rückwärts gekrümmter Zähnchen besetzt. An der Symphyse des kurzen einwärts gebogenen Zwischen- 
kiefers sind diese Zähnchen am längsten, das heisst halb so lang als die Breite des nachfolgenden 
säbelförmig gekrümmten Kieferknochens; längs dem Rande dieses letzteren werden sie nach unten zu 
allmälig kleiner und verschwinden, oder gehen vielmehr in das strahlig feingefurchte Kieferende über. 
Die Zähnchen des Unterkiefers sind 

etwas stärkere darunter werden gleich Fangzähnen an den Seiten bemerkbar. Senkrecht unter dem 
vorderen Augenrande geschieht die Anlenkung des Unterkiefers an das Quadratbein; letzteres hat eine 
eigenthümliche Gestalt, es schiebt (wie bei Elops) einen Dorn nach rückwärts zur Auflage des Vor- 
deckels. An einer Stelle zeigt sich auch ein Theil des Gaumenbeins, das ganz zahnlos zu sein 
scheint. Die Unteraugenknochen müssen breit aber ungemein zart gewesen sein, wenigstens las- 
sen sich die einzelnen Platten derselben nirgends mehr unterscheiden; es zieht sich bloss ein kaum 
bemerkbarer, aus sehr zarten strahlig gestellten Furchen gebildeter Rand unter den Gaumenbeinen 
S-förmig über die Wange herab, bis zur vorderen Spitze des Vordeckels. Andere gröbere Furchen, 
welche ihrer Stellung nach wahrscheinlich dem grösseren der Suborbitalknochen angehören, ziehen sich 
vom untern Augenrand schief gegen den Winkel des Vordeck eis. 

Dieser Knochen ist stark, sehr breit und bildet einen sehr stumpfen Winkel; die vertikalen Mittel- 
leisten zeigen Porenöffnungen ; hinten setzt sich ein sehr dünner Flügel an, mit weit rückwärts reichen- 

Der hintere zarte Rand dieses dreieckigen Flügels ist zusammt seiner Spitze eben 
so fein und strahlig gefurcht wie der Unterrand des Oberkiefers oder der Suborbitalknochenrand. Aus 
der Mittelfurche zwischen den Leisten des Vordeckels kommen sieben bis acht vertiefte Strahlen , wovon 
die hinteren und längeren nach rückwärts, die vorderen stufenweise kürzeren aber nach vorwärts gerichtet 
sind. Unter dem spitzen Flügel des Vordeckels befindet sich ein schmaler, gleichfalls in einem spitzen 
Winkel endender Zwischendeckel. Ihm folgt ein beinahe dreiseitiger Unterdeckel. Der Haupt- 
deckel scheint eben so zart und dünn wie die vorhergehenden Deckeltheile gewesen zu sein; seine 
Länge beträgt den dritten Theil der Kopflänge, der hintere freie Rand ist glatt abgerundet, der untere 
gerade aber, in seiner Mitte wenigstens, fein gezähnelt. Die obere Fläche des Deckels hat ziemlich 
starke strahlige Rippen wie an Clupeen. 

Die oberen Kopfknochen bieten, da sie an allen unseren Exemplaren, wie gewöhnlich zu sehr 

ii besonders wohlerhaltenen Kopie 
der merkwürdige un paare Knochen der Elops und Amien zwischen den Aesten des Unterkie- 
fers entschieden hervortretend. Er nimmt daselbst die halbe Kieferlänge ein und hinter ihm folgt, zum 
Theile noch von den Deckelrändern überdeckt, eine Anzahl von beiläufig 20 zarten Kiemenstrahlen. 
Der Schultergürtel ist verhältnissmässig stark; seine Flosse, die Brustflosse, sitzt wie 



Winkel 



W 



O 1 II Ol 



gewöhnlich weit unten an 



5 



ist breit abgerundet und erreicht 2 



der Kopflänge. Sie enthält sieben 



starke Strahlen , welche nach einem die untere Fläche derselben darstellenden sehr schönen Abdrucke 
von ganz eigenthümlicher, bei den jetzt lebenden Fischen an Platypterus aspro einigermassen erin- 
nernden Beschaffenheit sein mussten, wovon wir auch an den übrigen Flossen noch analoge Spuren 
bemerken. 

Jeder der vier ersten Strahlen besteht aus einer starken Haupt -Rippe, die nach ihrer halben 
Länge rückwärts in eine dünne Spitze ausläuft und aus den nachfolgenden ein- oder zweimal gespaltenen 
Zweigen. Diese gespaltenen Zweige entspringen aber aus der Hauptrippe selbst, wie die Lamellen 
eines Federbartes aus dem Schafte. Bei den nachfolgenden kürzeren Strahlen tritt die viel kürzere 
Rippe in die Mitte eines flachen fächerförmigen Blättchens ein, dessen Zertheilung in Zweige von der 
Spitze der Rippe ausgeht. An den kürzesten Strahlen endlich hört die Rippe ganz auf und die Theilung 
der dünnen flachen Strahlen erfolgt erst gegen ihr Ende. Noch ist zu bemerken, dass an dem ersten 
Strahle ein Theil des Vorderrandes aus 12 — 13 flachen schiefen und durch Zähnelung verbundenen 



f 

















































Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs 



211 



Gliedern besteht, welche nach der Spitze der Hauptrippe das flache stumpfe Strahlenende ausmachen. 
Alle Strahlen scheinen sich bei dem Anlegen der Flosse beinahe wie die Bliütchen eines Frauenfäehers 
übereinander geschoben zu haben, da man an Exemplaren mit geschlossener Flosse nur allein ihre dicht 
aneinander liegenden Hauptrippen erblickt. 

Die Wirbelsäule ist schlank und besteht aus 61 mäss 
minal- und 27 der Caudalregion angehören. Alle haben eine gleiche Höhe oder Dicke; die vorderen sind 
dabei kürzer als hoch und die nachfolgenden verlängern sich nur so allmälig und unbedeutend, bis erst 
in der Nähe der Schwanzflosse ihre Länge der Höhe gleich kommt oder dieselbe ein wenig übertrifft. 
Die oberen Dornfortsätze sind lang und schlank, alle, mit Ausnahme der 5 — 6 vordersten , die ein 
wenig kürzer und stärker sind, erreichen die Rückenfirste, indem sie sich erst stark rückwärts und 
dann nach aufwärts krümmen, mithin einen concaven Bogen darstellen; nach den Bauchflossen aber 
fangen sie allmälig an, sich in convexem Sinne zu biegen, und endlich vor der Schwanzflosse, wo sie 
schon viel kürzer sind und sich noch weit mehr gegen die Wirbelsäule neigen, werden sie ganz gerade. 
Die unteren Dornfortsätze der Caudalvvirbel sind kaum länger als die darüber stehenden, dabei aber 
etwas S-förmig gebogen. Sowohl die oberen als die unteren sitzen genau in derselben ausgezeichneten 



Weise am Anfange iedes Wi 



/•< 



wie auch 



fossiles 



in der Mitte jedes Wirbels, was hier erst bei den acht letzten Caudalwirbeln der Fall ist. 

Die Rippen sind lang und dünn, haben der Länge nach eine seichte Furche und reichen bis zum 
Kiele des Bauches hinab. Wir glauben 32 Paare unterscheiden zu können, die an kurzen starken Ouer- 
fortsätzen ansitzen. Nach ihnen scheinen noch zwei Abdominalwirbel zu folgen, deren abwärts verlängerte 
Querfortsätze sich einfach, ohne Rippen zu tragen, verbinden; diese Fortsätze sehen aber ebenfalls wie 
Rippen selbst aus, nur sind sie kürzer. 

Die Bauchflossen stehen senkrecht unter dem 26. Abdominalwirbel und sind der Afterflosse 
um die Hälfte mehr genähert als den Brustflossen. Jede besteht aus sieben Strahlen, deren vordere starke 
Längsrippen besitzen, die sich bei dem Schliessen der Flosse dicht aneinander legen. Ihre Länge gleicht 

■ 

kaum V* der Kopflänge. Eine Dichotomie der zarteren Theile ist, wegen Mangel hinreichender Erhal- 
tung derselben, nirgends mit Bestimmtheit zu sehen. Das Becken der Flosse ist schwach und noch 
kürzer als die Strahlen. 

Die kurze schief abgestutzte Rückenflosse steht durch 13 schwache Träger mit vier Caudal- 
wirbel in Verbindung, vom 9. oder 10. bis zum 13. oder 14.; dabei beginnt sie senkrecht genommen 
über dem 14. Caudalwirbel. Die Höhe ihrer vorderen Strahlen und ebenso die Länge ihrer ganzen 
Basis erreichen jede nur drei Wirbellängen unter letzterer, oder ein Drittheil der Kopflänge. Sie ent- 
hält vier stufenweise verlängerte ungetheilte Strahlen, wovon jedoch der letzte flache und wie ge- 
wöhnlich kurz und schief gegliederte rückwärts an seinem Ende ein wenig zerspalten ist; diesem 
folgen zehn stufenweise kürzere tief getheilte Strahlen. Von den 13 Trägern streckt sich der vor- 
derste beinahe wagrecht vorwärts, was an den vorstehenden Dorn mancher Scombrideii erinnert, ohne 
jedoch wie an diesen aus der Hautbedeckung hervor zu treten. 

Die Basis der Afterflosse nimmt beiläufig den vierten Theil der ganzen Fischlänge (die 



Schwanzflosse inbegriffen) ein. Sie fängt senkrecht unter dem fünften Caudalwirbel an ; 



ihre kurzen 



schwachen T 



• • 



r a ff e r 



schieben 



sich im Ganzen wenig zwischen die langen S-förmigen 



Fortsätze von 



18 Wirbeln ein , nur die vorderen Träger sind länger. Der 



erste reicht an der Vorderseite seiner 



entsprechenden Apophyse, die nicht stärker als die übrigen ist, beinahe bis zum Wirbelkörper selbst 
hinauf. Die letzten Träger , am Ende der Flosse , gelangen dagegen kaum zwischen die Spitzen der 
schon sehr schief auslaufenden Dornfortsätze hinein. Vorne bildet ein kurzer Theil der Flosse durch 
verlängerte Strahlen einen Lappen, welcher, da diese fünf Wirbellängen erreichen, länger oder ver- 

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212 



J o h. J a c. Hechel. 



gleichsweise höher ist als die Rückenflosse. Alle nachfolgenden Strahlen sind sämmtlich sehr kurz 
und bilden einen langen geradlinigen Rand. Die ganze Analflosse enthält 4 ungeteilte und 33 getheilte 
Strahlen, die sich auf 35 Träger stützen. Die drei ersten ungeteilten Strahlen sind sehr kurz und 
scheinen gemeinschaftlich nur einen Träger zu haben; der vierte ist gerade so wie der Hauptstrahl 
der Rückenflosse beschaffen und besteht wie dies aus acht schief getheilten, durch eine Zahnnaht ver- 
bundene flache Glieder. 

Nach den 18 Wirbeln der Afterflosse, wovon wie gesagt vier sich nach oben mit der Rücken- 
flosse verbinden, folgen noch 9, deren letztere aber sehr kurz werden. Die sechs vorletzten 
stützen mit ihren stärkeren unteren Apophysen unmittelbar den unteren längeren und die fünf vor- 

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Wirbel 



Wirbel 



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nebst jener des oberen ungetheilten Hauptstrahles; der entsprechende untere Hauptstrahl aber verbindet 



sich noch mit der Apophyse des vorl 



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Wirbels. Die mittleren kurzen Strahlen erreichen kaum 



drei jener Wirbellängen am Ende der Analflosse , sind breit und vielfach bis an ihre Basis gespalten. 



Wirbell 



der obere schwächere aber enthält 



um zwei weniger. Die S t r a h 1 e n a n z a h 1, aus welcher die ganze Schwanzflosse besteht ist 33 ; davon 
gehören der oberen Hälfte 8 getheilte und 8 ungeteilte , der unteren Hälfte 8 getheilte mit 9 unge- 
theilten Strahlen an. Der längste von den stufenweise verlängerten ungetheilten Randstrahlen oder der 
breite Hauptstrahl in jedem Lappen ist mittelst einer Z-förmigen fein gezähnelten Naht eben so schief, 
nur dabei noch kürzer gegliedert wie in den vorhergehenden Flossen. Die ausgezeichnete Gliede- 
rung fängt erst mit dem zweiten Drittheile seiner Länge an. Sowohl an den jedem Hauptstrahle nach 
aussen anliegenden ungetheilten, als an den nach innen zu ihm folgenden getheilten Strahlen findet 
zum Theile eine ähnliche Gliederung Statt, nur dass an letzteren die Glieder länger sind, stets 
näher dem Strahlenende zu anfangen und immer weniger schief abgeschnitten werden , je mehr sie 



sich den kürzesten Mittelstrahlen nähern, bei welchen 
rechtwinklige stumpfe Gliederung wahrnimmt. 



il II l| : , 



n erst ganz am Ende eine wie gewöhnlich 



Wir 



Die Schuppen sind sehr zart, ein wenig eiförmig zugerundet und auf der unbedeckten Fläche, 
wie AYo/w-Schuppen beinahe ohne Textur, nur am freien Rande ist ein etwas erhabener Saum zu 
bemerken. An der inneren Seite der Schuppen sind gleichfalls weder Radien noch Kreise sichtbar, 
ihr vorwärts gewendeter in der Haut sitzender Rand ist jedoch mehr flach abgerundet. Es befinden 
sich ohngeföhr zehn horizontale Schuppenreihen über dem Anfange der Afterflosse. 

;nheit, diese Species nach einer Anzahl von zwanzig, mehr oder weniger 
vollständig erhaltenen und in verschiedener Lage comprimirten Exemplare zu untersuchen, die sämmt- 
lich auf der Insel Lesina in Dal matien in einem rostgelben lithographischen Kalkschiefer gefunden 
wurden, wovon der grösste Theil im städtischen Museum zu Zara aufbewahrt ist. Sehr schöne 
Platten befinden sich ferner im hiesigen k. k. Mineralienkabinette und einige verdanken wir selbst der 
Gefälligkeit des Herrn Professors Carara in Spalato. Nach allen erreichte Chirocentrites microdon 
niemals ganz die Grösse der beiden vorher beschriebenen Arten des Karst-Gebirges, er wurde höchstens 
20 Zoll lang und scheint die am häufigsten in den dortigen Steinbrüchen vorkommende Art zusein; 
eine vordere Hälfte desselben, mit ihren 34 Abdominalwirbeln ist sogar im Tempel des Volksgartens 
in Zara eingemauert. 



Taf. XVI. Fig. 1. Chirocentrites microdon Heck. 



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flössen. Im lithographischen Kalkschiefer mit rostgelben Flächen der Insel Lesina (Kreide- 
formation). Doppelplatte des k. k. Mineralienkabinettes. 
Fig. 2. Caudalwirbel mit der Rücken- und Afterflosse (Eigenes Exemplar). 
































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Beiträge zur Iunntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 
3. Schwanzflosse. Im k. k. Mineralienkabinctte aufbewahrt. 



213 



Fig. 

Fig. 4. Schuppen von der Innenseite gesehen. 



Taf. XV11. a) Kopf mit der Brustflosse durch Beihilfe mehrerer Exemplare möglichst vollständig 

gezeichnet. 
h) Mund mit den Zähnen vergrössert. 

c) Quadrathein, etwas vergrössert. 

d) Ein Stück aus dem Hauptstrahle der Schwanzflosse, dessen schiefe gesägte Glie- 
derung darstellend; stark vergrössert. 

e) Schuppen mit ihrer Oberfläche und ihrem hinteren freien Rande; aus der Rücken- 
gegend über der Afterflosse genommen. 

f) Schuppen mit ihrer Unterfläche und dem vorderen bedeckten Rande ; aus der Bauch- 
seite entnommen. 

g) Restaurirtes Skelet des ganzen Fisches; verkleinert. 



PIMELODUS 



LACEP. 



Ord. Phys® Storni. 



Farn. Siluridae. 



Pimelodus Sadleri. 



Taf. XIV. Fig. 3. 



Die Welse oder Siluroiden bilden eine jener grossen natürlichen Familien, die die ichthyolo- 
gische Fauna der Gegenwart vorzüglich charakterisiren. Man iindet sie beinahe in allen Süsswasser- 

Sie bewohnen Bäche und Seen selbst auf den 



gebieten des gemässigten und heissen Erdgürtels. 



höchsten Gebirgen des tropischen Amerikas, so wie Flüsse und Ströme bis zu den Stellen herab, 
wo ihnen das Weltmeer seine salzigen Wogen entgegensendet. Kein einziger Repräsentant aus dieser 
weit verbreiteten Familie tauchte bisher unter den Fischen der Urwelt auf und man betrachtete sie 



bereits 



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über- 



rascht und erfreut in einer kleinen uns zur Bestimmung übermachten Sendung fossiler Fischreste, 
welche Herr Professor Sadler in Pest in einem tertiären Sande des Biliärer Comitates 
fand, die ersten Fragmente eines Siluroiden zu erblicken, wodurch der Beweis des Vorhandenseins 
dieser Familie in früheren Zeiten unläugbar vor uns lag. Zugleich knüpfte sich an diesen wichtigen 
Fund eine Folterung von nicht minderem Interesse. Es kommen nämlich in demselben Sande häufig 
kleine Pycnodonten-Zähne aus der Gattung Sphaerodus vor; da nun kein einziger Siluroid im salzigen 
Meerwasser wohnt, so dürfte es wohl Pycnodonten gegeben haben, welche Süsswasserfische waren. 
Hierzu kommt noch, dass wir einmal vom Professor Nordmann aus Odessa die Schlundzähne eines 
zu Scardinius gehörigen Cypriniden nebst grossen Pycnodus-Zähnen erhalten haben, die gleichfalls bei- 
sammen im jüngsten tertiären Gebilde gefunden wurden. Wenn wir nun die Fauna der fossilen Fische 
durchgehen, so ist es auffallend, wie wenige Fische für ehemalige Süsswasserbewohner gehalten werden ; 
vielleicht gab es aber deren mehr als man ahndet, besonders unter den Ganoiden ; denn was von 
letzteren, das heisst Ganoiden mit eckigen Schmelzschuppen, heut zu Tage lebt, hält sich wenig- 
stens ohne Ausnahme in Flüssen auf und liebt den schlammigen Boden. 

Die Ueberreste der Siluroiden, von welchen wir hier sprechen, bestehen zwar nur aus unschein- 
baren Stückchen der Flossenstrahlen, die aber darum einen so wichtigen Aufschluss zu gewähren ver- 
mochten, weil sich an ihnen gerade jener Theil erhalten fand, welcher den harten Knochenstrahl 












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214 



Joh. Jac Hechel. 



in der Rückenflosse mancher Arten aus allen Strahlen anderer Fische so leicht erkennen Iässt. Wir 
meinen den Wurzeltheil des Strahles mit seiner Gelenkanschwellung* und dem gewissen darin befind- 
lichen kleinen Loche, durch welches ein Halbring aus dem Trägergehäuse geht, der dann den Strahl 
gleichsam wie das Glied einer Kette beweglich an seinen Träger fesselt. Diese merkwürdige Art 



Müller und gleichzeitig 



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und ab- 



der Strahleneinlenkung* wurde 
gebildet. 

Unsere fossilen Strahlen stimmen vorzüglich mit jenen Formen überein, welche sich an einigen 
Arten der Gattungen Bagrus und Pimelodus Cuv. finden. Da es aber wohl unmöglich ist, diese 
beiden Gattungen und noch weniger alle später damit vorgenommenen generischen Spaltungen an Silu- 
roiden der Vorwelt, wenn solche auch wirklich noch so gut erhalten wären, zu erkennen, so glauben 
wir bei diesen bisher einzelnen und einzigen Strahlen um so mehr berechtiget zu sein, die alte 
Gattung Pimelodus, so wie sie vor Cuvier La Cepede verstanden hatte, hier annehmen zu dürfen. 

Die Strahlenüberreste des Pimelodus Sadleri stammen also aus der Rückenflosse, und zwar 
eines wahrscheinlich kleinen, 6 Zoll langen , vielleicht auch jungen Fisches, wo sie den zweiten unge- 
teilten, das ist den knöchernen Hauptstrahl bildeten. Sie sind schlank, ungezähnt, an der Vor- 
derseite abgerundet, rückwärts wie eine Rinne ausgehöhlt und haben über der erweiterten Basis das 
kleine charakteristische Loch. Wenn man sie mit den entsprechenden ebenfalls ungezähnten Strahlen 
des recenten Artus Cous 2 ) (Pimelodus Cous Valenc), dem sie sehr ähnlich sehen, vergleicht, 
so findet man, dass sie weniger comprimirt sind, einen runderen Rücken haben, vorzüglich aber 
rückwärts viel breiter ausgehöhlt sind, wobei die Basis minder breit und mehr ausgebuchtet ist. Die beiden, 
durch die Rinne entstandenen rückwärts gekehrten Kanten sind stumpf, wahrscheinlich aber nur durch 
die Bewegung des Wassers nach Zerstörung des Thieres abgerollt. Denn dass die damalige Ablage- 
rung des Biharer Sandes während starker Strömungen geschah, erhellt schon daraus, weil man dort 
alle festeren animalischen Ueberreste nur sehr zerstreut, ganz getrennt und sehr beschädigt findet. 

Aus demselben Sande kam uns zugleich noch ein ganz kurzes Fragment eines anderen Strahles 
mit dickem schiefem Gelenkkopfe zu, welchen wir für den Knochenstrahl aus der Brustflosse 
desselben Thieres, nur eines etwas grösseren Individuums halten. Dieser schiefe Gelenkkopf kann, wie 



Wille 



Wendung 



Taf. XIV. Fig. 3. 

a) Zweiter 1 

b) Derselbe 

c) Derselbe 

d) Fragment 

e) Dasselbe 



Grösse 




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*) Heckel. Fische Syriens. Pag. 105. Taf. 13. (In Russeggers Reise I. Band, 2. Theil. Stuttgart 1843,) 
2 ) H e c k e 1. 1. c. 
























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Beiträge zur Kenntnis» der fossilen Fische Oesterreichs. 



215 



SAURORHAMPHUS. 



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Coliors. Ganoidei. 



Ortl. Molostet 



Her Monte-Bolca besitzt seinen merkwürdigen Blochius, der Karst einen noch weit ausgezeichne- 
teren Fisch. Es scheint ein $/ör zu sein mit dem Kopfe eines Sauriers und der homocerken Schwanz- 
flosse einer vollendeteren Fischgestalt. Wir hatten schon einmal Gelegenheit, eine interessante Ueber- 
gangsform der Acipenseriden zu den Loricarien zu beschreiben, nämlich den Scaphirhynchns, 
einen gegenwärtigen Bewohner des Ohio 1 ). Das vorliegende fossile Thier aber ist noch weit merk- 
würdiger, denn es lässt sich eigentlich in gar keine der bisher bekannten natürlichen Familien unter- 

es zu der wundervollen Abtheilung der Ganoiden gehöre, wird schon dem ersten 
Anblicke nach niemand in Zweifel stellen. Wäre diess aber auch der Fall, da nach Müller ein fossi- 
ler Ganoide streng genommen, nur an emaillirten rhomboidalen durch Fortsätze artikulirten Schuppen, 
oder an Schindeln (Fulcra) der Flossenstrahlen , oder an der Heterocerkie des Schwanzes bei einer 



bringen. Dass 



knorpligen Wirbelsäule und vorhandenen Kiemendeckeln zu erkennen ist und alle diese Merkmale hier 
wirklich fehlen, so haben wir noch ein viertes nicht minder untrügliches Kennzeichen aus Agassiz 
Poissons fossiles, Tome IL Pag. 162 hinzu zu fügen, welches, da es nur selten vorkommt, oder, 
wenn gleich vorhanden, selten bemerkbar ist, nicht weiter beachtet wurde. Dieses besondere Kennzei- 
chen besteht in dem Dasein von Zwischenträgern. Agassiz nennt sie: Osselels surapophysaires 
und gibt eine Darstellung derselben /. c. Taf. D. in dem restaurirten Skelete seines Platysomus 
gibbosus. Es sind diess kleine Stäbchen, die in der Rücken- und Afterflosse, gleich einer zweiten Reihe 
von Trägern, die Strahlen mit den wahren Trägern verbinden. Sie wurden bisher unter den vorwelt- 
lichen Ganoiden mit Bestimmtheit an den zur obigen Gattung Platysomus gehörigen Arten und unter 
den lebenden Ganoiden an den Stören beobachtet. Fischen, die nicht Ganoiden sind, fehlen sie durch- 
aus, daher alle jene, welche sie besitzen, und wäre es auch nur in einer Flosse allein, wie es bei dem 
gegenwärtig zu beschreibenden fossilen Fische des Karstes der Fall ist, eben so sicher Ganoiden sind 
als alle jene, deren Flossenränder Fulcra tragen. Wir haben eben gesagt, dass an unserem vorlie- 
genden fossilen Fische nur eine Flosse, die Afterflosse nämlich, Zwischenträger besitzt. Es scheint 
als ob diese Eigentümlichkeit mit dem Uebergange einer Chorda zur gegliederten Wirbelsäule zusam- 
menhinge, da in den Gattungen Platysomus und Acipenser, bei welchen Zwischenträger in der Rücken- 
und Afterflosse vorhanden sind, die Wirbelsäule aus einer wirklichen Chorda besteht, während sie hier 
ohne wahrhaft ossificirt gewesen zu sein, wie diess die nähere Beschreibung zeigen wird, bereits ge- 
gliedert erscheint. 

Nicht so einfach entschieden ist die Ordnung 1 und noch weniger die Familie in der Ganoiden- 
Cohorte, zu welcher unser merkwürdiger Halb-Stör gehören dürfte. Die beiden Ordnungen der Uolosiei 



l ) He ekel. Die Gattung Scaphirhynchus, in den Annalen des Wiener Museums 1836. 



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und Chondrostei Müllers haben zwar in Beziehung* auf die fossilen Arten, wenn man bloss dieVerknöche- 

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rung der Rückenwirbel berücksichtigen wollte, etwas unbestimmte Grenzen, indessen spricht hier die ent- 
schiedene Gliederung einer, wenn auch unvollständig ossificirten Wirbelsäule, das ausgebildete Zahnsystem 
und selbst die gleichtheilige Schwanzflosse mehr für die Ordnung- der Holostei als der Chondrostei, 
wenn gleich die allgemeine äussere Form oder der Total-Habitus sich zu den Sturionen unter den letz- 



teren hinneigt. 

Holostei und auch unser Fisch besitzen, 



(Praeoperculnm) fehlt, den alle 
d bringen ihn somit, bis weiter vorgeschrittene Ent- 



deckungen im Skeletbaue der fossilen Ganoiden eine vielleicht ganz andere Eintheilung erlauben wer- 
den, in die Ordnung* der Holostei. Was ferner die Familie anbelangt, so lässt sich darüber nichts 
weiter sagen, als dass man unseren Fisch nach Agassiz zu den Sclerodermen rechnen müsste, aus 
welchen, nachdem Müller die wahren Sclerodermen aus den Ganoiden entfernt hatte, Giebel's Fa- 
milie der Rostrali entstand. Allein hier erinnert gleich der berühmte Blochius, sowohl seiner, wie es 
scheint, auf der ganzen Innenfläche mit feinen Zähnchen besetzten schnabelförmiger Kiefer und selbst 
den Flossen nach, vorzüglich aber wegen der manchen Scombroiden so eigenen Strahlenanheftung in der 
Schwanzflosse, als durch die unter wahren Ganoiden sonst nicht vorkommenden langgestreckten Wirbel, 
eher an die Formen der Xiphioiden, welche uns in weiter Ferne liegen. Auch die beiden anderen, 
ihrer Hackenreihen wegen unserem Fische scheinbar näher stehenden, aber noch sehr unvollkommen 
bekannten Gattungen Dercetis und Rhinellus eben daselbst, möchten wir gleichfalls lieber unter die 
Teleostier zählen. Da nun unser ausgezeichneter Bewohner der Vorwelt unter allen bisher bekannten 
Ganoiden keine näheren Anverwandten findet, so stellen wir ihn als eine eigene Gattung, Saurorham- 
phus, auf, welche es verdient, der Typus einer besonderen Familie zu werden. 



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Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs 



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SAURORHAMPHUS 



Gattungs- Char acter e 



Körper gestreckt, fünfeckig. 

K o p f viereckig , hechtartig vorgeschoben, die Stirne flach, mit strahligen Schildern bedeckt. 

Mund wagerechte gespalten, Unterkiefer vorstehend. 

Zähne klein, spitz, in eine Reihe gestellt; vorne im Oberkiefer starke Fangzähne. 

Deckel strahlig, am hinteren Rande doppelt ausgebuchtet. 

Schultergürtel stark, unter jeder Brustflosse mit einem schildförmigen Vorsprunge nach rückwärt 



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versehen , auf der Brust von zwei breiten Schildern bedeckt. 

belsäule knorplig, gegliedert, mit ossificirten Apophysen, mehr abdominal 

enthaltend; die vorderen Wirbel ohne Dornfortsätze und ohne blinde Träger. 



Wirb 



Rücken- und Afterflosse massig lang, erstere mitten, letztere weit rückwärts beginnend und aHein 
auf Zwischenträger gestellt. 

Schwanzflosse homocerk. 

Bedeckung: eine Reihe strahliger Knochenschilder auf der Rückenfirste, zwei an den Seiten, wahr- 
scheinlich noch zwei am Bauche; die drei ersteren vom Kopfe bis zur Schwanzflosse reichend. 
































Saurorhamplius Freyeri. 

Taf. XVIII. XIX. 

Beschreibung. > 

Der Kopf bildet ein Drittheil der ganzen Länge des Thieres (ohne Schwanzflosse) und über- 
trifft dreimal die grösste Körperhöhe hinter dem Schultergürtel. Er ist hechtförmig verlängert, nach 
vorne zu etwas schmal und zugespitzt, nach hinten viereckig, mit flachen Seiten und einer flachen, 
zwischen den Augen über einen Augendiameter breiten Stirne; unten war er, nach einem noch 
übrigen unteren Schultergürtelschilde zu urtheilen, viermal breiter als die Stirne. Der hintere Theil 
des Oberkopfeswird von zwei länglich viereckigen Platten oder Schildern bedeckt, deren feinkörnige 
Erhabenheiten sich strahlenähnlich gegen einen, über jeden hinteren Augenrand gelegenen, etwas er-, 
höhten Mittelpunkte hinziehen. Rückwärts bilden beide Schilder gemeinschaftlich einen Ausschnitt, 
in welchen sich das nachfolgende einzelne Rückenschild einschiebt; vorwärts dürften sie jedenfalls 
über den vorderen Augenrand hinaus gereicht haben , was sich aber gegenwärtig nicht mehr bestimmt 
erkennen lässt. Ueberhaupt musste der ganze Oberkopf, bis zu seiner Spitze, mit strahligen gekörnten 
Schildchen bedeckt gewesen sein, wenigstens sind überall noch Spuren gekörnter Eindrücke an demsel- 
ben bemerkbar. Das Auge liegt mit seinem Hinterrande gerade im Anfange des letzten Kopfdrittheiles, 
berührt oben die Stirnplatte und unten beinahe den Maxillarknochen , sein Durchmesser ist zehnmal in 
der ganzen Kopflänge enthalten. Es wird von einem Ringe aus feinkörnigen Erhabenheiten eingeschlos- 
sen, der rückwärts breiter ist und in zwei ungleiche Spitzen ausläuft. (Vor dem Auge sind die Knochen 

krochen.") Die Mundspalte nimmt über zwei Drittheile der Kopflänge ein, ist wagerecht und 
wird erst unter dem Auge bis zur Kiefereinlenkung etwas abwärts gezogen. Diese Stelle, wo auch 





















Denkschriften d. mathein. naturw. Cl. 



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218 



«7oA. Jac. Heckel. 



keine Zähne mehr sichtbar sind, scheint mit einer dichten Spannhaut bedeckt gewesen zu sein so dass 
die eigentlichen Mundwinkel sich unter dem Auge befanden. Ueber diesem abwärts gebogenen Rande wird 
der hinterlassene Eindruck eines schmalen aberstarken Maxillarknochens sichtbar, der wenigstens 
rückwärts den Mundrand gebildet hat. Der Unterkiefer ist stärker als der Oberkiefer, ragt mit sei- 
ner stumpfen Spitze vorne über denselben hervor und zieht sich bei der Einlenkung meinem kurzen 

~* Der g anze hier theils im Abdruck, theils wirklich sichtbare Kieferrast 

ist aussen eben so chagrinartig rauh wie die Kopfschilde ; am Zahntheile laufen die gekörnten Reihen 
mit dem Mundrande parallel, am Gelenktheile entspringen sie strahlig aus dessen vorderem Ende. Reide 
Kiefer sind am Rande mit einer einfachen Reihe spitzer Zähnchen besetzt, wovon jedoch meistens 



Winkel 



bloss die Eindrücke im Steine erhalten sind. Am Oberkiefer treten nach 



gewissen Zwischenräumen 



abwechselnd etwas stärkere Zähne hervor, noch grössere sitzen vorne unter seiner Spitze, wo sie ein 
wenig hakig gebogen sind und diesen zur Seite sitzt der grösste Zahn von allen , ein flacher Fang- 
zahn, dessen scharfer rückwärts gekrümmter Haken weit über den Unterkieferrand hinabreicht. Der 
Stand der Nasenlöcher ist leider nicht bemerkbar. In der Mitte zwischen dem Auge und dem 



äussersten Deckelrande 



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sich der starke Vordeckel mit einer breiten Knochenleiste beinahe senk- 
recht herab , und endet nach kurzer Wendung vorwärts wie gewöhnlich bei der Kieferanlenkung. Aus 
seinem inneren Winkel entspringen vier, an der Rasis verbundene Dornspitzen, wovon drei längere sich 

Es sind jedoch diese Strahlen oder Dorn- 



Wange 



spitzen nicht selbst mehr sichtbar, sondern nur ihre tiefen Eindrücke auf der wahrscheinlich von ihrer 
Epidermis entblössten dicken Wangenhaut. Der Deckel besteht aus einem Stücke mit drei Spitzen, 
zwischen welchen der Aussenrand in sanft einwärts gehenden Rogen zierlich ausgeschnitten ist. Zwei 
erhabene Rippen wenden sich vom äussern Winkel des Vordeckels etwas bogenförmig zu den beiden 
untern Spitzen und deuten einigermassen den Zwischen- und Unterdeckel an. Der dadurch gebildete 
weit grössere obere Theil, welcher die Stellung eines Hauptdeckels einnimmt, wird, von dem durch 
Vordeckelrand und Rippe gebildeten Winkel aus, mit zarten strahligen Reihen gekörnter Punkte bedeckt, 
die in sanften Rogenlinien den Aussenrand erreichen. Zwischen den beiden Rippen nehmen die Rogen- 
reihen der Punkte eine mit dem äusseren Deckelrande parallele Richtung, unter der zweiten Rippe 
aber haben sie keine so bestimmte Stellung mehr. 

Der Schultergürtel ist stark und hat sowohl über als unter der Rrustflossenanlenkung einen 
schildförmigen strahlig punktirten Vorsprung, wovon der untere noch einmal so gross ist als der obere, 
sich weiter als die schiefe Rrustflossenbasis zurückzieht, zugespitzt ist und von einer erhabenen Mit- 
telrippe durchzogen wird. Zwischen diesen beiden unteren Vorsprüngen , wovon hier nur der linke 
sichtbar ist, musste jener Theil des Schultergürtels, welcher einigermassen die Stelle von Schlüssel- 
beinen vertritt, so breit gewesen sein wie an Stören. Diess geht aus einem auf derselben Steinplatte 
nur 17a Zoll vom Rumpfe entfernt liegenden Schilde hervor, welches offenbar den linken Humerus 
von unten bedeckt hatte. Dieses isolirte Schild liegt gegenwärtig so, dass man nur dessen innere dem 
Knochen zugewandte und etwas coneave Seite sieht. Es ist dreieckig und jede Seite enthält über 
zwei Augendiameter oder vielmehr zwei Stirnbreiten in der Länge. Aus seinem nach vorne liegenden 
zweimal ausgebuchteten Rande kommt eine gebogene Rippe, die sich aber hier an dem umgekehrten 
Schilde als schmale Rinne zeigt, verläuft sich in die rückwärts stehende Spitze und theilt das Schild 
in zwei ungleiche Felder. Das äussere schmälere Feld ist am Aussenrande etwus einwärts, das innere 
breitere etwas auswärts gebogen. Aus der gemeinschaftlichen Mitte kommen strahlig gestellte flache 
Furchen, deren bedeutendste gegen den Winkel des breiteren Feldes, der an jenen des rechten Humeral- 
Schildes anstösst, hinzieht. 

Die Gestalt des Rumpfes musste, seiner Redeckung nach, wie bei Stören, ein fünfseitiges 
Prisma gewesen sein, das allmählig abnehmend vor der Schwanzflosse nur noch ein Drittheil seiner 




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Beiträge zur Kcnntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



219 



Höhe hinter dem Schultergürtel hatte. Es ziehen sich drei Reihen von Knochenschildern über die 
ganze Länge des Rumpfes hin; eine aus grösseren ovalen Schildern deckt die Rückenfirste und 



zwei 



aus unregelmässig fünfeckigen bilden an den Seiten die Linea lateralis. Wahrscheinlich gab es auch 
noch zwei Rauchreihen, die aber nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen sind. Die Rückenreihe beginnt 
mit einem schmalen auf seiner Oberfläche gekörnten halbmondförmigen Schilde, dessen convexe Seite 
die Ausbuchtung der hinteren Kopfschilde ausfüllt. Das nächstfolgende erste ovale Schild ist, als das 
grösste von allen, vier und ein halbmal in der Kopflänge enthalten und wird der Länge nach von 
einer schmalen Kante durchzogen , die in der Mitte etwas höher , nach hinten zu aber gespalten ist ; 
der äussere Schildrand hat zwischen den Gabelspitzen der Kante einen Einschnitt. Auf dieses Haupt- 
schild folgen bis zur Rückenflosse noch sechs allmälig kleinere , vollkommen ovale Schilder , wovon 
aber hier drei losgetrennt und bis auf die Wirbelsäule herab geschoben wurden, so dass ohne jenem 
halbmondförmigen Zwischenschilde sieben an den Enden sich etwas dachziegelartig überdeckende Schil- 
der den Vorderrücken besetzen. An den sechs letzten ist jedoch die Mittelkante einfach und ver- 
schwindet nach und nach gänzlich auf der vorderen Hälfte der kleineren Schilder. Alle Schilder 
sind auf ihrer Oberfläche mit feinen erhabenen Puncten oder Körnern besetzt ; diese Körner reihen 
sich zu schönen dichten Strahlen, welche aus dem Mittelpunkte jedes Schildes gegen dessen Peripherie 
hinziehen. Hinter der Rückenflosse beginnt die Schilderreihe von neuem, aber auch zu beiden Seiten 
derselben dürfte sie, wie einige Spuren vermuthen lassen, bestanden haben. Die Schilderreihe hinter 
der Rückenflosse scheint aus fünfzehn , jedenfalls viel kleineren ovalen Schildchen zu bestehen , die 
sich bis zur Schwanzflosse hin noch bedeutend verjüngen. In ihrer gegenwärtigen, umgestürzten, 
theils von der Wirbelsäule und ihren Apophysen überdeckten Lage, lässt sich aber nichts weiter daran 
erkennen , als dass jetzt ihre nach oben gewendete Unterfläche glatt ist und von einer Längsfurche 
mitten durchzogen wird; woraus sich schliessen lässt, dass sie oben, gleich jenen des Vorderrückens 
eine erhabene Kante und vermuthlich auch strahlige Körnerreihen hatten. 

Die gleichfalls sich etwas überdeckenden und nach rückwärts allmälig an Grösse abnehmenden 
Schilder der Seitenreihe (36 bis 37) beginnen hinter dem oberen Vorsprunge des Schulter- 
gürtels, der gleichsam das erste Schild darzustellen scheint. Ihre wahre Gestalt lässt sich erst an jenen 
nach den Rauchflossen stehenden mit voller Restimmtheit erkennen; die vordersten Schilder befinden 
sich in einem zu sehr beschädigten Zustande, um ihre breitere nach und nach in die Umrisse der Nach- 
folgenden übergehende Form ganz genau angeben zu können. Sie scheinen indess mehr oval gewesen zu 



gegen 



seyn, rückwärts mit drei, durch eine doppelte Ausbuchtung des Randes entstandenen Spitzen, 
welche sich aus dem Mittelpunkte eben so viele erhabene Rippen hinzogen. Die oberen zwei Drittheile 
waren strahlig gekörnt, das untere glatt. Die wohlerhaltensten Seitenschilder unter der Rückenflosse, 
die 2 /3 eines Augendiameters lang sind, haben im Allgemeinen eine dreieckige Gestalt, obschon sie in 
fünf Spitzen auslaufen. Zwei dieser Spitzen sind nach vorwärts, drei nach rückwärts gewendet, der 
obere Piand ist wagrecht, der untere aber läuft nach hinten zu schief abwärts. An jeder Spitze endet 
eine der fünf Rippen, welche sämmtlich aus dem im oberen Drittheile des Schildes gelegenen Mittel- 
punkte kommen. Zwei dieser Rippen, nämlich die vorwärts in die untere und die rückwärts in die 
mittlere Schildspitze eindringende, liegen in einer und derselben horizontalen Linie; die beiden, über 
diesen schief aufwärts divergirenden enden in wahre Dornspitzen und die unterste längere und schwächere 
Rippe durchzieht den bei weiten grösseren abwärts gehenden stumpfen Lappen des Schildes. Die beiden 
etwas aufwärts gehenden Rippen mit den Dornspitzen und die mittlere rückwärts laufende bilden, als die 
stärksten, einen längs der ganzen Schilderreihe sich erhebenden Kamm. Zwischen den drei hinteren Spitzen 
ist die tief ausgeschnittene Schildfläche strahlig gekörnt, auch über den wagrechten Rippen ist sie rauh 
allein die grösste Fläche zwischen der wagrecht vorwärts gestreckten , den Rand nicht ganz erreichenden 
und der unteren langen rückwärts gehenden Rippe ist, bis auf 3 — 4 kurze Strahlenrudimente, ganz 



28 * 















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<?latt. 



220 Joh. Jac. He ekel 

Alle Schilder, sowohl die des Rückens als der Seitenreihen scheinen im Verhältnisse wenigstens 
eben so stark und dick gewesen zu seyn wie die analogen der Störe. 

Nach dem unteren grösseren Vorsprunge des Schultergürtels zeigen sich Spuren eines zertrümmerten 
Bauchschildes, auf welches ein dreiseitiges Schild über den Bauchflossen selbst, gleichsam wie eine Achsel- 
schuppe folgt. Es scheint daher sehr wahrscheinlich zu seyn, dass auch Bauchreihen von Schildern, 
wie bei Stören, vorhanden waren, wovon aber gegenwärtig, hinter den Bauchflossen wenigstens, nicht 
das Mindeste mehr zu sehen ist. 

Die Wirbelsäule trägt, obschon sie gegliedert ist, die unverkennbaren Merkmale ihrer ehemals 
cartilaginösen Beschaffenheit, denn: erstens, treten die Anlenkungsränder der einzelnen Wirbelkörper 
durch keine peripherische Anschwellung hervor : zweitens wurden alle Wirbel durch die belastende 
Steinmasse mehr zusammen gedrückt als die ursprünglich ohne Zweifel weit dünneren, aber auch 
knöchernen Rückenschilder: drittens, ist auf den Wirbeln selbst ein, den Dornfortsatz tragender Sattel, 
oder vielmehr der Anfang einer in den Dornfortsatz übergehenden Verknöcherung weit erhabener ge- 
blieben , als selbst der Kern der Wirbel , wo die sonst so starken Wände der von der Chorda durch- 
zogenen trichterförmigen Aushöhlungen, bei vollständiger Ossificirung am meisten Widerstand leisten. 
Die Wirbelsäule ist übrigens doch noch weit vollkommener ausgebildet als die blosse Chorda der 
Störe , denn sie besteht aus 39 einzelnen Wirbelkörpern, an welchen wenigstens ein Uebergang 
zu jenen gewöhnlichen trichterförmigen bis gegen die Mitte reichenden Vertiefungen zu bemerken ist. 
Von diesen Wirbeln gehören 22 der abdominalen und 17 der caudalen Region an. Die vorderen sind 
etwas länger als hoch und scheinen beinahe noch weicher gewesen zu seyn als die mittleren die Rücken- 
flosse tragenden, welche zwar von gleicher Länge (zwei Wirbel erreichen einen Augendiameter), aber 
stärker, das heisst eben so hoch als lang sind. Nach dem Anfange der Afterflosse nehmen sie ziem- 
lich rasch, aber mehr an Höhe als an Länge ab, so dass die letzten Wirbel um die Hälfte niedriger 
sind als jene höchsten unter der Rückenflosse. Eine andere Eigenheit, wodurch sich die Wirbel 
auszeichnen, besteht darin, dass die vorderen derselben, obschon auch an ihnen der mehr verknöcherte 

Die oberen Dornfortsätze beginnen erst 
vom siebenten Wirbelan sich sehr allmälig zu erheben; anfangs kaum bemerkbar klein, sind sie selbst 
später unter dem Anfange der Rückenflosse noch weit entfernt den Trägern derselben zur Stütze 
dienen zu können; unter dem Ende der Flosse verlängern sie sich mehr und erreichen erst hinter 



Rücken bemerkbar ist, keine Dornfortsätze tragen. 



ihr ihre grösste Länge mit V/ 2 Wirbeldurchmesser. Alle Dornfortsätze sitzen rückwärts auf einem, 
jedem Wirbelkörper gleichsam aufgesattelten länglichen Knochenstück, das weiter nichts zu seyn scheint 
als ein ossificirter Theil des unausgebildet gebliebenen Wirbels oder der Anfang zu einem Knochen- 
ringe. Sie sind dünne, gerade und spitz wie Nadeln und neigen sich, mit Ausnahme der hintersten, 
mehr anliegenden, in einem Winkel von 45 Grad nach rückwärts. Die unteren Dornfortsätze der Cau- 
dalwirbel entspringen dagegen im Anfange der Wirbel, sie gleichen den oberen, stützen die Träger 
der Analflosse und legen sich hinter derselben mehr an die Wirbelsäule an. Die Rippen scheinen 
auf sehr kurzen, gegenwärtig von den Seitenschildern überdeckten Querfortsätzen, welche erst an 
den 3 — 4 letzten Abdominal- Wirbel, wo sie bereits abwärts gerichtet und vereinigt sind, hervor- 
treten, angeheftet gewesen zu seyn ; sie sind massig lang und stark, an der oberen Hälfte etwas breit 
und flach. Von sehr wenigen sind noch Eindrücke ihrer ursprünglichen Lage sichtbar, viele sind abge- 
brochen, andere unter die Wirbelsäule geschoben, welche sie verdeckt, die meisten aber ganz um- 
gewendet, so dass sie jetzt über der Wirbelsäule und unter den Rückenflossenträgern liegen. Ihre An- 
zahl scheint mit jener der Abdominal- Wirbel ziemlich gleich gewesen zu seyn. 

Die Rrust flösse sitzt, wie bereits erwähnt, zwischen den beiden schildförmigen Verlängerungen 
des Schultergürtels, nicht so weit unten wie bei Stören, hat auch keinen Knochenstrahl, sondern 
besteht nur aus einem dünnen ungetheilten und 12 getheilten Strahlen , wovon die mittleren zugleich 










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221 



die längsten sind, und die Basis der Bauchflossen erreichen. Letztere liegen unter dem 9. — 10. 



Wirbel , haben keine Verbindung mit dem Scluilterg 
enthalten , wie es scheint, sechs getheilte Strahlen. 



sind etwas kleiner als die Brustflossen und 



Die Rückenflosse fängt mit dem vierten Fünftheile der Körperlänge, senkrecht über dem 15. 
Abdominal-Wirbel an und endigt über dem 20.; ihre Basis enthält daher fünf Wirbellängen. Der obere 

so dass der letzte Strahl nur mehr die 



Flossenrand ist anfangs gerade, dann rückwärts abgerundet, 



halbe Länge des ersten hat, welcher niedergelegt der ganzen Basislänge gleichen würde. Alle Strahlen 
sind schlank, einmal gespalten und lang gegliedert. Die Anzahl der Träger, nämlich 13, gleicht 
jener der Strahlen. Keiner derselben erreichte, in seiner früheren natürlichen Lage, die kurzen 
Dornfortsätze unter ihnen, obsehon sie jetzt durch gewaltsame Verschiebung mit ihren Spitzen die 
Wirbelkörper selbst berühren. Die vorderen sind etwas schwertförmig, flach, mit einer zarten Mittel- 
rippe und beinahe so lang als zwei Wirbel; die hinteren allmälig etwas kürzeren gleichen den runden 
spitzen Dornfortsätzen der Wirbelsäule. Alle Träger, besonders die vorderen, sind an den Anlenkungsstellen 
wie die Lilie im altfranzösischen Wappen, aber ohne das Mittelblatt, gestaltet und ausgeschnitten; sie 
empfangen in diesem Ausschnitte den vor- und rückwärts mit zwei kleinen Fortsätzen versehenen 
Gelenkkopf des Strahles. Der erste Träger ist übrigens gespalten und schiebt einen Schenkel nach 

vorwärts. 

Die Afterflosse ist etwas länger als die Rückenflosse , ihre Basis erreicht 3 /t der Kopflänge, 
beginnt mit dem letzten Fünftheile der Körperlänge und sitzt senkrecht unter dem 4. — 11. Caudalwirbel. 
Sie enthält 14 getheilte Strahlen, welche etwas weiter auseinandersitzen als in der Rückenflosse und 
viel kürzer zu seyn scheinen ; vor ihrem ersten etwas stärkeren Strahle legen sich ganz dicht zwei 
ungeteilte wie kurze Knochenstrahlen an. Eine sehr merkwürdige Erscheinung an dieser Flosse ist das 
so seltene Auftreten von Zwischenträgern {Osselets sur apophysaires Agass.), und zwar um so 
mehr, da sich solche in der Rückenflosse durchaus nicht nachweisen lassen. Wir haben bereits auf die 



Zwischenträger in der Gattun 



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Kennzeichen der Ganoiden aufmerksam gemacht und bemerken nur noch, dass uns kein Fall bekannt 
sei, wo diese eigenthümlichen Stäbchen nur an einer Vertikalflosse vorkommen, während sie an der 
andern gänzlich fehlen. Die eigentlichen Träger sind jenen an der Rückenflosse ziemlich ähnlich, 
schieben sich aber sehr zwischen die unteren Wirbelapophysen ein, sind unten, wo sich die Zwischen- 
träger anlenken, gerade abgestutzt und fein gezähnelt. An dem ersten vorwärts liegenden Träger, der 
viel kürzer und breiter ist als die zunächst folgenden lanzenförmigen , lenken sich noch unmittelbar 
die beiden vordersten kurzen ungeteilten Strahlen der Flosse selbst an ; unter dem Zweiten scheint sich 
der Anfang eines Zwischenträgers , als ein kleines Körnchen zu zeigen , das unter dem nachfolgenden 
Träger grösser , unter dem fünften zum ordentlichen Würfel wird. Nach dem fünften Träger geht die 
Gestalt der Zwischenträger in eine stufenweise längere und gestrecktere über, verdünnt sich in 
der Mitte, bekommt Längefurchen und an den beiden breiteren Anlenkungs-Enden feine Zähnchen. Ge- 
gen das Ende der Flosse verändert sich diese Form allmälig wieder und die schlanken Stäbchen wer- 
den beinahe cylindrisch; das letzte von allen, unter welchem der gewöhnliche Doppelstrahl sitzt, ist 
kürzer und dicker. Die Strahlen haben dieselben Gelenkköpfe wie jene der Rückenflosse und schei- 
nen nur einmal, aber bis gegen die Basis gespalten zu seyn, dabei ist ihr vorderer Zweig stärker als der 
hintere; übrigens ist hier an keinem einzigen das Ende vollkommen erhalten. 

Nach den Ueberresten der leider sehr beschädigten Schwanzflosse lässt sich mit Gewissheit 
zwar angeben, dass sie homocerk gewesen sei, allein die ehemaligen Umrisse bleiben uns einstweden 
verborgen. Alles was daran noch zu bemerken ist , sind die Ueberrestc von 5—6 gegliederten zweimal 
gespaltenen Strahlen im oberen Theile , welchen einige zerbrochene Stützenstrahlen voran gehen. Vom 
unteren Theile der Flosse ist keine deutliche Spur mehr zu entdecken. 





































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222 



Joh. Jac. He ekel. 



Die einzige bisher bekannte Platte dieses so höchst merkwürdigen Fisches stammt aus dem schwar- 
zen bituminösen Kalkschiefer der Kreideformation von Com en im Görzer Kreise und befindet sich 



Wissensch 



verdientem 



Custos H e in r. Frey er, wir uns für die Herbeischaffung dieser und so mancher anderen neuen interes- 
santen Art fossiler Fische zu vielem Danke verpflichtet fühlen. 

Taf. XVIII. Saurorhamphus Freyeri in natürlicher Grösse, in schwarzem bituminösen Kalkschiefer des 

Karstgebirges bei Comen. 



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nach oben gewendet. 









Taf. XIX. Fig. 1. Saurorhamphus Freyeri. Etwas vergrösserte Linearzeichnung; wobei alle Theile 

als in der im Leben inne gehabten Lage gedacht und durch genaue Vergleichung ihrer Bruch- 
stücke soweit als möglich ergänzt dargestellt sind. 

ler Seitenlinie über der Brustflosse, eine Uebergangsform zu der 







normalen Gestalt der 



b) Knochenschilder nach den Bauchflossen, beide nach einzelnen Bruchstücken ergänzt 
und vergrössert gezeichnet. 

c) Das auf der Steinplatte Taf. VI. isolirt liegende, der Brustfläche des linken Schulterkno- 
chens angehörende Schild a. — Auf einer Seite ist das rechte Brustschild, auf der 
anderen der linke grosse Vorsprung des Schultergürtels punetirt angedeutet. Alles im 
Verhältnisse zur Fig. 1. des ganzen Fisches vergrössert dargestellt. 

d) Zwei vergrösserte Wirbel aus der Gegend zwischen Rücken- und Afterflosse genommen; 
ihre untere Seite ist, da sie nirgends von den Seitenschildern entblösst zu sehen war, bloss 
nach durchscheinenden Spuren gezeichnet. 

e) Träger des dritten Rückenflossenstrahles. 

f) Unterer Theil des dritten Rückenflossenstrahles, beide vergrössert. 

g) Afterflosse mit ihren Trägern und Zwischenträgern in normaler St 






vergrössert. 

h) Siebenter Träger aus der Afterflosse, mit s< 

i) Zwischenträger und dem 

k) achten Flossenstrahle. Stark vergrössert. 



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Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



223 



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AMPHISYLE HEINRICHI. 



Ord. Acanlhoptevi 



Farn. Wistulaves. 



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Taf. XX. 

Zm einer der seltensten Erscheinungen in der fossilen Welt gehört ohnstreitig die merkwürdige Gattung 
Amphisyle; kleine sehr zarte hornartig durchsichtige Fischchen, von höchst ausgezeichneter messer- 
förmig comprimirter Gestalt. Man kennt seit langer Zeit nur zwei Arten derselhen: Die eine leht gegen- 
wärtig in den ostindischen Meeren und wurde von Linnee als Centriscns scutatus beschrieben; die andere, 
aus den Niederschlägen urweltlicher Fluthen, welche die bekannten fischreichen Schichten der Vestena, 
eines Hügels des Monte Bolca bilden, kam bis jetzt bloss durch ein einziges Individuum, das selbst 
später wieder verloren ging, zur Kenntniss der Naturforscher. Aber auch diese Kenntniss beruht bis 
heute nur auf einer schlechten Abbildung, mit einer eben so unvollständigen Beschreibung, in der lttiologia 
veronese, unter dem Namen Centriscns velitaris Pallas. Später nannte Blainville, welcher die Ver- 
schiedenheit dieser fossilen und der Pallasischen reccnten Art erkannte, erstere Centriscns longirostris und 
nachdem C u v i e r die Gattung Amphisyle Klein angenommen hatte , stellte A g a s s i z , in seinen 
Poissons fossiles, den graphischen Ueberrest aus der lttiologia veronese unter dieselbe, konnte aber, 
da sich das Original in der nach Paris gebrachten ehemaligen Veronesischen Sammlung nicht mehr vor- 
fand, leider nichts Näheres darüber sagen. Statt dessen theilte er uns die Beschreibung des Skeletes 
der jetzt lebenden Amphisyle scutata mit. 

Der Pallasische Centriscns velitaris, für welchen ursprünglich die fossile Art des Monte 
Bolca gehalten wurde, gehört aber keineswegs der Gattung Amphisyle, w T ie sie Cuvier verstanden 
hatte, an, obgleich ihn letzterer selbst, in seiner //. Edition du regne animal, unglücklicher Weise 
dazu gerechnet. Centriscns velitaris ist, so wie ihn Pallas beschreibt und abbildet, *) ein eigent- 
licher Centriscns, mit dem gewöhnlichen Centriscns scolopax Linn. nahe verwandt. Beide Gattungen 
Centriscns und Amphisyle kommen übrigens in einer sehr merkwürdigen, bisher wie es scheint 

unbeachtet gebliebenen Eigenheit überein. An Centriscns nämlich haben die vier letzten , an Amphisyle 

nach unten zu und 

schieben sich unmittelbar selbst zwischen die Dornfortsätze der Wirbel ein , können sich daher 
ohne Articulation auch nicht nieder legen. Uebrigens sind die beiden Genera in ihrem sehr interessanten 
Skeletbau so weit von einander unterschieden, dass eine ausführliche Vergleichung derselben hier, wo es 
sich bloss um Gattungs-Charactere handelt, unsere Grenzen überschreiten würde. Wir führen daher nur 
noch an, dass bei Centriscns, dem besonders auch die Kielrippen (cotes sternales Agass.^ fehlen, der 
vordere starke lange Knochenstrahl in derselben ersten Rückenflosse, auf einem gleichfalls langen starken 
Träger über dem Anlange der Afterflosse, steht und sich bei einer gewissen Wendung so weit nieder 
legen lässt, dass er die nachfolgenden steifen gelenklosen Strahlen zum Theile unter seine rinnenförmige 
Aushöhlung aufnehmen kann. Ferner wird der sehr schiefliegende Träger dieses Strahles, welcher sich 
zwischen die Dornfortsätze der vorderen mitsammen verwachsenen Wirbelkörper einschiebt, durch eine feste 
Membrane mit einem voranstehenden noch stärkeren Träger verbunden. Diese letztere Hauptstütze, auf 



alle Strahlen in der ersten Rückenflosse keine Träger, sie verlängern sich 



l ) Pallas, Spicilegia %oologica , Fasciculus VIII. Pag. 36. Tab. IV. Fig. 8 









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224 



Joh. Jac. Hechel. 

























welcher auch der sehr kleine erste Rückenflossenstrahl sitzt , dient zugleich dem beinahe leistenförmigen 
Rückensehilde als Auflage, wird aber selbst wieder an jeder Seite von zwei kräftigen Endspitzen fest- 
gehalten, welche ein, mit den drei ersten breiten Querfortsätzen verwachsenes aufrechtes Gerüste, gleich 
Strebepfeiler ihm entgegen sendet. An Amphisyle dagegen fehlt der starke Rückenflossenstrahl sammt 
den Trägern und dem stützenden Gerüste; seine Stelle vertritt, sonderbar genug, ein analoger runder 
Dorn, der unmittelbar an der Spitze des letzten wagrechten, über das darunter abwärts gebogene Schwanz- 
ende hinaus verlängerten, Rückenschildes ansitzt und daher nicht dem Skelete, sondern vielmehr der 
hornartigen Hautbedeckung angehört, durch welche beinahe der ganze Fisch wie in einer glatten halb 
durchsichtigen Scheide eingeschlossen ist. An Centriscus besteht die Bedeckung durchaus aus Dorn- 
schuppen, die wie gewöhnlich in einer weichen Haut sitzen. 

Unsere fossile Amphisyle gleicht, der Länge ihrer Mundröhre nach, jener Darstellung in der 
Ittiologia veronese; was denn aber auch alles ist, was sich aus letzterer entnehmen lässt. Andererseits 
berechtiget sowohl die Entfernung des neuen Fundortes als der Umstand, dass von den bisher dort vor- 
gefundenen Ichthiolythen keiner mit jenen des Monte Bolca übereinkömmt, und endlich auch die jüngere 
Formation dieses neuen Fundortes, unsere Amphisyle für eine eigene noch unbekannte Art zu halten ; 
wenigstens in so lange bis sich nicht durch Wiederentdeckung eines zweiten Exemplares in der Vestena 
die Identität beider Arten und somit auch das gleiche Alter ihrer Lager heraus stellt. 

Wir bemerken nur noch, dass der wesentlichste Unterschied unserer Amphisyle Heinrichi von 
der lebenden Amphisyle scidata darin liegt, dass an jener, ausser der verhältnissmässig längeren 
Mundröhre, jede Bauchflosse nur aus zwei Strahlen besteht, und dass der Endstachel am letzten 
Rückenschilde länger ist als der Fortsatz, welcher ihn trägt. 

Beschreibung. 

Die Länge des Kopfes gleicht beinahe der Entfernung vom Kopfe bis zum Ansätze des End- 
stachels, mithin derselben Körperlänge, von welcher die grösste Körperhöhe, bei der Einlenkung der 
Brustflossen genommen, kaum mehr als den vierten Theil ausmacht. Nasenloch und Augenhöhle 
sind ziemlich gross, liegen nahe neben einander unter dem Stirnprofile, so dass zwischen letzterer 
und dem äusseren Deckelrande nur eines Augendiameters Raum bleibt. Der schmale Vordeckel 
zieht sich, schief vorwärts , bildet unter der Mitte des Auges einen rechten Winkel und geht in die 
lange Mundröhre über, welche, bis zum Auge gerechnet, mehr als ein Drittheil der ganzen Fisch- 
länge, ohne den Endstachel einnimmt. Die beiden Kiefer sind hier leider zerstört und nur in einzelnen 
Fragmenten vor der Mundröhre bemerkbar, deren abgebrochenes Ende nur einen halben Augendiame- 
ter an Höhe erreicht. Der untere Rand des Vordeckels geht in jene so zarte, an der jetzt lebenden 

über , welche den Anfang einer eben solchen , den ganzen 
Kiel des Bauches einnehmenden überdeckt; von letzter ist jedoch hier, vom Kopfe bis zur Afterflosse, 
nicht die mindeste Spur bemerkbar, selbst die des Vordeckels ist nur schmal. Deckel und Unter- 
deckel sind beinahe gleich gross; ersterer ist parabolisch abgerundet und wird von vielen strahlen- 
förmigen feinen Furchen, welche unter und hinter dem Auge entspringen, durchzogen. Letzterer ist 

unten eine Fortsetzung der transparenten Schneide des Vordeckels zu bilden. Vor 
dem Nasenloche ist die Oberseite des Kopfes mit äusserst zarten Längefurchen geziert , hinter dem 
Auge dagegen, so wie auch am ganzen Hinterkopfe mit feinen Pünctchen dicht besäet. Betrachtet 
man diese Pünctchen durch die Lupe , so stellen sich sechseckige Grübchen dar , die beinahe wie 
Zellen einer Honigwabe aussehen. Aehnliche Grübchen , doch nicht so regelmässig gestaltet , aber in 
weit grösserer Menge, bedecken die Brust hinter dem Schultergürtel, wo sie durch einige sehr feine 
Furchen in unregelmässige Felder getheilt werden. Der Schultergürtel selbst ist schmal und zieht 
sich unter dem Anfange der Rückenschilder weit rückwärts. Die Anzahl dieser letzteren lässt sich 



Art 



lasartig durchsichtige Schneide 



glatt und scheint 



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• 



Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



225 



nicht mehr bestimmen, sie sind lange nicht so breit wie an Amphisyle scutata, und so viel noch 
aus dem feingefurchten Abdrucke des letzten verlängerten Schildes zu ersehen , dürften sie über den 



ganzen 



Rücken hin ebenso mit zarten Grübchen oder sechseckigen Zellchen besetzt gewesen sein 



wie der Hinterkopf. Die Verlängerung des letzten Schildes, welches vor dem Stachelansatze noch 
einen halben Augendiameter breit ist, liegt mit der Rückenfirste in einer geraden wagrechten Linie, 
von welcher selbst der nachfolgende Stachel nur sehr wenig nach unten zu abweicht. Dieser ist rund, 
scharf zugespitzt ^ halb so lang als die Mundröhre vom Auge an bis zur Kieferspitze und der Länge 
nach regelmässig gefurcht, besonders von der Rasis oder Ansatzstelle aus , wo diese zierlichen Furchen 
unter der Lupe, wie die Hohlkehlen gewisser Säulen aussehen. Es ist bemerkenswert!^ dass dieser 
Stachel, welcher an der jetzt lebenden Amphisyle scutata so leicht abfällt oder abbricht, hier gerade 
der einzige Theil ist, der sich nicht als blosser Abdruck, sondern in der Wirklichkeit erhalten findet. 
Von den Rrustflossen bis zur Afterflosse liegen sieben Seiten Schilder, welche noch an den Ein- 
drücken der sie durchziehenden unten spateiförmig ausgebreiteten Kielrippen zu erkennen sind. Vor 
den Rrustflossen dürften noch drei, mit den oben beschriebenen Puncten oder Grübchen versehene 
Seitenschilder die Rrust bedeckt haben, so dass es im Ganzen zehn, wie an Amph. scutata waren. 
Mit Restimmtheit lassen sich im Ganzen nur 15 Wirbel nachweisen; es dürften jedoch deren 17 oder 18 
gewesen sein, da wahrscheinlich 2 bis 3 der sehr kleinen Endwirbel mit der Schwanzflosse verloren 
gingen. Die ersten vier Wirbel sind sehr lang und nehmen zusammen mehr als die halbe Länge der 
ganzen Wirbelsäule ein, der vierte und fünfte Wirbel wird bedeutend kürzer; beide liegen noch mit 
den vier ersten unter den Rückenschildern und nehmen die lange Abdominalregion ein. Hierauf folgen 
von keinem Schilde mehr bedeckt neun sehr kleine Caudalwirbel, die alle mit einander nicht 
länger sind als der vierte und fünfte Wirbel zusammen genommen. Von den Dornfortsätzen, welche 
hier erst mit den unbedeckten Caudalwirbeln sichtbar werden, sind die oberen stark nach hinten zu, 
die unteren dagegen etwas nach vorwärts gerichtet. 

Resonders merkwürdig ist hier die Rrust flösse, welche um einen Augendiameter hinter dem 
Kiemendeckel, unter dem langen Fortsatze des Schultergürtels, eingelenkt ist. Sie besteht nur aus zwei 
Strahlen , die im Gegensatze zu den völlig ungetheilten Strahlen der Amphisyle scutata gespalten 
und so lang sind als die halbe Mundröhre vom Auge angefangen. Von den kleinen Rauch flössen 
bemerkt man unter dem Ende der zurückgelegten Rrustflossen kaum eine Spur. Eben so kann man 
unter dem verlängerten Rückenschilde nur mit Mühe noch zwei Strahlen aus der ersten Rücken- 
flosse wahrnehmen, welche sich ohne Träger nach einwärts gegen den sechsten Wirbel hin verlän- 
gern. Die Strahlen der zweiten Rückenflosse sind beinahe gänzlich verschwunden und noch mehr 
ihre Träger. In der Afterflosse dagegen lassen sich noch 13 bis 14 sehr kurze zarte Strahlen 
sammt ihren eben so kurzen Trägern zählen. 

Das schöne Exemplar , nach welchem obige Reschreibung entworfen wurde, verdanken wir, nebst 
anderen Arten fossiler Fische desselben Fundortes, der gefälligen Mittheilung des Herrn Professors Alb in 
Heinrich zu Rrünn. Er erhielt dieselben bei Gelegenheit eines Schürfungsschachtcs von Krako- 
wiza nächst Imwald im Wadowitzer Kreise in Galizien, aus einer Tiefe von 8 Klaftern. Das 
umgebende Gestein ist bituminöser Mergelschiefer, die Formation wahrscheinlich eine jüngere tertiäre. 

Taf. XXII. Fig. 1. Amphisyle Heinrichi Heck, in natürlicher Grösse. Im bituminösen Mergelschiefer 



von Galizien. 

Fig. 2. Amphisyle Heinrichi, in vergrösserter Linearzeichnung und mit 

Angabe der sechs ersten Rückenwirbeln. 

a) Die zellenförmigen Poren am Hinterkopfe stark vergrössert. 

b) Rasis des kannelirten Dorn es, am Ende des letzten Rückenschildes 



etwas schärferer 



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stark vergrössert. 



Denkschriften d. mathem. natunv. Cl. 



29 

















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t/oA. t/«c. He ekel 



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VALENC. 



Ord« M*hy so Storni. 



Farn. Ciupeidae 



Aus der Familie der Chipeiden, wie sie Cuvier aufgestellt hatte, wurden in der neuesten Zeit 
durch Valenciennes die mit Kielrippen versehenen Arten als Clupeen im eigentlichen Sinne hervorge- 
hoben und diese auf Grundlage des Vorkommens oder Mangels von Zähnen an den verschiedenen 
Knochen der Mundhöhle, in mehrere Gattungen eingetheilt 1 ). So vortrefflich auch solche Charactere 
sich erweisen, wenn es bloss darauf ankömmt, jetzt lebende in Weingeist aufbewahrte Fische ihren 
Gattungen zuzuweisen, so trostlos erscheinen sie dem Palaeontologen, da weder diese Zähnchen , ja 
nicht einmal der Knochen, worauf sie sitzen sollen mit Ausnahme jener des Mundrandes an unseren 
fossilen Exemplaren, wie leicht zu denken, ersichtlich sind. Wir suchten daher nach anderen auch 
im fossilen Zustande der Fische noch kenntlichen Anhaltspuncten, um wenigstens nur einige Eintheilung 
im Sinne der Histoire nat des poiss. unter jenen mit Kielrippen versehenen Clupeen zu ermöglichen. Der 
erste Anhaltspunct ergab sich aus einer genauen Vergleichung der Schuppentextur, der andere besteht 
wie bisher in dem nackten oder gezähnten Rande der Kieferknochen. Es liegt nicht in unserer Aufgabe, 
hier eine vollständige Abhandlung über die oft sehr verschieden gestaltete Textur sämmtlicher Clupeen- 
Arten zu geben , wir werden daher nur ganz kurz nur jene Resultate unserer Untersuchungen berühren, 
die zu dem gegenwärtigen Ziele führen. 

Die Textur der Schuppen aller mit Kielrippen versehenen wahren Clupeen unterscheidet sich 
wesentlich von jener anderer Fische dadurch, dass sie seltsamer Weise eine doppelte ist: nämlich 
eine besondere für die untere und eine andere für die obere Fläche derselben Schuppe. Erstere be- 
steht aus den gewöhnlichen feinen Kreisen oder concentrischen Ringen, die hier aber in geringer 
Anzahl und minder scharf vielmehr im verkleinerten Masse wie die kreisförmigen Wellen aussehen, 
welche auf glattem Wasserspiegel durch einen hinein geworfenen Stein entstehen, nur mit dem Unter- 
schiede, dass hier die äusseren Ringe am erhabensten scheinen. Die obere Textur lässt sich am besten 
mit den äussert zarten parallelen Linien vergleichen, wodurch man heut zu Tage häufig Münzen und andere 
halberhabene Gegenstände so täuschend auf flachem Papiere darstellt (Guillochis); nur laufen diese 
feinen dicht gedrängten Furchen an unseren Schuppen mehr geradlinig quer über die Fläche. Sie nehmen 
immer den weit grösseren von den vorhergehenden Schuppen überdeckten Theil ein, der unbedeckte 

concentrischen Ringe durchschimmern. Bei vielen dieser 
Clupeen sind die Schuppen sehr zart und dünne, bald ohne Radien, bald mit feinen strahlig gestellten 
oder auf der unbedeckten Fläche netzförmig verbundenen versehen. Andere Clupeen, wozu auch unsere 
fossilen Arten gehören, haben dickere beinahe hornartige Schuppen, deren Radien gleich tief gezogenen 

*) Weit entfernt diese , nach der Stellung eines einzelnen hier nichts veniger als vorherrschend ausgebildeten Organes angenommene, 
offenbar willkürliche Eintheilung tadeln zu wollen, nach welcher die grosse Anzahl ähnlicher unter einander schwer zu unterscheidender 
Arten einer natürlichen Familie mit mehr Präcision unseren Systemen eingereiht werden können, bedauern wir bloss, dass in dem 
früheren XVII. Bande desselben Werkes , unsere bereits auf dieselben Ansichten basirte Eintheilung der noch weit artenreicheren und 
schwierigeren natürlichen Familie der Cyprinen (Fische Syriens, in llusseggers Heise), bei welcher noch dazu ein dort so vorherr- 
schend ausgebildetes Organ wie die S c h 1 u n d z ä h n e benutzt wurde , geradezu verworfen ward. 



Theil bleibt glatt und lässt seine unteren 



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Kenntniss der fossilen 



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Furchen in geringer Anzahl, höchstens bis sechs Paare, die Schuppen beinahe senkrecht und ein- 
ander parallel durchschneiden, so dass die feinen Querlinien der oberen Textur und die tiefen Radien 



einerlei Richtung* folgen. Die ersten zwei Radien oder eigentlich nach hinten zu die letzten vereinigen 
sich zu einer geraden Querlinie, welche den hinteren freien Theil der Schuppe von dem grösseren 
bedeckten zart durchfurchten scheidet. Die übrigen der Schuppenbasis mehr genäherten Radien stehen, 
wenn sie nicht in ebenfalls zu geraden Linien verbundenen Paaren parallel den ersten folgen, um einen 
mitten in der Schuppe befindlichen elliptischen Raum, der nicht von ihnen durchzogen wird; gewöhn- 
lich sind dann die der Schuppenbasis mehr genäherten Radien weniger senkrecht gestellt. Die dicken 
Schuppen zerklüften bei einiger Maceration sehr leicht in eben so viele Feldchen als sie durch ihre 
Radien getheilt wurden , was an Peters Ansicht über die Structur der Fischschuppen 1 ) erinnert : 
manchesmal fällt, wenn nur ein Paar zu einer Grenzfurche verbundene Radien vorhanden ist, der 
unbedeckte Theil von dem übrigen auch ganz allein ab. Im fossilen Zustande ist diese Zerklüftung 
der Schuppen nach dem Verlaufe ihrer Radien besonders auffallend und lässt zugleich das Dasein 
einer doppelten Textur mit schlagender Gewissheit hervortreten, denn während an Schuppen, deren 



äusserst zart durchfurchte Oberfläche gerade dem 



Auge zugewendet ist, 



ein oder einige durch die 



gespaltenen Radien isolirte Feldchen vom Steine abgesprungen sind, zeigt ihr hinterlassener Eindruck 
die concentrischen Ringe der unteren Schuppenfläche auf das Restimmteste und eben so umgekehrt 
zeigt die plastische Masse den Abdruck der zart gefurchten Oberfläche, wenn der übrige Theil der 
Schuppe mit seiner unteren concentrischen Textur nach oben liegt. 

Diese dickeren mit einer zweifachen Textur versehenen Schuppen, welche durch tiefe beinahe 
vertikale Radien leicht zerklüften, finden sich, so weit unser Materiale reicht, unter jetzt lebenden 
Clupeen in den Gattungen Sardinella, Harengula, Kowala und Meletta Valenc. Darunter besitzen bloss 
Sardinella und Meletta einen vollkommen zahnlosen Kieferrand. Wir erlauben uns nun die nachfolgen- 
den Reste fossiler Clupeen, welche den Schuppen und dem Kieferrande nach ganz dieselben Charactere 

wie Sardinella und Meletta 
definitiver Unterschied zwischen Sardinella und Meletta an fossilen Resten nicht denkbar ist, so ent- 
scheiden wir uns hier dem allgemein übereinstimmenden Habitus nach für letztere Gattung, indem wir 
bemerken, dass die Gestalt unserer so häufig vorkommenden ersten Art, der Meletta sardinites, jener 
der jetzt lebenden Meletta vulgaris Valenc. ausserordentlich ähnlich ist, und die Schuppen der 



tragen, diesen beiden Gattungen näher zu stellen. Da aber ferner ein 



Meletta 



Thrissa Valenc. (Chi 
schriebenen Schuppen angesehen werden können. 2 ) 



Thrissa 



.) als Typus der eben be- 



Hclottat sardinites* 



Taf. XXIII. u. XXIV. 



So wie sich aus den Schriftzügen vergangener Zeiten auf ihr relatives Alter schliessen lässt, je ähn- 
licher diese Züge unseren heutigen sind, ebenso erkennen wir in der antiken Schrift der Natur, in den 
Zeugen jener vorweltlichen Periode , in der sich die unsere Meletta häufig enthaltenden Mergelschichten 
von Radoboy in Croatien gebildet hatten, dass diese der unserigen ziemlich nahe voraus gegangen sein 



*) Müllers Archiv 1841, 

2 ) Costa hat in seiner Fauna napulitana eine solche Schuppe als einer von ihm beschriebenen Scopelinen Art, 8 co peius elongatus, ange- 
hörig auf Tai'. 35 ziemlich gut abgebildet; sie rührt aber sehr wahrscheinlich von einer Meletta mediterranea Valenc. her, denn die 
Schuppen der Scopelinen haben eine ganz verschiedene mit Schuppen von Salmoniden und Characinen übereinstimmende Textur. 

29 * 





















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228 



J oh. Jac. Hechel. 
















niusste; denn beinahe alle Fische aus diesen Schichten sind jetzt lebenden, heut zu Tage die Meere 
gemässigter Zonen bewohnenden sehr ähnlich. Es bedurfte daher besonders bei vorliegender Art einer 
genauen und sorgfältigen Vergleichung um characteristische Unterschiede zu erfassen, wodurch diese 
sich von zunächst verwandten Formen der Gegenwart wirklich unterscheiden. Eine Aufgabe, die um so 
schwieriger ward, als gerade diese Reste sich meistens in einem sehr zersprengten und übel erhaltenen 
Zustande befinden, der von stattgefundenen stürmischen Bewegungen der Fluthen zur Zeit jener 
Ablagerungen zeugt. Es ist uns zwar gelungen das Skelet des Fisches, dessen Beschreibung hier 
folgt, mit Ausnahme einiger oberer Kopfknochen als vollständig hergestellt darzustellen, allein es be- 
durfte hierzu einer bedeutenden Anzahl von Exemplaren, die wir aus 172 dieselbe Art enthaltenden und 
auf einmal uns vorliegenden Platten auswählen konnten; eine Gelegenheit, die w r ir um so gewissen- 
hafter benützt haben, da sie sich so bald nicht wieder darbieten dürfte. 



Beschreibung. 

Die allgemeinen Formen des ganzen, höchstens 5 l /% Zoll lang werdenden Fischchens haben durch- 
aus nichts Auffallendes, ja selbst die einzelnen Theile des Skeletes sind nicht wesentlicher von jenen 
unserer heutigen Meletta vulgaris verschieden , als es bei nahe verwandten jetzt lebenden Arten über- 
haupt der Fall ist. Ausser einer grösseren Anzahl der Wirbel (46 = 32 + 1*) und einer geringeren 
Strahlenanzahl (13 bis 14) in der Rücken- und Afterflosse, bieten die Gestalt der Suborbitalknochen, 
des Deckels und Vordeckels, dann der strahligen Furchen am Winkel dieses letzteren, nebst den weit 
dickeren stärkeren Schuppen die besten Unterscheidungs -Kennzeichen dar. Zur bequemeren Verglei- 
chung finden sich desshalb auf beigefügter Tafel , ausser den fossilen Kopfknochen der Meletta sardi- 
nites, in so weit sie auf den vorliegenden Platten isolirt und erkennbar vorkommen, die entsprechen- 



den 



Meletta 



Die grösste Körperhöhe zwischen dem Kopfe und der Rückenflosse ist sechsmal in der Länge 
des ganzen Fisches (sammt der Schwanzflosse) enthalten. Dieselbe Höhe gibt ein und ein halbmal ge- 
nommen die Kopflänge , welche mithin den vierten Theil der ganzen Fischlänge einnimmt. Die Form 
des Kopfes ist etwas stumpf und die Spitze des Unterkiefers kaum vorstehend. Der Mund ist, wie ge- 
wöhnlich, nicht bis zum vorderen Augenrande gespalten, die Kieferstücke haben beinahe dieselbe Gestalt 
wie an Meletta vulgaris, doch ist die Hauptplatte des Maxillarknochens (18) mehr gekrümmt und 
mit einem längern dünnern Stiele versehen, der Zahntheil des Unterkiefers (34) nach vorne zu mehr 
ausgebuchtet und sammt dem Gelenktheile (35) etwas schwächer. Der obere Rand des Quadratbeines 
(26), woran noch ein Stückchen des Querbeines hängt, ist in der Mitte mehr convex. Der Vordeckel 
(30) weicht seiner ganzen Form nach etwas mehr ab, er ist breiter, die untere wagerechte Hälfte 
länger als die obere senkrechte, letzterer fehlt auch bei der Anlenkung der schiefe Abschnitt des Hin- 
terrandes; der Winkel, in welchem die Hauptleiste gebogen, ist weit stumpfer. Die ganze hinter der 
Hauptleiste liegende Fläche des Vordeckels wird von sehr zarten mit dessen Hinterrande parallel lau- 
fenden Linien durchfurcht; um den äusseren Winkel der Hauptleiste entspringen 6 — 8 stärkere Fur- 
chen, welche die vorhergehenden durchschneidend strahlenähnlich nach dem Hinterrande zu divergiren, 
denselben aber nicht erreichen. Der Deckel (28) läuft nach unten viel spitzer zu und die Hauptrun- 
dung reicht weiter rückwärts; beinahe seine ganze Oberfläche ist wie jene des Vordeckels fein ge- 
furcht, allein diese zarten mit dem Aussenrande parallel laufenden Furchen erlöschen allmälig gegen 
den Vordeckel hin und bilden nicht wie an Meletta vulgaris durch nach innen zu stärker ausgeprägte 
Furchen einen bandartigen Streif um den Hinterrand. Dem Unterdeckel (32) mangelt ebenfalls dieser 
gebänderte Rand und der Zwischendeckel (33) hat eine mehr dreieckige, lang gestreckte Form, ohne 
den kleinen Ausschnitt an seinem Vorderrande. Von den Kiemen strahlen fanden sich nur zwei und 
zwar die hintersten und grössten ('4 3) ganz erhalten, sie sind verhältnissmässig viel länger und schmä- 


















7» 






Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



229 



einen starken Vorsprung zum An- 



ler; der letzte Kiemenstrahl ist gleich breit mit einigen zarten Querfurchen, der Vorletzte am Ende schmä- 
ler und etwas säbelförmig" gebogen. Von den Stirnbeinen sind bloss unförmige Rudimente, vom Keil- 
beine (6) die vordere kaum verschiedene Hälfte nur übrig. Von den Knochen des Sehultergürtels finden 
sich in vereinzelter Lage das obere Schulterblattstück (46) und der Humerus (48) erhalten. Beide 
sind etwas kräftiger wie an MeL vulg., besonders bietet letzterer 
satze der Handwurzelknochen dar. 

Die schlanke und wie an Clupeen gewöhnlich schwache Wirbelsäule enthält 46 Wirbel {Meletta 
vulgaris hat deren 47), die in der ersten Hälfte des aus 32 Wirbeln gebildeten abdominalen Antheiles 
eben so hoch als lang sind; in der zweiten dagegen und besonders in dem aus 14 Wirbeln gebildeten 
Schwanzantheile werden sie gerade nicht länger, aber etwas niedriger. Häufig sind alle Wirbelkörper gänz- 
lich verschwunden und man gewahrt bloss ihre im Steine hinterlassenen Abdrücke, oder es haben sich die 
von der Chorda durchzogen gewesenen trichterförmigen Aushöhlungen mit weissem Kalksinter ausgefüllt 
und zeigen sich nun wie eine Schnur kleiner Perlen. Hier wie an lebenden Clupeen sind diese Höh- 
lungen verhältnissmässig gross und communiciren durch ziemlich weite Oeflhungen. Wo die Wirbel er- 
halten sind, tragen sie nur seichte Furchen; die Gelenkfortsätze hingegen finden sich um so mehr aus- 
gebildet und reichen bis gegen die Mitte jedes vor- und nachfolgenden Wirbels. Die Dornfortsätze 
sind schwach und lang, entspringen im Anfange jedes Wirbelkörpcrs, krümmen sich bei den ersten Wirbeln 
etwas vorwärts, werden in der Mitte des Fisches am längsten, beinahe fünf Wirbellängen lang und neigen 
sich über der Afterflosse, wo sie am kürzesten sind, beiläufig um 45 Grad gegen die Wirbelsäule nach 
rückwärts. Die unteren Dornfortsätze der Schwanzwirbel entsprechen ganz den oberen, nur sind sie 
etwas weniger geneigt. Die allen heterocerken Schwanzflossen, welche unter Knochenfischen vorkommen, 

durch den oberen Schwanzlappen hinziehenden Verlängerungsstücke des letzten 
Schwanzwirbels finden sich sowohl hier, als an allen wahren Clupeen überhaupt, vorzüglich ausgebildet. 1 ) 
Die Rippen sind wie gewöhnlich lang, zart und schieben sich unten zwischen die entgegenstehenden Kiel- 
rippen ein , es dürften 26 bis 28 Paare vorhanden sein. Die Kielrippen bestehen aus ziemlich starken 
rückwärts etwas stumpfen Schildchen, wodurch die Bauchschneide wahrscheinlich nicht sehr gesägt er- 
scheinen konnte; ihre Anzahl lässt sich, da nur selten einige erhalten sind, nicht angeben. 

Die Brustflossen sind spitz, kurz, kaum über 2 /3 der Kopflänge lang und bestehen aus 15 Strahlen, 
wovon der erste ein ungeteilter ist. Die noch kürzeren Bauchflossen enthalten jede einen ungeteilten 
und acht getheilte Strahlen; sie entspringen vor der Mitte des Fisches (ohne der Schwanzflosse) unter 
dem 19. — 20. Abdominalwirbel. Die Rückenflosse beginnt noch weiter vorne über dem 16. Abdominal- 
wirbel und reicht mit ihrer einem Drittheile der Kopilänge gleichenden Basis bis über den 21. Der 
obere Rand ist schief abgestutzt, so dass der dritte und längste der ungeteilten Strahlen den letzten 
der nachfolgenden zehn getheilten um das Doppelte übertrifft. Die 12 — 13 Träger, worauf die ganze Flosse 
ruht, sind sehr kurz, dringen daher nur wenig zwischen die Endspitzen von sechs Dornfortsätzen ein. 



ganz 



eigenthümlichen 



Den Vorderrücken stützen blinde Träger. 



Die Afterflosse liegt sehr weit rückwärts, denn 



ihre Basis , welche nur eine halbe Kopflänge enthält, reicht, senkrecht genommen , vom zweiten bis 
unter den eilften der 14 Schwanzwirbel, so dass der hinterste Afterflossenstrahl beinahe die Stützenstrahlen 
der Schwanzflosse erreicht. Die Anzahl der Träger sowohl, als der Strahlen gleicht jener der Schwanz- 
wirbel, nämlich 14; Träger und Strahlen sind beide sehr kurz, von letzteren sind die zwei vorderen 
ungetheilt. Die Schwanzflosse ist wie gewöhnlich an Clupeen tief ausgeschnitten und besteht aus 
14 getheilten Strahlen, über und unter welchen, ausser dem Hauptstrahle, sechs ungetheiltc stufenweise 
kürzere Stützenstrahlen sich befinden. 



*) Wir verweisen, um Wiederholung zu vermeiden, bei dieser Stelle, welche jetzt noch etwas undeutlich oder unrichtig' scheinen dürfte, 
auf unsere später nachfolgende, in der Einleitung zu den Pycnodonten aufgestellte Ansicht, über die Bedeutung von heterocerk und 
horaoeerk, so wie über die Verbreitung dieser Formen unter vorweltlichen und jetzt lebenden Fischen. 
































L 








































: 


1 
















230 



J o h. Jac Hechel* 



Die Schuppen scheinen etwas dicker und stärker gewesen zu seyn als an der recenteu 
Meletta vulgaris, deren Skeletbau bisher zur Vergleichung diente, und erinnern an jene jedoch noch 



stärkeren 



Meletta 



cabin ette 



diameter; sieben horizontale Reihen , wovon die mittleren vom Kopfe bis zur Schwanzflosse beiläufig 
45 Schuppen enthalten, liegen zwischen der Rückenfloss-e und den Rauchflossen über einander. Die 
concentrischen Ringe an der Unterseite der Schuppen sind spärlich und schwach, dem ungeachtet 
aber auf der äusserst fein gefurchten Oberseite, besonders an deren unbedeckten Theile bemerkbar. 
Drei bis fünf Paare Radien, selten ein Paar mehr oder weniger, durchziehen die Schuppen, ohne sich 
gegenseitig zu vereinigen, selbst das hinterste zuweilen etwas bogenförmige Paar bleibt mitten noch 
etwas getrennt. 

Die 172 Exemplare aus dem grauen Mergelschiefer von Radoboy in Croatien, nach welchen 
die hier ^ejrebene Beschreibung entworfen wurde, befinden sich zum Theile im k. k. Hof-Mine ralien- 

zum Theile in den Sammlungen des k. k. montanistischen Museums, dann des 
ungarischen National -Museums zu Pesth, ferner als Privat-Eigenthum im Besitze des Herrn 
Grafen Brenner in Wien, des Herrn Professors Unger in Gratz, des Edlen von Rosthorn in 
Klagenfurt und des Herrn Custos Frey er zu Laibach. Das Vorkommen unserer Meletta sardinites 
dürfte sich aber nicht auf Radoboy allein beschränken, denn wir erhielten vom National-Museum 
zu Pesth auch ein Exemplar, angeblich aus Neusohl, welches sich durchaus, selbst nicht einmal 

Einzelne in der Gegend 

von Ofen in einem mehr dunkelgrauen und zarter anzufühlenden Mergelschiefer aufgefundene Schuppen 
scheinen ebenfalls hieher zu gehören. Exemplare davon befinden sich in der Sammlung des Herrn 
Professors Sa dl er zu Pesth und durch dessen gütige Mittheilung auch bei uns selbst. 

Taf. XXIII. Fig. 1. Meletta sardinites Heck, nach einem im k. k. Hof-Mineraliencabinette befindlichen 

Exemplare. 
Fig. 2. Dieselbe , nach einem Exemplare des Herrn Prof. Unger. 



durch die umgebende Steinmasse von jenem aus Radoboy unterscheidet. 



Fig. 3. Ein jüngeres Individu 



ganz in Profil, gleichfalls vom Herrn Prof. Unger. 



Fig. 4. Ein noch jüngeres, woran die Kielrippen erhalten sind, aus dem k. k. Mineralien-Cabinette. 
Fig. 5. Ein Stück Haut mit noch unverrückten Schuppen; darunter andere zerstreut liegende 
Schuppen. Aus dem National-Museum zu Pesth. 

■ 

Taf. XXIV. a) Meletta sardinites, aus den Bruchstücken sämmtlicher 172 Exemplare vollständig dargestellt. 



b) Deren Skelet nach diesen vollständig restaurirt dargestellt. 

c) Einzelne Kopf- und Schultergürtel-Knochen, etwas vergrössert gezeichnet. 

d) Dieselben Knochen von Meletta vulgaris aus der Nordsee, beide mit den bei Cuvier 
und Agassiz gebräuchlichen Zahlen bezeichnet , nämlich : 

6. Keilbein, 

18. 18. Der grössere den Mundrand bildende und der kleinere im Leben auf demselben 

liegende Oberkieferknochen. 

19. 19. Zwei Unteraugenknochen (Jochbein Agass.). 
26. Quadratbein. 

28. Deckel. 

30. Vordeckel. 

32. Unterdeckel. 

33. Zwischendeckel. 

34. Zahnlheil des Unterkiefers. 

35. Gelenktheil des Unterkiefers. 






' • 



V 



' 






























Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 

43. 43. Vorletzter und letzter Kiemenstrahl. 
46. Obertheil des Schulterblattes. 
48. Humerus* 

e) Einzelner Schwanzwirbel mit Gelenk- und Dornfortsätzen ; vergrössert dargestellt 

f) Drei einzelne Schuppen von oben, mit 3, 4 und 5 Paar Radien ; vergrössert. 

g) Einzelne Schuppe von unten gesehen. 



231 



IVIclctta lon&iiiiaiui 



Ö 



Taf. XXV. 



Wir kennen die fossilen Reste dieses Fisches, nach welchen wir die gegenwärtige Art aufstellen, aus 
acht vorliegenden Platten, worauf sich ausser den Schuppen ein Theil der Wirbelsäule mit der Schwanzflosse 
den Bauch- und Brustflossen, dann einigen Rudimenten des Schultergürtels erhalten finden. Sie unterscheidet 
sich von der vorhergehenden Art vorzüglich durch die Länge ihrer Brustflossen und die lederartige 
Dicke ihrer zerklüfteten Schuppen. 

Beschreibung. 

In der wie gewöhnlich schlanken, hier aber unvollständigen Wirbelsäule ist sowohl aus den hinterlas- 
senen Eindrücken als aus den Rudimenten der Dornfortsätze das ehemalige Vorhandenseyn von 26 schwa- 
chen Wirbelkörpern ersichtlich; wenn man aber die Stellung der Bauchflossen berücksichtiget, so 
dürfte die ganze Wirbelsäule bei 40 Wirbel enthalten haben. Länge und Höhe der Wirbel sind beinahe 
gleich; die schwachen Dornfortsätze erreichen kaum drei Wirbellängen, die oberen mit vielen Mus- 

kelgräthen überdeckten stehen über den Bauchflossen beinahe aufrecht, jene der letzten zehn Schwanz- 
So viel 

noch von den Rippen nach den Bauchflossen zu sehen ist, waren sie sehr zart und fein; Kielrippen 
haben sich jedoch gar keine erhalten. 

Die Brustflossen, wovon zwar nur noch einige Strahlen übrig sind, waren ohnstreitig sehr lang, 

10 Abdominalwirbel und reichten bis zur Basis der Bauchflossen, ihre 
Strahlenrudimente sind dabei zart und schwach. Die Bauchflossen bestanden dagegen aus stärkeren, 
aber auch viel kürzeren Strahlen, 

Schwanzflosse ist abgebrochen, der Dichotomie des noch vorhandenen Theiles nach war sie, wie 
gewöhnlich, tief ausgebuchtet; ihre Randstrahlen verbinden sich mit den Dornfortsätzen der beiden vor- 



wirbel aber neigen sich in einen Winkel von 45 Graden und ebenso die unteren etwas längeren. 



sie enthielten die Länge von 9 



ihre Anzahl lässt sich gleichfalls nicht angeben. Das Ende der 



W 



und erreichen beinahe die Wirbelkörper selbst. 



Die Schuppen zeichnen sich vorzüglich durch ihre Dicke und verhältnissmässige Stärke 



aus, 



scheinen dabei aber doch leicht abfallend gewesen zu sein. Ihr Umriss ist bald kreisförmig, bald ein in 
die Länge, bald in die Breite gezogenes Oval; letztere lagen ohne Zweifel an den Seiten, die länglichen 
auf der Schwanzfirste und die runden vor der Schwanzflosse des Fisches. Die allermeisten befinden sich 
in einem rudimentären Zustande, oder wenn sie auch noch vollständig sind, nach dem Verlaufe ihrer 
Radien in einzelne Feldchen zerklüftet und zertheilt. Da wo Radien nicht bis in die Mitte einer Schuppe 
reichen und somit die Trennung der Feldchen, woraus sie besteht, nicht vollständig den Nähten nach ge- 



auf der biossliegenden Stelle 



schehen konnte, blieb mitten ein ovaler Theil, gleich einem abgerissenen Schildehen, stehen. Häufig findet 

man einzelne Feldchen einer Schuppe vom Steine abgesprungen und 
erscheint dann im Abdruck die Textur der entgegengesetzten Seite mit vollster Klarheit. Es ist diess hier 
um so mehr überraschend, da die Schuppen ihrer Dicke wegen die concentrischen Ringe der unteren Textur, 
an der Oberfläche, die freie Stelle ausgenommen, wo sie ein wenig durchschimmert, gar nicht bemerken 









































































' 






^te 



Joh. Jac Heckel. 




lassen; noch weniger ist die viel zartere Textur der Oberseite dann zu entdecken, wenn eine einzelne 
Schuppe umgekehrt mit den concentrischen Ringen nach oben liegt. Bemerkenswert!! ist es, dass hier die 
Radien an der unteren Fläche nur bisweilen den Rand der Schuppe, die Mitte derselben aber niemals 
erreichen. An der oberen Fläche dagegen, wo sie jedesmal bis an den Seitenrand auslaufen, stosst das letzte, 
den unbedeckten Raum absondernde Radienpaar mitten zusammen und bildet eine Querfurche über die ganze 
Schuppenbreite. Vor dieser Querfurche gegen den Insertionsrand der Schuppe zu trifft man an gewöhnlichen 
Seitenschuppen drei andere Radienpaare an, die mit der Querfurche parallel laufen, aber in der Mitte nicht 
zusammen hängen; sie durchschneiden zugleich die zwischen ihnen liegenden haarfeinen Texturlinien ein 
wenig schief, die unteren concentrischen Ringe dagegen beinahe im rechten Winkel. Gegen die Schwanz- 
flosse zu mehren sich die Radien oder Nähte bis auf fünf Paare und nehmen eine mehr strahlenartige 
Stellung an; bei den länglichen Schuppen, welche wahrscheinlich die Firste bedeckten, verbinden sich 
alle Radien paarweise längs der Mitte unter einem stumpfen Winkel. 

Das hier beschriebene und abgebildete Exemplar kam aus einer über sechs Schuh mächtigen Schichte 
bituminösen Mergelschiefers des 10 Klafter tiefen Schürfungsschachtes von Krakowiza bei Imwald, 
im Wadowitzer Kreise in Galizicn und befindet sich im Besitze des Herrn Professors Albin Heinrich 
zu Brunn. Ausser diesem Fundorte kamen uns einzelne Schuppen und Stücke der Wirbelsäule, welche 
wir mit den eben beschriebenen für identisch halten, aus folgenden Localitäten in Mähren zu : 

Aus dem Schieferthone von Mautnitz und aus einem Brunnen am Karlshofe, beide in der Nähe 

von Selowitz. Aus bituminösem Mergel in dem Hoffnungsschachte des Turoldberges 
bei Nikolsburg. 










Taf. XXV. Fig. 1. Meletta longimana, Heck, aus der tertiären Mergelschichte von Krakowiza inGalizien. 

a) Eine zerklüftete Schuppe vergrössert gezeichnet, zwei Feldchen fehlen und Hessen die Textur 
ihrer unteren Fläche als Abdruck im Steine zurück. 

b) Oberseite, c) Unterseite einer gewöhnlichen Seitenschuppe, vergrössert dargestellt. 
d) Oberseite, e) Unterseite einer Rückenschuppe. 

f) Oberseite, g) Unterseite einer Schuppe aus der Nähe der Schwanzflosse. 
A, i) Ober- und Unterseite einer gewöhnlichen Seitenschuppe der jetzt lebenden Meletta Thrissa 
Valenc. zum Vergleiche unter derselben Vergrösserung dargestellt. 






Anmerkung. Es kam uns soeben durch die Herren Franz Ritter von Hauer und Dr. Börnes eine Sendung der 
auf ihrer geognostischen Reise hei Krakowiza nördlich von Imwald gesammelten fossilen Fischreste zu, 
worunter, nehst vielen vereinzelten Schuppen dieser Art, die sich sämmtlich durch eine gewisse Dicke auffallend 
von jenen vorhin beschriebenen des grossen Rodoboyer Sardellenlagers unterscheiden, auch der grössere 
obere Maxillarknochen derselben, den wir hier nachträglich beschreiben und auf der nämlichen Tafel XIII., 
unter Fig. 2 in natürlicher Grösse, in l aber vergrössert darstellen, gleichfalls vereinzelt vortrefflich erhalten 
war. Er ist mehr winkelig gebogen als jener an der vorhergehenden sowohl, als der nachfolgenden Art, von der 
oberen Anlenkungsstelle bis zur Hälfte herab sehr schmal, dann auf einmal nach vorwärts springend sehr breit. 
Sein vollkommen unversehrter Rand zeigt nicht die mindeste Spur von Zähnen. Die glänzend glatte Oberfläche 



des breiteren und dünneren Theiles wird gleichsam von einem 



ripp 



enartiffen erhabenen Fortsatze des oberen 



schmäleren Theiles schief durchzogen und enthält am abgerundeten Ende zwei kurze dem Vorderrande parallel 
laufende Furchen. 





















t^™^» 







Beiträge zur Kenntnüs der fossilen Fische Oesterreichs- 



233 



Weleda erenata« 

■ 

Taf. XXVI. 

Obschon uns eine Anzahl von Steinen oder vielmehr von Sandschollen vorliegen, worin nur zerstreute 
Fragmente eines Fisches dieser Gattung vorkommen, so waren wir doch sehr erfreut an einigen derselben, 
die sich als festere Theile in dem kaum hart gewordenen feinen Sande minder zerstört erhalten hatten, 
oder an den theilweise [unterlassenen Eindrücken derselben, characteristische Merkmale zu linden, wodurch 
sie sich als einer eigenen von den beiden vorhergehenden verschiedenen Art ungehörige darstellen. Diese 
Merkmale bestehen vorzüglich in der Einkerbung des äusseren Vordeckelrandes, in der Schmale des 
grossen Maxillarknochens und in der noch grösseren Dicke der Schuppen. 



Beschreibung 



(18) 



ist stark 



gebogen und im Vergleiche zu jenem der Meletta sardinites an seiner unteren Hälfte sehr schmal, an 
seiner oberen aber oder an dem Stiele etwas breiter. Der kleine, in seiner natürlichen Lage den vorher- 
gehenden überdeckende M axillar knochen (18) ist dagegen kaum verschieden. Der Zahntheil 
des Unterkiefers (34), der getrennt von seinem Gelenktheile für sich allein einen schönen Eindruck 
hinterliess , bietet keinen anderen Unterschied dar, als dass er vorne mehr abgestutzt oder stumpfer ist. 
Am wesentlichsten ist jedoch der Vor de ekel (30) verschieden. Der vertikale Theil seiner den inneren 
Winkel bildenden Leiste ist länger als der horizontale und der vertikale hintere Rand des ganzen Deckel- 



W 



b 



warte* Diese Rundung ist gross und bildet einen weiten Rogen. Die Oberfläche des ganzen Vordeckels 
ist zwar glatt, wird aber gegen den Hinterrand zu von äusserst zarten mit demselben parallel laufenden 
Rogenlinien kaum bemerkbar durchzogen. Diese Rogenlinien durchschneidend ziehen sich ziemlich starke 
Furchen, wir zählen hier eilf, von der äusseren Rundung nach dem Winkel der inneren Leiste, doch 
ohne dieselbe zu erreichen, und bilden am Rande der äusseren Rundung, woselbst sie am tiefsten und 
breitesten sind, kleine Ruckten, so dass dieser abgerundete Theil des Vordeckels zart gekerbt erscheint. 
Der Haupt de ekel (28) selbst ist seinem Umrisse nach kaum von jenem der Meletta sardinites ver- 
schieden, nur wird er gegen seinen Hinterrand zu von feinen Parallellinien gleich jenen des Vordeckels 
durchzogen, und aus seinem oberen Insertionswinkel verbreiten sich bloss zwei Strahlenfurchen 
über die Fläche nach abwärts. Ein Kiemenstrahl (43), der sich ebenfalls ganz erhalten vorfand, 
und der letzte oder vorletzte war, besitzt nichts Ausgezeichnetes. Das Quadratbein (26) ist kaum 
etwas breiter, hat aber vorne, wo es sich mit dem Ouerbeine verbindet, einen kleinen Ausschnitt. Ueber 
das Keilbein lässt sich, wie auch über einige andere Knochen, die zwar öfters, aber in einem 
zu sehr zersplitterten Zustande, vorkommen, gar nichts sagen. So häufig auch ferner Stückchen von 
Dornfortsätzen und Wirbelkörpern angetroffen werden, gelang es doch nur einmal einen ganzen Wirbel 
beinahe unversehrt zu erhalten. Es ist ein Schwanz wirb el von gewöhnlicher Gestalt, etwas länger 
als hoch, mit spitzen Gclenkfortsätzen nach vor- und rückwärts und schwachen vorne ansitzenden Dorn- 
fortsätzen. Flossen sind noch weniger vorhanden, höchstens trifft man einige unbedeutende Strahlen- 
rudimente zerstreut an, um so besser findet man dagegen einzelne Schuppen erhalten. Was an diesen 
zuerst auffällt, ist ihre Dicke, welche jene der Schuppen von Meletta longimana noch übertrifft, 
sie sehen zuweilen an ihrer Oberfläche sogar wie faltig aus, als hätten sie früher aus einer weichen jetzt 
zusammengeschrumpften Masse bestanden; dabei verhält sich aber die Textur ganz wie an den vorbe- 
schriebenen Arten, und man trifft die Radien eben so zerklüftet an, nur beläuft sich die Anzahl derselben 
zuweilen bis auf sechs etwas bogenförmige Paare. Im Ganzen dürften die Schuppen verhältnissmässig 
auch grösser gew r esen sein. 



Denkschriften d. mathein. naturw. CK 



30 



• 























































— 





















234 Joh. Jac He ekel. 

Herr Professor L. Zeuschner in Krakau, in dessen Besitze unsere hier beschriebenen Exem- 
plare sich befinden, fand dieselben an einem nördlichen Abhänge der Karpathen, Na Bykowca 
genannt, bei Zakliczyn zwischen Mogilany und Myslenica in einem weichen tertiären Sandstein 
(Karpathen-Sandstein), und hatte die Gefälligkeit sie uns zur Ansicht mitzutheilen. Einzelne Schuppen 
aus Ungarn, welche in einem thonigen Sandsteine zwischen Mauth und Krikehai im Neutraer 
Comitat gefunden werden, und wovon im k. k. Montanistischen Museum mehrere Exemplare aufbewahrt 
sind, scheinen uns gleichfalls hieher zu gehören. 



Taf. XXVI. Fig. 1 und 2. Meletta crenata Heck, im Karpathen-Sandstein von Zakliczyn. 

Fig. 3. Einzelne gut erhaltene Theile der Meletta crenata ein wenig vergrössert dargestellt 
18. Der grosse und der daraufliegende kleine Maxillarknochen. 
26. Quadratbein. 

28. Haupt-Deckel. 

30. Vordeckel. 

34. Zahntheil des Unterkiefers. 

43. Letzter oder vorletzter Kiemenstrahh 

a) Caudal-Wirbel, vergrössert. 

b) Schuppe in natürlicher Grösse. 

c) Dieselbe vergrössert. 





























*• 


















Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. 



235 



CLÜPEA 



VALENC. 



OrtL Physostomi 



Farn. Clupeiitae. 



Die Gründe, welche uns bewogen hatten die vorangehenden Chipeiden der Gattung Meletta Valene. 
anzureihen, schliessen die gegenwärtige Art davon aus, denn hier sind die Schuppen, welche auch nie 
zerklüftet angetroffen werden, äussert dünne ja selbst noch durchscheinend, ihre unbedeckte Fläche 
strahlig und am Rande gekerbt. Sie, wie die ganze dem Anscheine nach robuster gewesene Gestalt 
des Thieres lassen jene Abtheilung oder Gattung der Clupeen erkennen, deren Typus unser allbe- 
kannter Hüring ist. Uebrigens wird es wie schon früher bemerkt worden stets eine schwierige Aufgabe 
bleiben, die verschiedenen Gattungen, in welche die mit Kielrippen versehenen Clupeen ihren Zähnen 
nach zerfallen, im fossilen Zustande durch andere ersichtliche Kennzeichen hinreichend zu charakterisiren. 

Clupea llaidingeri. 

Taf. XXI. 

Als vereinigte Hauptmerkmale, wodurch die vorliegende neue und schöne Clupea Haidingeri sich von 
bisher bekannten Clupeen-Arten leicht unterscheiden lässt, fuhren wir vorzüglich die Stellung der Bauch- 
flossen hinter der Rückenflosse, die Strahlen auf dem Vordeckel, die grossen 
Schilder der Kielrippen und endlich, in Beziehung auf Fische aus derselben Localität, die Farbe an. 

Beschreibung. 

Die allgemeine Gestalt des Fisches gleicht einer häringsartigen, dürfte aber im Leben nicht sehr 
€omprimirt gewesen sein. Ihre grösste Höhe vor der Rückenflosse ist sechs und ein halbmal in der Ge- 
sammtlänge enthalten; die Kopflänge, etwas weniger als ein Viertheil dieser letzteren, beträgt ein und 
eine halbe, die Schwanzflosse eine ganze Körperhöhe. Der etwas vorstehende Unterkiefer bildet die 
stumpfe Spitze des Kopfes; weder an seinem noch an des Oberkiefers Rand ist, vielleicht auch in Folge 
der sehr lockeren grobkörnigen Steinmasse, nicht die mindeste Spur kleiner Zähnehen bemerkbar. Von 
den drei übereinander liegenden Theilen des oberen Maxillarknochens ist nur der grössere oder zwi- 
schenliegende erhalten, und zwar an seinem oberen Ende ganz, an seinem unteren breiteren aber bloss 
als ein beschädigter Abdruck. Der ganze Oberkieferrand war säbelförmig gebogen und scheint nur vier 
Wirbellängen enthalten zu haben, die Mundspalte daher klein gewesen zu seyn. Die Augenhöhle 
liegt mitten im Kopfe, ihr Diameter gleicht drei Wirbellängen. Senkrecht unter ihrem vorderen Rande 
bemerkt man Ueberreste des Quadratbeines, worauf die Spitze des wagrechten Vordeckeltheiles liegt. Der 
Vordeckel ist an einem unserer Exemplare ganz vortrefflich erhalten, sein horizontaler Längedurch- 
messer ist dem diagonalen vom Schläfenbein bis zum Ouadratbeine ganz gleich und enthält den Zwischen- 
raum von sieben Abdominalwirbeln. Die Leisten, welche den inneren sehr stumpfen Winkel von beiläufig 
150 Graden bilden, sind sehr wenig erhaben; der vertikale Hinterrand wendet sich ohne Einbuchtung 
etwas rückwärts, der waorechte untere Rand beschreibt in seiner hinteren Hälfte einen weiten Boiren 



und verbindet sich durch eine kurze Rundung mit dem vorigen. Die ganze Oberfläche des Vordeckels wird, 
so weit ihr unterer Bogcnrand reicht, von zwölf erhabenen aus dem Winkel der Leisten divergirenden Strah- 
len durchzogen; diese Strahlen verlängern sich allmählig von den vordersten an, werden stärker und bis zu 



30 



























































Vi 








































• 



236 



Joh. Jac. Hecket 



Schläfenwinkel kommenden Strahlen durchzogen. Wir 



dem siebenten gegen den Aussenrand des Vordeckels breiter, nach dem siebenten spalten sie sich und durch- 
ziehen als einfache Gabeln den breiteren Theil der Fläche bis zum Anfange des vertikalen Randes. Der 
eigentliche Deckel enthält fünf Wirbellängen in der Höhe und drei in der Breite, ist in der oberen Hälfte 
des Hinterrandes etwas einwärts gebogen und wird von wenigen, drei bis vier kaum bemerkbaren, aus dem 

können bis acht Kiemen strahlen zählen, 
wovon die letzten wie gewöhnlich breit und bei ihrer Anlenkung winklig sind, sonst aber nichts Aus- 
gezeichnetes bieten. Die übrigen Kopfknochen haben zu sehr gelitten, um Einzelnes darüber anführen 
zu können, doch sieht man ganz deutlich, wie an jetzt lebenden Clupeen, die an den äusseren Hinter- 
hauptbeinen festsitzenden Sehnenbüschel, welche den beiden grossen Rückenmuskeln zur An- 
heftung dienten. Besonders ist dieses bei einem dem Herrn Doctor Jemelka gehörigen Exemplare 
der Fall, wo ein ziemlich langer und zart zertheilter Büschel, strahlenähnlich an einem Rudimente 
des rechten äusseren Hinterhauptbeines entspringt. Wir werden später bei der Gattung Picnodus auf 
die unter den Fischen seltene Erscheinung verknöcherter Sehnenbüschel zurückkommen, die unter 
fossilen Fischen manche Täuschung veranlasste. 

Die Wirbelsäule besteht aus 46 Wirbeln, wovon 30 dem abdominalen und 16 dem caudalen Theile 
derselben angehören. Die beiden ersten Wirbel sind auffallend kurz und zusammengenommen gerade so lang 
wie jeder einzelne der nachfolgenden Abdominalwirbel, deren Höhe und Länge sich gleichen; sie werden von 
fünf zarten Leisten, die sich an den nachfolgenden auf vier, und an den Caudalwirbeln auf drei reduciren, 
an jeder Seite der Länge nach durchzogen. Die Gelenkfortsätze sind stark, die oberen Dorn- 
fortsätze wie gewöhnlich lang und schwach; ein Theil dieser letzteren biegt sich vor der Rücken- 
flosse, von zahlreichen Muskelgräthen umgeben, in einem concaven Bogen nach aufwärts, andere nach 
derselben, in convcxern Bogen nach abwärts. Die unteren Dornfortsätze entsprechen den oberen, 
sitzen gleich ihnen im Amfange jedes Wirbels und neigen sich vor der Schwanzflosse in einem Winkel 

sind eben so zart und noch um ein Drittheil 
länger als die vorderen Dornfortsätze; wir können 22 Paare zählen, die sich unten mit den Kielrippen 
verbinden, die nachfolgenden werden allmählig kürzer und nehmen eine schiefere Richtung an. Auf- 
fallend gross sind die Schilder der Kielrippen, sechzehn bilden bis zu den Bauchflossen den wahr- 
scheinlich ziemlich scharf gewesenen Kiel und hinter denselben bis zur Afterflosse, wo sie nicht mehr 
zählbar sind, dürfte sich eine kaum geringere Anzahl befunden haben. Sie gleichen, von der Seite 
gesehen, rechtwinkeligen Tafeln, deren Länge (etwas über eine Wirbellänge) zweimal in der Höhe 
enthalten ist, scheinen aber unten keine vorspringenden Spitzen, wodurch die Bauchschneide gewöhnlich 
wie gesägt aussieht, gehabt zu haben. Zehn bis eilf blinde Träger, die sämmtlich kürzer aber stärker 
sind als die Dornfortsätze des Vorderrückens, finden sich daselbst zwischen ihnen vertheilt. Darauf 



von 45 Graden gegen die Wirbelsäule. Die Ripp 



folgen 16 etwas schiefere Träger, welche die Rückenfl 



osse 



tragen; der erste von ihnen ist kurz und 



etwas vorwärts gestreckt, der zweite längere schiebt sich zwischen die Dornfortsätze des 13. und 14. 
Abdominalwirbels ein, die nachfolgenden nehmen allmählig an Länge wieder ab und der letzte tritt 
zwischen die Dornfortsätze des 20. und 21. Wirbels ein, so dass die ganze Rückenflosse durch 
15 Flossenträger mit sieben Abdominalwirbel in lockerer Verbindung steht. Die Träger der Afterflosse 
nehmen die zwölf ersten Caudalwirbel ein, alle, besonders die hintersten sind kürzer als die vorigen 
und viel schiefer gestellt. Die Träger der Schwanzflosse sind wie gewöhnlich flach aber nicht zählbar. 

Die Brustflossen würden zurückgelegt bis senkrecht unter den Anfang der Rückenflosse rei- 
chen und bestehen aus 17 weit unten ansitzenden Strahlen. Die Stellung der Bauchflossen ist vor- 
züglich bemerkenswert!!, sie sitzen nicht wie gewöhnlich senkrecht unter der Mitte der Rückenflosse, sondern 
noch um zwei Wirbellängen hinter deren Basis, zwischen dem Schultergürtel und dem Schwanz- 
ende in der Mitte; sie sind an unseren Exemplaren unvollständig erhalten, scheinen aber jedenfalls kürzer 
gewesen zu sein, als die Brustflossen. Die Rückenflosse beginnt mit dem zweiten Viertheile des Rumpfes 
































Kenntnis s der fossilen 



237 



senkrecht über dem 16. Abdominalwirbel und endiget über dem 21. , ihre Basis nimmt daher die Länge von 
sieben darunter liegenden Wirbeln ein; sie enthält 17 Strahlen, wovon der erste sehr kurze mit dem zweiten 

Der obere Flossen- 



halb so lang als die vorderen, deren 



gleichfalls ungeteilten aber längsten auf einem gemeinschaftlichen Träger sitzen, 
rand war schief abgestutzt, die letzten Strahlen sind nur 
Höhe jedenfalls die Länge der Flossenbasis übertrifft. Die Afterflosse, welche leider an keinem 
Exemplare vollständig ist, beginnt mit dem fünften Siebentheile des Rumpfes senkrecht unter dem fünften 
Caudalwirbel und endet unter dem 13., ihre Basis erstreckt sich daher über acht Wirbellängen und über- 
trifft jene der Rückenflosse; sie enthält 16 bis 17 Strahlen, die sämmtlich sehr kurz waren. Die Schwanz- 
flosse ist wie gewöhnlich tief eingebuchtet; zwischen ihren beiden Hauptstrahlen befinden sich 15 getheilte, 
nach aussen über und unter denselben vier bis fünf kurze Stützenstrahlen, die sich mit den Dornfortsätzen 
der drei letzten Wirbel verbinden, so dass zwischen der After- und Schwanzflosse nur einer der unteren 

Dornfortsätze ausser Verbindung bleibt. 

Die Schuppen sind sehr dünne und ihre Textur äusserst zart; man kann in der grössten Kör- 
perhöhe unter der Rückenflosse sieben parallele Schuppenreihen wahrnehmen , deren mittleren beiläufig 
50 Schuppen enthalten mögen. So vortrefflich aber auch und mit allem Glänze die Schuppen erhalten 
zu sein scheinen, so unendlich schwer fällt es doch, einzelne Schuppen genau zu unterscheiden, woran 



i 



Die 



vorzüglich ihre rauhe Unterlage Schuld trägt, in deren lockerem, aus zerriebenen Muscheln und Korallci 
bestehenden Gefüge der äusserst zarte Schuppenrand verschwindet; auch zeigen hier beinahe alle Schuppen 
ihre Unterseite, nur jene in der Nähe des Körperumrisses oder ausser demselben befindlichen, sind von oben 
sichtbar. Der Diameter einer mittleren Schuppe übertrifft etwas eine Wirbellänge, ihr Umriss ist beinahe 
kreisrund am freien Rande ungleich gekerbt. Die einfachen Radien , welche aus der Längenachse der 
Schuppe rechtwinklig gegen den oberen und den unteren Rand hin divergiren, sind etwas rückwärts 
gekrümmt und sehr zart, gewöhnlich bilden sie fünf Paare, wovon das letzte, zuweilen auch das vor- 
letzte, jedes nur eine weite Rogenlinie ausmachen und die bedeckte von der unbedeckten Fläche scheiden; 
die übrigen der Schuppenbasis näher liegenden Radien sind stets in der Mitte getrennt. Nur unter einer 
starken Lupe und bei einer gewissen Wendung des Steines gegen das einfallende Licht ist es möglich, 
die äusserst fein guilloschirtc Oberfläche des bedeckt gewesenen Theiles mit voller Gewissheit zu erkennen. 
An dem unbedeckten Theile zeigen sich dabei zarte strahlige Furchen, die aus den kleinen Kerben 
des freien Randes gegen das letzte vereinigte Radienpaar hinziehen, ohne dasselbe zu erreichen, 
gewöhnlichen concentrischen Ringe der unteren Schuppenfläche sind nirgends wahrzunehmen. 

Es mag immerhin befremden , bei der Charakteristik fossiler Fische die Farbe derselben in die 
Reihe der übrigen Charaktere aufgenommen zu sehen. Gleichwohl dürfte sie vom chemischen wie vom 
zoologischen Standpunkte aus betrachtet, wichtig- genug- sein, ihr eine höhere Bedeutung zueignen zu kön- 
nen als bisher der Fall war. Dass hierbei nicht von der Färbung des lebenden Fisches , sondern nur von 
der durch chemische Veränderung im fossilen Zustande erzeugten die Hede sein kann, versteht sich wohl 
von seihst. In welcher Art übrigens diese erzeugt worden, diess zu erforschen, bleibt Gegenstand che- 
mischer Untersuchungen. Uns genügt vor der Hand die Thatsache, dass in den allermeisten Fällen die 
Färbung des Skeletes oder der Schuppen mit dem Grundtone des sie umschliessenden Gesteines über- 
einstimmt, wobei die erstere gewöhnlich intensiver und meistens dunkler hervortritt. Diese correspondirende 
Färbung bleibt sich zudem bei allen Fischen , mögen sie nun einer oder mehreren Gattungen oder Familien 
angehören, in derselben Localität immer gleich. So wenigstens verhält es sich unseren bisherigen Beobach- 
tungen zu Folge, mit Ausnahme der im weissen Grobkalke des Leitha-Gebirges eingeschlossenen Fische, 
allenthalben. Bei diesen tritt nämlich mit einem Male eine von der sie umgebenden Steinmasse verschie- 
dene Färbung nicht bloss ihres Skeletes und ihrer Schuppen, sondern auch oft noch der diese Theile 
zunächst begrenzenden Schichten der ersteren, ja noch mehr eine den einzelnen Arten und vielleicht selbst 
ganzen Familien ganz cigenthümliche auf. So erscheint das Skelet der Pleuronecthleii sammt der nächsten 





























• 











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HB 


































238 



J oh. Jac. HeckeL 



■ 

Umhüllungsschichte hochroth, das der Labriden schwarz mit hochrothem Lager, das der 
Pereiden röthlichgelb mit weissem Unterlager, das der Scombriden intensiv schwarz, 
gleichfalls auf weissem Grunde. Dieser Beobachtung zu Folge kann man mit ziemlicher Sicherheit selbst 
ohne vorläufige nähere wissenschaftliche Untersuchung die betreffende Familie, zuweilen selbst die Art 
der im Grobkalke des Leitha-Gebirges befindlichen, später von uns zu beschreibenden Fische bestimmen. 



uei der gegenwartigen Ulupea Haidmgeri aus derselben Localität ist die Farbe abermals eine 
eigene. Das Skelet ist schwarz oder vielmehr wie dunkle Chocolade gefärbt, was vorzüglich dem Kopfe, 
wenn seine Knochen erhalten sind, ein sehr auffallendes Aussehen mittheilt. Die Schuppen , die gewöhn- 
lich den ganzen Rumpf unverrückt überdecken, haben eine helle gelblichbraune Färbung, welcher vor- 
züglich durch die von der grobkörnigen Unterlage hervorgebrachten Wellenbiegungen ein schöner mu- 
schelartiger Glanz verliehen wird. An Stellen wo Schuppen abgesprungen sind , ihr Eindruck aber sich 
noch auf einer sehr dünnen ursprünglich, wie es scheint mit Schleim imprägnirt gewesenen Schichte erhal- 
ten hat, gleicht dieser dem Email aus weissem Porzellain. Jene zarte Schichte, welche Knochen und 
Flossenstrahlen zunächst umgibt, sieht daselbst rothbraun aus, was aber nur dann zu erkennen ist, wenn 
letztere nicht mit dieser Schichte zugleich abgesprungen sind. 

Wir fühlen uns dem Herrn Bergrath Haidinger im k. k. montanistischen Museum dem hochver- 

"aturgeschichte gefeierten Beförderer der Wissenschaften so tief zu Dank 
verpflichtet, dass wir unter allen Ichthyolithen zwar nur die allerausgezeichnetste neue Form mit seinem 
Namen zu zieren wagen sollten , allein wir erbaten uns denselben darum für die gegenwärtige schöne 
Chtpea aus dem Steinbruche von Margar ethen , weil sie der erste fossile Fisch war, den wir 

seiner Güte , als Vorläufer von hunderten, die aus den verschiedensten Gegenden nachfolgten, zu ver- 
danken hatten. 









Taf. 



XXI. Fig. 1. Clupea Haidimje 



welcher die Ueberreste von vier Individuen enthält, a) Zeigt den Rumpf ohne Kopf und 
Schwanzende auf dem Rücken liegend , beide Brustflossen sind sichtbar , die Rippen nach 

so weit beide 

„._...._, .seh, woran die 

Spitze des Kopfes und das Schwanzende fehlt, liegt seitwärs, an ihm ist der Vor decke! 
vorzüglich gut erhalten, c) Kopf mit einem verschobenen Theile der Abdominalwirbel. 
d) Rudimente des Aiigfenrinares, der KiememWk<>l und «W R«.„ctfl„cc a « ™w »;„;^„ ♦:„«•„.. 



& , .. . _. „ — „ „„, f 

oben und unten vertheilt, die unteren Dornfortsätze mit der Afterflosse 
vorhanden sind , über der Wirbelsäule nach aufwärts gewendet, b) Der F 



3n Wirbeln 
Haidmgeri 



in Oedenburg gehörigen Steine aus d 
haltend: a) Seitwärts liegender I 



■ 

Nach einem dem Herrn Med. Doctor von Jemelka 



em Steinbruche von Margarethen 



zwei Individuen ent- 



flösse aber nebst der Rückenflosse vollständig erhalten sind; unter letzterer am Bauche 
bemerkt man deutlich die Abdrücke von Kielrippenplatten, und am Ende des Hinter- 
hauptes den wagrecht liegenden, verknöcherten Sehnenbüschel, so wie auch die beiden 



Q 



Fig. 3. Der Vordeckel allein vergrössert dargestellt. 

Fig. 4. Die beiden vorderen Wirbel, gleichfalls vergrössert. 



Fig. 5. Kielrippen vor den Bauchflossen. 

Fig. 6. Eine Schuppe, etwas stärker vergrössert 






vergrössert. 



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- 



Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oeslerreichs 



239 



LEPIDOPIDES. 



Ord. Acunthopteri 



Farn. SicomhvUlae. 



N 



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Mel 



es wohl wagen auch die fossilen Reste eines anderen, an diesen beiden Orten gleichfalls vorkommenden, 
dem Anscheine nach mit der Gattung Anenchelum Blainv. zusammenfallenden Fisches, als zu einer und 
derselben Art gehörige zu betrachten. Aus Nikolschitz erhielten wir nämlich Theile des Rumpfes , aus 
Krakowiza einen Oberkiefer mit Zähnen und dem Anfange des Stirnprofiles. Die Rumpfstücke glichen voll- 
kommen jenen der aus dem älteren Glarner-Schiefer bekannten Anenchelum- Arten; das Oberkieferstück 
hingegen mehr den jetzt lebenden Trichiurus und Lepidopus-Arten aus der Familie der Scombriden, die 
beiläufig bemerkt, uns näher mit den Taenioiden als mit letzteren verwandt scheinen. Nun zeigten aber 
alle zu Trichiurus und Lepidopus gehörigen Arten mit den fossilen Anenchelien und unseren aus den 
benannten Localitäten stammenden Resten eine so wesentliche Uebereinstimmung im Skcletbaue des 
Rumpfes , dass bezüglich dieser letzteren an einer gleichen oder wenigstens annähernden im Baue ihres 
Kopfskeletes nicht zu zweifeln ist, und zwar um so weniger, als eine solche Uebereinstimmung bereits 
im Schädelbaue der Anenchelum-, Trichiurus- und Lepidopus- Arten unter sich erwiesener Massen 
Statt findet. 

Bei dem Umstände, dass der Glarner-Schiefer einer weit älteren Formation als der Nikolschitzer und 
Krakowizer angehört, lässt sich als beinahe gewiss voraussetzen, dass die aus diesem letzteren stammenden 
Rumpfskelet-Reste keiner Anenchelum-Ai% sondern einer andern mit Trichiurus und Lepidopus vielleicht 
näher stehenden Gattung angehören. Bei dem Umstände ferner, dass die Formationen beider gedachten 
Localitäten der Tertiär- Bildung angehören, und wie bereits gesagt, Reste einer und derselben Clupeiden- 
Art cinschliessen , so liegt, mit Berücksichtigung des früher über die analoge Uebereinstimmung des Ske- 
letbaues von Rumpfund Kopf dieser Reste mit jenen Scombriden-G&üungen die Annahme ihrer Identität der 
Gattung, wie selbst der Art nach, ziemlich nahe. Spätere Funde vollständigerer Exemplare werden aller- 
dings allein nur über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Annahme endgültig entscheiden. Vor der 
Hand mag aber immerhin eine solche Supposition erlaubt und schon aus dem Grunde räthlicher sein, 
als das Rumpfskelet für sich allein, ohne aller näheren Bedeutsamkeit weder zur Einreihung in eine der 
genannten noch zur Aufstellung einer eigenen Gattung, genügende Charaktere bietet. 

Was nun die Aufstellung unserer auf diese Reste basirten Gattung Lepidopides betrifft, so müssen 
wir allerdings gestehen , dass sie bei dem Mangel des zur Vergleichung mit den Gattungen Trichiurus 
und Lepidopus so sehr erwünschten Schwanzendes, wie der Bauchilosscn Anenchelum gegenüber, nur 
auf den abweichenden Zahnbau ireirründet werden konnte. Diese Abweichung besteht nämlich darin, dass 



b^ö 



der Oberkiefer unseres Fischrestes einfach zugespitzte zweischneidige Fang zahne trägt, 
während dieselben in den Gattungen Trichiurus und Lepidopus halbpfeilförmig zugeschnittene Spitzen 
zeigen, in der Gattung Anenchelum aber gänzlich fehlen. Einstweilen muss man sie daher wohl nur 
zweifelhaft zwischen Anenchelum und Lepidopus stellen. 




























• 









■US 


























240 Joh. Jac* He ekel. 

Lepidopides leptospondylus« 

Taf. XXII. 

Beschreibung. 

Wir kennen wie gesagt nur einen Theil des Vorderkopfes bis über die Nasenlöcher, woran man im 
schwachen Eindrucke noch den Umriss des Stirnprofiles, das sich sanft gebogen nur wenig erhebet, bemerkt. 
Die Stelle der Nasenlöcher bezeichnet jetzt eine gemeinschaftliche längliche Grube, vom Umrisse der 
grossen Augenhöhle sind über dem Mundwinkel ebenfalls noch leichte Spuren kennbar. Der Maxillar- 
k n o c h e n hinterliess der ganzen Länge nach einen deutlichen Abdruck; vor und unter ihm liegt characteristisch 
dicht anschliessend das Zwischenkieferbein, von welchem die vordere Hälfte mitsammt den Zähnen selbst 
erhalten , die hintere aber in einem sehr deutlichen Abdrucke sich zeigt. Der Rand des ziemlich breiten etwas 
bogenförmigen Z wisch enkiefer s ist in kleinen Zwischenräumen mit einer einfachen Reihe starker Zähne 
besetzt. Vom Mundwinkel an bis in die Mitte des Zwischenkiefers nehmen diese Z ahne allmählig an Grösse 
zu, bis ihre Länge der grössten Breite des Zwischenkiefers gle 1 chet. Von der Mitte aus bis gegen die 
Symphyse werden sie wieder kleiner und zwar viel kleiner als gegen den Mundwinkel. Hinter diesen 
kleinen Zähnen steht vorne eine zweite Reihe aus drei sehr grossen rückwärts gekrümmten Fang zahnen, 
deren vorderster am meisten gebogen, deren zweiter aber am längsten und stärksten ist, nämlich doppelt so 
lang als die geraden Zähne aus der Mitte des Zwischenkiefers. Alle Zähne sind an der Basis etwas com- 
primirt, dann gegen die sehr scharfe Spitze zweischneidig und der Länge nach mit schwachen Kanten 
durchzogen. Der Unterkiefer hinterliess eine völlig gestaltlose Spur, ebenso die Deckelstücke, auf welchen 
sich, wie auch auf der Nase, Eindrücke zeigen, die wahrscheinlich von einzelnen verschobenen Bruch- 
stücken der Dornfortsätze herrühren. 

Die Wirbelsäule ist dünn und sehr lang; ihre Theile mussten eben so zerbrechlich und spröde 
gewesen sein, wie an den heutigen verwandten Arten; denn sie hinterliessen zwar scharfe Eindrücke, 
aber sowie Dornfortsätze, Rippen, Träger und selbst die Strahlen, nichts von der Knochenmasse selbst. 



Unser längstes Stück der Wirbelsäule aus Nikolschitz enthält nur 24 Wirbel, die kaum ein Viertheil der 
ursprünglichen Gesammtanzahl derselben ausmachen dürften. Im Durchschnitte ist die grösste Dicke an 
den Enden eines einzelnen Wirbels zweimal in dessen Länge enthalten, die Mitte ist um die Hälfte dünner 
und tief gefurcht. Die Länge von vier und x f% Wirbel gleicht der Körperhöhe im Anfange der Caudalregion 
Bei den Abdominalwirbeln steht der Anlenkungsrand , wie gewöhnlich im rechten Winkel mit der Wirbel- 
achse, bei den Caudalwirbeln aber ist er ein wenig schief geschnitten. Die Dornfortsätze entsprin- 
gen nach der Mitte jedes Wirbels , sind sehr zart und erreichen zwei Drittheile der oberen Körperhälfte. 
In Verbindung mit den gleichfalls zarten Trägern stellen sie etwas verschobene Vierecke dar, deren Länge 
zwischen dem 4. und 5. Wirbel, vom ersten Caudalwirbel nach vorwärts gezählt, zwei und ein halbes Mal 
und zwischen dem 10. und 11. von eben da aus nach rückwärts gerechnet zweimal in der Höhe enthalten 
ist. Die kaum längeren unteren Dornfortsätze sitzen den oberen gerade entgegen, liegen aber etwas 
schiefer und bilden daher mit ihren Trägern stärker verschobene Vierecke. Die Neigung der oberen 
Dornfortsätze und Träger gegen die Wirbelsäule beträgt gewöhnlich 70, jene der unteren meistens 
50 Grade. Soviel noch an den sieben hier erhaltenen Bippenpaaren zu sehen ist, sind sie stärker und 
zweimal so lang , als die Dornfortsätze , sie konnten daher die Bauchhöhle vollständig umfassen. Die 
Träger besitzen ganz dieselbe eigenthümliche Form, wie in den verwandten Gattungen und bei Taeni- 
oiden überhaupt. Oefters verbinden sich zwei Träger mit demselben Dornfortsatze, wodurch jedes- 
mal eine Störung in der regelmässigen Neigung derselben eintritt. Auf dem Scheitelpunkte der Träger, 
da wo zugleich der horizontal aufliegende Ast des vorhergehenden Trägers endet, sitzen die einfachen 
spitzen Strahlen der Bückenflosse und erreichen eine halbe Körperhöhe. Die Träger, welche die 
unteren Fortsätze der Schwanzwirbel verbinden, tragen, so weit wir sie kennen, keine Flossenstrahlen, 
auch überdecken sich ihre Queräste nicht ganz bis zum Scheitelpuncte. 








































Beiträge zur Kennlniss der fossilen Fische Oeslerreichs 



241 



Taf. XXII. Fig. 1 . Ein Theil des Oberkopfes mit dem vollständigen Zwischenkiefer von einem älteren 

Thiere. Im bituminösen Mergelschiefer eines ScMrfnngsschachtes zu Krakowiaa bei Im- 
wald in Galizien. Gegenwärtig im Besitze des Herrn Professors Albin Heinrich in Brunn. 

Fig. 2. Der mittlere Theil des Rumpfes eines jüngeren Thieres. Im Saugschiefer von Neuhof 
bei Niko lschita in Mähren. Befindet sieh im k. k. Hof-Mineralienkabinette. 

Für. 3. Drei Caudaiwirbel mit ihren Dornfortsätzen und Trägern eines älteren Indivi- 
diuuns aus Nikolschitz, im Sehieferthon. Befindet sieh gleichfalls im k. k. Hof-Mineralien« 

kabinette. 

a) Zwei Caudaiwirbel mit Träger und Rückenflossenstrahlen, vergrössert. 

b) Zweiter Fang zahn vergrössert dargestellt, seine hohle Wurzelhälfte ist gespalten. 

c) Dessen Querdurchschnitt in der Mitte. 

Lepidopides lirevispondylus. 

Taf. XXVII. 

In den tertiären Gebirgsschiehten um Ofen findet sich gleichfalls ein Anenchelum-Art'iffcr Scombride, 
welchen wir, da uns hloss ein Theil seines Rumpfes ohne Kopf und Schwanzende bekannt ist, in Ermang- 
lung aller gcneriscb.cn Kennzeichen einstweilen in unserer, derselben Formation angehörige Gattung Lepi- 
dopides aufnehmen. Er ist wesentlich von der vorhergehenden Art verschieden. Die Höhe des Körpers 
nämlich, welche bei Lepidopides leptospondylus im Anfange der Caudalregion höchstens einer Länge 
von vier % Wirbeln gleichet, enthält hier, bei einerlei Grösse, mindestens die Länge von sechs Wirbeln; 
letztere sind daher bedeutend kürzer und auch verhältnissmässig dicker, ferner haben die oberen Dorn- 
fortsätze sammt den mit ihnen verbundenen Trägern eine mehr senkrechte Stellung. 

Beschreibung. 

Unsere Platte enthält einen grossen Theil der Wirbelsäule mit 60 Wirbeln, davon 19 der Abdominal- 
and 41 der Caudalregion angehören, was wohl die Hälfte der ganzen ehemaligen Wirbelanzahl des Fisches 
ausmachen dürfte. So weit wir sie hier sehen, sind alle Wirbel beinahe von gleicher Länge, denn die all- 
niäluVe Verlänfferune der hintersten ist ganz unbedeutend. Ihre grösste Dicke ist zweimal in der Länge enl- 
halten ; ihre Dornfortsätze bilden an den vordersten abdominalen Wirbeln, wo sie etwas mehr liegen, 
einen Winkel von 70, von der Caudalregion angefangen aber einen Winkel von 80 Graden, stehen also beinahe 
senkrecht. Bei den verschobenen länglichen Vierecken, welche durch die Verbindung der Träger mit den 
oberen Dornfortsätzen entstehen, ist die Länge derselben zwischen dem 16. und 17. Wirbel, vom ersten 
Caudaiwirbel nach vorwärts gezählt, zwei und ein halb mal, und zwischen dem 39. und 40., von eben da 
nach rückwärts gerechnet, ein und ein halb Mal in ihrer Höhe enthalten ; was allein nur in der allmä- 
ligen Abnahme der Körperhöhe selbst liegt. Die unteren Dornfortsätze haben dieselbe Neigung gegen 
die Wirbelachsc wie an der vorhergehenden Art, die Rückenflossenstrahlen aber und die Rippen 

scheinen etwas kürzer zu sein. 

Professor Sa dl er in Pesth entdeckte das hier beschriebene Exemplar, wovon uns ein kleiner 
Theil der Gegenplatte zukam, im weissen dünnblätterigen Kalkmergel in der Gegend von Ofen, und 
besitzt es noch gegenwärtig in seiner Sammlung. 



In der Sammlung: des k. k. Mineralien-Cabinettes befinden sich noch kleine Bruchstücke von einer 
ebenfalls zu der Gattung Lepidopides gehörigen Wirbelsäule, welche wir zu keiner der beiden eben be- 
schriebenen Arten zu rechnen wagen, sie scheinen vielmehr einer dritten Art anzugehören, die mit 
den kurzen Wirbelkörpern der Zweiten die schiefer liegenden Dornfortsätze der Ersten verbindet. Wir 
bezeichnen sie indessen mit dem Namen Lepidopides dubius. Der Fundort ist im Sehieferthon von 
Mautnitz bei Selowitz in Mähren. 



Denkschriften d. im.them. naturw. CI. 



31 























































i«u«j»»»rm.m v 



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242 



LEPIDOTUS SULCATUS. 



Cotiors: GanoMei 



€fcrd. MoMostei. 



Fam. Ijepifiolini. 



Taf. XX. Fig. 3. 



W 



ir können von dieser Art nur ein Fragment 



das beinahe aussieht wie ein blosses Conglomerat 



von Schuppen, die aber so ausgezeichnet sind, dass sie mit anderen, von bisher bekannten Arten durch- 
aus nicht verwechselt werden können. Sic sind, wie alle Lepidotiis-Sdmi^an , sehr dick und rhomboidal. 
Die glänzend-schwarze glatte Oberfläche wird von drei bis vier Furchen oder vielmehr Hohlkehlen durch- 
zogen , deren Zwischenräume mit ihnen von gleicher Breite sind und im Gegensatze zu den Hohlkehlen 
erhabene abgerundete Leisten darstellen. Merkwürdig ist vorerst die Richtung dieser Furchen, welche 
weder mit einem Rande der Schuppe gleich laufen, noch von einem Centralpunkte aus gegen den freien 
Hand hin divergiren, sondern mit der grösseren Diagonal-Linie des Rhombus parallel liegen. Dabei sind 
sie anfänglich, das heisst, an dem vorderen ganz schmal überdeckten Rande der Schuppe tiefer und ver- 
flachen sich vor Erreichung des hinteren freien Randes in einer kurzen Ebene. Diese Ebene, oder vielmehr 
der hintere unbedeckte Rand der Schuppe hat abermals fünf bis sechs kurze, mit den Hohlkehlen nicht 
zusammenhängende, wellenförmige Vertiefungen, wodurch er gleichsam wie gezähnelt erscheint, ohne 
es wirklich zu sein. An jenen Schuppen, die wahrscheinlich der Schwanzflosse näherstanden und nur 
drei diagonale Furchen haben , convergiren merkwürdigerweise diese Furchen gegen den unteren , weiter 
rückwärts geschobenen Winkel des Rhombus. 

An beiden Seiten unseres hier abgebildeten Fragmentes liegen Schuppen und zwar so, dass 
von einigen die wirklichen Oberflächen, von andern abgesprungenen die Abdrücke der Unterseite sichtbar 
sind. Letztere zeigen schwache Spuren concentrischer, mit dem äusseren Schuppenrande parallel laufender 
Linien, deren vertiefter Mittelpunct gegen das vordere Drittheil zu liegt. Ein am oberen Rande jeder 
Schuppe sein sollender Verbindungsnagel ist aber nirgends sichtbar, er scheint, wie es sehr oft der 
Fall ist, bloss nicht erhalten zu sein. 

Unter allen, in den Poissons fossiles abgebildeten Lepidotus- Arten ist es einzig Lepidotus radiatus 
Agass., aus einem unbekannten Fundorte, dessen Schuppen einige, obschon noch sehr entfernte Aehnlich- 
keit mit unseren gegenwärtigen kärnthnerischen haben. Der einzige bisher bekannte leider sehr unvollstän- 
d.ge Ueberrest dieses schönen Ganoiden wurde in einem Kalksteine bei RaibI gefunden und befindet sich 
gegenwärtig in der reichen Sammlung des Herrn Franz v. Rosthor n zu Klagenfurt. 

Taf. XX. Fig. 3. Fragment von Lepidotus sulcatus, in natürlicher Grösse. Aus einem wahrscheinlich 



dem Lias-Gebilde angehörigen Kalke von Raibl in Kärnthen 







b) 



schenleisten ; vergrössert. 



Q 



schenleisten ; vergrössert. 



mit drei parallelen Querfurchen und zwei erhabenen Zwi- 



:) Abdruck der unteren Fläche einer Schuppe mit den concentrischen Kreisen und deren 
nach vornezu liegendem Mittelpuncte ; ebenfalls etwas vergrössert dargestellt. 







i 



• 





















243 



Zur Anatomie de 





ropfes. 



Vom Professor Rokitansky. 



Tai. XX VIII. 



Vorgetragen in der Sitzung der mathemaliseh-natarwiss enschai'tliehen Classe am 19. April 18^1). 

Ich habe im Jahre 1847 der Gesellschaft der Aerzte einige Mittheilungen über den Kropf gemacht, 
welche sich im Auszuge in dem Sitzungsprotokolle der Gesellschaft (Zcitschr. d. G. d. Aerzte III. J. CXLI.) 
linden. Seitdem haben mich ausgedehntere Forschungen über die Cyste und ihre Grundlage veranlasst, 
den Kropf neuerdings zu untersuchen. Diese Untersuchung führte zu den Resultaten, welche ich hiemit 
abgesondert veröffentliche, indem ich sie an jene Mittheilungen anknüpfe. 

Unter den Erkrankungen der Schilddrüse nimmt diejenige, welche man gemeinhin Kropf (lym- 
phatischen Kropf, Hypertrophie der Schilddrüse) nennt, den ersten Rang ein; sie ist einerseits sehr 
häufig, und dabei mit Ausnahme der seltenen Fälle von akuter Eiter producirender Entzündung und von 
Krebs (als Medullär cur einoni) wohl die alleinige Krankheit des Organs, andererseits bietet sie nicht 
nur dadurch , dass sie bei der leichten Nachweisbarkeit der Neubildung der Elemente das Wesen der 
Hypertrophie drüsiger Organe sehr erläutert, sondern auch durch ihre Beziehungen zur Cystenformation 
und deren Grundlage ein hohes Interesse. 

Indem ich vom Kröpfe in dem eben angedeuteten Sinne handle, so bekenne ich, dass mir keine 
der vielerlei andern Strumaarten je als besondere selbstständige Form vorkam, und dass ich sie sämmt- 
lich nur als consecutive Complicationen des eigentlichen Kropfes deuten kann. Ob es einen sogenannten 
aneurysmatis eben Kropf v. Walthers als Erweiterung der grossen Arterien gebe, kann ziem- 
lich gleichgiltig sein. Aber ich kann selbst die von Ecker auf die Erweiterung und die stellenweisen 
Ausbuchtungen der kleinen und capillarcn Arterien im Kröpfe —jenen gleich, welche Kölliker und Hasse, 

— hin 

Jener 



Bruch in encephalitischen Heerden, in entzündet gewesenen Schleim- und serösen Häuten sahen 
aufgestellte besondere Form eines Gefässkrop fes nicht als etwas Wesentliches anerkennen, 
anomale Zustand betrifft nämlich, wie sich zeigen wird, einen Gefässapparat neuer Bildung und kommt 
eben nur immer in dem einen Kröpfe vor, von dem ich als dem alleinigen eigentlichen Kröpfe handle. 
Ja sogar vom Cystenkropfe kann ich nicht als von einer besonderen Form, sondern als einem Zu- 
stande handeln , der in einem unzertrennlichen Nexus mit dem Kröpfe steht und wohl einen constanlen 
höheren Entwicklungsgrad der Erkrankung darstellt. 

Es ist nöthig, zuvörderst der normalen Schilddrüsentextur zu gedenken: 

Die völlig normale Schilddrüse, wie man sie bei der Häufigkeit der den Kropf constituirenden 
Abweichungen am Ende nur beim Kinde und lungeren Individuen vorfindet, besteht aus einem für das 
freie Auge fast homogenen, kaum granulirten, blassröthlichen Parenchyme. Die mikroskopische Unter- 
suchung ergibt nebst Gelassen zwei Bestandteile: a) ein auf verschiedenen Stufen vom amorphen, 



hyalinen kernhaltigen Blastem bis 



zur Zellgewebsfaser 



stehendes Lager oder Gerüste, b) in diesem 



31 • 






























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I 













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^s^^m 



l 







244 






Professor Rokitansky. 



eingebettet runde oder ovale Hohlgebilde von etwa l / n 



Vio Mill. Durchmesser mit einer structur- 



losen hyalinen Wand 



(E 



der Drüsenblase ganz oder doch zum grössten Theile einnehmender Menge, granulirte Kerne von durch- 
schnittlich etwa V133 Mill. Durchmesser; daneben in sehr variirender Menge freie Körnchen, durchaus nur 
sehr selten Zellen. Sie sämmtlich befinden sich in einer albuminösen Feuchtigkeit und nur in der an 
der Innenwand der Blase liegenden Schichte scheinen die Kerne inniger zu einem Epithelium der Drüsen- 



blase aneinander gehalten z<u sein. 



Eine gewisse Anzahl dieser Drüsenblasen von einer gemeinschaftlichen ansehnlicheren Zellgewebs- 
faserschichte aufgenommen bildet das, was als ein Korn, ein Acinus der Drüse erscheint. Eine weitere 
derlei Agglomeration vom Acinis zu Läppchen und Lappen ist in der normalen Drüse gemeinhin 
nicht deutlich. 

- 

Nach diesen Angaben wende ich mich zum Kröpfe: 

Aus der Uebersicht einer Reihe von Kröpfen abstrahirt man leicht zwei Typen der Anomalie, 
welche jedoch bei weitem nicht immer scharf gesondert vorkommen. 

1. Einmal ist die Schilddrüse gleichförmig, mit Beibehaltung ihrer Normalgestalt vergrössert, 
das Parenchym zeigt auf dem Durchschnitte eine ebenso gleichmässig vertheilte Anomalie. Diese be- 
steht darin: Statt des rothlichen oder röthlichbraunen Acinus sind Läppchen zugegen, welche 
einem Aggregat von Mohnkorn-, Nadelkopf- oder Hirsekorn -grossen hellen, durchscheinenden Bläs- 



aus 



clien bestehen , welche in einem zarten weissen Zellgewebs-Maschenwerke eingelagert sind. Dabei hat 
das Organ eine eigenartige wachsähnliche Consistenz , ist blassgelb, blutleer, und enthält eine klebende 



Feuchtigkeit. 



Ha 



aufig sind neben den vor- 



farblose oder blassgelbliche, d. i. die sogenannte colloide 
genannten Bläschen hie und da grössere , hanf korn-erbsengrosse cystenartig gesonderte , mehr oder 
weniger helle Körper zugegen, welche bei näherer Besichtigung die vorgenannte Feuchtigkeit frei ein- 
schliessen, oder dieselbe in einem überaus zarten Maschenwerke enthalten. Hiemit ist ein Uebergang 
zu dem folgenden Typus gegeben. 

2. Das andere mal, und zwar ohne Vergleich häufiger, ist das Organ vergrössert mit gleichzeitiger 
Missstaltung , indem es an der Oberfläche knollig, gelappt ist, auf dem Durchschnitte von Erbsen- bis 
Wallnuss- und Ilühnerei-grossen und noch grösseren rundlichen, in eine faserige Kapsel eingehülsten, aus- 
schälbaren Lappen durchsetzt erscheint, oder geradezu ein Aggregat solcher darstellt. Ja, diese Lap- 
pen enthalten sofort wieder derlei secundäre Lappen. Das ursprüngliche Parenchym der Drüse , in 
welcher diese Lappen eingebettet sind , sieht bald normal aus , bald ist es in der erstgenannten Weise 
erkrankt oder es ist, wie später erörtert wird, anderweitig anomal. 

Diese letztere Vergrösserung der Schilddrüse erreicht bekanntlich enorme Grade, sie constituirt 
die grossen , höckerigen , gelappten Kröpfe. 

In Betreff der Richtung, welche die Vergrösserung nimmt, ist nebst der gewöhnlichen, wobei sich 
der Kropf mehr oder weniger symmetrisch zu beiden Seiten der Luftröhre am Halse lagert, die Luft- 
röhre zumal seitlich zusammendrückt, nach oben den Schildknorpel einbiegt, besonders jene von In- 
teresse, bei welcher die Schilddrüse in ihrem Wachsthume den Oesophagus nach hinten zu umfassen 
strebt, und jene, wobei die Massenwucherung nach abwärts hinter dem Manubrium Sterni in die 
Brusthöhle herab stattfindet. Auch die asymmetrische Erkrankung der einen Schilddrüsenhälfte ist be- 
achtens werth. 

Neben diesen Vergrösserungen beobachtet man nicht selten als eine höchst merkwürdige Erschei- 
nung in der Nähe der Schilddrüse accessorische Schilddrüsen , in Form von meist länglichrunden , walzen- 
in eine zarte Fascia gehüllten Geschwülsten, welche höchst wahrscheinlich als neugebildete 
und nicht als angeborne anzusehen sind. Ihr Parenchym ist meist in der ersten der vorgenannten Formen 
erkrankt, und so werden sie gewöhnlich obenhin als colloidhaltige Cysten angesehen. 



förmigen, 












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: 






7sitr Anatomie des Kropfes. 



245 



Untersucht man nun das Parenchym der ersten Form näher, so findet man im Präparate Fig. 1 
zuvörderst Drüsenblasen, welche über die obenangegebene Normalgrösse zu ^^ 3 /s? Vi Mill. heransteigen, 



welche 



an weiche sich sofort die mit freiem Auge wahrgenommenen hellen Bläschen anreihen. Einige sind 
mit Kernen angefüllt, in andern beschränken sich diese auf eine die Innenwand der Blase bekleidende 
Schichte, während sie nach innen hin immer undeutlicher werden oder ganz fehlen; einige Blasen sind 
endlich bezüglich hierauf völlig steril. Zuweilen nimmt ihre Stelle zum Theile eine feinkörnige Masse 
ein. Bei a ist die ein Epithelium darstellende Kernschichte von der Blasenwand abgelöst und faltig 
zusammengeschoben. Die Blasen sind rund, oval, oft aber zeigen sie auch von wechselseitiger An- 
einanderlagerung abweichende Gestalten. Sie sind von einer ansehnlichen Schichte Zellgcwebsfasern 

umhüllt. 

Neben diesen erweiterten Blasen finden sich weiters im Präparate nicht nur Blasen von Normal- 
sondern auch viel kleinere bis zu solchen herab , die sich von den Kernen nur dadurch unter- 
scheiden, dass sie eben merklich grösser sind , strotzender aussehen, sehr gewöhnlich minder granulirt, 
auch wohl ganz hell sind, opalisiren. Sie enthalten Kerne in verschiedener Menge, viele, nur sehr 



grosse , 



wenige , 



zwei 



i 



selbst 



nur einen 



viele gar keinen. Diese kommen mit den vorerwähnten sterilen 



Cysten überein. 



Ueberdiess kommen, theils mit den ebengedachten Gebilden in einem 



jungen amorphen, von 

ovalen Kernen durchsetzten oder in Faser -Entwickelung begriffenen Stroma eingebettet, theils frei 
in der ausgetretenen Feuchtigkeit schwimmend ringsum das Präparat, die Gebilde Fig. 2 vor — 
runde, ovale, walzenförmige glatte oder ausgebuchtete, helle, opalisirende , gegen Essigsäure bald 
sich indifferent verhaltende, bald im Innern zu einer feinkörnigen (charjrinirten) Masse coagulirende 
Gebilde. Sie sind einfach und gleichen den sterilen Blasen, oder sie enthalten einen oder mehrere 
Kerne, andere bestehen aus mehreren concentrischen Schichten, zwischen welche wohl ein oder der 
andere Kern eingeschoben ist. (Fig. 2 «.) An manchen haftet das Rudiment einer Schichte von 
Kernen (Fig. 2 ft), von manchen andern lässt sich durch Druck und' Rollen eine oder die andere Fa- 
serzelle des Stroma ablösen; ersteres lässt um so mehr schliessen, dass das Gebilde in der Kern- 
masse einer grösseren Blase lagerte, als man häufig eine endogene Entwicklung dieser Gebilde 
wie bei b in Fig. 1. beobachtet und überhaupt alle sehr gewöhnlich in dem Inhalte von Cysten vor- 
kommen. 

Obgleich ich in Anbetracht dieses letzteren Umstandes in eine nähere Erörterung derselben als 
Gebilden von einem umfassenderen Belange hier nicht eingehe, so muss ich doch von ihnen so viel be- 
merken: Ich halte sie für Gebilde, welche gleich den Drüsenblasen den Kern zur Grundlage haben, 
aber in ihrer Entwicklung abweichen. Es sind herangewachsene, aufgeblähte Kerne, deren Wand mit 
dem Inhalte , zumal nachdem dieser die Umstaltung zu dem sogenannten Colloid erlitten , verschmolzen 
ist , womit eine jede weitere Entwicklung , jedes weitere Wachsthum aufzuhören scheint. Ihr endogenes 



Erzeu^niss beschränkt sich meist auf einen centralen — seeundären 



Kern. Dieser hat sich aber in man- 



chen in derselben Weise wie der primäre vergrössert, in seinem Innern einen tertiären, dieser sofort 



einen vierten erzeugt u. s. w. Hieraus ist ein concentrisch geschichtetes Gebilde 



Fig. 2 a 



hervor 



gegangen, welches die eigentliche Grundlage der sogenannten Zellenincrustationen abgibt — deren ich in 
der Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte 5. Jahrg. 1. Heft mit Hinweisung auf eine andere Gelegenheit er- 
wähnte , deren genauere Erörterung ich auch hier nochmal auf ein Späteres verweise. Dort sollen so- 
dann nebst vielen anderen auch die Formen Fig. 2, c, d, in welchen eine drusige Sonderung der Colloid- 

Mflsse stattfindet, zur Sprache kommen. 

Ich muss ausdrücklich bemerken , dass es nicht diese Gebilde sind , die mich zu der in der Ein- 
gangs erwähnten Mittheilung über den Kropf behaupteten endogenen Vermehrung der Drüsenblasen 
veranlassten. 





























I 












■ 



246 



Professor li okit a n s k y 



Wesentl 



a) auf Erweiterung, einer cystenartigen Entwicklung der Drüsenblasen, 

b) daneben auf einer gleichzeitigen Entwicklung neuer Drüsenblasen neben den 



ursprünglichen 



exogene Neubildung. 



Geht man an die nähere Untersuchung des zweiten Kropftypus und zwar der hier vorfindi^en 
Lappen , so überzeugt man sich zuvörderst schon mit freiem Auge sowohl , wie mittelst des Mikroskops, 
dass dieselben aus Schilddrüsenparenchyme bestehen. Es entsteht aber die weitere Frage nach der Ent- 
stehung dieser Lappen: Ist ein solcher dadurch zu Stande gekommen, dass ein durch eine bestimmte 
Anzahl von Drüsenblasen constituirter Acinus durch Entwicklung neuer Drüsenblasen neben den 
ursprünglichen an Volumen zunahm, und dabei 



das denselben umschliessende Faserlager erweitert 



und zugleich hypertrophirt wurde — oder liegt einem solchen Lappen eine zu einer Cyste erweiterte 
Drüsenblase zu Grunde, in welcher die Entwicklung, d. i. eine endogene Neubildung von Drüsenpa- 
renehym Statt fand? 

Ich will nicht in Abrede stellen, dass der erstgenannte Vorgang zuweilen vorkomme, bin aber 
überzeugt, dass der zweite Regel sei. 

Obgleich man sich durch den cystenartigen Habitus dieser Lappen leicht zu der Annahme dieses 
Vorganges bestimmen lassen könnte, obgleich diese Ansicht nach dem, was an endogener Neubildung 
in Cysten überhaupt vor sich geht, höchst plausibel erscheint, so kann doch nur die directe Beob- 
achtung darüber entscheiden. 

Besieht man die Durchschnitte eines Jüngern in Entwicklung von Lappen begriffenen Kropfes, 
so findet man gewiss, zumal beim Untersuchen unter Wasser, eine oder mehrere meist Erbsen-, Bolmen- 
oder selbst Haselnussgrosse Cysten, in welchen man nach Ausspülen des colloiden Inhalts folgende Er- 
scheinung wahrnimmt : Es erheben sich an einer Stelle von der Cystenwand in einer Gruppe beisammen 
zarte, einfache glatte oder verästigte mit winzigen Ausbuchtungen besetzte, hohle durchscheinende 
Kölbchen und Zotten Fig. 3, a, b. Untersucht man diese unter dem Mikroskop, so wird man einer 
Bildung gewahr, welche eben so überraschend als lehrreich ist: Es liegen ausgebuchtete mit einer 
Schichte Kerne als Epithelium bedeckte oder auch nackte durchsichtige Hohlgebilde vor, welche in 
ihrem Innern nebst freien Kernen die Drüsenblasen des Schilddrüsenparenchyms auf den mannigfachsten 
Stufen ihrer Entwicklung enthalten. Fig. 4. In ihnen verlaufen meist sehr ansehnliche Gefässe in grossen 
Schlingen und Bögen, von denen Aeste nach einwärts abgehen. Sie sitzen auf einem Stiele, welcher 
gleich ihnen aus einer hyalinen structurlosen oder auch aus einer streifigen Membran oder aus zarten 
Zellgewebsfibrillen besteht. — 



Die Cystenwand selbst besteht aus Zellgewebsfaser und ist innen mit einer 
Schichte Kerne als Epithelium bekleidet. 

An solche Cysten reihen sich einerseits eine Cyste, welche nichts von einer derlei endogenen 
Production enthält , andererseits solche Cysten , in denen die Neubildung immer mehr an Masse zunimmt, 
bis sie den Raum der Cyste mit Verdrängung ihres ursprünglichen colloiden Inhalts ganz ausfüllt. 
Man findet Cysten, in welchen das Neu-Parenchym von einem bestimmten Abschnitte der Cystenwand 
hereinwächst, wie in Fig. 3 bei a und b; andere, in welchen es ringsum auf der Cystenwand wuchert 
und so weit herangewachsen ist, dass nur noch ein centraler von colloider Feuchtigkeit gefüllter Rest 
des Cystenraumes erübrigt. Endlich ist wie bemerkt die ganze Cyste ausgefüllt und 
Schilddrüsenlappen , ja zu einer neuen in die ursprüngliche eingeschalteten Drüse geworden , in der 
sich der Process von Lappenbilduug wiederholen kann. Das junge Parenchym ist sehr zart, durch- 
scheinend , besteht aus Drüsenblasen , welche in einem hyalinen structurlosen oder streifigen Fach- 
sich von seiner dem Cystenraume zu- 



zu einem neuen 



werke lagern; in nicht völlig ausgefüllten Cysten erheben 

gewendeten Fläche fortan die ursprünglichen hohlen Kolben und Zotten, welche in der Tiefe zu 



jenem 



Fachwerke 






eworden sind (Fig. 3, 6). Später erleidet es mancherlei Veränderungen, die 












• 




















P^^^^^B^U 



^ 


















Zur Anatomie des Kropfes. 



247 



Bereich der Pathologie 



gehören 



deren, ich später nach der folgenden Be- 



mehr oder weniger in s 
merkung gedenken will. 

Nachdem ich mir jeden Einwurf gegen diese Beobachtung, namentlich den, dass die Neubildung 
ein von aussen hereinwachsendes die Cystenwand durchbrechendes Parenehym sei, wiederlegt habe, 
ist eine endogene Production in den zu Cysten herangewachsenen Drüsenblasen 
ausser Zweifel gestellt, als das Wesen des zweitgenannten Kropftypus. 

Diese Thatsache erläutert es wohl, wie ich zu der in den Ein^aoffS erwähnten Mittheiluniren aus- 
gesprochenen Behauptung einer endogenen Entwicklung neuer Drüsen-Elemente in den älteren erweiterten 
Drüsenblasen veranlasst werden konnte. Ich trete diessfalls Prof. Ecker bei. welcher sart« sie sei ihm 
nicht vorgekommen. Bei der Unkenntniss des nunmehr erkannten Vorganges kamen mir natürlich Prä- 
parate vor, in denen ich Drüsenblasen in ansehnlichen Hohlräumen enthalten sah, welche wohl nichts 
anderes als Abschnitte jener Hohlkolben waren. 

eht , sind 



Die Veränderungen , 



welche das junge Parenehym der neu entstandenen Lappen 



eilige, 



mannigfach ; ich will versuchen , sie in Folgendem zu gruppiren : 

1. Es nimmt an Masse mit Erweiterung und gleichzeitiger verhältnissmässiger Verdickung seiner 
Hülse (der Cystenwand) zu. Es wird dichter und dabei opak, homogen schwammig, auf dem Durch- 
schnitte oder dem Bisse filzig, oder es nimmt eine feinkörnige Beschaffenheit an. Dabei ist es häufig 
sehr 



gefäss- und blutreich, dunkelroth, oder man findet es blassröthlich , schmutzig bräunlich, fahl, 
weisslich fein punktirt, wie von einem weisslichen feinen Sande durchstreut. 

Der elementare Vorgang besteht in der fortgesetzten Entwicklung neuer Drüsenblascn, welche in 



überwiegender Anzahl 



reichlich mit 



körniger Masse und Kernen gefüllt sind, wobei die Entwicklung 



ihres Lagers zu einem faserigen Stroma und die Anordnung dieses letzteren nach dein Typus der nor- 
malen acinösen Structur bald gehemmt, bald mehr oder weniger ausgeprägt ist. 

Zwischen den Drüsenblasen liegt, oft in ungemein grosser Menge, rothbraunes, rostgelbes Pigment 
in Form von discreten oder agglomerirten , gelappten Körperchen. Um die Drüsenblascn lagert ein fein- 
körniges Pigment , ja selbst die Körnermasse in den Drüsenblasen scheint Pigment zu sein. Diess gibt 
dem Neuparenchym die obbemerkte schmutzigbräunliche Färbung. 

Untersucht man ein Parenehym von fahler Färbung , welches gemeinhin matsch und teigig ist , eine 
trübe, schmutzig gelblichweisse Feuchtigkeit enthält, so findet man als Grundlage dieses Verhaltens ein 
moleculares Zerfallen des Inhalts der Drüsenblasen mit gleichzeitiger Fettmetamorphose. Die Drüsenbla- 
sen füllen sich mit Fettmolekeln, platzen und lassen die Körnchen austreten. Die einlachen Drüsenblasen, 
zumal die kleinen, gleichen so den bekannten Körnchenzellen (Fig. 5, a). Auch in den Blasen mit auf- 
geblähtem seeundärem Kerne (S. S. 245) findet diese Umwandlung Statt (Fig. 5, b). Nebst den Fettmolekeln 
sind in dem Präparate auch die Kerne des Stroma in ansehnlicher Menge frei geworden und schwimmen in 
der umgebenden Feuchtigkeit herum ; sie haben grossentheils ein geschrumpftes , verkümmertes Ansehen 



(Fig. 5,c). 



Ich habe häufig das ganze Parenehym eines Lappens so beschaffen gefunden ; bisweilei 



\ 



war es besonders die peripherische Schichte desselben. 



Das weisslich feinpunetirte Parenehym von einem Ansehn , wie wenn es von einem weissen Staube 



wo- 



bestreut wäre, rührt von einer Entwicklung von Kalkkörnchen im Inhalte der Drüsenblasen her, 
durch sie opac werden und bei durchscheinendem Lichte schwarz aussehen (Fig. 6). (Bei * liegen 
in dem Stroma rostbraune Pigmentkörperchen.) 



2. Es zeigt das neue Parenehym den Habitus des Parenchyms der ersten Kropfform, es ist 
strotzend, bell durchscheinend, farblos oder blassgelblich. 

Das Mikroskop zeigt Erweiterung der Drüsenblasen und als Grundlage gleichzeitiger Dichtigkeits- 
zunahme die fortgesetzte Entwicklung neuer, jedoch in überwiegender Anzahl steriler, colloidhältiger 
Drüsenblasen, woraus die grosse Menge der Fig. 2 verzeichneten Gebilde hervorgeht, von denen mir 


























JK. 


































































248 



Professor Rokitansky. 



hier insbesondere noch die Formen c) und */), eine Sonderung der Colloidmasse in Drusen bedeutend, 
vorkamen. 

3. Eine häufige Erscheinung ist die Hämorrhagie in und aus dem incystirten Neuparenehyme. Sie fin- 
det in den verschiedensten Stadien des Ausfüllungsprocesses der Cyste mit Parenchyme, namentlich aber 
in nicht völlig ausgefüllten Cysten, z. B. in einen noch übrigen centralen , ringsum von Parenchym um- 
schlossenen Raum der Cyste herein, Statt. Sie setzt häufig eine ausgebreitete Zertrümmerung des Paren- 
chyms, und liegt dem so häufigen hämorrhagischen Contentum der Schilddrüsen-Cysten, der Pigmenti- 
rung ihres Parenchyms so wie ihres colloiden Inhaltes zu Grunde. 

Sie ereignet sich, der im Vorigen hervorgehobenen Bedingung gemäss, vorzüglich aus den grosse 
Bögen und Schlingen beschreibenden, von einem sehr zarten, structurlosen Gebilde getragenen Gefässen 
in den Hohlkolben und Zotten, welche in eine den Cystenraum einnehmende Feuchtigkeit hereinragen. 
Sie veranlasst mich zu nachstehenden Bemerkungen : 

a) Der Grad der Vascularisation des neuen Parenchyms hängt ohne Zweifel von der Menge der vor- 
genannten Hohlgebilde und von der Anzahl ihrer Ausbeugungen ab. 

b) Diese Gefässe des neuen incystirten Parenchyms sind es, an denen die von Ecker hervorgehobenen 

blasigen Erweiterungen vorkommen , welche ich allerdings auch , aber bei weitem nicht so häufig, 
gesehen habe. 

Beiderlei halte ich in Ansehung der den Kropf constituirenden Vorgänge für unwesentlich und durch- 
aus zu untergeordnet , als dass ich eine hierauf gegründete Aufstellung eines besondern Geiasskropfes 
im Sinne Eckers billigen könnte. 

c) Das incystirte Neuparenchym ist nicht selten von zarten weissen, verästigten Streifen durchsetzt, 
welche besonders auf einem gefässreichen , hyperämirten rothen Grunde auffallen. Diess sind incru- 
stirte verödende Gefässe; häufig sind neben ihnen auch die Drüsenblasen mit Kalkkörnchen ange- 
füllt, von innen her incrustirt. (Fig. 7.) 

4. Sehr wichtige Veränderungen erleidet das incystirte Neuparenchym durch Entzündung und ihre 
Produkte. Sie sind ungemein häufig, ja so gewöhnlich, dass man sie bei länger bestehenden Kröpfen kaum 
je vermisst. Diess steht mit der Seltenheit der Entzündung im ursprünglichen Parenchyme — der Entzün- 
dung der normalen Schilddrüse — in einem auffallenden Contraste. 

Das Parenchym der Lappen ist gemeinhin von faserstoffigem in verschiedenem Grade erstarr- 
ten, bald durchscheinenden, bald opaken, graulichen, grauröthlichen , häufig hämorrhagischen, rost- 
braun gesprenkelten oder gestriemten Exsudate gleichförmig infiltrirt, oder bei reichlicherem Ergüsse 
von streifigen oder klumpigen Massen durchsetzt, im frischen Zustande davon vielfach zerwühlt, zer- 
trümmert. Es ist in Folge dessen häufig völlig unkenntlich geworden. Das Exsudat entwickelt sich 
allmälig zu einem resistenten fibroiden Gewebe, in welchem die Drüsenblasen nach und nach ver- 
schwinden (Fig. 8) , das mit der verdickten Hülse des Lappens verschmilzt und sofort mit dieser zu 
einem schwieligen Knoten schrumpft, womit der Lappen verödet ist. Diese Schwielen werden 
sofort häufig von Knochenerde incrustirt und stellen bald ziemlich glatte, bald rauhe knorrige Knochen- 
concretionen dar. — Uebrigens beobachtet man hier eben auch wie andernorts ein Zerfallen des Exsudats 
mit Fettumsatz, eine Verkreidung desselben. 

Diess sind die wesentlichsten Veränderungen, welche das incystirte Neuparenchym erleidet. Unter 
ihnen sind mehrere, welche die Bedeutung einer Involution, einer Verödung der Neubildung haben. 
Hieher gehört die Fettmetamorphose des Inhalts der Drüsenblasen, ihre Incrustation, die Veränderung 
im Gefol 



ge von Hämorrhagie und von 



Entzündung. Sie sind als eben so viele Heilungsweisen der 



Kropfwucherung anzusehen. 

Sehr oft findet man mehrere dieser Zustände in einem und demselben Lappen beisammen, einander 
coordinirt, sich wechselseitig durchdringend. 







I 

i 









* 









> 









Zur Anatomie des Kropfes. 



249 



So sehr auch dem Gesagten zufolge der Kropf überhaupt Cystenkropf ist, so verdient doch immer- 
hin die in Bezug auf die endogene Produclion von Parenchym sterile Cyste , an und für sich sowohl, 
wie auch besonders in practischer Rücksicht, Erwähnung. Das Vorhandensein einer oder mehrerer sol- 
cher Cysten macht den Kropf im Sinne der eingebärgerten Anschauungsweise und Terminologie zum Cy- 



stcnkropfe. 



In practischer Rücksicht kann man den Begriff dahin erweitern, dass man auch eine 



Cyste hieher zählt, welche nur sehr wenig neuen Parenchyms producirt, indem sich dieses auf eine an 
irgend einer Stelle der Cystenwand aufsitzende Insel oder eine selbst die ganze Innenwand der Cyste 
überkleidende Schichte von unerheblicher Dicke beschränkt; den überwiegenden freien Raum nimmt ein 

flüssiger Cysteninhalt ein. 

Diese Cysten wachsen gleich den incystirten Lappen häufig zu bedeutendem Umfange , zu Wallnuss-, 
Hühnereigrösse und weit darüber heran, wobei die Cystenwand ebenmässig an Masse (Dicke) zunimmt. 
Sie weichen in Bezug auf die Construction ihrer Wände wie auch auf ihren Inhalt nicht ab von dem 
Verhalten , welches die Cysten überhaupt darbieten. Ihre Wand besteht aus Zellgewebefasern und einer 
Schichte Epithelium , später ist sie häufig bei beträchtlicher Dicke schwielig und die 'Stelle des Epi- 
thelioms nimmt eine Schichte durchscheinenden, Blastems ein, w T elches mehr oder weniger deutlich in 
Faserbildung durch Spaltung begriffen ist. Ihr ursprünglicher Inhalt besteht in einer eiweisshaltigen 
serösen, farblosen oder blassgelblichen, in einer dicklicheren klebenden, einer Gummilösung ähnlichen — 



sog 



colloiden 



— meisthin gelben, braungelben, grünlich schillernden Feuchtigkeit. Häufig ist aber der 
Inhalt ein ganz anderer, indem die Cyste im Gefolge von Hämorrhagie, von Exsudation sehr häufig 
Blut im frischen Zustande oder in Form eines chocoladefarbigen, rostbraunen, hefengelben, fettig- 
glutinösen Breies oder Fluidums, Faserstoffexsudat in Form von peripherer Gerinnung an der Cystenwand, 
von grösseren klumpigen oder zu einem Strick- und Fachwerke angeordneten, den Cystenraum zum 
grössten Theile oder völlig ausfüllenden Massen , Eiter (Jauche) enthält. Die Cystenwand acquirirt 
dabei eine beträchtliche Dicke und Dichtigkeit, sie kann so gut wie die zu Schwiele umstalteten Fi- 
brinmassen im Cystenraume verknöchern. Häufig folgt mit Verwachsung beider eine Verödung der Cyste. 
Bisweilen wird sie vom jauchigen Inhalte corrodirt, ja es kömmt zu ulceröser Perforation, zu völliger 




Vereiterung derseinen. 

Noch ist am Schlüsse das Verhalten des ursprünglichen Drüsenparenchyms neben den so eben 
besprochenen incystirten Lappen und Cysten überhaupt, und im Besondern sein Verhalten ringsum diese 
Gebilde bemerkenswerth (S. S. 244). In ersterer Bücksicht findet man das Parenchym gemeinhin in einem 
Zustande von Welkseyn mit bräunlicher Färbung, Zähigkeit; das Zellgewebe beginnt hie und da augen- 
scheinlich das Uebergewicht über die Drüsen-Elemente zu bekommen, — Atrophie. 

In der Umgebung der neuen Lappen oder der Cyste erleidet es auf verschiedene Dicke eine 
schichtenartige Sonderung; die Läppchen desselben werden durch den Druck zu Lamellen plattgedrückt, 
welche vielfach unter einander zusammenfliessen und spaltähnliche Lücken zwischen sich lassen. All- 
mälig schwinden darin die Drüsen-Elemente und es bleibt endlich ein weisses aus Zellgewebe be- 
stehendes Fachwerk zurück, dessen Lamellen miteinander und mit der Cystenwand verwachsen und 



dieselbe verstärken. 



In solcher Weise geht neben der Hypertrophie ein Schwund des originären 



Parenchyms einher, wobei häufig ein namhafter Antheil des Organs in Folge seiner Massenvermehrung* 
untergeht. Diess im Vereine mit den im Vorigen angedeuteten Verödungsweisen des neuen Parenchyms 
und der Cyste und mit dem so eben noch Folgenden mag erklären, warum bei dem so gewöhnlich 
wuchernden Processe der Kropfbildung die Kröpfe doch nicht zu einem viel grösseren Umfange her- 
anwachsen. 

Grosse Kröpfe sind gewöhnlich in eine mehrblätterige Fascie gehüllt, deren Blätter hie und da 
mittelst strangförmiger Säulchen und Brücken zusammenhängen. Dabei werden sie von grossen Venen 
durchsetzt, deren Wände mit der Fascie verwachsen sind und den Venensinus der h. Hirnhaut einiger- 



Denkschriften d. inathem. naturu*. CI. 



32 




























I 
































250 



Professor Rokitansky. 



massen gleichen. Diese Blätter sind wie die weissen Lamellen ringsum die neuen Lappen und Cysten 
durch Atrophie des ursprünglichen Parenchyms zu Stande gekommen, ihre Venen gehören ursprünglich 
dem peripheren Schilddrüsenparenchyme an. Untersucht man ein Stückchen einer solchen Lamelle oder eines 
der ebengedachten Säulehen, so sieht man nach Fijyur 9 ein aus Zellgewebsfibrillen , nebstdem aucl 



aus 



^VMMV^VVU W»U»VttVII 5 O^ ORI.l UlOU HCl^ll AI£U1 ** C1U Cl U 3 AJl Hg C^ Ü1JC5II1JI lllfll , UUliMUUlll iiUCIl 

Kernfasern (elastischen Fasern), einem zarten anastomosirenden Fasernetze u. dffl. bestehendes 



drüsiger Organe, 



Gewebe, in welchem verkümmerte, schwindende Drüsenblasen eingebettet sind. 

Bei der Wichtigkeit der über das Wesen des Kropfes erhobenen Thatsachen haben diese noch. 
wie Eingangs erwähnt worden, von einem allgemeinen Standpunkte aus betrachtet, ein weiter aus- 
greifendes Interesse. Es bezieht sich diess auf die Grundlage der Drüsenblase und ihre Entwicklung, sowohl 
in ihren die Norm wiederholenden so wie besonders in anomalen Verhältnissen, auf die Hypertrophie 

und auf die vielfache und innige Verwandtschaft, welche zwischen den elementaren 
Bildungsvorgängen der Drüse und der Cyste obwaltet. 

Die Drüsenblase der Schilddrüse entwickelt sich augenscheinlich aus einem Kerne, durch Waehsthum 
desselben mit folgender endogener Entwickelung neuer Kerne, — wie man diess und folgendes in Fig. 1 
übersieht, — wobei sich diese letztere auf die Herstellung einer Epithelial -Kernschichte an der Innen- 
wand der Blase beschränkt, oder bis zur Ausfüllung der Blase mit Kernen excedirt. 
Eine anomale Entwickelung kommt in mehrfacher Weise vor: 
a) Der Kern wächst zu einer in Bezug auf die endogene Kernbildung sterilen Blase heran. 
h) Er wächst über die normale Grösse der Drüsenblase bis zu einem % Mill. Durchmesser haltenden 



Bläschen und sofort zu einer mit selbstständitrcr 



aus Zellgewebsfasern bestehenden Wa 







gabten Cyste heran. 



o 



o • - O 

undUmstaltung des letzteren zur Colloidmasse zu einem kusreliffcn oder ausfföbuchteten Gebilde Fiff. 2. 
dessen Masse bei c) und d) eine drusige Sonderung eingegangen ist. 



einen dritten und dieser einen vierten u. s. w. erzeugt, woraus ein eoncentrisch geschichtetes Gebilde 
hervorgeht Fig. 2, a) 9 welches gleich jenem einer weitern Entwickelung unfähig ist und gemeinhin 
der Incrustation unterliegt. 

Ich begnüge mich hier mit diesen Andeutungen; sie erweisen die hohe Bedeutung des Kernes als 



Grundlage sowohl des einfachen Drüsenelementes der Schilddrüse — welches die Textur dieser Drüse 
so wie jene der verwandten Nebennieren gegenüber den andern acinösen Drüsen als eine rudimentäre 
Bildung erscheinen lässt — wie auch des complicirten seeundären ausgebuchteten Gebildes, welches 
den Acinus anderer Drüsen constituirt, die sich eben auch nur durch Entwickelung von neuen derlei 
Drüsenblasen hypertrophiren. Vor Allen sind Untersuchungen der hypertrophirten Prostata, in deren Nähe 
sich zuweilen in ähnlicher Weise wie bei der Schilddrüse (S. S. 244) gesonderte neue Prostata-Körper 
entwickeln, in dieser Hinsicht instruetiv. — Eine hiemit zusammenhängende Erscheinung ist die, dass 
man in der hypertrophirten Prostata öfters, in der Thymusdrüse aber in der Regel, zwischen die Acini 
eingeschaltet, die vorerwähnten eoncentrisch geschichteten Kerngebilde (Fig. 2, a) wahrnimmt. 

Gleichwie einerseits die Drüsenblase der Schilddrüse im Kröpfe zur Cyste degenerirt, welche alle die 
der Cyste als Neubildung zukommenden Bedingungen wiederholt, so gleicht andererseits der Entwicke- 
lungsvorgang der Cyste jenem, dessen Resultat die Drüsenblase selbst ist. Man ist hier an die Schwelle 
eines an Analogien zwischen Normal- und Afterbildung sehr reichhaltigen Gebietes versetzt, aus dem ich 
nur die nachstehenden Fragmente hervorhebe: 

Eines der häufigsten Objecto zu vergleichender Untersuchung bietet unter vielen Anderen 

in der Corticalsub- 

In exquisiten Fällen ist die Niere, zumal in 



die gemeinhin im Gefolge der Bright'schen Krankheit in wuchernder Menge 



stanz 



der Nieren vorkommende Cvstenneubildunjr. 







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m 






I • 



— 




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Zur Anatomie des Kropfes. 



251 



den Niederungen zwischen den drusig 



Rindensubstanz. 



vorspringenden Resten der einschwindenden 
neben ansehnlicheren Cysten wie von einem krystalünischen Griese übersäet und durchwebt. Dieser 
erweist sich als Cysten, welche, in einem auf verschiedenen Entwicklungsstufen stehenden Zell- 
gewebslager eingebettet, je nach ihrer Grösse eine solche Aehnlichkeit mit den normalen oder den 
anomal gross gewordenen Drusenblasen der Schilddrüse haben, dass man zwei entsprechende Prä- 



parate nicht zu unterscheiden im Stande ist, 



ine Aehnlichkeit. welche auch Simon in s. Abhand- 



lung ort subacute Lißammation of the Kidney (Transact. of t/te med. c/iir. Society Vol. XXX) 

hervorhebt. Diese Aehnlichkeit geht sofort weiter, indem auch die in der Schilddrüse wahrgenommenen 
Entwickelungsstufen der Drüsenblasen, ja 



sich im Nierenpräparate wiederlinden. 



auch alle der obgenannten Anomalien ihrer Entwickelung 
Bezüglich des Inhaltes der Cysten bemerke ich nur, dass 
derselbe sehr gewöhnlich eine colloide Substanz ist und sehe im Uebrigen von andern durch darin vor- 
kommende Elemente bedingten Analogien ab. 

Es erheischt aber doch die endogene Wiederholung des Parenchyms in der Schilddrüsencyste einen 
Hinblick auf gewisse, in den Cysten so häufige endogene Productionen: Auf der Innenwand der Cysten 
kommen sehr oft vascularisirte Wucherungen vor, welche mit den S. 246 erörterten Excrescenzen auf 

der Innenwand der Schilddrüsencyste in 
d. i. den ausgebuchteten schlauchartigen , kolbigen Hohlgebilden auf der Innenwand der Schilddrüsen- 
cyste die Entwickelung der die Schilddrüse constituirenden Elemente Statt findet, welche selbst wieder 
eine anomale Fortbildung nehmen und namentlich zur Cyste heranwachsen können, so kömmt in jenen, 
d. i. in den gleichgestaltigen Wucherungen auf der Innenwand anderer Cysten die Entwickelung von 
Gebilden vor, welche, der Drüsenblase der Schilddrüse in formeller Hinsicht gleich, bei einer mit einem 
Afterpaienchyme combinirten Cyste die neben (ausserhalb) dieser bestehenden Elemente als eben so 



formeller Hinsicht völlig übereinkommen. So wie in diesen, 



innerhalb ihrer Muttereyste 



zu emei 



Ol* 



viele Grundlagen von Cysten wiederholen und selbst auch — 

sekundären oder Tochtercyste heranwachsen können. 

Ich breche hier ab, indem ich es für zweckmässiger halte, sich mit den vorstehenden Andeu- 
tungen zu begnügen, als sich weiter einzulassen in ein weitläufiges Gebiet, auf welchem die Ergeb- 
nisse bei ihrer Verwandtschaft mit dem vorliegenden Thema sich dieses leicht so unterordnen könn- 
ten , dass ich am Ende meine Aufgabe verfehlt hätte. 

Was schliesslich den Inhalt der strumösen Schilddrüse, die colloide Substanz, das Colloid be- 
trifft, über dessen Vorkommen ich das Wesentlichste in meinem Handbuche der pathologischen Ana- 
tomie (B. 1. S. 305) beigebracht habe und worunter das Colloid als Inhalt von Cysten und cysten- 
artig; erkrankten Hohbebilden den ersten Hang: einnimmt, so ist dasselbe in den sterilen Drüsenbla- 
sen und in den zu Cysten herangewachsenen Drüsenblasen enthalten und füllt diese letzteren je nach Um- 
ständen ganz oder nur zum Theile aus, indem es in jenen, welche eine neue endogene Parenchymbildung 
enthalten, den von dieser erübrigten Raum einnimmt. Es ist eine farblose oder gewöhnlicher eine ho- 
nig- oder weingelbe, braune, braungrünliche, einer Gummilösung ähnliche, klebende, durchscheinende 
Feuchtigkeit , welche hie und da zu einer leimartigen durch Druck mit Bruchflächen auseinanderweichen- 
den Substanz eingedickt erscheint. In dieser Gestalt stellt es in den Cysten häufig rundliche , schollenar- 
tige, schwachfacettirte Klumpen von verschiedener Grösse dar. Farbig erscheint es gemeinhin in den Cy- 
sten, in welchen eine Neubildung von Parenchym Stattfindet; in den sterilen Drüsenblasen ist es als eine 
farblose Feuchtigkeit enthalten. In den aufcebläheten Kernen ist es als eine consistentere mit der Kern- 
wand verschmolzene Masse zugegen, welche häufig eine schollenartige oder drusige Sonderung ein- 

geht. (Fig. 2.) 

Das Schilddrüsen-Colloid stimmt, wie leicht anzustellende Vergleiche lehren, in physikalischer Hin- 
sicht und auch in so ferne in seinem chemischen Verhalten mit dem Colloide anderer Cysten überein, 
als es überhaupt in der Deutlichkeit seiner Reacüoncn vielfache Variationen darbietet: desüllirtes Was- 

32 • 

















































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252 



ser nahm kalt und kochend etwas davon auf, wobei es trübe wurde; Essigsäure veranlasste in dieser 
wässerigen Lösung eine im Ueberschusse sich lösende Trübung, Weingeist eine weisse Trübung, welche 
bei Zusatz von Wasser verschwand. Salzsäure lösste es kalt nur langsam , kochende dagegen rasch auf 
mit Lilafärbung; Kaliumeisen-Cyanür gab eine Fällung. Aetzkali lösste dasselbe kalt sehr langsam, rasch 
dagegen in der Kochhitze. In dieser Lösung gab Essigsäure einen im Ueberschusse löslichen Niederschlag 
mit Entwickelung von Schwefelwasserstoff, Alcohol auch hier eine Fällung, die sich im Wasser auflösste. 
Höchst wünschenswerth sind gründliche vergleichende Untersuchungen des Colloids aus verschiedenen 
Erzeugniss-Stätten und aus verschiedenen Stadien seiner Bildung. 






Anmerkung-. Eine besondere Erklärung der beigegebenen Tafel scheint überflüssig. Fig. 3 gibt die natürliche Grösse 
die übrigen Figuren sind bei einer 400 maligen Vergrößerung gezeichnet. ' 









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253 

























Nova quaedam genera et species plantarum vascularium 



auctore 



ikluardo Fenzl. 




























Gelesen in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe vom 18. Januar 1849. 



ORCHIDEAE 



Trib. Vandeae. 



MORlHOLirCA. 




erigonium in alabastro basi haud gibbum, sub anthesi ringens mento nullo, foliolis omnibus 
perfecte liberis; exteriorum posticum majus erectum oblongum concavum, apice calloso fornicato- 
mucronatum ? lateralia labello supposita parallele deflexa linearia convergenti-subfalcata ; interiora 
linearia angustiora basi obliqua, ante posticum parallele erecta, marginibus retro columnam longitudi- 
naliter subcontiguis revolutis. Lab eil um liberum ecalcaratum sessile, cum columnae basi articulatum 
eaeque parallelum adscendens, oblongum trilobum, lobis lateralibus obsoletis dentiformibus, medio majore 
apice integerrimo uncinato-reflexo , disco subcalloso, callo piano ovato. Columna semiteres incurva. 
basi subdilatata, ultra germinis verticem haud producta, apice clavato haud marginato oblique truncata. 
Anthera opercularis convexa bilocularis. Pollinia 4 ellipsoidea solida incumbentia per paria con- 
nata, postica minora, caudicula obsoleta medio dorso glandulae hippocrepicae apicibus deorsum spec- 
tante affixa. 



1. jflormolyca lineolata. 

Tab. XXIX. 

Acaulis; pseudobulbis caespitantibus ovatis v. ovalibus ancipitibus basi vaginatis monophyllis. 
Folia sessilia coriacea lanceolata acuta canaliculato-depressa basi subtus argute carinata, caeterum ener- 
via, plus minusve recurva, laete viridia. Scapi radicales erecti uniflori, vaginis remotis arctis fusco- 
scariosis acutis tunicati. Perigonium laevissimum , sordide flavum; foliolorum exteriorum posticum 
subnaviculare ccarinatum, lineolis 7 v. 11 saturate sanguineis transversim anastomosantibus pictum; 
lateralia ejusdem longitudinis cum interioribus subminoribus consimilibus apice marginibusque subrevo- 
lutis plana, purpureo-5 — 7 -striata. Labellum perigonii foliolis externis subdimidio brevius carnosum 
oblongum subvelutinum, parum infra medium utrinque unidentatum (inde trilobum), dentibus acutius- 
culis patulis, lobo medio ovato obtuso, nunc integerrimo, nunc subcrenato, purpureo-venoso, a calli apice 






- 
















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254 



Eduard Fenzl. 



ulterius cum eo et basi carnosula triangulari atropurpureo, reliqua parte flavo; eallo ovato basi semi- 
lunari decurrente medio depresso edentulo band sulcato. Columna perigonio dimidio brevior puberula 
basi intus maeua purpurea picta. Polliniarum glandula testaeea. 

Hab.: in terra mexicana tropica prope Mir ador , unde retulit hortulanus C.Heller anno 1847. — Vidi stirpem flor entern in caldario 
Lib. Baronis de Hügel, prima vice mense Novembris, altera Aprilis. 



Pseudobulbi plures caespitosi, % — 1" longi, ovati s. ovales ancipites , marcescentes compresso-tetragoni, 
basi vaginis 2 — 4 aequitantibus scariosis fuscis acutissime carinatis, interioribus bulbum aequantibus v. parum 
exsuperantibus tunicati. Folia sessilia, adulta 5 — 8" longa ac 3 A — 1 Va" lata, basi ad distantiam 3 — 6'" eximie 
complicato-carinata. Scapi radicales in stirpe culta solitarii , in fera (Hellen* testante) plures erecti teretes 

ab in vi* 



ir o" 



lirnii 6 — 8" longi ac Va" crassi virides, vaginis 4 scariosis ochreaeformibus 4 — 5'" longis ac 1 — 27i 

cem distantibus acutis superne carinatis adstrictis fuscis vestiti. Perigonii foliolum posticum lineari-oblon- 



gum, 6 — 10"' longum 8% — 3 Vz '" latum, erectum subnaviculari-concavum ecarinatum, apice in inucronem fornicatum 



i/ '// 



acutissimum coarctatum; lateral ia externa postico aequilonga linearia subfalcata calloso-mucronata, lVa — 2/a' 
lata, labello supposita , parallele deflexa, apice convergentia ac fere contingua, basi omnino libera menti vestigio 
plane nullo; interiora consimilia parum miuora ante posticum collocata parallele erecta, apice marginibusquc 
retro columnam fere contiguis recurva. Lab eil um oblongum perigonii foliolis extern is subdimidio brevius, 2 — 2 1 /s / " 
latum carnosulum, areola basilari triangulari incrassata usque ad callum producta instructum, disco et apicem versus 



atropurpureum ; lobis lateralibus dentiformibus 



i/ /// 



longis acutiusculis antrorsum patulis libero margine adscendenübus; 



callo parum incrassato piano, medio depresso, ovato acuto, basi semilunari decurrente nitido. Ger men rectum v. 



curviusculum cylindrico-clavatum, sub anthesi k'" longum ac A" 7 apice crassum , subtiliter 6-Sulcatum laevissimum. 
Columna semiteres incurva, medio X" fere lata, sursum deorsumque sensim magis incrassata, basi tarnen ultra 
germinis verticem haud producta, nee apice marginata ibique verticaliter truueata ac profunde triangulari-excavata, 
viridi-flava , intus basi ad insertionem labelli macula purpurea transversa picta. Anthera opercularis convexa bilo- 
cularis. P ollin ia 4 ellipsoidea solida per paria connata ineumbentia, postica minora, ope caudiculae obsoletae 
medio glandulae hippoerepicae dorso affixa, Glandula fuscescens, apieibus columnae basim respiciens. Fructus 
desideratur. 



Unsere Gattung gehört zur Gruppe der Maxillarideen 



wie sie Lindley im Bot Reg. 1843. MiscelL 



p. 12. näher bezeichnet 



und reiht sich unmittelbar an Maxillaria an. Sie unterscheidet sich , wie ich 



glaube, sehr natürlich: erstens durch den völligen Mangel des charakteristischen Kinnes am Grunde des Peri- 
gons im Knospen- undBlüthenzustande; zweitens durch das am Grunde zwar verbreitete, aber keineswegs nach 
vorne fussförmig vorgezogene Säulchen ; drittens durch die am Grunde vollkommen freien äusseren Perigonial- 
Blättchen und die in der Art modificirte Blüthen -Configuration , dass selbe von vorne angesehen eine von den 
Seiten her zusammengedrückte schmale langgestreckte Ellipse bildet, während bei allen anderen Maxillaria- Arten 
eine um die Spitzen der Perigouial-Blättchen projicirte Linie eine entweder dreieckig-eiförmige, oder fast kreis- 
runde Figur darstellt. Diese Configuration der ganzen Blüthe resultirt aus der Richtung der beiden äusseren und 
inneren Seitenblättchen derselben, deren erstere, statt wie bei Maxillaria bald fast cylindrisch aufrecht, bald 
glockenförmig, bald ausgespreitzt -auseinandertretend mit dem unpaarigen hinteren jeder Zeit einen Winkel zu 
bilden, sich beinahe perpendiculär und parallel herabschlagen und mit dem letzteren fast in eine verticale Ebene 
fallen, während die zweiten, sich eben so verhaltend, aufrecht hinter dem Säulchen vor der Wölbung des hinteren 
Perigonial-Blättchens neben einander zu liegen kommen. 



>* 



Sie nähert sich in dieser Beziehung einigen Arten der Gattung Govenia 1 ), andererseits durch ihr 



unge- 



mein kurzes gemeinschaftliches Pollinarien-Schwänzchen der Gattung Bifrenaria und durch den einblüthigen be- 
scheideten Wurzelschaft der Gattung Colax. Govenia unterscheidet sich aber, abgesehen von dem ganz verschie- 
denen Habitus und Blattbaue noch ganz besonders durch die mützenförmige, in eine gekrümmte Spitze auslaufende 



Anthere, die dreieckige Follinar-Drüse und das an der Spitze beränderte Säulchen; Bifrenaria durch die beinahe 



*) Die Aehnlichkeit im Baue des Perigoniums mit Govenia superba ist so gross, dass ich mich anfänglich verleiten liess, Mormolyca näher 
mit dieser Gattung als mit Maxillaria verwandt zu halten. Siehe Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Januar- 
lieft 1849. p. 53. 




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Nova quaedam (jener a et species plantarum vascularium. 



255 



ktmftiftrmg gebildete Anthere und die beiden freien Pollinar-Schwänzchen 5 Colax endlicli durch ihr beinahe ku- 
gelförmige« Perigon, berändertes Säulcben, die kammförmige Anthere und den Mangel der Pollinar-Drüse; Alle insge- 
sammt, nebst Maxiilaria durch die Verwachsung der beiden unteren Perigonial-Blättcben am Grunde mit dem Säulenfusse 
und die dadurch schon im Knospenzustande bedingte Kinnbildung desPerigons. — Will man Mormohjca neben den genann- 
ten nicht als eigene Gattung gellen lassen, so wird man sie jeden Falls als Ilepraesentanten einer eigenen Abtheilung 
von Maxillaria bestehen lassen müssen, der sieb zunächst Maxillaria rufescens Li ndl. (B. lieg. 1. 1848), aciilifolia 
Lindl. (0. c. 1839. Mise. n. 148) und pieta Hook. (B. Mag. t. 3154-, B. Kcg. t. 1802) anschliessen dürften. 



E x p 1 i c a t i i c n i s Tab. XXIX. 

Ulormolyca lineolaf a. 



Fig. 1. 2. 3. Flos situ vario. 



4. 



Columna cum anlhera et labello, demtis perigonii foliolis reliquis, aueta. 



5. Labellum explanatum. 

6. Columnae pars superior aueta facie anteriore, polliniis demta authera cum glandula hippoerepica situ 



naturali residuis. 

7. Pollinia cum glandula aueta. 

8. Eadem demta glandula a latere visa. 

{). Antherae facies interna demtis polliniis 



2. IVotylla Iliigeiil n. sp. 



Pseudobulbi lineari-oblongi compressi 



minuti. Folia solitaria coriaeoa linguaeformia pla- 



niuscula, subtus basi carinata. Racemus radicalis pendulus multiflorus, pedicellis bractea subulato-setacea 
triplo, tlore triente longioribus recurvo-patulis. Perigonii viridi-flavi foliola externa latcralia labello 
supposita in unum apice inteyerrimwm coalita , cum superiore sublongiore lineari-lanceolata acuta 
ecarinata navicularia apice recurva; interna subbreviora ac dimidio angustiora lineari-subfalcata acu- 
minata medio superposite aurantico-bi-v. quadripunetata. Labellum porrectum unguiculatum truellae- 
forme integerrimum acutum apice subineurvum. 



Hab: in regno mexicano prope J alapp a. 



V. v. in horto Lib. Bar. dp. Hügel 



Pseudobulbi caespitosi, 



1/ 

/2 



1" longi ac 2 — 4'" lati, basi vaginis 1 — 3 squamaeformibus acutis tunicati, 



5" longa ac 3 A 



1 



4 pollicaris. 



apice folium solitarium alentes. Folia linguaeformia obtusissima recurvo-mucronulata, 2 

lata, erecto-patula demum subtorta, supra modice canaliculato-depressa. R a c e m u s glaberrimus 3 

Perigonii foliola bina externa 3— 4'" longa ac V" lata cum racemi axi parallela; interiora albida infra 

medium punetis aurantiacis superpositis duobus s. quatuor geminis transversim confluentibus pieta. Labellum 

foliolis externis basi parum augustius ac brevius. Columna teres labello subbrevior reeta summo apice nonnibil 

inclinata. Fl res melleo-suaveolentes, nee aromatici. 



Es ist diess die einzige mir bekannte Art mit bis an die äusserste Spitze vollkommen in ein Blättchen ver- 
wachsenen seitlichen Perigonial-Blättern des äusseren Wirteis. Man unterscheidet sie dadurch leicht von den bei- 
den sonst ihr sehr nahe stellenden Arten, der N. sagitlifera Klotzsch (in Ic. pl hört. BeroL p. 43. t. 18 
N. multißora et punctata Lindl.) und der 2V. aromatica Bark er (in B. Heg. 1841. Mise. n. 77). 





























d 


























256 



Eduard Fenzl. 






URTICACEAE 






3. Pilea liyalina n. sp. 



















Annua erecta brachiato-ramosa. Caulis succulentus (in vivo hyalino-aquosus) obtuse tetrago- 
nus purpureo - striatus cum peüolis floribusque glaberrimus , ramis simplicissimis patentibus. F o 1 i a 
exstipulata patentissima ; lamina in petiolum semiteretem eam aequantem v. i / 2 — 3plove superantem 
haud attenuata, ellipiica v. rhombeo-ovata acuta trinervia costato - venosa , nervis venisque simplicis- 
simis depressis, marginibus grosse arguteque serrata, basi integerrima , supra stimulis innocuis sparsis 
hirsuta subtus glabra, tenuissima. Flor um glomeruli ebracleati semel v.subiterato di-trichotome cymose- 
paniculati, cymulis axülaribus 3 — 7 spurte verticillatisj peüolis ! / 2 — 4plove brevioribus; glom. 
alares saepe pedicellati, reliqui 2 — 5 interrupte spicati sessiles, minutissimi. Floris staminigeri 
perigonium 2 — 3-partitum, laciniis obovatis cucullatis. Stamina 2 — 3. Floris pistilligeri perigo- 
nium 3-partitum, lacinia majore germen semiamplectente eumque exsuperante naviculari - fornieata 
obtusa, reliquis binis obsoletis ovatis. Stigma sessile aspergilliforme. Acheniura perigonio exsertum 
ovoideum, tuberculis copiosis muricatum, fuscum C/V" longum). 

Urtica arvensis Poeppig Coli. n. 1539 B.; Diar. n. 1608! 

Hab. in Brasilia prope Rio Janeiro (Schüch l) ; in Peruvia subandina prope Cuchero ad fossas cultorum (Poeppig — 
Dec. 1829!) — V. v. <mlt et s. sp. 
















Radix fibrillosa alba. Caulis 2 



12 longus ac 1 



4'" basi crassus, pellucide aquosus, angulis faciebus- 



lata; reliqua ac speciminum humili 



üAOüinorum 



que lineis 8 — 10 purpureis longitudinalibus elegantissime pictus, pyramidato-ramosus, internodiis infimis duobus v. 
tribus in stirpe proceriore saepe 2— SVs-uncialibus, reliquis sensim imminutis 1">3'" longis, nodis planis; rami 
longiores tunc 6>4" longi, speciminum minutorum nulli v. brevissimi. Folia juniora patentia, explicata horizon- 
talia, demum modice recurva; maxima cum petiolo semitereti supra canaliculato 4>2" longa, lamina 12>9'" 

sensim minora; omnia aequabiliter serrata, serraturis utroque margine 
9>5, terminali submajore, laete viridia nitidula, exsiccata atroviridia v. nigricantia cellulisque tunc incrassatis pro- 
minulis fusiformibus albis plerumque dense strigillosa, facie superiore in stirpe viva propter nervös et venulas valde 
depressas subbullata. Flore s monoici minutissimi sessiles ac brevissime pedicellati, 7 — 17 in glomerulos ebrac- 
teatos globosos diametro 1— 2"' coacervati. Glomerulorum cymulae tota caulis ac ramorum logitudine pseu- 
doverticillatim dispositac horizontales, ad nodos infimos nee non supremos fasciculorum brevissimorum indolem, 
ad nodos intermedios paniculae irregularis di- trichotomae faciem praebent, cujus rami longiores semel v. bis bifurcati 
demumque spieiformes longitudinem 4 — 9'" 

cissimi quandoque deficientes, perigonio gaudent 2— 3-, numquam 4-partito, laciniis obovatis cucullatis. Flores pi- 
stilligeri, plerique subpedicellati, perigonium offerunt 3-partitum, lacinia ad glomeruli axim externa reliquis mi- 



attingunt. Flores staminigeri, in glomerulis paucissimi ac fuga- 



nutissimis 3pIo longiore (V 3 > 1/ 4 /// lg.) , sub anthesi germen exsuperante, in fruetu maturo eo subdimidio breviore. 
Stamina ejus rudimentaria 3, perigonii laciniis opposita , primum obsoleta, post anthesim increscentia, linearia 
aequilonga, lacinia majore subbreviora, minores perfecte oecultautia. Germen ovoideum viride, serius album, stigmate 
exiguo aspergilliformi. Achenium % m longum suboblique ovoideum fuscum ad lentem tuberculis copiosis muricatum. 






Diese zu physiologischen Untersuchungen und Experimenten über Saftbewegung ihrer durchsichtigen Sturgel- 
beschaffenheit wegen sehr zu empfehlende Art pflanzt sich schon seit mehreren Jahren von selbst durch zerstreute 
Früchtchen im Sande des warmen Hauses unseres Universitätsgartens fort, dem sie, aus brasilianischer, mit an- 
deren aus Rio Janeiro eingesandten Pflanzen gekommener Erde entkeimend, durch Herrn Gartendirector Sc hott 
zu Schönbrunn freundlichst mitgetheilt wurde. So leicht sie sich übrigens in der Art fortpflanzt, so eigen- 
sinnig widerstreben ihre Samen bei künstlicher Aussaat im Topfe dem Keimen. — Aus der Zahl der zur Gattung 
Pilea gehörigen Arten steht ihr zunächst bloss P. pumila (Urtica pumila Linn; Dubreuilia pumila Gut/dich. 
in Freycin. p. 49o), die von Canada durch die Staaten Pensylvanien, Ohio, Missouri und Louisiana 
bis nach Mexico herabreicht. Sie unterscheidet sich aber von unserer Art durch ihre H-theiligen Staubbläthen, 



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Noca quaedam genera et species plantar um vascuJarium. 



25 






welche untermischt mit Fruchtblüthen in kleine kurze büschelförmige Trugdöldchen zusammengedrängt zwi- 
schen den in Schein quirlen gestellten längern Luid büschel-, bald rispenartig -verzweigteren Trugdolden der 
letzteren sitzen; ferner durch die beinahe gleichlangen Zipfel der 3 -th eil igen IWUhcndecke der Fruchtblüthen 
und durch die zweikantig zusammengedrückten spitzig - eiförmigen 9 mit Linealen Wärzchen besetzten, mehr 
als doppelt .<?,? grossen grünen Früchtchen. 

Pilea repens (Urtica repens Sw. fl. Ind. oreid. 1. 294), in Mexico, Guatemala und auf St. Do- 
mingo einheimisch, nähert sich unserer Art einzig' nur der Blattgestalt und Verzweigung^ weise des blühenden 
Steng eltheil es nach; unterscheidet sich jedoch auffallend durch die am Grunde niederliegenden und allenthalben 
wurzelnden Siengel, durch das Vorhandensein eiförmiger abgerundeter achselständiger häutiger Nebenblätter 
und die lang gestielten achselständigen unregelmässigen knäuelblüthigen Trugdolden mit ährenförmigen, 
traubig- oder rispenartig - zusammengesetzten Acsten. 

Der Gatlungscharaklcr von Pilea, wie ihn Endlicher in seinen gen er ihn s plantar um p. 28?I gegeben, 
bedarf zu Folge meiner Untersuchungen, die sich über die Hälfte der von Gaudichaud zu seiner synonymen 
Gattung Dubrcuilia. gezogenen Arten ausdehnten, einiger geringen Verbesserungen. Erstens muss es heissen : 

Fl o res in eadem pani-cula nunc bracteati, nunc ebracteati; zweitens: Florum stamini- 

ferorum perigonium 2 — 3- v. 4-partitum. Stamina 2, 3 v. 4. 



CHENOPODEAE. 



Rhagodia l&schsclioltziana n. sp 



Caulis basi suffruticosus (verosimillime distorte ramosus), ramis hornotinis adscendentibus v. crectis 
herbaeeis patule ramulosis. Folia altcrna tenue petiolata ovata basi subtruncata v. subrhombea sinuato- 
dentata v. subhastato-lriloba , lobis paueideniatis v. iniegris; caulina majora subdimidio v. iriente 
latiora quam longa glauca ; ramulorum minora parum longiora quam lata purpureo-farinosa; omnia 
apice obtusissima v. rotundata mucronata , dentibus inaequalibus latis obtasis v. acutiusculis, saprema 
subintegra v. integra rbombea v. oblonga obtusa v. cuspidato-mucronata. Florum glomeruli minuti. 
dense spicati, spicis copiosis racemose v. paniculatim eompositis omnino apbyllis. Perigonii laciniae 
dense farinosae fruetiferae vix carinatae. Styli duo basi coaliti perigonio duplo longiores, stigma- 
tibns papilloso-hirtis. Pericarpium perigonio omnino inclusum carnosulum dense ac grosse papil- 
losum semini adhaerens. Semen depressiuscule globosum, integumento crustaceo ruguloso atro nitidulo. 

Hab. in insula Owahu San die % cen s tum. (Eschscholtz.) 

Suffrutex incertae altitudinis, cujus ramos duos florigeros, alterum 8-pollicarem basi ad distantiam pol- 
licis lignosum annotinum, alterum pedalem hornotinum vidi in he rbar io c l. Led eb our. Rami perennan- 
tes (saltem quoad id ex indole et directione inferioris partis speeiminis brevioris concludere fas est) patentissimi, 
verosimillime distorti, crassitie fili emporetici medioeris, ramulorum consumtorum cicatrieibus residuis approximatis 
torrulosi, cortice testaceo transversim dissiiiente tunicati; hornotini florigeri viridi-purpureo-angulato-striati cum 
caeteris partibus farinosi inferne calvescentes, ramulis sterilibus 4 > \" longis erecto -patulis simplicissimis v. ramil- 
losis aueti. Folia glauca, juniora dense purpureo-farinosa, petiolis tenue filiformibus laxis 1>£" longis instrueta; 



caulinorum major um lamina late ovata basi subtruncata v. subrhombea, 6 — 9'" longa ac 9 



14 



fJ " lata, obtu- 



sissima v. rotundata distinete mucronulata plus minusve manifeste biloba, lobis lateralibus terminali subminori- 



bus manrinibus 3 



7 



dentatis , dentibus plerisque obtusis v. rotundatis inaequalibus , majoribus latioribus quam 



longis, minoribus diametro aequalibus ; foliorum minor um, praesertim ramulorum, lamina manifestius rhom- 
beo-ovata saepe subhasto-trüoba paueidentata v. integra obtusa v. acuta; supremorum nonnulla oblonga v. lan- 
ceolata cuspidato-mucronata. Florum glomeruli viridi-flavescentes v. purpureo- farinosi plerumque 3— 5flori den- 
sissime spicati, spicis copiosis simplieibus v. basi subcompositis 9>3" 



Denkschriften d inathem. naturw. CK 



longis nunc per racemum 1 Vapollicarem 

33 









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Eduard Fenzl 



Styli 2 (rarius 



an<mstum. nunc per paniculam 2 V2uncialem latius pyramidatam aphyllam dispositis. Flosculi omnes perfecti 
i/ -> i /"' longi. Perigonii 5-partiti laciniae ovatae obtusae apice anguste membranaceo-marginatae subcarina- 
tae fructum perfecte includentes. St am in um 5 filamenta basi in discum obsoletum coalita. 
1) basi coaliti perigonio fere duplo longiores recurvo - patuli purpurei , stigmate ad lentem papilloso-birto. Peri- 
carpium papuloso-carnosulum semini arcte adhaerens. Semen globosum depresciusculum ! / 8 '" latum , integu- 
mento crustaceo atro nitido dense ac subtiliter ruguloso. Album en farinosum. Embryo cyclicus. 

Diese neue, von allen übrigen bisber nur in Neu-Holland und auf Van Diemensland gefundenen Rhu- 
qodien, im Blattbaue und Frucbtgrösse abweichende Art bildet ein interessantes Mittelglied zwischen dieser Gat- 
tung und Chenopodium. Die auffallend langen Griffel, die fest am Saamen hängende blasig -fleischige Frucht- 
hülle und der bloss auf die Spitze der Hauptäste und nicht zugleich auch auf die der kleineren und kleinsten Nebenäste 
wie bei den meisten Chenopodium- Arten beschränkte Blüthenstand reihen sie an die übrigen Rhagodlen > wäh- 
rend die langgestielten buchtig-gezähnten Blätter und ihre ungemein kleine von der Blüthenhülle ganz ein^e- 



schlossene nicht wie bei allen anderen Rhagodlen diese fast sternförmig auseinander treibende Frucht sie den 
mit Chenopodium opulifolium verwandten Arten zugesellen. Unter den letzteren dürfte sie sich am meisten dem Che- 
nopodium sandwicheum Moqu. Tandons (Chenop. p. 28) nähern, das hinsichtlich der Beschaffenheit seiner 
Fruchthülle näher untersucht zu werden verdiente , von dem mir aber leider kein Exemplar zu Gebote steht. 
Unter den Rhagodia- Arten zeigen Rhagodia Billardieri, Candolleana und parabolica dem Blüthenstande , Rh. 
hastata allein der Blattform nach einige Verwandtschaft mit dieser neuen Art. 



C0MP0SITAE-A8TER0IDEAE. 

Subtrib. Buphthalmeae. — Divis, Eubuphthalmeae. — Subdivis. Neilreichieae: 

(Capitata radiata, heterochroma. Pappus pilosus, simplex, 1 -ser latus , pilis capillaribus.) 



Ufeilreicliia« 



Capitula multiflora, heterogama, floribus radii pistilligeris 3 — 4seriatis ligulatis heterochromis, 
disci paucioribus perfectis tubulosis. Involucri cylindrici squamae triseriatae , lineares adpressae in- 
aequilongae, intimae discum aequantes. Receptaculum haemisphaericum, paleaceum, paleis persisten- 
tibus tenue scariosis, apice fissis v. fimbriato - laceris, flores singulos aequantibus. Corollae radii 
filiformes, plurimae, ligulatae, albae, tubo tenue filiform!, ligula minuta angustissima , heteromorpha, 
nunc integerrima, nunc 2 — Sdentata, nunc biloba v. bipartita; disci subclavato-tubulosae, flavac, limbo 
5-dentato. Antherae subexsertae, apice appendiculatae , basi sagittato-caudatae , caudicula minuta subu- 
lata, demum nigricantes. Stylus filiformis glaberrimus, fl. perfectorum supra discum tubulosum basi 
globoso-incrassatus, ramis stigmaticis semiteretibus exacte linearibus obtusis exappendiculatis revolutis, 
radii extus glabris, disci tota longitudine dorso papilloso-glandulosis , seriebus stigmatosis marginalibus 
angustissimis apice confluentibus. Achenia teretia anguste fusiformia glabra. Pappus pilosus simplex 
uniseriatus, pilis plurimis liberis rectis scabris. 



5. IVeilreiehia eupatorioMes 



Tab. XXX. 



Frutex elatus, superne scandens, caule crasso obsolete tetragono, supra medium brachiato-ramoso 
villoso, inferne calvo. Folia opposita petiolata horizontalia demum reflexa, petiolis canaliculatis in 
annulum connatis; lamina ampla late ovata, basi cuneata. apice cuspidata, supra basim 3 — önervis, 









> 

























I -V V 









Nova quaedam gener a et species plantar um vascularium. 



259 



grosse mucronato-dentata, margine inferiore ac cuspide integra v. subdentata, utrinque subadpresse 
villosa , juniorum dense holoserieea. Thyrsus brachiato - ramosus foliosus, obovatus v. cylindricus 
amplus, ramulis cymigeris corymbose confertis villosis, pedunculis capitulo acquilongis v. brevioribus. 
Capitula 55 — 75flora, disei flosculis perfectis 11 — 17. Involueri squamae adpressae lineares 

obtusae 5 — 



— Tnerves glabrae, margine anguste scarioso versus apicem eiliato- villosulae, ■ extimae 
intimis 2 — 3plo breviores, dem um cireinato-recurvae. Receptaculi paleae involuerum aequantes 
v. subaequantes tcnue seariosae anguste lineares concaviusculae, nunc apice, nunc semi- ? nunc ultra 
medium 2 — 5fidae sive lacerae, iimbriarum una caeteris 2 — 



— 3plo longiore. Flor um radii ligula 
minuta v. obsoleta alba, seriei primae plerumque cuneata bi- tridentata, reliquarum saepe angustissime 
linearis, nunc bi-trifida sive partita, lobis tunc plerumque valde inaequilongis, nunc integerrima, tubo 
ore barbellato; fl. disci corollae ore subconstrictae, dentibus extus tuboque interne birsutiusculis. Styli 
florum radii longe exserti, disci usque ad bifurcaticnem inclusi. Pappus sordide albidus corollam 
aequans demum horizontalis. 

Hab: in Peruvia subandina prope Cuchero (Poeppig Coli, in Addendis n. 74. — Eupatorium fl. flavis) , nee non in 
Brasilia prope Rio J an eir o. — E terra cum Orckidearum messt ante triennium adveeta enata , in tepidario horti universitatis 
Vindobonensis mensibus Decembris ac Januarii 1848 — 49 primum flores elegantissimos explieavit. 



Truncus stirpis triennis floridi biorgyalis crassitie digiti majoris, inferiore triente lignosus reliqua parte 
subherbaceus medullosus, usque ad medium strictissime erectus, ulterius flaeeidus scandens, radiculis aereii 
tuberculiformibus crebris superiore parte munitus, obsolete tetragonus faciebus late laeviterque inferius sulcatus 
viridis ibique calvus, foliorum labentium cicatrieibus angustis prominulis annulatus, foliata parte molliter hirsutus, 
versus apicem ramorum dense villosus. Intern odia infima 5 — 8 circiter 1 — l 1 /»", reliqua 4 — 6" longa. Rami 
superiore caulis triente enascentes oppositi inaequilongi, altero semper multo breviore, validiores 3 — 4pedales 
flaccidi penduli, steriles gemma foliipara terminali purpureo-hirsuta ornati. Folia membranacea opposila petio- 
lata, primum borizontalia, serius flaeeide reflexa, magna; juvenca dense holosericeo-villosa, adulta viilo copioso, 
attamen rariore , brevi ineurvo simplici viridi, exsiccato flavidulo, utrinque vestita, major a cum petiolis 7 — 10" 

— 7" lata: petioli Vi — iVa-pollicares, 1 — 2 /// lati , semiteretes supra canaliculati villoso-hirsuti, 
decurrente laminae basi marginati, basi in annulum connati: lamina ovata cuspidata, basi cuneata nunc aequi- 
latera, nunc marginum inferiorum altero magis rectiüneo, altero coneavo-curvilineo plus minusve inaequilatera, 
supra basim 3- v. 5-nervia nervorumque his longe subtiliorum pari uno v. altero submarginali in angulos petioli 
inferius decurente aueta, venosa, nervis venulisque subtus valde prominentibus anastomosi crebra areolas valde 
irreguläres spatiosas (1 — 3 ff/ n) efformantibus rugosa, margine subinaequaliter dentata, basim versus remote ser- 
rata v. integra, dentibus utrinque 40 > 27 obtusiuscule cuspidato-mucronatis, 1 — 3'" latis, terminali abruptius 



longa ac 5 



/// 



produeto 3 — 6'" longo ac 2 
V. 



4 basi lato integerrimo v. hinc v. utroque margine 1-dentato munita. Thyrsus 



1-pedalis foliosus, cymarum corymbose compositarum paribus 3 — 7 internodiis longitudine 5 > 1" versus 
apicem sensim decrescentibus remotis conflatus ; ramis omnibus praeter infimorum parium aphyllis (his solum uno 
v. altero foliorum pari lVa — 1-pollicari instruetis) , a 5 ;/ ad 2" longitudine imminutis strictis patentibus, supremis 
quandoque alternis, cum pedunculis viridi- v. purpureo-villoso-hirsutis ac pube glandulosa imixta viseidulis. Cy- 
mae 1 — 5-cephalae peduneulatae plerumque ternatim v. quinatim subverticillatae , nunc per paria 1 — 3, nunc sub- 
alternatim, apice ramorum confertissimae in corymbum diametro 1 — Va-pollicarem dispositae, bracteatae. Bracteae 
herbaceae, infimae majores lanceolatae saepe semipollicares , reliquae lineares breviores plerumque ineurvae ciliato- 
villosae. Pedunculi ac pedicelli filiformes % — X U U crassi \ hör um plurimi capitulum aequantes v. subaequantes, 
cymae thyrsum terminantis tarnen plerumque longiores, H% — 1-pollicares. Capitula glabra ante anthesim ovoideo- 



IV: 



1/ /// 



oblonga, sub anthesi cylindrica, 4 7// longa ac 2 — 2 U lata, fruetifera ac in usum herbariorum exsiccata campanu- 
lata 4 — 5'" apice lata. Involueri quamae plerumque 20 triseriatae chartaceae, extimae 5 lineari-oblongae 1 — 
longae trinerves , reliquae exaete lineares 2V2 — 4" longae viridi-7-nerves , omnes % — M" latae , margine praeser- 
tim vero apice obtuso anguste seariosae ciliolatae sub anthesi exiniie adpressae (exsiccatae patulae) , disseminatio- 
nis periodo patentissime recurvae v. revolutae, dorso pallide virides, margine sordide albicante v. flavescente 
pellucidae, apice quandoque purpurascentes. Receptaculum haemisphaericum faretum , paleis tenue membrana- 
ceis scariosis persistenlibus involucrum aequantibus v. subaeqnantibus sordide albidis nitidis lineari-subulatis % U" 
plerumque latis coneaviusculis apice laceris onustum , lacinulis 2 — 5 capillaribus rectis valde inaequilongis, una v. 

33 * 
































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260 



Eduard Fenzl. 






















media caeteris longe productiore. Flores in capitulis 55—75, heterogami, omnes fertiles; marginales pistil- 
ligeri 3 — 4seriati involucro subbreviores v. aequilongi extimi omnes brevissime ligulati, interionim pauciores quan- 
doque mcrc tubulosi limbo oblique truncato; disci 11—17 perfecta Corolla fl. pistilliger o rum tenuissime 
filiformis, pilis horizonfalibus raris adspersa, rarius omnino glabra , ore barbellata, ligula alba V 3 — %'" Ion«-a ac 
V 6 — VI'" lata, ejusdem capituli varia, nunc cuneato-linearis apicc 2— 3dentata, quandoque purpureo-bi-v. trilineolata, 
nunc 2— 3fida sive partita lacinulis exacte linearibus aequalibus v. frequentius valde inaequalibus altera prope basim 
Sita saepe dentiformi patula, nunc lineari-filiformis integerrima, nunc, quod rarius, obsoletissima ovata integra; fl. 
disci perfectorum involucro sublongiorum tubus infra medium anguste filiformis, ab hinc subclavato-ampliatus, ore 
subconstrictus, pilis raris plerumque adspersus, limbus quinquedentatus aureus, dentibus horizontalibus subrecurvis 
triangularibus acutis dorso barbellatis caeterum nudis eglandnlosis. Stamina 5, (ilamentis capillaribus glaberrimis 
ima coroIJae tubi parte dilatata insertis. Antherae in tubum primum ilavum demum nigrum filamentis aequilongum 
corollae fere semiexsertum coalitae, apice appendiculatae, appendiculis triangulari-subulatis, basi sagittato-subcau- 
datae, caudiculis subuliformibus brevissimis gfabris. Pollinis granula ellipsoidea muricata, obsolete trisulcata, sulcis 
mcdjo uoiporosis. Discus cpigynus, florum radii nullus, disci tubulosus , ore obsoletissime 4crenatus carnosus, 
laevissimus. Stylus filiformis glaber, florum pistilligerorum longe exsertus, ima basi subcylindrico-intumescens ; 
perfectorum praeter apicem inclusus, attennuata basi disci tubulo immersus, parte globoso-incrassata tubuli orificio 

i stigmatici lineares semiteretes , fl. radii %'" longi, eximie revoluti extus glabri , disci %'" lomn 



rami 



incumbens; 

extus papilloso-glandulosi cumque illis apice obtusi exapendiculati , seriebus st igmat icis marginalibus angustis- 
simis apice confluentibus. Achenia teretia v. mutua pressione obsolete biangulata fusiformia 1'" longa ac 7*"' apice 
lata, basi in callum obliquum incrassata, vertice areola annulari (disci residuo) alba munita, ad lentem longitudinaliter 
subtilissime striata opaca atra laevissima. Pappus corollam aequans uniserialis sordidus pilosus, pilis subtilibus 
stricliusculis 24—30, parum inaequilongis omnino liberis ad lentem antrorsum scabriusculis demum horizontalibus. 
Semen achenio conforme^ integumento cum endocarpio cohaerente. Embryonis cotyledones radiculam aequantes 
plano-convexi, omnino recli, plumula inconspicua. 






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'.. 






















Diese ausgezeichnete meinem durch die Herausgabe einer vortrefflichen Flora Wiens und seiner Umgebun- 
gen um die nähere Kenntniss der Vegetations- Verhältnisse Nieder-Oesterreichs hochverdienten Freunde August 
Neilreich gewidmete Gattung bildet ein interessantes Mittelglied zwischen den Eupatoriaceen und Asteroideen, 
in soferne nämlich alle Vegetations-Charaktere jener, alle Fructifications-Charaktere dieser Abtheilung der Compor 
siten genau entsprechen. 



Die beinahe strauchartige Stengelbildung, die gegenständigen mit ihren Stielen 



am 



Grunde verwachsenen handgrossen eiförmigen bloss einfach gezähnten über dem Grunde 3— 5 nervigen Blätter, 
der lockere reiche Bliitliciistrauss und die anscheinend strahlenlosen Köpfchen mit ihrer vollkommen cylindrischen 
Hülle und ihren breit-linealen stumpfen während der Anthese scharf aneinander liegenden Blättchen erinnern so sehr 
an viele Eupator tum- Arten Brasiliens, dass, befremdete einem nicht sogleich die goldgelbe Färbung der Blümchen, 
man ohne nähere Untersuchung kaum anstehen möchte, sie für eine solche zu halten. Aber selbst dieser Eindruck 
wird durch die Berücksichtigung des Umstandes, dass sämmtliche Eutussilagineen gleiche Färbung der Corollen 
zeigen, durch die ungemein grosse Uebereinstimmung in der Zahl der Strahlenblümchen, Bildung derselben, Bau 



der Antheren und einiger Massen selbst der Griffeläste 



in soferne nämlich die Gattung Phania (aus der eigent- 



lichen Eupatorieem-Gm\> 9 z) und Tussilago bis an deren Spitze reichende Narbenlinien zeigen — wie selbst der 
Federkrone des Pappus so sehr geschwächt, dass man unter dem Gewichte der bereits angeführten Vegetations- 
Charaktere kaum Anstand nimmt, diese Gattung als Repräsentanten einer durch ihren spreublättrigen Blüthenbo- 
den ausgezeichneten Unterabtheilung der TussUagin een-Tvihus anzusehen. Ich selbst habe diese Ansicht lange ge- 
hegt und sie bei der ursprünglichen Vorlage dieser Abhandlung in der Sitzung der Akademie der Wissenschaften 
am 18. Januar ausgesprochen, wie diess aus den Sitzungs-Berichten derselben (Januar-Heft 1849. p. 55) zu ersehen ist. 
Erst später, nachdem der Bericht bereits abgedruckt war, begannen mir Zweifel über die Richtigkeit dieser meiner 
ursprünglichen Ansicht aufzusteigen und bestimmten mich zu einer abermaligen Erwägung der Werthe ihrer Cha- 
raktere und wiederholten vergleichenden Untersuchung mit Gattungen und Arten aus den verschiedenen Abteilungen 
der Asteroideen, deren Resultat ich hier folgen lasse. 

Entschieden abweichend von allen im Habitus und Blattbaue verwandten echten Eupatoriaceen stellte sich aus- 
ser der gelben Färbung der Blüthen vor Allem das Verhalten der Hüllblättchen zur Zeit der Fruchtreife heraus. 
Es krümmen sich nämlich bei Neilreichia letztere bald nach dem völligen Verblühen aller Blüthen eines Köpfchens, 
oder bei dem Trocknen von Exemplaren für das Herbarium zuweilen selbst die der aufblühenden, ringförmig mit 
der Spitze go SQn ihren Grund zurück, wodurch die Hülle zuletzt halbkugel- oder völlig kugelförmig erscheint. 



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Nova (fuaedam genera et species planlarum vasculariurn. 



261 



Ei» Verhalten, das bei den Asteroideen keineswegs zu den angewöhnlichen, bei den Eupatoriaceen gewiss 
zu den seltensten Erscheinungen gehört; denn bei der Mehrzahl der letzteren breiten sich die Hüllblättchen ent- 
weder horizontal aus, oder schlagen sicli ihrer ganzen Länge nach längs des Blüthenstieles zurück, wobei ihre 
vertrockneten Spitzen sich bald nach innen, bald nach aussen krümmen, bald gedreht nach verschiedenen Seiten 
sich richten, oder fallen wie an Ooclinium , Conoclinium und nicht wenigen Eupatorium- Arten völlig auseinander, 
oder bleiben wie bei anderen und noch mehreren Mikania- Arten sogar schlaff aufrecht stehen. — Die zahlreichen, 
langen, nach dem Ausfallen der Achenien noch am Blüthenboden stehenbleibenden Spreublättehen von Neilreichia 
erinnern durch ihre tief zerschlitzte Spitze schon einigermassen an die den Alveolarrand der inneren Blüthen meh- 
rerer zur Abtheilung Fimbrillaria gehörigen Arten von Conyza (wie C. scabridaD C. und besonders C. ivaefolia 
Cass.) krönenden Fimb rillen, nur mit dem Unterschiede, dass sie entschieden blattartiger ausgebildet, weder am 
Grunde in feine Spreuborsten zerschlitzt sind , noch den ganzen Alveolarrand umsäumen, noch den äussersten Dis- 
cusblümchen wie bei diesen fehlen. Mehr nähern sie sich schon ihrer Textur nach den ungeteilten Spreublättcheu 
bei Amellus Cas s., Corethrogyne DC. und Chiliotrichum Cass. aus der Anteile en- Gruppe, am meisten aber den 
an ihrer Spitze gezähnelten von Telekla unter den Buphthalmeen und Blainvillea unter den Eclipteen. Von den 
Eupatoriaceen besitzen nur die Gattungen Carphephorum, Decachcuta und Chromolaena ein receptaculum palea- 
ceum, allein ihre Spreublättcheu sind vollkommen ungetheilt und fallen mit den Achenien zugleich ab. 

Was die Zahl und Bildung der Strahlenblümchen betrifft, so stimmen erstere allerdings mit der bei Tus&i- 
lago , letztere, bezüglich der Länge und Mannigfaltigkeit der Theilung des Strahles, vollkommen mit der bei Fe- 
tasites überein; allein wir begegnen auch unter den Asteroideen bei Erigeron einer mindestens sehr ähnlichen, 
nur lange nicht in einem und demselben Köpfchen so auffallend wandelbaren Strahlenbildung, wie bei Neilreichia. 

der äussersten wie der zweiten und zuweilen selbst der 
dritten inneren Reihe derselben gleicht nämlich vollkommen dem an der Röhrenmündung ebenfalls gehärteten bei 
Erigeron canadense und anderen zunächst stehenden Arten; der der innersten Reihe der Stempelblüthen sehr dem 
Strahlenrudimente jener von Erigeron petiolare (Conyza petiolaris Wall., Beless. ic. IV. t. 22 1 ), mit dem 
einzigen Unterschiede, dass das Lappchen ganzrandig, bei dieser Art aber gefranzt ist. Der ausgebildete Strahl 



Der ungetheilte lineale Strahl vieler Blümchen sowohl 



mancher Randblümchen der ersten und zweiten Reihe gleicht dagegen dem der von C. IL Schultz ßip. (in 
Walper's Ilepert. IL p. 953,) zu den Euconyzeen gestellten Gattung Schizogyne Cass. (VVeeb und Berthel. 
Fl. d. Canar. t. 83). Die Rückenfläche der Corollen-Läppchen ihrer Scheibenblüthen zeigt ferner dieselbe Art 
der Behaarung wie Conyza ca/fra DC. und andere. 

Die schwarze Färbung der Antheren nach dem Verstäuben ihres Inhaltes hat unsere Gattung mit den Eclip- 
teen und den damit verwandten Senecionideen, die ungemein kurze Schwanzbildung an ihren unteren Enden 
sowohl mit den echten Conyza- als Buphtalmum- Arten gemein. Die Richtung der Griffeläste und Beschaffenheit 
der Narbenlinien ist genau die von Schyzogyne. Sie nähert sich, bezüglich der ersteren, mit dieser Gattung zu- 
gleich offenbar den Senecionideen mehr als den Asteroideen und Eupatoriaceen, in soferne ein auffallend haken- 
förmiges Zurückkrümmen oder Rollen der Griffeläste, wie diess bei beiden zur Zeit der Authese der Fall ist, bei 
weitem häufiger in jener Tribus der Compositen als in diesen stattfindet. Für ihre Stellung unter den Asteroi- 
deen hingegen sprechen entschieden die schmalen Narbenlinien, der Mangel eines besonderen Büschels von Drüsen- 
haaren oder Fortsatzes an der Spitze der Griffeläste , ihr abgerundetes Ende und bei jenen der Scheibenblüthen 
die Bekleidung ihrer ganzen Aussenfläche entlang mit Sammelhaaren. — In der Bildung und Beschaffenheit der 
Achenien wie des Pappus stimmt Neilreichia gleichfalls mehr mit den Conyzeen als mit den Tussilagineen über- 
ein, indem ihre, bloss eine Linie langen, schmal spindelförmigen, kaum merklich gestreiften Achenien einen schmut- 
zig weissen Pappus zeigen , während die zwei- bis dreimal grösseren, tiefer gefurchten der Tussilagineen eine 
schneeweisse lange Haarkrone besitzen. 

Aus dieser comparativen Untersuchung aller wesentlichen Blüthentheile von Neilreichia geht demnach hervor, 
erstens : dass sie ungeachtet ihrer überraschenden Aehnlichkeit mit vielen Eupatorium- Arten dennoch eine echte 
Asteroidee ist; zweitens, ein mit den Euconyzeen durch Corollen-, Antheren- und Papus-Bildung, mit den Eu- 
birphthalmcen durch den mit ausgebildeten Spreublättchen besetzten ßlüthenboden zunächst verwandtes Zwischen- 
glied bildet; drittens, als ein von allen Gattungen beider Abtheilungen durch fremdartigen Habitus, polymorphe Strahl- 
bildung und schwärzliche Färbung der Antheren wesentlich verschiedenes Genus , eine eigene einer der beiden 
genannten Gruppen einzuverleibende Unterabtheilung für sich begründet. Bezüglich dieses Punctes nehme ich, dem 



l ) Diese Art , glaube ich , miibs ihrer ungeschwänzten Antheren wegen , im Sinne C. II. Schult z's (conf. Webb und Bcrthei. Fl. 
Canar. p. 205. sqq. t. 217.) zu Erigeron gebracht werden. 



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Eintheilungs-Principe meines verehrten Freundes C.H.Schultz Bip. folgend, ungeachtet ihrer natürlich näherem 
Verwandtschaft mit den Euconyzeen, dennoch keinen Anstand, Neilreichia dessen Buphthalmeen zuzugesellen, und 
zwar desslialb, weil hei mehr künstlichen als natürlichen Unterahtheilungen einer Ordnung mir es immer von Nach- 
theil für die Systematik zu sein scheint, wenn man die Schärfe der Sections-Charaktere einem nicht ganz klar 
ausgesprochenen Verwandtschafts-Nexus zum Opfer bringt. Ich halte ein solches Aufgeben zumal dann für ganz 
unnöthig und sogar schädlich, wenn sich mit Benützung eines mehrere die Einheit des Charakters einer oder der 
anderen Hauptabtheilung einer grossen natürlichen Ordnung störende Glieder künstlich verknüpfenden charakteri- 



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stischen Merkmales eine Ausscheidung und Vereinigung derselben zu einer dritten collateralen Hauptabtheilun 
bewerkstelligen lässt , die in derselben Weise wie jene gegliedert, lauter kleine natürliche Gruppen umfasst, die 
sich zu jenen der ersteren als vollkommene Analoga verhalten. Der aus einer solchen Eintheilung resullirende 
Gewinn ist zudem kein eingebildeter, die natürliche Anordnung der einzelnen Gattungen beeinträchtigender; 
denn für's erste tritt die natürliche Verwandtschaft der in jenen Abtheilungen verbliebenen Gattungen unter sich 
nur um so schärfer hervor; für's zweite lassen sich die entfernteren Affinitäts - Verhältnisse der einzelnen weit 
sicherer und leichter als zuvor ermitteln; drittens lassen sich später neu entdeckte oder durch genauere Untersu- 
chung ihrer Arten schärfer bestimmte Gattungen natürlicher einschalten; viertens gewinnt die ganze Eintheilung an 
grösserer Uebersichtlichkeit. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend muss ich daher unbedingt die bereits mehr- 
fach erwähnte Eintheilung der Aster oiden-Tribus meines Freundes Schultz der De Can dolles cheu vorziehen 
nnd insbesonders die von ihm vorgenommene Auflösung der Tar chonanthe en- Abtheilung billigen, die in gar man- 
cher Hinsicht eben so wenig natürlich als rein künstlich gebildet gutzuheissen war. Durch die Vertheilung der dar- 
unter begriffenen Gattungen mit nacktem Blüthenboden unter die Conyzeen- Gruppen nach Verschiedenheit ihrer 
Pappus-Bildung, der mit spreublättrigen unter die Buphthalmeen und Verweisung der mit ungeschwänzten Anthe- 
ren in letzterer Abtheilung befindlichen Gattungen „Cervana und Anvillaea" zu den Amelleen haben die erstere 
und letztere dieser Abtheilungen ungemein an Natürlichkeit, die Buphthalmeen in dieser Beziehung nichts verlo- 
ren aber auch nichts gewonnen, indem die Gruppe seiner Cylindroclinen und Evaceen den Vegetations-Charak- 
tcren nach unter sich eben so wenig, als beide zusammen mit den eigentlichen Buphthalmeen natürlich verwandt 
sind. Dieser Uebelstand verliert übrigens bei näherer Betrachtung der Affinitäts-Verhältnisse dieser Gruppen zu 
jenen der Micropeen und Enconyzeen einer- und der echten Amelleen andererseits in soferne ungemein an 
seiner Bedeutsamkeit, als durch die Einbeziehung der Cylindroclinen und Evaceen zu den früheren Buphthalmeen 
diese bisher wie vereinzelt dastehende Abtheilung nunmehr nach allen Seiten hin verzweigte Verwandtschaften zeigt 
und gerade dadurch an Natürlichkeit das wieder gewinnt, was sie durch (an und für sich betrachtet) künst- 
liche Zusammensetzung eingebüsst zu haben scheint. Am schwächsten, der Anzahl der Gattungen und Arten nach, 
ist die Verwandtschaft der Buphthalmeen den Enconyzeen gegenüber durch Cylindrocline mit einer einzigen Art , 
als Analogon von Conyza und Laggera, vertreten, erhält aber gegenwärtig durch den Eintritt von Neilreichia, 
als Analogon von Schizogyne, eine Verstärkung. In jeder Hinsicht gleich stehen die Evaceen den Micropeen 
aus der Subtribus der Conyzeen, in etwas geringerem Grade die echten Buphthalmeen, durch die Gattungen 
Buphthalmum und Pallenis repräsentirt, den echten Amelleen, die Eudontospermeen und Chrysophthlameen, durch 

Rhantherium, Telekia, Dontospermum (Asteriscus) und Chrysophthahnum den eigentlichen Inuleen und Geige- 
rieen gegenüber. 

Neilreichia verhält sich vermöge ihrer capitula radiata zu Cylindrocline mit capitulis diseoideis genau so, 
wie die Eudontospermeen zu den Chrys Ophthalmien, und muss daher folgerichtig als eine eigene kleine Unterab- 
theilung vor der der Cylindroclineen eingereiht werden. Die ganze Subtribus der Buphthalmeen erhält demnach 



folgende Gliederung mit nachstehendem Differential-Charakter: 



ASTEROIDEARUM Subtribus: BVPHTHALMEAE. 

i 

(C. H. Schultz Bipont. in Walp. Repert. II. 955.) 

Pteccptaculum paleatum , paleis apice integerrimis , dentatis v. fimbriatis. Antherae caudatae 



Divisio I. EUBUPHTHALMEAE Schultz. 

(Analogon Conyzearum et Amellearum.) 



V 









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Antherarum caudiculae subulatae v. setiformes. 

















^p 














Nova quaedam genera et species plantar um vascularium 



263 



Subdivisio 1. NE1LREICHIEAE. 

(Analogo n Sckizogynes.) 

Capitula radiata hcterochroma. Pappus pilosus simplex 1-seriatus pilis capillaribus. 






Gen: Neilreichia Fenzl. 






Subdivisio 2. CYLINDROCLINEAE Schultz. 







(Analogon Tessariae et Monarrheni.) 

Capitula discoidea« Pappus pilosus simplex 1-scriatus pilis paleaeformibus axi corneis. 



Gen: Cylindrocline Cass. 




Subdivisio 3. EVACEAE Schultz. 






Capitula discoidea. Pappus nullus. 



(Analogon Micropearum.') 



Gen: Diaperia Nutt 



Psilocarpha Nutt. 



Stylocline Nutt. 



Evax Gaertn 



Subdivisio 4. PALLEN1EAE. 



( Buphthalmeae legitimae S c h u 1 1 z. 



Analogon Amellearum legilimarum.) 



Capitula radiata. Pappus brevis coroniformis , piloso dentatus. 



Gen: Buphthalmum Neck., DC. 



Pallenis Cass. 



Divisio II. DOiNTOSPERMEAE Schultz. 



(Analogon Inulearum.) 



Anthcrarum eaudiculae lacerae. 



Subdivisio 1. EUDONTOSPERMEAE Schultz. 








(Analogon Geigeriearum et Inulearum legitimarum.) 



Capitula radiata, homochroma. 



Gen: Rhanterium Desf. 



Telekia Baurag. 



Dontospermum Neck. (Asteriscus Moench, DC.) 










Subdivisio 2. CHRYSOPHTHALMEAE Schultz 



(Analogon Jasoniearum.) 



Capitula discoidea. 

Gen: Chrysophfkalmum C. H. Schultz Bip. 



Explicatio iconis Tab. XXX. 
TCeilreichia etipatorioides 



Fig. 1. Capitulum auctum. 

2. Idem verticaliter sectum. 



3. Idem post disseminationem, receptaculo paleis onusto. 

4. Flos radii pistilligerus. 



5 



10. Florum radii corollae variae, demtis stylis. 



11. Flos disci perfectus, palea stipatus. 

12. Idem verticaliter sectus cum tubo stamineo, inferiore parte cum stylo resecta 













4 




tm^r^m^^K^L. 




>- 




















j I 

















t 



























































































1 


















IF 



264 



13. Anthera facie interna. 

14. Pollinis granula sicca valde aucta. 

15. Pollinis granulum humectatum, poris tribus inter murices superficiem occupantes conspicuis. 

16. Styli pars superior floris radii aucta. 

17. Styli pars inferior floris radii corollae tubo discisso inclusa, germini insidens, demto pappo 

18. Styli pars superior floris disci aucta. 

19. Styli pars inferior basi in bulbum incrassata, aüenuato apiculo disco tubuloso exccpto. 

20. Achenium parum auctum. 

21. Idem verticaliter sectum, pappo inferiore parte abscisso. 

22. Embryo cotyledone altero resecto. 



9 



I 



* 



















265 



Ueber deß 



Einüuss der Alpen auf die Aeusserungen der magnetischen Erdkraft. 



Von Carl Kreil, 

wirklichem Mitaiiede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



(Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe am 2G. Mai 1849.) 



JDiS ist schon von vielen Physikern wahrgenommen worden, dass die magnetische Kraft der Erde sich 
nicht an allen Puncten so äussert, wie es von der Theorie vorgeschrieben wird ; sondern dass sie von 
der Beschaffenheit der Erdrinde abhängt und dass insbesondere vulkanische Massen störend auf sie 
einwirken. So bewirkt, um nur einige der in der letzteren Zeit bekannt gewordenen Beispiele aufzu- 
führen, der bei Colerain im nördlichen Irland liegende^ aus unzähligen Basaltsäulen bestehende Riesen- 
damm (Giants Causeway) eine Aenderung der magnetischen Inclination um 50 Minuten (S.Report 
on the magnetic Isoclinal and Isodynamic lines in the british islands by M. Sabine 
S. 114). In der Nähe eines Basaltberges bei Göttingen wurde eine Aenderung der horizontalen Inten- 
sität um 10 Procente ihres Werthes beobachtet (S. Resultate des magnetischen Vereins 1840 
S. 08). Dass die Basaltmassen im nördlichen Böhmen, welche sich an den beiden Ufern der Elbe aus- 
breiten, gleichfalls einen sehr bemerkbaren Einfluss ausüben, wurde aus den dort ausgeführten Beobachtungen 
nachgewiesen (S* Magnet, und geographische Ortsbestimmungen in Böhmen S. 90). Wie 
Serpentin oft magnetische Polarität besitze, ist eine bekannte Thatsache, und hat sich neuerlich auf 
der von mir ausgeführten Reise durch eine in der Nahe von Bellagio am Como See gemachte Wahr- 
nehmung bestätigt, wo dieses Gestein so mächtig auf die Magnetnadel einwirkte, dass sie in den ver- 
schiedensten Richtungen einspielte, und ein Schwingungsmagnet die Schwingungen um den neunten 
Theil ihrer Dauer vergrösserte (S. Magnet, und geographische Ortsbestimmungen im 
österreichischen Kaiserstaate 1. Bd. S. 110). 

Wenn gleich solche vereinzelte Fälle auf die Gesammtwirkung der Erde nur einen unbedeutenden 
Einfluss haben können und in verhältnissmässig kleinen Entfernungen ihre Wirksamkeit schon unmerk- 
lich wird, so sind sie doch auch bei der Bearbeitung einer allgemeinen Theorie nicht ganz aus dem 

Auge zu verlieren, denn erstlich muss jede Theorie zu ihrer Vollendung die Beobachtungen zur Hilfe 
rufen . 



hängt 



daher mehr oder weniger von ihnen ab , und muss selbst unvollkommen sein , wenn 



Beobachtungen unter dem Einflüsse störender Ursachen ausgeführt worden sind. Ueberdiess kann 
in manchen Gegenden eine Anhäufung solcher Störungsursachen stattfinden, und ihre Gesammt- 
wirkung kann einen Grad erreichen, dass sie sich über einen beträchtlichen Theil der Erdoberfläche 

- 

ausdehnt, so dass sie auch bei einer allgemeinen Untersuchung nicht mehr vernachlässigt werden darf, 
wenn diese ja sich den Zweck vorsetzt, ihre Ergebnisse mit den Beobachtungen in Übereinstimmung 
zu bringen. 



Denkschriften d, mathem. natunv. CI. 



34 







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1 



1 












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■^M^^^H^B^B^^^H 




^ — 



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. 











































266 Carl Kr eil. lieber den Einßuss der Alpen 

Da einerseits aus den bisherigen Wahrnehmungen hervorgeht, dass die Produkte der vulkanischen 
Thätigkeit des Erdkörpers einen vorzüglichen Einfluss auf den Magnetismus äussern, anderseits die 
Gebirgszüge höchst wahrscheinlich durch derartige Prozesse hervorgebracht worden sind, so liegt der 
Schluss nahe, dass in Gebirgsgegenden die kräftigsten Störungsursachen der regelmässigen Verkeilung 
des Erdmagnetismus zu suchen sind, und dass, wenn solche Störungen wirklich beobachtet werden, es 
wohl nicht zu gewagt ist, sie dem Einflüsse der Gebirge als nächste Ursache zuzuschreiben, ohne 
desswegen behaupten zu wollen, dass dieser Zusammenhang ein nothwendiger sei, oder dass nicht 
auch in flachen Gegenden, vielleicht sogar auf der See ähnliche Erscheinungen wahrgenommen werden 

könnten. " . 

diesen Gegenstand für jenen Theil der Alpen, welcher 

dem österreichischen Kaiserstaate angehört, kann also schon aus diesem Grunde ihn nichts weniger 
als erschöpfen, sondern im Gegentheile die Untersuchung nur anbahnen, weil zu einer .erschöpfenden 



Die vorliegende Abhandlung untersucht 



Erörterung' auch die Durchbeobachtumj 



w des Central-Gebir^sstockes und seiner westlichen und südlichen 

O 3 



Ausläufer erforderlich wäre, ein Unternehmen, das schon in dieser Beziehung als sehr wünschenswerth 
erscheint, da wohl von Niemanden geläugnet werden wird, dass die Kenntniss unseres Erdkörpers 
immer eine sehr unvollkommene sein müsse, so lange eine der wichtigsten Kräfte, mit denen ihn die 
Natur ausgestattet hat, kaum ihren ersten Grundgesetzen nach bekannt ist, eine Kraft, welche nach 
ihrer genaueren Erforschung uns allein vielleicht erlaubt, über die unzugänglichen Schichten der Erd- 
rinde einige Schlüsse zu ziehen, und deren häuligere Anwendung zu praktischen Zwecken gewiss auch 

erfolgen wird. 

Dass die Alpen nicht der einzige Gebirgstock sind, der einen so erkenntlichen Einfluss auf die 
magnetische Kraft der Erde ausübt, sondern dass sich in den östlichen Karpathen eine nicht minder 
kräftige Störungsquelle vorfindet, hat diese Untersuchung mit Entschiedenheit herausgestellt, aber die 
geringe Anzahl der Beobachtungen in jenen Gegenden erlaubt in Hinsicht der übrigen Eigenheiten der- 
selben noch weniger einen Schluss zu ziehen, als diess in den Alpengegenden der Fall ist. 

Da die Bereisung der österreichischen xMonarchie noch nicht vollendet, sondern ein grosser Theil 
derselben, nämlich Mittel- und das südliche Ungarn mit Croatien, Slavonien und zum Theil Galizien 
erst noch zu bereisen ist, so kann die vorliegende Abhandlung nur als ein erster Theil der Unter- 
suchung angesehen werden, und es wird zweckmässig sein, die Beantwortung mancher mehr ins Be- 
sondere gehenden Fragen z. B. über den Einfluss der Höhe des Beobachtungsortes auf die Inten- 
sität der Gesammtkraft, über die Anwendung der magnetischen Beobachtungen zu Längenbestimmun- 
gen u, dgl. bis zur Vollendung der ganzen Unternehmung zu verschieben. 












• 


















HKS 









■fl 




■ ' ' - 






flw/* rf/e Aemserungen der magnetischen Erdkraft 



267 



I« IBorizonfale Intensität. 



Wenn ich meine Untersuchung üher die Aeusserungen der magnetischen Kraft der Erde in dem von 
mir durchreisten Gebiete des österreichischen Kaiserstaates mit der Intensität der horizontalen Componente 
beginne, so geschieht diess. weil ich glaube, dass bei dem dermaligen Zustande unserer Bcobachtungs- 
mittel dieses Element dasjenige ist, welches die schärfste Bestimmung zulässt, denn die Fehlerquellen, 
welche hei den Messungen der Hieb hing der Kraft eine so störende Rolle spielen, nemlich die Drehung 
des Fadens bei der Declination und die Art der Aufhängung oder des Auflegens bei der Inclination 
kommen bei den IntcnsiüUsmessungcn gar nicht oder nur in untergeordneter Weise in Betracht, und es 
ist wahrscheinlich diesem Umstände grösstenteils zuzuschreiben, dass diese Messungen mit wenigen Aus- 
nahmen eine Genauigkeit und Uebereinstimmung ihrer Ergebnisse gewähren, welche man bei den übrigen 
beiden Elementen noch nicht erreichen kann. 

Die Messungen wurden während der ganzen Reise mit zwei Theodoliten von Lamont vorgenom- 
men, von denen der erste (Nr. I) drei Auflegmagncte besitzt, der zweite (Nr. II) zwei; und gewöhn- 
lich wurden mit Nr. I drei Bestimmungen in jedem Beobachtungsorte, nämlich mit jedem Magnete eine, 
mit Nr. II vier Bestimmungen , mit jedem Magnete zwei, ausgeführt. Das Verfahren hiebei, so wie eine 
genauere Erörterung der Apparate und ihrer Leistungen wird man in den verschiedenen Bänden der 
„Magnetischen und geographischen Ortsbestimmungen im österreichischen Kaiser- 
staate" finden. Hier genügt es, den Grad der Genauigkeit zu kennen, welcher bei diesen Bestimmungen 
erreicht wurde, und der nach jeder Reise aus der Gcsammtheit der angestellten Beobachtungen abgeleitet 
worden ist. Der wahrscheinliche Fehler einer einzelnen Bestimmung wurde gefunden 



für Theodolit I, 



für Theodolit II 



aus der Reise 1846 



r^ 



5? 



5J 



57 



5? 



V 



T) 



1847 0.0014 

1848 0.0012 



0.0010 . . . . 0.0007 



0.0012 



0.000» 



Da , wie bereits erwähnt , an jedem Orte durchschnittlich 7 Messungen veranstaltet wurden , so 
kann die nach absolutem Masse bestimmte horizontale Intensität bis auf 5 Einheiten der vierten De- 
cimale irenau angesehen werden, was kaum den tausendsten Theil ihrer Grösse beträgt. 

Das bei allen Beobachtungen möglichst gleichmässige Verfahren gewährt auch den Vortheil, dass 
sie untereinander vergleichbar sind, ungeachtet sie mit verschiedenen Apparaten und zu verschiedenen 
Zeiten ausgeführt wurden. Verschiedene Apparate, ja gelbst verschiedene Auflegmagnete desselben Ap- 
parates geben oft Resultate, welche unter sich einen wenn auch kleinen doch erkennbaren und con- 



stanten Unterschied zeigen. 



So gaben die Magnete 2 und 3 des Theodoliten Nr. I schon auf den 



Reisen durch Böhmen den Unterschied der mit ihnen gemessenen Intensitäten. (Siehe „Magnetische 
und geographische Ortsbestimmungen in Böhmen" S. 41.) 



Magnet 3 



Magnet 2 



im Jahre 1840 



!? 



** 






7) 



1S47 

1 848 



+ 0.00437. Derselbe Unterschied war auf der Reise 

+ 0.00168 
+ 0.0005 

+ 0.0012 



34 



* 











































■^^^■■■n 



_^_— -^^^^^ B _^^_i 







MI 









268 



Carl Kr eil Heber den Einfluss der Alpen 



s , 



























■ 

i 




































1 










' 


. 




































1 














B 
















' \ 
















^^^M^^^*"^^- 



Der Unterschied in den mit beiden Apparaten gefundenen Resultaten ist nach den Beobachtungen der Reise 



1846 . 

1847 . 

1848 . 



II _I= +0.0040 



II — I 



0.0004 



II — I = + 0.0012 






Diese Unterschiede wurden wie man sich aus dem 1. Bande der „Magnetischen und geographischen 
Ortsbestimmungen" S. 15 u. f. überzeugen kann, gehörig berücksichtigt. 

Ein zweiter Grund, wegen welchem eine Correction an die Beobachtungen angebracht werden sollte, 
ist die von der Tageszeit abhängige Aenderung der Intensität. Diese Correction würde aber fortgesetzte 
Beobachtungen an einem zweiten Orte erfordern, wozu auf der Reise die Zeit und die Mittel mangeln. 
In Prag wurde wohl von Stunde zu Stunde die Intensität an dem Variations- Apparate aufgezeichnet, 
und diese Aufzeichnungen sind den veröffentlichten Beobachtungen beigesetzt, allein da sie mit ihnen 
nicht genau gleichzeitig sein können, so ist dadurch für diesen Zweck wenig gewonnen. Glücklicher Weise 
betragen sie einen so geringen Theil des Gesammtwerthes der Intensität , dass sie ohne eine merkliche 
Entstellung der Ergebnisse befürchten zu dürfen, vernachlässigt werden können. In Prag beträgt nämlich 
diese Aenderung während den Tagesstunden , binnen welchen die Beobachtungen auf der Reise ausgeführt 
wurden , selbst in den Sommermonaten , wo sie am stärksten sind , durchschnittlich nicht mehr als den 
0.002 ten Theil der Intensität. Da aber die Beobachtungen in jeder Station zu verschiedenen Tageszeiten 
angestellt und ihre Ergebnisse zu einem Mittel vereinigt worden sind, so ist der Einfluss bedeutend kleiner. 

Dasselbe ist in noch höherem Grade der Fall, mit der Aenderung der Intensität von einem Jahre 
zum andern, welche sehr unregelmässig zu sein scheint, und in manchen Jahren kaum merklich ist. 
So geben die Prager Beobachtungen, welche mit den Theodoliten Nr. I ausgeführt worden sind für: 



1843. 6 homontale Intensität 

1844. 7 

1845. 7 
184G. 8 
1847. 2 

1848. a 



r> 



v 



n 



51 



V 



V 



r> 



n 



n 



1.88119 
1.87254 

1 . 87808 
1 . 87830 
1.87843 
1.88050 



Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch andere Beobachter gelangt (S. „Resultate des magneti- 
schen Observatoriums in München" von Lamont S. 27), so dass sich auch in dieser Bezie- 
hung aus Mangel an Gesetzmässigkeit eine Correction nicht gut anbringen lässt. 

Die Mittel der Intensitätsbestimmungen an den verschiedenen Beobachtungsstationen sind in der 
folgenden Tafel enthalten. Sie sind in zwei verschiedenen Maassen ausgedrückt , nämlich in dem abstn 
Inten Maasse und in dem willkürlichen , welches man aus jenem durch Division mit dem Reductions- 
factor 3,4941 erhält. 



Tafel I. Beobachtete Wcrthc der horizontalen Intensität 






Beobachtungs- 
ort. 



Länge von 
Ferro. 



Breite 



Zeit. 



Horizontale 
Intensität 



absolutes 



willkür 
liches 



Maass. 



Beobachtungs 
ort* 



Länge von 
Ferro. 



Breite. 



Zeit. 



H 



tal 



orizontaie 
Intensität 



absolutes 



willkür 
liebes 



Maass. 







Molk . . . . 
Krerasmünster 
Lietzen . . • 
Radstadt . . 
Hofgastein ♦ ♦ 
Gamskarkogel 
Böckstein . . 
Gmünd ♦ # # 
Lienz* # . ♦ 







21 



— 14. Juni 

-20. 

- 23. 

- 26. 

- 29. 



n 



1.9652 

1.9559 

1.9901 

1 . 9929 

1.9980 

1.9958 

2.0000 

2.0f2l 

2.ÖOA9 



0.562* 

0.5598 

0.569G 

0.5704 

0.5718 

0.5712 

. 5724 

. 5758 

0.5738 



Bruneckcn . 

Rotzen • • 

Meran • . 

Trient . , 

Riva . . . 

Rrescia . . 

Verona . . 

Mantua . . 

Cremona . 



' 

29 34 
28 57 
28 48 
28 46 
28 30 

27 50 

28 37 
28 27 
27 40 



o , ' 

46 47 
46 29 
46 39 
46 3 
45 53 
45 32 
45 25 
45 9 
8 



18i6. 

— 11. Juli 

-14. „ 

n 



1.9980 
2.0057 
1 . 9949 
2.0235 
2 . 0375 
2.0412 
2.0529 
2.0609 
2.0569 



0.5718 
0.5740 
. 5709 
0.5791 

0.5831 
0.5842 

. 5875 
0.5898 
0.5887 



























I 






9 



auf die Aeusserungen der magnetischen Erdkraft. 



269 




Länge von 
Ferro. 



Breite 



Zeit. 



Horizontale 

Intensität 



absolutes 



Willkür 
Hclies 



M a a s s 



Mailand . 
Pavia . • 
Isola bella 
Como * • 
Sondrio . 
Bormio . , 
S. Maria. 
Stilfscrjoct 
Mals ♦ ♦ 
Landeck. 
Bludenz . 
Brcgenz ♦ 
S. Christoph 
Im st . ♦ 
Innsbruck 
Brenner . 
Rattenberg 
St. Johann 
Salzburg 
Golling ♦ 
Ischl „ . 
Vöcklabruck 
Altheim # 
Scherding 
Linz . . 



r f 



o 



40 



13 



Mölk , . 
Wien , . 

Schottwien 

Brück 

Aflenz . 

Eisenerz 

Polsterberg 
Erzberg. 
Admont # 
Kallwang 
S.Lambrecht ♦ 
Klagenfurt 
Bleiberg. 
Dobracz . 
Kreith . 
S. Paul . 
Marburg. 
Gratz. . 
Gleichenbe 

Cilly. . 
Laibach . 

Neastadtl 
Adelsberg 
Grotte . 
Görz . . 
Udinc. . 
Belluno . 
Conegliano 
Vicenza . 
Verona . 
Padua . 
Rovigo ♦ 



50 



1 



12 



3i.Aug.— 2.Spt. 

— O. M 



48 13 57 
48 12 35 
47 39 — 
47 24 39 
47 32 21 
47 32 29 
47 28 — 
47 30 — 
47 34 36 
47 27 — 
47 3 58 
46 37 23 
46 36 4 
46 32 — 
46 36 — 
46 43 9 
46 35 — 
3 
52 
46 13 41 



5. Mai 

12. « 



r> 



30.Mai—2.Juni 



54 



46 


2 


42 


45 


48 


5 


45 


46 


13 


45 


47 




45 


56 


12 


46 


3 


32 


46 


8 


6 


45 


52 


40 


45 


32 


27 


45 


26 


9 


45 


24 


2 


45 


3 59 









2 . 0375 
2.0455 
2.0011 
2.0119 
1.9981 
1 . 9904 
1 . 9963 
1 . 9939 
1.9878 
1.9741 
1 . 9658 
1 . 9468 
1 . 965 J 
1.9619 
1 . 9699 
1.9863 
1.9678 
1.9677 
1.9549 
1 . 9778 
1.9595 
1.9557 
1.9438 
1 . 9429 
1.9579 



1.9672 

1 . 9797 

1.9986 

2.0069 

1.9997 

2 . 0005 

2.0007 

1 . 9958 

1 . 9958 

2.0023 

2 . 0098 

2.0339 

2.0342 

2.0240 

2.0266 

2.0359 

2.0444 

2.0291 

2.0368 

2.0688 

2.0623 

2.0763 

2.0711 

2.0716 

2 . 0592 

2.0488 

2 . 0370 

2.0485 

2 . 0573 

2.0500 

2.0663 

2.0767 



0.5831 
0.5854 
. 5727 
0.5758 
0.5719 
0.5696 
0.5713 

. 5707 
0.5689 
0.5650 
0.5626 
0.5572 
0.5624 
0.5615 
0.5638 
0.5685 
0.5632 
0.5632 

0.5595 
0.5661 

0.5608 
0.5597 
0.5563 
0.5561 
0.5603 



0.5630 
0.5666 
0.5720 
0.5744 
0.5723 
0.5725 
0.5726 
0.5712 
0.5712 
0.5731 

0.5739 

0.5821 

0.5822 

0.5793 

0.5800 

0.5827 

0.5851 

0.5807 

0.5829 

0.5921 

0.5902 

0.5942 

0.5927 

0.5929 

0.5893 

0.5864 

0.5830 

0.5863 

0.5888 

0.5867 

0.5914 

0.5944 



Beobachtungs- 
ort, 



Länge von 
Ferro. 



Breite 



Venedig. . . 

Tri est . . . 
Pola .... 

Fiume ♦ . . 

Aara . . , . 

Caltaro . . . 

Cettigne. . . 

Ragusa . . . 

Spalato . . . 

Sebenico. . . 

Mali Ilallan . 

Agram . . . 
Warasdin . 
Stein am Anger 

Senftenberg . 

Chlumetz . . 

Iglau ♦ . . . 

Znaim # . . 

Brunn Q . . 

Olmütz . . . 

Troppau . # . 

Teschen. . . 

Trentschin . . 

Pressburg . . 

Komorn ♦ . . 

Ofen .... 

Erlau. . , . 

Losoncz . . . 

Schemnitz . . 

S.Miklos § . 

Leutschau . . 

Kesmark . . 

Kaschau . . . 

Unghvar. . . 

Munkacz . . 

Szathmar . . 

Nagy Banya . 

Bistritz . . . 

Mar. Vasarhely 

Schäsburg . . 

Fogaros «. . . 

Hermannstadt. 

Karlsburg . . 

Klausenburg . 

Jakobeny . . 

Suczawa ♦ . 

Czernowilz 

Stry .... 

Przmysl . . . 

Rzeszow . . 

Nisko .... 

Tarnow . . . 

Wiliczka. . . 

Bergwerk . . 

Krakau ♦ . # 

Senftenberg . 



ö 



29 
31 
31 
32 
32 
30 
36 
35 
33 
33 

33 
33 
33 
33 



50 
25 
27 
3 
50 

18 
28 

59 
20 
23 
35 

58 
56 



9 
32 
25 

8 
31 

47 

5 
11 
12 



34 6 50 



33 7 
33 18 

33 45 

34 16 

34 54 

35 33 

36 17 
35 43 

34 43 

35 52 

36 42 
38 3 

37 21 

36 34 

37 19 

38 19 
38 9 

38 59 
40 1 
40 27 

40 35 

41 18 

42 12 
42 17 
42 31 

42 42 
41 53 
41 19 
41 19 

43 2 
43 59 
43 40 
41 33 
40 29 43 

39 40 — 

39 49 



33 

28 

2 

53 

38 

28 

2 

56 
2 
45 
9 
39 
50 
57 
2 
16 
29 
46 
12 
46 
13 
37 
46 
53 
35 
14 
10 
51 
36 
13 
51 
25 



38 40 
37 44 
37 44r 
37 37 
34 6 



15 
40 
10 

24 
50 



o 
45 

45 
44 
45 
44 
42 
42 
42 
43 
43 
44 
45 
46 
47 
50 

50 
49 

48 
49 
49 
49 
49 
48 
48 
47 
47 
47 
48 
48 
49 
49 
49 
48 
48 
48 
47 
47 
47 
46 
46 
45 
45 
46 
46 

47 
47 

48 
49 
49 
50 
50 
50 
49 
49 
50 
50 



25 

38 
51 
19 

6 
25 
24 
37 
30 
43 
22 
48 

8 
12 

5 



n 

45 
43 
51 
o 
31 

9 



47 
32 

59 



39 



10 



Zeit. 



Horizontale 
Intensität 



absolutes 



Willkür 
liches 



Maass. 



WIM 

o 



28.A 



4. 



8. - 
16. - 

9 9 _ 



25. 



1. 

7. 
11. 
15. 
19. 
20. 

4. 

8. 



isir. 

— 27. Aug. 

— 3.Spt. 

6. 
10. 
17. 
30. 

*'■ 11 

4. Oct. 
9. 
12. 



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« 



9' 



11 

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21. 

OK 

11. Nov. 



9 — 


26. 


24 31 


28. 


51 8 


1. 


11 16 


4. 


35 32 


8. 


56 16 


11. 


44 47 


14. 


52 


19. 



8 
44 
29 
53 

18 

26 

4 



8 

41 

36 
26 
47 
39 

7 
32 
12 
49 
47 

4 
45 
25 
38 
17 
15 
47 

2 
34 



59 

59 

3 

5 



31 
33 
10 

30 

57 

55 
29 
54 
12 



49 
1 1 
13 
10 
28 
10 
49 
40 

17 

2 

31 

40 

4 

1 

4 
59 



1848. 



27. Api. 
30. „ 

3- 3Iai 

7. 



9) 






- 10. 

- 13. 

- 16. 

- 21. 

9*\ OK 

4. — 5. Juni 

8. - 20. 
22. — 24. 

26. - 27. „ 

30. Juni— 5-Juli 

7. - 8. 
10. - 15. 

- 13. 

- 19. 

- 21. 

- 23. 

- 26. 

- 29. 



12. 

17. 
20. 

99 



28. 

1. 

5. 

8. 
12. 
14. 
19. 
23. 



n 
n 

7) 

r> 
v 
n 
v 

ii 



4. Aug. 



7. 

9. 
13. 
17. 
21. 
25. 



ii 
ii 

ii 
ii 
n 

r> 



30. Aug. — 3.Spt. 



35 
1 

50 
10 



5. 

7. 
14. 
21. 
25. 
28. 

1. 

5. 

6. 

9. 
18. 



6. 

9. 
17. 
22. 
30. 
29. 



n 

ii 
n 
v 

ii 



n 

3. Oct. 

7. 



11. 
20. 



ii 

n 
n 



2.0627 
2 . 0752 
2.1069 
2.0925 
2.1423 
2.2686 
2.2(i09 
2.2523 
2.1822 

2 . 1 674 

2 . 1 375 

2 . 0877 
2 . 0709 
2.0221 

1.8961 

1 . 8845 

1 . 9220 

1.9537 

1.9256 

1.9221 

1.9244 

1 . 9423 

1.9655 

1.9953 

2.0202 

2.0359 

2.0398 
2.0054 

2.0028 
1.9740 
1.9855 
1.9716 
2.0035 
2.0235 
2 . 0250 
2.0533 
2.0879 
2.1008 
2.1223 
2.1513 
2.1635 
2.1708 
2.1560 
2.1049 
2 . 0980 
2.0889 
2.0634 
2.0087 
1.9745 
1 . 9567 
1 . 9360 

1 . 9447 
1.9467 
1.9365 
1.9312 

1.8939 



0.5903 
0.5939 
0.6030 
0.5989 
0.6131 
0.6493 
0.6488 
0.6446 
0.6245 
0.6203 
0.6117 
. 5975 
0.5927 
0.5787 
0.5427 

0.5394 

0.5501 

0.5591 

0.5511 

0.5501 

0.5508 

0.5559 

0.5625 
0.5711 

0.5782 

0.5827 

0.5838 

0.5739 

0.5732 

0.5650 

0.5682 

0.5643 

0.5734 

0.5791 

0.5796 

0.5876 

0.5975 

0.6012 

0.6074 

0.6157 

0.6192 

0.6213 

0.6170 

0.6024 

0.6005 

0.5977 

0.5905 

0.5749 

0.5651 

0.5600 

0.5541 

0.5566 

0.5571 

0.5542 

0.5527 
0.5420 



Nebst diesen Beobachtungen können auch noch die auf den Reisen durch Böhmen gemachten, 



Magnetischen und geographischen Ortsbestimmungen in Böhmen" 



welche aus den : 

genommen und in der folgenden Tafel enthalten sind, zu dieser Untersuchung verwendet werden. 









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4 



^^^ 






I 












S 

















270 



Carl Kr eil. lieber den Einßuss der Alpen 






































i 











Tafel II. Beobachtungen in Böhmen. 



Länge von 
Ferro. 




Breite. 



Horizontale 

Intensität. 



absolu- 
tes 



Willkür 

liches 



Maass. 



Beobachlungsort 



49° 
49 
49 
49 

48 
48 
48 
49 
49 
49 

49 



53' 

57 

32 

8 
48 
35 

38 


19 

24 

45 



1 . 9030 
1.8915 
1.9003 
1.9174 
1.9232 
1.9354 
1.9358 
1.9312 
1.9043 
1 . 8953 
1.8818 



. 5447 
0.5414 
0.5439 

0.5488 
0.5504 















5539 
5540 
5527 
5450 
5V24 

5386 



Chiesch . . 
Komotau 
Teplita . . 
Bodenbach . 
Leipa . . . 
Reichenberg; 
Hohenelbe . 
Nach od . . 
Kwasnci . . 
Reichenau . 
Prag . . . 



Länge von 
Ferro. 



Horizontale 
Intensität 



Breite. 



' 



absolu- 
tes 



willkür 
lichos 



Maass 



30° 

31 

31 

31 

32 

32 

33 

33 
33 
33 
32 



55' 
5 
27 
52 
12 
44 
16 
48 
55 
56 

5 



50° 

50 

50 

50 

50 

50 

50 

50 

50 

50 

50 



6' 
27 
39 
46 
41 
46 
37 
25 
12 
11 

5 



1 . 8683 
1.8468 
1.8428 
1.8436 
1 . 8509 
1.8508 
1.8595 
1.8732 
1 . 8M50 
1 . 8862 
1.8805 






0.5347 

0.5286 

0.5274 

. 5277 

. 5297 

. 5297 

. 5322 

0.5361 

0.5395 

0.5399 

0.5382 



Wenn es auch meine Absicht ist, in dieser Abhandlung 1 nur die Aeusserungen der magnetischen 
Erdkraft in dem Alpendistricie der österreichischen Monarchie darzustellen , so habe ich in der vor- 
stehenden Tafel doch sämmtliche bisher besuchten Beobachtungsstationen zusammengefasst, weil auch 
die in den anderen Provinzen liegenden zur Erreichung dieses Zweckes beitragen können. 

Man muss nun zuerst sehen, ob die Werthe der Intensität, welche die Beobachtungen geben, solche 
Aenderungen zeigen, die sich mit der Verschiedenheit ihrer geographischen Lage in Uebereinstimmung 
bringen lassen, oder ob sich für manche Beobachtungsorte Unregelmässigkeiten herausstellen, welche 
örtlichen Störungsquellen zuzuschreiben sind. Solche Unregelmässigkeiten lassen sich am Besten durch 
Yergleichung mit den aus der Theorie geschöpften Ergebnissen erkennen , weil diese auf örtliche 
Störungen keine Bücksicht nehmen. Man wird also zuerst untersuchen, ob die Beobachtungen mit 

Orten nach der Theorie zukommen , oder 



jenen 



Werthen übereinstimmen, welche den aufgeführten 



ob Unterschiede vorhanden sind, und wenn sich solche linden, ob sie ein erkennbares Gesetz einhalten. 
Diese Vergieichung lässt sich am Besten durch die Tafeln ausführen, die nach der „Allgemeinen 

Gauss entworfen, für jede geographische Lage die ent- 



Theorie des Erdmagnetismus" von 



sprechenden magnetischen Elemente angeben, und welche dem von Gauss und Weber herausgegebe- 
nen „Atlas des Erdmagnetismus" beigefügt sind. 

Von diesen Tafeln wurde jener Thei! herausgehoben, welcher das durchreiste Gebiet in sich fasst, und 
durch das im angeführten Werke S. 27 gegebene Interpolationsverfahren so ergänzt, dass er die horizontale 
Intensität von Grad zu Grad sowohl in Länge als Breite gibt. Auf diese Weise entstand die folgende Tafel. 



Tafel III. Gerechnete Werthe der horizontalen Intensität. 



3 

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51° 










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iänge von Green wich« 


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5° 


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7° 


8° 


9° 


10° 


11° 


12° 


13° 


14° 


15° 


16° 


17° 


1 
0.5347 


0.5389 


0.5430 


0.5471 


0.5511 


0.5552 


0.5592 


0.5631 


0.5670 


0.5709 


0.5748 


0.5786 


0.5824 


51° 


50 


0.5409 


0.5512 


0.5554 


0.5596 


0.5637 


0.5678 


0.5719 


. 5760 


0.5800 


0.5840 


0.5880 


0.5919 


0.5958 


50 


49 


0.5591 


0.5635 


. 5678 


0.5721 


0.5763 


0.5804 


0.5846 


0.5888 


0.5930 


0.5971 


0.6012 


0.6052 


0.6091 


49 


48 


0.5713 


0.5758 


0.5802 


0.5845 


0.5888 


0.5930 


0.5973 


0.6016 


0.6059 


0.6101 


0.6143 


0.6184 


0.6224 


48 


47 


0.5835 


0.5880 


. 5925 


0.5969 


0.6013 


0.6056 


0.6100 


0.6144 


0.6187 


. 6230 


. 6273 


0.6315 


0.6357 


47 


46 


0.5956 


. 6002 


. 6048 


. 6093 


0.6138 


0.6182 


. 6227 


0.6271 


0.6316 


0.6360 


0.6404 


. 6447 


0.6489 


46 


45 


. 6077 


0.6124 


0.6171 


0.6217 


0.6263 


0.6308 


0.6353 


0.6398 


0.6444 


0.6489 


0.6534 


0.6578 


0.6621 


45 


44 


0.6198 


0.6246 


0.6293 


0.6340 


0.6386 


. 6433 


. 6477 


0.6523 


0.6570 


0.6616 


0.6662 


0.6706 


. 6750 


44 


43 


0.6319 


0.6;168 


0.6415 


0.6463 


. 6509 


0.6558 


9 . 660 1 


0.6648 


. 6695 


. 6742 


6789 


. 6834 


. 6879 


43 


42 


0-6440 


0.6489 


0.6537 


0.6585 


0.6632 


0.6682 


. 6725 


0.6773 


6821 


0.6868 


0.6915 


0.6960 


0.7006 


42 


41 


0.6561 


0.6610 


. 6659 


0.6707 


. 6755 


0.6804 


0.6849 


0.6897 


0.6945 


0.6993 


0.7040 


0.7086 


0.7132 


41 


40 


0.6681 


. 673 l 


0.6781 


0.6829 


0.6878 


0.6926 


0.6973 


0.7021 


0.7069 


0.7117 


0.7165 


0.7212 


0.7258 


40 




22° 39.' 6 


23° 39' 6 


24° 39! 6 


25° 39! 6 


26° 39( 6 


27° 39'. 6 


28° 39! 6 


29°39f6 


30° 39! 6 


31°39 / 6 


32° 39! 6 


33° 39.' 6 


34° 39' 6 
















Läng 


e von F 


erro. 













v 












» 

















1MMM 











i 






auf die Aeusserungen der magnetischen Erdkraft 



2?1 



1 

• 

o 

■ * — F l 












L ä r g e 


von G r e e n w i c h 


• 








1 


• 
V 


18° 


19° 


20° 


21 ° 


OOÜ 


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2'*° 


I 

25° 


26° 


27° 


28 ° 


29° 

• 


30° 


■4 

u 

5 1 ° 


51° 


0.5802 


0.5899 


0.593G 


0.5972 


. 6007 


0.6040 


0.6074 


.6107 


0.6140 


0.6172 


0.6204 


0.6236 


0.6298 


50 


. 5996 


0.0034 


1 0.G971 


0.6107 


0.6143 


0.6179 


0.6215 


0.6250 


0.6285 


0.63i8 


0.6350 


0.6382 


0.6414 


50 


49 


0.G130 


0.6169 


0.6208 


0.6243 


0.6280 


0.6318 


0.6356 


0.6393 


0.6430 


0.0463 


0.0496 


0.6529 


0.6562 


49 


48 


0.6204 


0.G304 


0.G344 


0.6379 


0.6418 


0.6457 


0.6498 


.6535 


0.6572 


0.6606 


0.6640 


0.6674 


0.6708 


48 


47 


0.6398 


0.G439 


0.G480 


0.6517 


0. 6556 


0.6596 


0.6636 


. 6675 


0.6714 


0.6749 


0.67S4 


0.6819 


0.6S54 


47 


46 


0.G531 


0.G573 


0.6615 


0.6655 


. 6695 


0.6735 


0.6775 


0.6815 


0.6855 


0.6891 


0.6927 


0.6963 


0.6999 


46 


45 


0.6663 


. G70G 


. 67 49 


0.6789 


0.6830 


. 6872 


0.6913 


0.6954 


0.0995 


0.7032 


0.7069 


0.7106 


0.7143 


45 


44 


0.6794 


0.G838 


0.G882 


0.6924 


0.6966 


0.7008 


. 7050 


. 709 l 


0.7133 


0.7170 


0.7207 


0.7244 


0.7281 


44 


4:5 


0.6924 


. G9G9 


0.7014 


0.7055 


0.7098 


0.714! 


0.7183 


. 7227 


0.7270 


0.7308 


0.7346 


0.7384 


0.7422 


43 


42 


0.7052 


0.7098 


0.7144 


0.7187 


0.7230 


. 7273 


0.7316 


0.7359 


0.7402 


0.7440 


0.7478 


0.7510 


.7554 


42 


41 


0.7178 


. 7224 


. 7270 


0.7314 


0.7357 


0.7401 


0.7444 


0.7487 


0.7530 


0.7570 


0.7610 


0.7650 


. 7690 


41 


40 


0.7304 


. 7350 


0.739G 

i 


0.7440 


0.7484 


0.7528 


0.7572 


0.7615 


0.7658 


0.7699 


0.7740 


0.7780 


0.7820 


40 




35°39 , .G 


36°39'.G 


37°39.'G 


38°39'.6 


93°39'.6 


40°39'.6 


4l°39'.6 


42° 39'. 6 


43°39',6 


44°39'.6 


45°39'.6 


46°39'T> 


47° 39'.6 












Läng 


e von ] 


J'CIT O. 













In dieser Tafel sind die Langen, so wie in dem „Atlas des Erdmagnetismus" von Greemvieh 
ausgerechnet, welches 17° 40' östlich von Ferro liegt, daher wird, weil in den meisten Werken über 
den Erdmagnetismus dieser Meridian als ersler angenommen wird, auch die Länge unserer Beobach- 
tungsorte in Zukunft auf ihn bezogen werden. 

Es ist jetzt nur niithig, aus dieser Tafel die Werthe der Intensität für die Beobachtungsorte durch 
eine einfache Interpolation zu suchen und sie mit den in der vorigen Tafel gegebenen zusammen 
stellen. Diess ist in der Tafel IV geschehen , welche jedoch in Hinsicht auf die Vertheilung der Orte eine 
eigene Einrichtung erhalten hat. Statt nämlich jeden Ort einzeln in llechnung zu ziehen, wird es zweck- 



z u 



irgend einem 



ganzen 



massiger sein, die Gesammtzahl derselben in Zonen abzutheilen , so dass die 
Breitegrad zunächst liegenden zu derselben Zone gehören, welche Zone dann wieder nach der ver- 
schiedenen Länge der Beobachtungsstationen in Gruppen zerlegt wird. So haben die Zonen des 50. 
und 49. Breitegrades jede zwei Gruppen, die Zonen des 48. und 47. und 46. Breitegrades jede vier 
Gruppeiv, jene des 45. Breitegrades zwei Gruppen. Demnach erhält diese Tafel folgende Gestalt: 









Tafel IV. Unterschied zwischen den beobachteten und berechneten Werthen der horizontalen Intensität. 




Beobachtungsort. 



Zone 50°, Gruppe 1. 

Cliiesch 

Pilsen 

Komotau 

Te plitz 

Bodenbach 



Prag 

Leipa 

Reichenberg 

Seelau 

Czaslau 

Chlumctz, 

Hohenclbe 

Xachod 

KAvasnei ♦ . 

Reichenau ...... 

Leitomischl 

Senftcnberg 

Zone 5Ö°, Gruppe 2. 

Olinütz 

Troppau 



Länijc 



Breite 



von Greemvieh. 



50° 6' 

49 45 

50 27 
50 30 
50 46 
50 5 
50 41 
50 40 

40 32 

40 57 
50 
50 37 
50 25 
50 12 
50 11 
40 53 
50 5 



40 36 
40 56 



Berech- 
nete 



Beob- 
achtete 



horizontale 
Intensität. 



0.5704 
0.5845 
0.5755 
0.5743 
0.5744 
0.5842 
0.5768 

0.5777 
0.5046 

0.5804 
0.5872 
0.5810 
0.5863 
0.5807 
0.5000 
. 504 1 
5021 



0.6015 
0.5905 



0.5347 
0.5380 

0.5286 
0.5274 
0.5277 
0.5376 
. 5207 
0.5207 
0.5439 
0.5414 
0.5394 
0.9322 
0.5361 
0.5395 
0.5390 
5447 
0.5420 



. 550 I 
0.5508 



+ 



0.0447 
0.0459 

0.0469 
0.0469 
0.0467 
0.0466 
0.0471 
0.0480 
0.0507 
0.0480 
0.0478 
0.0404 
0502 
. 0502 
. 050 1 
0.0494 
0.0501 



0.0514 
. 0487 



Beobachtungsort 



Koue SO , ürappe *•*. 

T eschen . <, . 

Krakau 

Wiliczka 

Bergwerk 

Tarnow 

Bzeszow 

Nisko 

Przemysl 

Zone 40°, Gruppe 1. 

Klattau 

Piseck . . 

ßudweis 

Steinberg 

Silberberg ...... 

Gratzen 

Neu li aus 

Iglau 

Znai m . . . . . . . 

Brunn 



ange 



Breite 



von Greenwich. 



18° 37 



~/ 



57 
4 
4 
1 

9 
22 49 



19 

20 

20 

21 

22 
o.o. 



49 
50 
49 
49 
50 
50 
50 
49 



°45' 

4 

59 

59 



3 

34 

47 



13 


22 


49 


24 


14 


9 


49 


19 


14 


28 


49 





14 


40 


48 


35 


14 


43 


48 


3S 


14 


47 


48 


48 


14 


59 


49 


8 


15 


38 


40 


24 


16 


5 


48 


51 


16 


37 


49 


11 



Be reeb 
nete 



Beob- 
achtete 



horizontale 
Intens tut. 



6050 
0.6078 
0.6075 
0.6076 
0.6107 
0.6134 
0.6067 
0.6200 






0.5889 

0.5930 

0.5984 

. 6047 

0.6042 

. 6022 

0.6021 

0.5978 

0.6068 

0.6056 



0.5559 
0.5527 
0.5571 
0.5542 
0.5566 
0.5600 
0.5541 

0.5651 



0.5424 

0.5450 

0.5527 

0.5539 

. 5540 

0.5504 

0.5488 

0.5501 

0.5501 

0.5511 



+ 



0.0401 
0.0551 
0.0504 
0.0534 
0.0541 
0.0534 
0.0526 
0.0549 



0.0465 
0.0480 

. 0457 
0.0508 
0.0502 
0.0518 
0.0533 
0.0477 
0.0477 
0.0545 













• _ • 



* 


















272 



Carl Kr eil. lieber den Einfluss der Alpen 










































1 1 





















BeoLacMungsort. 



Zone &ö°, Gruppe 2« 

Trentschin 
S. Miklos 
Käsmark . 
Leutschau 
Kaschau , 
Ungvar 
Stry . . 

Zone 48 n , Gruppe i. 

S. Johann .,..•* 



Salzburg 
Golling 



Altheim . 
Schärding 
Ischl t , 
Vöklahruck 



Zone 48°, Gruppe 2. 

Kremsmünster 

Lietzen . 

Linz ♦ .♦•♦... 
Admont .♦.♦... 

Eisenerz ♦ 

Erzberg .♦•♦.♦♦ 

Polsterberg 

Aflenz 

Molk 

Sehottwien ...... 

Wien 

Zone 48°, Gruppe 3. 

Pressburg 

Komorn „ 

Schemnitz 

Ofen 

Losoncz 

Erlau 

Zone 4S°, Gruppe 4. 

Munkacz 

Szatmar 

Nagy Banya 

Czernowitz 

Suczawa ..♦.,.. 

Zone 47°, Gruppe 1« 

Bregenz 

Bludenz 

S. Christoph 

S. Maria 

Stilfserjoch . . . # # # 

Mals 

Landeck . . » , # . . 
Imst A „ 



Meran . , 

Botzen 

Innsbruck 

Brenner . 

Rattenberg 

Brunnecken 



Zone 47°, Gruppe 2 

Lienz # , 

Böckslein 

Gastein 

Gamskarkogl # . , . 

Radstadt 

Gmünd 

Kreith 

Dobracz 

Bleiberg 









Länge 



Br eite 



von Greenwich 



Berech- 
nete 



Beob- 
achtete 



horizontale 

Intensität. 





♦ 


18° 3' 




► * 


19 40 




t * 


20 29 




• 


20 39 




• • 


21 19 




1 • 


22 22 




► • 


23 53 



12 20 

12 59 

13 8 

13 11 

13 24 

13 33 

13 36 



14 
14 
14 
14 
14 
14 
14 
15 
15 
15 
16 



17 

18 
18 
19 
19 
20 



9 
9 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
11 
11 
11 
11 
11 
11 



8 
15 
16 
28 
53 
57 

5 

14 

21 
52 
23 



08 



4 
12 

55 

3 

42 

23 



22 56 



22 47 

22 

23 

26 

26 



12 
13 
13 
13 
13 



IO 
O 

13 
1° 



o 

o 
O 

5 



13 



38 

1 

19 



41 
45 
13 
24 
26 
30 
31 
40 
8 
18 
19 
24 

37 
54 



44 
2 
5 

6 
28 
30 
39 
41 
42 



48° 52' 



49 
49 

49 

48 
48 
49 



47 
47 

47 

48 
48 



48 
47 

48 
47 
47 
47 
47 
47 
48 
47 
48 



48 
47 
48 
47 
48 
47 



47 



4 

8 

1 
41 

37 

15 



32 

48 
35 
15 
27 

47 43 

48 1 



3 
34 

18 
35 
32 
30 
28 
32 
14 
39 
13 



9 
45 

27 
29 
19 
53 



48 26 
47 47 

47 39 

48 17 
47 38 



30 



47 


9 


47 


8 


46 31 


46 


32 


46 


41 


47 


8 


47 


14 


46 


40 


46 


30 


47 


16 


47 





47 


27 


46 


48 



46 

47 
47 
47 
47 
46 
46 
46 
46 



50 



10 

6 

23 

54 

36 
32 
36 



0.6147 
0.6184 
0.6207 
0.6219 
0.6299 
0.6346 
0.6312 



0.6086 
0.6080 
0.6114 
. 6030 
0.6013 
0.6114 

. 6078 



0.6095 
0.6161 
0.6068 
0.6169 
0.6193 
0.6199 
. 6204 
. 6208 
0.6121 
0.6219 
0.6165 



0.6202 
0.6302 

0.6239 
0.6374 

0.6288 
0.6374 



0.6387 
0.6481 

0.6525 
0.6525 

0.6629 



0.5980 
0.6026 
. 6049 
0.6133 
0.6133 
0.6117 
0.6062 
0.6055 
0.6146 
0.6174 
0.6078 
0.6115 
0.6068 
0.6162 



0.6194 
0.6184 
0.6164 
0.6174 
0.6154 
0.6217 
0.6262 
. 6272 
0.6264 



0.5625 
0.5650 
0.5643 
0.5682 
. 5734 
0.5791 
. 5749 



0. 
0. 
0. 
0. 
0. 
0. 
0. 



5632 
5595 

5661 
5563 
5561 
5608 
5597 



0.5598 
. 5696 
. 5603 
0.5712 

0.5725 
0.5712 
0.5726 
0.5723 
0.5630 
0.5720 
0.5666 



0.5711 

0.5782 
0.5732 
0.5827 
. 5739 
0.5838 



0.5796 
0.5*76 
. 5976 
. 5905 
0.5977 



9.5572 

0.5626 
0.5624 
0.5713 
. 5707 
0.5689 
0.5650 
0.5615 
0.5710 
0.5740 
0.5638 
0.5685 
0.5632 
0.5718 



0.5738 
0.5724 
0.5718 
0.5712 
. 5704 
. 5758 
. 5800 
0.5793 
0.5822 



A 

+ 



0.0522 
0.0534 
0.0564 
0.0537 
0.0565 
0.0555 
0.0563 



0.0454 

0.0485 

0.0453 
0.0467 

. 0452 

0.0506 

0.0481 



0.0497 
. 0465 
. 0465 
. 0457 
. 0468 
0.0487 
0.0478 
0.0485 
0.0491 
. 0499 
0.0499 



0.0491 
0.0520 
. 0507 
0.0547 
0.0549 
0.0536 



0.0591 
0.0605 
0.0549 
0.0620 
0.0642 



0.0408 
0.0400 
0.0425 
0.0420 
. 0426 

0.0428 
0.0412 
0.0440 

0.0436 
0.0434 

0.0440 
0.0430 
0.0436 
0.0444 



0.0456 
0.0460 
0.0446 
0.0462 
0.0450 
0.0459 
0.0462 
. 0479 
0.0442 



Beobachtungsort, 



Länge 




Breite 



Berech 
nete 



Ton Greenwich. 



Beob- 
achtete 



horizontale 
Intensität. 



Zone 4t7°, Gruppe 3. 

Klagenfurt 

S. Lambrecht 

Kalhvang 

S. Paul 

Brück 

Gratz 

Marburg 

Gleichenberg 

Stein am Anger .... 

Zone 47°, Gruppe i. 

Klausenburg 

Bistrilz 

Maros Vasärhely .... 
Jakobeny 

Zone 46°, Gruppe 1. 

Isola bella 

Como 

Sondrio 

Brescia 

Bormio 

Riva 

Trient 

Vicenza 

Zone 40° , Gruppe 2. 

Belluno 

Conegliano 

Udine 

(jörz .... ... 

Triest 

Zone 46°, Gruppe 3. 

Adelsberg 

Grotte 

Laibach 

Neustadtl 

Cilly 

Agram , 

Warasdin 

Zone &6°, Gruppe 4. 

Karlsburg 

Hermannstadt 

Schäsburg 

Fogaros 

Zone i5 * Gruppe 1« 

Pavia • 

Mailand 

Cremona 

Mantua 

Verona 

Zone 45°, Gruppe 2. 

Rovigo 

Padua 

Venedig . * 

Pola 

fiumc 

Mali Hallan 

Dalmatinische" Beob- 
achtungsorte. 

Zara ♦♦..♦... 

Cattaro 

Cettigne 

Ragusa 

Spalato 

Sebenico 



14° 18' 

14 18 

14 45 

14 

15 

15 

15 

15 

16 



54 
17 
28 
42 
57 
16 



23 40 

24 33 

24 38 

25 23 



8 

9 

9 

10 

10 

10 

11 

11 



32 
4 
52 
11 
21 
50 
6 
32 



12 13 

12 18 

13 15 
13 38 
13 46 



14 
14 
14 
15 
15 
15 
16 



23 
24 
24 



9 

9 

10 

10 

10 



11 

11 

1.2 

13 
14 

15 



15 

18 
18 
18 
16 

15 



14 
14 
32 
12 

18 
55 

18 



39 
13 

52 



25 3 



10 
11 
1 
47 
57 



46 
52 
19 
48 
23 
43 



10 

39 
48 
1 
19 
46 



46° 37' 
47 4 
47 27 

46 43 

47 25 
47 4 
46 35 

46 52 

47 12 



46 46 

47 7 

46 32 

47 26 



45 53 

45 48 

46 10 

45 32 

46 30 



45 
46 

he 



53 

3 

45 32 



46 
45 
46 
45 
45 



45 

45 
45 
45 
45 



45 
45 
45 
44 
45 
44 



44 
42 
42 
42 
43 
43 



8 
53 

4 
56 
39 



45 46 

45 47 

46 3 

45 48 

46 14 

45 49 

46 8 



46 4 

45 47 

46 13 
45 50 



11 

28 
8 
9 

26 



4 
24 
26 
52 
19 
22 



6 
25 
24 

38 
30 
44 



0.6287 
0.6229 
0.6199 
0.6300 
0.6225 
0.6266 
0.6352 
0.6325 
0.6295 



0.6639 
0.6634 
. 6720 
0.6640 



0.6130 
0.6164 
0.6155 
0.6249 
0.6135 
0.6235 
0.6223 
0.6307 



0.6260 
0.6296 
0.6313 
0.6347 
0.6389 



0.6393 
0.6392 

0.6371 
0.6433 

0.6381 
0.6439 
0.6438 



0.6746 
0.6808 
0.6772 

0.6833 



. 6247 
0.6210 
. 6293 
0.6326 
0.6295 



0.6376 
0.6339 
0.6354 

. 6490 
0.6458 
. 6640 



0.6656 
0.7028 
0.7038 
0.6972 
0.6784 
0.6731 



0.5821 
0.5739 
0.5731 

0.5827 
0.5744 
0.5807 
0.5851 
0.5829 
. 5787 



0.6024 
0.6012 
. 6074 
0.6005 



0.5727 

0.5758 
0.5719 
0.5842 
0.5696 
0.5831 
0.5791 
0.5888 



0.5830 
0.5863 
0.5864 
0.5893 
0.5939 



. 5927 
0.5920 
. 5902 
. 5942 
0.5921 
0.5975 
0.5927 



0.6170 
0.6213 
0.6157 
0.6192 



0.5854 

0.5831 
0.5887 
0.5898 
0.5871 



0.5944 
0.5914 
. 5903 
. 6030 
. 5989 
0.6117 



0.6131 
0.6493 
0.6488 
0.6446 
. 6245 
0.6203 



■f 



0.0466 
0.0490 
0.0468 
0.0473 
0.0481 
0.0459 
0.0501 
0.0496 
0.0508 



0.0615 
0.0622 
0.0646 
0.0635 



. 0403 
0.0406 

0.0436 
0.0407 
0.0439 
0.0404 
0.0432 
0.0419 






0.0430 

0.0433 

. 0449 
0.0454 

0.0450 



0.0466 
0.0463 
0.0469 
0.0491 
. 0460 
0.0464 
0.0511 



0.0576 
0.0595 
0.0615 
0.0641 



0.0393 
0.0379 
0.0406 
0.0425 
0.0424 



0.0432 
9.0425 
0.0451 
0.0460 
0.0469 
0.0523 



0.0525 
0.0535 
0.0550 
0.0526 
0.0539 
0.0528 



i 

































■V^^H 



vj**jf 



h^mhbb 







9 



A + l. I + 3.6 









Auf diese Weise hat man für die einzelnen Gruppen folgende Gleichungen erhalten und aus ihnen 
die beigeschriebenen Ergebnisse gefunden , von welchen F den aus jeder Gleichung übrig bleibenden 
Fehler bedeutet, wenn man in ihr die gefundenen Werthe von / und b setzt, so wie R der aus der 



Quadratsumme dieser F gerechnete wahrscheinliche Fehler von 



0? 



und r jener für eine einzelne 



Station ist. L bedeutet die Länge des Normalpunctes von Greenwich aus, seine Breite ist jene der Zone. 

Für A sowie wie F wird, um unnöthige Ziffern zu vermeiden, die vierte Dezimalstelle als Einheit 

angesehen. 



a 



Chicsch , 

Pilsen 

Komotau 

Teplitz d 

Bodenbach o 

Prag 

Leipa 

Reichenberg ^ 



Zone 50o , 1. Gruppe, L* = 15<>. 

= 447 +105/— 6 
= 459 + 97/ + 15 6 



ä 



8 



409 + 
4(19 + 
407 + 
400 + 
471 + 
480 — 



95/ 
73/ 
48/ 
34/ 

28/ 



27 6 

39 6 

40 b 
5 

41 b 



ob 



Seelau d = 507 



Czaslau o 

Chlumetz (j 

Hohcnclbe # 

Nach od <? 

Kwasnei o 

Reicbcnau d 

Leitomiscbl o 

Senftenberg d 



480 

478 
494 
502 
502 
501 
494 

501 



4/ - 40 & 
17/ + 28 b 

22 / + 3 b 
27/— 9 6 
30 / — 37 b 
08 / — 25 b 
75/ — 12 b 
70/— 11 b 
79 / + 1b 
Sil— 5 6 



F = 


-- + 


10 


F = 


-- + 


1 


F = 


z • 


11 


F = 


: — — 


G 


F = 


■- + 


1 


F = 


■■ + 


7 


F = 


■■ + 


2 


F = 


+ 


1 


F = 


: 


20 


F = 


+ 


7 


F = 


+ 


11 


F = 





1 


F = 




2 


F = 





1 


F = 








F 
F 



5=482.2, R= 1.3, / = + 0.23852. b 



0.04028, r 



Zone 50», 2. Gruppe, Ii = 19<>. 

Oimütz 5=514 + 105/ + 24 6 . 

Troppau d = 487 + 67 / + 4 b . 

Denkschriften d. mathem. naturw. Cl. 



. F 
.F 



+ 

+ 



7 
2 



5.5 



— 13 
+ 14 



Zone 5tt°, 2. Gruppe, Ii = 19<>. 

Tescben 5 = 491 + 23 / + 1 5 6 

Krakau 

Wiliczka a 



a 



o N 



Bergwerk . 



r) 



Tarnow o 

Rzeszow 

Nisko £ 

9s 



551 
504 
534 
541 
534 
520 
549 



Przemysl 

= 511.2, R + 3.9, / = + 0.10149, b 



57/ — 4 6 
04 l + 16 
04 / - 1 6 
121/ 6 
18H/— 36 
189 Z -34 6 
229 / + 13 6 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



d 



0.28144, r 



Zone 490, f. Gruppe, L 

98/ 



<J 



51 / 
32 / 



Klatlau 

Pisck 

Bad weis fj 

Steinberg O 

Silberberg 

Gra'xen 

Neubaas 

Ig] au d 

Znaim d 

Brunn d = 545 -- 

0=499.4, 71 = 7.0, /= + 0.20707, 6 



d = 405 + 
= 480 + 

= 4ö7 + 
= 508 + 

= 502 + 

= 513 + 
= 533 + 
= 477 — 
= 477 — 



r7 

8 



= 150. 

-24 6 

- 19 6 

6 

20 / + 25 /; 

17/ + 22 6 

13/ + 12 6 

1 / — 8 6 

3S/ — 2+6 

05 / + 9 6 

97/— 11 6 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



1.4207, r 
35 



+ 20 

— 32 

+ 17 

— 14 

— 11 

+ 4 
+ 6 

— iy 
12. G 



: — 20 

: — 18 

: + 34 

: + 22 

: + 24 

:— 5 

:— 45 

:— 4 

: + 48 

— 41 
24.1 









auf die Aeusserungen der magnetischen Erdkraft. 



273 










Nimmt man nun für jede Gruppe einen Punct an, auf welchen die in ihr vorkommenden Orte 
bezogen werden, welcher der Normalpunct heissen soll, so lässt sich jede derselben nach der Methode 
der kleinsten Quadrate behandeln und wird für den Unterschied zwischen dem beobachteten und 



berechneten Werthe der Intensität am 



Normalpuncte den wahrscheinlichsten Werth geben. Dieses 






Verfahren wird den Vortheil darbieten, dass die Unregelmässigkeiten, welche sowohl von Bcobach- 
xungsfelilern als auch von nachtheiligen Einflüssen aus den nächsten Umgebungen herrühren, dadurch 
unschädlicher gemacht werden, als wenn man jede Beobachtung für sich allein in Betracht gezogen 
hätte, es wird dagegen den Nachtheil mit sich führen, dass störende Ursachen von geringerem Belange, 
deren Bereich sich nur über einen kleinen Theil des Gebietes der ganzen Gruppe erstreckt, ver- 
schwinden, also nicht erkannt werden können. Allein das Dasein solcher kleineren Störungsursachen 
wird in vielen Fällen schon durch die blosse Ansicht der Ergebnisse der einzelnen Beobachtungs- 
orte, wenn nicht erwiesen, doch angedeutet, und es steht uns noch ein Weg offen, sie ans Licht zu 
bringen , den wir später einschlagen werden. Für den ersten Zweck ist es im Gegentheile wünschens- 
werth, den Einfluss solcher untergeordneten Störungsursachen möglichst auszuscheiden, so wie viele 
Beobachter, um die tägliche Acnderung der magnetischen Elemente in dem Monatmittel desto richtiger 
darzustellen, die Störungstage wegzulassen pflegen. 

Aus jeder Beobachtungsstation wird man demnach eine Bedingungsgleichung für den Normalort 
der zugehörigen Gruppe erhalten, und diese Bedingungsgleichungen nach der Methode der kleinsten 
Quadrate behandelt, geben den wahrscheinlichsten Werth des Unterschiedes A am Normalorte. Ist 
dieser Werth = fr, ist / dessen Aenderung für die Längenänderung einer Bogenminute, b dessen Aen- 
derung für die Breitenänderung einer Bogenminute, ist ferner die Beobachtungsstation l Minuten westlich 
und ß Minuten südlich vom Normalorte und A die ihr zuständige Differenz aus Tafel IV, so ist die 
Bedingungsausgleichung dieser Station 






i 






































274 



Carl Kr eil. lieber den Einfuss der Alpen 


































Zone 49o, 2. Gruppe, Li = 21o. 

Trcntsriiin o N = 522 + 177 / + 8 6 



ö 



$ 



0" 



S. Miklos . 

Kesmark 

Leutschau 

Kasrhau 

Ungvar , 

Stry ö 

d= 548.9, R = SA 9 1 = 

Zone 4S<N 

S. Johann ►♦♦♦♦♦♦ .0 

Salzburg o 

Golling o 

Altheim * . » . e? 

Schärding 

Ischl d 

Vöcklabruck d 

=462.3, # = 5.3, / = 



89/ 
31 / 
21 / 
19/ 
82/ 

173/ 
+ 0.11929, 6 : 



534 + 

564 + 
537 + 

565 — 

K ff ff 

ooo — 
563 — 



+ 
+ 



46 

86 

16 

196 

23 6 

15 6 



.F 
.F 
. F 
.F 
.F 

.F 



0.08564, r 



I. 



N 



Gruppe « L = 

40/ + 



$ 



454 + 
485 + 
453 + 
407 — 
452 — 
506 — 
481 — 



1/ 
8/ 
11/ 
24/ 
33/ 
36/ 



+ 
+ 



+ 



d 



+ 0.58843, 6 



130. 

28 6 . 
126 . 
25 6 . 
15 6 . 
27 6 . 
17 6 . 
16 . 

-0.52158, 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



Zone 48«, 
Kremsmünster ...... d 

Lietzen . 

Linz . o 

Admont. 

Eisenerz 



2. Gruppe , L. = 15 o. 



497 + 
465 + 

465 + 

457 + 
468 + 



+ 



Erzberg 8 = 487 + 



■s 



Polsterberg 

Aflenz 

Molk 

Schottwien ...... 

Wien Ö 

$ = 484.8, # = 4.8, / = 



Ö 
o 
d 



478 
485 
491 
495 
499 



+ 



52/ 
45/ 
44/ 
32/ 

7/ + 
3/ + 

2/ + 
14/ + 

21 /- 

52/ 

83/ 



3 6 
26 6 
186 
25 6 
28 6 
30 6 
32 6 
28 6 
14 6 
21 6 

136 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



+ 0.21978, 6 



Zone 4So , 3. Gruppe, L=.19<>. 



Pressburg . 



$ 



Komorn . . = 

Schemnilz . . . r) — 507 

Ofen 8 = 547 

Losoncz ........ rj = 549 

Erlau rj = 536 

8 = 526.6, # = 8.0, / = + 0. 



491 + 116/ 

520 + 48 / 



9 6 
15 6 
27 6 




5/- 

3/ + 31 6 

42 / — 19 6 

83 / + 7 6 

6 = 



F 
F 
F 
F 
F 
F 



Zone 4So, 4. Gruppe, l* = 24o. 



Munkacz d = 591 + 



d 



Szatmar rj 

Nagy Banya 

Czernowitz ......,<? 

Suczawa ö 

= 596.0, # = 14.0, / = 



605 + 
549 + 
620- 
642 — 



73 / - 26 6 

64 / + 3 6 
22 / + 21 6 



- 121 /— 17 6 . 

-139/ -f 22 6 . 

+ 0.25065, 6= +0.41625, r 



F 
F 
F 
F 
F 



Zone 470, 1. Gruppe, L 



d 



Bregenz o 

Bludcnz 

S. Christoph d 

S. Maria . ♦ . 6* 

Stilfserjoch rj 

Mals $ 

Landock ♦ ..♦.*.. d 
Imst f) 

Meran d 

Botzen » • * $ 

Innsbruck o 

Brenner . . # £ 



408 
400 
425 
420 



+ 

+ 

+ 

+ 
426 + 

428 + 
412 + 
440 + 
436 — 
434 — 
440 — 
430 - 
436 — 



Rattenberg d = 

Brunneckeu d = 444 

d = 430.6, # = 0.6, /= + 0.26553, 6 



79/ 
75/ 
47/ 
36/ 
34/ 
30/ 
29/ 
20/ 
8/ 
18/ 
19/ 
24/ 
37/ 
54/ 



= 110. 

— 30 6 

— 9 6 

— 86 
+ 29 6 
+ 28 6 
+ 19 6 

— 86 
-14 6 
+ 20 6 
+ 30 6 

— 16 6 

06 

— 27 6 
+ 12 6 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



Zone 47 <r, 2. Gruppe, L*=13o. 



Lienz . 
Böckslein 
Gastein . 



d 



= 456 
= 460 
= 446 

Gamskarkogel o = 462 

Radstadt § = 450 

Gmünd ö == 459 

Kreith d = 462 



Dobracz £ — 479 

Bleiberg $ = 44£ 

= 462.1, # = 3.1, / = - 



ö 



+ 16/ + 

— 2Z 

— 5/- 

— 6/ — 

— 28/ — 

— 30/ + 

— 39 / + 

— 41 / + 

— 42 / + 
0.38634, 6 = 



10 6 
06 

10 6 
66 

23 6 
6 6 

24 6 
28 6 
24 6 



F 
F 

F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



+ 6 
+ 5 

— 19 

+ 9 

— 12 

+ 6 
+ 5 

8.9 



Zone 470, 3. Gruppe, Ii = 15o. 



— 16 

— 18 
+ 27 
+ 9 

+ 10 

— 16 

+ 5 

14.1 



-25 

+ 24 

+ 1 
+ 34 



+ 
+ 



30 
13 



+ 23 



+ 



+ 



18 

9 

8 
2 



0.26926, r= 15.8 



+ 10 

— 13 
+ 32 
-34 

— 1 
10 



+ 0.48722, r = 19.6 



— 2 

— 26 
+ 30 
+ 13 

— 20 

31.3 



+ 
+ 

+ 



+ 



1 

11 

6 

3 

3 

4 

10 

3 

8 

9 

13 

5 

13 

15 



0.04016, r=2.1 



+ 
+ 



17 
1 

9 
5 

10 
6 
4 

20 

15 



0.47474. r = 9.4 



Klagenfurt § 

S. Lambrecbt ^ 

Kalhvang 

S. Paul £ 

Brück f} 

Grata 

Marburg fi 

Gleichenberg f> 

Stein am Anger fi 



£ 



466 -t- 

490 + 

468 + 
473 + 

481 — 

459 — 

501 — 

496 — 

508 — 



42/ + 
42/ — 
15/ — 
6/ + 
17/ — 

28/ — 
42/ + 
57/ + 
76/- 



23 6 

46 

27 6 

176 

25 6 

4 6 

25 6 

86 

126 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



8 = 479.3, R = 2.8, / = + 0.24745, 6 



Zone 470, 4. Gruppe, Li = 24o. 
Klausenburg § = 615+ 20 / + 14 6 . 

Bistritz 8 = 622 — 33 / — 7 6 . 

Maros Vasarhely Ö = 646 — 38 / + 28:6 . 

Jakobeny $ — 635 — 83 / — 26 6 . 



.F 
. F 
. F 

. F 



ö 



Isola bclla 

Como . . 

Sondrio ö 

Brescia rj 



Zone 460, 1. Gruppe, 1^=110. 



403 + 

406 + 
436 + 

407 + 



Bormio rj = 439 + 

Riva £ = 404 + 

Trient d = 432 — 

Vicenza £ = 419 — 



48 / + 7 6 

116/ + 12 6 
68/- 10 6 

49 / + 28 6 
39 / - 30 h 
10/ + 7 6 
6/— 36 
32/ +.28 6 



F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 
F 



d 



Zone 46o, 2. Gruppe, Li = 13o. 



5 



Belluno 

Conegliano d 



430 + 
433 + 



Udine — 449 

Görz d = 454 

Triest 8 == 450 



'All — 
42/ + 

15 / — 

38/ + 



8 6 
7 6 
46 
46 



46 / + 21 6 . 



F 
F 
F 
F 
F 



d 



Adelsberg ........ 

Grotte 

Laibach 

Neustadtl 

Cilly 

Agram 0* 

AVarasdin rj 



Zone 46o, 3. Gruppe , L* = 15 



466 + 
463 + 
469 + 
491 - 
460 — 



511 



46/ + 

46/ + 
28/ - 
12/ + 
18/ — 
55 / + 
78/ — 



14 6 

13 6 
36 

12 6 

14 6 
116 

86 



d 



473.1, # = 4.7, /= +0.23695, 6 



F 
F 
F 
F 
F 
f 
F 



-f- 

+ 
+ 



5 

22 

4 



6 

+ 13 

— 9 

— 2 

— 11 



0.10805, r = 8.4 



+ 



+ 



11 

18 

48 
17 



639.4, #18.5, /=- 0.21491, 6= + 1.1914, r= 37.0 



+ 
+ 



+ 
+ 



7 

1 

10 

2 
2 

18 
2 

5 



426.7, ü = 2.4, /= + 0.11302, 6= + 0.59931, r = 6.8 



+ 2 

- 3 

- 1 

- 1 

+ 1 



443.4, # = 0.9, /= + 0.26753, 6= + 0.19125, r = 1.9 



+ 



3 

3 
14 
16 
23 
20 



0.09059, r = 12.6 



Zone 46°, 4. Gruppe, Ii = 24°. 



Karlsburg 8 

Hermannstadt rj 

Schäsburg d 

Fogaros d 



576 + 
595 — 
615 — 
641 - 



21 / — 
13/ + 
52/- 
63/ + 



46 
13 6 
136 
10 6 



F 
F 
F 
F 



- 4 

+ 7 
+ 4 

— 13 



d 



587.6, # = 8.6, /= + 0.69247, 6 



0.38943, r= 17.1 



Zone 45°, 1. Gruppe, Ii = llo. 



Pavia 

Mailand rj 

Cremona (j 

Mantua 

Verona 



o N 



393 
379 
406 
425 
424 



+ 
+ 
+ 
+ 
+ 



110/ 
109/ 

5 

13/ 

3/ 



odl 



116 

28 6 

8 6 

9 6 
26 6 



F 
F 
F 
F 
F 



= -4 
= + 3 

- + 4 

- + 1 
= — 2 







434.6, #=1.4, /= + 0.37160, 6 



0.44801, r = 3.2 



Zone 45o, 2, Gruppe, Ii = 13o. 



Roviffo d = 432 + 



go 

Padua . . 8 

Venedig ........ 

Pola 6 

Fiume o" 

Mali Hallan ä 



425 + 
451 + 
460 — 

469 — 

523 — 



74/- 
68/ — 
41 /- 

48/ + 

83/ — 



46 
24 6 
26 6 

86 
19 6 



163/ + 38 6 



F 
F 
F 
F 
F 
F 



+ 1 
+ 4 

— 15 
+ 12 

+ 5 

- 8 



0=456.1, #=3.5, /= + 0.28917, 6' 



0.31595, r = 8.4 
















mmu 



m 



m 



^mam 



■vh 



■r 






r»v^ 



VBBBH 



■ 




■■ i 



i 









öu/" dfe Aeusserungen der magnetischen Erdkraft. 



275 



Aus den gefundenen Werthen von J kann man nun die einem jeden Normalpuncte zukommende 
Intensität // finden, wenn man die in Tafel III gegebenen Werthe, die mit G bezeichnet werden sollen, 
um den Betrag von 5 verkleinert. In der folgenden Tafel V wurden nebst dem Werthe von G und // 
auch die aus jeder Gruppe gefundenen Resultate zur besseren Uebersicht zusammengestellt. 




Tafel V. Horizontale Intensität an den Xormalpuncten. 












Zone. 



Gruppe 



Nro. 



L 



G 



o N 



// 



R 



■* — 



r 



I 



b . 



50° 



o 



49° j 



4S° 



47° 



1 
o 



1 
o 



40° 



45° 



1 

o 

■» 

3 

4 

1 
o 

3 

4 



1 
2 

3 
4 



1 



15° 


5880 


19 


6034 


15 


G012 


21 


0243 


13 


6059 


15 


6143 


19 


6304 


24 


6498 


11 


6100 


13 


6187 


15 


6273 


24 


6636 


11 


6227 


13 


6316 


15 


6404 


24 


6775 


11 


6353 


13 


6444 



482 
511 

499 
549 

462 

485 
527 
596 

43 t 
462 

479 

639 

427 
443 

473 

588 

435 
456 



5398 
5523 



5513 
5694 

5597 

5658 
5777 
5902 

5669 
5725 
5794 
5997 

5800 

5873 
5931 
6187 

5918 

598» 



1.3 
3.0 

7.6 
3.4 

5.3 

4.8 

8.0 

14.0 

0.6 
3.1 

2.8 

18.5 

2.4 
0.9 

4.7 
8.6 

1.4 
3.5 



5.5 
12.6 



24.1 

8.9 

14.1 

15.8 
19.6 
31.3 

2.1 
9.4 

8.4 
37.0 

6.8 

1.9 

12.6 

17.1 

3.2 

8.4 



Anzahl 

der 

Orte. 



+ 0.2385 
+ 0.1615 

+ 0.2077 
+ 0.1193 

+ 0.5884 
+ 0.2198 
+ 0.2656 
+ 0.2506 

+ 0.2655 

— 0.3863 
+ 0.2474 

— 0.2149 



+ 

+ o 

+ 

+ o 



1130 
2675 
2369 
6925 



+ 0.3716 
+ 0.2892 



— 0.0403 

— 0.2814 

— 1.4207 
-0.0856 

— 0.5216 
+ 0.2693 
+ 0.4872 

+ 0.4163 

— 0.0402 

— . 4747 

— 0.1080 
+ 1.1914 

+ 0.5993 

+ 0.1919 

— 0.0906 

— 0.3894 



0.4480 
0.3159 



17 
10 

10 

7 

7 

11 

6 

5 

14 
9 
9 
4 

8 
5 
7 
4 



5 

6 



Diese Tafel bietet manche Puncto dar, die einer näheren Erörterung werth sind. 

Man sieht zuerst, dass in allen Beobachtungsstationen für die Intensität ein kleinerer Werth gefunden 
wurde, als ihr nach der Theorie zukömmt. Man bemerkt ferner, dass diese Unterschiede, oder nach 
der Tafel die Werthe von 5 in jeder Zone mit der geographischen Länge wachsen, woraus folgt, dass 
die beobachteten Intensitäten weniger zunehmen als es nach der Theorie der Fall sein sollte. 

Das Wachsen der $ geht jedoch keineswegs gleichmässig oder nach einem einfachen Gesetze vor 
sich, daher auch nicht jenes der Intensität. Man findet nämlich durch Vergleichung der in der Spalte G 
und H der vorstehenden Tafel enthaltenen Zahlen, dass für einen Längengrad die Intensität zunimmt 

nach der Beobachtung nach der Theorie 
hei der Breite 50° und Länge 15°— 19° 31.2 38.5 

m *) y) 4VI .} ••) lt) — >£I • . . • • • oi) . £ • • • • • . öüi'7 

„ ., „ 48 „ „ 13 — 15 30.5 42.0 

„ „ „ 48 „ „ 15 — 19 29.7 40.2 

» n „ 48 .,„ 19-24 25.0 38.8 

„ „ v 4? „ „ 11 — 13 28.0 43.5 

mm m t: • m m lO I«) • ö4r . «) • 4e> . U 

„ „ „ 47 ., „ 15 — 24 22.0 40.3 

m, m m 4(> ^ - 11 — lö . • • • . . <J*).0 44 .ö 

„ • * „ 46 „ w 13 — 15 29.0 44.0 

» n a *6 * » 15-24 28.4 41.2 

„ „ „ 45 „ „ 11 — 13 35.0 45.5 

Man sieht unter dem 47. Breitegrade zwischen 11° und 15° eine sehr starke Störung, welche ver- 
ursacht, dass die Aenderung der 8 in ein schnelles Wachsen und weiter gegen Osten in ein desto 
rascheres Abnehmen übergeht, so dass letzteres die nach der Theorie vorgeschriebene Abnahme um 

35 • 















































































^B 

























276 



Carl Kr eil. lieber den Einfluss der Alpen 



mehr als das 4 fache übertrifft. Die grössten Abweichungen finden sich aber in den östlichen Gegenden 

des 48. und 47. Breitegrades, daher sich auch dort eine mächtig wirkende Störungsursache vermuthen lässt. 

Ebenso ist die Aenderung nach der Breite mancher Unregelmässigkeit unterworfen. Man findet näm- 



lich die Aenderung 



nach der Beobachtung 



nach der Theorie 




bei der 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



*i 



■• 



ii 



Länge 



ii 



13° und Breite 48° 



•* 



ii 



•• 



ii 



ii 



ii 



ii 



n 



ii 



ii 



'i 



•« 



ii 



ii 



13 

13 

15 
15 
15 

24 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



'i 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



ii 



4 



i 



47° 

46 

45 



128 
148 
115 



46 
50 
40 — 48 145 



40 



115 



128 
129 
128 
132 



4cS 
4? 

48 
4? 



4T 
46 

47 
46 



136 



137 
95 

190 



131 
130 
131 
138 
139 



5 im absoluten, also nicht einmal 2 im willkürlichen Masse, während 



Auch in diesen Zahlen lässt sich die früher angedeutete Störung deutlich erkennen, tritt aber 
hier schon bei dem 49. Breitegrade hervor. Die störende Ursache der östlichen Gegenden zeigt sich 
hier noch augenfälliger als in den vorigen Zahlen. 

Die nächsten beiden Spalten der Tafel V geben die aus den übrigbleibenden Fehlern F gerechneten wahr- 
scheinlichen Fehler R und r von 8 und jeder einzelnen Bestimmung einer Gruppe. Es wird auffallen, 
dass diese Fehler so gross sind in Vergleich mit dem früher (Seite 267) angegebenen Grade der Sicher- 
heit, mit welchen die Intensität in jeder Station gefunden wurde. Nach dieser Angabe ist der wahr- 
scheinliche Fehler derselben == 
der wahrscheinliche Werth von r, wenn man ihn aus allen Bestimmungen der Tafel V rechnet, mehr 

> 

als 11 beträgt, und selbst jener von II sich noch fast auf 5 erhebt, also immer noch mehr als das 
Doppelte jener Angabe erreicht. Demnach gewähren alle in eine Gruppe vereinigten Stationen für die 
Bestimmung der Intensität am Normalpuncte eine geringere Sicherheit, als die an einem einzigen Orte 
ausgeführten Beobachtungen für die Intensität dieses Ortes. — Die Ursache ist nicht schwer aufzufinden, 
wenn man bedenkt, dass die Sicherheit der Bestimmungen für die Normalpunkte von den Störungsquellen 
abhängig ist, welche auf verschiedene Stationen verschieden, auf die Beobachtungen derselben Station 
aber gleichmässig einwirken ; und die Zahlen der obigen Tafel , verglichen mit den wahrscheinlichen 
Fehlern aus den Beobachtungen einer Station, ohne Rücksicht auf den Einfluss örtlicher Störungen, sagen 
nur aus, dass dieser Einfluss um vieles grösser ist, als der von den gewöhnlichen Beobachtungsfehlern 
herrührende. Etwas Aehnliches lehrt auch der blosse Anblick der Werthe von /{, welche in der vorher- 
gehenden Tafel enthalten sind; denn sie hängen nicht bloss von der Anzahl der Orte ab, welche zu 
ihrer Auffindung in Rechnung gezogen werden, weil man öfters, wie in Zone 46° Gruppe 2, und Zone 45 
Gruppe 1, auch bei einer geringen Anzahl von 
Sie sind im Gegentheile in jenen Gegenden am grössten, wo schon aus den vorhergehenden Betrachtungen 
sich die kräftigsten Störungsursachen vermuthen lassen, namentlich unter dem 24. Längengrade. 

Um aus den Werthen für die horizontale Intensität, welche in der vorigen Tafel enthalten sind, 
eine andere zu entwerfen, die diese Werthe für jeden Längen- und Breitengrad, oder für noch engere 
Entfernungen gibt, wird man sich der Interpolation bedienen, wobei die neue Tafel nur bis zu dem 
19. Längengrad ausgedehnt werden soll, was aus dem Grunde räthlich scheint, weil in den Gegenden 
zwischen dem 19. und 24. Längengrade abwärts von der Breite von 47 Graden noch zu wenige Beobach- 
tungen angestellt worden sind, und weil es mir bei dieser Untersuchung überhaupt mehr darum zu thun 
war, den Einfluss der Alpen auf die magnetische Kraft der Erde zu erkennen , daher die Ebenen Ungarns 
und die Gebirgszüge der Karpathen nur nebenher in Betracht kommen. Bei dem unregelmässigen Gange 



Werth 



\ 






x 









MK 



« 



■■■ 






Mi 













auf die Aeussertmgen der magnetischen Erdkrafl. 277 

der Werlhe von H wäre es zwar wünsehenswerth, ein anderes, als das einfache Interpolationsverfahren 
in Anwendung bringen zu können, vorzüglich für die Breitengrade unter den 48°. Allein es sind dort 
noch zu grosse Lücken in den Beobachtungen, als dass dadurch ein merklicher Gewinn zu hoffen wäre. 
Jedenfalls kann, wenn diese Lücken durch spätere Reisen ausgefüllt werden sollten, diese vorläufig 
gerechnete Tafel noch berichtigt und ergänzt werden. 

Üa aber die Normalpuncte in den nördlichen Zonen gegen Westen nur bis zur Länge von 15°, 
in den südlichen bis zur Länge von 11° reichen, die Beobachtungsstationen aber weiter zurück gehen; 
so wurden aus den westlichen Beobachtungsorten folgende Hilfspuncte eingeführt. 

Für München ist nach den „Resultaten des magnetischen Observat or iums". S. 26: 

hei der Länge = 11<>36 5, Breite = 48o8'S die Intensität « 77=0,55354; 
diess gibt für L = 11°5, Breite = 48°. 77 = 0.55525 

Die drei Orte Pavia . . . . Z, = 9° 10', 5 = 45*11', #=0.5S54 

Mailand . . .L= 9 11, B = 45 28, #=0.5831 
Isolabella . . L = 8 32, B = 45 53 , # = 0.5727 

Mittel . . . .L= 8 58, # = 45 31, # = 0.5804 

geben für L = 9.0, #=45.5, # = 0.5807 

Die drei Orte Sondrio . . . . L = 9 52 , B = 46 10, # = 0.5719 

Brescia. . . . L = 10 11 , # = 4532, #=0.5842 

Cremona . . . L = 10 1 , # = 45 8, # = 0.5887 

Mittel . . . . L=10 1, # = 4537, # = 0.5810 
geben für L=10.0, # = 45.5, # = 0.5829 

Die vier Orte Sondrio . . . . L = 9 52, B = 46 10, #=0.5719 

Bormio. . . . L = 10 21, # = 46 30 , # = 0.5696 

S.Maria . . . L = 10 th , # = 4631, # = 0.5713 

Mals £=1030, Vi =40 41, #=0.5689 

Mittel . . . .£ = 10 17, # = 4628, # = 0.5704 

geben für L=10.5, # = 46.5, # = 0.5690 

Die drei Orte Landeck . . .£ = 1031, # = 47 8, #=0.5650 

Bludenz . . .£= 9 45, # = 47 9, #=0.5626 
Bregens . . .£= 9 41, # = 4730, # = 0.5572 

Miltel . . . .£= 9 59, # = 47 16, #=0.5616 
geben für L = 10.0, # = 47.0, # = 0.5651 

In den beiden nördlichen Zonen, wo die Störungen weniger sichtlich hervortreten, wurde die Tafel 
nach der aus Tafel IV genommenen Aenderung gegen Westen erweitert. 












. 



i 



Tafel VI. Horizontale Intensität aus den Normalpuucten gerechnet. 









Breite. 










L änge 


von Green wich. 










9?0 


9?5 


1090 


10?5 


11?0 


1195 


12?0 


12?5 


13?0 


13?5 


1490 


50?5 


_ 
















0.5278 


0.5293 


0.5308 


50.0 











j 


. 


M 


>— — 


0.5334 


0.5350 


0.5366 


49.5 











., . _ 


. 


mmm 




0.5390 


. 5407 


0.5424 


49.0 








__ 


, 


i ._, 


■ 


■■ 


0.5453 


0.5468 


0.5483 


48.5 


^,^^_ 







t 


■ 


— 




_ 


0.5525 


0.5540 


0.5555 


48.0 




— ™ 


0.5521 


0.5530 


0.5540 


0.5552 


0.5566 


0.5579 


0.5597 


0.5612 


0.5627 


47.5 


i_ 


i i 


0.5586 


0.5594 


. 5604 


0.5618 


0.5632 


0.5645 


0.5661 


0.5677 


. 5693 


47.0 


r 


w_ 


0.5651 


0.5659 


. 5669 


0.5683 


0.5697 


0.5711 


0.5725 


0.5742 


0.5759 


46.5 


_ 


. 


0.5710 


0.5720 


. 5734 


0.5751 


0.5766 


0.5782 


0.5799 


0.5815 


0.5830 


46.0 


_ 


— 


. 5769 


0.5780 


. 5800 


0.5818 


. 5836 


0.5854 


0.5873 


0.5888 


0.5902 


45.5 


. 5807 


0.5818 


0.5829 


0.5843 


0.5859 


0.5876 


0.5894 


0.5912 


0.5930 


0.5946 


— 


45.0 


0.5867 


0.5878 


0.5889 


. 5903 


0.5918 


0.5935 


. 5953 


0.5970 


0.5988 


0.6004 












w 















278 



Carl Kr eil lieber den Eiaßuss der Alpen 



Breite. 










Länge 


von Green wich. 










14?0 


14?5 


15?0 


15?5 


1G?0 


16?5 


17?0 


17?5 


18?0 


1895 


19?0 


50?5 


0.5308 


0.5324 


0.5341 


0.5355 


0.5372 


0.5388 


. 5404 


0.5420 


0.5435 


0.5452 


0.54G8 


50.0 


0.5300 


0.5382 


0.5398 


0.54i3 


0.5429 


0.5444 


0.5400 


0.5470 


0.5491 


0.5507 


0.5523 


49.5 


. 5424 


0.5440 


0.5455 


0.5471 


9.5480 


0.5501 


0.5510 


0.5532 


0.5547 


0.5502 


0.5578 


49.0 


0.5483 


0.5495 


0.5513 


0.5528 


0.5543 


0.5558 


0.5573 


0.5588 


. 5603 


0.5018 


0.5033 


48 . 5 


*-v ** r- ^ k 

U.oooo 


0.5570 


0.5585 


0.5001 


0.5015 


0.5031 


0.5040 


0.5661 


0.5670 


0.5091 


0.5705 


48.0 


0.5027 


0.5042 


0.5058 


0.5073 


0.5088 


0.5703 


0.5718 


0.5733 


0.5748 


. 5703 


0.5777 


47.5 


0.5093 


0.5709 


. 5720 


0.5739 


0.5752 


. 5705 


0.5778 


0.5791 


0.5804 


0.5810 


0.5829 


47.0 


. 5759 


. 5770 


. 5794 


0.5804 


0.5810 


0.5827 


0.5838 


0.5849 


0.5859 


0.5870 


0.5882 


40.5 


0.5830 


0.5840 


0.5802 


0.5875 


0.5887 


. 5900 


0.5912 


0.5925 


0.5937 


. 5949 


0.5903 


40.0 


0.5902 


0.5910 


0.5931 


0.5940 


0.5959 


0.5973 


0.5987 


0.0001 


0.G015 


0.0029 


0.0044 


45 . 5 


— 


— 


— 


— 



















— _ 


45.0 


— 


-^ — 


— 


— 


— 


— - 


— — 


_-. 


— — 


- J 


■ 



Diese Tafel kann fü die weitere Untersuchung zu mancherlei Zwecken dienen. 

Wenn man nemlich aus ihr den Werth der Intensität für jeden einzelnen Beobachtungsort sucht, und 
ihn mit dem durch die Beobachtung unmittelbar gefundenen Werthe vergleicht, so erkennt man, an 
welchen Orten sich eine speciell störende Ursache geäussert habe , d. i. eine solche , welche sich nur auf 
diesen Ort und seine nächste Umgebung, nicht aber auf die ganze Gruppe erstreckt. Diesen Zweck 
suchte man in der Tafel VII zu erreichen, welche die aus den Normalpuncten gerechneten und die 
beobachteten Intensitäten enthält, so wie den Unterschied zwischen beiden. 












Tafel VII. Vendeichuna; der beobachteten Intensität mit der aus den Normalpuncten gerechneten. 






■ 














t 




Beobachtungsort. 



Zone 50°, Gruppe 1. 

Chiesch 

Pilsen . 

Komotau 

Teplitz 

Bodenbach 

Prag • ♦ 

Leipa 

Reichenberg 

Seelau 

C/aslau 

Chlumetz 

Hohenelbe 

Nachod 

Kwasnei 

Reichenau 

Leitomischl 

Senftenberg ♦ . . ♦ ♦ 

Zone 50°, Gruppe 2. 

Olmütz .♦•♦.. 

Troppau 

Teschen *•♦.♦. 

Zone^9o 9 Gruppe 1. 

Klattau 

Piseck 

Budweis 

Steinberg 

Silberberg 

Gratzen 

Neuhaus 

Iglau 

Znaim 

Brunn ..♦.♦.♦ 

Zone 48o, Gruppe 1. 
St. Johann .... 



Salzburg 
üolling 



Länge. 



13° 15' 



13 
14 

14 

14 
14 
14 
15 
16 
16 



22 

9 
28 
40 
43 
47 
59 
38 

5 

37 



12 20 

12 59 

13 8 



Breite. 



Normale 



Beob- 
achtete 



Intensität. 



6' 



49 

49 
49 

48 
48 
48 
49 
49 
48 
49 



24 

19 



35 
38 
48 
8 
24 
51 
11 



47 32 
47 48 
47 35 



0.5331 
0.5372 
0.5296 
0.5284 
0.5285 
0.5371 
0.5305 
0.5313 
0.5459 
0.5415 
0.5393 
0.5346 
0.5368 
0.5414 
0.5416 
0.5452 
0.5432 



0.5513 
0.5496 
0.5538 






0.5415 
0.5450 
0.5497 
0.5563 
0.5558 
0. 5535 
0.5494 
0.5489 
0.5567 
0.5543 



0.5637 
0.5622 
0.5655 



0.5347 
0.5386 
0.5286 
0.5274 
0.5277 
0.5376 
0.5297 
0.5297 
0.5439 
0.5414 
0.5394 
0.5322 
0.5361 
0.5395 
0.5399 
0.5447 
. 5420 



0.5501 
0.5508 
0.5559 



0.5424 
0.5450 

0.5527 
0.5539 
0.5540 
0.5504 
0.5488 
0.5501 
0.5591 
0.5511 



0.5632 
0.5595 
0.5661 



Unterschied 
IS — B 



Beobachtungsort 



Länge. 



Breite. 



— . 0004 

— 0.0014 
-f 0.0010 
+ 0.0010 
+ 0.0008 

— . 0005 
4- . 0008 
+ 0.0016 
-f 0.0020 
+ 0.0001 
+ 0.0002 
+ 0.0024 
+ 0.0007 
-f 0.0019 
-f 0.0017 
+ 0.0005 
+ 0.0012 



-f 0.0012 

— 0.0012 

— 0.002 



— . 0009 
0.0000 

— 0.0030 
+ 0.0024 
+ 0.0018 
+ . 003 i 
•f 0.0006 

— 0.0012 

— 0.0024 

+ 0.0032 






+ 0.0005 
-f 0.0027 
— 0.0006 






Zoneiso, Gruppe 1. 
Altheim 



Schärding 
Ischl . . 
Vocklabruck 



Zone4tS°, Gruppe 2 

Kremsmünster . . . 

Lietzen 

Linz 

Admont 

Eisenerz 



Erzberg . 
Polsterberg 
Aflenz . . 
Molk . . 
Scholtwien 
Wien . . 



• 



Zone iso. Gruppe 3. 

Pressburg 

Komorn 

Schemnitz 

Ofen 

Zonei7S Gruppe 1« 

Bregenz . . 
Bludenz • . 

S. Christoph 

S. Maria . • , 

Stilfserjoch . , 

Mals , . . , 
Landeck . • 

Imst # . . . , 

Mcran . ♦ . , 

Botzen . . . ( 

Innsbruck . , 

Brenner . . , 

Rattenberg ♦ , 

Brunnecken . , 



13° 11' 
13 24 
13 33 
13 36 






14 8 
14 15 
14 10 
14 28 
14 53 
14 57 

14 58 

15 14 
15 21 

15 52 

16 23 



17 4 

18 12 

18 55 

19 3 



9 
9 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
11 
11 
11 
11 
11 
11 



41 
45 
13 
24 
26 
30 
31 
40 
8 
18 
19 
24 
37 
54 



48° 15' 

48 27 

47 43 

48 1 



48 
47 

48 
47 

47 
47 
47 

47 

48 

47 

48 






3 

34 
18 
35 
32 
30 
28 
32 
14 
39 
13 



48 9 

47 45 

48 27 
47 29 



47 


30 


47 


9 


47 


8 


46 


31 


46 


32 


46 


41 


47 


8 


47 


14 


46 


40 


46 


30 


47 


16 


47 





47 


27 


46 48 



Normale 



Beob- 
achtete 



Intensität. 



Unterschied 
JS — B 



0.5566 
0.5543 
0.5649 
0.5613 



0.5624 

0.5688 
0.5592 

. 5697 
0.5719 
0.5725 
0.5729 
0.5729 
0.5635 
. 5729 
0.5669 



0.5698 
0.5782 
0.5710 
0.5832 



0.5581 
0.5627 
0.5640 
0.5716 
0.5716 
0.5698 
0.5643 
0.5631 
0.5714 
. 5740 
0.5643 
0.5680 
0.5628 

0.5722 



0.5563 
0.5561 
0.5608 
0.5597 



0.5598 
0.5696 
0.5603 
0.5712 
. 5725 
0.5712 
0.5726 
0.5723 
0.5630 
0.5720 
0.5666 










5711 

5782 



5732 



5827 



0.5572 
0.5626 
0.5624 
0.5713 
0.5707 
0.5689 
0.5650 
0.5615 
0.5710 
0.5740 
9.5638 
0.5685 
0.5632 

0.5718 



-f 0.0003 

— 0.0018 

— 0.0041 

— 0.0006 



-f 0.0026 

— . 0008 

— 0.001t 

— 0.0015 

— . 0006 
-f 0.0013 
+ 0.0003 
+ 0.0006 
+ 0.0005 
-f 0.0009 
4- 0.0003 



-0.0013 

0.0000 

— . 0022 

+ 0.0005 



+ 0.0008 
+ 0.0001 
4- 0.0016 
-f 0.0003 
4- 0.0009 
+ 0.0009 

— . 0007 
+ 0.0016 
+ 0.0004 

0.0000 

■f 0.0005 

— . 0005 

— 0.0004 
■f 0.0004 












• 




lVA 



HHBna 



■ 



A'tt 



I 






auf die Aeusservngen der magnetischen Erdkraft. 



279 



Beobachtung ort. 



Länge. 



Breite. 



Normale 



Beob- 
achtete 



Intensität. 



Unterschied 
N — B 



Beobachtungsort. 



Länge. 



Breite 



Normale 



Beob- 
achtete 



Intensität. 






Zone i7o, Gruppe 2. 

Lienz 

Bückstein 

Gastein 

Gamskarkogel . . . . 

Badstadt 

Gmünd 

Kreith 

Dobracz 

Bleiberg 






12° 44' 

13 2 
13 5 
13 

13 28 
13 30 



13 39 
13 41 
13 42 



4G°50' 
47 
47 10 
47 
47 23 
40 54 
40 30 
40 32 
40 30 



Unterschied 
N — B 



Zone 47«, Gruppe 3. 

Klagenl'urt 14 18 

S. Lambrecht .... 14 18 

14 45 

14 54 

15 17 
15 2S 
15 42 
15 57 
10 10 



Kalhvang . . . . 
S. Paul . . . . 

Brück 

Grata 

Marburg . . . . 

Gleichenberg . . 
Stein am Anger . 



Zone 46°, Gruppe 1. 

Isola bella 

Como 

Sondrio 

Brescia 

Bormio 

Biva 

Trient 

Vicenza 






47 



8 32 

9 4 
9 52 

10 11 
10 21 

10 50 

11 
11 32 



40 37 
4 

47 27 
40 43 
47 25 
47 4 

46 35 
40 52 

47 12 



0.5743 
0.5720 
0.5707 
0.5715 
0.5691 
0.5750 

0.5800 
0.5815 
0.5807 



0.5822 
0.5702 
0.5724 
. 5829 
. 5745 



0.5738 
0.5724 

0.5718 
0.5712 

0.5704 
. 5758 
0.5800 
0.5793 
0.5822 






45 53 
45 48 
40 10 
45 32 
40 30 
45 53 
40 3 
45 32 



0.5821 

0.5739 
. 573 1 
0.5827 
0.5744 



-f 0.0005 
-f 0.0002 

— 0.0011 
-f 0.0003 

— 0.0013 

— 0.0002 
4- 0.0000 
4- 0.0022 

— 0.0015 



Zone4tßo, Gruppe 2. 

Belluno . . 



Conegliano 



Udine 

GÖTZ 

Triest 



0.5794 0.5807 
0.5809 0.5851 



0.5834 
0.5792 



0.5751 
0.5784 
0.5740 
0.5829 
0.5717 
0.5S07 
0.5797 
0.5873 



0.5829 

0.5787 



+ 0.0001 
+ 0.0023 

— 0.0007 
+ 0.0002 
+ 0.0001 

- 0.0013 
0.0018 

+ 0.0005 
. 0005 



Zone 46o, Gruppe 3. 

Adelsberg 

Grotle .... . . 

Laibach 

Neustadt] 

Cilly 

Agram 



12° 13' 

12 18 

13 15 
13 38 
13 40 



14 14 
14 14 

14 32 

15 12 
15 18 
15 55 

Warasdin I 10 18 



40° 8' 
45 53 
40 4 
45 50 
45 39 



0.5727 
0.575S 

0.5719 

. 5842 

0.5090 

0.5831 

. 579 1 

0.5888 



0.0024 
0.0020 
+ 0.0027 



Zone 45°, Gruppe fi. 

lavia. . . . . . 

Mailand 

Cremona 

Man tu a 

Verona 

Zone 45", Gruppe 2. 
Bovigo 

Padua 



45 40 
45 47 
40 3 
45 48 
40 14 
45 49 
40 8 



0.5820 
0.5803 
0.5870 
. 5902 
0.5945 



9 10 

9 11 

10 1 

10 47 

10 57 



0.0013 ' Venedig 



+ 0.0021 

— 0.00-24 

+ o.oooo 

— 0.0015 



Pola. 

Fiume 



11 40 

11 52 

12 19 

13 48 



45 11 

45 28 
45 8 
45 9 
45 20 



0.5941 
0.5939 
0.5910 
0.5905 
0.5908 
0.5982 

0.5950 



0.5830 
0.5863 

0.5804 
. 5893 
0.5939 






0.5927 
. 5929 
0.5902 
0.5942 
0.59*21 
0.5975 
0.5927 



— 0.0004 
. 0000 

+ 0.0000 
. 0009 

+ 0.0000 



14 23 



45 4 
45 24 
45 20 

44 52 

45 19 



0.5849 
0.5815 

. 5874 
0.5893 
0.5805 



0.5854 
0.5831 

0.5887 

0.5898 

0.5871 



0.0014 
0.0010 
0.0008 
0.0023 
0.0013 

— 0.0007 

— 0.0023 



. 5940 
0.5901 
0.5914 
0.0029 
. 5999 



■ 



0.5944 
0.5914 
0.5903 
. 0030 
0.5989 



0.0005 
0.0010 
0.0013 
0.0005 
. 0000 



— 0.0004 

— 0.0013 
+ 0.0011 

— 0.0001 

+ 0.0010 



' Die speciellen Störungsquellen, welche in der vorstehenden Tafel angedeutet sind, können hier nicht 
weiter berücksichtigt werden; sie sind vielmehr Gegenstand eigener Untersuchungen, welche auf eine 
grössere Anzahl von Beobachtungen begründet werden müssen, als während der gemachten Beisen aus- 
geführt werden konnten. Immerhin mag es aber bemerkt werden, dass manche Umstände, denen man 
einen kräftigen Einfluss auf die Stärke der Magnetkraft zuzuschreiben geneigt ist, wenigstens auf dieses 
Element nicht erkenntlich einwirken. So geben die in Eisenerz, und selbst die in einem der ergiebigsten 
Schachte des dortigen Bergwerkes im St. Michaelstollen ausgeführten Beobachtungen keine grössere 
Abweichung zu erkennen, als man den gewöhnlichen Beobachtungsfehlern zuschreiben kann. Es hat sich 
jedoch bereits gezeigt, und wir werden auch später noch sehen, dass sich die Wirkung der in diesen 
Gegenden aufgehäuften Eisenlager auf eine grossartigere Weise zu erkennen gibt. 

Ganz unmerklich scheint der Einfluss der Höhe der Beobachtungsorte zu sein. Es wurden nemlich, um 
einen Beitrag zur Beantwortung der Frage zu liefern, ob die magnetische Kraft mit der Entfernung vom 
Mittelpuncte der Erde abnehme, auf mehreren Uöhenpuncten Beobachtungen angestellt. So hat der Gamskar- 
ko gel 1248 Toisen Seehöhe, der Hieronymus-Stollen auf demBathhausberge zu Böckstein 976, Bormio 688, 
S. Maria 1273, das Stilfserjoch 1399, S. Christoph auf demArlherge 932, der Brenner 693, der Polster- 
berg bei Eisenerz 972, der Dobracz oder die Villacheralpe 1101. Alle diese Puncte geben keine Abnahme 
der horizontalen Intensität zu erkennen, sondern gewähren eine eben so gute Uebereinstimmung, als 
andere, obschon auf den meisten von ihnen während eines zwei- oder dreistündigen Aufenthaltes die 
Beobachtungen nur in Eile, also nicht mit derjenigen Sicherheit ausgeführt werden konnten, wie die 
in den gewöhnlichen Stationen. Auch die im Innern der Erde, in der Adelsbcrger Grotte, in den Berg- 
werken zu Eisenerz, Kreith und Wiliczka gemachten Beobachtungen geben keine auffallenden Besultate . 
Die Aenderungen in d